Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Produktionsnotizen

DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING wurde von Drehbuchautorin Olivia Hetreed nach dem weltberühmten Bestseller von Tracy Chevalier für die Leinwand adaptiert. Die Stars des Films sind Colin Firth als Vermeer, Scarlett Johansson als Griet und Tom Wilkinson in der Rolle des Van Ruijven. Der Film markiert das Leinwanddebüt von Regisseur Peter Webber. Andy Paterson (HILARY & JACKIE ("Hilary & Jackie", 1998), RESTORATION ("Restoration - Zeit der Sinnlichkeit", 1995)) und Anand Tucker (Regisseur von HILARY & JACKIE) produzierten für Archer Street und Inside Track. Jimmy de Brabant zeichnet als Ko-Produzent für die Luxemburger Delux Productions verantwortlich.

Colin Firth spielte in über vierzig Filmen einschließlich BRIDGET JONES´S DIARY ("Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück", 2001), SHAKESPEARE IN LOVE ("Shakespeare in Love", 1998), THE ENGLISH PATIENT ("Der englische Patient", 1996), VALMONT ("Valmont", 1989) und PRIDE AND PREJUDICE ("Stolz und Vorurteil", 1995). Zuletzt war er an der Seite von Hugh Grant, Emma Thompson und Liam Neeson in Richard Curtis´ romantischer Komödie LOVE ACTUALLY ("Tatsächlich ... Liebe", 2003) zu sehen. Außerdem schloss er die Produktion des Psychothrillers TRAUMA (2004) mit Mena Suvari und das lang erwartete Sequel BRIDGET JONES: THE EDGE OF REASON (2004) ab.

Scarlett Johansson gehört zu den aufregendsten Nachwuchsschauspielerinnen Amerikas. Im Alter von zwölf Jahren von Robert Redford in THE HORSE WHISPERER ("Der Pferdeflüsterer", 1998) besetzt, spielte sie anschließend in GHOST WORLD ("Ghost World", 2000) und THE MAN WHO WASN´T THERE ("The Man Who Wasn´t There", 2001). Neben Bill Murray in Sofia Coppolas Überraschungserfolg LOST IN TRANSLATION ("Lost in Translation") wurde sie Anfang des Jahres endgültig zum Star: Der Film wurde mit dem Oscar® für das Beste Drehbuch und mit zahlreichen Kritikerpreisen bedacht und brachte Johansson unter anderem den Preis als Beste Schauspielerin beim Filmfestival von Venedig, den BAFTA und den Golden Globe ein. Zu dem starken Ensemble von DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING gehören außerdem der für den Oscar® nominierte Tom Wilkinson (IN THE BEDROOM, "In the Bedroom", 2001)), Judy Parfitt ("E.R."), Cillian Murphy (28 DAYS LATER, "28 Days Later", 2002)) und Alakina Mann (THE OTHERS, "The Others", 2001)).

Peter Webber inszenierte unlängst zwei von den Kritikern vielfach gelobte TV-Dramen, "Men Only" und "The Stretford Wives". Die Produzenten Andy Paterson und Anand Tucker arbeiten seit vielen Jahren mit Webber zusammen. Der für den Oscar® nominierte Kameramann Eduardo Serra (THE WINGS OF THE DOVE ("Die Flügel der Taube", 1997), Ausstatter Ben van Os (ORLANDO ("Orlando", 1992) und die oscar®-gekrönte Maskenbildnerin Jenny Shircore (ELIZABETH ("Elizabeth", 1998)) runden den prestigeträchtigen technischen Stab ab.

Tracy Chevaliers berühmter Roman DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING hat sich seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1999 weltweit über zwei Millionen Mal verkauft.

Von der Schrift zum Bild Produzent Andy Paterson und seine Frau, Drehbuchautorin Olivia Hetreed, lasen das Manuskript von DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING einige Monate bevor der Roman veröffentlicht wurde. "Ein außergewöhnlicher Stoff. Ich las ihn in einem Zug, beinahe ohne Atem zu holen", schwärmt Hetreed. Paterson bestätigt: "Ich habe mich in Griet verliebt - in ihre ruhige Besonnenheit, ihren Entschluss, frei zu sein - in einer Welt, in der dies für ein Mädchen ihrer Herkunft eigentlich unmöglich war. Der häusliche Frieden ist trügerisch. Ich sah darin von Anfang an einen Leinwandthriller. Und ich liebe die Art und Weise, mit der Tracy die wenigen bekannten Fakten über Vermeer verknüpft und eine perfekte Story über das Mädchen gesponnen hat, das das Gemälde inspiriert hat."

Paterson und sein Produzenten-Partner Anand Tucker - Regisseur von Archer Streets Oscar®-nominiertem HILARY & JACKIE ("Hilary & Jackie", 1998) - machten sich sofort daran, Schriftstellerin Tracy Chevalier zu überzeugen, die Filmrechte zu verkaufen. Obwohl niemand vorhersehen konnte, was für ein weltweiter Erfolg aus dem Roman werden sollte, hatten bereits andere Produzenten Interesse angemeldet. "Andy Paterson und Anand Tucker machten ihren Job ziemlich gut", erinnert sich Chevalier. "Sie überzeugten mich, dass sie den Geist des Romans auf die Leinwand übertragen könnten."

"Tracy war besorgt, dass der Film zu einem Hollywood-Melodrama werden könnte", merkt Paterson an, "aber wir konnten ihr versichern, dass wir genau die Geschichte wiedergeben wollten, die sie geschrieben hatte. Insbesondere was den Aspekt angeht, dass Griet und Vermeer nicht ihren körperlichen Sehnsüchten nachgeben - uns war klar, dass die erotische Kraft der Story eben darin lag, dass es nicht dazu kommt."

Hetreed erarbeitete mit den Produzenten ein Treatment für das Drehbuch. "Das Buch ist so visuell, so cinematogaphisch - eine Story, in der es ständig um das Sehen und Malen geht, um Illusion und Realität. Obwohl die Stimme des Romans aus Griets Kopf spricht", erklärt Hetreed, "wollte ich kein Voice-Over verwenden. Das fühlte sich zu modern an, zu selbstbewusst. Die Herausforderung lag darin, einen anderen Weg zu finden, mit dem die innere Stimme Griets auf die Leinwand gebracht werden konnte." Hetreed und Tracy Chevalier verstanden sich von Anfang an hervorragend. "Wir wurden elektronische Brief-Freunde", so Hetreed. "Für mich ist Tracy die ideale Autorin, sie gab mir einen Einblick in ihre Recherchen und war sehr zuversichtlich hinsichtlich der Adaption ihres Werks. Bei allem hielt sie sich stets zurück und gewährte mir freie Hand." In Chevaliers Augen "verstand Olivia genau, was ich sagen wollte, und war in der Lage, die Themen noch weiter zu spinnen, als ich sie formuliert hatte. Sie schrieb einiges in das Drehbuch, von dem ich mir wünschte, dass es mir eingefallen wäre." Ihre Freundschaft wurde während der Post-Produktion des Films so eng, dass beide gemeinsam zum Banff Television Festival reisten, um ein Seminar über Adaptionen zu leiten. Beide Autoren fühlten sich, als "könnten sie die Gedanken des anderen lesen."

Die Inspiration Das Original-Gemälde "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" ist in Den Haag in Holland zu bewundern. Es soll im Jahr 1665/6 entstanden sein, doch der genaue Ursprung ist unbekannt. Tracy Chevalier besaß ein Poster des Kunstwerks, das in ihrem Schlafzimmer hing als sie 19 war. "Ich lag eines Morgens in meinem Bett, betrachte das Gesicht des Mädchens und dachte plötzlich: ´Was hat Vermeer nur getan, um sie zur selben Zeit so glücklich und traurig aussehen zu lassen?´ Innerhalb von drei Tagen hatte ich die gesamte Story ausgearbeitet. Es war gar nicht anstrengend, ich konnte alles in ihrem Gesicht sehen. Vermeer hatte die ganze Arbeit bereits für mich gemacht."

Paterson erklärt: "Die Story, die Tracy geschaffen hat, passt perfekt zu den wenigen Fakten, die aus Vermeers Welt bekannt sind; über seine Familie und seine finanzielle Situation; über seine Abhängigkeit von seinem Gönner, über seine Faszination für die camera obscura. Ein schönes Beispiel dafür, wie sie diese Fakten verarbeitete, ist die Sequenz, in der Griet ihren Stuhl verrückt. Röntgenaufnahmen zeigen, dass es tatsächlich einen Stuhl im Bild ´Das Mädchen mit der Wasserkanne am Fenster´ gab, aber Vermeer hat diesen übermalt. Tracy greift dies auf, um Griets Charakter eine weitere Facette zu verleihen und die Beziehung zu Vermeer voranzutreiben. So ist der Roman natürlich Fiktion, aber er fühlt sich authentisch an. Ich unterhielt mich mit wichtigen Kunstexperten, die heute über Griet sprechen, als hätte sie wirklich existiert - mehr Lob kann es für Tracys Arbeit gar nicht geben. Als wir auf die Mauritshuis zugingen, die Besitzer des Gemäldes, boten sie uns ihre Unterstützung an und waren natürlich begeistert, dass Scarlett das Mädchen auf dem Bild spielen würde."

Der Regisseur Die Produzenten baten Peter Webber, die Regie zu übernehmen. Paterson erklärt: "Obwohl dies Peters Kinodebüt ist, arbeiten wir schon seit einigen Jahren mit ihm zusammen. Zuerst schnitt er Anand Tuckers erstes Drama SAINT-EX (1996), dann war er Regisseur von Dokumentarfilmen und beschäftigte sich mit den unterschiedlichsten Themen von Crash-Test-Dummys bis Wagner. Sein erster dramatischer Spielfilm war der kontrovers diskutierte "Men Only" für Channel Four, der den Absturz einer Gruppe von Hooligans in die Kriminalität beschreibt. "Peter wollte schon immer Filme machen", so Paterson. "Sein filmisches Wissen ist beneidenswert, und Colin, Scarlett und Tom Wilkinson zögerten nicht einen Moment bei der Entscheidung für die Zusammenarbeit mit ihm. Peter, Olivia und ich haben alle drei im Schneideraum begonnen und teilen die Begeisterung für das Geschichtenerzählen im Film."

Für Webber, der Kunstgeschichte studiert hatte und schon immer von Vermeer begeistert war, enthält die Geschichte alle essentiellen Elemente des Dramas - Geld, Sex und Macht. Er sagt: "Vermeer lebte in einem Haushalt, der laut war und chaotisch. Er stand unter großem finanziellen Druck, mehr und schneller zu malen, um seine Familie ernähren zu können. Dennoch strahlen seine Gemälde eine solche Ruhe aus. Ich war begeistert, wie Tracys Geschichte seine Arbeit reflektierte, mit welcher Nähe und welchem Verständnis sie das Ganze zu einem epischen Werk werden ließ. Griets Situation zerreißt einem das Herz. Die unterdrückte romantische Leidenschaft, die zwischen ihr und Vermeer besteht, inspiriert ihn dazu, sie zu malen - doch der Wunsch nach der Perfektion dieses Gemäldes führt zu ihrem Untergang. Sie weiß, dass sie keine Forderungen stellen darf, versteht, dass ihre Beziehung geopfert werden mußs, wenn die Wahl zwischen sie und ein Meisterwerk gestellt wird. Dieses Verständnis ist das, was ihn von Anfang an an ihr fasziniert. Das Vermächtnis ihrer Zeit mit Vermeer ist eines der schönsten Gemälde, das je geschaffen wurde."

Griet - Scarlett Johansson dass die Besetzung von Griet, des siebzehnjährigen Mädchens aus behütetem Haus im Holland des 17. Jahrhunderts, eine Herausforderung werden würde, war von Anfang an klar. Paterson: "Wir wussten, dass dies eine außergewöhnliche Rolle für ein junges Mädchen sein würde, und es gab unglaublich viele Bewerberinnen. Als wir Scarlett kennen lernten, wirkte sie wie ein New Yorker Teenager auf dem Weg zu einem Basketballspiel. Beim zweiten Treffen war sie Griet."

"Scarlett arbeitet länger im Filmgeschäft als ich", so Webber. "Und obwohl sie sehr jung ist, hat sie eine erwachsene Seele. Sie hat eine Charakterstärke und ein Gesicht, das man auf der Leinwand dieser Tage nicht so oft zu sehen bekommt - sie hat die hypnotisierende Wirkung eines Stummfilmstars."

Scarlett Johansson fand das Drehbuch sofort faszinierend und wunderschön geschrieben. Sie erklärt: "Es passiert so selten, dass man etwas liest, was die Zeit wert ist, die man dafür aufwendet. Das hier ist eine Ausnahme - es strahlt geradezu. Jede Schauspielerin träumt von der Möglichkeit, eine Rolle wie Griet spielen zu dürfen: eine Rolle, mit der man sich so zurücknehmen, sein Gesicht und nicht Worte zum Einsatz bringen mußs, um Emotionen auszudrücken." Johansson nutzte die Gelegenheit der Dreharbeiten in Delft für einen Besuch des Mauritshuis Museums, um sich das echte Gemälde "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" anzusehen. "Sie fesselt einen auf merkwürdige Art und Weise. Ich hatte das Gefühl, dass sie uns etwas über sich und ihr Leben sagen will", so Johansson.

Mit der Rolle konnte Johansson dem an Griets Stelle Ausdruck verleihen. "Das Leben einer Dienerin war harte Arbeit, und auf Griet lastete gleichzeitig die Aufgabe, ihre Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Wir lernen sie in ihrem eigenen Zuhause kennen, das sie nicht verlassen will. Doch ihr bleibt keine andere Wahl, und so wird sie sofort aus ihrem Umfeld gerissen. Sie hat keine Privatsphäre mehr. Vermeers Frau Catharina ist boshaft und unerbittlich; dann ist da die hinterhältige Maria Thins, die sie ständig beobachtet. Und dann lauert da noch Vermeer in seinem Atelier, der sich weigert, sich um den Rest des Haushalts zu kümmern."

Doch Vermeer spüre eine Verbindung zu Griet. Er würde bemerken, so Johansson, dass sie die Dinge genau so sieht wie er, und gestattet ihr nach und nach, an seiner Arbeit teilzuhaben: "Ihre Beziehung wird zärtlich, obwohl es beiden eigentlich nur um die Malerei geht. Zur selben Zeit lässt sich Griet mit Pieter, dem Sohn des Metzgers, ein. Er ist ein Geschäftsmann, geht jeden Sonntag zur Kirche und bietet einen verführerisch einfachen Lebensstil, den sie gewohnt ist. Sie könnte seinem Werben ganz einfach nachgeben, wenn da nicht noch Vermeer wäre. Mit dem Maler bekommt sie erstmals ein Gefühl für eine Leidenschaft, die außerhalb ihres Verständnisses liegt und Zweifel an ihrem früheren Leben aufkommen lässt."

Johansson hofft, dass DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING den Zuschauer mit einem wehmütigem Gefühl der Hoffnung entlässt, obwohl er feststellen mußs, dass romantische Empfindungen im Leben selten ein gutes Ende nehmen. Sie sagt: "Die reinen Emotionen eines Mädchens, das sich verliebt und nicht fähig ist, sich auszudrücken, sind ein universelles Thema. Man bekommt selten, was man liebt."

Vermeer - Colin Firth Colin Firth kannte den Roman noch nicht, als Paterson und Webber ihn baten, die Rolle des Künstlers Vermeer zu übernehmen. Er las das Drehbuch und nahm das Angebot sofort an. "Es fühlte sich frisch an", so Firth. "Es nimmt sich selbst ernst, was bei den meisten Filmemachern heute nicht unbedingt populär ist - man ist heutzutage auf der sichereren Seite, wenn man ironisch ist." Er betrachtete die Rolle als schauspielerische Herausforderung. "Es passieren nicht so viele Dinge an der Oberfläche: Die Handlung ist extrem reduziert auf ein genau fokussiertes Drama, das durch seine Figuren interessant wird", so Firth. "Darin gleicht der Film dem Werk von Vermeer."

Firth war von dem Künstler fasziniert: "Man weiß nicht viel über ihn. Er malte auf eine Art und Weise, die moderne Kritiker als Klischee betrachten könnten - Bilder, die die Konventionen ihrer Zeit wiedergeben. Aber seine Bilder haben so eine moralische Liebenswürdigkeit, eine Menschlichkeit gegenüber jedem - egal, ob es sich um das Milchmädchen oder die Geliebte handelte. Von den 35 Gemälden, die heute bekannt sind, sind ungefähr zwanzig in derselben Ecke desselben Raums gemalt worden. Er wohnte in einem lebendigen Haushalt, in dem elf seiner Kinder aufwuchsen, aber er malte in der Abgeschiedenheit seines Ateliers in der ersten Etage. Im 17. Jahrhundert waren Künstler aus Delft Handwerker, die ihre bürgerlichen Pflichten ernst nahmen - sie bildeten aus und hatten eine Gewerkschaft, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu vertreten. Lange bevor der Kult um den geplagten, rebellischen Künstler entstand, war es möglich, ein guter Bürger und Ehemann und gleichzeitig ein großartiger Künstler zu sein."

Im Film ist Vermeers Studio eine ruhige Oase fern des lärmenden Haushalts. Wie Firth erklärt: "Er hat resigniert, da er ständig von Menschen umgeben ist, die kein Verständnis dafür haben, was er tut, und in einer anderen Welt leben. Als er jemandem zum ersten Mal erlaubt, seine Welt zu betreten, ist er begeistert, dass Griet ein Auge für Farben und Kompositionen hat. Es entsteht eine mysteriöse Verbindung, die alle Grenzen, die Alter und Klasse vorgeben, überschreitet. Er ist manchmal froh darüber, dass sie da ist, manchmal lehnt er es ab. Er versucht, sich von ihrer Nähe zu distanzieren - es ist zu kompliziert für ihn. So wie er sich nicht lange auf den Vordergrund eines Gemäldes konzentriert, gestattet er sich nicht, sich lange mit Gefühlen auseinanderzusetzen. Er kann nicht immer das selbe Maß von Engagement zeigen, wenn sie sich treffen. Die Beziehung wird für beide zur Qual."

Firth fand es bewundernswert, dass Peter Webber die verschiedenen Stimmungen und Farben der Gemälde auch auf die Kinoleinwand brachte: "Wenn ein Drehbuch so von Farben bestimmt ist, kann der Wechsel der Farbgebung die Richtung einer Szene völlig verändern." Der Schauspieler hebt die Parallelen zwischen dem Filmen und der Arbeit von Vermeer hervor: "Wenn man sich die Röntgenaufnahmen seiner Gemälde ansieht, sieht man, dass er sich auf eine Idee eingestellt hatte, mit der er begann und dann wieder verwarf. Das kann auch an einem Filmset passieren. Mit einer Crew zu arbeiten hat einen enorm gemeinschaftsbildenden Effekt. Jeder kommt am Morgen mit dem Ziel ans Set, das geschriebene Wort zum Leben zu erwecken. Aber man mußs darauf vorbereitet sein, seine Ideen, die man am Morgen noch hatte, am Abend zu verändern. Damit hält man die Dynamik und Energie der Arbeit aufrecht. Wenn alle auf der richtigen Wellenlänge sind, kann man diese Energie fühlen. Sie ist greifbar."

Firth betont, dass der Film keinen Kunstunterricht betreiben will: "Der Film geht der Frage nach, welche Macht eine Beziehung haben kann - eine Beziehung wie die zwischen Künstler und Model. Es geht um ein Gemälde, das enthüllt wird - und eine Familie zerstört."

Pieter - Cillian Murphy Der irische Schauspieler Cillian Murphy spielt die Rolle von Pieter, dem Sohn des Schlachters, der Griet den Hof macht. "Er ist ein schlichtes Gemüt", erklärt Murphy, "und verbringt die meiste Zeit damit, um Griets Aufmerksamkeit zu werben. Er repräsentiert das Leben, das sie selbst erwartet hatte, bis sie Vermeer kennen lernte. Eine Verbindung zwischen Pieter und Griet wäre nicht ungewöhnlich, die zwischen Vermeer und Griet ein Skandal. Diese Menschen sind in dem Leben, in das sie hinein geboren wurden, gefangen." Murphy gefiel die Idee, die Kontrastfigur zu Vermeers Welt zu spielen, dem Publikum die Welt zu zeigen, gegen die Griet rebelliert. Zur Vorbereitung verbrachte er einige Zeit in einem Schlachthof, lernte, wie man Fleisch hackt und Schweinhälften trägt. "Zu jener Zeit war Malerei ein Handwerk und Schlachten ein Geschäft. Obwohl es einen Klassenunterschied gab, vor allem, weil der Maler mehr verdiente als der Metzger, galten beide als Berufe, die mit Leidenschaft und Überzeugung ausgeübt wurden. Pieter glaubt an das, was er tut. Und er ist gut darin. Also ist er glücklich mit sich selbst und glaubt, dass dieses Leben eine Option für Griet wäre", so Murphy.

DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING ist Cillian Murphys erster Kostümfilm. Er lobt Peter Webbers Herangehensweise an das Genre. "Er blickt direkt ins Herz des Films und kann mit den Emotionen und Widersprüchen der Figuren umgehen. Ich hätte an seiner Stelle Angst gehabt, dass ich mich in historischen Einzelheiten verliere. Das Bestreben des Teams, alle Dinge authentisch aussehen zu lassen, half mir dabei, ein Gefühl für die Zeit zu bekommen, so dass ich mich auf die Rolle konzentrieren konnte. Das Drehbuch ist so komplex und tiefgründig angelegt - ein page turner, der einen immer im Unklaren darüber lässt, was Griet passieren wird."

Die Welt von Vermeer - Ausstattung & Kamera "The scene is a familiar room, nearly always the same, its unseen door is closed to the restless movement of the household, the window open to the light. Here a domestic world is refined to purity" - Lawrence Gowing: "Vermeer"

"Der Look der Ära ist natürlich sehr genau in den außergewöhnlichen Gemälden der holländischen Meister des 17. Jahrhunderts dokumentiert", erklärt Szenenbildner Ben van Os. "Wir begreifen Vermeers Haus als Rahmen für das, was uns aus seinen Gemälden bekannt ist: Ein Gang, der von der Kanalseite zum Innenhof und in die Räume im Erdgeschoss führt, diese durch offene Türen verbindet, den Blick durch das Haus freigibt und ein Gefühl von Raum vermittelt - und fehlender Privatsphäre. Griet sollte sich immer beobachtet fühlen."

"Peter (Webber) und ich spürten, dass viele der Gemälde eine idealisierte Sicht wiedergaben. Wir entschieden uns, eine andere Realität zu zeigen, vor allem bei den Außenszenen, in denen man bei uns Tiere und Schmutz in den Straßen findet."

Die Innenräume zeigen drei getrennte Welten. Griets Elternhaus ist eine eintönige, geordnete, kalvinistische Behausung im Armenviertel; das Haus der Familie Vermeer repräsentiert den auffälligen, katholischen Überfluss mit vielen Gemälden an den Wänden (Vermeer war auch Händler, der die Werke anderer Künstler verkaufte) und den lebendigen Farben des Wohlstands; die Welt von Vermeers reichem Gönner Van Ruijven ist opulent mit Kuriositäten aus aller Welt gefüllt. Hier lebt die wahre Macht."

"Ich wollte, dass Vermeers Haus im Erdgeschoss das reine Chaos ist", so Webber. "Überall Kinder und Lärm! Es hatte Fenster zum Kanal, von dem ein ziemlich starker Gestank ausgegangen sein mußs. Der Hauptplatz mit seinen Tavernen und Märkten war nur einen halben Block entfernt. Trotzdem brachte Vermeer diese Ruhe und Perfektion in seine Gemälde. Deshalb entschieden wir, dass das Atelier, der Raum, der die bekannte, beinahe heilige Ecke in so vielen großartigen Gemälden zeigte, ein magischer Ort sein sollte. Es ist Vermeers privates Reich - eine Welt, in die er nach und nach Griet hereinbittet, denn nur sie allein versteht, was so besonders an ihr ist. Ben schuf wunderschöne Sets, aber er ist auch ein großartiger Einrichter, der diese Welt glaubwürdig, bewohnt und absolut überzeugend aussehen ließ."

Kameramann Eduardo Serra nutzte verschiedene Filme für die drei unterschiedlichen Welten: Er fing die Düsternis des Erdgeschosses von Vermeers Haus ein und sparte sich das Atelier bis zum Ende auf: "Der Drehplan funktionierte so, dass wir Vermeers Atelier erst am Ende filmten", erinnert sich Paterson. "Ich sah mir eines Tages das unglaubliche Material aus Vermeers Haus an und erinnerte Eduardo an die anfänglichen Diskussionen darüber, diese Pracht für das Atelier aufzusparen. Er nickte, er hatte es nicht vergessen. Und als wir sahen, was er aus dem Atelier gemacht hatte, stockte uns der Atem. Er hatte noch ein weiteres Level erklommen. Eduardos Arbeit war absolut außergewöhnlich", ergänzt Webber. "Er hatte eine genaue Vorstellung davon, wie er jede Einstellung ausgeleuchtet haben wollte und schien all dies umgehend umsetzen zu können."

Serra ergänzt: "Ich war froh, dass wir im Widescreen-Format drehen konnten. Man kann auf diese Weise in die Tiefe gehende Bildkompositionen schaffen - Bilder im Bild, Einstellungen, die Raum für Licht und Schatten bieten. Vermeer übertrug mit leidenschaftlicher Genauigkeit das nördliche Licht, was in seine Fenster schien, auf seine Leinwände. Um das Licht in seinen Gemälden zum Leuchten zu bringen, habe ich gar nichts Ungewöhnliches gemacht, ich habe nur einen großen Scheinwerfer vor die Fenster gestellt und versucht, diesen als einzige Lichtquelle zu verwenden - das selbe hätte ich auch bei einem zeitgenössischen Film gemacht."

Dien van Straalens Kostüme bildeten das letzte Element im Bemühen um eine authentische Welt. "Die meiste Zeit soll man die Kostüme gar nicht wahrnehmen", so Webber. "Gute Kostümdesigner entwerfen Kleidung, in denen sich die Schauspieler wohl fühlen und die helfen, ein Gefühl für die Welt, in der der Film spielt, zu vermitteln. Catharinas Kleider sind exquisit und repräsentativ wie sie selbst. Aber selbst sie mußs dasselbe Kleid bei vielen Gelegenheiten tragen angesichts der finanziellen Grenzen der Familie. Diens Ziel war der Entwurf von Kostümen, die unbemerkt dabei halfen, die Geschichte zu erzählen."

Das Ergebnis Die Filmemacher haben die Herausforderungen nie unterschätzt, die die Adaption eines so berühmten Romans für die Leinwand mit sich bringt. "Ein Buch zu lesen ist ein privates Vergnügen. Film ist ein ganz anderes Medium. Wir hoffen, dass die Millionen Fans des Buchs noch ein wenig mehr aus dem Film mitnehmen können, etwas, das ihren Vorstellungen entspricht. Wir wollten den Film drehen, weil dies eine wunderbare, mysteriöse, romantische Geschichte ist, die zwar im 17. Jahrhundert spielt, aber auch heute verständlich ist. Tracys Story rief geradezu nach einer Verfilmung - und wir hätten uns sowohl vor als auch hinter der Kamera kein kreativeres, talentierteres, leidenschaftlicheres Team vorstellen können, das diesem Ruf Folge leisten wollte."
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Concorde © 1994 - 2010 Dirk Jasper