Ein verrückter Tag in New York

Produktionsnotizen

Mary-Kate und Ashley haben "Ein verrückter Tag in New York" entwickelt, sie übernehmen die Hauptrollen, aber sie verantworten den Film neben Denise Di Novi und Robert Thorne auch als Produzentinnen. "Mary-Kate und Ashley gelingt es sehr gut, von ihrer Schauspielerei zu abstrahieren und sich den Produzentenhut aufzusetzen", stellt Regisseurin Dennie Gordon fest. "Mary-Kate denkt wie eine Regisseurin. Sie ist sehr aufgeweckt und behält immer den Überblick. Ashley konzentriert sich mit verblüffendem Instinkt auf die Einzelheiten. Von Anfang an machten sie klar, dass sie eine raffinierte Komödie produzieren wollen, und an der Umsetzung dieser Vision haben wir mit dem gesamten Team sehr hart gearbeitet."

Die Schauspielerinnen kümmerten sich mit Di Novi, Thorne und Executive Producer Alison Greenspan praktisch um jeden Aspekt der Produktion. "Wir haben eine Menge von ihnen gelernt", berichtet Mary-Kate begeistert. "Wir erfuhren, wie der Besetzungsprozess abläuft, wie man sich um Drehorte, das Budget, die Musik, den Schnitt, die Ausstattung, die Kostüme und vieles mehr kümmern mußs."

"Wir haben zwar schon eine Menge Produktionserfahrung, aber bei einem Film wie diesem läuft alles in viel größerem Maßstab ab - das lässt sich mit unseren bisherigen Filmen gar nicht vergleichen", sagt Ashley, die wie Kate jeden Tag drei Pflicht-Schulstunden neben ihren Aufgaben als Produzentinnen und Darstellerinnen absolvieren mußste. "Mit einem derart hervorragenden Produktionsteam zu arbeiten bringt also richtig Spaß."

Wenn die Filmhandlung wie in diesem Fall an nur einem Tag spielt, ergeben sich daraus oft technische Probleme, die jeden aufwendigen Kostümfilm in den Schatten stellen. "Ständig mußsten wir darauf achten, dass die Anschlüsse stimmen", berichtet Gordon. "Vor Drehbeginn jeder Szene mußsten wir uns noch einmal vergewissern: ,Wie spät ist es jetzt in unserer Geschichte? Wenn es jetzt 10.22 Uhr ist, wo befanden sich Jane und Roxy dann um 10.20 Uhr? Und wo werden sie um 10.30 Uhr sein?'" Gordon und Kameramann Greg Gardiner verwendeten die Digital-Intermediate-Technologie, um während der neunwöchigen Dreharbeiten die unterschiedlichen Lichtverhältnisse auszugleichen. ("Ein verrückter Tag in New York" zeichnet sich dadurch aus, dass er das Digital-Intermediate-Verfahren als erste Realfilm-Produktion von Warner Bros. Pictures durchgängig einsetzt.)

"Das Studio hat mich bei diesem Verfahren voll und ganz unterstützt - ich konnte also das unterschiedliche Licht und den Himmel der 47 Drehtage farblich so aufeinander abstimmen, dass wir im Film kontinuierliches Tageslicht von 7 Uhr bis 16.30 Uhr zeigen", erklärt Gordon. "Außerdem bekommen wir dadurch die fantastische Gelegenheit, den Film farblich aufzupeppen. In manchen Einstellungen teilen wir das Filmbild ganz cool auf, und es gibt ein paar Zeitraffersequenzen, die ohne Digital Intermediate nicht möglich wären - dieses Verfahren ist normalerweise nur den Superproduktionen mit vielen Special Effects vorbehalten."

Um die eskalierende Spannung der Situationen, in die Jane und Roxy geraten, besonders zu betonen, setzt Gardiner vor allem natürliches Licht ein, um "einen satten, eleganten Look zu kreieren, der aber realistisch bleibt." Im Laufe ihres hektischen Tages in der City wechseln Jane und Roxy zehnmal die Garderobe, inklusive Pyjamas, Touristen-T-Shirts mit "I Love New York"-Aufdruck und jeweils vier coolen Kostümwechseln im House of Bling (alle Outfits wurden speziell für diesen Zweck von Hand angefertigt).

New York spielt als Stadt ebenfalls eine Hauptrolle im Film - Gordon wollte sie als "funkelnde Smaragdstadt" wie in "The Wizard of Oz" (Das zauberhafte Land) zeigen. Produktionsdesigner Michael Carlin hat bereits die Sets zu Gordons "What a Girl Wants" (Was Mädchen wollen) entworfen. Er sagt: "Der Film ist im Grunde ein Roadmovie: Jane und Roxy reisen durch unsere Version von New York: eine große, strahlende, bunte Metropole, in der man es zu etwas bringen kann. Diese Welt soll bei uns so hell und fröhlich wie nur irgend möglich aussehen."

Das Team drehte an zahlreichen Schauplätzen in und um New York und Toronto, zum Beispiel an etlichen der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Manhattan: Times Square, Radio City Music Hall, Central Park, am Plaza Hotel, Columbia University, an der Brooklyn Bridge, Harlem, im Flat Iron District, Tribeca, Chinatown und in der New Yorker U-Bahn. Mary-Kate und Ashley sorgten für ein mittelschweres Verkehrschaos, als sie - nur mit Bademantel und Handtuch bekleidet - die 6th Avenue entlang und an der Radio City Music Hall vorbei sprinteten. Auch bei der temporeichen Verfolgungsjagd zwischen Jane, Roxy und Max Lomax von Harlem über die Park Avenue bis zum Ende mit Knalleffekt am Times Square wurden sie von einer riesigen Menge Fans beobachtet und bejubelt.

"Jedes Mal, wenn wir im Stadtgebiet drehten, drängten sich Hunderte von Leuten hinter der Absperrung, die Polizei und die Bodyguards hatten alle Hände voll zu tun, die weiblichen Fans waren völlig hysterisch und wurden ohnmächtig - als ob Elvis den Set besucht hätte", erinnert sich Riley Smith. "Aber Mary-Kate und Ashley sind völlig cool geblieben, sie hatten die begeisterten Fans ganz lässig im Griff."

"Mary-Kate und Ashley sind Vollblut-Profis", bestätigt Gordon. "Sie arbeiten unglaublich konzentriert, legen sich richtig ins Zeug, begreifen schnell. Wenn man ihnen spontan eine neue Idee vorstellt, haben sie die sofort verinnerlicht. Besonders stolz bin ich darauf, zu welch differenzierter Darstellerleistung ich sie inspirieren konnte - von den Slapstick-Elementen über richtig heftige Action-Sequenzen bis zu den nuanciert ausgespielten emotionalen Szenen. Die Zuschauer werden staunen." "Diese jungen Frauen sind wirklich sehr bodenständig und liebenswürdig", bestätigt Eugene Levy. "Sehr nett, begabt und echt lustige Kolleginnen."

Die Produzentinnen/Schauspielerinnen sind überzeugt, dass ihre mehrjährige Erfahrung als Executive Producers und Stars im Fernsehen und in Videopremieren entscheidend dazu beiträgt, dass sie den Luxus, der bei Kinoprojekten getrieben wird, wirklich zu würdigen wissen. "Bei den Dreharbeiten zu unseren Videofilmen mußsten wir täglich acht bis zehn Drehbuchseiten schaffen, manchmal sogar mehr - das war wirklich echte Knochenarbeit", sagt Mary-Kate.

"Bei ,Ein verrückter Tag in New York' haben wir zwei bei drei Skriptseiten pro Tag gedreht, hatten also viel mehr Zeit, unsere Rollen auszugestalten und so lange an den Szenen zu feilen, bis das Ergebnis optimal war." "Man hat das Gefühl, dass unsere gesamte bisherige Arbeit nur auf dieses Ziel ausgerichtet war", fügt Ashley hinzu und grinst.

Stunts & Was man sonst noch dazulernen mußs

Für Janes und Roxys hektische Achterbahnfahrt quer durch New York mußsten sich Mary-Kate und Ashley ein paar neue Fertigkeiten antrainieren. Mary-Kate lernte trommeln und fuhr erstmals einen Wagen mit Schaltgetriebe, Ashley lernte ein paar Sätze Mandarin-Chinesisch und übte, wie man einen Wagen 180 Grad herumschleudert - in Fachkreisen heißt dieser Auto-Stunt "ein Blues Brothers".

Daneben führten die Schauspielerinnen auch die meisten ihrer Stunts selbst aus - ein freier Fall mit dem Fensterputzergerüst in einen Müllcontainer, tödliche Karate-Handkantenschläge, und Body-Surfing über eine Volkesmenge von 500 Statisten.

"Unsere eigenen Stunts waren echt heftig", sagt Ashley und gibt zu, dass das nicht ganz ohne blaue Flecken abging. "In diesem Film werden wir sportlich sehr gefordert - so intensiv haben wir das noch nie erlebt. Man ist dabei eher aufgeregt als ängstlich. Und es macht immer Spaß, etwas Neues auszuprobieren." "Der beste Vergleich ist tatsächlich eine Achterbahn", sagt Mary-Kate. "Während der Stunts spürt man die Gefahr, obwohl man in der Obhut des unterstützenden Stuntteams natürlich gar nicht sicherer aufgehoben sein könnte. Wir waren begeistert bei der Sache."

"Sie lassen sich auf alles ein, probieren alles aus", bestätigt Stunt-Coordinatorin Melissa Stubbs, die die Bewegungsabläufe choreografierte und mit Stunt-Doubles durchprobierte, um Mary-Kate und Ashley zu demonstrieren, wie die verschiedenen Einstellungen geplant waren. Anschließend übten die beiden jeden Stunt selbst ein. "Sie haben ein schnelle Auffassungsgabe, und sie zögern nie - jeden Stunt haben sie mit Bravour absolviert."

Für Janes und Roxys Nahkampf mit Nachwuchs-Mafioso Bennie Bang in der U-Bahn brachte Stubbs Mary-Kate und Ashley den Schmetterlings-Kick bei, einen kräftigen Rundumschlag, mit dem die Ryan-Schwestern dem hartnäckigen Chauffeur zu Leibe rücken. "Mary-Kate tritt mir ins Gesicht, und Ashley tritt mir wohl in den Hintern", beschreibt Richter den U-Bahn-Kampf. "Ich weiß nicht so genau, welcher Fuß zu wem gehörte, aber sie haben mich reichlich vermöbelt."

"Andy hatte die Idee, einem alten Mann den Krückstock zu klauen und ihn als Waffe einzusetzen", verrät Stubbs. "Wir haben Andy daraufhin beigebracht, wie man ein Samurai-Schwert gebraucht: Er packt also den Stock und wirbelt ihn sehr beeindruckend herum. Er hat das auf Anhieb kapiert."

Außerdem lernte Mary-Kate, wie man auf Filipino-Art kämpft - dabei setzt sie ihre Trommelstöcke ein. "Sie hat das Herumwirbeln der Stöcke in ihrer Freizeit trainiert, und als es beim Dreh dann ernst wurde, hat sie uns schwer beeindruckt", sagt Ashley, die in dieser Szene ein paar Dialogsätze auf Mandarin beisteuert. ("Ich habe jede Silbe phonetisch gelernt und sie wie Liedzeilen auswendig gelernt", erinnert sie sich.) Die Filmemacher und Stubbs wollten die Schlägerei zwischen den Ryans und Bennie eher realistisch choreografieren und verzichteten deshalb auf die typischen, stark stilisierten Drahtseilakte à la Hongkong.

Dennoch zwängte sich Mary-Kate für eine Szene in ein Drahtseilkorsett: In einer Einstellung soll Roxy nämlich durch den Hotelflur und durch die gerade zufallende Tür in Senatorin Anne Baxter-Liptons Suite hechten. "Man mußs seinen Körper sehr gut beherrschen, um solche Drahtseilszenen überzeugend darzustellen", sagt Stubbs. "Denn man kann die Drähte nicht die ganze Arbeit machen lassen. Es ist sehr kompliziert, diese Feinheiten in den Griff zu bekommen, aber Mary-Kate hat sich bravourös geschlagen."

Mit sehr gemischten Gefühlen machten sich die Schauspielerinnen an die Szene, in der Roxy, Jane und der Hund Reinaldo mit dem Fensterputzergerüst 70 Meter in die Tiefe sausen und in einem Müllcontainer landen. "Zuerst hatten wir richtiges Muffensausen, weil wir derart hoch hingen und nicht wussten, wie schnell wir fallen würden", erinnert sich Ashley. "Dann plumpsten wir hinunter, und unsere Reaktion war: ,Das war ja lahm! Das geht doch viel schneller!'"

Ein weiterer irrwitziger Stunt war für den dynamischen Dreh zum Simple-Plan-Musikvideo geplant - auf dem Höhepunkt der Szene hechten Jane und Roxy von der Bühne direkt in die Menge der Fans, um dem gnadenlosen Lomax zu entkommen. Stubbs brachte Mary-Kate, Ashley und auch Regisseurin Dennie Gordon bei, wie man einen perfekten Hechtsprung von der Bühne hinbekommt, und am Drehtag wagte Gordon selbst den ersten Sprung in die Menge.

"Ich hatte den Girls versprochen, dass ich nichts von ihnen verlangen würde, was ich vorher nicht selbst ausprobiert hatte", sagt Gordon. "Alle waren ganz aus dem Häuschen, als ich als Erste sprang - mich selbst eingeschlossen. Aber das war ganz fantastisch. Mary-Kate und Ashley absolvierten anschließend Dutzende von Hechtsprüngen - einfach bewundernswert. Es herrschte eine tolle Stimmung am Set."

"Anfangs war ich etwas nervös, denn ich mußs den Leuten in der Menge ja vertrauen, dass sie mich wirklich auffangen", gibt Ashley zu. "Aber es hat dann richtig Spaß gemacht. Problematisch war nur, dass ich einen Rock trug - wir mußsten das Ding also mit Klebeband bändigen."

Auch Eugene Levy hechtete persönlich von der Bühne, allerdings zog er es vor, auf einer Sicherheitsmatte zu landen und nicht in der Menge. "Das hört sich nicht besonders furchterregend an, aber auf eine Matte zu springen, ist echt fürchterlich", sagt Levy mit unbewegtem Gesicht. "Ich gehe bei komischen Szenen eher zurückhaltend vor. Die richtig ausgewalzten Turnübungen überlasse ich lieber Leuten, die sich perfekt darauf verstehen. Mein Sprung von der Bühne auf eine große weiche Matte war also die größte Turnübung, die ich seit vielen Jahren absolviert habe."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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