Der Einsatz

Produktionsnotizen

Schmiede für Spione << In einer Zeit, in der amerikanische Nachrichtendienste mehr denn je die erste Verteidigungslinie gegen Angriffe von außen, aber auch von innen bilden, ist DER EINSATZ ein brandaktueller Thriller. Zum ersten Mal öffnen sich die sonst strikt verschlossenen Türen der CIA, ermöglichen einen Blick auf das Innenleben des Geheimdienstes. Erstmals sieht man, wie Kandidaten für den Dienst rekrutiert, auf das Spionagespiel vorbereitet werden und wie sie lernen, in einer Welt voller Geheimnisse zu überleben.

"Es war eine faszinierende Idee, eine Geschichte über die Ausbildung von Agenten zu entwickeln", begeistert sich Produzent Roger Birnbaum. "Wer sind diese jungen Menschen, die etwas auf sich nehmen, worauf sich nur wenige einlassen wollen? Wie wählt die so verborgen operierende Organisation ihre Mitarbeiter aus? Solchen Fragen haben wir uns gestellt." Unwiderstehlich war für Produzent Gary Barber auch die Vorstellung, mit Al Pacino, einem der bedeutendsten Schauspieler der Filmgeschichte, zusammenzuarbeiten. Denn er sei "eine Ikone, die glaubhaft wirkt, wann immer sie auf der Leinwand erscheint."

"DER EINSATZ ist ein psychologischer Thriller mit vielen überraschenden Wendungen", so Roger Donaldson, Regisseur von Polithrillern wie NO WAY OUT - ES GIBT KEIN ZURÜCK ("No Way Out", 1987) oder THIRTEEN DAYS ("Thirteen Days", 2000). "Nie weiß man sicher, wer wirklich zu den Guten gehört oder, was als nächstes passiert. Zentraler Schauplatz des Films ist das Ausbildungscamp der CIA, aber im Kern ist DER EINSATZ ein Schauspielerfilm mit der Frontfigur Al Pacino."

"Ein anderer Aspekt unserer Geschichte", erklärt Gary Barber, "ist die Suche eines jungen Mannes nach seinem Vater. James macht eine Entwicklung durch, um den Verlust des Vaters endlich akzeptieren zu lernen." "Es gibt kein Buch darüber, wie Spione trainieren müssen", erklärt Produzent Jeff Apple, der es in der Produktion von IN THE LINE OF FIRE - DIE ZWEITE CHANCE ("In the Line of Fire", 1993) mit einer anderen ähnlich verborgen arbeitenden Organisation, dem Secret Service, zu tun hatte. "Dieser Beruf erfordert eine Reihe von Fähigkeiten. Das reicht von ganz körperbetonten Dingen, wie der richtige Umgang mit Explosivstoffen oder etwa Fallschirmspringen, bis hin zu eher mentalen Leistungen. Wie man beispielsweise Wahrheit von Täuschung zu unterscheiden lernt, wie man sich verstellt, eine Rolle spielt und sozusagen der ultimative Schauspieler wird."

Als Kontaktperson für alle wichtigen Fragen wählte die CIA ihren Mitarbeiter Chase Brandon aus. Er vermittelte einen Insider-Einblick in die Einrichtungen, die Methoden und den Rekrutierungsprozess der Behörde, gab wichtige Hinweise, wie die CIA geeignete Kandidaten erkennt, sie anwirbt und dann zu Agenten formt. "Das CIA-Training ist wirklich sehr interessant", erzählt Brandon. "Und es gibt tatsächlich einen geheimen Ort, an dem wir Agenten für ihren Einsatz vorbereiten. Mir ist klar, dass viele glauben, wir würden diesen Ort "The Farm" nennen. In klassischer Agententradition kann ich darauf nur antworten, dass ich weder bestätigen noch leugnen kann, dass es diesen Ort wirklich gibt. Aber ich räume ein, dass man ihn so vielleicht passend benennen könnte, wenn wir denn einen interessanten Namen für unser Trainingsgelände suchten." Brandon ermöglichte es, dass die Filmemacher das CIA-Hauptquartier in Langley, Virginia, besuchen konnten und gab ihnen Informationen, die einen direkten Effekt auf die Entwicklung der Geschichte hatten. "Wir konnten sehen, wie die Behörde arbeitet, und, was noch wichtiger ist, uns eine Vorstellung von den Angestellten machen", erinnert sich Apple.

Gary Barbers und Roger Birnbaums Entscheidung für einen Regisseur fiel auf Roger Donaldson, der für seine fein abgestimmten, intelligenten und spannenden Filme bekannt ist. "Gary und ich sind beide der Ansicht", so Birnbaum, "dass Rogers Film NO WAY OUT - ES GIBT KEIN WEG ZURÜCK einige Gemeinsamkeiten mit unserem Film aufweist. Wir kennen Roger schon sehr lange und es war wunderbar, nach unserem ersten gemeinsamen Projekt, dem Thriller WHITE SANDS - DER GROSSE DEAL ("White Sands", 1992), wieder mit ihm zu arbeiten."

Donaldson gibt zu, das Thrillergenre wirklich zu lieben: "Ich habe einige Filme inszeniert, die ein Thrillerelement verbindet. Und sogar die Dramen, die ich gedreht habe, wiesen immer Aspekte von Gefahr, Gewalt oder Intrigen auf. Ich habe Filme über Washington gemacht. Zentraler Schauplatz von THIRTEEN DAYS ist das Weiße Haus, jener von NO WAY OUT - ES GIBT KEIN WEG ZURÜCK ist das Pentagon. In diesem Film nun dreht sich alles um die CIA. Diese drei Institutionen lenken nicht nur die Geschicke Washingtons und Amerikas, sondern beeinflussen in erheblichem Maße auch das Weltgeschehen." Somit sind, wie Donaldson resümiert, "diese Institutionen schon aus diesem Grund sehr interessant."

Akteure für Agenten Nicht nur die Geschichte und ihre Themen machten es Donaldson leicht, auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Die Aussicht, mit Al Pacino als CIA-Ausbilder Walter Burke und Colin Farrell als neuer Rekrut James Clayton zu arbeiten, war ein weiterer Anreiz. "Beide gehören heute zu den besten Schauspielern", schwärmt Donaldson. "Wenn man mit Künstlern dieser Qualität drehen kann, mußs man sich das nicht lange überlegen."

"Al und Colin sind großartige Schauspieler", begründet Roger Birnbaum die Besetzungsentscheidungen. Beide haben eine wunderbare Beziehung zu ihrem Beruf. Al Pacinos Persönlichkeit weist auf eine Sprunghaftigkeit hin, die Hand in Hand geht mit seinem autoritären und geheimnisvollen Auftreten. Wenn Al etwas sagt, hat der Zuschauer den Eindruck, dass er nicht alles preisgibt, was er weiß. Kann man sich da einen besser geeigneten Schauspieler für die Rolle eines Spions vorstellen?"

Wie schon viele Regisseure vor ihm, ist auch Donaldson voll des Lobes über die Fähigkeiten seines Stars. "Al ist ein Perfektionist, verlangt sehr viel von sich. Es gibt niemanden, der sich selbst härter kritisiert. Für einen Regisseur ist das eine ideale Situation. Meine Aufgabe bestand darin, es Al wissen zu lassen, dass seine gute Arbeit auch wirklich honoriert wird."

Schon in der Stimme zeigt sich die Veränderung in Colin Farrell, wenn er begeistert über seinen Kollegen spricht: "Ich bin wunderbar mit ihm ausgekommen. Ich liebe diesen Mann wirklich. Er ist so smart, so talentiert. dass er auch so witzig ist, habe ich allerdings nicht erwartet. Ich habe Tränen gelacht und eine Menge gelernt. Wie man etwa Nuancen in den verschiedenen Takes verändert, um einen frischen Ansatz zu finden. Man sagt, dass niemand eine Insel ist. Nimmt man aber sein Talent als Maß, ist Al ein ganzes Land."

Ähnlich beeindruckt zeigten sich auch die anderen Darsteller. "Zum Unterricht gehen" - das hörte man am häufigsten unter Pacinos Kollegen. Und keiner mußste etwas vortäuschen, als die Szenen im Unterrichtsraum abgedreht wurden. "Alle meine Szenen mit Al spielte ich in diesem Klassenzimmer", erinnert sich Bridget Moynahan. "Ich hatte das Privileg, dem besten Schauspielunterricht in der Branche in der ersten Reihe beizuwohnen. Man mußs sich nicht anstrengen, um aufzupassen. Wenn Al Pacino loslegt, hat er deine Aufmerksamkeit."

"Mit Al zu drehen, war einfach wunderbar", pflichtet Gabriel Macht bei. "Man hat nicht jeden Tag die Chance, mit einer amerikanischen Ikone zu arbeiten und zu lernen, wie sie künstlerisch vorgeht. Ich genoss es, ihn als Schauspieler zu beobachten, wie er diese unglaublichen Risiken einging."

"Mich scheinen Charaktere besonders anzusprechen, die eine Erfahrung durchmachen oder schon durchgemacht haben, die ihr Leben enorm verändert", beschreibt Colin Farrell seine Rolle. "Mit 12 Jahren verlor James seinen Vater durch einen Flugzeugabsturz, mit 14 seine Mutter durch einen natürlichen Tod. Er gibt vor, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. An James zog mich an, wie verletzt er tatsächlich war, wie er mit 25 immer noch nicht erwachsen war. Er hatte seine Identität noch nicht gefunden, hatte keine Vergleichsmöglichkeiten, weil er sich an seine Eltern nicht erinnern konnte."

Farrells Sensibilität als Künstler wurde auch von einem anderen Aspekt, dem dramatischen Kern des Films, angesprochen. "Es ist immer gut, wenn die Figur, die man spielt, eine Entwicklung auszeichnet. Wenn man irgendwo beginnt, dann etwas durchmacht und schließlich am Ende verändert ist. Auf eine solche Reise zu gehen, ist schön für einen Schauspieler. Hier sind die Ereignisse der Figur unterstellt und formen sie, während im anderen Fall die Charaktere nur der Geschichte dienen." Farrell vergleicht die Beziehung seiner Figur zu Burke mit einer Vater-Sohn-Dynamik.

"Es ist eine angespannte Beziehung. Für James ist Burke eine Vaterfigur, obwohl er von ihm wie eine Geige gespielt wird. Burke manipuliert und täuscht ihn, zieht ihn zu sich und stößt ihn wieder fort. Er verfolgt damit eine bestimmte Absicht und dieser Plan geht auch auf."

Donaldson spürte instinktiv, dass Farrell für diese Rolle der Richtige war. "Colin ist ein Schauspieler mit enormem Talent und großer Energie. Von seinem guten Aussehen lässt er sich nicht beeindrucken. Was auch immer das Drehbuch an einem beliebigen Tag von ihm forderte, immer war er darauf perfekt vorbereitet."

Für die Rolle der Layla Moore, eines anderen CIA-Trainees, wurde Bridget Moynahan besetzt. "Layla ist sehr intelligent, ehrgeizig und entschlossen. Sie weiß genau, was sie will, und hat nicht vor, sich irgendwie von ihrem Ziel abbringen zu lassen. Gleichzeitig aber kennt sie auch ihr großes Herz, ist sehr sensibel, ringt mit dem, was ihr Herz und Kopf sagen. Ein Kampf, den, so glaube ich, viele selbstbewusste Karrierefrauen in sich austragen", sagt Bridget Moynahan über ihre Rolle.

Die Filmemacher kannten das Profil der Schauspielerin, die sie für die Rolle der Layla suchten, und Moynahan erfüllte alle Anforderungen. "Wir wollten eine junge Frau, kein junges Mädchen", erklärt Gary Barber. "Bridget ist eine gute Schauspielerin, schön und intelligent. In ihr vermutet man mentale und körperliche Stärke. Durch sie wird Layla zum Leben erweckt."

Gabriel Macht schließlich spielt Zach, der von Beginn an James Claytons Misstrauen weckt. "Die Figur interessierte mich", erklärt sich Macht, "weil sie mit James im Wettbewerb um Burkes Aufmerksamkeit steht. Ich halte Zach für einen perfekten CIA-Kandidaten. Er befolgt die Regeln und sehnt sich nach einer solchen Aufgabe seit frühester Jugend an. Mir gefiel auch der Aspekt, dass man als CIA-Agent im Außendienst nie genau weiß, woher jemand wirklich kommt. Zach wirkt doppelzüngig und falsch. Es ist aufregend und spannend, mit welchen Wendungen der Film überrascht."

Donaldson genoss die Zusammenarbeit mit diesem besonderen Ensemble, gerade weil viele Akteure zum Zeitpunkt des Castings noch nicht sonderlich bekannt waren. "Mit sehr berühmten Schauspielern ist es schwerer, eine Story mit Geheimnissen und Rätseln zu entwickeln. Bekannte Namen schaden oft einer solchen Geschichte. Unser Ensemble lässt mir als Regisseur größere Freiheiten."

Trotz beschränkter Zeit bereiteten sich die Schauspieler auf verschiedene Weise auf ihre Rollen vor. "Ich las eine Reihe von Büchern", erzählt Gabriel Macht. "So etwa My Spy- A Memoir of a CIA Wife von Bina Cady Kiyonaga oder The Book Of Honor von Ted Gulp, das das Leben und den Tod von CIA-Agenten, sonst unter dem Mantel der Verschwiegenheit verborgen, unter die Lupe nimmt. Und darüber hinaus las ich ein äußerst intelligentes und informatives Magazin über Nachrichtendienste, das sich mit der CIA, NSA, MIG und dem FBI beschäftigt. Außerdem habe ich 2002 einen Film abgedreht, in dem ich einen Überwachungsspezialisten der CIA spielte. Dafür recherchierte ich über die Spezialeinheit Delta Force und arbeitete sehr eng mit einem Army Ranger zusammen, der mir zahllose Geschichten über seine Ausbildung und schließlich auch über jene zum CIA-Feldagenten erzählte. Diese Informationen erwiesen sich auch für meine neue Rolle als nützlich."

Während die Schauspieler mit großer Freude in die Rollen von Spionen schlüpften, verspürte doch keiner von ihnen den Wunsch, dies auch im wirklichen Leben zu tun. "Was mich beim Lesen über das Leben einiger Agenten wirklich erstaunte", verrät Bridget Moynahan, "war ihre Fähigkeit, die Menschen, die sie liebten, zu belügen. Für mich ist ein Doppelleben unvorstellbar. Der Geheimdienstjob ist absolut notwendig, aber jeden zu täuschen, an dem mir etwas liegt, wäre zu schwierig für mich."

Um ein Gefühl für seine Rolle als Student zu bekommen, besuchte Farrell das Massachusetts Institute of Technology (MIT), betrieb aber weit größeren Aufwand in der Arbeit an seinem Akzent. Dafür übte er mit seinem Dialogcoach Michael Buster, der Farrell bei seinen fünf ersten amerikanischen Filmen betreute, darunter auch bei MINORITY REPORT ("Minority Report", 2002). Drei Wochen vor Beginn der Dreharbeiten arbeitete das Duo täglich daran, Farrells irischen Akzent in eine Variante zu verwandeln, die Buster "einen allgemeinen amerikanischen Akzent" nennt, der "schwierig einer bestimmten Region zuzuordnen ist und keine Anhaltspunkte gibt, auf die man sich stützen könnte." Wie alle auf dem Set war auch Roger Donaldson erstaunt, "dass Colin diesen Akzent nach Belieben aktivieren und abstellen konnte."

eheimdienst und Geheimnisse Die Details mußsten stimmen, das war ein zentrales Anliegen von Roger Donaldson. Als die Dreharbeiten auf einer Farm außerhalb von Toronto begannen, waren bereits viele Wochen in die sorgfältige Vorbereitung investiert worden. "Mir gefällt es, auf der Leinwand Wirklichkeitsnähe zu erschaffen", erklärt der Regisseur. "Der Zuschauer mußs das Gefühl haben, dabei zu sein. Das mag einfach klingen, aber aus allem genau das herauszufiltern, was dann den Eindruck von Realität erzeugt, ist sehr schwierig. Das war immer eine große Herausforderung."

Dieser stellten sich Ausstatter Andrew McAlpine und Kameramann Stuart Dryburgh gemeinsam. McAlpine ließ sich dafür von Bildern und Filmen inspirieren, um das zu erzeugen, was er als "realistische Abbildung einer fiktiven Welt" bezeichnet. "Es gibt kein Vorbild für die "Farm", keiner weiß, wie sie aussieht, deshalb hatte ich große Freiräume. Die Hälfte des Films spielt auf einem Trainingsgelände, von dem wir als Zuschauer erwarten, dass hier der CIA-Nachwuchs die beste Ausbildung erhält. Die andere Hälfte spielt in Langley, und es war wichtig, den Festungscharakter der CIA-Zentrale so akkurat wie möglich zu vermitteln."

Seit der Gründung der CIA haben sich viele Drehbuchautoren und Schriftsteller von der Tradition der Agency, von Verschwiegenheit und Intrige, inspirieren lassen. Auf die meisten Anfragen antwortete die Agency in der Vergangenheit mit "Kein Kommentar" oder "Kann ich weder bestätigen noch abstreiten", sagt Chase Brandon, der Verbindungsmann der CIA zur Filmindustrie. "Mit dieser Haltung luden wir Drehbuchautoren und Schriftsteller zu Interpretationen ein. Indem wir nicht reagierten, wenn wir negativ dargestellt wurden, und keine Informationen für Hintergrundrecherche zur Verfügung stellten, haben wir die Wahrscheinlichkeit nur erhöht, dass diese Autoren die wahre Mission der Agency falsch vermittelten. dass sie die Würde und Integrität der CIA-Offiziere nicht porträtierten."

Nach jahrzehntelangem Schweigen entschied sich die CIA, ihre Politik zu ändern, wollte stärker auf ihr Image Einfluss nehmen. Weil man sich bewusst war, dass die Fantasie der Öffentlichkeit gerade durch den geheimen Charakter der CIA-Operationen angeregt wurde, beauftragte die Öffentlichkeitsabteilung der Agency Chase Brandon, der 25 Jahre als verdeckt operierender Agent bei der CIA gearbeitet hatte, seine Tarnung aufzugeben und in einen offenen Dialog mit der Filmindustrie zu treten. Brandons neue Aufgabe war einfach zu beschreiben: "Wenn jemand eine TV-Serie, eine Dokumentation oder einen Kinofilm über uns drehen und uns dabei fair und ausgewogen behandeln will, stehen die Chancen gut, dass wir diesem Projekt angemessene Unterstützung und Kooperation gewähren. Wir verstehen natürlich, dass sich eine dramatische Erzählform Freiheiten im Umgang mit Fakten nehmen mußs. Zum Beispiel würde in der Realität ein CIA-Kandidat körperlich nie so misshandelt werden wie Colin Farrells Figur. Andererseits mußs ich zugeben, dass sich Regisseur und Produzenten wirklich bemühten, andere Aspekte des taktischen Trainings wirklichkeitsnah zu zeigen. Mit Sicherheit hat kein Film bisher das Leben in der CIA realistischer dargestellt als DER EINSATZ."

Wenn die Agency einem Projekt ihre Unterstützung gibt, kann das vieles beinhalten. So kann sie einen Fotografen Fotos schießen lassen, die dann für den Aufbau der Sets benutzt werden können. In bestimmten Fällen aber dürfen Schauspieler die CIA-Zentrale auch mit eigenen Augen sehen. Roger Donaldson jedenfalls besuchte Langley und verstand danach, "wie die Räumlichkeiten aussahen und welche Funktionen sie hatten. Ich mußste einen richtigen Eindruck dafür bekommen, wie sich ein Neuling fühlt, der zum ersten Mal den Komplex sieht."

Obwohl verschärfte Sicherheitsbedingungen weitere Besuche der Filmemacher verhinderten, konnte Brandon die Produktion immer noch unterstützen, wenn auch auf andere Art und Weise. Anstatt ein Team Fotos schießen zu lassen, half Brandon der Designabteilung nun selbst: "Ich habe alles vermessen. Von den Entfernungen zwischen den Sternen auf der Erinnerungstafel bis hin zur Größe der Statuen in der Lobby. Ich habe versucht, den Ausstattern etwas in die Hand zu geben, mit dem sie etwas kreieren konnten, das am Ende realistisch aussah. Viele, viele Monate habe ich unzählige Anrufe entgegengenommen."

Einige dieser Anrufe machte Requisiteur Deryck Blake. Er mußste entscheiden, welche technischen Spielereien, welche Technologie es tatsächlich geben könnte. Ein wichtige Rolle im Drehbuch spielt diesbezüglich eine winzige, biologisch abbaubare Wanze zum Abhören. Blake hatte keine Ahnung, ob so etwas tatsächlich existierte und wie es dann vielleicht aussähe. "Ich rief Chase, Harvard und das MIT an, jede erdenkliche Nummer, durch die ich etwas herausfinden könnte. Jetzt weiß ich, dass es eine Technologie gibt, die auf einer Molekularstruktur aufgebaut ist."

Ließ sich keine Bestätigung für etwas finden, entschieden sich Blake und sein Team für die nächstbeste Variante: "Wir haben uns bestimmte Dinge einfach ausgedacht und dann so gut wie möglich kalkuliert, wie sie vielleicht aussehen könnten", erzählt Blake. Um die Eingangshalle der CIA-Zentrale in Langley nachzubauen, war das Team auch auf Vermutungen und Rateprozesse angewiesen. Ein Kulissenmaler entwickelte ein Verfahren, wie man mit Kunstharzpapier Farbstoffe an der Oberfläche treiben lassen konnte. So erhielten die Wände im Gebäude eine marmorähnliche Struktur. Die Böden wurden aus Terrazzo gemacht, das ein Händler in Toronto entdeckte. Es handelte sich um große Restbestände aus einem Auftrag für ein Casino in Las Vegas.

Auf der Basis von drei Fotografien und einer Broschüre, die Brandon zuschickte, entwickelte die Designabteilung sehr kreative Methoden, um Raummaß und die Dimensionen des Gebäudes zu kalkulieren. "Als Anhaltspunkt benutzten wir die Höhe eines Schuhs, der auf einem der Fotos zu sehen war", erinnert sich McAlpine. "Das war ein gesichertes Maß, von dem wir die knapp fünf Meter hohen Säulen ableiten konnten." Das Ergebnis all dieser Bemühungen wirkte so authentisch, dass die ältere Führungsriege der CIA ihren Augen nicht traute, als ihnen ein Foto vom fertigen Set gezeigt wurde. "Sie waren völlig verblüfft", lacht Brandon, "das Set sieht sogar besser aus als unsere Lobby."

Auch die Inneneinrichtung der "Farm", die Unterrichts- und Ausbildungsräume, zeigen McAlpines kreative Visionen. Der Zuschauer sollte den Atem anhalten, wenn er zum ersten Mal die Zentrale von innen sehen konnte. Darum ging es McAlpine. "Ich wollte einen dramatischen Gegensatz zum zweckgebundenen Außengelände, einen Widerspruch in den Baustoffen. Die Räumlichkeiten um den Lügendetektor sollten mit dem Stahl, dem ganzen Glas und dem polierten Aluminium sehr hart und reflektierend wirken, verglichen mit dem warmen Farbton und dem Gefühl, das Holz vermittelt."

Leitfaden für Kameramann Stuart Dryburgh war Roger Donaldsons Wunsch nach einem "schmutzigen, wirklichkeitsnahen Look, aber mit Pep". DER EINSATZ, so die Vorgabe, "ist ein menschliches Drama vor dem Hintergrund der CIA. Erzählt mit der Ästhetik eines Agentenfilms, einer realistischen Ästhetik also." Dryburgh arbeitete mit winterlichen Grau- und Blautönen für die Trainingssequenzen, aber mit schmutzigem Gelb und Orangeschattierungen für die Szenen in der Stadt. Zum Finale schließlich gibt es eine weitere visuelle Veränderung, hin zu unheimlicheren Grün-, Blau- und Grautönen."

Neben dieser Hingabe an das realistische Detail ging es Donaldson auch darum, die Freiheit zu haben, mit Bewegung experimentieren zu können. Für die meiste Zeit des Films nimmt die Kamera James' Blickwinkel ein, mit Ausnahme bestimmter Sequenzen, in denen die gewählte Perspektive andeutet, dass jemand beobachtet wird. Ohne die Hilfe von Kamera- und Steadycam-Operator Gilles Corbeil und Focus Puller Christopher Raucamp wäre es laut Donaldson unmöglich gewesen, die Kamera zu befreien. "Die Zwei arbeiten fantastisch zusammen", schwärmt der Regisseur.

Nach einem zehnwöchigen Dreh in Toronto zog das Team für die Außenaufnahmen nach Washington D.C. weiter. Meistens war es dabei regnerisch und kalt, aber nichts konnte den Eindruck schmälern, den eine Stadt mit solch großen historischen Sehenswürdigkeiten bietet. Die Authentizität, nach der Donaldson strebte, wurde erreicht, indem man die Kameras an diesen Schauplätzen aufstellte. Am Iwo Jima Memorial zum Beispiel, in der Vorhalle der Union Station, am Parkplatz des Tidal Basin, vom dem man einen spektakulären Blick auf das Washington Memorial und das Jefferson Memorial hat. "Es gab Tage", so Roger Donaldson abschließend, "an denen wir uns vielen schwierigen Aufgaben stellen mußsten. Aber jeder Tag am Set war ein Vergnügen. Es ist eine große Hilfe, wenn alle mit großem Engagement an die Arbeit gehen, die Schauspieler, wie auch die Crew."

Szenenfoto
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