Filmtitel

Produktionsnotizen

Woody Allens neue Liebeskomödie Anything Else belehrt uns darüber, dass Liebe auf den ersten Blick nicht immer das reine Glück bedeutet. Auch Jerry Falk, der von Jason Biggs gespielt wird, mußs diese bittere Erfahrung machen, als er sich Hals über Kopf in die ebenso schöne wie flatterhafte Amanda verliebt. ?Ich glaube, dass gerade die Liebe auf den ersten Blick fast zwangsläufig zu Beziehungsproblemen führt?, meint Biggs dazu. ?Jerry verliebt sich auf den ersten Blick in Amanda, doch für alles weitere ist er völlig blind, so dass es von nun an nur noch bergab geht.?

Christina Ricci, die in der Rolle der Amanda zu sehen ist, sagt frei heraus: ?Amanda ist sehr verführerisch und eine Meisterin darin, sich so zu präsentieren, wie es Männer vermutlich gerne sehen. Im Grunde ist sie aber noch ein Kind, das unfähig ist, jemanden wirklich zu lieben ? vielleicht liebt sie nicht einmal sich selbst. Sie ist emotional unreif, erklärt ihr Verhalten aber damit, dass sie sich keinen Zwängen unterwerfen will, denn das klingt schließlich sehr viel reifer und erhabener als offen zu gestehen: Eigentlich bin ich nur ein Riesenbaby. Amanda ist wirklich ein Alptraum von einer Geliebten.?

?Dem stimme ich rückhaltlos zu?, stellt Biggs fest, wobei er jedoch sofort hinzuzufügt, dass auch Jerry eine ganze Menge Probleme mit sich herumträgt. Das zeigt sich allein schon daran, dass er sich alles bieten lässt, was Amanda ihm entgegen schleudert. Stets kommt er zurück, um noch mehr Schläge einzustecken. ?Jerry ist ein leichtes Opfer?, meint Biggs. ?Er ist viel zu schnell bereit, Amanda alles zu verzeihen ? so sieht er ihr auch ihre Untreue und ihre Bindungsängste nach. Jerry hat Angst davor, Beziehungen zu beenden, aus denen er sich zu seinem eigenen Wohl dringend lösen sollte. Ich vermute, dass er in gewisser Weise sehr unselbständig ist. Er versteckt sich immer hinter anderen Leuten.?

Christina Ricci erklärt Jerrys Verhalten von Amandas Standpunkt aus folgendermaßen: ?Ich glaube, dass er ihr gerade deshalb so unbeirrt nachjagt, weil sie immer außerhalb seiner Reichweite bleibt und sich ihm nie ganz hingibt.? Indem er Christina Ricci für die Rolle der Amanda gewinnen konnte, hat sich Woody Allen einen großen Wunsch als Regisseur erfüllt: ?Ich bin wiederholt gefragt worden, mit welchem Schauspieler ich gerne zusammenarbeiten würde, der bisher noch nie in einem meiner Filme zu sehen war. Meine Antwort lautete dann immer: Christina Ricci.

Ich bin seit Jahren ein großer Fan von ihr und jetzt ist dieser Traum endlich in Erfüllung gegangen.? Sie selbst beschreibt ihre Begeisterung bei der Lektüre des Skripts: ?Ich hatte den Eindruck, eine großartige Synthese aus Der Stadtneurotiker und Stardust Memories, meinem Lieblingsfilm von Woody Allen, vor mir zu haben. Amanda ist ja eine typische Woody-Allen-Figur, und so dachte ich mir, dass die Rolle im Grunde genommen darauf hinauslaufen würde, einfach das Woody-Allen-Mädchen schlechthin darzustellen.?

Als Partner von Christina Ricci, das heißt für die Rolle des Jerry, hatte sich Woody Allen auf Jason Biggs festgelegt, nachdem er ihn in einem seiner früheren Filme gesehen hatte. ?Ich war auf Anhieb von ihm begeistert, denn er verfügt über ein außerordentliches Talent?, meint der Regisseur. ?Alles geschah so schnell?, erinnert sich Biggs. ?Man sagte mir, dass Woody Allen in seinem nächsten Film möglicherweise eine Rolle für mich hätte, und so fragte ich einfach, ob ich mich mit ihm treffen könne. Eigentlich war das ein völlig hirnrissiges Ansinnen.

Das Treffen dauerte keine fünf Minuten. Wir haben uns nicht einmal hingesetzt, sondern standen nur im Flur seines Büros herum. Er erzählte mir die Geschichte des Films, und zwar ganz so, als hätte ich die Rolle bereits. Beim Gehen stellte ich mir dann voller Zweifel die Frage: Habe ich nun die Rolle oder nicht?? Obwohl ziemlich bald klar wurde, dass Jason Biggs in der Tat die Rolle hatte, dauerte es noch einige Wochen, bis er es auch wirklich glauben konnte: ?Ich glaube zwar an meine Fähigkeiten als Filmschauspieler, aber hier war schließlich von Woody Allen die Rede.

Erst zwei Wochen nach Beginn der Dreharbeiten war ich endgültig davon überzeugt, dass Woody Allen mich tatsächlich in diesem Film haben wollte. Ich war unglaublich nervös.? Woody Allen gibt zu, dass er sich einen Spaß daraus gemacht hat, mit der Nervosität seines Hauptdarstellers zu spielen: ?Ich habe ihn immer aufgezogen, aber er ist ein toller Typ, der eine tolle Arbeit gemacht hat.? ?Man mußs für Woody Allens Art gewappnet sein?, merkt Jason Biggs an. ?Er kann brutal offen sein.

Er sagt dir genau, was er von deiner Darbietung hält und hüllt seine Kritik nicht immer in schöne Worte. Manchmal sind seine Kommentare zutiefst ironisch, dann wieder würde man sich gerne wünschen, dass sie doch nur ironisch gemeint wären. Er ist aber ziemlich witzig ... Und überhaupt: ich für meinen Teil ziehe es vor, unter einem Regisseur zu arbeiten, der klipp und klar sagt, wenn ich ihn in einer Szene gelangweilt habe, anstatt einfach OK zu sagen, dafür könne man schon Verwendung finden, wenn man irgendwas drumherum schneidet. Nein, soll man mir doch ruhig sagen, dass meine Darbietung zum Gähnen war! Beim nächsten Take werde ich dann bestimmt versuchen, den Regisseur wieder aufzuwecken ...?

Christina Ricci pflichtet dem bei: ?Ich war dankbar dafür, einen Regisseur zu haben, der genau wusste, was er wollte ... Einen, der dir ohne Scheu sagt, dass du es vermasselt hast. Woody ist sehr ehrlich und sehr direkt, und das ist mir lieber als ein Typ, der dir ?Gute Arbeit? sagt, in Wirklichkeit aber nur daran denkt, wie man am Schneidetisch vielleicht noch etwas retten kann. Ich bringe lieber die Leistung, für die ich da bin, und in dieser Hinsicht habe ich Woody sehr geschätzt.?

In Wahrheit offenbart Woody Allen als Regisseur zwei verschiedene Gesichter?, verrät Jason Biggs: ?Einerseits gibt es den Woody, der ganz präzise Vorstellungen davon hat, was er will, andererseits den Woody, der dich plötzlich frei improvisieren lässt. In solchen Fällen haben Christina und ich uns meistens nur verlegen angeschaut, weil Woodys Text soviel besser war als der unsere.? Christina Ricci und Jason Biggs hatten bereits in Prozac Nation (2001) gemeinsam vor der Kamera gestanden, was ihnen laut eigenem Bekunden für ihr erstes Engagement bei einem Woody-Allen-Film eine gewisse Sicherheit verlieh.

?Wir kommen sehr gut miteinander aus?, meint Christina Ricci dazu. ?Jason ist wirklich ein lustiger Kerl, der mich außerdem sehr gut kennt. Unser gemeinsamer Background ermöglichte es uns, herumzualbern und Späße miteinander zu treiben. Ich glaube, dass uns gerade diese Fähigkeit, Spaß miteinander zu haben, irgendwie getragen hat.?

?Es ist leicht, mit Christina Spaß zu haben?, fügt Jason Biggs hinzu. ?Ich hatte ja das Glück, schon vorher mit ihr zusammengearbeitet zu haben, aber erst jetzt wurde mir klar, was für eine Komikerin in ihr steckt. Ich bin in vielen Dingen das genaue Gegenteil von ihr... Sie ist so ein fröhlicher Mensch! Wir haben wirklich wunderbar harmoniert, wenn ich das in aller Bescheidenheit so sagen darf.?

Weitere Hauptrollen in Anything Else werden von den mehrfach ausgezeichneten Veteranen Danny DeVito und Stockard Channing gespielt. Darüber hinaus ist Jimmy Fallon zu sehen, ein noch relativ junges Gesicht auf der großen Kinoleinwand. Woody Allen kommentiert die Auswahl seiner Darsteller folgendermaßen: ?Stockard Channing und Danny DeVito zu engagieren, war ein Geschenk des Himmels. Ich mußste sie überhaupt nicht führen, sondern brauchte nur dafür zu sorgen, dass sie entspannt waren, und schon ließen sie mich gut aussehen. Und was Jimmy Fallon betrifft, der begreift sehr schnell, ist blitzgescheit und witzig.

Darüber hinaus wollte er unbedingt mitmachen und den Typen spielen, den Amanda für Jerry fallen lässt.? DeVito ist in der Rolle des Harvey zu sehen, eines Agenten, der nur noch einen einzigen Schützling unter seinen Fittichen hat: Jerry Falk. Dieser macht die Erfahrung, dass das nicht notwendigerweise etwas Positives sein mußs. Jason Biggs erläutert dazu: ?Meines Erachtens ist sich Jerry zwar dessen bewusst, dass Harvey ihm im Weg steht, doch er ist einfach zu loyal. Er weiß, dass er eigentlich etwas an seiner Situation verändern sollte, kann sich jedoch nicht dazu überwinden, Harvey zu verlassen und ihn seinem Schicksal zu überlassen.

Dies führt allerdings dazu, dass seine Karriere bald völlig ins Stocken gerät und er nur noch mit seinen privaten Beziehungsproblemen zu kämpfen hat. Gerade deshalb neigt er immer mehr dazu, auf den Rat von David Dobel (Woody Allen) zu hören, der ihn drängt, die Verbindung mit Harvey zu lösen.? Stockard Channing spielt Amandas Mutter Paula, die sich im Schlepptau ihrer Tochter mit all ihren Habseligkeiten einschließlich eines Klaviers in Jerrys kleiner Wohnung einquartiert. ?Ich glaube, Paula ist sogar noch durchgeknallter als Amanda?, meint Christina Ricci. ?Sie war mehrere Male verheiratet, neigt zum Trinken und bildet sich ein, eine Sängerin zu sein. Sie ist sehr egoistisch und stellt andauernd Forderungen.

Paula führt uns vor Augen, warum Amanda wohl so unreif ist, ist sie doch selbst von einer kaum reiferen Frau erzogen worden.? Als typischer Woody-Allen-Film wurde Anything Else gänzlich in und um New York gedreht, wobei die Szenenbilder von Allens langjährigem Begleiter Santo Loquasto stammen. Für den Schnitt zeichnete Alisa Lepselter verantwortlich, die nun bereits zum fünften Mal für Woody Allen gearbeitet hat. Für Darius Khondji und Jean Shannon hingegen, die für die Kamera beziehungsweise die Kostüme zuständig waren, bedeutete Anything Else eine erstmalige Begegnung mit Woody Allen.

Bezüglich des Titels Anything Else wurde bisweilen gefragt, ob nicht ein Fragezeichen am Ende fehle (was sich dann mit ?Sonst noch was?? übersetzen ließe). Im Kontext des Films erscheint der Titel allerdings eher als Antwort denn als Frage. Jason Biggs erklärt dazu: ?Ich glaube, in Woody Allens Welt ist das so, als würde man sagen: So ist eben das Leben ? mit all diesen Beziehungsproblemen, Bindungsängsten, Neurosen usw... So ist es eben!?

Christina Ricci fügt hinzu: ?Es gibt doch diese Leute, die alles analysieren wollen und wegen jeder Kleinigkeit beunruhigt sind. Der Titel des Films sagt meines Erachtens: Es ist wie alles andere auch, warum sollte uns das also bekümmern? Andererseits ist das aber ein Woody- Allen-Film... ? und so gesehen kann das wohl nicht die ganze Botschaft sein!?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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