Die Frauen von Stepford

Produktionsnotizen

Als sich die Produzenten Scott Rudin und Donald De Line, Regisseur Frank Oz und Drehbuchautor Paul Rudnick zusammentaten, um dem Thriller "Die Frauen von Stepford" von 1975 - der auf einem Bestseller von Ira Levin basierte - einen neuen Anstrich zu verpassen, erkannten sie schon zu Beginn das Potential des Stoffes, zu einer, wie Rudnick es ausdrückt, "echten modernen amerikanischen Komödie" zu werden.

Da sowohl die Romanvorlage als auch der Originalfilm eine Reaktion auf die erste Welle des Feminismus im Amerika der 70er Jahre waren, war es allen klar, dass nach den sozialen Veränderungen der letzten 30 Jahre auch diese Geschichte ein paar neue Wendungen brauchen würde.

"In der heutigen Welt können Frauen sehr viel Macht haben", bemerkt Rudnick hierzu. "Sie haben enorme Schritte nach vorn gemacht, aber vielen Ehemännern passt das auch jetzt noch immer nicht. Dadurch, dass wir diese Stadt mit Vorzeige-Ehefrauen haben und über diese Vorstellung lachen können, konnte ich der Geschichte einen zeitgenössischen Dreh geben."

Für Regisseur Frank Oz, der vorher Komödien wie "Bowfingers großes Ding", "Zwei hinreißend verdorbene Schurken", "Der kleine Horrorladen" und "In & Out - Rosa wie die Liebe" inszeniert hatte, lag der Reiz des Filmes darin, dass sich dunkle Elemente unter die Comedy mischen.

"Comedy ist sehr riskant, wenn man es dabei mit sozialen Kommentaren zu tun hat, mit den Gefühlen von Figuren und mit dem Bösen und Dunklen", sagt Oz. "Aber ich denke, die Leute werden merken, dass unser schneidender Humor genau richtig ist."

Auch Rudnick, der 1997 das Originaldrehbuch für die Erfolgskomödie und "In & Out - Rosa wie die Liebe" schrieb, stimmt dem zu, und fügt an, dass gerade aufgrund der einzigartigen komödiantischen Perspektive des Filmes die unter der Oberfläche liegenden Themen wie Konsum und Gier deutlich werden.

"Stepford ist die perfekte amerikanische Kleinstadt, die nach außen hin wie der ultimative bürgerliche Traum erscheint", sagt Rudnick. "Es ist eine Stadt mit schmucken großen Häuschen, schicken Geländewagen und Sportautos, perfekten Müttern, perfekt erzogenen Kindern und perfekt glücklichen Vätern... perfekter als menschlich möglich ist. Und jedes Traumbild dieser Art ist ein bisschen zu perfekt, um lange zu halten."

Der geschickte Satiriker Rudnick freute sich auf seine erneute Zusammenarbeit mit Oz, besonders auch weil dieser als Regisseur eine große Ehrfurcht vor der Komödie hat. "Frank ist der Traum eines jeden Autors und ein wunderbarer Teamarbeiter, aber was ich persönlich besonders an ihm bewundere, ist, dass er den Witz versteht", sagt Rudnick. "Er weiß, wer komisch ist, und wie man jemanden dazu bringt, komisch zu sein."

"Ich bin ein bisschen wie ein Bergführer", lacht Oz. "Ich selbst klettere nicht auf den Berg - die Schauspieler tun es. Aber ich zeige ihnen gern, welchen Weg sie nehmen müssen."

Eine der Schauspielerinnen, die nur zu gern den Anweisungen von Oz folgte, war Nicole Kidman, die im Jahr 2003 den Oscar für ihre fesselnde Darstellung der Schriftstellerin Virginia Woolf in "The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit" gewann. Für Kidman war dieser Wechsel im Filmgenre genau das, wonach sie gesucht hatte, einmal abgesehen von der Chance, mit so talentierten Filmemachern und Ko-Stars zu arbeiten.

"Nach den Arbeiten an einem intensiven Drama hatte ich Lust, etwas komisches zu machen, und ich mochte die Idee, mit Glenn und Bette zusammenzuarbeiten", sagt Kidman, die die Rolle der Joanna Eberhart spielt, die ein perfektes Beispiel dafür ist, wozu Frauen heutzutage in ihrem Leben in der Lage sind. "Ich mag auch die Art und Weise, wie Paul Rudnick Politik und Popkultur vermischt, und natürlich ist Frank Oz so versiert im Umgang mit solchem Material, dass ich wusste, er kann mir helfen, mich auf dem ungewohnten komödiantischen Gebiet zurechtzufinden."

Große Teile des Humors resultieren aus der von Kidman gespielten Figur, einer schlagkräftigen Geschäftsfrau, deren Karriere ihre Menschlichkeit in den Hintergrund gedrängt hat und sie zu einem Beispiel dessen macht, was passiert, wenn man den Erfolg zu weit treibt. Ebenfalls in den Hintergrund gedrängt ist Joannas Ehemann Walter, der, moderner Technik sei Dank, in Stepford herausfindet, dass dort selbst der noch so mittelmäßigste Typ wie ein König lebt.

"Stepford ist ein großartiges Konzept", lacht der zweifache Tony-Gewinner Matthew Broderick (ausgezeichnet für "The Producers" und "Brighton Beach Memoirs"), der Walter verkörpert. "Da gibt es einen Männerclub, in dem wir uns treffen, um Zigarre zu rauchen, Bourbon zu trinken und unsere speziellen Jacketts anziehen, um zu zeigen, dass wir Teil eines Clubs sind. Wir haben Plasmafernseher, Computer, Videospiele - es ist ein Ort eben so richtig für Männer, wo sie sich wohl und wie zu Hause fühlen."

Der Wortführer der Männer in Stepford ist Mike Wellington, gespielt von Oscar-Preisträger Christopher Walken, der anmerkt, dass die Männer in der fiktiven Stadt Stepford in vieler Beziehung wie moderne Männer von heute sind.

"Sie sind zutiefst verwirrt durch die sozialen Veränderungen in den letzten 50 Jahren", sagt Walken. "Sie fühlen sich ins Hintertreffen geraten, gehänselt ... und sie sind unglaublich wütend. Daher ist der Herrenclub sehr wichtig. Dort können sie sich treffen, Spaß haben, und ... weitere Stepford-Frauen planen."

Die First Lady aller Partys, Organisatorin der Veranstaltungen in Stepford, Leiterin des örtlichen Buchclubs und Fitnesskönigin, ist Wellingtons eigene perfekte Gattin Claire, die von der fünffach Oscar-nominierten Glenn Close dargestellt wird.

"Ich würde mal sagen, die Charaktere, die Chris und ich spielen, sind sozusagen als König und Königin von Stepford angelegt", lacht Close. "Er hat das aus mir gemacht, was ich bin, ich bete ihn an und gemeinsam sind wir ein Paar, dem jeder in Stepford nacheifert."

Großen Spaß hatte Close auch mit der Übungsgruppe, die ihre Figur im Fitnessclub Simply Stepford Day Spa leitet. In dem Trainingsprogramm der Gruppe, genannt "Claireobics", lernen Hausfrauen, wie sie fit bleiben können, indem sie Fitnessübungen mit ihren täglichen Hausarbeiten verbinden. So dreht eine gute Stepford-Frau beispielsweise ihren Rumpf wie eine Waschmaschine heftig hin und her und wird so in Windeseile überflüssige Pfunde um die Hüften los.

"Glenns Charakter verkörpert Stepford in seiner komödiantischen Persönlichkeit, seiner durchgedrehten Leidenschaft und seinem Wahnsinn", erklärt Rudnick, der noch anmerkt, dass Close auf ur-komische Weise "perfekt" für die Rolle ist.

"Als ich zum ersten Mal darüber nachdachte, dieses Filmangebot anzunehmen, überlegte ich mir wie viel Spaß es machen würde, mit einem so großartigen Ensemble von Schauspielern zusammenzuarbeiten", erinnert sich Close. "Inzwischen finde ich, dass viele Themen im Film mitschwingen, denn es geht um Materialismus, ungezügelten Konsum und das äußere Erscheinungsbild - all jene Dinge, von denen unsere heutige Gesellschaft wie besessen ist."

Dabei machte sich Rudnick den Technologie-Boom zunutze, um Amerikas absolute Manie bezüglich der sogenannten "Makeovers", also der Komplett-Überholung der eigenen Person, genauer unter die Lupe nehmen. "Wir leben in einer Kultur, die an sich selbst herumbessert, weil sie glaubt, dass Perfektion alle unsere Probleme löst", sagt Rudnick. "Dieser Film geht der Frage nach, ob Perfektion wirklich etwas ist, für deren Erlangen es sich lohnt, alles erdenkliche durchzumachen."

Eine Figur, die glaubt, dass die Perfektion in Stepford nicht das ist, was es zu sein scheint, ist Bobbie Markowitz, gespielt von der zweimal Oscar-nominierten und viermal mit dem Grammy ausgezeichneten Bette Midler.

Bobbie ist eine verbitterte Frau aus der Upper West Side von New York, mit einer scharfen Zunge und einem noch schärferen Verstand", erklärt Midler. "Sie weiß, dass etwas seltsames hinter all den schönen Frauen in Stepford steckt und sie macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was da vor sich geht."

Fast sofort hat Bobbie einen Draht zu Neuankömmling Joanna Eberhart, die ebenfalls aus dem New Yorker Geschäftsleben kommt, und beide fühlen sich zu einer anderen Person aus Manhattan hingezogen, dem ebenfalls gerade nach Stepford gezogenen großspurigen Architekten Roger Bannister, verkörpert von Roger Bart.

Für Regisseur Frank Oz erklärt sich die Affinität des New Yorker Trios zueinander dadurch, dass sie sich wie Außerirdische in einem fremden Land fühlen. "Es ist, als würde man aufs Land fahren und dort gibt es keine Amerikaner", erklärt Oz. "Dann plötzlich sieht man zwei andere Amerikaner, und natürlich tut man sich zusammen."

Nirgends ist der Kontrast zwischen den Menschen von Stepford und den New Yorkern augenfälliger als während der Party am 4. Juli, auf der sich die drei Charaktere zum ersten Mal begegnen. Gedreht wurde auf einem Landsitz inmitten sanfter grüner Hügel im ländlichen New Jersey, wo die phantastische Atmosphäre einer riesigen, roten Scheune behängt mit roten, weißen und blauen Fahnentüchern noch zusätzlich perfektioniert wurde durch die bilderbuchhaften Buffets, die Schießbuden und die darin auf hohen Absätzen umherstaksenden, puppenhaft angezogenen Frauen von Stepford. Das alles ist ein Schock für urbane und weltoffene Charaktere wie Joanna, Bobbie und Roger.

Nicole Kidman glaubt, dass die wachsende Verbindung zwischen Bobbie und Roger auch ein Ergebnis davon ist, dass jeder von ihnen seinem Lebenspartner gegenüber eine Entfremdung verspürt. "Im Kern geht es in dem Film um die Geschichte von Beziehungen", bemerkt Kidman, "und ich glaube, dies wird das Publikum sicherlich ansprechen."

Dem stimmt Matthew Broderick zu, und weist darauf hin, dass ein Hauptaugenmerk des Films auf der Ehekrise zwischen Walter und Joanna liegt. "Diese Geschichte ist in Wirklichkeit eine Romanze. Es geht um eine Ehe, die ihre Basis verloren hat, und um zwei Menschen, die nach Stepford kommen, um diese wiederzufinden."

So sagt Regisseur Oz: "Sie kommen an einen Ort, der perfekt ist, wo die Frauen hinreißend sind, die Männer außer sich vor Glück und die Häuser schön. Aber letztlich ist es das Akzeptieren von Unvollkommenheit, das uns menschlicher macht, und das Joanna und Walter am Ende rettet."

"Im Verlauf des Filmes sieht man, dass Joannas und Walters Liebe bis ins Extrem auf die Probe gestellt wird", sagt Rudnick. "Ich glaube in vielerlei Beziehung ist es eine sehr moderne Liebesgeschichte."

Rudnick bringt die 70er Jahre Story auch durch das Hinzufügen eines schwulen Pärchens auf einen aktuelleren Beziehungsstand: Roger (Roger Bart) und Jerry (David Marshall Grant). Das alleine ist zwar nichts Ungewöhnliches, aber wie Rudnick hinzufügt ist das Ungewöhnliche, dass auch dieses Paar nicht in die Gesellschaft von Stepford passt, und dennoch streben auch sie, wie alle anderen, nach Perfektion.

"Ein schwules Paar hat das gleiche Recht auf diese irrsinnige Suche nach Perfektion wie Heterosexuelle", lacht Rudnick. "Roger und Jerry sind, wie viele schwule Männer, sogar mindestens so verwirrt durch die gewaltigen und schnellen Veränderungen in unserer Kultur wie andere. Als sie also in Stepford landen, bekommen sie dieselben Probleme wie die dortigen Hetero-Paare."

Ihre Spielfilmdebüt gibt mit "Die Frauen von Stepford" Grammy-Preisträgerin Faith Hill, die die Figur der Sarah Sunderson spielt, eine ehemalige Geschäftsführerin einer Fluggesellschaft, deren Ehemann sich eine Stepford-Roboter-Frau der eher besonderen Art erschafft.

"Um es milde auszudrücken, Sarah ist ein bisschen daneben", lacht Hill. "Ich glaube, während er seine Vorstellung von Perfektion umgesetzt hat, ist meinem Ehemann Herb - der von Matt Malloy ganz herrlich gespielt wird - wohl der eine oder andere Fehler unterlaufen. Es hat großen Spaß gemacht, diese Figur zu spielen. Ich meine, wenn ich mal nicht richtig funktioniere, dann wird es ein bisschen verrückt und im wahrsten Sinne des Wortes fliegen die Funken. Es war eine rundum ?elektrisierende' Erfahrung!"

Als komödiantischer Leckerbissen, der auf den Traum beschaulicher amerikanischer Vororte zielt, setzt "Die Frauen von Stepford" mit einer Mischung aus Satire und Thriller gleich auf mehreren Ebenen an - angefangen beim Kampf der Geschlechter über Stereotypen bis hin zum Bedürfnis nach Individualität. Und er stellt die Frage: Weshalb wird es in einer Welt, in der man zu etwas besonderem wird, wenn man die Einheitsform durchbricht, dennoch so gefährlich, aus der Reihe zu tanzen ... in Stepford?

Über die Produktion Obwohl es im US-Staat Connecticut nicht wirklich eine Stadt mit dem Namen Stepford gibt, deutet vieles darauf hin, dass für Ira Levin, den Autor der Romanvorlage, die vielen Städtchen in Fairfield County als Inspiration dienten, schöne Vorortkommunen mit riesigen Häusern und gepflegten Vorgärten.

Um diese fiktive Stadt zum Leben zu erwecken, tat sich Frank Oz erneut mit Kameramann Rob Hahn zusammen, der bereits bei "The Score" und "In & Out - Rosa wie die Liebe" hinter der Kamera saß, mit Produktionsdesigner Jackson De Govia, mit dem er bei "The Score" und "Bowfingers großes Ding" gearbeitet hatte, sowie mit Oscarpreisträgerin Ann Roth, die bei "In & Out" für die passenden Kostümdesigns gesorgt hatte.

Produktionsdesigner Jackson De Govia verstand genau, wonach die Filmemacher suchten - einen wohlhabenden Vorort von New York, wohin die Leute umziehen, um sich zu entspannen und ihr Erarbeitetes zu genießen, ob sie ihr Geld nun auf ehrliche oder unrechte Art verdienen.

"Die Leute in Stepford leben mit einem Maximum an Stil und sie entschuldigen sich nicht für ihre Lebensweise", sagt De Govia. "Niemand fragt, ob sie diesen Überfluss verdienen. Sie haben ihn einfach und beabsichtigen, das in vollen Zügen auszukosten."

Um den Kontrast zwischen dem idyllischen Stepford und der "wahren Welt" deutlich zu machen, beginnt Oz den Film in New York und konzentriert sich auf Einstellungen aus Stahl, Glas und Beton. "Es ist ein bisschen heftig, und das war so beabsichtigt", erklärt Oz. "Dadurch sieht alles viel lieblicher und weicher aus, wenn wir nach Stepford kommen, auch die Frauen."

Auf der Suche nach Häusern und Orten, die am besten die stilistisch idealisierte Stadt des Drehbuchs widerspiegelten, durchkämmten die Filmemacher Dutzende von Gemeinden in Connecticut und in Jersey.

"Das Aussehen von Stepford wird durch Neureiche bestimmt", sagt Oz. "Es ist Geld, das die Leute mit Computern, Elektronik und Internetfirmen verdient haben. Ihre Häuser sind neu und umwerfend und es gibt keine gewachsene Geschichte oder Textur in dieser Stadt."

Paul Rudnick vergleicht Stepford mit einem Lebensstil à la Martha Stewart/Ralph Lauren. "Es verdichtet sich auf eine Vision der Welt, die an die Bilder des amerikanischen Zeit-schriftenillustrators Norman Rockwell anlehnt, an einen Lebensstil, den man sich in Wahrheit nicht ohne ein enormes Aufgebot an Angestellten und Bediensteten erreichen könnte", erklärt Rudnick. "Das Ideal für die weibliche Seite in Stepford beinhaltet eine Menge Kuchenbacken, Spitzendeckchen und schwierig zu bügelnde Leinentischtücher. Was den männlichen Einfluss angeht, so ist dieser ganz in Mahagoni und Velourleder gehalten, eine Art nach-studentenschaftliche Bruderschaft."

Die angesehene Kostümdesignerin Ann Roth fügt hinzu, dass die männliche Seite mit gedeckten und gesättigten Farben ausgefüllt ist, während die weibliche Seite durch florale Farben betont wird. "Die Farben von Martha Stewart kommen aus der Natur und dem Frühling", erklärt Roth. "Deshalb sieht man all diese Farben wie pfirsich, wasserblau, grün und gelb in den Häusern, und lila, rot und mahagoni Töne auf der männlichen Seite. Es stellt sich dann irgendwie die Frage: Wie kann ein solcher Mann eine solche Frau abbekommen? Und die Antwort ist, sie haben sie sich erschaffen - alle schön, alle mit perfekter Oberweite, Wespentaille und ganz keck!"

Als die Produktion in den Kaufman Astoria Studios begann, fing man mit den Innenaufnahmen in der Küche von Bobbie Markowitz (Bette Midler) an, einem modernen Raum, der eine Küche und ein großes Wohnzimmer kombiniert. Die für die Set-Dekoration zuständige Debra Schutt stattete das Leben im goldenen Käfig mit hochwertigen Küchengeräten und Designermöbeln aus, und Florist Christopher Bassett spielte während der ganzen Dreharbeiten eine wesentliche Rolle, denn die auffälligen und exotischen Blumen sollten den Luxus der Stepfordschen Häuser zusätzlich unterstreichen.

"Die Metapher, die in diesen so perfekt arrangierten Blumen liegt, hat etwas kraftvolles", meint Bassett. "Blumen sind ein sehr effektiver Weg, die Welt da draußen nach innen zu holen und ein Haus in ein Traumhaus umzuwandeln."

Was die Ausstattung am Set anging, hatte Schutt mit dem Einrichten aller Häuser eine phantastische Aufgabe, aber das Haus von Bobbie Markowitz war vermutlich das extremste. "Bobbies Haus mußste von einem totalen Durcheinander aus Zeitungen, Zeitschriften, leeren Fast Food-Schachteln und schmutzigen Klamotten in ein opulentes und makelloses Haus verwandelt werden, das einem auf den Seiten von ?Archictetural Digest' begegnen könnte", erklärt Schutt. "Es ist so eine Metapher auf die Frauen von Stepford, die sozusagen ebenfalls architektonischer Perfektion nahe gebracht werden."

Ebenfalls in den Kaufman Astoria Studios wurden die Szenen gedreht, die einen altmodischen Square Dance in einer beschaulichen Scheune zeigen. Die Choreographin Patricia Birch mußste sich dabei der Aufgabe stellen, den Hauptdarstellern des Films sowie fast hundert Komparsen diesen Volkstanz nahe zu bringen.

"Glenn Close als Claire Wellington, die First Lady von Stepford, stand oben auf der Bühne und rief alle zum Tanz auf und jeder machte begeistert mit", erinnert sich Birch. "Es war ein ziemliches Spektakel!"

Auf dem Studiogelände befanden sich auch zwei weitere komplexe Sets: der sogenannte Hunt Room, ein eleganter, holzgetäfelter Raum, in dem der berühmt-berüchtigte Männerclub von Stepford zuhause ist, sowie ein riesiger Ballsaal inmitten eines Gartens, in dem der glanzvolle Ballabend des Mittsommernachts-Dinner-Tanzes von Stepford stattfindet.

Roger Bart beschreibt den "Hunt Room", indem er einige Zeilen aus den Dialogen seiner Clubmitglieder zitiert: "Es ist, als würde Ralph Lauren gemeinsam mit Sherlock Holmes ein Fass aufmachen", lacht Bart. "In dem Zimmer gibt es meterweise Cordstoff und edles Leder, das sich zu einem üppigen Testosteron-Cocktail vermengt."

Was den prächtigen Ballsaal angeht, diesen beschreibt Produktionsdesigner Jackson De Govia als "einen imaginären Seitenflügel eines Herrenhauses aus dem 19. Jahrhundert und wie das aussieht, wenn man eine Menge Geld und sehr, sehr guten Geschmack hat".

Als Unterstreichung für die Eleganz des sommerlichen Tanzabends gab es sprichwörtlich Tausende von Blumen, darunter exotische Orchideen, die aus Neuseeland importiert wurden, gigantische Hortensien und vielfarbige Rosen. Klassische Säulen und Tische voller Kristall gaben der ganzen Szenerie einen edlen Anstrich, der dem des Champagners in den Gläsern in nichts nachstand.

"Gerade die Sequenzen im Ballsaal sind ein perfektes Symbol für die Welt von Stepford", sagt De Govia. "Es ist auch praktisch ein Musterbeispiel für die Frauen selbst. Sie sind schön, sie riechen gut, sie schmecken gut und sie sind teuer. Aber sie sind nur Biomasse."

Für die Szenen im Ballsaal war auch Choreographin Pat Birch wieder am Set dabei, und mußste den Darstellern diesmal den Walzer beibringen und fünfzig Stepford-Paare finden, die in Ballkleidern und Smoking über das Tanzparkett schweben konnten. Eine dieser herausgeputzten Tänzerinnen war Bobbie Markowitz, die von der "Divine Ms. M", Bette Midler, auf den Punkt genau dargestellt wird.

"Ich liebe diese Ballsaal-Szene, denn der erste Film, den ich als Kind gesehen habe, war ?Die lustige Witwe' mit Lana Turner und Fernando Lamas", erinnert sich Bette Midler. "Das machte einen solchen Eindruck auf mich - die Farben und die wirbelnden Kleider und die Musik und die schönen Menschen. Also erzählte ich Scott Rudin, dass ich seit vierzig Jahren keine tolle Walzer-Szene mehr in einem Film gesehen hatte, und er schlug vor, ich solle mir ?Die lustige Witwe' noch mal ansehen. Natürlich bin ich gleich losgegangen und habe mir den Film besorgt, und da sah ich es wieder - und sogar die Ausleuchtung ist ähnlich wie bei uns!"

Midler war nicht die einzige, die bei den Szenen im Ballsaal ihren Spaß hatte. "Wie oft sieht man eine Gruppe von Schauspielern dieses Kalibers in einem Raum zusammen?, fragt Paul Rudnick. "Chris Walken, Matthew Broderick, Faith Hill, Glenn Close, Nicole Kidman, Bette Midler ... diese Leute würde ich mir ansehen, selbst wenn sie nur eine Autowerbung machen würden."

Abgesehen davon, dass dies eine Gelegenheit für Christopher Walken war, sein beneidenswertes Können auf der Tanzfläche unter Beweis zu stellen, war der Ballabend für die Frauen von Stepford die Gelegenheit sich in all ihrer Pracht zu präsentieren. Glamouröse Ballkleider, tolle Frisuren und sogar Krönchen werden auf der Party des Jahres - und damit einer der größten Sequenzen des Filmes - zur Schau gestellt.

Für die Figur von Nicole Kidman übertraf sich Ann Roth selbst, und schuf für das Ereignis, das die Dekadenz und das Irreale an Stepford überdeutlich macht, ein Kleid aus feinstem, schleierartigem Stoff, der aus Joanna eine Barbie und Dornröschen zugleich macht.

"Ich wollte, dass Joanna ätherisch und nicht ganz irdisch wirken sollte", sagt Roth. "Der elfenbeinfarbene Ton des Kleides passt zu ihrer Haut, und sie sieht dadurch noch unechter aus."

Für Kidman waren die Kostümdesigns ein absoluter Geniestreich. "Wir hatten Glück bei diesem Film mit Ann Roth zu arbeiten, denn sie ist sehr mutig in ihren visuellen Entscheidungen", sagt die Schauspielerin. "Sie geht mir ihren Entwürfen bis an die Grenzen, und was mich angeht, würde ich bei jedem Projekt mit ihr arbeiten!"

In Bezug auf die farbenprächtigen Hosen und wilden Smokingjacken der Männer sagt Roth, sie sei inspiriert worden von den Stoffen Lily Pulitzers und den großflächigen, bunten Karos, die man auf einer Party im Countryclub sehen würde, und am Ende war das treffendste Wort für die ganze Szenerie "einfach extravagant". Von der herrlichen Setausstattung über die phantasiereichen Kostüme bis zur eleganten Choreographie verkörpert die gesamte Szene die Ideale und die Kommune von Stepford.

Auch die einzelnen Häuser von Stepford waren ein Schlüsselfaktor für das idyllische Städtchen, und verschiedene Drehorte in Connecticut stellten sich als, nun ja, perfekt heraus. In Darien stand ein riesiges Haus zum Verkauf, und in diesem entstand das Innere von Herb und Sarah Sundersons (Matt Malloy und Faith Hill) Zuhause, während das Haus eines Multimillionärs in der exklusiven Kommune von New Canaan als vornehmes Heim von Joanna und Walter (Nicole Kidman und Matthew Broderick) diente. Außerdem wurde vor dem wunderschönen, aus dem Jahr 1909 stammenden Rathaus von New Canaan die Szene der politischen Demonstration gedreht, komplett mit Tausenden von Luftballons und jeder Menge stilvoller Stepford-Ausstattung.

Das Lockwood-Mathews Mansion Museum in Norwalk in Connecticut wurde zum Zentrum der Aktivitäten der Frauen von Stepford. Das Museum, in dem 1975 der Männerclub von Stepford im Film seine Heimat gehabt hatte, war der einzige Drehort des Originals, an den man für die neue Produktion zurückkehrte.

Das Gebäude mit 62 Zimmern wurde ca. 1860 auf Veranlassung des Finanziers LeGrand Lockwood erbaut, und ist eines der schönsten aus dieser Periode erhaltenen Landhäuser, und es war im 17. Jahrhundert eines der großartigsten Gebäude des Landes. Es wird erzählt, der Bau habe 1,5 Millionen gekostet und für gerade mal 90.000 Dollar weiterverkauft worden, nachdem Lockwood drei Jahre nach seinem Einzug in das Haus verstarb. 1941 wurde es von der Stadt Norwalk gekauft und 1971 in die Liste der National Historic Landmarks aufgenommen.

Ein Teil der Vereinbarung über die Schließung des Museums für den Zeitraum der Innendreharbeiten verpflichtete sich das Produktionsteam, großzügige Renovierungen an dem 140 Jahre alten Gebäude vorzunehmen.

"Mehrere Monate vor den eigentlichen Dreharbeiten arbeitete unsere künst-lerische Abteilung unermüdlich an der Restaurierung und Renovierung des opulenten Eingangsbereiches und der Rotunda", erinnert sich Produktionsdesigner Jackson De Govia. "Nach sorgfältiger Studie des Originalgebäudes reparierten Künstler und Handwerker die hölzernen Böden, besserten Risse aus, beizten die Hölzer der prächtigen Treppe und legten die Wände mit Farben an, die denen der damaligen Zeit entsprechen. Sie malten sogar Replicas riesiger Gemälde der Hudson River School, die einst hier gehängt hatten, sodass das, was man jetzt im Film sieht, ziemlich genau die Originalstruktur darstellt."

De Govia überwachte auch das Design und die Konstruktion des verschwenderischen Hauses von Joanna und Walter. Gebaut wurde es in den Studios der Hudson River Stages in Yonkers, New York, wo man das riesige über 300 Quadratmeter umfassende Innere in derselben Halle errichtete, in der ein Monat zuvor ein kompletter Supermarkt gestanden hatte, und aus dem später das hochgeheime Labor des Männerclubs wurde.

Nach Beendigung der Hauptdreharbeiten fing die nächste Phase der Produktion an, in der die Leiter der visuellen Effekte, Scott Souter und Frank Petzold, dazukamen. Zusammen mit ihrem Team entwickelten und koordinierten sie die Spezialeffekte, die die Frauen von Stepford ausmachen.

Souter, der für das Tippett Studio im kalifornischen Berkeley arbeitet - eine Firma, die als eine der führenden Häuser in Bezug auf Charakteranimation und visuelle Effekte weltweit gilt - traf sich mit Regisseur Frank Oz und seinem Produktionsteam, um gemeinsam zu überlegen, mit welchen visuellen Einfällen man die komödiantischen Elemente des Filmes noch unterstreichen könnte.

"Der visuelle Humor und das Timing mußsten sehr genau sein", erklärt Souter. "Wir hatten keinen Raum für Fehler. Glücklicherweise war Frank wirklich wunderbar dabei, uns genau zu geben, was wir brauchten. Er hat ein unheimlich gutes Urteilsvermögen darüber, was komisch ist."

Faith Hill, die die Stepford-Frau Sarah Sunderson spielt, bekam vom Tippett Team einen Crashkurs in Sachen visueller Tricktechnik.

"In der Sequenz mit dem Square Dance hat Sarah einen Kurzschluss, und beginnt, sich wie wild zu drehen", erklärt Souter. "Faith half uns dabei, diesen Effekt zu kreieren, indem sie sich vor einem green screen drehte, und das Ergebnis passte perfekt."

In einer anderen Szene kommt Sarah gerade die Treppe in ihrem Haus herunter als Roger Bannister (Roger Bart) eine Fernbedienung mit ihrem Namen darauf in die Hand nimmt.

"Er testet Sarahs Funktionen, indem er alle möglichen Knöpfe drückt", sagt Souter. "Um zu dem von uns gewünschten Effekt zu kommen, nahmen wir Faith Hill vor einem Green Screen auf, um bestimmte Robotereffekte einzufügen, die sich mit dem Drücken der Knöpfe deckten, und auch hier waren ihre Funktionen und ihre Fehlfunktionen perfekt."

Zu den Lieblingsaufgaben des Teams gehörte die Erschaffung von Rover, einem Roboterhund, der Joanna und Walter bei ihrer Ankunft in Stepford begrüßt.

"Rover ist ein terrierartiger Hund, der auf einem sehr graphischen, einfachen und zugleich eleganten Design von Jackson De Govia basiert", erzählt Souter. "Der Hund mußste etwas besonderes sein, denn er ist sehr wichtig für die Handlung, da er Joannas Verbündeter wird und sie darauf aufmerksam macht, dass Pläne im Gange sind, auch aus ihr einen Roboter zu machen."

Sowohl Souter als auch Petzold sind sich einig darüber, dass die Arbeit an "Die Frauen von Stepford" eine Herausforderung war, aber auch jede Menge Spaß brachte. "Dies war ein großartiges Projekt, denn Comedy ist einfach anders, wenn es um die Erschaffung von Spe-zialeffekten geht", so Souter dazu. "Furchteinflößende Monster und unheimliche Wesen aus dem All ist das eine, aber wirklich komisch zu sein, das ist eine ganz andere Sache."

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