Die Geschichte von Marie und Julien

Produktionsnotizen

Fast dreißig Jahre lang geisterte ?Die Geschichte von Marie und Julien? als eine Art Phantom durch das Werk von Jacques Rivette. In einem zweiten Anlauf hat der große Meister des europäischen Kunstkinos den Stoff nunmehr verfilmt. In den 1970er Jahren hatte Rivette ?Die Geschichte von Marie und Julien? als Teil einer Tetralogie geplant, die den Arbeitstitel ?Töchter des Feuers? trug und die er als ?Szenen aus dem parallelen Leben? beschrieb. Alle vier Filme sollten auf mythischen Themen basieren, wobei jeder einzelne ein traditionelles Genre aufgreifen sollte: Liebesgeschichte, Thriller, Western und Musical.

Nachdem Rivette 1976 den zweiten und dritten Teil gedreht hatte ­?Duelle? (?Unsterbliches Duell?) als FantasyThriller und den Western ?Noroît? (?Nordwestwind?), begann er mit ?Marie und Julien?, einer Liebesgeschichte mit Leslie Caron und Albert Finney. Doch am dritten Drehtag erschien der ?metteur en scène? nicht mehr am Set. Über sein rätselhaftes Verschwinden, das ganze zwei Jahre andauerte, hat Rivette nie mehr gesagt, als dass er von den ersten beiden Drehs zu erschöpft war, um ?Marie und Julien? zu realisieren.

Von dem Projekt blieben nur wenige Spuren. Denn im Gegensatz zu den zwei anderen ?Phantomfilmen? von Rivette (?Phénix? und ?L'An II?) gab es weder Drehbuch noch Treatment. In seiner typischen Arbeitsweise sollten Dialoge und Geschichte von ?Marie und Julien? erst vor Ort und in Zusammenarbeit mit den Darstellern entstehen. Daher sind die einzig erhaltenen Dokumente die Notizen von Darstellerin Leslie Caron aus den vorbereitenden Gesprächen mit Rivette. Diese Fragmente tauchten wiederum bei der Recherche für das RivetteBuch ?Trois films fantômes? in einer Schreibtischschublade des damaligen ? und heutigen ? Kameramanns William Lubtchansky auf. Dieses 2002 von Hélène Frappant editierte Buch brachte den Altmeister Rivette zunächst unfreiwillig wieder auf ?Marie und Julien?.

Mit dem Ergebnis, dass er sich erneut mit dieser sinnlichmystischen Geschichte beschäftigte. Dabei nahm die Figur der Marie in seiner Vorstellung mehr und mehr die Gestalt einer Schauspielerin an, mit der er bereits erfolgreich zusammen gearbeitet hatte: Emmanuelle Béart, die Marianne aus ?La belle noiseuse? (?Die schöne Querulantin?, 1991). Auch die Rolle des Julien besetzte Rivette mit einem prominenten Darsteller, den er bereits kannte: Jerzy Radziwilowicz spielte in ?Secret défense? (?Geheimsache?, 1998) die undurchschaubare Gestalt Walser.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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