Riddick - Die Chroniken eines Kriegers

Produktionsnotizen

Im Jahr 2000 sorgte David Twohy mit ?Pitch Black - Planet der Finsternis? bei Publikum und Presse gleichermaßen für Aufsehen. Mit einem bescheidenen Budget produziert, trat der Sciencefiction-Thriller überzeugend den Beweis an, dass in diesem Genre Muskeln und Gehirn durchaus keine Gegensätze sein müssen. Als Anti-Held Riddick präsentierte Vin Diesel eine Actionfigur der etwas anderen Art.

??Pitch Black? war durchaus ein kommerzieller Film mit den üblichen Zutaten des Genres?, erklärt Regisseur David Twohy, ?sehr außergewöhnlich war allerdings, dass seine Charaktere eine besondere Tiefe und Komplexität besaßen. Ich wollte ganz bewusst mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer spielen. Der ?bad guy? findet hier am Ende seine Erlösung. Im Herzen dieses kommerziellen Sciencefiction-Horror-Filmes geht es um ein höchst moralisches Thema.?

Für Diesel ist Riddick der gelungene Gegenentwurf zum üblichen, unangreifbaren Filmhelden: ?Dieser Typ, der als völlig fertig gilt, der von allen aufgegeben und missverstanden wurde, avanciert auf einmal zum Retter der ganzen Welt. Dieser scheinbar ruchlose Charakter wird zum Schluss zur einzigen Hoffnung.?

Der ausführende Produzent George Zakk, mit dem Diesel die Firma One Race Films betreibt, erinnert sich an die Entwicklung der Figur: ?Als wir mit ?Pitch Black? auf Werbetour gingen, hörten wir immer wieder Aussagen wie: ?Dieser Typ ist echt cool. Er hält sich an keine Regeln und schert sich um absolut gar nichts.? Aber am Ende des Films ist er eben gerade nicht mehr dieser ?bad guy?. Genau diese Doppeldeutigkeit macht die Figur so spannend. Riddick ist völlig anders als übliche Kinohelden. Er weiß, dass er etwas besonderes ist. Zugleich zögert er zunächst, aus seinen speziellen Fähigkeiten eine Verantwortung zu entwickeln.?

Wie schafft man einen Anti-Helden? ?Man lässt ihn in seine Rolle hineinwachsen?, erklärt Regisseur Twohy. ?Es war kein Nachteil, dass Riddick in der ersten halben Stunde von ?Pitch Black? kein Wort sagte. Das hat sein Charisma nur vergrößert. Als er dann schließlich spricht, wählt er seine Worte sehr sorgfältig. In ?Pitch Black? entwickelt sich Riddick vom Killer zum Anti-Helden. Diesen Status behält er auch zu Anfang des neuen Filmes. Diesmal geht es darum, zu verstehen, wer Riddick wirklich ist. Er ist keineswegs die kleine Nummer im Universum. Seine Zeit als einsamer Kämpfer ist vorbei.?

Diesel sagt über die neuen Facetten seiner Figur: ?Diesmal wird der Zuschauer Zeuge von Riddicks Verwandlung. Schritt für Schritt beobachtet der Film diesen Entwicklungsprozess. Es ist wie eine persönliche Evolution, bei der ein Anti-Held wieder zum Mitglied der menschlichen Gemeinschaft wird.?

?Die Idee zu einer Fortsetzung entstand bereits während der Nachbearbeitung von ?Pitch Black??, erzählt Regisseur Twohy, ?wobei mir die Fallstricke vieler Fortsetzungen sehr bewusst waren. Dieses banale Wiederholen eines bewährten Musters wollte ich auf jeden Fall vermeiden. Für mich liegt der Schlüssel zu einer Fortsetzung im Unerwarteten. Genau deshalb kehren wir nicht auf den gleichen Planeten zurück. Wir treffen nicht auf die gleichen Kreaturen, sondern verzichten völlig auf sie. Mehr noch: wir verändern das Genre vom Horrorfilm zum Sciencefiction-Action-Abenteuer. Wir bieten eine Metamorphose statt einer bloßen Wiederholung.?

Nach dem enormen Erfolg von ?Pitch Black - Planet der Finsternis? auf dem Videomarkt, sollte die Fortsetzung auf der Leinwand in jeder Hinsicht noch imposanter ausfallen. Die Story ist vielschichtiger, die Hauptfiguren sind komplexer geworden und werden zudem von einer ganzen Armada von Nebenrollen unterschiedlichster Rassen unterstützt.

Visuell wurde gleichfalls ein ganz neues Universum der faszinierenden Fantasy-Art geschaffen: Mit gigantischen Kulissen sowie eindrucksvollen Effekten. Ähnlich wie Autor und Regisseur David Twohy, der gerade seinen übersinnlichen Thriller ?Below ? Da unten hört dich niemand schreien? abgedreht hatte, wollte auch Darsteller und Produzent Vin Diesel, dass die Fortsetzung spektakulärer ausfallen sollte.

?Davids Drehbuch hat uns alle sofort umgehauen?, berichtet Produzent Scott Kroopf, ?wir wussten zwar, dass er eine Mega-Version von ?Pitch Black? machen wollte. Aber wir ahnten nicht, dass er dabei derart weit gehen würde und sich ganz neue Welten ausdenkt. Für die Fans des ersten Teils wird es einige Überraschungen geben. Man mußs das Original allerdings nicht kennen, alle Figuren werden eingeführt.?

Bestes Teamwork: Das Ensemble ?Es war schon immer mein Traum, einmal mit ihr zu arbeiten?, erzählt Vin Diesel über Dame Judi Dench, die die Rolle von Aereon spielt. ?Für mich war Judi stets die spontane Antwort auf die Frage nach meiner Lieblingsschauspielerin. Es war mir ungeheuer wichtig, dass sie bei uns mitspielt. Nicht nur, weil Judi eine große Glaubwürdigkeit mitbringen würde, mit ihr im Boot konnte man zudem andere großartige Darsteller anlocken.?

Regisseur Twohy sagt dazu: ?Aereon ist eine zwiespältige Figur. Wir benötigten jemanden, der diese Rolle mit einer gewissen Würde verkörpert. Die Besetzung von Judi Dench sorgte genau für die notwendige Bodenhaftung.?

Um Dench von dem Part zu überzeugen, flog Diesel nach London, besuchte ihr Theaterstück und überschüttete danach die Garderobe der Schauspielerin mit Rosen. Der Trick funktionierte, Judi las das Drehbuch und war ?schrecklich geschmeichelt, dass jemand in Vins Alter mich in seinem Film haben wollte?. Wenngleich die Schauspielerin bereits über einschlägige Actionerfahrung als M, der Chefin von James Bond, verfügt, sagt sie über dieses Projekt: ?Ich habe noch nie einen Film mit derart großartigen Dimensionen wie hier gedreht.?

Wie erwartet erwies sich Dame Judi als perfekter Köder für andere große Fische. Colm Feore, gleichfalls in klassischen Rollen zuhause, nennt sie ?eine Frau, deren kleinstes Flüstern noch voluminös klingt. Eine Schauspielerin mit enormer Erfahrung und Intelligenz. Judi verhalf dem Projekt zu einer ganz neuen Klasse. Ich dachte mir: Wenn sie mitmacht, mußs es wohl etwas Besonderes dabei geben.?

Regisseur Twohy sagt über Feore: ?Colm ist nicht nur ausgesprochen talentiert, er gehört zu jener alten Schule von Schauspielern, denen das Stück immer wichtiger ist als die Karriere. Er stellt sich ganz in den Dienst der Sache. Und diese Sache heißt: das Erzählen einer Geschichte.?

Für Feore bietet der Stoff ein großes Potential, ?das ist weit mehr als die übliche Popcorn-Unterhaltung. Das Drehbuch von David ist ebenso mutig wie vielschichtig. Es gibt Parallelen zwischen den Welten des Films und unserer eigenen Geschichte. Lord Marshal etwa glaubt, er bringe die Zivilisation in eine düstere Welt.

Allerdings tut er das unter dem Motto: ?Wer nicht für uns ist, ist unser Feind?. Bei der Eroberung fremder Welten zählen allein die eigenen Regeln. Jeder Widerstand wird sofort im Keim erstickt.? Wie die meisten Schauspieler, die einen Bösewicht spielen, mußste Feore einen Aspekt in seiner Rolle finden, der ihm einen Zugang zu der Figur ermöglichte.

?Ich sehe Lord Marshal nicht als ausschließlich bösartig. Er ist ein Priester auf Kriegspfad, der mich stark an Julius Cäsar erinnert. Ein Eroberer, der alle anderen Völker als Barbaren sieht, die es zu erobern gilt. Für diesen Plan sieht er in Riddick eine potentielle Gefahr.?

Thandie Newton, die bislang meist sympathische Figuren verkörperte, spielt diesmal als Dame Vaako die Verkörperung des Bösen schlechthin. ?Das war eine ganz besondere Herausforderung und vollkommen anders als alles, was ich zuvor gespielt habe. Persönlich bin ich überhaupt nicht der Typ, der diese Art von Autorität ausstrahlt. Aber diese ungebremste Lust auf Macht hat mich durchaus an Vaako fasziniert.?

Karl Urban, der im zweiten und dritten Teil von Peter Jacksons ?Der Herr der Ringe? den Krieger Eomer spielt, wollte unbedingt bei diesem Projekt dabei sein. ?Ich war ein Fan von ?Pitch Black?. Als ich hörte, dass es eine Fortsetzung geben sollte, setzte ich alle Hebel in Bewegung, um eine Rolle darin zu bekommen.? Mit einigen Tricks gelang es ihm sogar, in den Besitz des geheimen Drehbuchs zu gelangen. Beim Vorsprechen konnte er den Regisseur durch seine Präsenz sofort überzeugen.

?Mich faszinierte an dem Skript besonders, dass es keine eindeutig guten Figuren darin gibt ? alle sind auf ihre Weise schlecht. Doch selbst die bösen Typen beginnt man irgendwann zu mögen.?

Die 21jährige Alexa Davalos gibt als Kyra ihr Kinodebüt. ?Die Figur ist ziemlich hart?, erläutert Regisseur Twohy, ?wir hatten Bedenken, dass sie völlig unsympathisch erscheinen könnte. Doch Alexa verfügt über eine große, sehr angenehme Ausstrahlung, die als Gegengewicht wirkt. Alexa gab der Figur ein richtiges Herz. Beim Vorsprechen gab es viele Schauspielerinnen, die genügend Härte zeigen konnten. Aber Alexa ließ zugleich noch eine andere Seite spüren.?

Vin Diesel sagt über seine Kollegin. ?Alexa hat mich beim Vorsprechen sofort überzeugt. Ich hatte überhaupt keine Zweifel, dass sie die richtige Darstellerin war für eine Kampfmaschine, die für Riddick zur tödlichen Gefahr werden sollte. Zugleich konnte sie Kyra jene gewisse Unschuld verleihen, durch die die Figur viel eindrucksvoller wirkt.?

?Sie ist wie ein verwundetes Tier?, sagt Davalos über ihre Rolle, ?Kyra ist stark. Sie ist ein Kind. Sie ist eine Frau - so viele Facetten in einer Figur sind ein wahres Geschenk für jede Schauspielerin.? Davalos, deren Mutter und Großvater bereits auf der Bühne standen, hatte ?schon immer den geheimen Wunsch, Schauspielerin zu werden?.

Aus der jungen Jack in ?Pitch Black - Planet der Finsternis? ist nun die erwachsene Kyra geworden. Vin Diesel hat mit Davalos sehr eingehend das damalige Verhältnis zwischen Jack und Riddick besprochen. ?Vin war wundervoll. Er hat mir nicht nur den Charakter von Kyra eindrucksvoll erläutert, er gab mir zudem gute Tipps, wie sich die Figur bewegen und verhalten sollte.?

Eine weitere Brücke zwischen den beiden Filmen ist Keith David, der erneut die Rolle des Imam verkörpert. David liebt diese Figur, denn ?das ist ein Typ, der seine Religion nicht nur predigt, sondern sie auch lebt.? Für Diesel hegt er ähnliche Bewunderung: ?Vin hält einfach Wort. Er versprach mir damals, wenn es eine Fortsetzung gibt, würde ich dabei sein. Und genau so ist es auch passiert.?

Für die Rolle des Toombs engagierte Regisseur Twohy Nick Chinlund, mit dem er zuvor ?Below? gedreht hatte. ?Dieser Typ hat echt die besten Dialoge?, sagt der Schauspieler, ?David schrieb diese grandiosen Einzeiler für mich. Es wäre fast schon wieder eine Herausforderung, diese Figur nicht zu groß und zu verrückt erscheinen zu lassen - Toombs ist bereits größer als die Wirklichkeit.?

Für Diesel gilt: ?Eine der schönsten Belohnungen für die Arbeit an diesem Film war dieses wunderbare Ensemble von Schauspielern zu erleben.?

Welten werden geschaffen: Die Visualisierung Mit einem deutlich größeren Budget für die Fortsetzung ausgestattet, konnte Regisseur David Twohy auch bei der Crew ein Traumteam versammeln. Nachdem Designer wie Matt Codd, Daren Dochterman, James Oxfod und Brian Murray die ersten Entwurfszeichnungen erstellt hatten, stieß Produktionsdesigner Holger Gross zu dem Projekt. Der Deutsche hatte mit seinen Arbeiten für Roland Emmerichs ?Stargate? und ?Universal Soldier? auf sich aufmerksam gemacht.

Gemeinsam mit Artdirector Kevin Ishioka folgte er der kreativen Vorgabe des Regisseurs. ?Wenn es etwas ähnliches zuvor schon einmal gab, werfen wir es wieder weg!? Zu den Schlüssel-Schauplätzen, die für den Film konzipiert wurden, gehören: die Welt der Necromonger mit ihrem Mutterschiff ?Basilica?. Der heiße Planet Crematoria mit seinem unterirdischen Gefängnis ?Slam?.

Sowie der Planet Helion, die Heimat einer fortgeschrittenen Gesellschaft, die mit Licht handelt und daraus ihre Waffen entwickelt. Für Gross war es entscheidend, dass die Elemente seiner futuristischen Welten zugleich Zitate der Vergangenheit aufweisen. Die Städte von Helion sind in warmen Tönen gehalten und verfügen über eine vielfältige Architektur aus alten und neuen Gebäuden. Der multikulturelle Charakter dieser Gesellschaft wird durch das verschiedenartige Aussehen seiner Bewohner unterstrichen.

Maskenbildnerin Victoria Down hat mit ihrem Make-up zusätzlich dafür gesorgt, dass die Gesichter eine Wärme ausstrahlen, "das sind friedliche, freundliche und wohlhabende Bewohner?.

Im Gegensatz zum paradiesischen Helion ist Slam die pure Hölle. In diesem unterirdischen Gefängnis geht es nur darum, möglichst schnell möglichst viel Profit aus den Insassen zu schlagen. Entsprechend spartanisch und ungemütlich fällt die Einrichtung aus: eine 60 Meter lange Lavahöhle ist in einzelne Zellen unterteilt, die ständig den vulkanischen Gewalten ausgesetzt sind.

Nach der freundlichen Welt von Helion und dem primitiven Slam war die dritte Herausforderung für Holger Gross und sein Team die Erschaffung einer Welt der Necromonger, jener hochentwickelten Kultur des Bösen. Nach vielen Überlegungen fand Gross die passenden Inspirationen im Barock des 17ten Jahrhunderts.

?Es ist eine Art verdrehter Barock?, erläutert Gross, ?eine Mischung aus Faschismus und Kirchenstaat. Religiös verklärt und ästhetisch, was die architektonischen Details betrifft. Zugleich ist sie sehr kalt, böse und machtbetont. Man könnte unseren Stil vielleicht als ?Necro-Barock? bezeichnen.?

Dominiert wird dieser Stil durch Ellipsen und Rundungen, die die Illusion ständiger Bewegung vermitteln. Es gibt fast keinegeraden Linien, wodurch bei Kamerabewegungen immer wieder der effektvolle Eindruck entsteht, die Gebäude würden sich ständig verändern. Gleichzeitig sollten die Konstruktionen glaubhaft und effizient wirken, schließlich sind die Necros eine technologisch sehr weit entwickelte Kultur. ?Es war ein Balanceakt zwischen technischer Effizienz und dem necrobarocken Ambiente?, erläutert Gross sein Konzept.

Das Team von Gross und Ishioka bestand aus sieben Zeichnern, zehn Ausstattern, zwei Artdirectors sowie zwei weiteren Designern für die Requisiten. Von allen Kulissen und Ausrüstungsgegenständen wurden Modelle gebaut. ?David Twohy war bei allen Aspekten des Designs beteiligt?, erläutert Ishioka, ?er gab in jeder Phase seine Zustimmung, was für den einheitlichen look des gesamten Films sehr nützlich war.?

Um die gigantischen Kulissen aufzubauen, wurden in einer ehemaligen Lagerhalle in Vancouver sechs verschiedene Studios auf einer Fläche von 29.000 Quadratmetern eingerichtet ? was nahezu der Größe von sämtlichen Universal Studios zusammen entspricht.

Regisseur David Twohy entschied sich schon frühzeitig für diese riesigen Dimensionen seiner Bauten. ?Wenn du einen Schauspieler lediglich mit einem Tisch und Stuhl vor eine grüne Studiowand stellst und die Kulissen später einkopierst, dann wird er eben nur mit diesem Tisch und Stuhl agieren. Aber wenn deine Darsteller die Dinge real sehen, sie riechen und anfassen können, verändert das ihre Spielweise. In solch einer realistischen Umgebung entwickeln sich ganz neue Ideen.?

Auch für die Kameraarbeit schaffen reale Kulissen weitaus bessere Möglichkeiten. ?Wenn man alles mit Computertricks macht, dauert es Monate, bis man die Ergebnisse sehen kann. Dreht man dagegen in realen Kulissen, hat man die Möglichkeit zu improvisieren und alles wirkt viel dynamischer.

Wer behauptet, die Zukunft des Genres liege allein in den Computertricks, macht sich wirklich etwas vor.? ?Wenn du dich am Set umschaust, und wirklich alles um dich herum stammt aus dem Film, findest du wesentlich leichter in deine Rolle hinein?, erläutert Vin Diesel.

?Es ist eine völlig andere Stimmung, wenn du im Hintergrund noch einen Parkplatz oder ein Restaurant siehst und dir dann vorstellen sollst, du wärst auf einem fremden Planeten. In derart gigantischen Kulissen zu spielen ist eine absolut aufregende Angelegenheit. Zumal solch ein Set es dem Regisseur ermöglicht, von jedem Kamerawinkel aus zu arbeiten. Das schafft ganz neue Freiheiten.?

Thandie Newton machte ähnliche Erfahrungen: ?Für einen Schauspieler sind solche Kulissen ganz fantastisch, da sie einen sofort in diese neue fremde Welt versetzen.? ?Man mußs hier überhaupt nichts vortäuschen?, sagt Colm Feore, ?du kannst alles anfassen, spüren und riechen. Du wirst regelrecht gezwungen, dich mit dieser künstlichen Welt körperlich auseinander zu setzen. Die ganzen Details sind überaus beeindruckend. Sobald man dieses Set betrat, begann sofort die Fantasie im Kopf zu sprudeln.?

?Ich war völlig sprachlos?, erinnert sich Dame Judi Dench an ihren ersten Tag am Set. ?Bei den Bond-Filmen bin ich als M ja ständig nur in diesem kleinen Büro. Diese dortigen Kulissen sind kein Vergleich zu dem spektakulären Set, in dem wir hier gearbeitet haben.?

Allein das Innere des Basilica Raumschiffs besitzt eine Länge von 72 Metern, eine Breite von 30 Metern und ist 12 Meter hoch. Mit Hilfe von CGI-Effekten wurden diese Ausmaße noch vergrößert. Während manche Mitglieder der Crew sich in den riesigen Kulissen bisweilen verliefen, machten sich andere einen Spaß daraus, mit einem Schrittmesser ihr tägliches Laufpensum zu protokollieren und kamen dabei auf durchschnittlich 16 Kilometer am Tag. Holger Gross stieg auf das Fahrrad um: ?Es ist doch wunderbar, wenn man bei seiner Arbeit noch ein kostenloses Fitnesstraining bekommt.?

Mit den ersten Arbeiten wurde im Januar 2003 begonnen. Als im Juni die erste Klappe fiel, wurde noch immer weiter gebaut. Im März, so berichtet Baumeister Jan Kobylka, hatte man mit der größten Holzbestellung, die je in Vancouver getätigt wurde, den Rekord von ?X-Men 2? gebrochen. Später sollten alle Rekorde einer Filmproduktion in dieser Stadt übertroffen werden.

Der ausführende Produzent David Womark, der schon bei großen Universal Produktionen wie ?Jurassic Park III? und ?Grinch? beteiligt war, schätzt, dass ?der Produktionsaufwand mindestens dreimal so groß? ausfiel wie üblich. Alle Waffen, Kostüme und Requisiten mußsten selbst hergestellt werden. ?Man kann schließlich nicht einfach in ein Eisenwarengeschäft gehen und ein Riddick-Schwert kaufen?, sagt Womark.

Während an den künstlichen Welten ständig weiter gebaut wurde, drehten Twohy mit seinem Team und E.J. Forester mit dem second unit Team in den fertiggestellten Kulissen. Der ausführende Produzent Ted Field war von den Ausmaßen der Produktion beeindruckt: ?Bei jedem großen Film gibt es immer jemanden, der von Superlativen spricht ? und ich war schon an einigen solcher Projekte beteiligt. Aber was ich hier gesehen habe, stellt alles in den Schatten. Die Schauplätze, die Kulissen, die Detailgenauigkeit erzeugen eine verblüffend realistische Illusion.?

Die Statistik dokumentiert den enormen Aufwand: Verbraucht wurden unter anderem 2700 Kubikmeter Bauholz, 15.000 Liter Farbe, 10 Kilometer Seile, 650 Kilometer Kabel sowie 1.000 Rollen Klebeband. Beschäftigt waren unter anderem 275 Schreiner, 75 Maler, 85 Modellbauer sowie 42 Lichttechniker. Allein für das Basilica-Raumschiff wurden 2.500 Glühbirnen verwendet.

Für Holger Gross war nicht nur das Design der großen Kulissen wichtig, er kümmerte sich auch um die detailgenauen Requisiten: die verschiedenen Schwerter von Riddick; die Gravitationswaffen, Äxte und Helme der Necro; die Stöcke der Gefängniswärter; die Gasgewehre der Helion oder das Stiefel-Schwert von Kyra.

Der harte Action-Einsatz der Requisiten hielt den Ausstatter Tom Tomlinson ständig auf Trab: ?Wir haben Unmengen von Klebstoff verbraucht?, erinnert er sich schmunzelnd, ?bei den Stunts wurde keine Rücksicht genommen. Wir kamen kaum noch nach mit Herstellen von neuen Waffen. Zum Glück konnten wir mit etwas Klebstoff manche Dinge wieder schnell reparieren.?

Bei allem Aufwand der gigantischen Kulissen kamen Computer zum Einsatz, um die visuelle Wirkung noch zu verstärken. ?Es ist eine Kombination aus großen Bauten à la ?Ben Hur? und ?Cleopatra? sowie modernster Technologie?, erläutert Produzent Scott Kroopf.

?Auf diese Art hat man alle Möglichkeiten, in sehr realistischen Verhältnissen zu drehen. Zugleich kann man diese Realität mit Hilfe digitaler Tricks noch steigern. Um beide Welten optimal zu vereinigen, war unser visual effects supervisor Peter Chiang schon sehr frühzeitig an dem Projekt beteiligt.?

Chiang hatte mit Regisseur Twohy bereits an ?Pitch Black - Planet der Finsternis? und ?Below? gearbeitet, ?er gehört zu den wenigen Künstlern, die einen Film vom ersten Konzept bis zur Postproduktion komplett kreativ begleiten können?, sagt David Twohy.

?Der Film ist ein visuelles Spektakel?, erläutert Chiang, ?bereits in der Vorbereitung hatten wir das gesamte Konzept entwickelt. Die realen Kulissen konnten deshalb optimal auf die digitalen Effekte abgestimmt werden ? ganz im Unterschied zur üblichen Arbeitsweise, wo die Postproduktion oft isoliert gemacht wird. Das gesamte Team arbeitete nach der Devise des Regisseurs: ?Gibt?s schon? Gibt?s nicht!?

Chiang arbeitete mit den Experten von New Deal Studios, Hammerhead, Rhythm & Hues sowie Double Negative. Um die komplexen Effekte zu erzeugen waren 400 Trickkünstler beschäftigt. Und wenn es keine geeignete Software gab, um Judi Dench als Aereon unsichtbar werden zu lassen, wurde die Software eben von Chiang und seinem Team entwickelt.

?Und Action?: Die Stunts Für einen harten Actionfilm wie ?Riddick? war ein Team aus Top-Stuntleuten erforderlich. Koordinator Robert Brown und seine Leute begannen schon Monate vor den Dreharbeiten mit der Planung der spektakulären Kampfszenen. ?Das ist der härteste Film, den ich je gemacht habe?, sagt Brown, ?ich habe nicht viel geschlafen bei diesem Projekt. Ich hatte ein Diktiergerät neben meinem Bett, in das ich wohl 10 bis 15 Mal pro Nacht meine neuen Ideen sprach, um den nächsten Tag vorzubereiten.?

Um die Soldaten der Necromonger zu trainieren, engagierte Brown die beiden Militärexperten Ron Bleck und Matt Manner. Über 300 Statisten nahmen an der Militärausbildung teil, in der vom Marschieren über Kommunikation und Taktik bis zum Kämpfen alles professionell gelehrt wurde. Neben Shawn Kautz und dem Kampf-Koordinator Bradley James Allan wurde Russ Stark engagiert, ein Akrobat des Cirque de Soleil.

In einer eigenen Sporthalle wurde mit Trampolinen und Turngeräten für den Filmeinsatz trainiert. Vin Diesel, der schon beim Dreh von ?XXX? den Spitznamen ?Air Diesel? bekam, ließ sich nur in äußersten Ausnahmefällen von einem Double vertreten. ?Vin ist wie eine gespannte Sprungfeder. Er ist ein ausgezeichneter Athlet?, bescheinigt Bradley James Allan, der sieben Jahre mit Jackie Chan gearbeitet hat. ?Wir hatten nicht viel Zeit, um mit ihm zu trainieren. Deshalb drehten wir alle Szenen vorher mit Stuntleuten auf Video. Vin schaute sich die Bänder an. Er überlegte sich seine Änderungswünsche. Und am Drehtag kam er und legte einfach los. Das ist schon unglaublich.?

Alexa Davalos, die nie zuvor Stuntszenen gedreht hatte, absolvierte ihre Action-Premiere mit Bravour. ?In zwei Wochen war sie bestens in Form?, erzählt Bob Brown, ?wir hängten sie mit Seilen auf und erklärten, wie man damit in der Luft herumschwingt. Als Bradley ihr dann die erste Kampfszene zeigte, war sie nicht mehr zu halten.?

?Diese Vorbereitungen waren fantastisch?, berichtet Davalos, ?wir trainierten nicht nur körperlich sehr viel. Ich lernte die Geheimnisse des Stunt-Geschäfts, lernte zu kämpfen und mit Waffen umzugehen.?

Mode für eine neue Welt ?Solche Entwürfe sind eine sehr verführerische und seltene Chance für jeden Designer?, erzählt Kostümbildnerin Ellen Mirojnick, die gemeinsam mit Michael Dennison für die Kleidung der intergalaktischen Bewohner zuständig war. In nur zwölf Wochen entstanden die handgefertigten Kostüme, an deren Herstellung 75 Handwerker in Los Angeles und Vancouver beteiligt waren. Allein für die Uniformen der Necromonger waren 20 Personen beschäftigt. Es dauerte einen ganzen Tag, um den Anzug von Lord Marshall zu nähen. Um ein einziges Paar seiner Handschuhe zu produzieren, waren über zwei Monate nötig. Insgesamt wurden 600 Uniformen angefertigt und 7000 Meter Stoff verbraucht.

Erstaunlicherweise war die Ausrüstung für Riddick die einfachste Übung für Mirojnick und Dennison. Da er im Film fast immer das gleiche trägt, benötigte man nur 60 T-Shirts, 25 Stiefel und 40 Paar Hosen. ?Ellen Mirojnick denkt wie ein Regisseur?, berichtet Diesel, ?sie denkt nicht nur daran, wie ein bestimmtes Kostüm aussieht. Sondern sie berücksichtigt immer auch, wie es im Kontrast zu den anderen Kostümen wirkt. Mit Ellen und Michael an Bord hatten wir wirklich großes Glück.?

Wie für alle anderen Kreativen, galt auch für die beiden Designer das Motto, das Regisseur David Twohy für den Film ausgegeben hatte: ?Gibt?s schon? Gibt?s nicht!?. Unerwartete Inspirationen fanden Mirojnick und Dennison in den Arbeiten des Bildhauers und Modezeichners Erte, einem der Mitbegründer des Art Deco. ?Seine Bronze-Statuen verdeutlichen, wie durch Feuer, das ja sehr schmerzhaft ist, etwas sehr Schönes entstehen kann.?

Bei den Entwürfen der Rüstungen ließen sich die beiden Designer und Supervisor James Tyson (der schon für ?Master and Commander?, ?Batman Forever? und ?Predator? tätig war) von den Kreationen von Filippo Negroli inspirieren, einem italienischen Waffenschmied der Renaissance.

Ein weiteres Highlight der Kostümabteilung stellt das Kleid von Aereon dar, dessen glasartige Struktur die Verbindung von Licht und Luft zelebriert. Um diese leichte Eleganz der Robe nicht zu beinträchtigen, wurde das Make-up für Judi Dench bewusst schlicht gehalten. ?Bei Judi möchte das Publikum das unverstellte Gesicht sehen und ihre Stimme hören?, erklärt Maskenbildnerin Victoria Down, ?die Frisur und ihre Robe verleihen ihr einen zeitlosen Aspekt, das Make-up gibt ihr ein dezentes Strahlen ? den Rest macht Dame Judi.?

Ende eines Epos Nach monatelanger Vorbereitung und 130 Drehtagen blickt das Team auf das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit zurück. ?Es ist ein gewaltiges Projekt?, sagt Linus Roache, ?man bekommt wirklich ein Gespür für die Dimensionen dieser Vision und für die Arbeit, die hier investiert wurde. Diese enorme Liebe zum Detail kann man einfach nicht vortäuschen.?

?Ich kann nicht voraussagen, wie das Publikum reagieren wird?, sagt Thandie Newton, ?für mich persönlich liegt die Faszination darin, dass dieser Film nicht nur viel Action und großartige Effekte bietet, sondern zudem eine große Tiefe und Komplexität besitzt. Die Figuren, ihre Bedürfnisse, ihre Wünsche und Leidenschaften sind allesamt glaubhaft. Zudem überraschte mich, wie viel Potential für Humor und Unterhaltung in einer solch düsteren Welt stecken kann.?

Die Hingabe und das Engagement von Vin Diesel für das Projekt wird von Crew und Schauspielern gleichermaßen gelobt. ?Vin ist ein unglaublicher Typ?, sagt Karl Urban, ?als wir einmal zum Essen in ein Restaurant gingen, sprach er fünf Stunden von nichts anderem als von dem Film. Seine Konzentration ist fantastisch und er gehört nicht zu jenen großen Stars, denen allein die eigene Rolle am Herzen liegt. Für Vin war jede Figur wichtig. ?Riddick ? Chroniken eines Kriegers? ist ein Film von David Twohy ? und ein Traum von Vin Diesel.?

?Kaum jemand wird so oft missverstandenen wie Vin?, sagt der ausführende Produzent George Zakk, der den Schauspieler bereits aus seinen frühen Zeiten in New York kennt. ?Man kennt seine große Stärke und seine Präsenz. Aber tief in seinem Inneren ist Vin ein sehr fürsorglicher Mensch ? doch wie Riddick will er diese Seite nicht immer zeigen.?

Über die Kunst eines Ensemble-Films sagt Diesel: ?Bei ?Der Soldat James Ryan? lernte ich aus erster Hand, dass Schauspieler nicht immer große Rolle haben müssen. Ich starb bereits nach 30 Minuten in diesem Film. Aber Steven Spielberg und Tom Hanks gaben mir immer das Gefühl, dass ich ein vollwertiges Mitglied im Team bin und die verdammte Pflicht habe, das Beste für den Film zu geben, ganz egal wie groß oder klein die Rolle ist.?

Die Zusammenarbeit zwischen Vin Diesel und David Twohy verlief so reibungslos, dass manche im Team bereits von ?Zwillingsbrüdern mit fast telepathischer Verbindung? sprachen. ?Das Großartige an unserem Verhältnis ist unser Respekt voreinander?, sagt Diesel, ?es gibt nie Enttäuschungen. Und wir treiben uns gegenseitig zu Bestleistungen an.?

Diesel gibt gerne zu, dass er sich bei den Dreharbeiten wie ein Kind auf einem coolen, dem vermutlich teuersten Spielplatz aller Zeiten, gefühlt hat. ?Vin hatte viel Spaß bei ?Riddick??, sagt Produzent Scott Kroopf ?er war immer an allen Phasen des kreativen Prozesses beteiligt und hat ständig dafür gesorgt, dass alle an dieses Projekt glauben. Seine enorme Motivation war ansteckend für jeden: ?ja, wir können eine neue Welt aus dem Nichts erschaffen? ? David und Vin sind ein großartiges Team.?

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: UIP © 1994 - 2010 Dirk Jasper