Last Samurai

Produktionsnotizen

Mit ?Last Samurai? verwirklicht Edward Zwick einen lebenslangen Traum Die Dreharbeiten zu ?The Last Samurai? (Last Samurai) begannen zwar erst im Oktober 2002, aber Regisseur Edward Zwick begeisterte sich schon seit langem für japanische Kultur und japanische Filme. Schon seit seinen Teenager-Jahren träumte er von ?Last Samurai?.

?Als 17-Jähriger habe ich Akira Kurosawas ,Shichinin no samurai? (Die sieben Samurai) zum ersten Mal gesehen ? und seitdem so oft, dass ich zu zählen aufgehört habe?, gibt er zu. ?Dieser eine Film enthält alles, was ein Regisseur über Erzählstrukturen, Figurenentwicklung, die Inszenierung von Actionszenen und die dramatische Umsetzung eines Themas wissen mußs. Als ich ihn gesehen hatte, habe ich anschließend auch alle anderen Kurosawa-Filme genau analysiert. Damals wusste ich das zwar noch nicht, aber in diesem war der Grundstein für meine Karriere als Filmemacher gelegt.?

Zwick beschäftigt sich seit langem mit Geschichte, und die als Meiji-Reformen bekannte Epoche fasziniert ihn besonders. Das Ende des alten Shogunats schuf die Voraussetzungen für Japans erste wichtige Begegnung mit dem Westen, nachdem es sich 200 Jahre lang selbst isoliert hatte.

?Vor allem war es eine Zeit des Wandels?, sagt er. ?In jeder Kultur berührt uns die dramatische Übergangszeit von der Tradition zur Moderne ganz besonders. Und auch optisch bietet sie wunderbare Möglichkeiten. Jedes Bild, jede Landschaft, jeder Raum sind Belege für diese Entwicklung, für die Konfrontation des Alten mit dem Neuen. Ein Mann mit Melone auf dem Kopf geht neben einer Frau im Kimono. Ein Mann mit Repetiergewehr steht einem Schwertkämpfer gegenüber.?

Zwick, der mit ?Shakespeare in Love? (Shakespeare in Love) den Oscar für den Besten Film des Jahres gewonnen hat, kennt sich mit Geschichten dieser Epoche aus. Seine Filme ?Glory? (Glory) und ?Legends of the Fall? (Legenden der Leidenschaft) spielen Ende des 19. Jahrhunderts. ?Wir sind hingerissen, ja hypnotisiert, wenn wir einen Helden erleben, der eine persönliche Entwicklung durchmacht, während auch die gesamte Kultur um ihn herum in Aufruhr ist.?

Der mehrfache Oscar-Kandidat Tom Cruise übernimmt die Rolle des von seiner Vergangenheit traumatisierten Captain Algren. Wie Zwick interessiert und begeistert er sich für das japanische Ethos, vor allem das der Samurai. Wie Zwick entdeckte er Kurosawa und die anderen japanischen Meister als Teenager und bestätigt, dass ?mich die japanische Kultur und die Japaner, die ich sehr respektiere, immer schon stark beeindruckt haben: die Eleganz und Schönheit der Samurai, der Geist des Bushido, der uns Stärke lehrt, Mitgefühl, bedingungslose Loyalität. Sie stehen zu ihrem Wort und sind bereit, für ihre Werte in den Tod zu gehen. Letztlich geht es um die Verantwortung, die man für seine Taten und Worte übernehmen mußs ? unabhängig von den Konsequenzen. Dieser Verhaltenskodex gilt nicht nur für die Samurai-Krieger ? er kann das Leben aller Menschen bereichern. Dem konnte ich mich einfach nicht entziehen. Als ich mich mit Ed zusammensetzte, um über das Projekt zu sprechen, spürte ich, dass ich den Film einfach machen mußste. Mir liegt das Thema sehr am Herzen ? genauso wie die Hauptfiguren der Geschichte.?

Cruise, der auch als Produzent von ?Last Samurai? fungiert, gibt eine ganze Reihe von Gründen an, die ihn bei diesem Stoff motivierten: nicht nur der epische Bilderbogen der Geschichte und die emotionalen und philosophischen Dimensionen der Hauptfigur Algren, sondern auch die Chance, mit Edward Zwick und Marshall Herskovitz zu arbeiten. ?Der Film bietet alles?, sagt er. ?Das Abenteuer, die Reise der Hauptfigur, die unbekannte Welt, die er kennenlernt, die Menschen, die er trifft ? all das macht die reichhaltige und wirklich faszinierende Story aus, die uns vor interessante Aufgaben stellt. Was die Produktion angeht, habe ich mich in meiner gesamten Karriere noch nie mit einem Projekt dieser Größenordnung auseinandergesetzt: Es gibt eine Menge Action, dramatische und romantische Situationen, aber auch eine philosophische Dimension.?

?Offen gesagt hat mir gefallen, dass wir mit unserem Enthusiasmus für das Thema auf derselben Wellenlänge liegen?, fährt Cruise fort. ?Als ich mich mit Ed zusammensetzte, war er leidenschaftlich und begeistert wie ein 15-Jähriger, er rannte durchs Zimmer und malte die Szenen mit den Händen in die Luft. Und diese Leidenschaft hat während der ganzen Produktion nicht nachgelassen.?

Immer wieder kehrt Zwick in seinen Filmen zur komplexen Thematik von Krieg und Ehre zurück. Unwiderstehlich fühlte er sich von der Gelegenheit angezogen, in diesem Fall die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen einem westlichen Soldaten und einem Samurai-Krieger herauszuarbeiten. ?Auf dem College und auch in den folgenden Jahren habe ich eine Menge Bücher über japanische Geschichte gelesen?, berichtet Zwick. ?Sehr beeindruckt war ich von Ivan Morris? ?The Nobility of Failure? (Samurai oder Von der Würde des Scheiterns): Es geht darin um den berühmten Japaner Saigo Takamori, der sich erst für die neue Regierung einsetzte, um dann gegen sie zu rebellieren. Sein wunderbares, tragisches Leben war der Ausgangspunkt für unsere erfundene Geschichte.?

Der Wandel des feudalen Japan zur moderneren Gesellschaft brachte auch die Abschaffung bestimmter ?archaischer? Gebräuche und Werte mit sich, für die der Samurai stand. Viele Jahre lang hatten die Samurai im sozialen Gefüge eine hohe Position bekleidet. So wie die englischen Ritter beschützten die Samurai-Soldaten die Lords, die Herrenkaste, in diesem Fall das Shogunat, dem sie Treue geschworen hatten. So wie die Ritter für ihre sprichwörtliche Ritterlichkeit bekannt waren, hielten sich die Samurai an einen Ehrenkodex namens Bushido, ?der Weg des Kriegers?, der unter anderem Loyalität, Mut, Ausdauer und Opferbereitschaft forderte.

Angesichts der modernen Waffen, die der Westen den Japanern anbot, mußsten die Befürworter des Fortschritts die Samurai für anachronistisch halten. Diese neue Begeisterung für alles Moderne ließ keinen Platz für die Samurai mit ihren sagenhaften Schwertern und altmodischen Auffassungen von Ehre, wie sie hier von ihrem letzten Anführer Katsumoto (dargestellt von Ken Watanabe) und den wenigen ihm ergebenen Kriegern verkörpert werden. Katsumoto versucht weiterhin seinen Prinzipien treu zu bleiben, auch wenn die Gesellschaft diese nicht mehr als Werte anerkennt. Sein Konflikt, vor allem in Verbindung mit Algrens eigener, zögerlicher Entwicklung, war es, der Zwick besonders faszinierte.

?Ich habe die Grundwerte der Samurai-Kultur nicht nur immer schon bewundert ? ich halte sie auch weiterhin für allgemeingültig?, erklärt er. ?Vor allem die Tatsache, dass Gewalt und Mitgefühl nebeneinander existieren können und dass Poesie, Schönheit und Kunst genauso zur Ausbildung eines Kriegers gehören wie die Schwertkunst oder Krafttraining. Außerdem interessiert mich die unerwartete Möglichkeit einer spirituellen Wiedergeburt von Menschen, die nicht im Traum daran geglaubt hatten.? Wie bringt er diese Elemente in ?Last Samurai? zusammen? ?Unsere Geschichte ist ein romantisches Abenteuer in der allgemeinsten Bedeutung des Begriffs ? und gleichzeitig eine sehr persönliche Odyssee. Uns ging es darum, eine Geschichte zu erzählen, in der sich die persönlichen Beziehungen im größeren Rahmen spiegeln ? die innere Seelenlandschaft ist ein Echo des epischen Panoramas. Dabei fasziniert mich die Figur Katsumoto genauso wie die des Algren. Ich persönlich kann mich voll mit seinem Dilemma identifizieren ? ganz offensichtlich gibt es viele Parallelen zu unserem heutigen Leben.?

Ebenso wie Katsumoto und seine Mitstreiter den Samurai-Kodex verkörpern, ist dieser auch in Katsumotos Schwester, der jungen Kriegerwitwe Taka spürbar: Durch schreckliche Umstände ist sie gezwungen, sich auf engstem Raum mit Algren zu arrangieren. Taka wird von der japanischen Schauspielerin Koyuki dargestellt. Sie nimmt sich derart zusammen, dass der amerikanische Fremde keine Ahnung davon hat, welch komplexe und starke Gefühle sie ihm entgegenbringt ? bis er begreift, dass sie genauso ein Samurai ist wie ihre männlichen Gefährten.

Die Produzentin Paula Wagner leitet mit Cruise die gemeinsame Firma Cruise/Wagner Productions ? sie berichtet, dass Cruise sich so enthusiastisch für den Film engagierte und so eng mit Zwick und Herskovitz zusammenarbeitete, weil Zwick sich auf so unnachahmliche, unwiderstehliche Art für das Projekt und die Figur des Captain Nathan Algren starkmachte. ?Ed gelingt es, das epische Ambiente der Geschichte mit der sehr persönlichen Heldengeschichte dieser starken Figur zu verbinden?, sagt sie. Die komplexe Geschichte passt gut zu den bisherigen Filmen, die unter dem Label Cruise/Wagner Productions entstanden sind: ?Der Film funktioniert auf unterschiedlichen Ebenen: ,Last Samurai? zeigt komplexe, intensiv durchgestaltete Hauptfiguren, großartige Action-Abenteuer, und vor allem in Captain Algren eine Figur, die sich ? buchstäblich und im übertragenen Sinn ? auf eine sehr lange Reise begibt, um zu sich selbst zu finden und seine Werte neu zu definieren.?

Der Film wurde zunächst Anfang der 90er-Jahre bei Radar Pictures als die Geschichte eines Amerikaners entwickelt, der etwa zur gleichen Zeit wie Algren nach Japan reist. ?Uns fiel auf, wie sehr sich die Bezähmung des amerikanischen Westens und die Verwestlichung des traditionellen Japans gleichen?, erklärt Scott Kroopf von Radar Pictures. ?Und wir spürten, dass diese Parallele eingehen könnte in eine Geschichte über die Moderne Zeit, die zwei völlig unterschiedliche Kulturen verdrängt.? ?Wir sprachen Ed Zwick an?, sagt Tom Engelman, der damals ebenfalls für Radar Pictures arbeitete. ?Denn er war seit Jahren mein Freund und Nachbar. Ganz offensichtlich kann niemand den Stoff besser umsetzen als er, denn wir kennen seine Filme und sein Interesse, die Helden des amerikanischen Westens aus ganz neuen Perspektiven zu beleuchten. Ed schlug uns später dann vor, John Logan hinzuzuziehen. Wie sich herausstellte, hat John wie Ed den Untergang der Samurai genau studiert. Am Ende wurde unsere Geduld mit diesem Projekt belohnt ? nicht nur durch das großartige Drehbuch, sondern auch durch Eds unglaublich gekonnte Umsetzung des Films.?

Zwick und Logan, der als Autor von ?Gladiator? (Gladiator) für den Oscar nominiert wurde, waren sich einig: Die Samurai-Revolte von 1876?1877 bot sich als spannender und provokanter historischer Hintergrund für den Film an. ?Die Entwicklung der Hauptfigur war für Ed und mich die schwierigste Aufgabe?, erinnert sich Logan. ?Im Lauf der Zeit wurde Captain Algren zu einem Mann, der schrecklich leidet ? er hat seinen Glauben verloren. Ed, Marshall und ich legten großen Wert darauf, dass er sehr verletzlich wirkt ? mit pauschalen Kinohelden hat er nichts gemein. Wir beschrieben ihn als verlorene Seele, die ihren Weg erst finden mußs. Erst durch die Begegnung mit den Samurai, durch sein wachsendes Verständnis für ihren Kriegerkodex gelingt es ihm, neuen Halt in der Welt zu finden.?

Herskovitz stieß bald zum Autorenteam hinzu. Er erklärt, dass die Geschichte und die Figuren frei erfunden sind ? gleichzeitig bemühten sich die Filmemacher aber sehr intensiv, alle Aspekte so authentisch wie möglich zu gestalten: ?Wir haben versucht, diese Epoche der japanischen Geschichte, die Prinzipien und Werte der Samurai so naturgetreu wie möglich nachzuerzählen. Bei diesem Thema sind Respekt und größte Genauigkeit nötig. Wir haben Experten befragt, Kontakte zu Akademikern und Drehbuchautoren in Japan geknüpft und viele japanische Fachleute und Mitarbeiter für die Produktion engagiert. Wir wollten es richtig machen.?

Was die in ?Last Samurai? angesprochenen Themen angeht, so hält Herskovitz sie nicht nur für authentisch, sondern auch für zeitlos. ?Ein Mensch, der sich mit dem Verlust seiner Ehre, seines Selbstverständnisses abfinden mußs und der dann versucht, diese Ehre wiederzuerlangen, neues Selbstvertrauen aufzubauen und endlich wieder Entscheidungen zu treffen ? solch ein Mensch könnte in jeder Epoche leben, ganz besonders aber auch heutzutage, wo uns das moderne Leben ständig Kompromisse abverlangt.?

In ?Last Samurai? erleben die Zuschauer die körperlichen, emotionalen und geistigen Turbulenzen dieser exotischen und widersprüchlichen Epoche mit den Augen von Captain Algren. ?Wenn er etwas begreift, dann begreifen wir es mit ihm; und wenn er im Innersten getroffen wird, dann sind auch wir betroffen.?

Recherche und Action Im Verlauf vieler Jahre haben die Autoren- und Produzentenpartner Zwick und Herskovitz gemeinsam preisgekrönte Fernsehserien und Filme gestaltet ? jetzt freuten sie sich, dass sie in Tom Cruise für die Produktion von ?Last Samurai? einen Seelenverwandten fanden.

?Tom hat sich mit viel Energie in die Vorbereitungen gestürzt?, sagt Herskovitz. ?Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Schauspieler derart intensiv recherchiert. Er baute eine ganze Bibliothek mit Informationen auf und hat uns ungeheuer unterstützt. Ed und ich stellen uns gegenseitig immer wieder vor neue Herausforderungen ? so funktioniert unsere Zusammenarbeit, aber wir haben es selten erlebt, dass uns ein Dritter ähnlich anregt. Wir haben Tom in unsere kreative Partnerschaft aufgenommen, was unglaublich Spaß gemacht und wunderbar funktioniert hat. Er bringt eine sehr positive Einstellung mit, seine Ideen haben immer Hand und Fuß, oft sind sie sogar genial. Er hat uns in jeder Hinsicht unterstützt, während wir am Drehbuch arbeiteten, und in der gleichen Atmosphäre ging es dann auch während der Dreharbeiten weiter.?

Zur Vorbereitung des Schauspielers gehörten auch Monate intensiven Trainings für die Szenen, in denen Nahkampf, Reiten oder die Kunst der doppelten Schwertführung gefragt sind. Herskovitz kommentiert: ?Etwa ein Jahr lang hat er jeden Tag mehrere Stunden trainiert ? mit einem Engagement und einer Disziplin, die eines Samurai wirklich würdig sind. Er kann mit den zwei Schwertern ganz fabelhaft umgehen und ist ein vorzüglicher Reiter.?

?Ich habe acht Monate trainiert, um mich für diesen Film fitzumachen?, gibt der Schauspieler zu. ?Ich lernte Kendo (japanisches Schwertfechten), japanische Martial Arts, jeden nur möglichen Umgang mit Waffen. Ich mußste nicht nur reiten, sondern beim Reiten kämpfen. Ich habe Japanisch gelernt. Was irgendwie in Frage kam, habe ich geübt.?

Cruise ist für seine Konzentration und Hartnäckigkeit berühmt ? auch während der Dreharbeiten ließ er nicht von seinen Recherchen und dem regelmäßigen Training ab. Von Zwick bekam er eine Reihe von Büchern über japanische Geschichte und Kultur, die Cruise in seine wachsende Bibliothek einfügte, und in Drehpausen sah man ihn öfter bei der Lektüre des klassischen Bürgerkriegsbuches ?The Killer Angels?.

Im Regelfall erschien Cruise zwei Stunden vor den Schauspielerkollegen und dem Team am Set, um sich physisch vorzubereiten. Weil er so eisern übte, konnte er tatsächlich alle Stunts selbst ausführen ? etliche Nächte mußste er mit den beiden Schwertern gegen mehrere Gegner fechten, fünf Tage und eine Nacht lang mörderische Ninjas abwehren, wochenlang neben seinen japanischen Kollegen den Martial-Arts-Drill absolvieren und schließlich zwei Monate lang unerbittliche Schlachtszenen absolvieren.

?Zunächst zweifelte ich, ob ich die Kampfszenen überhaupt realistisch darstellen konnte?, sagt Cruise, denn er war bei seinem Einstieg in das Projekt zwar körperlich voll durchtrainiert, aber die besonders harten Anforderungen der Samurai-Martial-Arts waren ihm völlig neu. Er konzentrierte sich darauf, seinen Körper geschmeidig zu halten und senkte seinen körperlichen Schwerpunkt durch tägliche Übungen ? so konnte er bei den natürlich fließenden Bewegungen eine gewisse Steifheit vermeiden. Nachher bestätigte Cruise, dass er dadurch sogar tiefer durchatmen konnte und zu einer ?größeren Klarheit des Bewusstseins, einer besseren Kontrolle des Körpers durch den Geist? gefunden hatte. Dieser Umstand war seiner Meinung nach zumindest teilweise dafür verantwortlich, dass er all die intensiven Schlachtszenen ohne Verletzungen überstand.

Wenn Zwick ihn bei diesen Anstrengungen beobachtete, fragte er sich manchmal, ob er nicht zu viel erwartete. ?Ich dachte: ,Was mache ich hier eigentlich???, sagt er. ?Da steckt Tom kopfüber im Schlamm und lässt sich nach Strich und Faden verprügeln, oder wir wiederholen zum xten Mal Kampfsequenzen mit richtigen Aluminiumschwertern, die mit extremer Geschwindigkeit an seinem Gesicht vorbeisausen ? setze ich ihn dabei nicht einem zu großen Risiko aus? Aber jedes Mal sagte er dann: ,Gib mir nur die Zeit für die Vorbereitung und sag mir, was ich machen soll, dann bekomme ich das auch hin.??

Tatsächlich bringt Cruise eine angeborene sportliche Begabung mit ? er stürzt sich mit Begeisterung auf jede neue Sportart und freute sich sogar auf die körperlichen Belastungen, denen seine Filmfigur ausgesetzt wird. Der Original-Drehplan sah vor, dass er tagsüber emotional intensive Szenen zwischen Algren und seinen japanischen Bewachern spielte, um dann nachts die Kämpfe mit zwei Schwertern zu absolvieren. Diese Kombination von Gefühl und Action wirkte wie ein Echo auf Algrens gespaltene Persönlichkeit: Einerseits ist er ein innerlich zerrissener, von Gewissensqualen geplagter Mann, der sich bemüht, seine Ehre wiederherzustellen, andererseits aber gleichzeitig ein kaltblütiger, strategisch denkender und tödlich effektiver Soldat. Zwar wurde Cruise von Algrens tiefschürfenden, komplexen Gefühlsanwandlungen angespornt, aber nach Abschluss dieser Szenen rannte er buchstäblich glücklich zu den nächsten Sets ? er wollte endlich mit den Samurai-Kampfsequenzen beginnen. ?Ich wollte so etwas schon als Kind machen?, erklärte er in der ersten Nacht. Und er enttäuschte niemanden. Die Parallelen zwischen Algrens Erlebnissen im Samurai-Lager und Cruises Vorbereitung auf die Rolle fielen natürlich auch dem Filmteam auf. ?Toms Training war nicht nur die Vorbereitung eines Schauspielers, der seine Stunts für einen Film übt?, erklärt Zwick. ?Vielmehr besteht ein wichtiger Zusammenhang zwischen Algren, der als Gefangener der Samurai Martial Arts trainiert und sich in ihre Philosophie einlebt, und dem, wie Tom sich mental und physisch vorbereitete. Er hat sich auf die Rolle an sich eingestellt, nicht nur auf die Stunts und die Kampfszenen.? Cruise stimmt ihm zu: ?Bald fühlte ich mich genauso wie Algren im Dorf, ich konnte nachvollziehen, welche gefühlsmäßige und physische Wandlung er durchmacht.?

Auch für Ken Watanabe bedeutete die Arbeit an ?Last Samurai? eine Durchforstung seiner Seele, selbst wenn er sich bei diesem Projekt praktisch wie zu Hause fühlen konnte. Als japanischer Filmstar hat er in etlichen historischen Filmen mitgewirkt, darunter auch in der beliebten NHK-Samurai-Serie ?Dokuganryu Masamune? und in dem Spielfilm ?Bakumatsu Junjyo Den?, der in den letzten Tagen des Tokugawa-Shogunats spielt, als die Samurai triumphierten. Dennoch verrät Watanabe, wie die Dreharbeiten zu ?Last Samurai? ihn anspornten, sein eigenes Verhältnis zur berühmten Kriegerkaste seiner Heimat genauer zu überdenken, denn es war nicht zuletzt Zwicks Begeisterung für das Thema, durch die Watanabe Verständnis für Katsumoto aufbrachte und somit den Samurai-Krieger überzeugender darstellen konnte.

?Zunächst hatte ich Schwierigkeiten, die Figur zu begreifen?, sagt er. ?Was will Katsumoto eigentlich? Was geht in seinem Kopf vor? Sicherlich, laut Tradition liegt im Tod Schönheit, aber das Sterben stellt für mich nicht unbedingt eine Tugend dar, ich konnte mich zunächst nur schwer daran gewöhnen. Als Samurai und als Anführer seiner Leute hat Katsumoto eine ganz persönliche Art des Lebens und Sterbens, aber ich mußste mich doch fragen, welches Recht er hat, seine Leute, die Dorfbewohner und Menschen in seiner Umgebung, mit sich in den sicheren Tod zu führen ? wie kann man das rechtfertigen und zulassen? Das war zunächst mein Dilemma, bis ich begriff, dass es Katsumoto nicht um Leben oder Tod geht. Für ihn ist die Frage der Ehre entscheidend.?

Wie Cruise trainierte auch Watanabe sehr intensiv, und er führte auch die meisten seiner Stunts selbst aus. ?Katsumoto trägt immer zwei Schwerter?, sagt er. ?Ich mußste also lernen, mit beiden gleichzeitig zu kämpfen. Alles sollte realistisch wirken, auch die Kämpfe. Das war sehr schwierig, aber ich war hoch motiviert. Vor jeder Schlachtszene mußste ich meinen über 500 Soldaten Kommandos zurufen. Ich habe so sehr gebrüllt, dass ich heiser wurde.?

?Die Rolle ist sehr komplex, und Ken spielt sie mit intensivem Gefühl, mit Humor und bewundernswerter Haltung?, berichtet Zwick. ?Ohne ihn kann ich mir den Film überhaupt nicht vorstellen.?

Als Gegenpol zu den außergewöhnlichen Actionszenen zeigt ?Last Samurai? auch eine Reihe trügerisch ruhiger Sequenzen. Als Katsumotos Gefangener im Samurai-Dorf begegnet Algren dem Anführer und den übrigen Samurai zunächst unter Umständen, in denen Worte unmöglich und letztlich auch unnötig sind ? dennoch ist die schweigende Kommunikation sehr intensiv.

Zwick weist darauf hin, dass diese Begegnungen durchaus sehr gehaltvoll sind, auch wenn es keinen nennenswerten Dialog gibt. ?Das sind mitreißende Szenen: Algren lernt Taka langsam kennen ? sie versorgt ihn tagtäglich, sagt aber kein Wort. Diese beiden Menschen werden einander aufgezwungen, können aber die Barrieren zwischen sich nicht überwinden: die Umstände, die natürliche Zurückhaltung durch die kulturellen Unterschiede und natürlich die Sprache. So viele Hindernisse stehen ihnen im Weg, und dennoch kommen sie zu einem Einverständnis. Ich bin immer wieder begeistert darüber, was Koyuki alles mit ihren Blicken auszudrücken vermag, mit ihren Gesten und ihrer Haltung, und wie genau Algren sie versteht. Das wirkt fast wie Szenen aus einem Stummfilm.?

Wie sehr sich der Regisseur bemüht, der inneren Aufruhr in seinen Figuren gerecht zu werden, wird deutlich an dem Rat, den er Watanabe in Bezug auf eine Szene gab, in der sie ?in Katsumotos Kopf einzudringen versuchen?, wie der Schauspieler sich erinnert. ?Vor dem Drehen sagte Ed: ,Du mußst das alles spüren ? das Lagerfeuer, die summenden Insekten, den Wind, die Temperatur. Die Nacht ist kalt. Du hörst die unruhigen Pferde. Wie Tom atmet.? Und all das für eine Szene, in der ich gar keinen Text habe. Irgendwie gab er mir eher Anweisungen, wie ich leben, nicht wie ich spielen soll ? also ein gutes Beispiel für den Geist des Bushido. Bushido ist wie die Luft zum Atmen ? man achtet auf den Einklang mit der Natur, mit der gesamten Umgebung. Die Samurai reden nicht darüber, sie leben es einfach.?

Tatsächlich kam sich auch Zwick selbst wie in einem Stummfilm vor, wenn er als Regisseur die ständig präsente Sprachbarriere überwinden mußste, denn bei den Dreharbeiten in Japan und später in Neuseeland setzte er Hunderte von japanischen Schauspielern und Komparsen ein. ?Wenn man die Größenordnung des Films bedenkt und überlegt, wie wichtig jede einzelne Darstellung, jeder Moment für das Ganze ist?, sagt Cruise, ?dann staunt man immer wieder, wie effektiv Ed mit Menschen kommuniziert, die praktisch kein Englisch können ? trotzdem leisten sie genau das, was er will.?

Die Logistik stellte den Regisseur vor eine Reihe schwieriger Probleme: neben dem Aufwand für den epischen Bilderbogen auch die Begegnung so unterschiedlicher Kulturen und die umfangreichen Außenaufnahmen. Doch all das bewältigte Zwick mit Bravour. Er erinnert sich: ?Beim Planen der Schlachtszenen überlegte ich: ,Wie viele Männer brauche ich in dieser Sequenz?? Und ganz plötzlich wurde mir klar, welche enormen organisatorischen Aufgaben uns bevorstanden. Wir brauchten nicht nur eine bestimmte Anzahl Männer, sondern sie mußsten fähige Schauspieler sein, vor der Kamera effektiv arbeiten können, für die Schlacht trainiert werden und Martial-Arts-Erfahrung mitbringen. Wie viele Übersetzer brauchen wir? Glücklicherweise merkten wir bald, dass zahlreiche Statisten bereits Fertigkeiten in Martial Arts mitbrachten und sie uns unbedingt auch vorführen wollten. Es ist schon eine Weile her, seit der japanische Kampfstil auf der Leinwand zu sehen war. Die chinesischen Martial Arts waren in den letzten Jahren in etlichen populären Filmen zu sehen, ebenso die Drahtseiltechniken, die von den Chinesen eingeführt wurden, doch die Kampfdisziplinen des traditionellen Japan sind auf eigene Weise überwältigend. Irgendwie hatten viele der Schauspieler das Gefühl, als Botschafter ihres Landes aufzutreten ? hier können sie diesen Stil einem weltweiten Publikum demonstrieren. Mit der entsprechenden Motivation traten sie an, und wir waren äußerst dankbar, sie in unserem Team dabei zu haben.?

Internationale Besetzung ?Wir haben beim Schreiben einfach ins Blaue hinein geplant und angenommen, dass wir für die vielen Hauptrollen schon japanische Schauspieler finden würden?, sagt Herskovitz, der wahrlich nicht zum ersten Mal einen Film besetzt. ?Wenn man den richtigen Schauspieler für eine Rolle findet, ist das an sich schon ein Wunder ? und natürlich umso mehr, wenn einem das gleich bei mehreren Schauspielern gelingt. Ken Watanabe liefert eine unglaublich mitreißende Darstellung: In seinem Gesicht spiegeln sich Macht, Mitgefühl, Humor und Trauer. Koyuki ? sie spielt Katsumotos Schwester Taka ? brachte die nötige Würde mit, um jenes Pflichtgefühl und das Dilemma auszudrücken, von denen ihre Rolle bestimmt ist. Hiroyuki Sanada, der den Ujio spielt, ist in Japan ein großer Filmstar. Ein weniger kompetenter Darsteller hätte diese Rolle nur als eindimensionalen Gegenspieler angelegt, doch durch Sanadas Darstellung gewinnt die Figur erheblich an Nuancen. Wir haben praktisch das Traumteam gefunden.?

Das Zusammenspiel mit den japanischen Kollegen gab Cruise die Gelegenheit, seine Vorstudien anzuwenden. ?Wenn man mit Menschen über ihre Kultur spricht und sie dazu eine Einführung geben und eigene Standpunkte zur Geschichte vertreten, dann ist das viel mehr wert als jede Buchlektüre?, sagt er beeindruckt.

Cruises mitreißender Enthusiasmus und Teamgeist dominierten die Stimmung am Set, und dies war es auch, was Ken Watanabe gleich beim ersten Treffen mit dem amerikanischen Star auffiel. ?Unsere ersten Proben waren in Los Angeles angesetzt ? was mir leicht über den Kopf hätte wachsen können, aber Ed, Marshall und Tom haben mir die Arbeit so weit wie möglich erleichtert?, erinnert sich Watanabe. ?Wir probten auf einer Theaterbühne, improvisierten ausgiebig, erforschten das Leben von Katsumoto und Algren und die Entwicklung ihrer Beziehung. Ich komme selbst vom Theater, fühlte mich also nach diesem Einstieg sehr viel sicherer. Und in Japan kommt es nicht oft vor, dass ich eine Rolle in so kreativer Atmosphäre entwickeln kann.? Über seinen weltberühmten Kollegen sagt Watanabe begeistert: ?Ein wirklich netter Typ! Zu diesen ersten Proben erschien er in Jeans und T-Shirt, er sorgte sofort für eine sehr offene, lockere Stimmung. Sein Ansatz war: ,Lasst uns zusammen einen tollen Film machen.??

dass Watanabe und Cruise sich bald bestens verstanden, erwies sich später bei den Dreharbeiten als sehr vorteilhaft, wie Zwick feststellt: ?Sie mußsten sich wirklich vertrauen, denn sie fuchtelten sich mit ihren Schwertern gegenseitig haarscharf vor den Gesichtern herum ? das waren echte Aluminiumschwerter.? Oder, wie Watanabe scherzhaft bemerkt: ?Ohne perfektes Timing hätte das nicht funktioniert: Einmal daneben hätte das Ende des Films bedeutet.?

Zwick beschreibt, wie sich die beiden Schauspieler bald ergänzten ? nicht nur in ihren Actionszenen, sondern auch in ihrer mentalen Kommunikation ? denn es war für die Geschichte absolut entscheidend, das Katsumoto einen angemessenen Gegner für Algren darstellt: ?In jeder Beziehung mußste er ihm als Gegner ebenbürtig sein. Wenn es diese Balance nicht gegeben hätte, hätte der Film nicht funktioniert.?

Herskovitz stimmt ihm zu: ?Ohne einen beeindruckenden Katsumoto gibt es keinen Film. So überwältigend Tom als Captain Algren auch wirken mag ? er braucht jemanden, an dem er sich messen kann. Deshalb haben wir anfangs bei der Besetzung der Rolle gezögert, wir haben recht lange gesucht, bis wir uns für Ken Watanabe entschieden. Als wir ihn kennen lernten, wussten wir sofort, dass wir unseren Mann gefunden hatten. Das liegt nicht nur an seinem Aussehen, sondern an seiner ganzen Art, seiner Haltung, seinem Charisma.?

Watanabe gefiel vor allem die Begegnung zwischen Ost und West, die Gegenstand der gesamten Produktion war ? vor und hinter der Kamera. ?Das war interessant?, sagt er. ?Japan und der Westen stehen sich gegenüber ? historisch, aber auch wörtlich, in Bezug auf diesen Film: ein amerikanischer Regisseur, amerikanische Schauspieler mit japanischen Schauspielern und Teammitgliedern. Wir haben alle voneinander gelernt.?

Tatsächlich übernahmen hochqualifizierte japanische Profis mit beeindruckenden Filmografien Schlüsselrollen auch hinter der Kamera. ?Wir haben Leute im Team, die ihr ganzes Leben der Darstellung und Würdigung der Samurai-Kultur gewidmet haben?, sagt Zwick. ?In Japan gibt es eine ganze Filmbranche, die sich auf Samurai-Filme konzentriert, und einige unserer Mitarbeiter haben sogar mit Kurosawa gearbeitet. Ihre jahrelangen Forschungen als Künstler, Requisiteure, Innenrequisiteure, Kostümbildner oder Schauspieler bringen sie in unser Projekt ein. Natürlich wollen wir die japanischen Samurai-Filme nicht imitieren ? vielmehr versuchen wir etwas ganz Eigenes zu schaffen, und doch ist es unabdingbar, dass wir uns in dieser Tradition eingebettet fühlen.?

Hiroyuki Sanada bestätigt seinerseits, wie sehr er und seine Kollegen von Zwicks Filmen beeindruckt sind und wie gespannt sie auf seine Interpretation der Geschichte ihres Landes sind. ?Er kennt sich in diesem Thema wirklich aus, das ist ganz verblüffend?, sagt der Schauspieler, der den vollendeten Krieger Ujio spielt. Ujio entwickelt sich zu einer potentiellen Bedrohung für Algren. ?Offensichtlich begeistert er sich für den Geist des Bushido und diese Epoche, die selbst in japanischen Filmen selten dargestellt wird. Sein neuer Ansatz ist sehr respektvoll, und hoffentlich werden dadurch auch die japanischen Filme neu entdeckt.?

Schon als 13-Jähriger spielte Sanada erste Rollen und führte auch eigene Stunts aus ? er ist in über 50 japanischen Filmen aufgetreten, darunter auch in den beliebten ?Ring?-Thrillern (?Ringu?/Ring ? Das Original, 1998). Sein Ruhm gründet sich auf seine darstellerischen Leistungen, seine Stunts und seine hervorragende Schwertkunst. Er hat unzählige Samurai gespielt und diente der Filmproduktion entsprechend als inoffizieller Berater: Er arbeitete mit Stunt-Coordinator Nick Powell an der Choreografie des Kendo-Drills und an verschiedenen Katas (rituellen Bewegungsabläufen) im Martial-Arts-Bereich. Vor und hinter der Kamera war er der Anführer von Katsumotos Samurai-Truppe, Männer, die Powell in Japan persönlich ausgesucht hat.

Als Ujio, der Samurai-Schwertkampfmeister, stand Sanada Cruise in Übungssequenzen oft gegenüber und stellte fest, dass er ein würdiger Gegner ist. ?Ujio ist unter Katsumotos Samurai der altmodischste?, sagt Sanada. ?Vor allem kann er Ausländer nicht ausstehen, er will mit fremden Kulturen nichts zu tun haben, und er verachtet Algren, der als Gefangener in sein Dorf gebracht wird. Doch der Schwertkampf bildet eine Brücke zwischen den beiden. Weil Ujio der beste Schwertkämpfer des Dorfes ist, müssen die Duelle zwischen Algren und ihm wirklich überzeugen, sie sind höchst kompliziert und gefährlich, und wir haben Kampfabläufe entwickelt, die das hoffentlich demonstrieren. Tom ist ein großartiger Teamarbeiter, und ich war schwer beeindruckt von seinen Fertigkeiten, seiner Konzentrationsfähigkeit und seiner Bereitschaft, absolut alles auszuprobieren, was der Szene dienlich sein könnte.?

Auch weitere wichtige Rollen wurden mit hoch angesehenen japanischen Schauspielern besetzt. Seizo Fukumoto ? er spielt den schweigenden Samurai ? kann auf eine Filmografie mit zahllosen Samurai-Titeln verweisen und ist Spezialist für Kirareyaku-Rollen (das sind Samurai, die oft durch die Hand des Helden sterben). Er verschob seinen Wechsel in den Ruhestand, um in ?Last Samurai? mitzuwirken. Masato Harada spielt den intriganten Geschäftsmann Omura, der den Fortschritt propagiert und den Samurai feindlich gegenübersteht ? er hat sich weltweit als preisgekrönter Filmregisseur einen Namen gemacht. Shichinosuke Nakamura spielt den jungen Kaiser ? er stammt aus einer Familie von Kabuki-Darstellern und hat auf internationalen Bühnen bereits zahlreiche Rollen verkörpert. Koyuki, die Katsumotos pflichtbewusste, aber widersprüchliche Schwester Taka spielt, hat sich erfolgreich als Model und Schauspielerin profiliert, die durch etliche beliebte Fernsehserien bekannt wurde. Shun Sugata spielt den loyalen Samurai und Ju-Jitsu-Meister Nakao ? aktuell war er in Quentin Tarantinos ?Kill Bill? (Kill Bill) zu sehen, aber er hat auch in Japan schon zahlreiche Hauptrollen gespielt. Als Katsumotos Sohn Nobutada, der sich im Samurai-Lager seines Vaters mit dem gefangenen Captain Algren anfreundet, gibt der Kung-Fu-Experte Shin Koyamada in ?Last Samurai? sein Filmdebüt. Seine Filmfigur zeichnet sich durch den meisterhaften Umgang mit Pfeil und Bogen aus. Deswegen trainierte Koyamada monatelang unter Anleitung von Koji Fuji, einem weiteren Samurai-Darsteller, der aber tatsächlich ein Meister des Bogens und ein strenger Lehrer ist.

Auch die weitere Besetzung ist international: Aus London kommt Timothy Spall, der die Hauptrolle des gestrandeten Briten Simon Graham übernimmt: Er dient Algren bei seiner Ankunft in Tokio als Dolmetscher. Aus Glasgow stammt Billy Connolly, der Algrens Freund und Waffenbruder Zebulon Gant spielt. In Kalifornien geboren wurde Tony Goldwyn ? er spielt Colonel Bagley, ehemals Offizier im Bürgerkrieg, der jetzt sein Glück in Japan machen will.

?Tim Spall ist ein echtes Goldstück?, erklärt Herskovitz. ?In seiner Rolle mußs er sehr idealistisch sein, was ihm gar nicht gut bekommt, und Tim bringt derart viel Humor und Mutterwitz ein, dass er unglaublich sympathisch wirkt.?

?Weil Algren eine so persönliche Entwicklung durchmacht, stellen wir ihm die Figur des Graham als Gesprächspartner zur Seite ? er wirkt für das Publikum wie eine Lupe, durch die man Algren betrachten kann?, bemerkt Drehbuchautor John Logan. Tatsächlich kann Algren anfangs nur über Spall alias Simon Graham mit den Japanern kommunizieren ? in gewisser Weise dient Graham auch als Erzähler der Geschichte. Er ist ein typisch viktorianischer Exilant, der in Hut und Anzug auftritt. Doch trotz seiner gepflegten Kleidung bezeichnet Spall ihn als ?echten Außenseiter?.

?Solche Leute findet man häufig in Ländern, in denen sie sich nicht auskennen?, führt der Schauspieler aus. ?Sie leben dort, weil sie auch in ihrer Heimat mehr oder weniger Außenseiter sind. Oder vielleicht ist er auch der dritte Sohn eines unbedeutenden Aristokraten, mit dem niemand etwas anfangen kann. Jedenfalls hat Simon Graham jetzt einen Job in der seit 20 Jahren bestehenden britischen Handelsmission. Inzwischen bewundert er die japanische Kultur, und besser als alle anderen merkt er, wie sie sich verändert.?

Für die Rolle lernte der englische Schauspieler etliche japanische Sätze phonetisch auswendig ? eine Leistung, die er mit seinem charakteristischen Humor und einem Achselzucken abtut. Als viel komplizierter bezeichnet er die Fotokamera, die Graham für sein Hobby benutzt. Es handelt sich um ein echtes Stück aus dem 19. Jahrhundert, das der Requisiteur bei eBay ersteigerte. ?Ach, die Kamera?, sagt er und schüttelt sich. ?Da wurde es dann reichlich schwierig, als ich Japanisch sprechen und gleichzeitig die viktorianische Fotoplatte verwenden mußste. Das ist so, als ob man sich gleichzeitig am Kopf kratzen und über den Bauch streichen mußs. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe.?

Spall erzählt weiter, dass im Japan zur Zeit der Meiji-Reformen tatsächlich etliche berühmte Exilanten/Fotografen gelebt haben. Zwick wies ihn besonders auf einen hin. ?Ich habe noch nie mit einem Regisseur gearbeitet, der derart Bescheid wusste wie Ed?, sagt Spall. ?Er kennt sich mit den kleinsten Kleinigkeiten dieser Epoche aus. Er hat wohl allen Darstellern ein Buch gegeben über Vorbilder, die die Rollen inspiriert haben. Meines handelt von einem Typ namens Lafcadio Hearn, einem Amerikaner, der etwa zur selben Zeit in Japan lebte und sich wie Graham vollkommen für die Kultur begeisterte.?

Billy Connolly spielt den Zebulon Gant, einen ?archetypischen Unteroffizier, der sich sein freches Mundwerk nicht verbieten lässt, weil er mit seinem Vorgesetzten schon sehr lange befreundet ist. Als Gant den Auftrag bekommt, als Ausbilder eine moderne Armee in Japan aufzubauen, sucht er Algren auf, um ihn dazuzuholen, denn beide haben sie sich ohne Erfolg als Zivilisten versucht.?

Connolly bezeichnet ?Last Samurai? als ?eine wunderbare Heldengeschichte?, aber an dem Projekt ist er auch ganz persönlich interessiert: ?Ich habe eine Menge über Japan gelesen und war schon ein paar Mal dort. Ich schätze diese Kultur sehr und merkte, dass Ed und Marshall sie sehr exakt darstellen. Offensichtlich respektieren sie die alten Traditionen und die Gefühlslage, die sie porträtieren. Ich war schon immer der Meinung, dass die Samurai-Geschichten auch einen sehr dramatischen modernen Film abgeben würden. Ich bin sicher, die Zuschauer werden beeindruckt sein von der Loyalität der Samurai untereinander und von der Freundschaft zwischen Algren und meiner Figur Gant.?

Als einer der bekanntesten britischen Komiker hat sich Connolly im Fernsehen und auf der Leinwand profiliert, aber neben seinen preisgekrönten Auftritten in Komödien bewährt er sich durchaus auch in dramatischen Rollen (besonders in ?White Oleander?/Weißer Oleander, 2002). Über den bereits zweimal von der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) nominierten Star sagt Herskovitz: ?Billy Connolly gehört zu den witzigsten Menschen, die ich je kennengelernt habe ? es ist eine Freude, ihm zuzusehen.? Über die Besetzung des Schauspielers sagt er: ?Ed und ich schauen uns immer wieder gern Victor McLaglen in den John-Ford-Filmen an, den Kavallerie-Western mit John Wayne. McLaglen spielte darin jeweils den stellvertretenden Kommandeur. Er war Ire, der Schotten darstellte, und als eine Art Hommage an ihn engagierten wir Billy Connolly ? einen Schotten, der hier einen Iren spielt.?

Tony Goldwyn, der als charmanter, aber abgefeimter Schurke in ?Ghost? (Ghost ? Nachricht von Sam) Demi Moore bedrohte und eine unvergessliche Darstellung ablieferte, zeigt auch als Colonel Bagley eine durchdachte und überzeugende Leistung. Aus Algrens Sicht ist Bagley ein schrecklicher Mensch. Algren lehnt Bagleys Befehle während der Feldzüge gegen die Indianer strikt ab, und während er Bewunderung für die Samurai entwickelt, bestätigt Bagleys Allianz mit dem opportunistischen Geschäftsmann und Samurai-Gegner Omura nur seine negative Meinung über seinen früheren Waffenbruder. Die Filmemacher würden ihn vielleicht nicht als durch und durch böse, sondern eher als typisch bezeichnen.

?Ed und ich beschlossen, ihn ganz als Vertreter seiner Zeit darzustellen?, berichtet Herskovitz. ?Denn tatsächlich dachten damals die meisten Menschen so wie er. Algren bringt erheblich mehr Verständnis für die Ureinwohner auf, für die Indianer und später für die Samurai. Diese Denkweise widerspricht Bagleys Auffassung total: Er ist Pragmatiker, will ein neues Reich aufbauen, er würde nie die Überlegenheit der westlichen Zivilisation in Frage stellen. Er glaubt fest daran, dass die Errungenschaften der amerikanischen Kultur, die er nach Japan einführt ? alles von Munition über Demokratie bis zum System des freien Marktes ?, ein großes Geschenk darstellen, für das dieses unterentwickelte Land dankbar sein sollte. In moralischer und philosophischer Hinsicht könnten Algren und Bagley gar nicht verschiedener sein.?

?Er ist keinesfalls der Schurke, der mit der Peitsche knallt?, fügt Zwick hinzu. ?Kein Zweifel: Bagley ist ein Rassist, aber er ist sich dessen nicht bewusst, weil seine Haltung der damaligen Zeit durchaus angemessen war, und diese feinen Unterschiede arbeitet Tony heraus. Eine sehr mutige Leistung.?

Gerade diese subtilen Zwischentöne interessierten Goldwyn an seiner Rolle. ?Moral im Zwiespalt finde ich faszinierend, und deswegen nehme ich auch häufig die Schurkenrollen an?, sagt er. ?In jeder Situation gibt es eine Grauzone ? vor allem im Krieg. Wenn man eine bestimmte Doktrin durchsetzen und ein Problem lösen mußs, kann das auch nach hinten losgehen. Für solche Katastrophen steht Bagley. Das auszuloten finde ich äußerst interessant.? Und mit einem eher sportlichen Kommentar fügt Zwick hinzu: ?Tony ist außerdem ein außergewöhnlich versierter Reiter. Das traf sich gut, denn ich verlangte, dass er durch Explosionen und Gewehrfeuer ritt ? er hat das auf Anhieb geschafft.?

Erstmals wurde im historischen Himeji gedreht Um die Produktion auf die japanische Tradition und Kultur einzustimmen, begann Zwick die Dreharbeiten in der japanischen Kleinstadt Himeji.

Mit ?Last Samurai? dreht erstmals ein Filmteam in Himeji, doch das Dorf kann auch mit einem sehr viel beeindruckenderen Wahrzeichen aufwarten: dem Engyoji-Tempel und -Kloster, wo die ersten Einstellungen des Films entstanden ? es dient im Film als Landsitz von Katsumoto und seinen Anhängern. Das ausgedehnte Anwesen, dessen Gebäude mit Handschnitzereien kunstvoll geschmückt sind, liegt hoch oben an einem Berghang und wird eingerahmt von einem Bambuswald, chinesischen Ulmen und Zypressen: ein einzigartiger, überwältigender Schauplatz.

?Das Engyoji-Kloster entstand um das Jahr 900?, sagt Zwick. ?Ein heiliger Ort, der zunächst als Ausbildungsstätte für Mönche diente und heute ein Schrein, eine Pilgerstätte für die Japaner ist. Die Mönche waren enorm großzügig, als sie uns gestatteten, das Anwesen und sie selbst zu filmen. Weil der Film sich vor allem mit den geistigen Aspekten der Samurai beschäftigt, war uns dieser Ort als Einstieg in die Produktion sehr wichtig ? wir konnten dort unsere Herzen läutern. Es wäre unmöglich, so etwas als Set nachzubauen. Jedes Stück Holz atmet die Vergangenheit. Der Geruch, der Einfall des Lichts, die Steine, die durch die Schritte der Menschen und kniende Beter in tausend Jahren blank gewetzt wurden, all das ist einzigartig. Für mich war es sehr wichtig, den Geist dieses ungewöhnlichen Ortes auf den Film zu übertragen.?

?Diese beeindruckende historische Stätte ermöglichte allen Beteiligten einen entscheidenden Einstieg, Geschichte zum Anfassen ? das gilt für die japanischen Mitarbeiter genauso wie für die Amerikaner?, berichtet Herskovitz. ?Auf diese Weise bekam jedermann eine Ahnung davon, was uns vorschwebte.?

Doch die Dreharbeiten im Kloster warfen auch ungewöhnliche Probleme auf. Weil der Drehort auf dem Shosha-Berg liegt, mußsten Darsteller und Teammitglieder per Gondellift nach oben befördert werden ? die einzige Alternative wäre ein ausgetretener Fußpfad gewesen.

Auf jeden Fall galt es zu vermeiden, dass das uralte Gemäuer durch die Dreharbeiten im Inneren in irgendeiner Form beschädigt oder verändert wurde. Deshalb setzte das Team undurchsichtige Kulissenwände ein, wenn es darum ging, Räume durch ?Mauern? zu verkleinern.

Die 1870er-Jahre entstehen durch der Zeit nachempfundene Sets Nach Abschluss der Dreharbeiten in Japan filmte das Team auf weiteren Sets und an Drehorten in Neuseeland und auf dem Gelände der Warner Bros. Studios in Burbank/Kalifornien. In jedem Fall stand im Vordergrund, das Aussehen und die Atmosphäre Japans in den 1870er-Jahren so authentisch wie möglich nachzuempfinden. Dazu waren umfangreiche Recherchen nötig. Schon Monate vor Beginn der Dreharbeiten verbrachten Produktionsdesignerin Lilly Kilvert und ihr Team Hunderte von Arbeitsstunden mit der Durchsicht von Anschauungsmaterial, Büchern, Fotos und Dokumenten über die Meiji-Epoche und deren Vorläufer. Experten äußerten sich zu Stoffen, Baumaterialien und sogar zu den Ziersträuchern, die im Vorgarten eines Samurai-Hauses gestanden haben.

Jedes Detail, jeder Set im Film mußste von Grund auf neu angefertigt werden: Von den strohgedeckten Häusern in einem ländlichen Samurai-Dorf bis zum Stau auf einer Durchgangsstraße in Tokio; von den seidenen Lampenschirmen und dem Reispapier in den Fensterrahmen bis zu den Flaggen der damaligen Zeit. Sogar die Bäume bauten die Ausstatter selbst. Über 150 einzelne Kirschbäume wurden vom Produktionsteam angefertigt: Sie stehen vor allem im Garten von Katsumotos Haus in Tokio, im Tempelhof seines Landsitzes, und sie kommen als Ergänzung des natürlichen Waldes am Rande des großen Schlachtfelds zum Einsatz. Die hölzernen Stämme wurden auf tragbare Untersätze montiert, und jeder Baum bestand aus einer Anzahl austauschbarer Äste ?je nach Jahreszeit? ? er konnte also im Frühjahr, Winter, Sommer oder Herbst eingesetzt werden ? und der Jahreszeitenwechsel war oft sogar innerhalb eines Drehtages nötig.

Kilvert wurde bereits für ihre Ausstattung zu ?Legends of the Fall? (Legenden der Leidenschaft) für den Oscar nominiert. Als Ausgangspunkt benutzte sie einen existierenden Set auf dem Außengelände des Warner Bros. Studios in Burbank, das vor allem als Teich der Waltons aus der TV-Serie ?The Waltons? (Die Waltons) der 70er-Jahre bekannt wurde, aber auch in der Serie ?Gilligan?s Island? (Gilligans Insel) Verwendung fand. Hier entstand Katsumotos Tokio-Haus. Die vorhandene Lagune verwandelte man in einen Spiegelteich neben dem Haus, aber das Haus selbst mußste komplett errichtet werden, außerdem eine Brücke über den Teich ? sie dient als Zugang zum Vordereingang des Hauses. Kein konkretes Gebäude lieferte das Vorbild für den Set, aber die architektonischen Merkmale und die Materialien orientieren sich am traditionellen Design und den üblichen Abmessungen für das Haus eines gut situierten Samurais oder Vertreters der Oberklasse.

Der Set bestand aus ausgeklügelten verschiebbaren Ebenen, die der Kamera so viel Bewegungsfreiheit wie nur irgend möglich einräumten ? sogar ein riesiger Kamerakran fand darin Platz. In Katsumotos Haus findet ein entscheidendes Gefecht statt ? der Set mußste also haltbar genug gebaut werden, um die Action auszuhalten, aber auch Sollbruchstellen wurden eingeplant, um die entstehenden Schäden realistisch darzustellen. ?Meine Arbeit dreht sich nicht nur um die Entwürfe?, gibt Kilvert zu. ?Vielmehr mußs ich darauf achten, dass man auf dem Set praktisch arbeiten kann. Wenn wir eine Action-Sequenz planen, choreografieren wir sie genau durch und legen fest, welche Teile des Sets wann und wo zu Bruch gehen sollen und welche Teile haltbarer sein müssen, wie viele Einstellungswiederholungen voraussichtlich nötig sind et cetera.?

Nur einen Steinwurf von Katsumotos Villa auf dem Studiogelände entfernt baute die Produktionsdesignerin eine Durchgangsstraße im Tokio des 19. Jahrhunderts in die berühmte New Yorker Straße des Studios hinein ? dort wimmelt es von Händlern und Kunden in Kimonos, sie feilschen um Lebensmittel, Haushaltswaren und Stoffe, während die Fremden aus dem westlichen Ausland die Waren begutachten und exotische Sehenswürdigkeiten wie Rikschas und Geishas in opulenten Sänften bestaunen. Zerbrechliche japanische Papierwände und Laternen mischen sich mit neuen Backsteingebäuden und Telegrafenleitungen, die unter Gebetsfahnen durchgeführt werden: Die traditionelle Gesellschaft begann die modernen, erkennbar westlichen Einflüsse zu integrieren.

?Dieses Stadtviertel, später als Ginza bekannt, wird innerhalb eines Handlungsjahres mehrfach gezeigt, von 1876 bis 1877, was auch einige Änderungen mit sich bringt?, erklärt Kilvert. ?Japan veränderte sich damals ganz rapide, denn alle europäischen Länder waren bereits zur Stelle, um ihren Fuß in die Tür zu bekommen ? sie wollten sich ihr Sahnestück auf einem potentiell lukrativen Markt sichern. Alle waren sie da: die Briten, Franzosen, Spanier und Deutschen ? was ein Sprachgewirr zur Folge hatte, dem wir mit entsprechenden Schildern an den Häusern Rechnung tragen.? Das schlug sich zum Beispiel in der im englischen Sprachraum nicht korrekten Schreibweise ?Tokio? auf Schaufenstern nieder, die Kilvert natürlich exakt so übernahm.

Kilvert fügt hinzu, dass die Tokio-Straße noch deutlich von Gebäuden im japanischen Stil dominiert wird, denn ?die Architektur verändert sich natürlich langsamer, wie üblich?, aber die vom Westen beeinflussten Gebäude aus rotem Backstein waren durchaus nicht mehr selten. ?Sogar heute kann man bei einem Spaziergang durch das Ginza-Viertel von Tokio noch die Reste dieser Gebäude erkennen. Später entdeckte man, dass sich das Baumaterial für das herrschende Klima überhaupt nicht eignet, aber damals war es der letzte Schrei.?

Die meisten Gebäude des Sets bestanden aus Fassaden, die man einfach über die New-York-Gebäude stülpte, im wesentlichen wurden sie aus haltbarem, heutigem Baumaterial gefertigt: Holz und Kacheln aus Glasfiber. Doch die Türen, Schiebewände und Laternen, auch einige der Schachteln, Kisten, und Körbe bestanden aus echten japanischen Antiquitäten, die man in Los Angeles und Japan zusammensuchte.

Kilvert war auch an der Motivsuche beteiligt, die schließlich zur Entdeckung einer abgelegenen, 16 Hektar großen Rinder- und Schaffarm in der Nähe des neuseeländischen New Plymouth führte: Dort entstand für den Film das autarke Samurai-Dorf im Stil des 19. Jahrhunderts. 200 Bauarbeiter, darunter auch Zimmerleute aus der Region, stampften 25 Häuser aus dem Boden, dazu Zäune, Tore und Umfriedungen für die Tiere. ?Und das alles meist in strömendem Regen?, erinnert sich Kilvert.

Um der Kamera bessere Bilder zu ermöglichen, grub das Team mehrere horizontale Ebenen übereinander in die Berghänge ? die Parole war: eher ?Höhe? als ?Breite?, um die Tiefenwirkung zu verstärken. Das Bauholz wurde per Helikopter geliefert, Stroh wurde in einem nahen Tal geerntet und mit der Hand zusammengebunden. Richtige Felder mit Nutzpflanzen wurden angelegt. Aus gefärbten Stoffen fertigte man eine Reihe großer Fahnen, die das Dorf seinem Samurai-Klan-Namen zuordnen. Mit Ausnahme einiger Requisiten und Laternen, die aus Japan herbeigeschafft wurden, stellte das Team jedes Detail des Dorfes aus Rohstoffen der Umgebung her.

Fünf Monate vor Ankunft der Kameras begann Filmgärtnerin Stephanie Waldron mit ihrem Team die Aussaat: Sie verwandelte das schwierige Gelände in Reisfelder, pflanzte Bäume und baute Feldfrüchte an.

Kilvert entwarf ihr Dorf mit der Präzision und dem Pragmatismus einer Stadtplanerin. ?Wir hatten ein Töpferhaus mit Brennofen, ein Weberhaus, einen Korbmacher und ? weil es ja ein Samurai-Dorf ist ? einen Schwertschmied und einen Schrein, in dem unter anderem die Klingen gesegnet werden?, erinnert sie sich. ?Außerdem gab es ein Wasserrad mit einem Zisternensystem, denn die Japaner benutzten damals schon weit entwickelte Wasserleitungen und Bewässerungsmethoden. Grundsätzlich orientierten wir uns bei dem Dorf an den Menschen und Berufen, wie es sie damals gab.? Mit Ausnahme von Takas Haus bestanden alle Gebäude im Dorf nur aus Außenwänden ? in den leeren Hütten konnten Kameras, Scheinwerfer und Tonausrüstung unsichtbar untergebracht werden.

Als diese monumentale Aufgabe gemeistert war, baute das Team Dorfteile in mehreren Studiohallen nach, in denen der Regisseur sowohl Innen- als auch Außenaufnahmen drehen konnte.

Neuseeland lieferte außerdem die Kulisse für die Entscheidungsschlacht des Films ? aber erst, nachdem das Produktionsteam etwa 50 Höhenmeter eines naheliegenden Hügels auf 120 Meter Breite abgetragen hatte, um so ein ebenes Schlachtfeld herzustellen. Echte und künstliche Bäume ergänzten den echten Wald im Hintergrund, und Schlachtfahnen mit den Namen der Samurai-Klans wurden angefertigt. 25 Gärtner waren ständig im Einsatz, um das Gelände nach jeder großen Einstellung zu reparieren, das heißt die durch Pferdehufe, Krieger und die simulierten Artilleriegeschosse verursachten Schäden zu beseitigen.

?Lilly hat auf drei Kontinenten eine phänomenale Leistung geliefert?, bestätigt Herskovitz. Das historische Japan auf dem Studiogelände nachbauen, ein ganzes Dorf auf einen Berg stellen ? das ähnelt schon einem Feldzug. Wir schickten ungeheure Mengen von Truppen und Material in die Schlacht ? alles für eine Filmproduktionsfirma.?

Kilvert legt auf jedes authentische Detail größten Wert ? die Vergangenheit sollte in Bezug auf die Handlung so genau wie nur irgend möglich nachgestellt werden. ?Unser größtes Problem bei den Filmentwürfen bestand darin, die japanische Architektur originalgetreu nachzugestalten und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Kamera sie auch angemessen ins Bild bekommt?, sagt sie. ?In vielen Fällen waren deshalb äußerst präzise Entwürfe die Voraussetzung. Eine Tatami-Matte hat eine ganz bestimmte Länge, ein Shoji-Wandschirm eine genaue Höhe. Letztlich mußsten wir in einigen Fällen Kompromisse eingehen. Doch grundsätzlich habe ich mich bemüht, alle entscheidenden Elemente zu integrieren und so das authentische Ambiente einer bestimmten Epoche zu schaffen.?

Kostbare Kostüme der Meiji-Epoche tragen zur Atmosphäre bei Neben den Sets waren authentische Kostüme unabdingbar für die Welt des Meiji-Japans auf der Leinwand ? die Verantwortung hierfür übernahm Kostümbildnerin Ngila Dickson.

Dickson mußste Kostümteams in Japan, Los Angeles und in ihrer neuseeländischen Heimat gleichzeitig unter einen Hut bringen: So entstanden Hunderte von Kostümen extra für den Film. Sie orientierte sich dabei an Fotos und Dokumenten der damaligen Zeit, sprach aber auch mit Fachleuten, die sich auf diese Epoche spezialisiert haben. Durch ihre Recherchen erfuhr sie entscheidende Einzelheiten über die Herstellung handgefertigter Samurai-Rüstungen, die kulturelle Bedeutung der Farben, über die Stoffqualität, Druckmuster und Ärmellänge der Kimonos.

Dickson hat mit ihren Entwürfen zu ?The Lord of the Rings: The Two Towers? (Der Herr der Ringe ? Die zwei Türme) den BAFTA und den Saturn Award sowie für ?The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring? (Der Herr der Ringe ? Die Gefährten) eine Oscar-Nominierung erhalten. Ihre Herkulesarbeit plante sie wie ein General die Schlacht ? diese Strategie hatte ihr bereits die Arbeit an den ?Ring?-Filmen erleichtert. ?Für jeden Bereich setzte ich einen Abteilungsleiter ein ? für die Dorfszenen, die Samurai-Rüstungen, die kaiserliche Armee und so weiter?, erklärt sie. ?Dadurch ergaben sich Unterabteilungen ? jeder Teamleiter konnte sich auf sein Spezialgebiet konzentrieren.?

Dickson nahm es bei der Gestaltung des Samurai-Epos sehr genau, mußste aber bald feststellen, dass viele historische Quellen sehr subjektiv berichten.

?Zunächst haben wir uns jedes verfügbare Foto aus der damaligen Zeit besorgt ? das ergab einen enormen Schatz an Bildern?, sagt sie. ?Doch dann beschäftigten wir uns näher damit und entdeckten, dass viele dieser Fotos gestellt sind ? und die Fotografen gingen sehr lax mit den Originalen um. Wir fanden heraus, dass in manchen Fällen örtliche Prostituierte als Modelle für die Kostüme dienten. Was wir also zunächst als umfangreiches historisches Anschauungsmaterial angesehen hatten, mußsten wir jetzt auf seine Authentizität hin überprüfen. Letztlich befragten wir Historiker, Fachleute in Amerika und Japan, und verglichen ihre Unterlagen. Dann schauten wir uns wieder die Fotos an und konnten langsam die Wahrheit herausschälen.?

Als Dickson einen Kanon von Referenz-Bildern festgelegt hatte, begann die Arbeit an den Kostümen. Kostümverleihe können in der Regel nicht mit Massen von Kimonos aus der Meiji-Epoche oder mit Samurai-Rüstungen dienen. Also kaufte ihr Team die Rohmaterialien und fertigte an, was gebraucht wurde. ?Sobald die Elemente der Kimonos feststanden, schneiderten wir unsere eigenen?, erklärt sie. ?Bestimmte Mitarbeiter bedruckten die Stoffbahnen, damit wir die Streifen korrekt hinbekamen, und in den Färbeprozessen ahmten wir die Farben der damaligen Zeit nach. Wir gingen von einer Grundausstattung aus, die dann verfeinert werden konnte. Ich habe mit dieser Methode gute Erfahrung bei der Herstellung von historischen Kostümen in besonderer Qualität gemacht.?

?Wenn es um die korrekten Farben geht, werde ich leicht zur Furie?, gibt die Kostümbildnerin zu. ?Nach der allgemeinen Vorstellung sind japanische Gewänder sehr farbenfroh, doch ich verwende satte, dunkle, gedämpfte Farben, die genau der Meiji-Epoche entsprechen. Leuchtende Farben kommen nur ganz vereinzelt vor, in bestimmten Bereichen, zum Beispiel bei den Geishas. Wie bei jedem Film versuchen wir die Filmfiguren auch durch die Kostüme voneinander abzusetzen. Der Samurai-Führer Katsumoto, den Ken Watanabe spielt, wird geprägt von Klarheit und Kraft, er verkörpert Zen-Qualitäten, trägt also meist dunkles Blau und Erdfarben.?

?Auch Taka wird anfangs vor allem von sehr dunklen Farbtönen geprägt?, fährt Dickson fort. ?Taka ist eine sehr subtile, komplexe Figur ? ihr Mann wurde in der Schlacht von ebenjenem Mann getötet, den sie derzeit gesundpflegt. Zunächst trägt sie sehr satte, dunkle Farben, ihre Kostüme sind so einfach wie möglich. Im Lauf der Geschichte werden Takas Farben immer heller, als sie aufblüht und unter Captain Algrens Einfluss eine Wandlung durchmacht. Natürlich ließen die Kleider jener Epoche nur sehr geringe Varianten zu, ihre Garderobe kann also nie richtig leuchtende Farben enthalten ? der Veränderung ist subtil.?

In Japan konnte sich Dickson auf vielerlei Quellen stützen ? entsprechend wurde ein Großteil der Kostüme dort angefertigt. ?Es lohnte sich, die örtlichen Märkte zu besuchen, denn das, was die Touristen üblicherweise dort kaufen, wollten wir natürlich nicht, und gerade deswegen haben uns die Verkäufer sehr offen aufgenommen?, erinnert sie sich. ?Die staunten nicht schlecht über das, was wir einkauften! Viele der Originalstoffe fanden wir noch als Stoffbahnen vor. Die waren zwar schon recht mürbe und alt, aber wir hatten dadurch eine authentische Mustervorlage. Interessanterweise ähnelt der Kimono-Stil der 30er-Jahre dem der Meiji-Epoche, entsprechend konnten wir einiges von diesem Material überarbeiten. Die Kostüme für die Hauptdarsteller entstanden in Japan. Ich entwarf sie, dann wurden sie vor Ort in Japan entsprechend der Musterauswahl für die Stoffe zugeschnitten und mit der Hand genäht ? das ist die traditionelle Art des Kimono-Schneiderns, Haori [ein Halbjackett wird über einem Männer-Kimono getragen] und Hakama [eine lockere Faltenhose].?

Durch einen verblüffenden Zufall lernte Dickson in Japan zwei Männer kennen, die eine entscheidende Bereicherung ihres Kostümteams darstellten und ?uns halfen, ehrlich zu bleiben?, sagt sie. ?Akira Fukuda, ein hoch angesehener Kostümbildner in Japan, der mit Akira Kurosawa gearbeitet hat, arbeitete in unserem Team mit, und wir berieten uns auch mit Munehisa Sengoku, dem Meister des höfischen Kostüms und Sittenwächter der kaiserlichen japanischen Familie. dass die kaiserlichen Kostüme in unserem Film authentisch aussehen, verdanken wir der jahrzehntelangen Erfahrung dieser beiden Männer."

Sengoku erklärte sich sogar von sich aus bereit, in seiner Takakura-Schule, dem Institut für höfische Kultur, zwei Kostüme für eine Schlüsselszene des Films anzufertigen: Das eine trägt Kaiser Meiji; dieses Kostüm gestalteten Sengoku und Dickson zusammen, weil der Kaiser ein solches Gewand nie öffentlich getragen hätte und Dickson also keine Vorlagen zur Verfügung standen. Das andere Kostüm war für Katsumoto bestimmt und wurde von Dickson entworfen. Für den Kaiser galten ganz präzise Kleidervorschriften, ob bei förmlichen Auftritten oder privat, und so konnten die Höflinge den Anlass oder die Atmosphäre bestimmter Audienzen schon auf den ersten Blick an seinem Gewand ablesen. In dieser Szene empfängt der Kaiser Katsumoto in einem weißen Seidenkimono und rotem Hakama, ein Privatgewand, das sofort andeutet, wie vertraut die beiden trotz aller aktuellen Unstimmigkeiten sind.

Dickson übersah auch nicht das Symbol der kaiserlichen Familie: die Chrysantheme ? entsprechend tragen die Soldaten der kaiserlichen Wache ein Chrysanthemen-Emblem auf den Ärmeln ihrer sonst sehr einfach und praktisch geschnittenen Uniform. Als Veteran des Bürgerkriegs trägt Algren anfangs den blauen Rock der Unionstruppen. Dickson fertigte für ihn auch einen langen, schokoladenbraunen Mantel mit deutlichem Western-Einschlag ? ein Hinweis auf die Zeiten der Indianer-Feldzüge. Der Mantel ist nicht gerade leicht, aber geschmeidig und weit genug, um Algren schnelle Körperbewegungen zu erlauben, wenn er in einer Szene kämpfen mußs.

?Als Schauspieler zeigt Tom eine Menge physischer Präsenz?, stellt Dickson fest. ?Wichtig war also vor allem, dass die Kostüme so bequem wie möglich sind. Die Uniform aus dem Bürgerkrieg war kein Problem ? sie ist so geschnitten, dass man damit kämpfen kann. Doch wir brauchten einen Ledermantel, den er im Bürgerkrieg, in den Indianerkriegen und auch in Japan tragen kann ? seine Figur wird dadurch ins historische Umfeld eingefügt. Auf keinen Fall wollte ich ein Jackett in Custers Stil. Schließlich entschieden wir uns für Hirschleder im Mahagoni-Ton, schon sehr abgenutzt und alt ? als ob der Mantel schon eine Menge mitgemacht hätte. Sobald Tom ihn überzog, konnte man sich ihn kaum noch ohne vorstellen. Als Bonus kam hinzu ? und das merkten wir bei den ersten Proben ?, dass man sich darin sehr gut bewegen kann.?

Dickson rüstete auch die Samurai für die Schlacht aus. Dazu durchstreifte sie zunächst ?japanische Museen, in denen Rüstungen ausgestellt sind. Wir konnten die Samurai-Rüstungen nicht ausleihen, weil sie bei den Dreharbeiten kaputtgegangen wären? wir mußsten sie also selbst anfertigen. Wir haben uns die komplizierten Fertigungsmethoden für richtige Samurai-Rüstungen angeeignet ? die Näh- und Spitzentechniken?, verrät sie. ?Hergestellt wurden die Rüstungen in Neuseeland.?

Die Herstellung von 250 Rüstungen begann mit dem Zusammensetzen der vielen Einzelteile. Man engagierte Goldschmiede, die Panzerplatten-Prototypen aus Kupfer herstellten, die dann als Vorbild für Kopien aus weicherem Metall dienten und am Körper eines Modells zusammengeknüpft wurden, um die Formen und die Anordnung zu testen. Von den endgültigen Platten machte man dann Abgüsse mit dem Kunststoff Eurothane. Auf ähnliche Weise stellten Schmiede Prototypen der Helme her. Die Goldschmiede bewiesen ihr Talent auch bei den zahllosen Ornamenten, die für Samurai-Rüstungen typisch sind: kleine Plättchen und Symbole, Filigrane, Ösen und Nieten in Form von Chrysanthemen und anderen Blumen, denn die Samurai waren so geschickt wie Goldschmiede ? sie lieferten hohe Qualität und arbeiteten sehr detailfreudig.

Die Kettenhemden für die Kostüme der Hauptdarsteller stellten ein weiteres Problem dar. Es wurde schließlich gelöst, indem man Stahlfederfabrikanten engagierte, die Maschinenfabriken beliefern. Die mit Zangen bewaffneten eifrigen Arbeiter brauchten etwa drei Monate, um die Kettenglieder in die vorgeschriebene Form von 4- oder 6-Millimeter-Ringen zu bringen. Für die Hintergrunddarsteller besorgte man Kettenpanzer in Indien, die dann entsprechend zugeschnitten wurden. Anschließend mußsten die Kettenhemden per Hand mit den Kostümstoffen vernäht werden. Auch für die Kostümkragen waren eine Menge Arbeitsstunden erforderlich: Auf die Stoffbasis und eine Außenverkleidung aus Seide wurden sechseckige Metallplatten aufgenäht. Die Seide mußste so beschaffen sein, dass sich die dicken Schnüre einflechten ließen, und dann wurde um jede Platte per Hand ein Bienenwabenmuster genäht. Pro Kragen waren etwa 30 Arbeitsstunden nötig.

Als dann die Löcher gebohrt und die einzelnen Platten der Rüstung zusammengeschnürt waren, mußsten sie etliche Male lackiert werden, um den richtigen Farbton zu gewährleisten. Anschließend zerkratzten die Arbeiter die Platten vorsichtig, um die tiefer liegenden Schichten sichtbar zu machen, denn mit jedem abgesplitterten Stück bekam die Platte eine eigene Geschichte ? sie sollte auf keinen Fall brandneu aussehen.

Die historischen Samurai-Rüstungen wurden von vornherein so gestaltet, dass man sich gut in ihnen bewegen konnte ? die Platten passten sich den Bewegungen an. Also mußsten die Rüstungen für die Anforderungen der Dreharbeiten kaum verändert werden. Dickson konnte die Kostüme der Hauptdarsteller auch mit der für Stuntszenen erforderlichen Bequemlichkeit gestalten, ohne bei der altertümlichen Optik Kompromisse machen zu müssen.

Obwohl die Rüstung historisch gesehen vielleicht bunter war, dämpfte Dickson auch hier die Farben, um dem Gesamtlook des Films gerecht zu werden. ?Traditionell war die Samurai-Rüstung unverwechselbar auf ihren Träger zugeschnitten. Wir haben also versucht, für jede Filmfigur angemessene, unverwechselbare Elemente einzubringen. Katsumotos Schlachtrüstung ist zum Beispiel die eleganteste und aufwändigste: eine schwarze Außenhaut über einem kunstvoll schwarz, gold und grau bestickten Kimono mit Blumenmustern aus seinem Heimattal. Daran kann man seine Führungsposition ablesen. Es ist wichtig, dass Katsumotos Rüstung uralt wirkt, denn darauf legt er Wert. Tatsächlich hätten er und seine Männer zu dieser Zeit gar keine Samurai-Rüstungen getragen. Aber weil er die Moderne ablehnt, besinnt er sich auf die Vergangenheit und trägt die alte Uniform bewusst als Zeichen. Wir haben auf Farben weitgehend verzichtet, weil wir meinen, dass diese Samurai-Truppe gerade auf die Rüstungen ihrer Vorfahren Wert legt.?

Mit ihren 80 Mitarbeitern war Dickson 14 Monate im Einsatz, um alle für den Film erforderlichen Kostüme zu liefern: ?Ingesamt entstanden 2000 Kostüme für den Film ? für die unterschiedlichsten Anlässe: eine Konferenz in San Francisco, die kaiserliche Armee Japans, die Samurai auf dem Schlachtfeld, das Dorfleben, Rückblenden auf die Indianerkriege und japanische Straßenszenen.? Sie hält ein, lässt die vielen Mühen noch einmal Revue passieren und sagt abschließend: ?Ehrlich gesagt konnten wir die Kostüme irgendwann nicht mehr sehen.?

Truppen werden einberufen, ausgebildet, bewaffnet und abkommandiert Im Januar 2003 reiste das Filmteam ins neuseeländische New Plymouth, denn eine weltweite Motivsuche hatte ergeben, dass sich bestimmte japanische Landschaften des 19. Jahrhunderts am besten dort filmen ließen.

?Die Ästhetik spielt in dieser Kultur eine große Rolle, vor allem die Schönheit der Natur, der Landschaft?, sagt Zwick. ?Und es ist eine ausgesprochene Tragödie, dass es in Japan heute kaum noch offene Landflächen gibt. Viele Japaner reisen nach Neuseeland, weil es dort so schön ist.? In Bezug auf die landschaftlichen Ähnlichkeiten fügt er hinzu: ?Wie Japan ist auch Neuseeland vulkanischen Ursprungs, also hofften wir, dort die Ästhetik einer früheren Epoche nachstellen zu können. Unser Japan gibt es nur noch in unserer Vorstellung ? es existiert nicht mehr, aber wir sind ihm so nahe wie möglich gekommen.?

Der Produktionsaufwand war ungeheuer. 300 bis 600 japanische Statisten traten an jedem Drehtag vor der Kamera auf, 400 Neuseeländer arbeiteten in den verschiedenen Filmabteilungen, von der Garderobe über das Bauteam, die Innenrequisite bis zum Kamerateam. 200 bis 300 weitere Teammitglieder reisten aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien und natürlich Japan an ? praktisch in jeder Abteilung war ein Japaner vertreten ? als Mitarbeiter und/oder Dolmetscher. Als die Massenszenen gedreht wurden, waren etwa 1000 Menschen am Drehort im Einsatz. Der Tag begann um 3 Uhr morgens ? die Statisten wurden geschminkt und bekamen besondere Perücken verpasst, die Kimonos, Hakama und Haori mußsten auf traditionelle Art gebunden werden, und darüber kam dann die Rüstung.

Eine solche Flut von Gästen und Material hatte New Plymouth noch nie erlebt ? die Tourismusbranche dort hat vorwiegend mit Surfern, Backpackern und Naturfreunden zu tun, die im Egmont National Park auf den Mount Taranaki klettern oder die kaum besuchten Strände am tasmanischen Meer genießen wollen. Die örtliche Zeitung Daily News stellte einen Reporter ab, der die Dreharbeiten beobachtete, und der Radiosender setzte ein ?Kopfgeld? von 5000 Dollar aus, falls es jemandem gelingen sollte, ein Live-Interview mit Tom Cruise zu liefern. Der Wettbewerb löste sich in Wohlgefallen auf, als Cruise nach einem Nachtdreh persönlich anrief, sich zu einem Interview bereiterklärte und noch einmal dieselbe Summe drauflegte ? mit der Bedingung, dass der gesamte Betrag einer örtlichen Schule zugute kommen solle.

Bei der Suche nach Statisten, die als Katsumotos treue Samurai auftreten konnten, fand das Besetzungsbüro 75 in Auckland lebende Japaner ? fünf Autostunden von New Plymouth entfernt. Zusätzlich suchte Stunt Coordinator Nick Powell persönlich eine Gruppe japanischer Nachwuchsschauspieler aus, die die ?Kerntruppe? der Samurai darstellen sollten. Keiner von ihnen hatte professionelle Stunterfahrung, nur zwei konnten reiten, aber alle waren Sportler und mit Begeisterung dabei. Nach zwei Wochen harten Trainings konnten sie beweisen, was in ihnen steckte: Sie konnten mit Pfeil und Bogen umgehen und den komplizierten Kendo-Drill wie Experten absolvieren. In einer besonders beeindruckenden Demonstration preschten sie zu Pferde einen Abhang hinunter und schossen Pfeile ab, ohne dabei die Zügel in den Händen zu halten.

Anschließend wurde das kaiserlich-japanische Heer aufgestellt: 600 Statisten aus Japan absolvierten die Grundausbildung und profilierten sich als glaubwürdige Militäreinheit. Sie lernten marschieren, Kommandos zu befolgen, Gewehre zu laden und abzufeuern, mit dem Schwert zuzuschlagen, zu parieren und zuzustoßen, mit Pfeil und Bogen zu schießen und im ?kinogerechten? Nahkampf zu bestehen.

?Ich war von ihrer Begeisterung und Motivation schwer beeindruckt?, sagt der Militärberater des Films, Jim Deaver. ?Sie kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Schauspieler, Geschäftsführer, Fahrer, Studenten. Aber alle wollten etwas lernen, wollten ihre Kultur, ihr Land und vor allem auch ihre Vorfahren repräsentieren. Erstaunlich, wie viel sie sich in kurzer Zeit angeeignet haben, denn die meisten konnten kaum Englisch, aber sie stellten sich schnell auf die englischen und japanischen Kommandos ein, sie lernten, aus dem Gefecht in die Zugformation zurückzukehren und auf Feldwegen in Kolonnen zu marschieren.? Das alles spielte sich im Hochsommer ab ? die Sonne brannte erbarmungslos auf den Exerzierplatz (das Clifton Rugby Field) nieder. Normalerweise begann der Tag um acht Uhr, und die täglich zehnstündige Ausbildung umfasste Bogenschießen, Handhabung des Gewehrs, Schwertkampf und Unterweisung in Bushido.

?Besonders stolz bin ich darauf, dass es keinerlei Verletzungen gab?, fährt Zwick fort. Die Gefahr besteht immer bei Actionsequenzen dieser Größenordnung, auch wenn die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. ?Auch keines der Pferde wurde verletzt, kein verstauchter Knöchel, gar nichts. Das waren außergewöhnliche Tiere, bestens ausgebildet, und jedermann mochte sie.?

Die Produktionsfirma kaufte die 50 Pferde in Neuseeland. Trainiert wurden sie während der vier Monate vor Drehstart von einem internationalen Ausbilderteam unter der Leitung des Pferdemeisters Peter White. Ständig war ein Tierarzt und ein Vertreter des für Film- und TV-Aufnahmen zuständigen Tierschutzbundes American Humane Association dabei. Je nach individuellen Fähigkeiten und Temperament stufte White die Pferdestars in verschiedene Kategorien ein: ?Schauspielerpferde, Stuntpferde und Hintergrundpferde.? Nach Abschluss der Schlachtsequenzen kehrte die Hälfte der Pferde zu ihren Vorbesitzern zurück. Die Trainer behielten einige der Pferde, an die sie sich bei den Dreharbeiten gewöhnt hatten. Und der Rest wurde im Raum New Plymouth verkauft, wobei White und sein Team darauf achteten, dass die Tiere ein gutes neues Zuhause fanden.

Die Pferde, die allesamt noch nie in einem Film mitgewirkt hatten, übten mit den Ausbildern und auch mit den Schauspielern, die sie vor der Kamera reiten sollten. Sie gewöhnten sich an den Lärm des Gewehrfeuers und der Explosionen, und die wenigen, die vor der Kamera stürzen mußsten, lernten, wie das ohne Verletzung zu bewerkstelligen ist. Außerdem bestätigt Zwick: ?Auf dem Filmschlachtfeld wurden flache Gruben ausgehoben, die dann mit weichem Laub und Heu ausgepolstert wurden und von Gras bedeckt waren. Wenn also das Pferd auf Stichwort stürzte, landete es auf einem schönen weichen Bett.?

Doch nicht nur die Pferde übten, sondern auch die Reiter. White verweist darauf, dass nur Tom Cruise und Tony Goldwyn versierte Reiter waren und weitere sechs bis acht Reiter etwas Erfahrung mitbrachten, aber keiner von ihnen hatte je in derart wilden und lärmenden Massenszenen im Sattel gesessen, wie es jetzt erforderlich war: ?Innerhalb von zwei Monaten mußsten die Männer das intensive Reittraining irgendwie in ihren schon vollen Terminkalendern unterbringen, und in dieser Zeit lernten sie genug, um zuversichtlich auf Zwicks Schlachtfelder zu galoppieren.?

Der Leiter der visuellen Effekte, Jeffrey A. Okun (?Stargate?, ?Deep Blue Sea?), setzte dann ergänzend den Computer ein, um einen Schauer virtueller Pfeile oder den einen oder anderen Feuerball in die hitzigen Schlachtszenen einzufügen. Dazu Okun: ?Oft mußsten die Samurai aus dem Sattel Pfeile auf Gruppen von Hunderten von Leuten abschießen ? richtige Pfeile wären in dem Fall viel zu gefährlich. In solch einem Fall fügen wir also Pfeile aus dem Computer hinzu. Und auch wenn ein Pfeil ein Pferd trifft, ist der nicht echt.? Die besten visuellen Effekte sind die, die man gar nicht wahrnimmt ? in diesem Sinne berichtet Okun vom Einsatz des Computers und der Greenscreen-Technik in jener Szene, in der Samurai Ujio in Tokio einen Mann auf offener Straße köpft.

Die ganze Produktion wirkte wie eine militärische Aktion. Unter der Führung des Produktions-?Generals?, des Produktionsleiters Kevin de la Noy (?Saving Private Ryan?/Der Soldat James Ryan; ?Braveheart?/Braveheart), verwandelten sich die Storyboards für die so genannte Nebelschlacht und die Abschlussschlacht in minutiös ausgearbeitete Schlachtstrategien. ?Die Nebelschlacht und die Abschlussschlacht sind von Strategie und Einfallsreichtum geprägt?, sagt Zwick. ?Wenn ein Filmemacher solche Sequenzen drehen will, sollte er Kurosawa genau studieren, und tatsächlich habe ich mir ,Ran? (Ran) vor den Dreharbeiten zu ,Glory? noch einmal angesehen. Doch im Grunde sind unsere jetzigen Schlachten einzigartig, nur in diesem Film vorstellbar, sie ergeben sich aus der Situation, in der sich die Samurai und das kaiserliche Heer befinden. Wir mußsten überlegen, wie traditionelle Krieger wie die Samurai ohne Feuerwaffen vorgehen würden, wenn sie moderne Truppen mit deren modernen Waffen besiegen wollen.?

Laut Regisseur brechen die Samurai aus einem nebelverhangenen Wald hervor und fallen wie Dämonen über die schlecht vorbereitete kaiserliche Armee her: ?Wir stellten uns vor, dass die Samurai überraschend aus dem Nebel hervorkommen, ein schneller Angriff, den sie ganz allein bestimmen. Auch psychologisch ergibt sich ein Vorteil aus der Tarnung durch Wald und Nebel ? wenn sie also angreifen, erscheinen sie wie aus dem Nichts in ihren furchteinflößenden alten Rüstungen und mit ihren legendären, todbringenden Schwertern.?

Diese Taktik und auch die für die Abschlussschlacht entnahm Zwick etlichen historischen Quellen. Er beruft sich unter anderem auf den berühmten Samurai-Meister und Martial-Arts-Lehrer Miyamoto Musashi, der als Erfinder der Kampftechnik mit zwei Schwertern gilt. Er schrieb ?Das Buch der fünf Ringe?, ein Handbuch für die spirituelle und technische Unterweisung, das 1645 erschien.

Zitat Musashi: ?Es gibt (im Kampf) drei Arten, dem Gegner zuvorzukommen. Erstens: Man entscheidet selbst, den Gegner als erster anzugreifen; dies nennt man das Zuvorkommen aus einem Schwebezustand. Zweitens: Man kann dem Gegner zuvorkommen, wenn er bereits angreift; dies nennt man das Zuvorkommen aus der Erwartung. Und drittens: Eine weitere Art ergibt sich in dem Moment, wo beide Gegner gleichzeitig angreifen: dies nennt man das Zuvorkommen aus dem Zustand gegenseitiger Konfrontation.?

Die Nebelschlacht ist ein Beispiel des ?Zuvorkommens aus einem Schwebezustand?, das der alte Meister so definiert: ?Wenn man angreifen will, verhält man sich ruhig und still, um dann plötzlich über den Gegner herzufallen, indem man ihn überraschend und schnell angreift.? Die Abschlussschlacht ist ein Beispiel für Musashis zweite Maxime, das Zuvorkommen aus der Erwartung.

Die Nebelschlacht entbrennt am Mangamahoe-See in einem öffentlichen Park, der für seine Wanderwege und Angelteiche bekannt ist. Die Dreharbeiten zur Abschlussschlacht dauerten zwei Monate ? gefilmt wurde sie auf einer Farm mit ausgedehnten Weiden, die von Waldstücken eingerahmt sind, der perfekte Schauplatz für alle nötigen Aspekte der Handlung. Die Mitwirkenden und die Ausrüstung wurden über eigens für die Produktion angelegte Feldwege transportiert ? sie waren vor Beginn des Drehs mit einem Farbsystem gekennzeichnet worden. In einem Bereich befand sich das Hauptquartier, es gab Ställe für die Pferde, und wieder an einem anderen Ort wurden die Darsteller der Samurai und kaiserlichen Soldaten eingekleidet und bewaffnet. Wie in einem richtigen Krieg gab es Geländekarten mit eingezeichneten Positionen: die Samurai hier, das kaiserliche Heer weiter unten.

Als Zwick sein Schlachtfeld erstmals in Augenschein nahm, war er überwältigt. ?Es ist eine Sache, seine Vorstellungen für einen Film zu planen und sich auszumalen, aber wenn man dann tatsächlich davor steht und sich all das anschaut, dann stutzt man doch und denkt: ,Mein Gott, was habe ich mir dabei nur gedacht???, gibt der Regisseur mit einem Augenzwinkern zu. ?Aber im Ernst: Wenn wir uns nicht im Vorfeld derart intensiv vorbereitet hätten, wären wir mit diesem Film kläglich gescheitert, denn wenn es richtig losgeht, bleibt wirklich wenig Zeit, noch viel zu überlegen, weil 700 Männer über den Hügel stürmen und überall Granaten explodieren.?

Für die Action war auch ein umfangreiches Waffenarsenal zuständig, das aus traditionellen Samuraischwertern und Pfeilen sowie Feuerwaffen des 19. Jahrhunderts bestand ? sie alle wurden für den Film sorgfältig restauriert. Requisiteur Dave Gulick verließ sich auf japanische Quellen, um die korrekte Handhabung der unterschiedlichen Schwerter sicherzustellen. Dazu gab es genaue Vorschriften, zum Beispiel, wie die Schwertscheiden am Gürtel festgebunden werden. Und ein Schwert wird in der Schlacht anders getragen als auf der Straße. Gulicks Team erwarb mehrere hochwertige Schwerter von einem Schwertschmied in Japan ? sie dienten als Vorbild für die Filmrequisiten. Außerdem kaufte er Filmschwerter im berühmten Requisitenlager Kozu in Kyoto sowie vom Shogiko-Studio, das mit seinen Samurai-Filmen berühmt wurde.

Gleichzeitig besorgte Waffenmeister Robert ?Rock? Galotti mit seinem Team historische Gewehre und Pistolen von Privatsammlern und aus anderen Quellen in aller Welt. Diese Waffen wurden überarbeitet, der Alterslook verschwand, die ursprüngliche Farbgebung wurde wiederhergestellt. Auch der Schaft der Gewehre wurde durch handgeschnitzte Stücke ersetzt, denn die damaligen Gewehre wurden ausschließlich von Hand gefertigt und wiesen individuelle Unterschiede auf ? im Gegensatz zu späteren, maschinell hergestellten Bauteilen. In seinem Schulterhalfter trägt Cruise einen echten Navy-Revolver von 1851, eine Zündschloss-Waffe, wie sie im Bürgerkrieg eingesetzt wurde.

Um alle Einzelheiten der Schlacht festzuhalten, setzten Zwick und der Oscar-prämierte Kameramann John Toll meist mehrere Kameras gleichzeitig ein. Am liebsten verwendeten sie den Kamerakran, aber Toll benutzte auch alle anderen Typen ? einen Waagenkran, den Chapman-Kran, die ?Giraffe? und eine gigantische Gerüstvorrichtung namens UFO. Die Drehbewegungen und die erreichbare Höhe dieser verschiedenen Kräne und Kameras ermöglichen elegante, klassische Kamerafahrten, die das gesamte Panorama der Landschaft und die emotionale Bandbreite der dramatischen Handlung einfangen. In der Abschlussschlacht setzt Toll auch Zoomobjektive und unterschiedliche Kamerageschwindigkeiten ein, um den Mut und die Gefühle der Männer einzufangen, die für das ?neue? Japan kämpfen oder das alte verteidigen.

Am Ende sind sich die Gegner einig in ihrem Respekt für die gemeinsame, dem Untergang geweihte Vergangenheit. Trotz der Gewalttätigkeiten bildet dieses scheinbare Paradox die Grundlage dessen, was Zwick als ?Filmsprache? in ?Last Samurai? bezeichnet.

?Ich habe den Eindruck, dass jeder Film durch eine ganz besondere Ausdrucksweise geprägt wird ? die ergibt sich normalerweise erst bei den Dreharbeiten. Manchmal wird damit das Yin und Yang gefeiert ? es schlägt sich in den Bildern und Bewegungsabläufen nieder?, meint Zwick. ?Zum Beispiel in der Szene, in der Taka Algren für die Schlacht einkleidet: Algren, der Krieger, mußs in diesem Moment erstmals passiv bleiben, während sie die Aktive ist, aber am Ende kniet sie vor ihm in der traditionellen Haltung der Unterwerfung. Das ist eine Liebesszene, unterschwellig ist die Erotik durchaus zu spüren, aber nicht auf typische Art. Das Knien ist ja auch die Gebetshaltung. In einer anderen Szene liegt Katsumoto, der Samurai par excellence, ausgestreckt vor dem Kaiser. Ein Schwert wird liebevoll, ausgesprochen rituell gehandhabt; der Kendo-Drill, eine Kampfübung, ist gleichzeitig ein anmutiger Tanz. Durch all das werden Respekt und Hingabe friedlich ausgedrückt ? und das in einem Film, der auch von Gewalt und Tod bestimmt wird. Diese Dualität ist im Film häufig zu spüren, wie in der japanischen Kultur selbst. Aus diesen immer wieder auftauchenden Momenten ergibt sich die Filmsprache. Das habe ich gar nicht unbedingt geplant ? sie ergibt sich von selbst.?

Die Filmmusik zu ?Last Samurai? In der mitreißenden Filmmusik zu ?Last Samurai? (seinem 100. Soundtrack) webt der Oscar-preisgekrönte Komponist Hans Zimmer Klänge traditioneller japanischer Instrumente mit ein. Die Handlung wird auch musikalisch kulturell ergänzt durch Shakuhachi (Bambusflöten), Koto (ein 13-saitiges Zupfinstrument, das der Zither ähnelt) und Taiko, wörtlich ?die dicke Trommel?, die in Japan bei verschiedenen Anlässen verwendet wird ? am Hof sowie bei religiösen, kulturellen und militärischen Veranstaltungen. Taiko wurde schon im 5. Jahrhundert auf dem Schlachtfeld eingesetzt, weil man damit Befehle über weite Entfernungen signalisieren konnte.
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Dirk Jasper FilmLexikon

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