Der Einsatz

Ausführlicher Inhalt

"Du bist so was von erledigt!" Die Stimme am Telefon klingt verärgert. Denn James Clayton hat verschlafen und damit vielleicht die Chance seines Lebens verspielt. So rast der Jahrgangsbeste seiner Elite-Uni in Boston zur Präsentation des von ihm entwickelten revolutionären Computerprogramms "Spartacus". Gerade noch rechtzeitig, um den Vertreter des Branchenriesen Dell nachhaltig zu beeindrucken. Wie auch einen Mann, der Clayton aus dem Hintergrund des Raums unbemerkt beobachtet.

"Du weißt gar nichts", stellt sich der Unbekannte am nächsten Tag in einer Kneipe vor, in der James als Barkeeper arbeitet. "Nichts ist, wie es scheint", erklärt Walter Burke mit dramatischer Geste. Seit 25 Jahren rekrutiert Burke neue Agenten für die CIA, bildet sie aus und weiß instinktiv, wenn er einen geeigneten Kandidaten gefunden hat. Einen wie James, der im Ausland aufgewachsen ist, beste akademische Referenzen hat und sein Selbstbewusstsein wie eine Waffe einsetzt. Mit großer Überzeugungskraft lässt Burke James in die monotone Zukunft blicken, die ihm ein Job bei Dell bieten könnte. Doch an der aufregenden Alternative, am Leben eines Agenten, ist James nicht interessiert. Bis der alte Fuchs einen besseren Köder auswirft, mysteriöse Andeutungen zu Claytons Vater macht, der vor Jahren bei einem Flugzeugabsturz in Peru den Tod fand. Am nächsten Tag gibt James telefonisch seine Zusage. Ein Anruf, der sein Leben verändern wird.

"Vertraue Dir selbst", weist Burke den Neuling in das Überlebensprinzip eines Agenten ein. Es ist ein harter Job, bei dem man namenlos bleibt. Auch im Tod, wie eine Erinnerungstafel in der spiegelglatt polierten Eingangshalle der CIA zeigt. Bevor es zur "Farm", dem Trainingscamp der Agency, nach Virginia geht, werden alle Bewerber einer Testreihe unterzogen. Aufmerksam beobachtet von Burke, analysieren Psychologen Persönlichkeiten, prüft ein Lügendetektor Reaktionen und Clayton seinen Charme. Bei Layla, einer Schönheit mit Geheimnissen, die sich im Bus mit einem anderen CIA-Bewerber in Farsi unterhält, der Sprache des Iran.

"Ich bin nicht dein Freund", reagiert Burke schroff, als James mehr über seinen Vater erfahren will. Von Beginn an ist das Verhältnis der beiden Männer von Annäherung und Abweisung geprägt. Und Burke weiß genau, wann er die entsprechende Tonart anschlagen mußs. Mit Argusaugen überwacht er die Ausbildung, das Kampftraining, den Umgang mit Explosivwaffen und unauffälligen biologischen Wanzen. Schnell erkennt er James' Zuneigung für Layla, seine Rivalität mit Zach, einem anderen CIA-Schüler, und seine Eignung für den härtesten Job, für die undankbare Arbeit als NOC. Als nichtoffizieller Agent der CIA, der ohne Rückendeckung operiert und immer ein Phantom bleibt. Doch Burke weiß, dass James noch vieles lernen mußs. Und er überschreitet Grenzen, um es ihm zu zeigen.

"Du bist betrunken", weist James Layla zurecht, als er sie überraschend in einer Kneipe trifft. Hier soll er einen von Burkes kuriosen Tests bestehen, in kürzester Zeit eine Frau abschleppen. Doch als Layla erzählt, dass sie aus dem CIA-Programm gefeuert wurde, vergisst er alles. Auch seine brünette Sekundeneroberung, die er an der Bar gemacht hatte. Mitgenommen von Laylas Rauswurf, bringt er sie nach draußen, wo ihn eine faustdicke Überraschung erwartet. Laylas alkoholischer Absturz entpuppt sich als Täuschung, als perfides Ablenkungsmanöver, das James' Gefühle verletzt. Schon am nächsten Tag revanchiert er sich, konfrontiert Layla am Lügendetektor mit intimen Fragen. Danach weiß er, dass sein amouröses Interesse nicht einseitig war, aber auch, dass Layla ihn jetzt verachtet.

"Er war ein Spion", verrät Burke James schließlich doch das große Geheimnis über seinen Vater. Doch was ist Wahrheit in einem Geschäft, das von der Lüge lebt? Immer wieder wird James mit dieser Frage konfrontiert, und wie er sie beantwortet, entscheidet eines nachts über seine Zukunft. Beim Überwachungstraining werden er und Layla von maskierten Männern überfallen, entführt und getrennt verhört. Selbst die Folter kann James nicht die Namen seiner Ausbilder entlocken. Felsenfest glaubt er an einen weiteren CIA-Test, den vielleicht letzten und härtesten. Doch als die Männer von Laylas Zusammenbruch erzählen und ihm einen Beweis liefern, bricht sein Widerstand zusammen. Verzweifelt verrät er Burkes Namen, um Layla zu retten. Und mußs entsetzt erkennen, dass er erneut getäuscht wurde, als sich die Tür seiner fensterlosen Zelle öffnet und er sich den Blicken seiner Ausbilder und Mitbewerber stellen mußs. Am Boden zerstört, sieht James der Wahrheit ins Gesicht, dass er diesen Test nicht bestanden hat. Und irgendwo in einem Büro setzt Burke sein Schreiben auf, mit dem er die Entlassung seiner größten Hoffnung empfiehlt.

"Du wirst ein NOC", beginnt James' Zukunft mit einer weiteren Überraschung. Ausgerechnet Burke sucht ihn auf. Weil er das brutale Verhör länger ausgehalten hat als jeder andere in den letzten 15 Jahren, bietet ihm der Veteran den exklusivsten und doch undankbarsten Posten der CIA an. Er soll ein Nichtoffizieller werden, einen "Maulwurf" in der Agency beobachten und dessen Hintermänner enttarnen. Verwirrt von dieser Wendung der Ereignisse, die ihm vor Augen führt, dass er erneut benutzt wurde, nimmt James zögerlich die Akte über den Maulwurf entgegen. Als er sie öffnet, ist er fassungslos, weiß, dass er jetzt vor seiner schwersten Prüfung steht, dass er nun selbst lügen, betrügen und Vertrauen missbrauchen mußs. Nach einem Tag Bedenkzeit nimmt er den Auftrag an. Er will den Verräter ans Messer liefern: Layla!

"Wir entscheiden, wer wir sind", gibt ihm Burke einen letzten Rat auf den Weg. Und eine Pistole, die James bei seinem gefährlichen Auftrag schützen soll. Denn die Sicherheit des Landes steht auf dem Spiel. Die CIA hat "Ice 9", einen hochaktiven Computervirus, entwickelt, der überall Zugang herstellt, jede Firewall überwindet und natürlich längst potente Interessenten auf dem Markt der Geheimnisse gefunden hat. Weil Layla inzwischen in der Abteilung "Wissenschaft und Technik" arbeitet, wird vermutet, dass sie irgendwie den Virus aus der CIA schmuggelt. Trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen. Unauffällig stellt James wieder den Kontakt zu der Frau her, die er liebte. Nach einem Besuch zu Hause bei Layla und einer leidenschaftlichen Nacht findet er den Beweis, dass sie "Ice 9" tatsächlich in Teilen aus der Agency schmuggelt und dann zuhause zusammensetzt. James ist überzeugt, dieses Mal die Fäden in der Hand zu halten. Ohne zu ahnen, dass Layla ähnlich denkt.

Ein perfides Spiel steuert seinem Höhepunkt entgegen. James verfolgt Layla bis zum Bahnhof, beobachtet, wie sie einem Unbekannten etwas zusteckt und heftet sich an dessen Fersen. Als ihn der Mann bemerkt, kommt es zur einer dramatischen Verfolgungsjagd, die schließlich ein tragisches Ende findet. Schüsse fallen und nach einem Handgemenge krümmt sich eine blutende Gestalt tödlich verletzt am Boden. Es ist Zach, sein alter Rivale, ein weiterer Verräter. Durch eine Notiz erfährt James, dass Layla die Übergabe von "Ice 9" sofort durchführen will. Und er weiß, wo er sie finden kann. Doch dann muß er erneut erfahren, dass nichts ist, wie es scheint...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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