30 über Nacht

Produktionsnotizen

Zweite Chancen Produzentin Gina Matthews war hingerissen von der Idee, die ihr das Autorenteam, das bereits Matthews' bis dahin größten Hit What Women Want (Was Frauen wollen, 2000) geschrieben hatten, präsentierte: "Josh Goldsmith und Cathy Yuspa haben ein Händchen für großartige, komische Konzepte mit starken Themen. Wenn man sich mit ihnen zusammensetzt, weiß man, dass sie einem etwas Urkomisches und Unterhaltsames erzählen und das Publikum begeistern werden."

In 30 ÜBER NACHT geht es laut Matthews "um die Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen und darum, wie leicht uns diese entgleiten. Eines Tages wacht man auf, sieht sich um und fragt sich: Bin ich mit meinem Leben glücklich? Unsere Geschichte handelt von der Erfüllung von Wünschen und von der zweiten Chance."

Donna Arkoff Roth und Susan Arnold, Produzentinnen so unvergesslicher Filme wie America's Sweethearts (America's Sweethearts, 2001) und Grosse Point Blank (Grosse Point Blank - Ein Mann, ein Mord, 1997) verliebten sich sofort in die Protagonistin Jenna Rink, als sie einen ersten Entwurf des Drehbuchs lasen.

"Jenna ist eine Figur, mit der wir uns alle identifizieren können, ein verwirrtes junges Mädchen auf der Schwelle zum Erwachsensein", so Arkoff Roth. "Dreizehn ist ein schwieriges Alter, denn man befindet sich an einem Scheideweg. Man steckt zwischen den Stühlen... man ist noch keine Frau, aber auch kein Kind mehr."

"Wir hatten eine Jenna vor Augen, die ein Stofftier in der einen und Wimperntusche in der anderen Hand hält", fügt Arnold hinzu. "Wer kann sich nicht an dieses heikle Alter erinnern, in dem man so ungeduldig ist mit dem Erwachsenwerden und gleichzeitig so viel Angst davor hat? Da mußsten wir alle durch."

Matthews, Arkoff Roth und Arnold waren begeistert davon, was im Drehbuch zwischen den Zeilen zu lesen war: "Wir lieben Komödien, die eine Message haben. Die ultimative Message, die sich in dieser Story versteckt, lautet: Man mußs sich selbst treu bleiben", so Arnold. Arkoff Roth stimmt zu: "Es ist ein wundervolles Gefühl, Menschen zum Lachen zu bringen und ihnen außerdem noch etwas zum Nachdenken mitzugeben - zu zeigen, wie jemand mit einer ganz einfachen, aber bedeutungsvollen Lösung seine Probleme meistert."

Arkoff Roth und Arnold hatten schon immer einen Hang zu ungewöhnlichen und komplexen Frauenrollen. Vor 30 ÜBER NACHT arbeiteten sie mit Julia Roberts (America's Sweethearts) und Sandra Bullock (Forces of Nature [Auf die stürmische Art, 1999]) zusammen. Das Märchen von Jenna, so erkannten die Produzentinnen, würde erneut eine ganz besondere Schauspielerin brauchen, die eine einzigartige Mischung aus Verletzlichkeit, Mut und Humor verkörpert. Sie fanden diese seltene Kombination in Jennifer Garner, dem preisgekrönten Star der TV-Kultserie "Alias".

"In dem Moment, in dem wir ihr gegenüber saßen, war uns klar, was für eine lustige und wunderbar offene Person Jennifer ist", erinnert sich Arnold.

"Wir hatten wirklich Glück, jemanden zu finden, der so lustig und smart ist und alle erforderlichen Eigenschaften - die Unschuld und die Verspieltheit, die Jenna Rink haben sollte - mitbringt", fügt Arkoff Roth hinzu.

Garner war froh, Sydney Bristows (ihre Rolle in "Alias") Kickboxing-Outfit vorübergehend an den Nagel hängen und in Jennas Glamour-Dress schlüpfen zu können. "Da waren so viele Aspekte, die ich an Jennas Geschichte mochte", überlegt Garner. "Ich liebte die Idee, noch einmal 13 zu sein - naiv und kindlich und ganz versessen darauf, dazuzugehören. Das, was mich am meisten am Drehbuch begeisterte, war aber, dass es um die zweite Chance geht - nicht nur in Sachen Liebe, sondern auch in der Beziehung zu den Eltern - und um die Möglichkeit, sein Leben ändern zu können."

"Dieser Film zeigt Jennifer in einem Licht, in dem wir sie noch nicht gesehen haben", erklärt Arkoff Roth. "Obwohl sie für ihre mutige Actionrolle in "Alias" bekannt ist, war uns allen klar, dass sie auch über ein komödiantisches Talent verfügt. Jeder, der schon einmal Zeit mit ihr verbracht hat oder sie in Interviews im Fernsehen gesehen hat, weiß, dass sie über ein fantastisches komödiantisches Timing verfügt. Sie ist wirklich sehr lustig."

"Das Interessante an Jennifer ist, dass sie eine unglaublich offene, temperamentvolle wundervolle Art hat", findet Matthews. "Als sie bei unserem Meeting den Raum betrat, sah man ihr bereits diese gescheite Art an, die Jenna Rink haben sollte."

Nachdem sie so viel Glück bei der Besetzung der Hauptrolle hatten, standen die Produzentinnen vor der nächsten Aufgabe: einen Regisseur mit einer mutigen, frischen Herangehensweise für ihr Material zu finden. Die Wahl fiel auf Independent-Regisseur Gary Winick, dessen Film Tadpole (Alle lieben Oscar, 2003) den Preis für die "Beste Regie" beim Sundance Film Festival 2002 gewonnen hatte. "Ich bekam nach Tadpole viele Angebote für romantische Komödien. Ich entschied mich für 30 ÜBER NACHT, weil das Buch die meiste Substanz hat. Es geht um zweite Chancen", so erklärt auch Winick. "Es geht darum, alles zu bekommen, was man sich immer gewünscht hat, nur um dann festzustellen, dass einen nichts davon glücklich macht. Und es geht darum, an diesem Punkt eine zweite Chance zu bekommen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Eine andere Facette der Geschichte, die ihm gefiel, war die Komplexität und die Menschlichkeit sämtlicher Rollen. "Die Geschichte zeigt, was jede der Figuren durchmacht. Wir lernen sie alle ein bisschen besser kennen - und vielleicht auch uns selbst", sagt Winick. "Ich versuche nicht, etwas künstlerisch Wertvolles darin zu finden. Es ist ein reiner Unterhaltungsstoff, der aber gleichzeitig etwas wirklich Bedeutungsvolles zu sagen hat."

Abgesehen von seiner Begeisterung für die Story, war die Besetzung von Jennifer Garner für Winick ausschlaggebend. "Jennifer war ein wichtiger Grund dafür, warum ich diesen Film drehen wollte. Sie verfügt über die Verletzlichkeit und gleichzeitig die Stärke der Person, die uns auf Jenna Rinks Reise mitnimmt. Das Niveau, das sie mit ihrer Performance in den Film brachte, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen."

Wie alle Beteiligten des Projekts verliebte sich Jennifer Garner sofort in Jenna und ihren Kampf um die Rückkehr in ihr Leben als Kind. "Was der Geschichte so viel Bedeutung gibt, ist all das, was Jennas Entscheidung für die Popularität bewirkt und das, was sie dafür aufgibt", so Garner. "Ich liebe es, dass sie beim Aufwachen plötzlich dreißig Jahre alt ist und selbst herausfinden mußs, was in ihrem Leben geschehen ist. Sie mußs die Puzzlestücke ihrer Vergangenheit selbst zusammensetzen, als hätte sie eine Art Amnesie. Sie bekommt die ultimative Chance, zurückzublicken und ihr Leben noch einmal neu zu gestalten. Aber für diese Chance mußs sie kämpfen."

Winick erkannte bald, dass er sich auf ein sehr "Östrogen-reiches" Projekt eingelassen hatte. "Drei Produzentinnen und ein weiblicher Star", lacht er. "Aber Gott sei Dank: Sie hatten das Dilemma, in dem 13-jährige Mädchen stecken, am eigenen Leib erfahren und wussten, wovon sie sprechen. Nicht nur, dass die Produzentinnen selbst einmal Mädchen waren, sie hatten auch noch 13-jährige Töchter. Das war perfekt!"

Jennas bester Freund in Kindertagen, Matt Flamhaff, ist ein leicht übergewichtiger, heranwachsender Außenseiter, der sich zu einem ungewöhnlich attraktiven und interessanten dreißigjährigen Fotografen entwickelt. Die Produzenten hatten sofort den aufstrebenden Schauspieler Mark Ruffalo (You Can Count on Me (You Can Count on Me, 2000), In the Cut (In the Cut, 2003) für die Rolle im Sinn.

"Donna, Susan und Gina waren sofort einer Meinung: Mark war genau derjenige, den wir brauchten", erinnert sich Winick. "Das gefiel mir sehr. Ich war davon ausgegangen, dass sie eher nach einem typischen Hollywood-Leading-Man suchten, den man normalerweise in romantischen Komödien zu Gesicht bekommt. Mark ist ein ernsthafter Schauspieler mit sehr viel Erfahrungen mit Independent-Filmen. Er hat seiner Rolle eine völlig andere Dimension verliehen."

Susan Arnold mußste nicht eine Sekunde über die Entscheidung nachdenken: "Abgesehen davon, dass er ein erstaunlicher Schauspieler ist, hat man bei Mark Ruffalo das Gefühl, dass er wirklich Matts Ernsthaftigkeit und Hingabe besitzt. Er ist der Typ, bei dem man sofort weiß, dass sich Jenna in ihn verlieben wird."

Ruffalo und Garner ergänzten sich auf eine Art und Weise, die in Matthews Augen der Story eine solide realistische Grundlage lieferte. "Mark hat diesen trockenen Witz, der seine Szenen mit Jennifer sehr real wirken ließ. Jede Entscheidung, die seine Figur trifft, ist von Grund auf ehrlich."

Und Ruffalo hatte Spaß an der Rolle von Matt Flamhaff, da er normalerweise, wie er sagt, "eher stärkere Rollen" spielt. "Aber ich hatte viel Freude mit Matt. Er ist ein ziemlich geradliniger Typ. Aber er hat auch diese wunderbar albernen Seiten."

In Matt sah Ruffalo einen ganz normalen Menschen, der nicht nur Jenna hilft, zu verstehen, wer sie ist, aber auch etwas über sich selbst lernt: "Auf eine gewisse Art hat Matt resigniert. Er hat die Vorstellung von romantischer Liebe aufgegeben, weil er sich an Jenna heftig die Finger verbrannt hat, als er jung war. Und jetzt entzündet sie seine Leidenschaft wieder."

Mit Ruffalo vor der Kamera zu stehen, war für Garner eine höchst aufregende Angelegenheit: Wie sie zugibt, ist sie ein gar nicht so heimlicher Fan des Schauspielers. "Mark ist toll. Ich kenne niemanden, der ihn in You Can Count on Me gesehen und sich nicht sofort in ihn verliebt hat "",schwärmt sie. "Wenn man mir damals gesagt hätte, dass ich ein paar Jahre später schon mit ihm vor der Kamera stehen würde, hätte ich das nicht geglaubt. Es hätte für mich wie die Erfüllung eines Traumes geklungen."

Jennas Nemesis im Film ist die sehr coole und populäre Lucy (a.k.a Tom Tom), die von Judy Greer (Adaptation (Adaption - Der Orchideendieb, 2002) verkörpert wird. Winick sagt über Greer: "Sie ist unglaublich, ein komödiantisches Genie. Sie war unsere Geheimwaffe."

Für Greer nahm die Rolle eine Bedeutung an, die man nicht erwartet hätte: "Es ist eigenartig, dass ich das populärste Mädchen einer Schule spielen sollte, weil ich selbst alles andere als das war. Also, Lucy kann schon sehr gemein sein. Ich lasse Jenna meine Hausaufgaben machen. Ich versuche, sie zu manipulieren und sie dazu zu bringen, zu tun, was ich will."

Der britische Schauspieler Andy Serkis ("The Lord of the Rings"-Trilogie) übernahm die Rolle von Richard, Jennas flamboyantem Boss des Hochglanz-Magazins "Poise". Richard ist zunächst entsetzt und dann völlig begeistert von Jennas kindischem Verhalten: "Richard hielt Jenna immer für ein bisschen exzentrisch. Aber sie waren in kreativer Hinsicht stets auf einer Wellenlänge, bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Plötzlich scheint sie völlig von der Rolle zu sein und wendet sich von ihm ab", erklärt Serkis.

In der Rolle dieser sehr schrillen Figur bemühte sich Serkis darum, nicht zu übertreiben. "Ich wollte sicher gehen, dass es die Situation war, die komisch ist, nicht die Figur."

Die Produktion In Vorbereitung auf ihre Rolle verbrachte Garner viel Zeit mit 13-Jährigen und versuchte, sich daran zu erinnern, was das Besondere - und auch das nicht so Besondere - an diesem Alter war: "Zum Glück habe ich eine gute Freundin, Madeline Sprung Keyser, die zur Drehzeit zwölf war und die ich seit fünf oder sechs Jahren kenne", so Garner. "Hin und wieder reagiert sie auf eine Situation wie eine Erwachsene, und das erinnert mich daran, dass ein bisschen von beidem in ihr steckt: Ein erwachsenes Kind. Teenager mit 13 Jahren können wie Erwachsene wirken - aber man kann sich leicht darin täuschen. Man mußs sich immer vor Augen halten, dass sie unglaublich verletzlich, lebhaft und kindisch sind. Diese Balance zu finden, war eine Herausforderung."

Ein weiterer Aspekt der Rolle, auf den sich Garner vorbereitete, war das Verhalten einer 13-Jährigen gegenüber anderen. Dafür "borgte" sie sich die Teenager-Töchter der Produzentinnen Arkoff Roth und Arnold, Hannah und Julia, aus. "Hannah und Julia hatten ein paar ihrer Freundinnen eingeladen und wir alle verbrachten die Nacht zusammen. Ich blieb so lange ich konnte auf, was zugegebenerweise nicht sehr spät war. Ich versuchte, um vier Uhr morgens wieder aufzuwachen, weil ich wusste, dass da noch einiges los war. Ich schleppte mich in die Küche, wo sie alle saßen und redeten. Ich versuchte, mit aller Konzentration aufzupassen und wach zu bleiben. Leider erinnere ich mich nicht mehr so gut daran, was dann passierte. Hannah und Julia erzählten mir später, dass ich hineingestolpert sei, etwas gegessen hätte und dann wieder ins Bett gegangen wäre. Könnte man doch noch mal 13 sein!", lacht sie.

Trotz aller Bemühungen, mit den Teenagern mitzuhalten, gab es einen Moment, bei dem Garner die Grenze zog - als es um die Bettenverteilung ging. Mit der Aussicht konfrontiert, in einem Schlafsack zu nächtigen, zog sie das Sofa vor. "Ich sagte ihnen "Hey, ich bin 30. Ich zieh Leine. Ich bekomme das Sofa, und ich gehe jetzt sofort schlafen."

Im Film hat Jenna Rink das Glück, dass sich der größte Traum eines Teenagers für sie erfüllt: Sie kann die Hürden des Erwachsenwerdens überspringen, ist über Nacht erwachsen und kann all die Vorteile des Dreißigseins genießen. Während der Proben kam sich das 30 ÜBER NACHT-Ensemble näher, man vertraute sich die eigenen, persönlichen Qualen und Freuden des Heranwachsens an. "Wir erinnerten uns alle, wie viel Angst wir davor hatten, was vor uns lag", so Garner. Greer bestätigt: "Wir waren uns alle darin einig, wie sehr wir uns damals wünschten, selbständig sein zu können und auf niemanden angewiesen zu sein, der uns vorschrieb, was wir tun durften. Obwohl wir wussten, dass wir noch nicht selbst entscheiden konnten."

Die Schauspieler gestanden sich außerdem ihre eigenen Wünsche und Teenagerträume: "Ich war eine ganze Weile ziemlich eigenartig drauf", erinnert sich Garner. "Ich spielte in einer Blaskapelle. Ich trug nie coole Klamotten, aber dafür dicke Brillengläser. Ich wollte einfach nur erwachsen werden und in der Lage sein, einen Fuß vor den anderen setzen und mich vernünftig mit anderen unterhalten können. Ach ja, und Kontaktlinsen zu tragen", lacht sie. "Ich wollte wirklich unbedingt Kontaktlinsen."

Ruffalo gibt zu: "Wie jeder Teenager wünschte ich mir, jemand anderes und an einem anderen Ort zu sein. Jetzt sehe ich mir Fotos von mir an und denke: So schlecht war ich eigentlich gar nicht."

Greers Teenagerjahre waren von einer quälenden Angst geprägt, wie sie nur Gleichaltrige verursachen können: "Zu jener Zeit glaubte ich, dass ich niemals irgendwo hingehören oder einen Ort finden würde, an den ich gehöre", sagt sie. "Wenn man ein Kind ist, glaubt man, dass es wichtig wäre, mit den coolen Leuten an der Schule abzuhängen. Wenn man älter wird, merkt man, dass das alles überhaupt nicht relevant ist. Sie werden nicht einmal deine Freunde bleiben. Irgendwann hat man neue Freunde - Gott sei Dank."

Serkis erinnert sich, dass alles, was er sich mit 13 wünschte, ein Kinoticket für Steven Spielbergs Klassiker Der weiße Hai war. "Ich war wütend, dass meine ältere Schwester ihn sehen konnte und ich nicht. Also borgte ich mir ein Paar Schuheinlagen und die Wimperntusche meiner Schwester, um mir einen Bart zu malen und versuchte, älter und größer auszusehen, um ins Kino zu kommen. Es hat nicht funktioniert."

Der Prüfstein ihrer gemeinsamen Erfahrung wird in der "Thriller"-Tanz-Sequenz im Film deutlich - ein Verweis auf Jennas Kindheit in den 80er Jahren. Die Szene findet bei einer hippen New Yorker Party für Jennas "Poise"-Magazin statt, bei der sie ganz unbedarft versucht, die Stimmung aufzumischen - und das angesichts einer Gästeschar, die offensichtlich vergessen hat, wie man Spaß hat. Als Jenna anfängt zu tanzen, legen die Gäste schließlich ihre Reserviertheit ab, und kurz darauf stürmen alle die Tanzfläche.

"Ich hatte nur eine einzige Kassette, mit der ich aufwuchs, und darauf war ;Thriller'", so Garner. "Deshalb war für mich dieser Tanz, die Proben und die Performance gemeinsam mit den Profi-Tänzern im Hintergrund ganz klar eine der lustigsten Erfahrungen, die ich je erlebt habe."

Ruffalo stimmt zu, obwohl er leichtes Lampenfieber verspürte, als die Tanzszene näherrückte: "Das war meine Jugend", erklärt auch er. ";Thriller' war das Tape, dass überall weiterverliehen wurde. Aber ich war ziemlich nervös wegen des Tanzens, weil ich ehrlich gesagt kein Tänzer bin. Wir mußsten Unterricht nehmen. Aber am Ende hatte ich eine ziemlich gute Zeit dabei."

Ebenfalls viel Spaß mit den Proben für die Tanzszene hatte Judy Greer: "Es hat wirklich Spaß gemacht, mit dem Choreographen zu arbeiten und die Schritte zu lernen", erinnert sie sich. "Es war so cool, Teil einer großen Tanznummer in einem Film zu sein. Es war aber anstrengender, als es aussieht. Meine Füße taten drei Tage lang weh."

Wie Ruffalo war auch Serkis zunächst etwas besorgt über die Tanzszene - tatsächlich "graute es ihm davor", um es genau zu sagen. "Ich hatte keine Ahnung, dass es eine richtig routinierte Sache werden würde, bei der ich voll dabei sein würde. Ich bekam einen Anruf zu Hause in London. Man sagte mir, ich solle den Moonwalk üben. Also verbrachte ich quasi eine Ewigkeit mit einem Choreographen. Als ich am Set ankam, am ersten Tag der Tanzproben, sah es aus, als ob alle anderen die Schritte schon konnten. Ich hatte schreckliche Angst. Glücklicherweise durften wir alle mal Fehler machen, eben ganz wie es Menschen tun, die sich an einen alten Tanz erinnern."

Mit der Tanznummer wurde ein wahres 80er-Jahre-Fieber am Set entfacht: Selbst Produzentin Matthews wurde angesteckt. Sie entstaubte ihre Tanzschuhe, trat vor die Kamera und öffnete ihre Haare. "Wie alle anderen war auch ich besessen von ;Thriller'. Ich war bis Mitternacht aufgeblieben, als das Video zum ersten Mal auf ABC lief. Ich nahm es mit meinem Videorekorder auf und prägte mir jede Bewegung ein. Als wir mit den Proben begannen, waren alle Schritte wieder da. Sie hatten sich tief in mein Gedächtnis gegraben."

Für Winick lag die Herausforderung der Tanzsequenz darin, sich die Energie der Schauspieler zu Nutze zu machen und die Szene in einen Kontext mit dem Fortgang der Story zu bringen. "Ich wollte nicht, dass die Szene wie ein Musikvideo wirkt. Ich wollte, dass sie der Dramatik der Story dient. So gut die Tanzszenen auch sein mögen - der Grund, warum die Szene funktioniert, ist, dass sie plot-orientiert ist. Jenna rettet die Party so, wie es eine 13-Jährige tun würde, nicht wie eine Erwachsene."

Es gibt weitere Referenzen an die 80er Jahre im Film - von Popikonen wie Madonna, Rick Springfield und Pat Benatar, bis zu Ausdrücken wie "grody" und "gag me with a spoon". Da die meisten der Schauspieler in dieser Zeit aufgewachsen sind, "war es ein Riesenspaß", wie Greer bestätigt. "Ich hatte einiges vergessen, aber nach einer Weile war alles wieder da."

Im Film nutzt Garner ihre Erfahrungen mit dem Einsatz ihres Körpers - allerdings steht dieser hier nicht im Dienst der Action, sondern der Komödie. "Ich denke, es gibt einen Zusammenhang zwischen Action und Slapstick", meint Garner. "Es geht darum, daran gewöhnt zu sein, mit seinem Körper zu arbeiten und keine Angst davor zu haben."

Ein Partner von unschätzbarem Wert in der Umsetzung des Slapsticks war ihr Regisseur, so Garner, der ihr freien Lauf ließ, aber stets dafür sorgte, dass sie seinem Blick fürs Detail folgte. "Ich weiß nicht, ob es an seinen Erfahrungen mit Independent-Produktionen liegt, aber Gary geht besser mit einer Story um, als jeder andere, mit dem ich bis jetzt gearbeitet habe", sagt sie. "Er achtete die ganze Zeit auf die Logik dieser merkwürdigen kleinen Welt, die wir für die Figur erfunden hatten, und auf den Realitätsgehalt dessen, was sich darin in jedem Moment ereignete. Es gab nicht eine Sekunde, in der ich nicht das Gefühl hatte, dass er auch genau das aus mir herausholen wollte, was ich da tat."

Greer war ebenfalls begeistert von Winicks sehr persönlichem Stil des Regieführens, den er sich als Regisseur von Independent-Filmen angeeignet hat. "Er war nie hinter dem Monitor oder zwischen 14 Assistenten versteckt", sagt sie. "Er war immer direkt neben der Kamera, sah uns zu, redete mit uns. Und ich kam zu dem Schluss, dass er nicht aufhören würde, bis er das hatte, was er von uns wollte. Er wusste, was er wollte und er war stets in der Lage, uns verständlich zu machen, was das war."

Die Produzenten waren begeistert von Winicks Team-Player-Herangehensweise sowie von den persönlichen Ansichten, die er mit in das Projekt brachte. "Gary versteht Frauen sehr sehr gut", so Arnold, "und er verfolgt die Dinge, an die er glaubt, mit aller Hartnäckigkeit. Er bleibt sich immer treu und ist zur selben Zeit unglaublich kooperativ. Er ist ganz wild auf Input und war offen für alle unsere Ideen, denen er mit dem Respekt begegnete und ihnen die Gewichtung gab, die sie verdienten."

Matthews fügt hinzu: "Ihm ist es wirklich wichtig, dem Thema treu zu bleiben und dem Publikum Jennas Weg verständlich zu machen. Gary hat einen ausgeprägten Sinn sowohl für die komischen Elemente als auch für den Ernst, der in der Story liegt. Und diese Kombination ist unbezahlbar. Dadurch hat der Film ganz wunderbar an subtilen Momenten gewonnen."

Angesichts seiner Erfahrungen aus der Independent-Welt der digitalen Videotechnik mit kleinen Teams warf der erste Ausflug in die Hollywood-Filmemacherei Winick zunächst ein Stück zurück. "Ich glaube, er war etwas geschockt, als er am ersten Tag ans Set kam und dort hundert Leute anstelle von vier Personen herumstanden", lacht Arkoff Roth.

Winick gibt zu, dass er sich zunächst an die Größe der Produktion gewöhnen mußste: "Ich dachte, dass der Umgang mit einer so großen Crew vielleicht frustrierend werden könnte, besonders weil ich bei Tadpole das meiste an zwölf Tagen und mit wenigen Leuten mit einer digitalen Videokamera filmen konnte. Bei 30 ÜBER NACHT hatte ich es plötzlich mit mehr als hundert Crew-Mitgliedern gleichzeitig zu tun. Nachdem ich die Namen von allen gelernt hatte, war ich froh, dass sie da waren. Es gab einige wie die Männer und Frauen, die auf der Straße den Verkehr regelten, die ich nicht einmal kennen gelernt habe. Was ich sehr zu schätzen weiß, ist das Level an Erfahrungen und Professionalität. Sie haben einfach an alles gedacht. Nichts ist ihnen entgangen. Und das macht die Arbeit eines Regisseurs ausgesprochen angenehm."

Als gebürtiger New Yorker freute sich Winick natürlich, dass 30 ÜBER NACHT in seiner Heimatstadt spielte - und war überrascht, dass alle Innenaufnahmen in Los Angeles gedreht werden sollten. "Ich bin New Yorker, und ich will am liebsten alle meine Filme in New York machen. Deshalb war es ein großes Plus für mich, ein Projekt gewählt zu haben, das in New York spielt. Ich fand es sehr lustig, dass das meiste tatsächlich in L.A. stattfand. Am Ende, wie auch immer, war es eine gute Erfahrung, in L.A. gedreht zu haben, bevor die 17 Drehtage in New York begannen. Als wir nach New York kamen, um die Außenaufnahmen zu filmen, war ich wirklich gut vorbereitet und sehr vertraut mit der Crew."

Garner war ebenfalls daran gewöhnt, in New York zu drehen und war dankbar für ihre Erfahrungen mit "Alias". Dadurch war sie auf die Menschenmengen vorbereitet, die sich überall rund um die Drehorte bildeten, an denen sie auftauchte. "Eines Tages waren wir mitten in Manhattan und es waren Hunderte von Leuten da, die von der gegenüberliegenden Straßenseite aus zusahen. Ich mußste durch eine Drehtür kommen und auf der Straße ausflippen - herumspringen und mit meinen Armen wild herumfuchteln - während all die Menschen zusahen. Sie konnten natürlich nicht wissen, was ich da tat. Und da waren die ganzen Paparazzi, die Fotos machten. Es war ein bisschen unangenehm."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Columbia © 1994 - 2010 Dirk Jasper