In deinen Händen

Produktionsnotizen

Statement der Regisseurin Im Sommer 2002 trafen Fupz (Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson), Ib (Produzent Ib Tardini) und ich eine Handvoll der besten Schauspieler Dänemarks, die zugesagt hatten, einen Film mit uns zu machen, noch bevor sie überhaupt wussten, um was es geht. Die Sonne schien, alle waren braungebrannt und glücklich und auf dem Weg in die Ferien. Die Stimmung war prima, und ich selbst war sowieso begeistert über die baldige Zusammenarbeit.

Drei Männer und acht Frauen waren da, und sie rätselten schon an unserem Projekt herum, während sie den ersten Schluck Kaffee tranken. Anschließend sollte es Monate dauern, bis wir das Gerücht wieder im Griff hatten, der Film solle in einem Kloster spielen. Schließlich gaben wir aber preis, dass es nicht etwa um Nonnen gehen werde, sondern, ganz im Gegenteil, um Sünderinnen - kein Film also über ein Kloster, sondern über ein Gefängnis.

Davor hatten Fupz und ich zwei Monate damit verbracht, uns unter Pfarrern, Drogenopfern und Frauenärzten umzusehen, und zu dieser Mischung kam noch die Recherche bei den Angestellten und Insassen der dänischen Gefängnisse. Wir sprachen über Vertrauen, Wunder und Barmherzigkeit, wir stellten Glaube gegen Wissen und die Gesetze der Gesellschaft gegen die der Moral. Wir dachten nach über Furcht, Schuld, Scham, Einsamkeit und Verbrechen. Wir schrieben eine Geschichte über die Pfarrerin Anna und ihr Zusammentreffen mit der Sünderin Kate, eine Geschichte, die verschiedene Definitionen von Verbrechen untersucht. Wir wollten herausfinden, wen das Gesetz bestrafen kann und wen nicht, und wann jemand soweit ist, dass er es wagt, sein Leben freiwillig in die Hand eines Anderen zu legen.

Bevor wir diese Geschichte festlegten, ließen wir unsere Schauspieler damit arbeiten. Sie sollten sich die Charaktere aneignen und sie genauer bestimmen. Danach nahmen wir sie mit in ein Gefängnis. Kurze Zeit später arbeiteten wir in einem Block des Nyborg State Prison, in dem gerade ein Gefängniswärter angegriffen worden war, und die Atmosphäre war entsprechend gespannt.

Für viele von uns war es eine einschneidende Erfahrung, tatsächlich in einer Umgebung spielen zu können, in der die Figuren unserer Geschichte ihr Leben verbringen. Wir trafen ja im Gefängnis tatsächlich auf die Menschen, die dort tagtäglich leben müssen, als Arbeiter oder als Häftlinge. Das Gleiche galt für das Krankenhaus, in dem wir mehr als einmal Tragödien mit ansehen mußsten. Wir versuchten, all diese Ereignisse so respektvoll und lebensnah wie möglich in unsere Geschichte zu übernehmen. Ich glaube, wir alle hatten das Gefühl, erstmals die harte Realität zu sehen, eine Realität, mit der kaum einer von uns bisher Kontakt gehabt hatte.

111726 (In your hands) wurde für uns fast zu einer Zerreißprobe, und zu einer wichtigen Prüfung für mich. Ich mußste die Dunkelheit erforschen, die Schwere und die Tragik des Lebens, aber ich möchte diese Erfahrungen nicht missen.

Annette K. Olesen

Statement des Drehbuchautors Gefühlskino: Mitte der 90er Jahre begannen wir etwas Neues im dänischen Kino. Wir versuchten, amüsante und trotzdem wirklichkeitsnahe Filme zu machen, die die klassische Komödie ersetzen oder verbessern sollten. Es stellte sich heraus, dass wir solche Filme nicht nur schreiben, finanzieren und produzieren konnten, sondern dass sie auch ein riesiges Publikum fanden, in Dänemark wie im Ausland.

In diesen neuen dänischen Komödien versuchten wir, auch ein paar ernsthafte Zutaten unterzubringen, es gab Probleme wie Unfälle, Krankheit oder Alkoholismus. Manche dieser Filme hatten ein glückliches Ende, manche ein weniger glückliches, aber sie alle schlossen doch mit einer heiteren Note. Mit anderen Worten, wir drehten eine ganze Serie von Feelgood-Movies, die so erfolgreich waren, dass wir uns allmählich fragten, ob wir je wieder andere Filme machen würden.

Diese Sorge ist noch nicht behoben, aber mittlerweile haben wir angefangen, daran zu arbeiten. In jeder gesunden Umgebung reagieren die Menschen auf ständige Wiederholungen mit Langeweile, und so begann eine Suche nach neuen Formen, überraschenderweise an verschiedenen Orten gleichzeitig: Nachdem Annette Olesens Film KLEINE MISSGESCHICKE im Januar 2001 ins Kino gekommen war, beschlossen wir, dass unsere nächste Zusammenarbeit etwas Ernsteres werden solle, eine Tragödie vielleicht. Und schnell stellte sich heraus, dass wir mit diesem Vorhaben nicht alleine waren. Genauso, wie plötzlich alle dänischen Filmemacher in den 90ern die neue Komödie ausprobierten, wenden sich jetzt viele einem tragischen Stoff zu.

Wir alle riskieren es jetzt, ernsthaft zu sein, Gefühle zu zeigen oder sogar Mitleid zu erregen. Wir verweigern uns dieser leichten Art von Erfolg, der sich so einfach einstellt, wenn das Kino von Gelächter erfüllt ist. Wir haben den ersten Film einer anderen Art gemacht - die nächsten sind unterwegs ...

Kim Fupz Aakeson

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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