Musica Cubana

Produktionsnotizen

Die Musik Kubas - Ein historischer Abriss In der kubanischen Folklore verschmelzen europäische (französische und spanische) und afrikanische Elemente. Die von den spanischen Kolonialherren mitgebrachten Tänze wie Menuett, Contradanza, Bolero oder Zapateado erhielten durch den Einsatz landestypischer Rhythmusinstrumente und einer eigenen Interpretation ein eigenständiges kubanisches Gepräge.

In den ländlichen Gebieten entstand der Punto Guajiro (guajiro nennt man den weißen kubanischen Bauern), der zu festlichen Anlässen gespielt wurde. In Wechselgesängen (controversias) zeigen die Sänger ihre Improvisationskunst zu alltäglichen und politischen Themen. Sie benutzen dabei eine zehnzeilige Versform, die décima.

Die Habanera, die auch außerhalb der Insel berühmt wurde, lässt den Einfluss des argentinischen Tangos erkennen, der wahrscheinlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Einwanderer aus Südamerika importiert wurde. Die Habanera "La Paloma" erlangte später Weltruhm.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts zogen viele Sänger aus den ländlichen Gebieten Kubas in die Städte und sangen in kleinen Bars ihre Canciones (Lieder) und Boleros. Diese langsamen, melodiebetonten Lieder wurden in den 30er Jahren in Form der Baladas bei den Kubanern sehr beliebt. Zu den berühmten Sängern gehören Sindo Garay, Manuel Corona, Rita Montaner und Bola de Nieve.

Im ländlichen Bereich entstand die Guajira (eigentlich: Bauernmädchen). Inbegriff des romantischen Kuba wurde die Guajira "Guantanamera" (die später in den 50er Jahren in der Version von Pete Seeger um die Welt ging); Joseito Fernandez vertonte die Verse von Jose Martí und besang seine Liebe zu einem Mädchen aus Guantanamo.

Aus der Theatertradition kommen die Guarachas, temperamentvolle Lieder mit humorvoll-schelmischen Versen.

Im Laufe der Zeit hat es immer besonders populäre Tänze in Kuba gegeben. Die Hitliste wurde im 19. Jahrhundert von der Danza, zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Danzon, in den 20er Jahren vom Son und in den 40er und 50er Jahren von Mambo und Chachacha angeführt.

Der Einfluss von Swing und Bebop führte in den 50ern zu einem eigenen Jazz-Stil, der Descarga. Big Bands, die den Sound der späten 30er und frühen 40er pflegten, ließen viel Raum für perkussive Elemente der afrokubanischen Musiktradition, kopierten aber in Organisation und Haltung die Brüder aus dem Norden.

Mit der Revolution 1959 endete der Einfluss des Jazz auf die kubanische Musik. Er wurde in die kubanischen Musiktraditionen eingebunden, mitverarbeitet und weiterentwickelt: Trompete und Posaune bekamen ein immer stärkeres Gewicht in den diversen traditionellen Stilen.

Die Musikstile Danza und Danzon

Einwanderer aus Haiti und New Orleans brachten die Contradanza Francesca mit, die sich in Kuba rasch durchsetzte und zur Danza Criolla weiterentwickelt wurde. Anfangs von Moralisten bekämpft, wurde die Danza der beliebteste Tanz des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Miguel Failde aus Mantanzas entwickelte die Danza weiter zum Danzon, indem er mit großer Besetzung spielte. Obgleich der Danzon auch getanzt wurde, ist er eigentlich eine Instrumentalform, die die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts beherrschte.

Son Cubano

In den 20er Jahren eroberte der lebhaftere Son die Gunst des Publikums. Er entwickelte sich parallel zu Danza und Danzon, nahm aber stärker afrokubanische Elemente auf. Diese typischste aller kubanischen Folkloreformen entstand in den ländlichen Gebieten des Ostens Kubas.

Den Son charakterisiert der stete Wechselgesang zwischen Sänger und Chor. Im Trio ausgeführt, benutzt der Sänger zur Vorgabe des Rhythmus Klanghölzer oder Maracas (Rasseln), er wird begleitet von zwei Gitarristen, die den Refrain singen (an Stelle einer Gitarre tritt in der ursprünglichen Form die Tres, eine kleine Gitarre mit drei Doppelsaiten).

Von Santiago kommend, eroberte der Son die Salons Havannas. Er wurde jetzt allerdings von Sextetts und Septetts gespielt, unter Verwendung einer Reihe afrokubanischer Rhythmusinstrumente wie Bongos und Marimbulas. Mit dem Son Montuno, einer schnellen und temperamentvollen Variante aus den Bergen des Ostens, und großer Orchesterbesetzung hatte der legendäre Benny Moré großen Erfolg in den 50er Jahren. In Guantanamo, ebenfalls im Osten der Insel, steht die Wiege des Changüi, einer langsameren Sonform, die aber selten über die provinziellen Grenzen hinausgekommen ist.

Mambo und Chachacha

Die 30er Jahre brachten eine Fülle an süd- und nordamerikanischen Einflüssen wie Tango und Jazz. Bolero und Canción lebten wieder auf, ein neuer Stil, "El Feeling", wurde gepflegt. Mit "Que rico es el Mambo" und der Gruppe von Perez Prado begann ab 1947 der Siegeszug des Mambo, der jedoch Anfang der 50er Jahre schon von dem Chachacha Enrique Jarins überschattet wurde. Daneben entstanden zahlreiche andere Modetänze.

Rumba

Die Rumba stammt wahrscheinlich aus der Region Matanzas-Havanna und wurde Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Kuba populär. Stets sind zwei Arten von Trommeln beteiligt: die große Tumbadora, die den Grundrhythmus angibt, und die kleine Quinto, die für den komplizierteren und improvisierten Rhythmus sorgt. Als weiteres Element werden eine Reihe von Metallgegenständen wie Viehschellen, Pfannen oder Löffel benutzt, um helle, scharfe Töne zu erzeugen. Häufig ergänzen weitere Trommeln, Rasseln, Klanghölzer usw. das Instrumentarium. Die Verse der Refrains sind sehr lautmalerisch und stark rhythmisiert.

Guaguanco, Yambu und Columbia sind die bekanntesten Rumbaformen. Beim Guaguanco dauert der improvisierte Sologesang sehr lang. Der anschließende Paartanz ist schnell und unzweideutig erotisch. Dieses erotische Thema fehlt beim Yambu, der wegen seiner langsameren Ausführung auch als "Rumba der Alten" bezeichnet wird. Bei der Columbia, der ältesten Rumbaform, kommt es für den Solotänzer darauf an, seine Fähigkeiten in akrobatischen und oft sehr exzentrischen Bewegungen zu demonstrieren.

Mit diesen Rumbaformen hat der auch nach Europa gelangte Gesellschaftstanz nicht das geringste gemein. Auch in Kuba ist die ursprüngliche Rumba nur noch ein Thema für spezielle Vorführungen.

Im Osten der Insel, speziell in Santiago, entstand die Tumba Francesca. Ihr afrokubanisches Gepräge ist jedoch weniger stark. Zwei Formen haben sich erhalten: El Mason, ein Tanz für Paare, und El Yuba für Einzeltänzer.

Nueva Trova Cubana

Das "Neue kubanische Lied" ist die musikalische Antwort auf die neue politisch-soziale Realität Kubas seit 1959. Im Vordergrund steht die gesellschaftlich-engagierte Aussage und kämpferische Propaganda. Der Altmeister des "Neuen Liedes" und "Musiksoldat des Volkes", Carlos Puebla, sang schon zu Batistas Zeiten in der Bodeguita del Medio Protestlieder im Trovastil. Kurz nach 1959 definierte er seine Kunst: Ein Lied von neuem Leben, über schöpferische Arbeit, ein Lied der Hoffnung.

Pate der neuen Liedform ist die gesamte kubanische Folklore, lateinamerikanische und internationale Formen werden einbezogen. Nach dem ersten Festival des politischen Liedes 1967 in Havanna und dann besonders nach 1972 feiert die Nueva Trova Erfolge in den Trovahallen von Havanna. Das Cafe Cantante hat hier eine besondere Tradition. Als Vertreter der neuen Musik auch auf internationalen Bühnen haben sich Silvio Rodriguez, Pablo Milanés, Sarah Gonzales und Noel Nicola verdient gemacht. Von den Musikgruppen seien hier noch Moncada und Irakere mit ihrem berühmten Pianisten Chucho Valdés, die auch Jazz- und Rockelemente einbezieht, erwähnt.

Quelle: http://www.mamborama.com/cuba_music.html

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Solo Film © 1994 - 2010 Dirk Jasper