The Punisher

Produktionsnotizen

Mit der Leinwandübersetzung von Marvels unbeugsamen Rächer THE PUNISHER hat Autor und Regisseur Jonathan Hensleigh einen rauen, kraftvollen Actionthriller erschaffen, der sich mit keinem anderen Film des Comicgenres vergleichen lässt. THE PUNISHER ist die Geschichte eines komplizierten Helden, der diejenigen stellt, die ungeheuerliche Verbrechen verübt haben.

Ein klassisches Actionmärchen in seiner aufregendsten und intensivsten Ausprägung. Der Held Frank Castle hat keine übermenschlichen Kräfte, doch seine jahrelangen Erfahrungen im Kampf und im Umgang mit konventionellen und exotischen Waffen haben ihn zu einer Ein-Mann-Armee gemacht - bekannt als "the Punisher". In seinem Regiedebüt paart Hensleigh eine dicht konstruierte Erzählung mit dem "lean-and-mean"-Naturalismus der wegweisenden 60er- und 70er-Jahre-Actionfilme.

Das Resultat ist ein Film, der so smart und entschlossen wie sein Held ist. THE PUNISHER ist natürlich perfekte Unterhaltung, doch hört es damit nicht auf. Als Gleichnis auf Rache und Erlösung spricht die Geschichte auch von unseren heute sehr unbeständigen Zeiten.

Hintergrund Im Februar 1974 stellte Marvel Comics den als The Punisher bekannten Rächer Frank Castle zum ersten Mal als Nebencharakter in The Amazing Spider-Man vor. Castle kam zu einer Zeit, in der auch andere Antihelden und Einzelgänger auf starke Resonanz stießen. So wie Gene Hackmans Popeye Doyle (The French Connection [French Connection - Brennpunkt Brooklyn, 1971]) oder Clint Eastwoods Harry Callahan (Dirty Harry (1971), Magnum Force [Dirty Harry II - Callahan, 1973]) - Cops, die das urbane Verbrechen auf ihre eigene schonungslose Art bekämpfen. Und fünf Monate nach dem Debüt von The Punisher kam im Juli 1974 der kontroverse Death Wish (Ein Mann sieht rot, 1974) in die Kinos, in dem Charles Bronson als New Yorker Architekt zum Rächer wird. Der Marvel Studios CEO und Produzent Avi Arad erläutert dieses Zusammentreffen: "Wie Filme spiegeln auch Comics die Zeiten wieder, in denen sie entstehen. The Punisher ist ein Nebenprodukt der 70er Jahre-Ängste vor Verbrechen und dem Zusammenbruch sozialer Strukturen."

Von Anfang an beanspruchte "the Punisher" einen Sonderplatz im Marvel-Universum. Er hatte keine übernatürlichen Kräfte. Ob nun im Nahkampf, Umgang mit Waffen oder in der Einsatzstrategie, seine Fähigkeiten waren zwar überragend, aber doch rein menschlicher Natur. So wie seine Leser war "the Punisher" aus Fleisch und Blut. Er wurde so beliebt, dass er eine eigene Serie bekam und 1990 mit ganzen drei Titeln pro Monat herauskam. Aufgefrischt wurde das Franchise in den letzten Jahren mit einer Reihe von eindringlich geschriebenen und beschwörend illustrierten Comicbüchern von Autor Garth Ennis und Zeichner Steve Dillon, zu denen die "Welcome Back Frank"-Serie gehört.

Im Jahr 2000 kehrte "the Punisher" mit einem von Marvels meistverkauften Solo-Büchern zurück und blieb weiterhin ein Bestseller der Firma. In den letzten Jahren konnte man schließlich den überwältigenden Erfolg von Comicverfilmungen erleben, die auf Marvel-Charakteren beruhen. Dazu gehören X-Men (2000) und X2: X-Men United (X-Men 2, 2003), Spider-Man (2002), Daredevil und Hulk (2003). Da die Figur des "the Punisher" nicht dem typischen Marvel-Superhelden entspricht, hielt es das Unternehmen für entscheidend, dass auch die Filmversion ganz eigene Wege beschreitet. Marvels Ari Arad, Koproduzent des Filmes, erklärt: "The Punisher ist verwegen und real. Wir wollten einen Film machen, der das wiedergibt."

Die Produzentin Gale Anne Hurd, die zuletzt Hulk (2003) produzierte, entschloss sich sehr schnell für das Projekt. "THE PUNISHER ist die Art Film, die ich als Kinobesucher sehen will, und das hat mich von Anfang an gereizt", erinnert sich Gale Anne Hurd. "Ich hatte die Taschenbuchausgabe von Welcome Back Frank gelesen und mir gefiel die Tatsache, dass es sich um eine völlig andere Art Held handelt. Frank Castle hat keine Superkräfte. Was er hat, sind Können und Fähigkeiten aus seinem militärischen Training sowie die Kraft und Sportlichkeit, um sie richtig einzusetzen."

Marvel und Hurd gaben das Projekt an Jonathan Hensleigh, den Drehbuchautor solcher Action-Blockbuster wie The Rock (The Rock - Fels der Entscheidung, 1996), Con Air (1997), Armageddon (Armageddon - Das jüngste Gericht, 1998) und Die Hard with Vengeance (Stirb langsam - Jetzt erst recht, 1995). "Wir sind große Fans von Jonathans Arbeit", so Marvels ausführender Produzent Kevin Feige. "Wir wollten, dass er irgendetwas für uns inszeniert und hatten ihm schon einige Projekte geschickt, bei denen es dann aber doch nicht ?Klick' gemacht hat. Jonathan ist sehr geradeheraus, ganz ähnlich wie Frank Castle. Er sagt immer was er denkt und wir dachten, er wäre perfekt für THE PUNISHER."

Hensleigh setzte sich hin, um die "Welcome Back Frank"-Serie zu lesen und legte das Buch nicht mehr zur Seite, bis er ungefähr zwei Stunden später fertig war. Rückblickend sagt er: "Es passiert nur selten in deiner Karriere, dass du einfach nur das Gefühl hast, als hätte jemand den Lichtschalter betätigt. Man weiß, dass man der Richtige für irgendetwas ist. Ich rief Marvel an und sagte, ?Ich will es machen.' Es war wirklich genauso simpel."

Hensleigh fühlte sich sowohl vom Thema als auch vom Tonfall des Comics angesprochen. "Ich mag Rachegeschichten", sagt er. "Das Problem ist nur, dass sie zu den Haupterzeugnissen des amerikanischen Kinos gehören und dementsprechend schon etwas abgenutzt sind. Doch diese spezielle Rachegeschichte hielt mich gefesselt und brachte frische Farbe in das Genre. Sie hat etwas Krasses an sich, zeigt aber durch die Nebencharaktere ein paar süße Seiten. Die Bewohner der Mietwohnungen sind beispielsweise sehr auffällig in der "Welcome Back Frank"-Serie. Ich denke, das hat viel damit zu tun, warum mich die Geschichte angesprochen hat. Sie war nicht nur rein nihilistisch."

Die Story und ihre Adaption Mit seinem Drehbuch weitete Hensleigh das ursprüngliche Thema der Rache aus, schuf neue Charaktere und eine Story, die es dem Film erlaubt, das Rachemotiv aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. In der Comicvorlage wird Frank Castle zum Rächer, nachdem seine Familie bei einem eher zufälligen Gewaltakt im Central Park umgebracht wird. Hensleigh adaptierte die Originalstory und schuf ein noch düstereres Szenario, in dem Castles gesamte Familie Opfer einer kriminellen Vendetta wird - einer Blutrache, deren Wurzeln in Castles Arbeit für das FBI liegen. Castles wilder Zorn vermengt sich so mit seinen Schuldgefühlen und der schmerzlichen Erkenntnis, dass die Regierungsbehörden versagt haben, auf deren Schutz er sich verlassen hatte.

Gale Anne Hurd erklärt es folgendermaßen: "Frank Castle hat immer geglaubt, dass es einen guten Grund gibt, Befehle zu befolgen. Er war immer der Ansicht, dass manchmal der Einsatz von Gewalt notwendig ist, um die Werte zu beschützen, die ihm während seiner Militärzeit beigebracht wurden. Und als seine Familie umgebracht wird und ihm klar wird, dass die Mörder nicht zur Rechenschaft gezogen werden, zieht er sich den schwarzen Ledermantel an und wird zum Rächer, um - so sieht er es - der Gerechtigkeit zu dienen."

Hensleigh strukturierte das Drehbuch so, dass die Vergeltungsgeschichten von Castle und seinem Widersacher nebeneinander stehen. "Es ist ein Film über Rache und ich wollte die verschiedenen Facetten der Rache betrachten", erläutert er. "Ich wollte zeigen, dass es eine Art gerechtfertigter Rache und eine Art korrupter Rache gibt."

Saint ist ein ausgesprochen moderner Krimineller, der seinen illegal erworbenen Reichtum einsetzt, um sein Ansehen und seinen Stand in der Gesellschaft auszubauen. Während er die Profite aus Drogen- und Prostitutionsringen wäscht, hat er nebenher rechtmäßige Geschäfte gegründet, darunter einen Autohandel und einen Gentleman's Club namens Saints and Sinners. Saint ist in gewisser Weise Castles Double, ein verzerrtes Spiegelbild: ein hart arbeitender, hoch intelligenter Mann und der Beste in seinem Fach, ein Mann, der seine Familie über alles liebt. Als sein Sohn Bobby bei einem Deal mit geschmuggelten Waffen stirbt, ist Saint bereit, alles zu riskieren, um diesen Tod zu rächen.

Bei der Schöpfung von Saints Charakter bezog Hensleigh seine ausgiebigen Recherchen über Kriminelle und ihre Psychologie mit ein. "Howard Saint glaubt, seine Vergeltung wäre gerechtfertigt", beschreibt der Filmemacher, "aber so wie viele Syndikatsmitglieder, hat sich Howard Saint von normalen Moralvorstellungen losgelöst und von der Welt abgesondert. Er glaubt, über dem Gesetz zu stehen, und ignoriert die schlichte Tatsache, dass sein Sohn von FBI-Beamten getötet wurde, als er das Gesetz brach." Darüber hinaus ist es Saint egal, dass seine eigene verbrecherische Karriere ein Vorbild für seinen unglückseligen Sohn war.

Avi Arad sieht Howard Saint als einen Schurken, der perfekt in die Marvel-Tradition passt: "Bei Marvel wollen wir, dass unsere Schurken eine menschliche Seite haben. Um einen Bösewicht zu verstehen, mußs man den Mann dahinter erkennen. Den Menschen, der am Ende des Tages nach Hause kommt. Howard Saint hat ein Leben, das er liebt, eine Frau, die er anbetet und Kinder, die er wie seine Augäpfel hütet. Aber im Hinterkopf ist ihm klar, dass sein Geschäft auch eine Schattenseite hat. Er lebt ein Leben voller Paranoia."

Diese Paranoia spielt eine große Rolle in Castles Vergeltungsplan, der die persönlichen Strukturen der Saint-Familie genauso mit einbezieht wie ihre illegalen Unternehmungen. Castles Strategie ist, Howard Saints wichtigste Stütze zu untergraben - seine Familie, zu der auch sein bester Freund und Anwalt Quentin Glass gehört. "Das ist die perverse Seite von Castle. Er könnte beispielsweise Howard Saint ganz einfach auf dem Golfplatz exekutieren, aber er entscheidet sich dagegen. Es ist ihm nicht genug", beschreibt Hensleigh. "Castle kann es vielleicht noch nicht in Worte fassen, aber seine Philosophie beginnt sich langsam auszuprägen. Später sagt er, es geht nicht um Rache, was eine emotionale Reaktion wäre, sondern um Bestrafung. Wenn er es benennen könnte, würde er vermutlich sagen, dass manche Verbrechen so ungeheuerlich und grausam sind, dass sie eine dementsprechende Bestrafung verdienen."

Hensleigh baute die Rollen von Castles Nachbarn Joan, Dave und Mr. Bumpo aus, die in der "Welcome Back Frank"-Serie vorgestellt wurden. Das Trio wird Castles einzige Verbindung mit der Gesellschaft - mit Humor und Wärme sorgen sie schließlich dafür, dass er wieder mehr sehen und fühlen kann als nur seinen Schmerz.

"Sie alle sind gebrochene Menschen. Castle ist ein gebrochener Mann. Er heilt sie, sie heilen ihn", so Hensleigh. "Durch die milder und menschlicher stimmenden Effekte dieser Ersatzfamilie und durch die Tatsache, dass er sich um sie sorgt und ihnen zur Hilfe gekommen ist, wird ihm klar, dass seine Bestimmung über die Rache für den Tod seiner Familie hinausgeht."

Die Besetzung Ganz in der Tradition der großen Einzelgänger ist auch "the Punisher" ein Mann weniger Worte. Bei der Besetzung der Titelrolle suchte Hensleigh einen Schauspieler, der nicht nur die körperlichen Fähigkeiten des Charakters ohne Worte darstellen konnte, sondern auch seine Gefühlswelt. Er konzentrierte sich mehr und mehr auf Tom Jane, der in so unterschiedlichen Filmen wie "61*" (2001), Deep Blue Sea (1999) und Boogie Nights (1997) mitgespielt hatte. "Tom Jane hatte ich die ganze Zeit vor Augen", erinnert sich Hensleigh. "Ich wollte einen Schauspieler, der bereit ist, eine eher spartanische Performance zu liefern, und ich war unglaublich beeindruckt von Toms Leistung in "61*" (2001).

Ich fand, dass er eine "Jedermann-Qualität" hatte. Er sah gut aus, aber nicht wie ein GQ-Model; er wirkte eher markant und erfahren. Für mich ist er ein ?purer' Schauspieler, wie ich es nenne. Seine Performance kommt ganz natürlich aus ihm heraus. Er mußs sich nicht so sehr anstrengen und kann ein großes Spektrum von Emotionen darstellen, ohne sich vor der Kamera groß zu bewegen."

Wie es der Zufall wollte, war Jane seit seiner Kindheit ein begeisterter Comic-Leser. Er hatte The Punisher als Kind gelesen und war begeistert von den jüngeren Comics von Ennis und Dillon. "Die Chance zu bekommen, Frank Castle auf die große Leinwand zu bringen, war unglaublich aufregend", sagt der Schauspieler. "Hier hat man einen einzigartigen Charakter, der über spezielle Fähigkeiten verfügt und sein Leben ausnahmslos nach Idealen lebt. Frank hatte sein Leben der Durchsetzung eines Justizsystems gewidmet, dem er völlig vertraute. All das, wofür er gelebt und an das er geglaubt hat, zerbricht schließlich, als seine gesamte Familie getötet wird. Frank ist voll von unbändiger Wut und unvorstellbarem Schmerz. Es gibt nichts mehr in seinem Leben, das davon unberührt bleibt."

Hensleigh erinnert sich, dass er und Jane vom ersten Treffen an die gleiche Vision für diesen Charakter teilten. "Wir haben uns entschieden, einen großen Teil der Gefühle des Charakters still zu spielen oder mit sehr wenig Dialog. Die meisten Filme, die wir noch aus unserer Jugendzeit verehrten, waren Antihelden-Stoffe mit Schauspielern wie Clint Eastwood, Steve McQueen oder Charles Bronson in den Hauptrollen. Das waren keine verbalen Rollen. Diese Stars haben regelmäßig gebrochene Männer gespielt, die nicht ausdrücken konnten, was wirklich in ihnen vorgeht."

Man war sich einig, dass Tom Jane in der Lage ist, die nötige emotionale Verbindung zum Publikum zu knüpfen. Ari Arad drückt es so aus: "Tom ist ein bemerkenswerter Schauspieler. Er hat etwas Schwermütiges. Man kann Castles Schmerzen spüren und verstehen, was er durchmacht."

Weil man mit Jane einen beeindruckenden "Punisher" gefunden hatte, brauchte man natürlich einen ebenso perfekten Schauspieler für die Rolle des Howard Saint. Die Filmemacher traten an Superstar John Travolta heran und waren begeistert, als er positiv reagierte. "Mit nur einem Gesichtausdruck, einem Blick oder ein paar Worten kann John Travolta die Macht seines Charakters vermitteln", so Hurd. "Ich halte John Travolta und Tom Jane für die perfekte Held/Schurke-Kombination."

Travolta beschreibt den Film als eine Weiterentwicklung der Comic-Norm: "Es zeigt einen völlig anderen Marvel-Helden, der eben nicht übermenschlich ist. Ich fand es erfrischend, dass es eher in der Realität fußt als in Fantasy oder Science-Fiction." Neben Travolta und Jane wurden auch die weiteren Rollen mit außergewöhnlichen Schauspielern und Schauspielerinnen besetzt.

Samantha Mathis (Little Women [Betty und ihre Schwestern, 1994]) spielt Castles bodenständige Frau Maria und für die Rolle von Franks Vater Frank Sr. wurde der Oscar©-nominierte Schauspieler Roy Scheider gefragt, der in solchen 70er-Jahre-Klassikern wie The French Connection (French Connection - Brennpunkt Brooklyn, 1971), Klute (1971) und Marathon Man (Der Marathon-Mann, 1976) gespielt hat. Scheider war beeindruckt vom realistischen Tonfall der Story. "Für mich war die Action sehr glaubwürdig", so Scheider. "Es war kein Film, bei dem es auf die CGI-Effekte ankam. Jonathan hatte definitiv eine Geschichte über einen Menschen geschrieben."

Hensleigh war zufrieden damit, wie sich Jane, Mathis und Scheider in ihre Rollen als Familienmitglieder fügten. "Wie man Castle als Familienmensch wahrnimmt, ist entscheidend, um zu verstehen, wer er ist", hebt der Filmemacher hervor.

Nach dem Mord an seiner Familie hat er nur zu seinen Nachbarn Joan, Mr. Bumpo und Dave eine Beziehung. Bei der Besetzung dieser Rollen, suchte sich Hensleigh Schauspieler aus, die die einzigartige Kameradschaft von drei Menschen, die im Grunde von der Gesellschaft vergessen wurden, darstellen konnten.. Diese drei werden zur Ersatzfamilie für ihren schweigsamen neuen Nachbarn. Beeindruckt von ihren Leistungen in den Marvel-Filmen X-Men (2000) und X2 (X-Men 2, 2003) sowie von ihrer Hauptrolle in Brian De Palmas Femme fatale (2002) wandte sich Hensleigh an Rebecca Romijn-Stamos. Im Comic ist Joan schüchtern und unattraktiv, was sich durch die Besetzung mit Rebecca Romijn-Stamos natürlich veränderte. "Im Comic gab es keinen sexuellen Unterton, was Joan angeht, doch das funktioniert nicht mit Rebecca Romijn-Stamos", verdeutlicht Hensleigh. "Niemand würde einem das abkaufen."

Der Komiker John Pinette übernahm die Rolle des Mr. Bumpo und der junge Schauspieler Ben Foster wurde als Dave besetzt.

Durch Travolta als Howard Saint wurde selbstverständlich auch die Rolle seiner angebeteten Frau Livia entscheidender. Hensleigh zeichnete sie als weibliche Version ihres gewissenlosen Mannes, eine Schönheit, die unbedingt dem harten kubanischen Viertel entfliehen wollte, in dem sie aufgewachsen war. Und selbst als ihre Kinder schon erwachsen sind, haben sich die Saints ihre Liebe füreinander bewahrt. "Ihre Beziehung ist in keiner Weise in den Alltagstrott gefallen, den man bei so langen Ehen häufig sieht", so Hensleigh. "Sie fühlen immer noch große Leidenschaft füreinander." Den Part der Livia Saint übernahm Laura Harring, die in David Lynchs Mulholland Drive das Starlet mit Gedächtnisschwund spielt. Sie beschreibt Livia als eine untypische Femme Fatale: "Eine klassische Femme Fatal ist auf eine gewisse Art und Weise gefühlskalt. Im Gegensatz dazu hat Livia sehr wohl ein Herz und es gehört ihrer Familie. Doch durch den Tod ihres Sohnes wird sie zur tödlichen Waffe."

Vervollständigt wird der Saint-Clan mit Will Patton als Saints Anwalt und bester Freund Quentin Glass und Eddie Jemison als unglückseliger Lakai Micky Duka. Die Rollen Bobby und John Saint wurden beide von James Carpinella übernommen. Hensleigh hatte Carpinello als John Saint besetzt, fand aber keinen passenden Schauspieler für seinen todgeweihten Bruder. Zu dieser Zeit traf sich der Filmemacher erneut mit Carpinello und kam auf diese ungewöhnliche Idee. "Ich fuhr von dem Treffen nach Hause", erinnert sich Hensleigh, "und sagte mir, ?Ich nehme James für beide Rollen.' Das war's."

Mit The Russian und Harry Heck wurden zwei von Castles Gegnern aus der "Welcome Back Frank"-Serie ebenfalls für den Film adaptiert. Comic-Fans wird es freuen, dass The Russian von dem professionellen Wrestler Kevin Nash zum Knochen brechenden Leben erweckt wird. Während The Russian eine bedeutende Rolle im Comic hat, tauchte Harry Heck in nur drei Bildern auf, doch Hensleigh mochte seinen Namen und entschied sich, ihm eine neue Persona zu geben und ihn in einen musikalischen Killer aus Memphis zu verwandeln. Im Film wird er von dem Country-Sänger und Schauspieler Mark Collie gespielt, den Hensleigh schon seit einigen Jahren kannte. "Er ist ein großartiger Sänger. Sehr talentiert. In einem Kurzfilm, den ich sehr mochte, hat er mal Johnny Cash gespielt. Ich fing an, die Rolle auszuarbeiten, und mir wurde klar, dass sie perfekt für Mark wäre."

"Oldschool-Action" Stil, Ton und Technik von THE PUNISHER beschwören die straffen, energetischen Actionfilme herauf, die in den 60er und 70er Jahren ihre große Zeit hatten. "Ich verehre die Actionfilm-Tradition von Filmemachern wie Sergio Leone, Clint Eastwood, Sam Peckinpah und besonders Don Siegel", sagt Hensleigh. "Ich liebe die Sparsamkeit dieser Filme. Ich liebe die klassische Kameraarbeit, die sich ausschließlich auf das Geschichtenerzählen konzentriert." Hensleigh und die Produzenten stellten eine Crew von wichtigen Mitarbeitern zusammen, die diese Ästhetik durch und durch verstanden und zu schätzen wussten - angefangen mit dem Kameramann Conrad W. Hall. Dieser Film ist die zweite Kinoarbeit von Hall, der zuvor Panic Room (2002) für David Fincher aufgenommen hatte.

"Jonathan wollte einen Film mit einem eher klassischen visuellen Stil, mit einer unaufdringlichen Kamera und dramatischer Ausleuchtung, die die Spannung in bestimmten Szenen anzieht. Das war aufregend für mich, weil man so leicht in die Falle gerät, einfach nur das übertreffen zu wollen, was im Moment gerade angesagt ist, und nur selten neue Wege beschritten werden", sagt Hall. Die Liebe und den Respekt für die Kunst des Geschichtenerzählens hat Hall von seinem Vater, dem verstorbenen, hoch geschätzten Kameramann Conrad L. Hall. "Mein Vater war ein großartiger Filmemacher und ihm ging es immer darum, die Kamera auf die Geschichte zu halten."

In der Vorbereitungsphase schauten sich Hensleigh und Hall dutzende Actionfilme, Verbrechersagen und Western an, die zwischen 1960 und 1978 entstanden. Dazu gehörten die Dirty-Harry-Filme, The Getaway (Getaway, 1972), Il Buono, il brutto, il cattivo (Zwei glorreiche Halunken, 1966), The Godfather (Der Pate, 1972) und Bonnie and Clyde (1967). Diese Filme halfen dabei, das filmische Vokabular zu etablieren, das Hensleigh und Hall sich für THE PUNISHER wünschten. "Wir wollten "the Punisher" als überlebensgroßen Charakter entwerfen", erklärt Hall, "und ohne diese Filme zu kopieren, lieferten sie uns einen Grundwortschatz, mit dem wir kommunizieren konnten."

Hensleigh und Hall entschieden sich, den visuellen Stil von THE PUNISHER so naturalistisch wie möglich zu belassen. Das passte sowohl zu der muskulösen Story als auch zu dem realistischen Stil des Comics. Vorgegebene Farbpaletten wurden meistens vermieden und Hall führte eigentlich nur Blautöne ein, um die emotionalen Motive zu unterstreichen. "Jonathan war der Ansicht, dass wir uns bei der Farbgebung von den Räumen und der Natur leiten lassen sollten", erklärt Hall. "Letztendlich kamen wir auf einen realistischen und originellen Stil für THE PUNISHER. Die Idee hinter diesem Film ist, dass er düster sein soll - es ist eine finstere Geschichte - aber schön."

Der unbeugsame Realismus des Filmes wird verstärkt durch einen deutlichen Unterton aus schwarzem Humor. Frank Castle mag ein Mann weniger Worte sein, aber sie reichen ihm für ironischen Biss. "Das Herz der Geschichte erzählt von einem unglaublichen Verlust", verdeutlicht Jane. "Die Herausforderung lag darin, möglichst nah an diesem Schmerz zu bleiben und trotzdem einen gewissen Humor in bestimmten Situationen zu finden. Es war wichtig, den Horror mit etwas Witz zu entschärfen. Der Film soll unterhalten. Wir müssen auch lachen können. Wir brauchen dieses emotionale Ventil."

Von Anfang an war Hensleigh darauf bedacht, die Actionszenen so zu gestalten, dass sie den Schauspielern und Stuntleuten gehörten. Jede Verfolgungsjagd, jeder Kampf und jede Schießerei sollte in den Grenzen menschlicher Möglichkeiten stattfinden. "Ich mag praktische Actioneinlagen, die von Stuntleuten ohne CGI-Unterstützung gemacht werden können", sagt er. "Ich habe viel Zeit damit verbracht, noch mal all die Dinge zu überarbeiten, die ich zeigen wollte. Ich wollte keine riesigen Stunts schreiben, die allen Naturgesetzen widersprechen."

Gale Anne Hurd fügt hinzu: "Wir haben einen Charakter ohne Superkräfte...und ohne Superkräfte, mußs man konventionelle Techniken anwenden, um seine Feinde zu überwältigen. Als Filmemacher haben wir genau die gleiche Philosophie begrüßt. Wir wollten konventionelle Methoden einsetzen. Es gibt keinen Moment in diesem Film, wo man hinschaut und sagt, ?Ach, das ist nur eine CGI-Einstellung!' oder ?Ist das nicht eine großartige CGI-Szene?'. Anstelle dessen wird man genau das glauben, was man sieht."

Tatsächlich gibt es auch einen sehr guten Grund, das zu glauben, was man sieht, denn Tom Jane hat 90% seiner Stunts selbst gemacht. "Tom wollte seinen Charakter komplett darstellen und dazu gehörte eben, fast alle Stunts selbst zu machen. Im Allgemeinen ist so etwas das Letzte, was man als Produzent hören will", so Hurd. "Als Zuschauer bekommt man dadurch allerdings eine unglaubliche Authentizität, denn selbst in den Stunts sieht man den Mann, der den Charakter Frank Castle erschaffen hat."

Um das zu erreichen, mußste Jane also nicht nur in Topform sein, sondern er mußste all das erlernen, was "the Punisher" vom Kämpfen versteht.

"The Punisher" wird fit gemacht Mit dem geplanten Produktionsstart im August 2003 begann Tom Jane ein intensives 8-Wochen-Trainingsprogramm im Mai 2003. Eine lebensechte Militärausbildung, ein Fitnesstraining und ein abgestimmter Diätplan gehörten zu diesem Programm, das von dem ehemaligen Navy SEAL Harry Humphries entworfen wurde. Er ist der Gründer von Global Studies Group, Inc. (GSGI), einer Beratungs-/Trainings-/Sicherheits-Firma, die von aktiven und ehemaligen Militär- und Polizeispezialisten geführt wird. Das Debüt im Filmgeschäft hatte GSGI bei dem von Hensleigh geschriebenen Actionhit The Rock (The Rock - Fels der Entscheidung, 1996).

Janes Militär- und Waffenausbildung war so gestaltet, dass sie dem Training entsprach, das Castle als Marine mit einer Antiterrorweiterbildung als Special Operator erhalten hätte. Der technische Berater Mike Mello von GSGI beschreibt es so: "Als Special Operator ist das Training sehr viel ausgeprägter und spezialisierter als bei normalen militärischen Programmen. Er beherrscht Antiterror-Taktiken, psychologische Taktiken und er verfügt über spezielle Waffenkenntnisse. Wir lehren genau die Dinge, die auch in echt gelehrt werden, denn die Realität ist unser Maßstab. Alles, was wir Tom beigebracht haben, ist echt und wird heutzutage verwendet."

Der ehemalige Navy SEAL Kirk Campbell, ebenfalls von GSGI, überwachte das Waffentraining von Jane. Seine Lektionen begannen mit dem Colt 1911, der Standard-Polizeiwaffe, und dann folgten Schulterwaffen wie die M-16 und die kürzere M-16-Version M-4, die von taktischen Teams auf der ganzen Welt eingesetzt wird. In der letzten Kategorie fanden sich schließlich die Granatenwerfer.

Mike Mello trainierte Jane in Taktik und Kampftechnik, wozu auch der unbewaffnete Kampf sowie so genannte "edge weapons", also scharfkantige Waffen gehörten. Die Trainingseinheiten im unbewaffneten Kampf umfassten Kickboxtechniken mit unterschiedlichen Strategien aus Israel, Japan, den Philippinen und Brasilien. Die "edge"-Waffen schlossen ein Vielzahl von verschiedenen Messern mit ein, darunter so exotische Klingen wie das Karambit aus Südostasien und das "Balisong", das man auch als "Butterfly-Messer" kennt. Jane wurde beigebracht, wie man die Messer korrekt hält, welche Winkel man für bestimmte Schnitte nimmt und mit welcher Strategie man vorgeht.

"Wir haben uns wirklich auf die ?edge'-Waffen konzentriert", erklärt Mello, "weil Toms Charakter Frank gerne mit Messern spielt. Wir haben bei den Grundlagen angefangen und ihn dann mit eher fortgeschrittenen, komplexen Mustern trainiert Wir mußsten ihn da durchjagen, da wir nur eine kurzen Zeitraum hatten, um ihn so weit zu bringen, dass es aussieht, als wäre er ein extrem fähiger Kämpfer. Tom bekam es mit Stoff zu tun, den man normalerweise erst nach einem Jahr vermitteln würde."

Gleichzeitig absolvierte Jane ein rigoroses Fitness- und Diätprogramm, das von dem Fitnesstrainer John McLaren zusammengestellt und überwacht wurde. Das Programm war so gestaltet, dass Janes Kraft, Agilität, Energie und Ausdauer ausgebaut wurden, um ihn für die Herausforderung in THE PUNISHER fit zu machen.

"Unser Hauptaugenmerk lag darauf, Tom schlanker, kräftiger und muskulöser zu machen. Wichtig war aber auch, dass er dabei beweglich und athletisch bleibt, was notwendig für die Kampfszenen war", sagt McLaren. "Ich ziehe gerne den Panther als Beispiel heran, weil es ein Tier ist, das kaum Energie verschwendet, schnell ist und über unglaubliche Kraft verfügt. Der Panther hat Präzision, Eleganz und eine unvorstellbare Bewegungsökonomie."

McLaren ließ Jane mit 45-minütigem Ausdauer-Spinning an drei bis vier Tagen die Woche beginnen. Einige Zeit später wurde das Pensum auf ein- bis zweistündige Einheiten an fünf oder sechs Tagen die Woche erhöht. An vier Tagen die Woche stemmte Jane Gewichte und wechselte dabei zwischen Powerlifting-Einheiten und Bodybuilding-Routinen, die sich auf isolierte Muskelgruppen konzentrierten. Eine typische Gewichte-Einheit dauerte 90 Minuten und wurde manchmal noch am gleichen Tag wiederholt. Eine Strategie, die schnelle Erfolge zeigte.

Janes Diät wurde im Lauf des Trainings regelmäßig angepasst, um das angepeilte Ziel von 8% Körperfett zu erreichen. Nachdem er mit einer begrenzten Diät angefangen hatte, um konstant Gewicht zu verlieren, wurde er für vier Wochen auf eine Null-Kohlenhydrat-Diät gesetzt, die man als "Opus One" kennt. Er durfte nichts anderes als Eiweiß und Fett zu sich nehmen. Während Janes Terminplan immer voller wurde und der Beginn der Produktion sich näherte, wurde Jane auf eine hauptsächlich flüssige Diät gesetzt, die er auch fast die ganzen Dreharbeiten über beibehielt. Einmal am Tag nahm er feste Nahrung zu sich und am Wochenende oder freien Tagen auch mal öfter. "Er hatte ein unwahrscheinliches Durchhaltevermögen bei dieser Diät", erinnert sich McLaren. "Er wurde auch bei den Dreharbeiten von Woche zu Woche schlanker, was normalerweise nie passiert."

Mello gibt Jane die besten Noten: "In den letzten 8 Jahren im Filmgeschäft hatte ich es mit vielen Leuten zu tun und sie alle haben hart gearbeitet. Aber niemand hat so hart an einer Rolle gearbeitet und so viel Leidenschaft hineingesteckt wie Tom Jane. Er hat diese Figur erschaffen. Wir haben ihm den Weg gezeigt, aber er mußste ihn am Ende alleine gehen. Und das hat er getan."

Dreharbeiten, Drehorte, Kostüme und Stunts Die Dreharbeiten zu THE PUNISHER begannen im August 2003 in Tampa, Florida. Der Großteil des Filmes wurde in Tampa aufgenommen, die Puerto Rico-Sequenz wurde auf Honeymoon Island gefilmt, einem Nationalpark in Clearwater, Florida.

Für die Gestaltung der Sets wählte Hensleigh den Produktionsdesigner Michael Hanan, der häufig mit dem verstorbenen John Frankenheimer zusammengearbeitet hatte. "Wir brauchten für diesen Film einen Logiker und jemanden, der alles gestalten kann - düstere, urbane Straßenzüge, einen edlen Nachtclub, ein angeberisches Büro oder ein Haus im Vorort", erklärt der Filmemacher. "Und Michael Hanan war genau der richtige Mann dafür. Er ist brillant."

Den glitzernden Nachtclub Saints and Sinners gestaltete er in einer Bank in Tampa, die öffentlichen Aufenthaltsräume auf Honeymoon Island verwandelte er in das Familienanwesen der Castles und er designte das Mietshaus, das zu Castles neuer Heimat wird.

Obwohl "the Punisher" kein Kostüm im herkömmlichen Sinne besitzt, trägt er trotzdem eines der bekanntesten Marvel-Kleidungsstücke: ein T-Shirt, auf dem ein Totenkopf prangt. Das Design des T-Shirts vertrauten die Filmemacher der Kostümdesignerin Lisa Tomczeszyn an, die zuvor an den Marvel-Comic-Verfilmungen Spider-Man (2002) und Daredevil (2003) gearbeitet hatte. "Lisa verstand, was wir mit dem Punisher-T-Shirt erreichen wollten. Es ist ein etwas übertriebenes Design. Es stammt aus dem Comic und das mußste man genau richtig treffen", sagt Hensleigh. "Außerdem hat sie einen perfekten Sinn für klassische Garderobenauswahl, welches wegen all den anderen realen Charakteren wichtig war."

Für die Action-Choreographie engagierte Hensleigh den erfahrenen Stuntkoordinator und Second-Unit-Regisseur Gary Hymes, und der tobte sich genüsslich in Hanans Apartmentset aus, als eine der wildesten Actionsequenzen des Filmes auf dem Programm stand: der Kampf zwischen Castle und einem gigantischen Killer namens The Russian. Von Zimmer zu Zimmer, aus dem Apartment über den Flur, durch Türen und Wände ließ Hymes die beiden kämpfen und hat dabei einige von Castles Waffen und Ausrüstungsgegenständen eingebaut, darunter so ziemlich alles, was sich zum Schlagen eignet - später auch den Lastenaufzug in seiner Wohnung. "Gary fügte immer neue Sachen in diese Kampfsequenz ein und es wurde besser und besser", erinnert sich Hensleigh.

Dieser Kampf ist ebenso brutal wie komisch, ein Tanz von harter Gewalt zu den Klängen "La donna è mobile" aus Puccinis Oper Rigoletto, die in Mr. Bumpos Apartment läuft. Hensleigh war der Ansicht, dass Humor die Spannung der Szene nur noch verstärken würde. "Ich wollte einen Tonfall, wie man sie aus den Kampfszenen in alten Bondfilmen kennt. Ich wollte nicht nur Wut und die Gewalt darstellen, sondern auch eine unterhaltsame Geschicklichkeit", erläutert der Filmemacher. "Viele Kampfszenen wollen unheimlich ernst und knallhart sein. Meiner Erinnerung nach haben die Bondfilme nicht versucht, so ernst und hart zu sein, und dabei trotzdem sehr viel mehr Gewalt vermittelt. Ich denke, wenn man es ein bisschen lockerer angeht, kann man den Eindruck von Gefahr sogar noch vergrößern."

In diesem Kampf wird Castle vom Russian durch eine Wand geworfen und landet im leeren Hausflur. Dieser Stunt wurde erstaunlicherweise von Jane selbst gemacht, was Stuntkoordinator Hymes in den meisten Fällen nicht erlaubt hätte. "In meinen 27 Jahren in diesem Geschäft kann ich die Schauspieler an einer Hand abzählen, die das hätten leisten können", erzählt er. "Tom hat sich lange vorbereitet und war in hervorragender Kondition. Zudem ist er ein exzellenter Athlet und war in der Lage, 90 Prozent aller Stunts selbst zu machen, was enorm ist."

Dennoch war Hymes fassungslos, als Jane durch die Wand brach: "Ich habe noch nie jemanden so durch eine Wand gehen sehen. Es gab ein paar Momente, in denen ich mir Sorgen machte, dass etwas passiert ist, als ich auf den Monitor blickte, doch Thomas hat außerordentliche Reflexe und Instinkte, die ihm halfen, sich genau richtig zu schützen. Ich war jedenfalls erleichtert, dass er in Ordnung war und seine Schmerzen nur gespielt waren."

THE PUNISHER wurde in 52 Tagen gedreht, was ein hohes Tempo für einen Film mit dieser Anzahl an Actioneinlagen bedeutet. Da er bei vielen Filmen am Set mit dabei war, darunter (Armageddon - Das jüngste Gericht, 1998), The Rock (The Rock - Fels der Entscheidung, 1996) und Con Air (1997), konnte Hensleigh schon bei seinem Spielfilmdebüt auf einige Erfahrungen zurückblicken. "Jonathans Perspektive als Autor war schon immer die eines Regisseurs", schätzt Gale Anne Hurd. "Er sieht die Dinge nicht nur aus den Augen der Charaktere und Schauspieler, sondern aus einem sehr visuellen Blickwinkel, was eine sehr seltene Kombination ist. So macht man im Grunde überragende Filme in diesem Genre."

Jane sieht das genauso und fügt hinzu: "Jonathan ist ein toller Regisseur und Teamarbeiter. Er erlaubte mir, Dinge in die Rolle einzubringen, die nur von mir stammen. Er ist ein Geschichtenerzähler und sein wichtigstes Ziel ist es, die Geschichte so gut wie möglich zu erzählen."

Für den Schnitt dieser Geschichte arbeitete Hensleigh mit dem Cutter Steven Kemper zusammen, der schon Face/Off (Im Körper des Feindes, 1997)und Mission: Impossible II (2000) geschnitten hat. Hensleigh wusste, dass Kemper in der Lage wäre, die Actionszenen zu komponieren, doch der Cutter bewies darüber hinaus eine große Nähe auch zu den ruhigeren Momenten des Filmes. "Steven ist bekannt für seine Actionsequenzen, aber er geht auch wundervoll mit Dialogen und emotionalen Szenen um", sagt Hensleigh. "Er hat fantastische Arbeit geleistet."

Abschließende Gedanken Mit diesem neuesten Marvel-Helden, der sich selbstbewusst anschickt, die Leinwand zu erobern, ist ein weiterer großer Wurf gelungen. Avi Arad ist sich sicher, dass die Comic-Fans mit THE PUNISHER zufrieden sein werden. "Das Wichtigste ist, dem Charakter treu zu bleiben", so Produzent Arad. "Jonathan Hensleigh hat sich nicht nur die Vorlage zu Eigen gemacht, er hat sie verstärkt und erweitert. Das hier war die einzigartige Möglichkeit für uns, etwas Realistisches, Mutiges und Hartes zu machen. Wir glauben, mit THE PUNISHER ist das gelungen."

Frank Castle ist nicht mehr der Rächer aus dem Jahr 1974. THE PUNISHER spricht über die Ängste einer anderen Ära. "Ich halte ihn für einen Charakter unserer heutigen Zeit. Fragen zu Gerechtigkeit und Moral von Racheakten oder Vergeltungsschlägen beschäftigen uns heutzutage auf jeden Fall", macht Hensleigh deutlich. "Als Filmemacher nehme ich persönlich keine Stellung dazu, aber ich habe darauf geachtet, dass der Charakter - so wie es der Comic vorgibt - an bestimmte Regeln gebunden ist. Wenn jemand sich ein Leben für die Rache aussucht, wenn man so will ?im Dienste der Gesellschaft', dann ist es absolut notwendig, dass er sich an harte Regeln hält. Castles Regel ist, dass er nur diejenigen verfolgt, die sich wirklich schändlicher Verbrechen schuldig gemacht haben. Darüber darf er selbst keinen Zweifel haben oder sie müssen zweifelsfrei verurteilt worden sein und sind dann doch wieder frei gekommen. Castle geht nicht leichtfertig und mutwillig mit seiner Rache um."

Tom Jane nimmt diesen Gedanken auf: "Frank Castle entdeckt, dass Menschen über ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche hinauswachsen und sich einem höheren Ziel widmen können. Man kann etwas ändern, wenn man sich einer Sache verschreibt, an die man voll und ganz glaubt, und keinerlei Dank dafür erwartet. Ich denke, das ist es, was Frank ausmacht und was ihn zum ?Punisher? macht."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Columbia Tristar © 1994 - 2010 Dirk Jasper