Keine halben Sachen 2 - Jetzt erst recht

Produktionsnotizen

KEINE HALBEN SACHEN 2 - JETZT ERST RECHT! war das Resultat einer Selbstentzündung, als die gesamte Besetzung fast ein Jahr nach Ende der Dreharbeiten beim Pressejunket zur Hitkomödie THE WHOLE NINE YARDS ("Keine halben Sachen", 2000) wieder zusammentraf. Die meisten Darsteller hatten sich in der Zwischenzeit nicht mehr gesehen, aber das harmonische Verhältnis vom Set stellte sich sofort wieder ein und alle begannen sich an die gute Zeit zu erinnern, die sie bei der Entwicklung ihrer schrulligen Charaktere und beim Drehen des Films gehabt hatten. Sie stellten sich vor, in welche Situationen wohl diese Charaktere geraten würden, wenn es denn eine Fortsetzung der Geschichte geben sollte.

Wie zum Beispiel sähe das Eheleben des frisch verheirateten Paares Oz und Cynthia aus, wie würde der berüchtigte Auftragskiller Jimmy "Die Tulpe" mit seiner neuen Rolle als Hausmann zurechtkommen? Würde Killer-Novizin Jill je diesen Beruf meistern? Und könnten Oz und Jimmy wirklich glauben, dass niemand ihre kapitale Lüge über Jimmys Tod durchschaut, glauben, dass beide jemals wirklich zur Ruhe kommen könnten? Was wäre, wenn all diese Fragen und Probleme wie ein Bumerang zurückkämen...?

"Noch bevor KEINE HALBEN SACHEN überhaupt in die Kinos kam, entwickelten die Darsteller spielerisch Ideen für eine mögliche Fortsetzung", erzählt Produzent David Willis, der diesen Posten bereits beim ersten Film bekleidete. "So begannen wir alle übereinstimmend darüber nachzudenken."

Sobald die Schauspieler zugestimmt hatten, wieder in ihre Rollen zu schlüpfen, engagierten die Produzenten Regisseur Howard Deutch, dessen letztes Projekt "Gleason" soeben eine Nominierung der "Directors Guild of America" erhalten hatte. Deutch versteht sich auf die Dynamik von Komödiantenteams, drehte unter anderem mit den Hollywood-Legenden Jack Lemmon und Walter Matthau die Hitkomödien THE ODD COUPLE II ("Immer noch ein seltsames Paar", 1998) und GRUMPIER OLD MEN ("Der dritte Frühling", 1995). Dank des bekannten Gespürs des Regisseurs für komisches Timing und seiner Bereitschaft, plötzliche Einfälle seiner engagierten, als Team auftretenden Darsteller in den Film aufzunehmen, entwickelte sich eine entspannte Atmosphäre, in der ein Witz schnell einen anderen nach sich zog und es an Deutch lag, die Story nicht aus den Augen zu lassen.

"An Improvisation um ihrer selbst willen glaube ich nicht wirklich", erklärt Deutch. "Meiner Ansicht nach benötigt man dafür ein Fundament und einige grundsätzliche Parameter. Wenn aber eine Szene wirklich Sinn macht und stimmig ist, dann kann man abheben, dann können die Schauspieler Ideen einbringen und ihren Spaß daran haben, den Drehbuchtext mit ihrer Inspiration zu verbessern."

Dieses Fundament aufzubauen, lag mit in den Händen von Drehbuchautor George Gallo. Er arbeitete zuletzt an BAD BOYS II ("Bad Boys II", 2003), ist aber vielleicht am besten bekannt durch sein Drehbuch zur Actionkomödie MIDNIGHT RUN ("Midnight Run - 5 Tage bis Mitternacht", 1988), in der Robert De Niro, bisher auf harte Kerle spezialisiert, erstmals sein komisches Talent aufblitzen ließ.

"Das Problem mit einigen Fortsetzungen ist, dass sie das Original fast kopieren", erläutert Gallo, der die Figuren und die Story von Mitchell Kapner, dem Drehbuchautor von KEINE HALBEN SACHEN, zum Ausgangspunkt nahm und sie ins Jahr 2004 führte.

"Zeit verändert den Menschen, und ich wollte wissen, was seit dem Ende des ersten Films mit den Charakteren passiert war. Jimmy hatte sich in Mexiko zur Ruhe gesetzt, hatte dort Zeit, sein Leben zu überprüfen, bekam dann eine Art Nervenzusammenbruch und entwickelte danach seine Leidenschaft für Putzen und Kochen - vermutlich, um seine Dämonen halbwegs fernzuhalten. Sein früherer Protegé Jill ist nun mit ihm verheiratet und versucht, selbst eine Karriere als Auftragskillerin zu starten. Geschickt stellt sie sich aber dabei nicht an und darüber hinaus vermisst sie ihr altes Leben."

Währenddessen lebt Oz in Los Angeles "mit der ständigen Angst, dass die Gogolak-Gang, die er mit Jimmy zusammen betrog, hinter ihm her ist", ergänzt Howard Deutch. "Er hat einfach das Gefühl, dass es noch nicht vorbei ist und ist ständig auf der Hut. Er denkt sogar darüber nach, einen Graben um sein Haus zu ziehen. Dabei hat er schon Stacheldraht, Überwachungskameras in jedem Baum und jedes erdenkliche High-Tech-Gerät, um sich und seine Frau zu schützen, die seine zunehmende Paranoia kaum noch ertragen kann. Der Witz dabei ist, dass er Recht hat, sie ihm aber nicht glauben will."

So wie Oz die Gogolaks von sich fernhalten will, so will Jimmy alles, was sein früheres Leben betrifft, aus seinem neuen verbannen. Soll heißen: seine Identität als Auftragskiller, seine früheren Verbindungen zu den Gogolaks, seine Ex-Frau Cynthia, die jetzt mit Oz verheiratet ist, und ganz sicher auch sein ehemaliger Freund und Nachbar Oz. Aber der alte Lazlo Gogolak steht kurz davor, diese beiden nicht ganz so glücklichen Paare wachzurütteln.

Der gerade auf Bewährung entlassene psychopathische Mittsiebziger verbrachte Jahre im Gefängnis und grübelte darüber, dass Jimmy seinen Lieblingssohn Yanni umgelegt hatte. Er hat seine Rache geplant und glaubt, dass Jimmy noch am Leben ist und sich irgendwo versteckt hält. Weil er weiß, dass Jimmy intelligent und nicht leicht aufzuspüren ist, wendet er sich der offensichtlichen Schwachstelle zu, dem unglücklichen Oz, in der weisen Annahme, "dass der Zahnarzt uns zum Verräter führen wird."

Und so geschieht es auch, nachdem Lazlo und seine Jungs Cynthia entführt haben. "Aber Jimmy hat Oz gewarnt, dass er ihn mit dem Auto zwanzigmal überfahren wird, sollte er je wieder versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen", gibt Deutch zu bedenken. "Er sollte nicht einmal auf die Idee kommen, ihn anzurufen. Jimmy glaubt, dass ihn zuhause jeder für tot hält. Und das ist ihm nur recht. Ganz sicher will er Oz nie wieder über den Weg laufen. Was bedeutet, dass Oz einen schlechten Tag haben wird, wenn er unangemeldet in Jimmys Geheimversteck in Mexiko auftaucht."

"Freundschaft wird überschätzt. Im Übrigen habe ich bereits genügend Freunde. Ich denke sogar darüber nach, einige loszuwerden." (Jimmy "Die Tulpe")

"Die Sache mit Jimmy ist folgende", bemerkt Deutch trocken: er ist witzig, man kann über ihn lachen und manchmal lacht er auch mit, aber man kann sich sicher sein, dass er dich trotzdem töten wird. Ernsthaft. Er wird dich töten. Denn das ist sein Job."

Jimmys Persönlichkeit hat sich seit KEINE HALBEN SACHEN verändert. Noch immer ist er ein "eiskalter Killer", so Deutch, "aber auch etwas sensibler und nachdenklicher geworden. Er hat wegen seines früheren Lebenswandels verspätete Schuldgefühle, setzt sich damit und mit anderen Problemen auseinander, was zu einigen betrunkenen Offenbarungen, zumeist in unpassenden Momenten, führt. Außerdem hat er eine wahre Obsession für Haushalt und Küche entwickelt. Es macht Spaß, diese unerwarteten neuen Dimensionen bei einer Figur zu beobachten, die uns bereits bekannt ist."

In gewisser Weise sind an diesem Punkt im Leben von Jimmy und Oz einige Aspekte ihrer ursprünglichen Rollen vertauscht. "Jimmy hat seine Kriminellenkarriere aufgegeben, lebt mit seiner Frau in Mexiko und gibt sich ganz seiner häuslichen Seite und seiner Liebe für die Gärtnerei hin. Oz dagegen hat sich mehr zu einem harten Kerl entwickelt, der die Situation retten will."

Zu Willis' Lieblingsszenen zählt die in der Motelbar, in der er und Perry sich zwei oder drei (oder neun oder zehn) Drinks zuviel genehmigen und Jimmy großzügig darauf besteht, einige seiner intimsten Geheimnisse preiszugeben - ob das nun seinem, sich unbehaglich fühlendem Begleiter recht ist oder nicht. "In dieser Szene und der folgenden am nächsten Morgen, gehe ich als Komödiant so weit wie nie zuvor", gibt Willis zu. "Jimmy schlägt hier eine ziemlich eigenartige Richtung ein, und eigentlich war das sehr verstörend ... wenn auch auf eine witzige Weise."

"Etwas miteinander zu vermischen, ist nichts Neues für Bruce", erklärt Produzent Arnold Rifkin, der damit auch jene Szene anspricht, in der Jimmy eine Küchenschürze, Plüschhasen-Slipper und ein Maschinengewehr zu einer Kombination macht. Als Willis' langjähriger Agent und Geschäftspartner in seiner Produktionsgesellschaft "Cheyenne Enterprises" fällt es Rifkin leicht, eine Reihe von erfolgreichen, das ganze Genrespektrum abdeckenden Titeln für den mit Emmy und Golden Globe ausgezeichneten, vielseitigen Darsteller abzurufen.

Das reicht vom TV-Hit "Moonlighting" ("Das Model und der Schnüffler") und BLIND DATE ("Blind Date - Verabredung mit einer Unbekannten", 1987 ) bis zu THE KID ("The Kid - Image ist alles", 2000), von ARMAGEDDON ("Armageddon", 1998) und DIE HARD ("Stirb langsam", 1988) bis zu NOBODY'S FOOL ("Nobody's Fool", 1994), PULP FICTION ("Pulp Fiction", 1994) und THE SIXTH SENSE ("Sixth Sense", 1999)".

"Spaß zu haben", war laut Willis eine Primärmotivation bei den Dreharbeiten zu KEINE HALBEN SACHEN 2 - JETZT ERST RECHT!. "Zu einer Figur zurückzukehren, die er wirklich gern gespielt hat, zu einem Bösewicht, der nicht wirklich schlecht ist und mit einem talentierten Ensemble zu arbeiten, von dem er wusste, dass es den Ball aufgreifen könnte, wo immer er ihn auch hinschlagen würde."

"Bruce kann allles sein", schwärmt Howard Deutch. "Charmant, beängstigend, witzig und mächtig. Ich glaube, er hat erkannt, wie einzigartig die Chemie zwischen ihm und Matthew ist. Er will lachen, und niemand bringt ihn so zum Lachen wie Matthew. Und ehrlich gesagt ist es andersrum genauso. Jimmy und Oz sind in jeder Hinsicht totale Gegensätze, sind Nord- und Südpol, Nitro und Glycerin, und genauso leicht entflammbar. Wenn diese totalen Gegensätze aufeinanderprallen, mußs das zu einer Explosion führen".

Genauso viel Spaß wie das eigentliche Explodieren macht es, den Prozess zu beobachten, wie es dazu kommt: eine Drohung, ein Jammern, ein Ausrutscher, "bis man den Punkt erreicht, an dem Bruce Matthew ein Thunfischsandwich ins Gesicht wirft oder ihn plötzlich mitten beim Lunch zu erwürgen versucht und man selbst denkt 'höchste Zeit aber auch', fügt Rifkin hinzu. "Beide müssen absolut harmonieren, um das durchziehen zu können - gleichzeitig feindselig und doch miteinander verbunden zu wirken, glaubhaft zu machen, dass sie einander nicht ertragen können und doch irgendwie Freunde sind und diese Sache gemeinsam durchstehen."

"Matthew und ich passen außergewöhnlich gut zusammen", pflichtet Bruce Willis bei. "Es ist leicht, mit ihm Witze zu reißen und mit dem Drehbuchtext herumzualbern. Er hat ein angeborenes Gespür für Komik, das sich auf der Leinwand erst richtig zeigt."

"Wir ergänzen uns perfekt", fügt der mehrfach für Emmy und SAG-Awards nominierte Perry hinzu, der im wirklichen Leben mit Willis befreundet ist und darin einen der Gründe sieht, warum das Timing der beiden so natürlich wirkt. "Ich kann seine Reaktionen voraussehen und er die meinen", so Perry. "Im ersten Film entwickelte sich eine Art gegenseitiger Respekt zwischen den beiden Figuren.

Oz verriet Jimmy nicht, weil er ihn mochte, und Jimmy tötete Oz nicht, weil es ihm ähnlich ging. Aber es ist eine problematische Freundschaft. Die Möglichkeit, dass trotz des gegenseitigen Respekts und der Zuneigung Jimmy Oz ohne schlechtes Gewissen umlegen könnte, ist immer vorhanden, weil er eben ein Killer ist. Es ist wie mit Felix und Oscar - nur, dass Oscar jederzeit Felix erschießen könnte."

"Diese Angstkomponente erlaubt es mir, meine Figur mit großen Gesten zu spielen", erklärt Perry. "Das Leben meines Charakters ist nie im Gleichgewicht und ständig bedroht. Ich kann in Panik gegen eine Glaswand rennen oder achtmal stolpern, um aus einem Zimmer zu kommen, und der Zuschauer wird es mir abnehmen, weil so viel auf dem Spiel steht."

"Matthew kann keine Tür öffnen, ohne nicht mit ihr zu kollidieren, kann keine Treppe meistern, weil er so nervös ist. Das ist Buster-Keaton-Territorium", erklärt Drehbuchautor Gallo, der zugibt, dass alle Reinfälle Perrys auch dessen spontane Einfälle waren. "Ich habe noch nie etwas vergleichbar Slapstickartiges geschrieben, aber er hat in diesen Szenen instinktiv das Potenzial dafür gesehen. Er versteht sich auf körperliche Komik. Es ist schwer, gegen eine Tür zu knallen, ohne dämlich zu wirken. Er lässt sich einfach voll darauf ein."

KEINE HALBEN SACHEN 2 - JETZT ERST RECHT! bringt Willis und Perry erneut mit Amanda Peet zusammen, die für ihre Darstellung der inkompetenten Nachwuchskillerin Jill, die den berüchtigten Jimmy "Die Tulpe" bewundert wie Groupies ihre Rockidole, für einen Blockbuster Entertainment Award nominiert wurde.

In der Fortsetzung hat Jill ihren Killerhelden geheiratet und versucht immer noch, eine eigene Karriere als Auftragsmörderin aufzubauen - mit bescheidenen Ergebnissen. Ihre Opfer fliegen aus Fenstern oder stürzen in Aufzugsschächte, bevor Jill überhaupt selbst eingreifen kann. Das beginnt ihr Selbstbewusstsein und möglicherweise ihre Ehe zu beeinträchtigen.

"Jill hat mehr Eifer als Talent", räumt Peet ein. "Und genau das ist so witzig an ihr." Kollege Bruce Willis schwärmt von seiner Filmfrau: "Abgesehen davon, dass sie lustig, charmant und sehr attraktiv ist, hat Amanda immer wieder gute Einfälle und greift auf alles zurück, was ihr zur Verfügung steht. Sie stößt mit etwas zusammen, spielt weiter, bleibt immer in ihrer Rolle, und am Ende bleibt vielleicht genau das im Film.

Am Set improvisierten wir, drehten und trafen danach die Entscheidung, ob die Szene so passte oder nicht", fährt Willis mit seinen Beobachtungen über die Besetzung und Regisseur Howard Deutch fort. "In einer Szene knallte mir Amanda unabsichtlich den Kofferraumdeckel an meinen Kopf. Die Leute am Set waren beunruhigt, aber wir machten einfach weiter. Ich könnte mir jetzt den Film ansehen und genau zeigen, was im Drehbuch stand und was nicht. Aber alles sieht so aus, als wäre es von Anfang an so geplant gewesen, als hätte es passieren müssen. Wenn man fünf oder sechs witzige Typen zusammenbringt, wird das Einfälle oder Running- Gags nach sich ziehen. Genau das passierte auch bei unserem Film."

"Für mich ist es sehr interessant zu beobachten, was in jeder Szene vor sich geht", erklärt Deutch, der versucht während der Dreharbeiten gleichzeitig die Perspektive des Regisseurs und jene des Zuschauers einzunehmen. "Mir gefällt einfach die Dynamik: wer ist oben, wer am Boden, wer versucht wen zu töten, wer verfällt in Selbstmitleid und schmollt, wer verursacht Chaos? Denn genau diese Dynamik kann sich abhängig von der Situation innerhalb von Sekunden verändern, ganz besonders mit diesen drei Hauptdarstellern. Mit Bruce und Matthew, aber auch mit Amandas Energie. Es gleicht einem Tennisspiel zu dritt, aber ohne Netz."

Jimmy hat keine Ahnung, dass Jill während des letzten Jahres weiterhin freundschaftlichen Kontakt mit Oz und Cynthia pflegt. Als er davon erfährt, ist er alles andere als begeistert, zumal Jill beiden auch ihre Ehe-Probleme anvertraut hat. "Er ist süß und versucht es mir recht zu machen", beschreibt Peet den Killer im Ruhestand.

"Aber Jill reicht das nicht. Sie hat sich in einen gefährlichen, charismatischen, knallharten Gangster verliebt - und diesen Mann will sie zurück. Sie wünscht sich, dass Jimmy seine Schürze wegwirft und wieder seinen alten Job erledigt. Damit verbindet sie die Hoffnung, dass so auch ihr enttäuschendes Liebesleben wieder in Fahrt kommt. Für ihn ist das ein heikles Thema. Je mehr sie also Druck ausübt, desto mehr verweigert er sich. Bis eben die ganze Gogolak-Gang vor seinem Haus auftaucht und er keine andere Wahl mehr hat."

Einer der Darsteller aus dem ersten Film, auf den sich jeder freute, war Kevin Pollak. Es gab dabei nur ein Problem: seine Figur Yanni Gogolak wurde im Finale von KEINE HALBEN SACHEN getötet. Warum aber nicht Pollak als Lazlo Gogolak zurückbringen, den Knastveteran und übellaunigen Vater Yannis? "Das ist eben Hollywood", scherzt Rifkin. "Tot bedeutet nicht tot, wenn man nur listig genug ist."

"Bruce schlug vor, dass wir ihn als Yannis Vater zurückbringen", gibt Deutch zu, der erstmals mit Pollak bei der Komödie GRUMPIER OLD MEN ("Der dritte Frühling", 1995) zusammenarbeitete. "Aber ich will hier und damit ganz offiziell diese Idee für mich beanspruchen." Und Produzent David Willis erinnert sich: "Ich habe Kevin erzählt, dass es gute und schlechte Nachrichten gäbe. Die gute war, dass er in der Fortsetzung wieder mit von der Partie sein könnte. Die schlechte, dass er täglich eine vierstündige Make-up-Prozedur auf sich nehmen müsste."

"Wow, das ist toll, war mein erster Gedanke", erinnert sich Pollak. "Denn ich war ursprünglich schon ein bisschen eifersüchtig, dass alle in eine Fortsetzung involviert waren. Und ich begann mich besser zu fühlen, bis mir klar wurde, wie viel Müll sie auf mein Gesicht auftragen würden. Ich veränderte mich total. Wesley Wofford (zuständig für die prostethischen Applikationen) leistete bemerkenswerte Arbeit, Vicki Phillips (zuständig für Haarteile und Perücken) verpasste mir eine großartige weiße Schockperücke, und meine Frau schlug die Brille mit den großen Gläsern vor, so wie sie Lew Wasserman trug. Was soll ich noch sagen - es ist ein gelungener Look."

Das ist er in der Tat. Bruce Willis beschreibt ihn als "Kreuzung zwischen Liberace und Cesar Romero - aus der Zeit, als Romero in der TV-Serie "Batman" den Joker spielte. "Ehrlich gesagt", fügt Pollak hinzu, "habe ich mit dem Gedaken gespielt, meinen Namen aus den Credits herauszunehmen, damit das Publikum sich fragt, wer denn dieser Typ sei."

Abgesehen von den optischen Veränderungen ist ein üppiger, leicht osteuropäischer Akzent mit einem leichten Graf-Dracula-Touch wesentlicher Bestandteil von Pollaks Metamorphose. Aber auch ein großes Vokabular an Worten, die auf schmerzlichste Weise falsch ausgesprochen werden ("Ich ersetze jedes v durch ein w und umgekehrt", sagt Pollak). Daraus entsteht Lazlos einzigartiger Dialekt und damit die Möglichkeit, jedem seiner Helfershelfer, der es wagt, ihn zu verbessern, eine zu verpassen - was nahezu ständig passiert.

"Ja, er hat große Intensität und eine kurze Zündschnur, fährt leicht aus der Haut", beschreibt Pollak liebevoll seine vitale Figur. "Er ist bedrohlich und launisch und verfolgt während des ganzen Films diesen sehr realen Rachefeldzug. Gleichzeitig ist er aber völlig durchgeknallt, ein 75-jähriger Maniac. Seine eigene Familie weiß die Hälfte der Zeit nicht, wovon er überhaupt redet."

Pollaks Darstellung hatte aber auch seine Nachteile, wie Amanda Peet erzählt. "Eine beträchtliche Menge Film wurde verschwendet, weil wir ihn nicht anschauen konnten, ohne in Lachen auszubrechen. Es gab da eine Szene, in der Matthew etwas zu ihm sagte und ich direkt vor Kevin stand. Es ging jedes Mal schief, denn sobald Kevin anfing zu reden, begann ich zu lachen. Schließlich übernahm Matthew meinen Platz, aber auch er mußste kapitulieren. Bruce scheiterte genauso. So standen wir alle ewig herum, und versuchten diese eine Dialogzeile hinzubekommen, weil niemand in direkter Konfrontation mit Kevin ernsthaft bleiben konnte." Matthew Perry spricht mit seinem Fazit für alle: "Kevin reißt jede Szene an sich, in der er mitwirkt. Er stiehlt sie vor unseren Augen."

Ebenfalls wieder mit von der Partie in der Fortsetzung ist Natasha Henstridge als Cynthia, die Ex-Frau von Jimmy, die nun mit Zahnarzt Oz verheiratet ist. Cynthia kennt die Gogolaks und ihren Ex schon sehr lange, weiß, wo die Leichen begraben sind, versteht die strapazierte Beziehung zwischen Lazlo und seinem alles andere als brillanten Sohn Strabo ziemlich gut und hat auch Oz leicht im Griff - zumindest glaubte sie das. "In gewisser Weise ist Oz dem alten Jimmy ähnlicher geworden, mit dem ganzen Sicherheitsdenken und all den Waffen (auch wenn er nicht wirklich eine Ahnung hat, wie er sie abfeuern kann).

Und es ist Jimmy, der jetzt versucht, ein schönes ruhiges Leben zu haben, erklärt Henstridge, die 1995 ein denkwürdiges Filmdebüt mit dem Sciencefiction-Thriller SPECIES ("Species", 1995) hinlegte und kürzlich die Hauptrolle in Susan Seidelmans TV-Politbiographie "Beauty and Power: The Judith Exner Story" spielte. "Jill kennt das verrückte Leben schon durch ihre Zeit mit Jimmy lange genug. Sie will damit nichts mehr zu tun haben. Deshalb schlug sie eine völlig andere Richtung ein, als sie sich in Oz verliebte. Als aber Oz mehr und mehr diese Obsession entwickelt, dass er von Gangstern verfolgt wird, ist es für Cynthia so, als käme ihr altes Leben zurück. Deshalb mußs sie Abstand suchen."

"Cynthia ist der Katalysator", erklärt Deutch. "Sie wirkt wie die Vernünftigste in diesem ganzen Kreis, was schwer zu spielen ist, wenn sich alle um dich herum wie Verrückte verhalten." Ob sie nun ihrem Mann erklärt, warum er keinen Graben um das gemeinsame Haus herum anlegen soll, oder über alte Zeiten mit dem witzlosen Strabo plaudert, während sie im Haus der Gogolaks als Geisel gefangen ist - immer mußs sich Henstridge als Cynthia elegant und glaubhaft den absurdesten Situationen anpassen, "als ob das alles völlig normal und Bestandteil ihres Lebens wäre."

Die wichtigsten Mitglieder der Gogolak-Gang verkörpern Frank Collison als Strabo ("der klassische Kino-Einfaltspinsel", so Gallo), Johnny Messner als Zevo sowie Silas Weir Mitchell als Yermo. Diese drei sorgen in gleichem Maße für Bedrohung und Komik, wenn sie sich bemühen, dem anderen immer eine Nasenlänge voraus zu sein, während sie gleichzeitig Prügelknaben für ihren launischen und unberechenbaren Boss spielen müssen.

Der Anführer "Ich habe mit John Hughes zusammengearbeitet, der einige exzellente Komödien geschrieben hat", berichtet Howard Deutch, der Hughes' Drehbücher zu THE GREAT OUTDOORS ("Ferien zu Dritt", 1988), SOME KIND OF WONDERFUL ("Ist sie nicht wunderbar?", 1987) und PRETTY IN PINK ("Pretty in Pink", 1986) inszenierte. Was er mir dabei unter anderem beibrachte, war 'Komödie ernst zu nehmen'. Das werde ich nie vergessen. Wenn man in einem Film anfängt, Witze zu erzählen, dem Zuschauer zublinzelt und ihn bedrängt, holt ihn das aus der Geschichte raus. Er wird nichts mehr glauben, weil man es selbst nicht tut. Das heißt nicht, dass man keinen großen Charakter haben kann wie etwa Lazlo. Entscheidend ist, dass es für den Darsteller, hier also Kevin, real wirkt", spezifiziert Deutch. "Das ist opernhaft, übertrieben und bedeutet, große Momente an sich zu reißen. Es gibt nicht viele Schauspieler, die das können. Matthew, Bruce, Kevin und Amanda aber gehören zu denen, die dazu in der Lage sind."

In der Einschätzung seiner Arbeitsmethode und der kreativen Atmosphäre, die er auf dem Set forciert, bemerkt Deutch, dass "es manchmal mit einer hyper-dynamischen Truppe wie eben dieser besser ist, sich herauszuhalten, ganz besonders, wenn der Schalter umgelegt ist. Wie sagte schon Billy Wilder: "Ich bin Lehrer, Auspeitscher, Dienstmädchen, Psychologe - was immer auch nötig ist, um den Darstellern dabei zu helfen, die richtigen, von ihnen angestrebten Töne zu treffen. Das ist meine Rolle."

"Wenn man mit so vielen großartigen Komödianten zu tun hat", ergänzt Gallo, "belebt und intensiviert das die Arbeit. "Entweder lasen wir das Skript am Tisch gemeinsam durch und brachten uns gegenseitig zum Lachen, oder jemand sprang auf und warf ein "Nein, nein, aber wie wär's damit? Howie jedenfalls war immer der Moderator."

"Sein Lachen ist einfach großartig", schwärmt Perry. "Für mich ist es ein großer, täglicher Motivierungsfaktor, den Regisseur zu beeindrucken. Man möchte ihm zeigen, was er zu erreichen versucht und vielleicht noch etwas weiter dabei gehen und ihn überraschen. Er war eine Schlüsselfigur in der Entwicklung des Drehbuchs und einer der Hauptgründe, warum das Erzähltempo einer abgefeuerten Kugel ähnelt. Wir haben viel herumgealbert, und er hat das zugelassen. Im Wesentlichen lautete unsere Philosophie 'Übertriff diesen Gag' und zu versuchen, die Jungs von der Crew zum Lachen zu bringen."

Eine Sache gab es aber, worüber Deutch keine Kontrolle hatte. Perry, der an KEINE HALBEN SACHEN 2 - JETZT ERST RECHT! arbeitete und zwischendrin Folgen seiner Sitcom "Friends" drehte, erinnert sich: "Wegen meines TV-Zeitplans mußsten wir alle am Sonntag des Super-Bowl-Finales arbeiten, deshalb war ich an diesem Tag nicht gerade sehr beliebt. Aber wir konnten ohnehin nicht viel drehen. Etwa um drei Uhr nachmittags gaben wir auf. Jeder quetschte sich in den Trailer von Bruce, um sich das Spiel anzuschauen. Howie kapitulierte einfach."

Ist diese Nachbarschaft in Hühner-Zonen eingeteilt? Die Dreharbeiten fanden in und in der Umgebung von Los Angeles statt, wobei die Filmemacher die Chance nutzten, einige berühmte Schauplätze der Metropole vor die Kamera zu bringen. Erster Drehort war das historische Lightman-House im kalifornischen Rancho Palos Verde. Dieses im Toskana-Stil von Architekt Gordon Kaufman entworfene Pförtnerhaus wurde 1926 gebaut. Obwohl die dazugehörige und geplante Villa wegen des Börsencrashs 1929 nie errichtet wurde, waren die vorhandenen Gebäude, der majestätische Blick über das Meer und die üppige Landschaft perfekt als Schauplatz für das gemütliche Versteck der Tudeskis in Mexiko. Die Hühner mußsten mit dem LKW hintransportiert werden.

Für das Anwesen von Oz und seiner Frau griff die Produktion auf das Mark-Goodman-House zurück, um die Eleganz und den Stil einzufangen, die das Haus eines erfolgreichen südkalifornischen Zahnarztes reflektieren würde. Das Mark-Goodman-House liegt in Hancock Park, einem der ältesten und eindrucksvollsten Stadtteile von Los Angeles.

Mit der Union-Railroad-Station und der Olvera-Street-Plaza drehte man auch an zwei historischen Schauplätzen von Downtown L.A. Die 1939 entstandene Union-Station, eines der herausragenden Beispiele für die Verknüpfung von Art-Deco- und Spanischer-Missions-Stil, erlaubte den Filmemachern ein großes Spektrum an Perspektiven, um die Szenen, die am L.A.-Busbahnhof spielen sollen, zu drehen.

Die nach Agustin Olvera, dem ersten Richter von Los Angeles, benannte Straße von der Länge eines Häuserblocks gehört zu den ältesten der Stadt. 1930 wurde sie als mexikanischer Marktplatz zu neuem Leben erweckt. Mit seinem tropischen Blätterwerk, alten Feigenbäumen und einer, von einer Backsteinmauer eingegrenzten Plaza konnte die Atmosphäre einer mexikanischen Kleinstadt perfekt eingefangen werden. Zu weiteren Schauplätzen gehörten das kürzlich renovierte Argyle Hotel am Sunset Boulevard in Hollywood und das Pink Motel in Sunland, in dem Jimmy und Oz ihre Sorgen ertränken. Es wurde mit Bedacht ausgewählt, wie Produktionsdesignerin Virgina Randolph-Weaver zugibt, "weil es ein Platz ist, an dem man keinen der beiden je vermuten würde."

Die Kostüme Kostümdesigner Rudy Dillon (DOUBLE JEOPARDY - "Doppelmord", 1999) bereitete es das größte Vergnügen, Lazlo und seiner Gang einen speziellen Stil zu verpassen. Ihr Altmafia-Look wird mit absichtlich albernen Elementen kombiniert, wie etwa mit überauffälligen Gürtelschnallen oder grellen Farben. Damit erreicht man, dass die geringfügig kompetenten Hooligans aus Ungarn mehr nach Gulasch als nach gepflegtem Erscheinungsbild aussehen und ganz sicher nicht wie die smarten und alles leicht im Griff habenden Macher, als die sie sich selbst sehen.

Etwas klassischere Entwürfe wurden für Bruce Willis' Figur Jimmy und Matthew Perrys Charakter Oz ausgewählt. Als erfolgreicher, imagebewusster Zahnarzt trägt Oz passenderweise einen Armani-Anzug und eine Jacke von Boss. Der ehemalige Weltklasse-Killer hat dagegen seinen ganz eigenen, markanten Stil. Er bevorzugt maßgeschneiderte Hosen mit dem leicht höher angesetzten Bund, wie es in den Vierziger-Jahren populär war. Sein Strohhut ist eine Kopie eines alten Zylinderhutes, der Produktionsdesigner Dillon gehörte und Willis während einer Produktions-besprechung aufgefallen war. Das akzentuiert gänzlich unerwartet seinen stilvollen, maßgeschneiderten Look.

Als Jill vermittelt Amanda Peet einen klassischen All-American-Look, der ihr eigenes, etwas unkonventionelles Wesen Lügen straft. Wenn sie luftige Sommerkleider und geblümte Röcke trägt, lässt diese Möchtegern-Killerin die Eigenschaften und Qualitäten eines typischen Mädchens von nebenan vermuten. Ein Eindruck, der auf subtile Art und Weise durch skurrile Männer-Sneakers in einen Leger-Look verwandelt wird. Das war wahrscheinlich nützlich, schließlich mußs Peet im Film einiges rennend bewältigen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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