Stratosphere Girl

Produktionsnotizen

Die Dreharbeiten zu STRATOSPHERE GIRL fanden in Tokio und in Köln (u.a. MMC Studios) statt. Japan erwies sich zu der Zeit als beliebter Drehort, und so wurde hier zeitgleich an Quentin Tarantinos KILL BILL und Sofia Coppolas LOST IN TRANSLATION gearbeitet.

M.X. Oberg über den Film ?Die Grundidee des Films war es eine Geschichte zu erzählen, die die Protagonistin und ihre Leidenschaft für Comics miteinander verbindet. Der für mich wichtigste Aspekt war nicht etwa das Genre, nicht die Kriminalgeschichte über eine vermisst gemeldete Hostess, sondern die Reise meiner Heldin. All ihre Begegnungen sollten ein etwas schattenartiges, leicht ?unfertiges? Gefühl vermitteln. Sie zeichnet das, was sie herum geschieht, auch dann, wenn sie den Sinn oder die Tragweite ihrer Beobachtungen lediglich spüren kann ...

Da die Reise meiner Heldin nach Japan führt, war es unvermeidlich, dass ich mit den Klischees einer Kultur, die den Europäern eher exotisch und fremd erscheint, umgehen mußste. Auf der einen Seite, wollte ich Klischees vermeiden. Aber auf der anderen Seite erzähle ich die Geschichte einer jungen Frau, die nur eine Woche in Tokio verbringt (in einem Hostessen Club!). Sie kratzt jedoch nur an der Oberfläche dieser Kultur. Ich habe versucht diesen Aspekt in der Entwicklung meiner Protagonistin zu berücksichtigen: ihre Fantasie ergänzt all das, was ihr seltsam und unverständlich in Japan vorkommt.

Es war schwierig eine Schauspielerin zu finden, die diese Aspekte glaubhaft verkörpern konnte, da sie Jugend und Spontanität in sich vereinen mußste. Sie mußste uns überzeugen, dass sie sich durch das Zeichnen von Comics eine eigene Welt erschaffen kann. Gefunden haben wir sie letztendlich auf der Bühne eines Schultheaters in Brüssel: Chloé Winkel. Sie verkörperte genau das richtige Maß an ätherischer Atmosphäre, die für die Entwicklung des Charakters so wichtig war. Sie ist definitiv nicht der übliche ?Typ?, nach denen sich Casting-Agenturen in der Regel für die Identifikationsfigur umschauen.

Eine andere Angelegenheit, die recht früh entschieden werden mußste, war welche Musik im Film verwendet werden sollte. Während ich das Drehbuch schrieb, hörte ich sehr viel Musik von Nils Petter Molvaer. Was mich besonders faszinierte, war das fragmentarisch-transparente Gefühl welches seine Musik, vor allem seine frühen Werke, vermittelte. Molvaers Musik erschien ideal für die erzählerische Form meines Buches. Nachdem ich eines seiner Konzerte in Paris besucht hatte, war ich mir absolut sicher, dass seine Musik perfekt zu diesem Projekt passen würde.

Zufällig, kurz vor Drehbeginn, ereignete sich in Tokio ein Vorfall, der meiner Geschichte plötzlich eine traurige Realität verschaffte: Eine junge englische Hostess, die in einem Nachtclub in Roppongi arbeitete, wurde als vermisst gemeldet. Während wir in Tokio drehten, haben viele Leute angenommen, wir würden tatsächlich die Geschichte der vermissten Hostess Lucy Blackman verfilmen!?

?Vor einigen Jahren nahm neben mir im Flugzeug eine ausgesprochen hübsche junge Frau den Platz am Fenster ein. Als ihr langes blondes Haar über mein Gesicht fuhr, entschuldigte sie sich, und ich sah, dass ihre Schönheit durch ein Bluterguss am Auge beeinträchtigt war. Dies war solch ein auffallender Einschnitt in dem ansonsten so perfekten Bild das sie bot ? mit ihrem weißen Kleid und einer Aura der Reinheit ?, dass ich begann darüber nachzudenken, was ihr wohl zugestoßen sei. Obwohl ich versuchte meine Neugier zu verstecken, mußs sie gespürt haben, dass ich an sie gedacht habe und sie begann schließlich, mir ihre Geschichte zu erzählen.

Sie befand sich auf dem Weg zurück zu ihrer Familie in Deutschland. Sie kam gerade aus Tokio und vertraute mir nun an, welch eine törichte Idee es doch gewesen sei, in den Nachtclubs von Tokio zu arbeiten! Was auf diesen Einstieg folgte, war eine absolut erschütternde Geschichte. Es hatte sich ein Drama im Leben einer intelligenten Abiturientin abgezeichnet, für die sich Tokio für einen ganzen Monat zur Hölle auf Erden gewandelt hatte ? verursacht durch andere Europäerinnen, die auch als Hostessen arbeiteten.

Alle lebten sie zusammengepfercht in winzigen Apartments, und seit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch Japans waren die Männer nicht mehr so großzügig wie zuvor; daher war es zu starken Rivalitäten zwischen den Mädchen gekommen. Nachdem meine Sitznachbarin in einen Kampf mit zwei Schwedinnen geraten war, konnte sie sich aus der Sache ? im wahrsten Sinne des Wortes ? gerade noch mit einem blauen Auge retten ...

Die Erlebnisse des Mädchens dienten mir als Vorlage für einen Plot, an dem ich schon eine Weile gearbeitet hatte. Es handelte sich dabei um die Geschichte einer jungen Frau, die eine Kriminalgeschichte zeichnet, die dann wirklich vor ihren Augen Gestalt anzunehmen beginnt.

Ich habe mir gedacht, dass ein Ort wie Tokio, vor allem die mysteriöse Welt des Mizo Shobai, einen perfekten Hintergrund für diese Geschichte bieten würde.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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