Kleinruppin forever

Produktionsnotizen

Mit der romantischen Liebeskomödie KLEINRUPPIN FOREVER inszeniert der in Zwickau geborene Regisseur Carsten Fiebeler seinen zweiten Kinofilm nach dem Kammerspiel DIE DATSCHE. Im Mittelpunkt steht ein Zwillingsbruderpaar, das getrennt aufwächst: der eine im Osten, der andere im Westen Deutschlands. Bei einem Klassenausflug ins ostdeutsche Kleinruppin begegnen sich die beiden und tauschen unfreiwillig die Rollen.

Lebensechte Dialoge und subtiler Witz kennzeichnen diese Teenager Love Story, in der eine längst entschwundene Epoche höchst vital wiederaufersteht: die DDR der 80er Jahre, mit ihrer Lagerfeuerromantik und den unbeschwerten Abenden im Jugendtreff, aber auch mit ihren oft absurden Auseinandersetzungen zwischen Staatsmacht und Volk.

KLEINRUPPIN FOREVER wurde von Dirk Beinhold für die Akkord Film Produktion in Co-Produktion mit SevenPictures produziert. Die Dreharbeiten fanden im Juni und Juli 2003 zum größten Teil in der Kleinstadt Wittenberge in der Mitte zwischen Hamburg und Berlin statt. Weitere Drehorte waren Bremen, Leipzig und die Ostsee.

Dirk Beinhold zur Entstehungsgeschichte des Films: "Als ich vor drei Jahren die Akkord Film gegründet habe, war dies das erste Projekt, das bei mir auf dem Tisch lag. Zugeschickt wurde mir das Drehbuch über eine Freundin meiner Frau. Nach erster Skepsis haben wir schnell festgestellt, dass die erste Fassung schon ziemlich großartig war. Grundidee der beiden Autoren Peer Klehmet und Sebastian Wehlings - die übrigens aus Westdeutschland stammen - war es, sich vorzustellen: was ist das Schlimmste, das einem Wessi passieren kann. "Zusammen mit Alexander Kühne, der in der DDR geboren ist, haben wir dann das Drehbuch weiterentwickelt."

Carsten Fiebeler, der gerade seine erste Kinoarbeit DIE DATSCHE abgeschlossen hatte, wurde von Beinhold angesprochen, ob er nicht die Regie übernehmen wolle. Fiebeler war von der Idee sofort angetan: "Ich fand das Buch schon von der Anlage her super, weil es etwas mit meiner Vergangenheit zu tun hat: ich war aktiver Schwimmer, ich komme aus der DDR und zusätzlich spielt der Film noch in der Zeit, die ich auch als Jugendlicher erlebt habe und die sehr intensiv war für mich. Gefühle wie Solidarität, Freundschaft, Liebe habe ich damals anders erlebt als heute. dass Tim wegen der Liebe zurück in den Osten geht, ist natürlich auch eine Wunschvorstellung von mir: dass solche Dinge wieder mehr zählen, die einen wirklich reich machen."

Als Kulisse für die Liebesgeschichte sollte eine Kleinstadt in Brandenburg dienen, in dem sich noch viel von der DDR-Atmosphäre der achtziger Jahre erhalten hatte. Über 60 Drehorte kundschafteten die Location Scouts aus, die Wahl fiel schließlich auf Wittenberge, das sich etwa zwei Autostunden nordwestlich von Berlin befindet. "Der Ort sieht noch sehr stark aus wie 1985", erzählt Beinhold, "was für uns sehr schön, für die Wittenberger aber schlecht ist, weil hier kaum was saniert wurde und die Arbeitslosigkeit extrem hoch ist."

Gedreht wurde unter anderem auf dem Gelände der ehemaligen Singer-Fabrik, die in der DDR unter dem Namen Veritas Nähmaschinen herstellte. Auch die Plattenbausiedlung, in der die Filmfigur Jana lebt, war zu der Zeit der Dreharbeiten noch bewohnt. "Die Wohnblocks standen kurz vor dem Abriss, er wurde extra für uns hinausgezögert", zeigt sich Beinhold schockiert über die schwierigen Lebensumstände in der strukturschwachen Region. Kameramann Bernhard Jasper erinnert sich an die Freundlichkeit der Bewohner: "Wir haben viel Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren, auch durch die örtliche Feuerwehr, das THW, dadurch wurde viel möglich, was vielleicht in Berlin nicht möglich gewesen wäre."

Besonders viel verdankt die Crew einem Sammler von DDR-Nostalgia. Beinhold: "Ralf von Hagen hat auf dem Veritas-Gelände ein richtiges Museum eingerichtet, mit Polizeiautos, Uniformen und allen möglichen Gerätschaften, die wir in den Film einbauen konnten."

Gebaut haben die Filmemacher - bei einem Budget von 2,65 Mio. ? - unter anderem den Busbahnhof, der für die Story eine wichtige Rolle spielt. Außerdem eine 1.-Mai-Tribüne, die Werkskantine und die Fabrikräume der Schachcomputerfabrik. Die Detailtreue des Films war Beinhold wichtig, um "das Lebensgefühl im Osten rüberzubringen". Deshalb wurden sehr viele Crew-Mitglieder engagiert, die in der DDR aufgewachsen sind, allerdings haben die Produzenten darauf geachtet, dass sich das Verhältnis West- und Ostdeutschland die Waage hält, denn Anfang und Ende des Films spielen in Bremen, wo das Team an sechs Drehtagen den Westen der 80er Jahre nachgestellt hat."

"Der Film spielt in zwei Welten: die West-Welt und die Ost-Welt", stellt Jasper die Konzeption des Films vor. "Wir wollen daher auch zwei Gefühle erzeugen. Der Westen sieht modern aus, steckt voller Tempo, es gibt viel Bewegung, viele Schnitte, insgesamt folgen diese Bilder der Werbeästhetik der heutigen Zeit. Der Osten erscheint dagegen ruhig, langsam, episch. Im Lauf der Handlung beginnt der Held die schönen Seiten seiner neuen Heimat zu entdecken und diese Wandlung stellen wir auch visuell dar: der Osten wird langsam freundlicher, attraktiver, epischer als der Westen."

Für die Rolle des DDR-Vaters Erwin stand Michael Gwisdek schon früh fest. "Ihn wollte ich von Anfang an haben", erzählt Beinhold, "und als er dann zusagte, haben wir die Rolle für ihn noch etwas ausgebaut". Die jungen Hauptdarsteller wurden in Castings ausgewählt. "Für Tobias Schenke ist das natürlich eine Traumrolle, sehr überzeugend ist aber auch Neuentdeckung Anna Brüggemann als das Ostmädchen Jana und das, obwohl sie in München geboren ist."

dass KLEINRUPPIN FOREVER eine Liebeskomödie für ganz Deutschland ist, davon ist Beinhold überzeugt: "In Testvorführungen haben die Zuschauer zwar manchmal an verschiedenen Stellen gelacht, je nach Background, aber an vielen Stellen herrschte Einigkeit. Das Thema ist universell, denn letztlich handelt der Film davon, ein Zuhause zu finden."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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