Hellboy

Produktionsnotizen

Vor einem Jahrzehnt beschloss der talentierte und ausgesprochen erfahrene Comicbuch-Künstler Mike Mignola, sich auf ein kreatives Glücksspiel einzulassen und seinen eigenen Impulsen als Geschichtenerzähler zu folgen. "Ich habe es immer genossen, Folklore, Legenden, Geistergeschichten zu lesen - ebenso wie Monster-Comics und okkulte Detektiv-Geschichten", erklärt Mignola. "Also dachte ich mir: Warum sollte ich nicht von einem Monster erzählen, das auf der Seite der Guten gegen andere böse Monster kämpft?"

"Mit HELLBOY erfüllte ich mir den lebenslangen Wunsch, nichts anderes zu machen, als Monster zu zeichnen", fährt Mignola fort. "Zehn Jahre später kann ich mir immer noch nichts Besseres vorstellen."

HELLBOY ist anders als andere Comicbuch-Helden. Mignola gestaltete ihn als "ganz normalen Arbeiterklassetyp", wie er selbst sagt: "Er ist nicht nur unzerstörbar, sondern auch unschuldig und schüchtern. Den Job als Monsterjäger bekam er eher zufällig."

Die erste Miniserie von Mignola hörte auf den Titel "Hellboy - Seed of Destruction", in dem es nach eigenen Aussagen "um Hellboys Heranwachsen geht, um den Moment, in dem er eine Entscheidung treffen mußs, welche Art Mann er sein will". Der Bogen der Handlung beginnt mit Hellboys erstem Erscheinen auf der Erde und folgt ihm auf mehreren Abenteuern, bis es schließlich zur großen Konfrontation mit dem durchtriebenen Rasputin kommt, der Hellboy unbedingt benötigt, um die zerstörerischen Kräfte der Schattenwelt für seine Zwecke auf der Erde entfesseln zu können.

Diese erste Serie war es, die die Aufmerksamkeit und Bewunderung des in Mexiko geborenen Filmemachers Guillermo del Toro erregte, Schöpfer solch ungewöhnlicher Filme wie Blade II (Blade II, 2002), The Devil's Backbone (The Devil's Backbone, 2000) und Cronos (Cronos, 1993), der beim Filmfestival von Cannes den Kritikerpreis gewann und mit neun mexikanischen Filmpreisen ausgezeichnet wurde.

"Was mich sofort an Mikes HELLBOY begeisterte, war die grafische Präsentation. Sie war bestechend und wunderschön. Er ist außerdem ein großartiger Geschichtenerzähler und lässt sich Storys einfallen, die sowohl mythisch als auch ein bisschen schräg sind. Hellboy ist als Figur eine einzigartige Schöpfung - und macht viel Spaß. Er ist sehr stark und zugleich so menschlich und verletzlich." - Guillermo del Toro

Vor einigen Jahren erfuhr del Toro von den Plänen, einen Film nach dem Vorbild von HELLBOY zu machen. Ihm war sofort klar, dass es dafür nur einen richtigen Regisseur gab: ihn selbst. "Ich war richtiggehend süchtig nach dem Comic. Als ich also hörte, dass man einen Film daraus machen wollte, kämpfte ich hart darum, in einen Raum mit den Rechteinhabern zu kommen und mir Gehör zu verschaffen, warum ich der richtige Mann für diesen Film bin", erklärt er.

Schon bei seinen ersten Gesprächen mit den Produzenten Lawrence Gordon und Lloyd Levin wurde del Toros große Leidenschaft für das Material deutlich. "Wir respektierten nicht nur das Talent, das er in seinen bisherigen Filmarbeiten unter Beweis gestellt hatte", sagt Gordon. "Wir waren vor allem begeistert von seinem Verständnis für die Comic-Vorlage und seinem Enthusiasmus. Es war, als wäre er mit dabei gewesen, an der Seite von Mike, jeden Tag, seitdem der den Comic aus der Taufe gehoben hatte."

In der Figur des Hellboy erkannte del Toro einen einzigartigen Superhelden, "der eigentlich ein liebenswerter Underdog ist", wie der Regisseur befindet: "Er ist mit enormer Kraft und als Unsterblicher zur Welt gekommen, aber im Grunde will er in seinem Leben nichts lieber machen, als sich mit einem Sixpack Bier auf der Couch zu entspannen und mit seiner Freundin Football im Fernsehen anzusehen - wie ein ganz normaler Kerl."

Mignola und del Toro kamen sofort blendend miteinander aus, als sie sich das erste Mal trafen. "Mir war sofort klar, dass Guillermo der Einzige wäre, der diesen Film machen konnte", sagt Mignola. "Er bringt seine eigene Persönlichkeit ein. Er gehört zu dieser jüngeren Generation von Filmemachern, die Comics lieben und sie als rechtmäßiges Filmgenre anerkennen."

"Wer die HELLBOY-Comics nicht kennt, wird Spaß daran haben, wie witzig und menschlich sie sind. Der Film macht Laune, die Spezialeffekte sind herausragend und die Action ist beeindruckend, aber schließlich und letztendlich sind die Geschichte und die Figuren mindestens genauso unterhaltsam. HELLBOY ist ein richtiger Film-Film." - Produzent Lloyd Levin

Die "Seed of Destruction"-Geschichten wurden als Grundlage für den Film ausgewählt. Im Drehbuch wurde die Vater-Sohn-Beziehung zwischen Hellboy und seinem Mentor Trevor "Broom" Buttenholm, dem Anführer des Bureau of Paranormal Research and Defense (B.R.P.D.), verstärkt. Die Story wurde um eine Dreiecksliebesgeschichte erweitert. In ihrem Mittelpunkt stehen neben Hellboy dessen pyrokinetische Mitstreiterin und Freundin Liz Sherman und eine neue Figur, der junge FBI-Agent John Myers, der zu Hellboys Rivalen im Kampf um Liz' Zuneigung wird.

"Das ist tolles Seemannsgarn, ein großartiges Action-Abenteuer mit einer großartigen Hauptfigur", meint Produzent Gordon. "Für mich ist die Figur des Hellboy wie John McClane (Bruce Willis) in Die Hard (Stirb langsam, 1988) oder Arnold Schwarzenegger in Predator (Predator, 1987). Er hat denselben Sinn für augenzwinkernden Humor und ist ein herausragender Actiontyp. Und wie in Die Hard oder Predator besitzt auch HELLBOY mit Grigori Rasputin einen sensationellen Bösewicht."

Die Umgestaltung der Geschichte geschah mit vollem Einverständnis von Mike Mignola. "Da gibt es Elemente, die ich im Verlauf der letzten zehn Jahre in kleinen Stücken angedeutet habe. Sie wurden zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Ich sagte: ,Ändert, was ihr wollt!'", erinnert sich Mignola. "Nehmt meine Arbeit und macht euer Ding daraus."

Das Resultat, fährt Mignola fort, sei eine unterhaltsame Mischung: "Der Film existiert in einem Paralleluniversum meines Comics. Der im Wasser lebende Superheld Abe Sapien ist zum Beispiel anders als in der Vorlage. Guillermo verlieh ihm mehr Persönlichkeit und nahm sich auch bei der visuellen Gestaltung Freiheiten. Aber ganz sicherlich entspricht er noch voll und ganz meiner Idee, während beispielsweise das bösartige Monster Sammael durch und durch eine Erfindung von del Toro ist. Wenn bei einem der Höhepunkte Hellboy und Kroenen aufeinander treffen, dann ist es, als würde eine Mignola-Erfindung gegen eine del-Toro-Erfindung kämpfen."

"Ich wollte immer schon einen Monsterfilm drehen. Und hier gibt es verrückte Figuren und fantastische Monster und Kulissen", sagt del Toro. "Um das Publikum in diese Welt einzubinden, mußste ich allerdings einige emotionale Handlungsfäden finden. Einer davon ist die Vater-Sohn-Geschichte mit Professor "Broom" Buttenholm, der Hellboy gerettet hat und ihn wie einen Sohn großgezogen hat. Broom liebt Hellboy, aber er fürchtet auch sein Wesen. Ein weiteres Handlungselement ist Hellboys Liebe zu Liz Sherman, was man als Variation der Geschichte von der Schönen und dem Biest bezeichnen könnte - obwohl in diesem Fall vermutlich das Biest und das Biest zutreffender wäre", berichtet del Toro.

"Ron Perlman ist Hellboy." - Guillermo del Toro

Neben Hellboys dualer Natur, seinem ewigen Balancieren zwischen Gut und Böse, fand del Toro spannend, dass es sich bei ihm um einen Jungen handelt, der im Körper eines Mannes gefangen ist: "Hellboy hat den Körper eines roten, ein halbes Jahrhundert alten Affen, aber das Herz und den Verstand eines jungen Teenagers. Er ist ein sehr verzogen, sehr temperamentvoll und sehr widerspenstig und wild."

Von Anfang an waren Mignola und del Toro einer Meinung, dass es nur einen Schauspieler gab, der ihren Helden wirklich und ehrlich verkörpern konnte. "Wir wussten sofort, dass Ron Perlman ihn spielen sollte", sagt Mignola. "Er hat das Auftreten und die Haltung von Hellboy. Alles, was er macht, strotzt vor dieser Arbeiterklassen-Attitüde, alles schon einmal erlebt zu haben. Und er hat die perfekte Stimme. Kurz nachdem ich Guillermo kennen gelernt hatte, sagt ich zu ihm: ,Und wer soll Deiner Meinung nach Hellboy spielen?' Dann musterten wir uns von oben bis unten, als wollten wir einander abtrotzen, wer es zuerst sagt. Und dann sagten wir gleichzeitig: Ron Perlman."

Während er das Drehbuch schrieb, nahm del Toro Kontakt mit Perlman auf, mit dem er bereits bei Cronos und später Blade II gearbeitet hatte, und erzählte ihm, dass er einen Film nur für ihn schriebe. Perlman fühlte sich geschmeichelt: "Mir gefällt an Hellboy, dass er Monster bekämpft, zugleich aber auch eine sehr sensible Seite hat. He's bad, he's fun, he's fast - er ist ein schlimmer Finger, er macht Spaß, er ist schnell."

Es bedurfte allerdings ein Jahr harte Arbeit und Vorbereitung für Perlman, um Hellboys äußeres Drum und Dran, seine Merkmale für seine gewaltige Kraft und Unzerstörbarkeit, auf die Reihe zu kriegen: "Ich wusste, dass mich sechs Monate erwarten würden, in denen ich auf der Seite des Gesetzes gegen Monster und Dämonen kämpfen mußste - gegen all die großen Typen, die Hellboy zur Strecke bringen mußs. Für die Actionsequenzen waren unglaubliche Energieleistungen zu erbringen, also war mir klar, dass ich tipptopp in Form sein mußste. Ich bin froh, dass ich ein Jahr vor Beginn des Drehs erfuhr, dass ich Hellboy spielen sollte. Fünf-, sechsmal die Woche ging ich ins Fitness-Studio und baute meine Muskelmasse auf. Ich versuchte, so stark zu werden, wie es mir irgend möglich war."

"John Hurt sieht als Broom genauso aus wie die Figur im Comic. Manchmal dachte ich mir, ich mußste wohl ein Foto von Hurt studiert haben, als ich diesen Typen zeichnete. Das war gespenstisch." - Mike Mignola

Professor "Broom" Buttenholm leitet eine Geheimorganisation, das Bureau of Paranormal Research and Defense (B.P.R.D.). "Es wurde von Präsident Roosevelt ins Leben gerufen, um die okkulten Vereinigungen zu bekämpfen, die während des Zweiten Weltkriegs gebildet wurden", erzählt del Toro. "Das ist eine andere Welt als die, die wir kennen. Wie sagt Broom so schön? ,Lass Dich nicht täuschen. Da draußen gibt es Dinge, die in tiefer Nacht zuschlagen. Wir sind die, die zurückschlagen.'"

Broom, Experte für alles Okkulte, war es, der Hellboy rettete und beschloss, ihn wie einen Sohn zu erziehen. "Broom ist der Anker der Geschichte", sagt Produzent Lloyd Levin. "Wir hatten das große Glück, dass wir John Hurt für diese Rolle gewinnen konnten. Er verleiht der Figur den nötigen Ernst. Er ist es, der Hellboy zu verstehen gibt, dass im Leben selbst die merkwürdigste Kreatur einen Sinn hat."

Hurt, den man in Filmklassikern wie Alien (Alien - Das Ding aus einer anderen Welt, 1979) und The Elephant Man (Der Elefantenmensch, 1980) sehen konnte, sagte seine Mitwirkung aus zwei Gründen zu, wie er berichtet: "Guillermo ist ein Regisseur, den ich außerordentlich schätze. Außerdem habe ich in dieser Art von Film noch niemals mitgespielt - ein Fantasystoff mit dem richtigen Anteil an menschlicher Emotion."

"Das Schöne an der Geschichte ist, dass wir Monster einsetzen, um andere Monster zu jagen, die die Menschheit bedrohen. Abe Sapien verfügt über unglaubliche telepathische Kräfte, die es ihm erlauben, die Vergangenheit und die Zukunft zu lesen und die Persönlichkeit anderer Individuen mit Hilfe von Objekten, die sie in Händen hielten, zu erspüren. Liz Sherman hat pyrokinetische Fähigkeiten. Sie kann aus Nichts Feuer zaubern. Wenn sie wirklich wütend wird, sollte man ihr besser aus dem Weg gehen." - Guillermo del Toro

Hellboy ist mit zwei weiteren ungewöhnlichen Wesen aufgewachsen: Abe Sapien und Liz Sherman - beide besitzen ihre eigenen übernatürlichen Kräfte. "Abe Sapien ist ein Wesen, das man als übermenschlich bezeichnen könnte, ein Fischmensch, der über eine außergewöhnlich hohe Intelligenz verfügt", sagt del Toro. "Er vereinigt in sich den Körper eines Schwimmers mit der Stirn eines Delphins und dem Gesicht eines Fisches.."

Als del Toro den Schauspieler Doug Jones, den man aus Men in Black® II (Men in Black II, 2002) und Mimic (Mimic, 1997) kennt, wegen der Rolle des Abe Sapien ansprach, ließ er ihn wissen: "Ach ja, du wirst einen Fisch spielen." Jones zuckte nicht einmal mit der Wimper: "Für mich war das keine Überraschung. Ich habe schon oft Kreaturen gespielt. Zweimal war ich ein Känguruh. Ich war ein Außerirdischer, eine Kakerlake, ein großer Moskito. Ich war im Grunde schon alles, was einen Schwanz hat. Einen Fisch habe ich allerdings noch nie gespielt. Das ist Neuland für mich. Ein Job vom Scheitel bis zur Sohle. Das mag komisch klingen, aber Abe war eine der Kreatur-Rollen meiner Laufbahn, die mir leichter fiel, weil so viel von meinem Körper zum Einsatz kam. Ein paar Teile wurden angeklebt, aber es ist nicht so, dass ich einen riesigen Anzug gesteckt wurde, einen Kopf aufsetzen und "Grrrrr!" machen mußste. Ich fand Abe toll. Er ist der Smarte in der Runde."

Als Liz Sherman sieht Selma Blair normal aus - obwohl das Aussehen in diesem Fall definitiv täuscht. "Liz ist ein Feuerkind, das in seinem Leben eine große Tragödie zu verantworten hat", erläutert Blair. "Als sie ihre Kräfte einsetzte, sind ihre Eltern und viele Menschen in einer benachbarten Stadt ums Leben gekommen. Danach wurde sie unter Aufsicht des Staates gestellt und kam zur B.P.R.D., die sich um die Kontrolle ihrer pyrokinetischen Fähigkeiten kümmerte."

Gemeinsam mit Hellboy, Abe und Broom stellt Liz eine Art zerbrochene Familie dar. "Hellboy ist ihr Trost", sagt Blair. "Er ist ihr ähnlich. Doch da gibt es diese Seite in ihr, die das hasst, denn anders als Hellboy ist sie rein äußerlich ein ganz normales Mädchen. Sie ist also innerlich zerrissen. Wie Hellboy hat sie Angst vor echten Verbindungen, weil sie nicht weiß, wie man sich normal verhält."

Zu Liz' emotionalen Tumulten trägt die Ankunft des attraktiven, jungen FBI-Rekruten John Myers (Rupert Evans) entschieden bei, den sie von Anfang an anziehend findet. "Als Myers in ihr Leben tritt, hat sie zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, dass sie die Möglichkeit hat, eine echte Frau zu sein", fährt Blair fort. "John Myers ist für sie definitiv ein Flirt, der es wert ist."

Diese ohnehin schon entzündbare Situation erhält durch Hellboys Eifersucht zusätzlichen Zündstoff. "Myers ist ausgewählt worden, Hellboys Kompagnon und Begleiter zu sein", merkt Perlman an. "Er bewundert John, empfindet ihn aber auch als Bedrohung für seine Freundschaft mit Liz."

"Rasputin hat über mehrere Zeitalter hinweg Böses über die Erde gebracht. Hellboy ist der Schlüssel zu seinen apokalyptischen Plänen. Er ist das eine Puzzlestück, das Rasputin noch benötigt, um die Hölle auf Erden zu entfesseln." - Guillermo del Toro

"Sammael ist der Bluthund der Wiederauferstehung. Jedes Mal, wenn man ihn tötet, werden zwei neue Sammaels geboren." - Ron Perlman

Del Toro glaubt fest daran, dass die Bösewichte so spannend und faszinierend wie die Helden sein müssen. Deshalb erdachte er Grigori Rasputin (Karel Roden). "Auf seine Art und Weise ist er ein sehr inbrünstiger, sehr religiöser Mann", beschreibt der Regisseur. "Er glaubt wirklich an die Sache, für die er kämpft - nur handelt es sich dabei um die Überzeugung, dass die Erde aufgrund ihrer Fehler und Unreinheit zerstört werden mußs, damit man mit einer neuen Spezies wieder von vorne anfangen kann."

Der bekannte tschechische Schauspieler Karel Roden, der mit Guillermo del Toro bereits an Blade II gearbeitet hat, war nach Ansicht des Filmemachers die ideale Wahl für Rasputin. "Rasputin ist schon viele Male gestorben", beobachtet Roden. "Jedes Mal verliert er mehr von seiner Menschlichkeit. Gleichzeitig wird er aber immer noch mächtiger und gottgleicher - der Gott des Chaos."

Anstatt ihn einfach nur als bösartig zu porträtieren, verfolgte Roden bezüglich seiner Figur eher die Einstellung, "dass er fest davon überzeugt ist, die Welt zu retten. Er mag schlimme Dinge anrichten. Aber aus seiner Perspektive versucht er nur, das Richtige zu tun."

Über die Produktion "Das Publikum wird von der Mächten HELLBOYs beeindruckt sein. Sie sind wirklich immens. Es gibt große Actionsequenzen - und davon viele - und wunderbare visuelle Effekte." - Produzent Lawrence Gordon

HELLBOY-Schöpfer Mike Mignola, der bei Guillermo del Toros vorangegangenem Film Blade II (Blade II, 2002) als visueller Berater gearbeitet hatte, war in völliger Übereinstimmung mit dem gesamten visuellen Gestaltungsplan, den der Regisseur ausgearbeitet hatte, um die Geschichte seines Helden auf die Leinwand zu bringen. "Meine Kunst ist sehr grafisch. Man müsste annehmen, dass es Grenzen dafür gibt, wie viel man davon tatsächlich umsetzen kann", überlegt Mignola. "Aber Guillermo hat das HELLBOY-Feeling perfekt eingefangen. Dafür mußste er gewisse Regeln etablieren, er mußste den verschiedenen Figuren und Designelementen gewisse Formen und Farben zuordnen. Es ist eine ausgesprochen kontrollierte Atmosphäre."

Del Toro erinnert sich, dass Mignola jedes Mal, wenn er ihm ein neues Set zeigte, sagte, "Das sieht ja so aus, als hätte ich es gezeichnet.' Und wenn er das sagte, war ich immer ungemein glücklich. Denn das Interessante daran ist, dass es auch jedes Mal wie etwas aussah, das ich hätte gefilmt haben können. Und das tat ich dann auch", lacht er. "Es gibt sehr viele Bilder, die an den Comic erinnern. Aber ich wollte nicht einfach nur eine Kopie abliefern, weil ein Film für sich alleine stehen mußs. Ich betrachte ihn eher als ein eigenes Projekt, das von einem Comic inspiriert wurde."

Mignola lobte del Toro nicht nur für seinen Ansatz bei HELLBOY. Tatsächlich ließ er sich selbst von dem, was er beim Dreh sah, aufs Neue inspirieren. "Eines Tages sah sich Mike eine Szene mit Hellboy an, und er bat darum, sie noch einmal sehen zu dürfen", erinnert sich Produzent Lloyd Levin. "Nachdem er sie eine Weile studiert hatte, sagte er: ,Das mußs ich mir merken. Genauso mußs ich ihn zeichnen.' Das war ein großes Lob für uns und die Bestätigung, dass es Guillermo gelungen war, Mikes zeichnerische Sensibilität auf Zelluloid einzufangen."

Mignola fügt hinzu: "Manche Comic-Verfilmungen spielen das Comic-Element herunter - für HELLBOY wurde es noch einmal gesteigert. Man nutzte alle Vorzüge der visuellen Gestaltung und Action, wie man sie aus Comic-Heften kennt."

Für die Produktion versammelte del Toro viele der begabten Künstler, die ihm bereits in der Vergangenheit geholfen hatten, seine Vision bei Filmen wie Blade II (Blade II, 2002) und The Devil's Backbone (The Devil's Backbone, 2000) zu realisieren. Mit einigen der kreativen Handwerksleute arbeitete er allerdings auch zum ersten Mal zusammen.

Das erklärte Ziel war es, die individuellen Beiträge zu koordinieren und die Essenz und Einheitlichkeit von Mike Mignolas Comic-Sensibilität auf Zelluloid zu bannen. Dieses Mandat lässt sich deutlich in der Ausstattung von Stephen Scott ablesen. Er benutzte Mignolas Comics als Ausgangspunkt, sondern verstärkte die Wirkung noch, indem er Elemente der gotischen Umgebung des Drehorts Prag in die Designs adaptierte. "Das Bemerkenswerte an dem Setdesign", merkt Levin an, "ist seine feine Balance. Obwohl der Film starke Fantasieelemente besitzt, soll es so realistisch wie möglich wirken und die gotischen Einflüsse von Prag haben definitiv das Gesamtdesign beeinflusst."

Das Produktionsdesign unterstrich del Toros Vision und hatte sogar Auswirkungen auf die Leistungen der Darsteller, wie Levin bestätigte: "Ich glaube, es durchdrang ihre Arbeit, weil sie sich in einem so realen Umfeld bewegten; es war manchmal gar nicht so einfach, keine Gänsehaut zu bekommen."

"Unser Ziel war es von Anfang an, den richtigen Ton zu treffen", sagt er. "Da sich die Action des Films auf einer betont unrealistischen Ebene abspielt, mußsten wir auch das richtige Level für den Look des Films finden, ein wenig jenseits der Realität. Dazu arbeitete man eng mit der Spezialeffekt-Abteilung zusammen."

Die Comicbücher dienten Scott als Vorlage, erklärt Levin: "Von ihnen ausgehend, entwickelten wir Sets, in die wir Bilder aus den Comics eingearbeitet haben. Zudem wurde ihr Farbschema berücksichtigt: Schwarz und Braun, Schwarz und Grau mit einem Stich Lila und Grün. Auf diese Weise sticht der knallrote Hellboy noch mehr hervor."

Levin sagt zudem, dass sich Scott stets von den Drehorten selbst stimulieren ließ. "Prag ist voll von unglaublicher Architektur. Es ist unmöglich, sich davon nicht in den eigenen Designs beeinflussen zu lassen, speziell bei einem Film wie diesem", meint Scott. "Weitere Recherchen umfassten das Studium von Büchern über Friedhöfe, unterirdische Höhlen und indianische Architektur, die Scott viele Einfälle für die Farbgebung und Formen gaben. Außerdem las der Ausstatter Texte über neo-ägyptische Architektur und übernahm die darin als "Abblättern, Verbleichen, Befeuchten und Verwesen" beschriebenen Techniken für seine Sets.

Eine von Scotts interessanten Herausforderungen war es, in einer Prager Studiohalle einen Abschnitt des New Yorker U-Bahn-Systems nachzubauen. Zur Vorbereitung reiste er nach New York "und verbrachte unendlich viel Zeit damit, von einer U-Bahn-Haltestelle zur nächsten zu reisen und alles Mögliche auszumessen. Die Menschen müssen gedacht haben, dass ich völlig verrückt bin, weil ich in voll besetzten U-Bahnen Fotos machte, Werbetafeln und den Durchmesser der Haltegriffe- und schlaufen ausmaß."

Jeder, der schon einmal in New York war, wird bestätigen können, dass einen Graffiti vor allem in den U-Bahnen auf Schritt und Tritt verfolgen. "Zum Glück fand ich einen tschechischen Jungen, dessen Hobby Graffitisprühen ist", lacht Scott. "Ich schickte ihn sofort an die Arbeit."

Bei der Ausgestaltung seines Designschemas erhielt Scott Unterstützung durch del Toros Können, seine Absichten in Form von Skizzen auf Papier auszudrücken. "Guillermo ist sehr geschickt mit dem Bleistift, was mir ungemein weiterhalf." Dazu kommen noch die kompliziert gebauten Katakomben in dem Film, die auf einer Idee von Mignola basieren und noch im Verlauf der Vorproduktion entwickelt wurden.

Bevor er sich an die Aufgabe machte, Sets in voller Größe zu errichten - was insgesamt zwei Monate Konstruktion in Anspruch nahm - oder Außenlocations zu verändern, damit sie seinem Konzept entsprachen, machte Scott Skizzen und baute Modelle. "Ein Modell erzählt immer viele Geschichten. Es bringt die Größe rüber und ermöglicht es einem, das Set dreidimensional zu betrachten", berichtet er. "Außerdem hatten wir eine Minikamera, die mit einem Fernsehmonitor verbunden war. Sie erlaubte es uns, durch das Model zu spazieren, als befänden wir uns tatsächlich am Set. So erhielten der Regisseur und der Kameramann eine Vorstellung davon, welche Einstellungen möglich waren."

Als Kameramann, sagt Guillermo Navarro, sei er immer auf der Suche nach Geschichten, die es ihm erlaubten, die visuelle Welt, in der die jeweilige Geschichte stattfindet, zu erforschen und mit ihr zu experimentieren. HELLBOY, das seine dritte Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro markiert, entsprach diesen Auswahlkriterien perfekt. "Das ist ein extrem visueller Stoff", sagt er. "Die Ästhetik tritt sehr stark hervor, weil Guillermo eine so außergewöhnliche Fantasie hat."

Navarro und del Toro entschieden sich für einen sorgfältig ausgeleuchteten Look, der auf einer peinlichst genau selektierten Farbpalette basierte. "Für Nachtszenen wählten wir beispielsweise ein betont urbanes gelbes Licht", beschreibt Navarro. Der Grund für diese auffällige Farbe war Teil des Gesamtkonzepts, den Film auf halbem Weg zwischen Fantasie und Realität anzusiedeln. "Die Nächte sind sehr gelb, weil eine Vielzahl der Aufnahmen bei Nacht oder auf extra gebauten Sets spielt. 90 Prozent des Films finden in einem künstlich ausgeleuchteten Umfeld statt."

Außerdem wurde die Beleuchtung so ausgewählt, erzählt Navarro, dass sie mit dem Make-up übereinstimmte. "Hellboys Gesicht wird von Schatten und Licht geformt und es spielte eine entscheidende Rolle dabei, seine Persönlichkeit zu definieren."

Um sowohl die Action als auch die emotionalen Aspekte des Films einzufangen, sagt Navarro, "kommen viele verschiedenartige Kamerabewegungen zum Einsatz, um die unterschiedlichen Elemente rüberzubringen. Wir benutzten Steadicams, Technokräne und Hotheads."

Kostümdesignerin Wendy Partridge, die ebenfalls zum wiederholten Male mit dem Regisseur arbeitete, holte sich ihr Stichwort zum Einsatz direkt bei del Toro ab. Und der hielt sie ganz schön auf Trab. "Wenn man mit Guillermo arbeitet, dann ist das, als würde man mit einem Achtjährigen arbeiten", merkt sie an. "Seine Energie ist maß- und seine Fantasie grenzenlos. Aus heiterem Himmel lässt er sich völlig absurde Dinge einfallen."

Eine der Hauptzielsetzungen von Partridge war es, den ursprünglichen Ideen von Mike Mignola gerecht zu werden. "Allein den richtigen Mantel für Hellboy zu finden, war eine gewaltige Herausforderung. Macht man den aus Stoff? Aus Leder? Er hat Schöße, die sich bewegen, was bedeutet, dass man all die Drähte in dem Kostüm ebenfalls verstecken mußs. Und weil er von Gebäuden und Mauern herunterspringt, weiß man, dass seine Kostüme zerrissen werden, was uns hinsichtlich der Kontinuität vor einige größere Aufgaben stellt."

Nicht nur mit dem Produktionsdesigner und dem Kameramann arbeitete Partridge eng zusammen, auch mit der Prothesenabteilung stand sie in ständigem Kontakt. "Bei einem durchschnittlichen Film ist eine enge Zusammenarbeit unerlässlich. Bei diesem Projekt traf das erst recht zu", sagt sie. Bei der Kostümierung des Wasserwesens Abe Sapien arbeitete sie Hand in Hand mit Spectral Motion, um sicherzustellen, dass sich das Kostüm wie gewünscht um die von der Firma entworfenen Flossen legte, die aus dem Rücken und den Beinen der Figur herausragen. Sapien hat zudem ein mit Drähten befestigtes mechanisches Atemgerät, das in ihren Designs verborgen werden mußste. Zum Glück befanden sich die Räume für die Kostümabteilung und die Prothesenabteilung unmittelbar gegenüber voneinander. "So konnten wir für Anproben hin und her laufen und sicherstellen, dass alle Dinge zusammenpassten und funktionierten. Letztendlich war sein Kostüm nicht nur praktisch, sondern sah auch cool aus."

Partridge begann mit ihrer Arbeit in Kanada, wo der Großteil der grundlegenden Garderobe hergestellt wurde. Für Anproben mußste sie immer dahin fliegen, wo der entsprechende Schauspieler wohnte. Zwei Wochen vor Produktionsbeginn zog sie nach Prag um und errichtete dort mit einer tschechischen Crew einen Laden, um die restliche Garderobe fertig zu stellen. Weil der Film in der heutigen Zeit spielt, hätte sie manches direkt im Laden kaufen können. Doch es waren deutlich weniger Kostüme, als sie sich anfangs ausgemalt hatte: "Ich kaufte solche Sachen wie die Anzüge für die FBI-Jungs ein, aber John Hurts Garderobe ist beispielsweise komplett von Hand gefertigt. Er soll in der Gegenwart exakt dasselbe tragen wie in den 40er Jahren als jüngerer Mann beim FBI. Damit wollten wir unterstreichen, dass er sich niemals geändert hat. Seine Garderobe hatte regelrecht dieses "das gehört einem alten Mann"-Aussehen an sich."

Für die Garderobe von Selma Blairs "eklektischer und schöngeistiger" Liz Sherman fand Partridge einige Stücke von der Stange. "Aber Selma ist zierlich, und was am besten an ihr aussah, waren Stücke, die es nicht in mehrfacher Ausführung gab - und wir benötigten von jedem Kleidungsstück mindestens sechs bis acht Exemplare. Also kamen wir nicht darum herum, das meiste davon selbst herzustellen. Das sah an ihr nicht nur besser aus, sondern war auch einfacher, als endlos in Läden danach zu suchen."

Eine Sequenz, die die Fantasie der Kostümdesignerin bis an die Grenzen belastete, war die Halloween-Szene auf den Straßen von New York. Sie durfte dabei die Farbe Rot nicht verwenden (Rot ist weitgehend - aber nicht exklusiv - für Hellboy reserviert). Weil es sich um eine Nachtsequenz handelte, schied auch Weiß als Farbe aus. "Selbst unsere Geister mußste ich in schmutziges Grau stecken. Natürlich machte es Spaß, all diese kleinen Kinder einzukleiden. Aber sich 500 oder 600 Kostüme einfallen zu lassen und sich dabei nicht zu wiederholen, war ein harter Brocken Arbeit."

Partridges engster Partner war dabei Mike Elizalde von Spectral Motion. Zu seinen anstrengendsten Aufgaben gehörte die Konstruktion des Bodysuits für die Figur des Sammael, Hellboys Gegenspieler. 15 Mitglieder einer Crew, die insgesamt 30 Leute umfasst, arbeiteten Hand in Hand geschlagene sechs Monate daran.

"Wir bauten sechs verschiedene Anzüge für Sammael, einige davon für die Stuntleute", erzählt Elizalde. "Auf der Außenseite bestehen sie aus Schaumgummi, innen werden sie von einem stabilen Gerüst in Form gehalten. Dort finden sich auch die Batterien, mit denen wir Sammaels Kopf und Fühler bewegen können."

Für die Stuntsequenzen entwarf Elizalde Stuntköpfe für Sammael, deren Funktionen maximal eingeschränkt wurden ("im Grunde ließ sich nur ein einzelnes Auge bewegen"): "Sie hielten verdammt viel aus, aber waren immer noch leicht genug, dass die Stuntleute nicht von ihnen verletzt werden konnten. Wir machten sie aus einem leichtem Polyschaumstoff, der recht großer Belastung Stand hält, ohne dass jemand verletzt oder der Kopf zerdrückt wird." Außerdem wurden Stuntarme hergestellt, die leicht und weich genug waren, dass die Stuntleute durch die Luft fliegen und unbeschadet gegen Wände krachen konnten.

Das Hauptkostüm wurde von Sammael-Darsteller Brian Steele getragen. Es war wesentlich komplexer und natürlich auch schwerer. Es wog insgesamt knapp 30 Kilo. "Wenn er erstmal im Anzug drin steckte, trug Brian es mit Ausnahme kurzer Pausen den ganzen Tag über. Er schwitzte darin wie verrückt", erinnert sich Elizalde. "Er konnte ziemlich viel wegstecken."

Der Kopf von Sammael war multifunktional. Er hatte Membranen, die sich öffnen und schließen, Augen mit Pupillen, die sich erweitern ließen, Nasenflügel, die beben konnten, und eine dreigeteilte Zunge, mit der die Figur Objekte ergreifen und Gift spucken konnte. Komplexer ausgearbeitete Arme kamen bei Großaufnahmen zum Einsatz, wenn del Toro von Sammael verlangte, dass er auch seine Finger bewegte - was via Fernbedienung bewerkstelligt wurde. "Neben Brian im Anzug", sagt Elizalde, "hatten wir drei weitere Puppenspieler, die die Kreatur bedienten und dafür sorgten, dass er schleimig und nass und ekelhaft aussah."

Die feinen Nuancen von Ron Perlmans Darstellung täuschen ein wenig über das peinlichst genaue Auftragen mehrerer Schichten von Make-up hinweg, dem sich der Schauspieler in einem täglichen Ritual ab vier Uhr morgens aussetzte. "Ich finde es absolut erstaunlich, wie subtil die Darstellung von Ron ist und wie er selbst durch das dicke Make-up hindurch wirkt", merkt Produzent Levin an. "Man sieht da diese unglaubliche Figur. Er ist rot. Er hat Hörner. Er ist riesig. Er hat gewaltige Zähne. Und trotzdem hat man nie den Eindruck, auf eine Maske zu blicken. Er ist eine lebendes, atmendes Wesen, das seinen Gefühlen Ausdruck verleiht - direkt vor unseren Augen."

"Mir hat es schon immer gefallen, unter Make-up zu spielen", gesteht Perlman. "Das reicht zurück bis zu meinem ersten Film, Quest for Fire (Am Anfang war das Feuer), damals im Jahr 1980. Das ist wie Alchemie. Man bringt dieses Zeug in deinem Gesicht an, das völlig leblos ist. In dem Moment, in dem es angebracht ist, erwacht es zu Leben. Hellboy mag groß und wild aussehen, aber seine weicheren, menschlicheren Seiten kommen immer durch."

Trotz seiner jahrelangen Erfahrungen mit dem Tragen von extensivem Make-up gesteht Perlman, dass er sich als Hellboy auf einige Einzelheiten in seinem Ganzkörper-Kostüm besonders einstellen mußste. Vor allem der eine steinerne Arm bereitete ihm Schwierigkeiten: "Wie mein Schwanz wurde mein Arm von einer Fernbedienung aus gesteuert. Also konnte ich nichts über die Darstellung von Schwanz und Arm sagen, bis ich den fertigen Film sah."

Das Schminken dauerte täglich etwa vier Stunden, verrät Make-up-Künstler Jake Garber. Darin eingerechnet sind eine Frühstückspause für die Garderobe und das Einsetzen der Kontaktlinsen durch einen Linsenexperten. "Ron trug vier schaumgummiartige Tech-Applikationen", merkt Garber an. "Nach einer Vorbereitung, um seine Haut zu schützen, brachten wir das erste Stück an, das Hals- und Bruststück, das ihn umschloss und von seinem Kiefer hinunter zu seinem Schlüsselbein angeklebt wurde. Das Stück reichte bis zu seinen Brustmuskeln und hing dort lose herunter, damit man es anheben konnte, wenn man den Muskelanzug anlegte. Danach kam die Schädelkappe, auf der die Hörner angebracht waren. Dann folgte als Letztes das Gesichtsstück, das mit Ausnahme der unteren Lippe alles bedeckte."

Nach der Garderobe setzte Perlman seine Kontaktlinsen ein. Danach wurde die untere Lippe justiert. "Zum Schluss setzte ich ihm die Zähne ein", sagt Garber. Als der Vorgang abgeschlossen war, waren nur noch die Augenlider die echten des Schauspielers.

Auch die Logistik für den Stuntkoordinator Monty Simons bedurfte intensiver Vorbereitung, was auch daran lag, dass es del Toros Wunsch war, die Action so real wie möglich aussehen zu lassen und am Set zu drehen, anstatt sie erst nachträglich mit Computergrafiken einzufügen. "CGI ist in diesem Film eher die Interpunktion, aber nicht der eigentliche Satz", bestätigt Perlman. "Die dreidimensionale Welt wird hier von CGI unterstützt und erweitert."

Wie es schon bei Elizalde der Fall gewesen war, wurde auch Simons bei der Arbeit mit der Figur des Sammael vor die größten Herausforderungen gestellt: "Man mußs einen Anzug anlegen, der knapp 30 Kilo schwer ist. Er ist sehr elastisch, aber dennoch hat man immer noch einen Stuntman, der all dieses Gewicht bei sehr komplizierten Kampfszenen mit sich herumschleppen und dennoch Markierungen treffen mußs - ohne in der Lage zu sein, wirklich etwas zu sehen."

Monate vor Beginn der Produktion mietete Simons eine Studiohalle an und baute Flugsysteme, um herauszufinden, was er alles mit Hellboy und Sammael anstellen könnte. Die Flugsysteme wurden mit acht speziellen Geschirren für die beiden Figuren ausgestattet, die von Hand angepasst und abgemessen werden mußsten. Zudem mußsten sie so genannte "pick points" besitzen - unterschiedliche Punkte, an denen man die Kabel an die Geschirre anbringen konnte, da Simons nicht wusste, wie die Männer sich später in ihren Kostümen ausbalancieren würden, wenn sie erst einmal in der Luft hingen. "Wir verbrachten allein fünf Tage damit, sie vom Boden zu heben und herauszufinden, ob sie umkippten oder auf ihre Hände oder Füße fielen und wie sie reagierten, wenn man sie aus großer Distanz hochzog", sagt Simons. "In dieser Woche lernten wir sehr viel. Das war äußerst ermutigend, weil man - unglaublich aber wahr - jede Menge mit den Jungs in dem Sammael-Anzug anstellen konnte."

Bedenken hatte man wegen Hellboys riesiger Faust aus Zement. Simons hatte Angst, sie würde die Figur nicht nur schwerer machen, sondern auch ihren Schwerpunkt in einem Maß verändern, dass er völlig außer Balance geraten könnte, wenn er erst einmal am Geschirr aufgehängt werden würde. Dieses potenzielle Problem wurde im Keim erstickt, indem man einige leichtere Fäuste für die Flugszenen entwarf.

Simons harte Arbeit zahlte sich aus in Form der fabelhaft aufregenden Kampfszene zwischen Sammael und Hellboy in einer U-Bahn-Haltestelle sowie der Verfolgungsjagd an Halloween, die fast komplett live am Set gedreht wurden.

Simons studierte auch alle Schauspieler während der Proben, bevor er sich festlegte, wann und ob ein Stuntdouble von Nöten sein würde. "Ich beobachte sie, wie sie am Set hin und her gehen, um ihre Koordination zu studieren und herauszufinden, inwiefern sie ihren Mann stehen können, wenn es zu den Actionszenen kommt. Da mußs man blitzschnell denken und unter großem Druck reagieren", sagt er. "Wenn ich das alles verinnerlicht habe, gehe ich jede einzelne Sequenz durch, Stunt für Stunt, und überlege, wie weit sie gehen können und ab welchem Zeitpunkt ihre Arbeit beendet ist und die Arbeit der Stuntleute beginnt."

Die Unterwasser-Sequenzen mit Abe Sapien, gespielt von Doug Jones, entstanden als Kombination aus Spezialeffekten und Stuntkoordination. "Da Abe so viel Zeit unter Wasser verbringt, rechnete es sich nicht, diese Szenen vor Ort zu drehen. Ein paar Sekunden Film hätten mehrere Wochen Drehzeit in Anspruch genommen", sagt Simons. "Allerdings gab es einige Szenen, in denen wir Doug kopfüber herunterhängen ließen und ihn aus dieser Perspektive filmten: Es sah nur so aus, als befände er sich in einem Aquarium. Tatsächlich befindet er hinter einem Doppelglas, in dessen Zwischenraum sich Wasser befand."

Dem SFX-Leiter Nick Allder fiel die Aufgabe zu, einige der gewagtesten mechanischen Stunts am Set zu realisieren. Dazu zählte auch das Kunststück, einen Jeep Cherokee in die Höhe schnellen, einen dreifachen Salto machen und ihn dann auf den Boden stürzen zu lassen. "Das hat zuvor noch nie jemand gemacht. Es war also eine ganz ordentliche Herausforderung", sagt Allder.

Dieses Kunststück gelang mit der Hilfe von Kabeln und einem großen Nitrogen-Zylinder. "Man sieht, wie Hellboy auf das Auto zugeht und dann mit der Faust auf die Motorhaube schlägt. Durch die Wucht schnellt das Auto in die Höhe und bleibt förmlich in der Luft stehen. Dann schlägt es über ihm seine Salti und kracht hinter ihm zu Boden. Das war sehr realistisch."

Für die Action, die sich nicht vor Ort am Set abwickeln ließ, zeichnete der Leiter der Visuellen-Effekte-Abteilung Edward Irastorza verantwortlich. Seine Arbeit umfasste digitalisierte Bilder ebenso wie die Arbeit mit Miniaturen. "Wir haben eine digitale Brücke, die von einem riesigen Pendel zertrümmert wird. Diese Effekte wurden von dem Effekthaus The Orphanage hergestellt", erzählt Irastorza. "Wenn man Abe Sapien schwimmen sieht, dann handelt sich das um einen digitalen Effekt des Tippett Studios. Wenn Sammael sich etwas schneller als im Spaziertempo bewegt, dann kann man davon ausgehen, dass es sich um einen digitalen Figureneffekt handelt."

Insgesamt gibt es in HELLBOY etwa 900 Effekte zu bewundern, schätzt Irastorza. Allein in der Eröffnungssequenz in den Ruinen der Abtei kommen 95 Effektaufnahmen zum Einsatz, die meisten davon wurden auf die gigantische Maschine verwandt, die das Baby Hellboy zur Erde transportiert. Ein Jahr, bevor die Produktion begann, legte Irastorza mit ersten visuellen Animatiken los, eine Rohform von Animation, um das Timing für jede einzelne Sequenz festzulegen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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