Wie ein einziger Tag

Produktionsnotizen

"The Notebook" erzählt das turbulente Leben des jungen Liebespaares Noah Calhoun und Allie Hamilton (Ryan Gosling & Rachel McAdams), die eine leidenschaftliche Sommerromanze zusammenführt. Ihre unterschiedliche soziale Herkunft und der Zweite Weltkrieg trennen die beiden für viele Jahre, bis sie sich unerwartet wiederbegegnen. Die Story dieser unleugbaren Liebe, ihrer Probleme und Leidenschaft kommt Jahrzehnte später einer Frau zu Ohren, die in einem Pflegeheim in den Südstaaten lebt: Ein Herr besucht sie regelmäßig und liest ihr Geschichten aus einem geheimnisvollen Notizbuch vor.

Der Oscar-preisgekrönte Produzent Mark Johnson und Produzentin Lynn Harris, die damals als Managerin im Produktionsbereich bei New Line Cinema arbeitete, lasen Nicholas Sparks' Roman "The Notebook" (Wie ein einziger Tag) bereits als Druckfahne und entwickelten daraus im Lauf der nächsten sieben Jahre gemeinsam einen Spielfilm. Mittlerweile landete der Roman auf der Bestsellerliste der New York Times, wo er fast ein Jahr verzeichnet blieb. "Mir hat die Grundidee und die Liebesgeschichte hervorragend gefallen, aber noch mehr mochte ich das Motiv, dass die Romanze nicht auf einen großen, explosiven Moment zusteuert, sondern von Durchhaltevermögen geprägt wird", erinnert sich Johnson.

Auch Regisseur Nick Cassavetes las das Buch bereits als Druckfahne. "Interessant an Nicholas Sparks' Büchern ist ja, dass sie prächtige Romanzen über die alles überdauernde Kraft der Liebe erzählen, während gleichzeitig auch tragische Elemente und Verlust eine wichtige Rolle spielen", stellt der Regisseur fest.

Die Story trägt sich zwar in den 1940er-Jahren zu - in jenen Jahren entwickelt sich die Liebe der beiden Hauptfiguren - aber sie beginnt und endet in der Gegenwart. "Die Lovestory ist in Allies Aufzeichnungen festgehalten, und Duke liest sie vor", kommentiert Cassavetes. "Durch seine Worte reisen wir in die Vergangenheit zurück - zum Anfang ihrer Liebesgeschichte."

Ryan Gosling beschreibt den Noah am Anfang der Story als "einen wirklich sehr einfach gestrickten Typ aus Seabrook. Dort lernt er Allie kennen - sie stammt aus der Oberschicht, aus Charleston. Sie will den Sommer in Seabrook verbringen. Beider Weltsicht ändert sich durch die Begegnung sofort und sehr nachhaltig", sagt er.

"Am Anfang ist alles offen, das Leben liegt vor ihnen, doch im Lauf der Handlung geht die Unschuld verloren? und nicht nur sie - viele Menschen verlieren ihr Leben, ihre Ideale und Hoffnungen. Aber mitten in diesem Wandel bleibt Noah eine Gewissheit: jenes Gefühl, das er einen Sommer lang empfinden durfte, als er 19 war und Allie nach Seabrook kam - sie hat seine Welt auf den Kopf gestellt. An diese Erinnerung klammert er sich? sie bleibt ihm erhalten."

Gosling erlebt "The Notebook" als eine Liebesgeschichte, wie man sie schon lange nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat. "Die Story hat epische Dimensionen, aber es geht trotzdem um eine ganz einfache Liebe, eine einfache Idee", erklärt er. "Oft ist auch ein ehrliches und einfaches Leben, ein simpel gestrickter Lebensentwurf in Wirklichkeit reichlich kompliziert."

Noah entdeckt Allie in einem Autoscooter auf dem Jahrmarkt in Seabrook. "Sie wird mächtig herumgestoßen und lacht sich halb tot dabei", sagt Gosling. "Noah und seine Kumpel sind es nicht gewohnt, jemanden aus Allies Kreisen in einer solchen Situation zu erleben - sie lässt sich von Gesellschaftkonventionen überhaupt nicht beeindrucken oder einschränken. Genau das findet er äußerst attraktiv."

Rachel McAdams spielt die 17-jährige Allie Hamilton, die die Ferien auf dem Anwesen ihrer Familie in Seabrook verbringt, bevor sie ihr Studium in New York beginnt. "Allie ist eine Debütantin - das betrifft alle Aspekte, die in der Bedeutung des Begriffs enthalten sind: Sie bekommt Unterricht in Tennis, Ballett und Umgangsformen, nimmt Französisch-, Latein- und Mathestunden und lernt auch sonst noch jede Menge", berichtet McAdams. "Sie ist sportlich, adrett und schick. Aber sie interessiert sich auch leidenschaftlich für das Malen, und dabei wird sie ausschließlich von Noah unterstützt."

Als Noah in ihr Leben tritt, ist das für Allie laut McAdams eine erfrischende Abwechslung von den Leuten, mit denen sie sich üblicherweise abgibt. "Er unterscheidet sich völlig von den Menschen, die sie sonst erlebt - er steht mit beiden Beinen auf der Erde, er verdient seinen Lebensunterhalt mit seiner Hände Arbeit", sagt sie. "Das findet sie sehr aufregend und interessant - er ist so ganz anders als alles, was sie kennt."

Doch Allies Mutter Anne, dargestellt von der berühmten Schauspielerin Joan Allen, ist das gar nicht recht. "Diese energische, wohlhabende Südstaatlerin besitzt viele schöne Dinge, und 17 Jahre ihres Lebens hat sie in die Erziehung ihrer Tochter investiert", berichtet Allen. "Für ihre Tochter ist nur das Beste gut genug."

Weil die eigenwillige Allie alle Bemühungen ihrer Mutter, sie von Noah fernzuhalten, torpediert, lässt Anne sie schließlich gewähren - aber nur diesen Sommer lang. "Ich finde, dass Annes Beziehung zu ihrer Tochter sehr liebevoll ist - die beiden kommen bestens miteinander aus", kommentiert Allen. "Aber wir befinden uns in den Südstaaten der 1940er-Jahre. Die Familien, die Kultur sind von Autorität geprägt. Doch gleichzeitig sehnen wir uns alle nach Liebe, und wir alle müssen einfach daran glauben, dass sich so etwas vereinbaren lässt. Anders kann man sich die menschliche Natur gar nicht vorstellen."

Als ihr Sommer zu Ende geht, wird Allie aufs College geschickt, und Noah bekommt bald darauf seinen Einberufungsbefehl: Er kämpft im Zweiten Weltkrieg in Übersee, und obwohl er ständig schreibt, kommen die Briefe nie bei ihr an. Schließlich kehrt Noah aus dem Krieg zurück - immer noch denkt er an Allie. Er beginnt mit Restaurierungsarbeiten an einem Gutshaus, das ihn an die gegenseitigen Schwüre und Versprechen jenes Sommers erinnert.

Allie verlobt sich mit Lon, den sie in einem GI-Lazarett pflegt. Wie Allie stammt Lon aus dem Südstaatenadel. James Marsden stellt Lon dar - er erinnert sich an Regisseur Nick Cassavetes' Bemerkung über den Süden, die auch auf Marsdens Rolle zutrifft: "Nick sprach über die Unterschiede zwischen reichen Familien im Norden und im Süden: Im Norden scheint es üblich, dass man Geld scheffelt und wegschließt, man lebt in seinen vier Wänden und tut möglichst wenig. Aber wer im Süden Geld hat, der gibt es auch für andere aus, raucht Zigarren, geht aus, feiert und genießt das Leben. Das hat mir sehr geholfen, meine Figur zu begreifen und darzustellen."

Allie hat ihre Leidenschaft für Noah durchaus nicht vergessen, und weil ihre Hochzeit mit Lon in wenigen Wochen bevorsteht, mußs Allie sich darüber klarwerden, welchen Sehnsüchten sie nachgeben und welche Richtung sie ihrem Leben geben will. Wie ein Puzzle innerhalb eines Puzzles bilden die Jugendjahre nur den Beginn der mitreißenden Lovestory in "The Notebook". Dazu sagt der Romanautor Nicholas Sparks, der die Vorlage zum Film lieferte: "Die Vorstellung, sich wiederzutreffen, sich wiederzufinden, steckt sicher immer dahinter, wenn Menschen überlegen: ,Was wäre wohl gewesen, wenn??' Jeder erinnert sich an seine erste Liebe. Niemand kann existieren, ohne für irgendetwas Liebe zu empfinden. Also blickt man zurück und fragt sich: ,Was wäre, wenn??' Unsere Geschichte spielt dieses Motiv durch. Oft entspricht der Mensch später nicht mehr der Erinnerung, aber manchmal hat er sich auch überhaupt nicht verändert, und man merkt, dass man sich sein ganzes Leben lang nach ihm gesehnt hat. Oft wird behauptet, dass man junge Liebe sowieso nicht ernst nehmen kann. Aber natürlich ist sie eine ganz ernste Sache."

James Garner spielt Duke, den in die Jahre gekommenen Noah Calhoun, der die große Liebe seines Lebens pflegt, als sie an Alzheimer erkrankt. Mit dieser Diagnose vor Augen hat Allie ihre Lebens- und Liebesgeschichte in ihr Notizbuch geschrieben, und als die Krankheitssymptome zunehmen, liest Duke ihr daraus vor. "Ein Tagebuch ist eine sehr poetische Art, sich zu erinnern, sein Leben und seine Gefühle zurückzuverfolgen", kommentiert Produzent Mark Johnson.

"Duke ist unsterblich in Allie verliebt", stellt James Garner fest. "Und während sie sich immer weiter von der Realität zurückzieht, liest er ihr ständig vor. Manchmal öffnen sich die Schleier ihres Erinnerungsvermögens - sie sieht wieder klar. Die Ärzte behaupten zwar, dass das unmöglich sei? aber ihr gelingt das. Duke holt sie zurück, und sei es nur für ein paar Minuten."

"Erinnerungen sind ein interessantes Phänomen", sagt Regisseur Nick Cassavetes. "Wie werden Menschen von ihnen geprägt? Wahrscheinlich ist es bei jedermann anders, und es hängt auch davon ab, in welchem Stadium der Lebensreise man sich befindet. Als junger Mensch nimmt man die Erinnerungen nicht so ernst, weil man noch das ganze Leben vor sich hat. Aber wenn man älter wird, und vor allem am Lebensabend, gewinnt die Erinnerung eine zentrale Bedeutung, denn viel mehr bleibt uns nicht. Alzheimer-Patienten verlieren also nicht nur ihre Erinnerungen und Erfahrungen, sie verlieren absolut alles. Wahrscheinlich gibt es auf der Welt nichts Wertvolleres, was man verlieren könnte."

Cassavetes hält "The Notebook" in mancherlei Hinsicht für ein Porträt der Liebe an sich. "Eine heftige Geschichte - keineswegs immer nett anzuschauen. Teilweise macht sie uns ganz schön fertig", sinniert er. "Aber zum Wesen der Liebe - oder dem, was wir so bezeichnen - gehört ihre Beständigkeit. Was ich mit diesem Film erreichen möchte: Ich möchte vortreten und sagen: ,Ich glaube an die Liebe, an ihre Allmacht, ich bin überzeugt, dass ich ungeheuer lieben kann, und ich glaube, dass schon alles in Ordnung kommt.'"

Nick Cassavetes ist der Sohn des berühmten Schauspielers/Regisseurs John Cassavetes und der Oscar-Kandidatin und vielbeschäftigen Schauspielerin Gena Rowlands - deshalb gilt er als perfekter Schauspieler-Regisseur. "Ich verlange eine Menge von meinen Schauspielern", sagt er. "Ich bringe mich voll ein und erwarte dasselbe von ihnen." Gena Rowlands spielt die erwachsene Allie. Sie findet, dass sowohl ihr Sohn als auch ihr verstorbener Mann "wahrhaft und bewusst die Schauspieler lieben. Beide bringen sie diese Begeisterung auf. Wobei Nicky etwas strenger darauf besteht, dass die Dialoge nicht verändert werden. Aber er schafft eine sehr angenehme Atmosphäre für die Schauspieler, und er hat ein unbestechliches Auge."

"Ich habe noch nie erlebt, dass ein Regisseur ruft: ,Action, Mom'", sinniert Produzent Mark Johnson. "Sie behandelt ihn wie ihren Regisseur, aber obwohl er ein Vollprofi ist, haben wir doch immer gespürt, dass sie seine Mutter ist." Den Regisseur Cassavetes lobt Johnson in den höchsten Tönen. "Er ist selbst Schauspieler, und was er an Genen mitbringt, ist reichlich beeindruckend", sagt er.

1996 hat Cassavetes seine Mutter erstmals inszeniert: in dem Film "Unhook the Stars" (Ein Licht in meinem Herzen). "Die Arbeit mit Nick als Regisseur ist einfach traumhaft", kommentiert Rowlands. "Ich liebe ihn als Regisseur und natürlich als Sohn. Und so ungewöhnlich ist das letztlich nicht, denn ich habe oft mit meinem Mann gedreht. Als die Kinder aufwuchsen, sind sie zu Hause ständig über Kameras und Ausrüstung gestolpert. Ehrfurcht vor dem Filmemachen ist ihnen unbekannt - stattdessen haben sie ihre Begeisterung dafür entwickelt."

Rowlands' Filmpartner James Garner stimmt ihr zu: "Nick ist ein toller Bursche? ein großes Kind. Er weiß genau, was er will. Er kommt mit jedermann blendend aus. Das ist wohl immer schon so gewesen, wenn man bedenkt, in welcher Familie er aufgewachsen ist. Er ist ein fähiger Regisseur und sorgt für eine nette Drehatmosphäre. Er weiß eben, wie man mit Schauspielern reden mußs."

Rachel McAdams beschreibt Cassavetes als "ungestüm und leidenschaftlich. Er ist ein sehr kluger Kopf, und immer hört er sich auch das an, was andere an Ideen einbringen", berichtet sie. "Manchmal nimmt er uns sehr hart ran, aber nachher kapiert man, wie sehr man davon profitiert. So etwas vergisst man nicht - eine Lektion fürs ganze Leben."

Zunächst war Joan Allen mehr als irritiert, weil Cassavetes auf den üblichen Videomonitor verzichtet, mit dem man eine eben gedrehte Einstellung kontrollieren kann. Doch im Zuge der Arbeit fand sie das sogar spannend. "Er schaut sich die Szene direkt an, weil er sie live erleben will", sagt sie. "Ist das nicht süß - er will wirklich miterleben, was vor seinen Augen passiert. Weil ich ein bisschen altmodisch bin, gefällt mir das sehr. Er geht dabei sehr präzise und originell vor, und er hat jeden Moment der Szene vorher ganz genau durchdacht."

Als es um die Besetzung ging, holte Nick Cassavetes als ersten Ryan Gosling an Bord. Dazu Gosling: ",The Notebook' unterscheidet sich deutlich von allen meinen bisherigen Filmen. Ich darf hier eine Figur über einen längeren Zeitraum darstellen - von 1940 bis 1946: Das war eine tiefschürfende, prägende Erfahrung. Bis dahin hatte ich das Gefühl, dass mich niemand jemals in einer derartigen Rolle besetzen würde - außer Nick, weil er verrückt und mutig genug ist, mir die Rolle anzuvertrauen. Mir war klar, dass ich nie wieder eine solche Chance bekommen würde."

Anschließend suchten die Filmemacher landesweit nach der richtigen Schauspielerin für die Rolle der jungen Allie. "Als Rachel McAdams vorsprach, war vollkommen klar, dass es keine andere sein konnte", erinnert sich Nick Cassavetes. "Zwischen ihr und Ryan funkte es sofort."

Gosling ist des Lobes voll über seine junge Partnerin. "Ihr gelingt jede Szene", sagt er. "Egal wie unbequem und schwierig die Dreharbeiten sich auch gestalteten - sie war bei jeder Einstellung voll konzentriert. Sie hat das gesamte Team mit ihrer Energie angesteckt - wir alle waren schwer beeindruckt und entsprechend motiviert."

McAdams war von der Story absolut hingerissen und begeisterte sich für die verschiedenen Zeitebenen des Films: "Die wunderschöne Lovestory entwickelt sich über eine lange Zeitspanne - wir erleben sie von Anfang bis Ende, alle epischen Dimensionen, die Höhen und Tiefen, die Kämpfe, das Glück, die Trauer, die Tragödie, das Wiedersehen. Alles ist vorhanden, was eine groß angelegte Liebesgeschichte ausmacht."

Gena Rowlands wollte schon immer einmal mit ihrem Filmpartner James Garner arbeiten. "Wir kennen uns bereits eine Ewigkeit, bekamen aber nie die Gelegenheit, gemeinsam vor der Kamera zu stehen", sagt sie. "Das war für mich ein echter Pluspunkt. Begeistert war ich auch, dass wir in Charleston und Georgetown drehten, weil ich South Carolina sehr mag. Und Liebesgeschichten liegen mir einfach. Sie sind heute recht selten geworden? vor allem solche mit Wundern, wie sie die Ärzte für unmöglich halten."

Auch Garner verehrt Rowlands seit langem: "Sie spielt wunderbar. Dann bekam ich das Drehbuch auf den Tisch. Nick Cassavetes kannte ich nicht? aber dann sagte ich mir: ,Wer aus dieser Familie stammt, mußs in Ordnung sein. Was auch stimmt!'"

Der berühmte Schauspieler, Autor und Regisseur Sam Shepard fand die Story derart beeindruckend, dass er sehr gern die Rolle von Ryan Goslings Vater übernahm. "Das wichtigste Motiv ist die unsterbliche Liebe - wir wissen sie meiner Meinung nach heutzutage nicht mehr recht zu würdigen", sagt er. "Die Liebe wird ständig verdrängt, auf den Kopf gestellt, beseite gestoßen, weggeworfen. Dennoch glaube ich, dass die Liebe eine Chance hat, die Zeiten zu überdauern - und darüber hinaus. Die Möglichkeit des Unendlichen, das Gegenteil einer kurzen Laune, etwas, was sehr, sehr lange anhält, wird auch auf die nächsten Generationen abfärben. Das ist wichtig."

Die Filmemacher suchten unermüdlich nach geeigneten Schauplätzen für "The Notebook", auch in North Carolina und Virginia. "Gefordert war eine kleine Stadt im Süden, eine friedlich-ländliche Umgebung", erinnert sich Produzent Mark Johnson.

"Nicholas Sparks' Story spielt zwar in Newburn/North Carolina, aber als wir uns die Gegend um Charleston in South Carolina anschauten, verliebten wir uns sofort in die Gegend - also änderten wir den Schauplatz für den Film", fährt Johnson fort. "Unter Filmemachern gibt es ein altes Sprichwort: Die eigene Heimatstadt nimmt man nicht wahr. Ein Fremder kommt von außen und filmt sie viel besser als ein Einheimischer, weil er die Schönheit wahrnimmt, gegen die man durch die Gewohnheit abgestumpft ist, die man als selbstverständlich empfindet. Ich schaute mir all die traumhaften Ecken an - die alten Plantagen, die unglaublichen Bauten im Stadtzentrum - das gesamte filmische Potenzial der Gegend, und dachte nur: ,In meinem ganzen Leben habe ich noch nie eine derart schöne Stadt erlebt.' Mit dem Team dreht man einfach alles, was man als schön empfindet, die Menschen mit ihrer Sprachfärbung, ihre Häuser, ihre Persönlichkeit und ihre Liebe."

"Diese Küstenlandschaft ist genau das, was der Doktor verschrieben hat", fügt Johnson hinzu. "Nämlich speziell das, was sowohl der Roman als auch das Drehbuch vorgeben. Im Ernst: Wir haben alle unsere Schauplätze in und um Charleston gefunden, und außerdem bekamen wir von Filmcrews, die früher schon dort gearbeitet haben, nur die wärmsten Empfehlungen."

"The Notebook" spielt in den 1940er-Jahren an der Küste der beiden Carolina-Staaten mit all ihrer strengen Schönheit: in den Städten Charleston, Georgetown und Umgebung, auf Edisto Island, an zahlreichen Schauplätzen auf dem Militärgelände Charleston Naval Base, auf verschiedenen üppigen Plantagen in South Carolina sowie in den Cypress Gardens in Berkeley County.

Natürlich gab der Roman die Schauplätze vor, aber ein wesentlicher Faktor zugunsten des Standorts South Carolina war auch das South Carolina Film Office: Es untersteht dem Handelsministerium in South Carolina und unterstützte das Filmteam durch enge Zusammenarbeit und Know-how.

An diesem Küstenstrich entstehen große Hollywoodproduktionen, und Charleston bietet dabei eine einzigartige Filmkulisse. Dazu Mark Johnson: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Immer wieder durchstreife ich die Innenstadt, spaziere durch die Straßen mit dem Kopfsteinpflaster, bewundere die historischen Bauten. Schon die Stadt allein ist eine Geschichtslektion, und wir bringen sie im Film ganz wunderbar ins Bild."

Rachel McAdams reiste schon zwei Monate vor Drehbeginn an, um ein Gefühl für den Süden zu entwickeln. "Nick hatte mir erzählt, wie anders hier alles ist - das Lebensgefühl, die Menschen, wie Mädchen erzogen werden - besonders Debütantinnen. Alles ist anders", sagt sie. "Ich als Kanadierin empfinde das umso stärker - also hat mir diese Zeit der Einstimmung in Charleston ungeheuer geholfen: Ich konnte mich umso leichter in meine Rolle einfühlen."

Sam Shepard weiß genau, was den Süden ausmacht: "In der Literatur des Südens taucht das Thema immer wieder auf: bei Tennessee Williams, bei Faulkner. Immer geht es um Plantagen, um den alten Süden, um jenen Süden, der mit Dixie unterging. Die dort herrschende Nostalgie ist einfach unglaublich, überwältigend, sie ruft auch Widerspruch hervor. Es gibt da unten jede Menge Gespenster. Nicht dass ich besonders abergläubisch wäre, aber ich spüre das genau, wenn ich in den Süden reise. Und das ist wohl eine der großen Krücken, auf die sich die Literatur des Südens stützt: diese außergewöhnliche Vergangenheit. Da mußs man gar nichts dazu erfinden."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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