Lilja 4-ever

Ausführlicher Inhalt

Ein junges Mädchen rennt ziellos und von Angst getrieben durch eine Trabantenstadt bis sie zu einer Autobahnbrücke kommt.

Drei Monate früher.

Ein trister Vorort irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion. In einer heruntergekommenen Mietskaserne bewohnt die 16jährige Lilja (Oksana Akinshina) mit ihrer Mutter (Ljubov Agapova) eine noch einigermaßen intakte Wohnung. Beide haben den gleichen Traum - raus aus der post-kommunistischen Tristesse. Ihre Chance: ein neuer Geliebter der Mutter, der als Exil-Russe in den USA lebt und sie mitnehmen will. Kurz vor der Abreise aber wird Lilja eröffnet, dass sie leider nicht mitreisen kann. Ihr bleibt nur das vage Versprechen, dass die Mutter sie irgendwann später nachholt.


Doch kaum ist die Mutter abgereist, taucht auch schon ihre Tante Anna (Lilia Shinkareva) in der Wohnung auf und zwingt Lilja ihre Sachen zu packen und umzuziehen. Sie bringt sie in eine verwahrloste Wohnung, in der kurz zuvor ein alter Mann gestorben ist. Auf sich allein gestellt, versucht Lilja ihr bisheriges Leben aufrecht zu erhalten. Sie geht zur Schule, trifft Freunde und wartet auf Post aus Amerika - vergeblich. Das wenige Geld, das ihre Mutter ihr beim Abschied gab, ist bald aufgebraucht.

In ihrer Not geht Lilja zur Wohnung ihrer Tante und mußs erfahren, dass diese in der Zwischenzeit selbst in die Wohnung, in der sie und ihre Mutter lebten, eingezogen ist. Als Lilja sie aufsucht und um eine Erklärung bittet, erhält sie nur die schroffe Antwort, dass sie die Miete ja nie hätte aufbringen können. Und überhaupt, sollte sie Geld benötigen, müsse sie nur tun, was ihre Mutter getan hat - die Beine breit machen.

Und tatsächlich ist Lilja bald in einer ausweglosen Situation. Einzig der 11jährige Volodya (Artiom Bogucharskij) steht ihr zur Seite, aber helfen kann auch er nicht. Immer auf der Flucht vor seinem prügelnden, saufenden Vater, sucht er Zuflucht bei Lilja und übernachtet immer wieder mal in ihrer dreckigen Bleibe. Im Kerzenschein, weil der Strom abgestellt wurde, erzählen sie sich ihre Geheimnisse, z. B. dass Lilja am gleichen Tag Geburtstag hat wie Britney Spears und Volodya gerne der neue Michael Jordan werden würde. Sie machen sich gegenseitig Mut und schnüffeln Klebstoff, um den Hunger und das Elend zu vergessen.

Eines Abends auf dem Weg in die Disco erfährt Lilja von ihrer Freundin Natasha (Elina Benenson), dass diese gelegentlich mit fremden Männern geht - und sich dafür bezahlen lässt. So auch an diesem Abend. Lilja ist erschrocken und wehrt ab. Am nächsten Tag erscheinen Natasha und ihr Vater vor Lilja´s Tür. Während Lilja mit verächtlichen Blicken des Vaters durchbohrt wird, drückt Natasha ihr ohne eine Erklärung Geld in die Hand.

Als Lilja am nächsten Tag verwundert Natasha fragt, was geschehen sei, erfährt sie von dieser, dass der Vater das Geld bei Natascha gefunden hat und Natasha aus Angst behauptet hat, es sei Liljas Geld. Lilja könne dies doch nichts ausmachen, sie hätte ja niemanden mehr, der sie schlagen könnte. Schnell spricht sich die Neuigkeit in der Plattenbausiedlung herum. Lilja wird beschimpft, bespuckt, wird zum Freiwild. Eines Nachts verschaffen sich Jungen aus der Siedlung Zutritt zu ihrer Wohnung und vergewaltigen sie in Gegenwart von Volodya, der ihr nicht helfen kann.

Kurze Zeit später wird Lilja zum Jugendamt bestellt und erfährt dort, dass ihre Mutter aus den USA einen Brief geschrieben hat, in dem sie jede Verantwortung für Lilja ablehnt und nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Nun ist auch die letzte Hoffnung zerschlagen und Lilja auf sich selbst gestellt.

Am darauf folgenden Abend begleitet Lilja Natasha erneut in die Disco. Jetzt geht auch sie mit einem Freier, im Anschluss mußs sie sich übergeben. Doch mit dem verdienten Geld kann sie endlich etwas zu Essen, Zigaretten und einen Basketball für Volodya kaufen. Volodya kann sein Glück kaum fassen - endlich ein echter Basketball, mit dem er üben kann.

Doch schon am nächsten Tag ist die Freude vorbei. Im Suff zerstört sein Vater mit einem Messer den Ball. Volodya beschließt, endgültig von zu Hause wegzulaufen. Aus Angst vor dem Vater und aus Angst vor den Jungen aus der Siedlung verstecken sich Lilja und Volodya in einer stillgelegten Fabrik, frieren sich halb zu Tode, schnüffeln Klebstoff und sinnieren darüber, wie das Leben nach dem Tod sein könnte.

Irgendwann ist das Geld aufgebraucht und Lilja kehrt in die Disco zurück. An diesem Abend wird sie von einem gut aussehenden jungen Mann angesprochen. Er heißt Andrei (Pavel Ponomarev), ist Russe und lebt in Schweden. Zurückhaltend und freundlich bietet Andrej ihr an, sie nach Hause zu fahren. Er will keinen Sex und möchte sie wieder treffen. Er lädt sie auf den Rummelplatz ein, führt sie zu McDonalds aus und eröffnet ihr schließlich, dass er sie mit nach Schweden nehmen, mit ihr dort leben, für sie eine Arbeit finden will. Lilja ist überglücklich, verliebt und hoffnungsfroh.

Als Volodya von Liljas Plänen erfährt, bricht für ihn die Welt zusammen. Er ist eifersüchtig, warnt sie, er bettelt und fleht, aber nun ist es Lilja, die ihren Freund in der Tristesse zurücklassen wird. Nicht ohne ihm zu versprechen, ihn nachzuholen. Volodya glaubt ihr nicht, will sich nicht verabschieden.

Am Abend von Liljas Abreise wird er in Liljas Wohnung gehen und aus dem Arzneischrank des vorherigen Bewohners die übrig gebliebenen Tabletten nehmen, sie wahllos schlucken. Als er tot auf dem Treppenabsatz liegt, wird sich eine alte Nachbarin über das Gesindel beschweren, das in fremden Häusern lungert.

Am Tag vor der geplanten Abreise erklärt Andrei Lilja, dass er leider nicht mit ihr zusammen reisen könne. Seine Großmutter sei krank und er müsse sie auf jeden Fall noch einmal besuchen. Er würde einige Tage später nachkommen. Für Lilja sei jedoch alles organisiert, sein schwedischer Boss wird Lilja am Flughafen in Schweden abholen und sich in der Zwischenzeit um sie kümmern.

Andrei händigt Lilja einen Pass aus, einen falschen Pass mit einem Touristenvisum. Im Flugzeug lernt sie ihren neuen Namen auswendig, träumt von einem neuen Leben. Hinter der Absperrung der Passkontrolle steht auch schon wie versprochen Andreis Boss Witek (Tomas Neumann). Als erstes verlangt er von Lilja den Pass, dann bringt er sie in eine Trabantenstadt von Malmö.

Obwohl es hier nicht viel anders aussieht, als dort, wo Lilja gerade herkommt, ist sie überglücklich. Das kleine Apartment ist unaufgeräumt und spärlich eingerichtet. Doch das stört Lilja nicht. Sie wundert sich nur, als Witek die Wohnung verlässt und von außen die Tür verriegelt. Doch dann beginnt sie ihre Sachen auszupacken und die Wohnung zu putzen.

Am nächsten Morgen, als sie genüsslich in der Badewanne liegt, kommt Witek zu ihr ins Bad. Sie bittet ihn, den Raum zu verlassen, aber stattdessen packt er sie und vergewaltigt sie brutal. Dann mußs sie sich anziehen und mit ihm das Haus verlassen. Witek bringt sie zu Kunden - er ist nunmehr ihr Zuhälter. Und Lilja kann nichts dagegen tun, wird von Freier zu Freier gebracht und in der Zwischenzeit in der Wohnung gefangen gehalten, tagein, tagaus.

In ihrer Verzweiflung sieht sie nur einen Weg. Sie zerstört ihr Äußeres, indem sie sich ihre langen Haare krumm und schief abschneidet. Aber auch dies hilft nicht. Witek schleift sie in ein Kaufhaus und kauft ihr eine Mütze. Dort, unter lauter Menschen, könnte sie aufschreien, aber Lilja sieht die Umwelt wie in einem Film, ist nicht in der Lage, die Verkäuferin um Hilfe zu bitten.

Als Witek eines Abends auf einem Parkplatz mit einem potentiellen Freier verhandelt, nutzt Lilja die Chance, aus dem Auto zu fliehen. Aber sie kommt nicht weit. Witek holt sie ein, prügelt sie fast bis zur Bewusstlosigkeit. Er bringt die zusammengeschlagene Lilja zurück ins Apartment, lässt sie im Flur liegen. Als Lilja zu sich kommt, stellt sie fest, dass Witek vergessen hat, die Wohnungstür abzuschließen.

Sie rennt aus dem Haus, rennt ziellos und von Angst getrieben durch die Trabantenstadt bis sie zu einer Autobahnbrücke kommt ...

Szenenfoto
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