1972. Der von
Krankheit gezeichnete, 26-jährige Kindermörder
Jürgen Bartsch gibt in der Landesheilanstalt Eickelborn
während einer Therapiesitzung, die mit einer Videokamera
aufgenommen wird, Auskunft über sein Leben. Dieser
Video-Monolog (der auf veröffentlichten Aufzeichnungen und
Briefen basiert) wird durch eine Reihe von szenischen
Rückblenden unterbrochen, die das Erzählte ?
Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in den fünfziger und
sechziger Jahren, sowie die einzelnen Morde ?
illustrieren.
Versprengt finden sich auch
Einblendungen von Bartschs Tagebucheintragungen mit
Selbstreflexionen wieder. Mit Hilfe diverser Montagetechniken
nähert sich der Film der Persönlichkeit Bartschs
ausschließlich aus dessen Perspektive an, ohne Kommentar von
außen.Die Abfolge der Rückblenden beginnt mit den ersten
Kindermorden. Von da ab wird Bartschs Kindheit und Jugend nahezu
chronologisch aufgerollt.
Er erzählt von der erlittenen
seelischen Grausamkeit und über die Ignoranz von Seiten der
Eltern und der Umwelt, die sozial eigentlich unauffällig und
fast durchschnittlich erscheinen. Von seiner Unfähigkeit zur
normalen Sozialisation, der mangelnden Anerkennung durch
Gleichaltrige, sein Außenseiterdasein, die strenge
gewalttätige Erziehung im Knabeninternat, die Erfahrung der
ersten wirklichen, aber unerwiderten Liebe, der Internatsmoral, die
Homosexualität als Sünde gleich hinter Mord ansiedelt und
schließlich von der Entwicklung seiner Gewaltphantasien. Am
Ende stehen der letzte Mord und die Schilderung des versuchten
fünften Mordes, der misslingt und zu seiner Verhaftung
führt.
Die Auseinandersetzung mit der
Persönlichkeit Bartsch und ihren Widersprüchlichkeiten
ist Kern und Intention des Films ? umgesetzt als optischer
Stil-Mix aus fiktivem Video-Dokumaterial und szenischer
Spielfilm-Künstlichkeit. Opfer oder Täter, in dieser
klaren Alternative ist eine Antwort nicht möglich. Motive der
Biografie lassen sich in den Mustern der Taten wiederfinden . Der
Film ist der Versuch, sich dem Phänomen Bartsch zu nähern
und sich dabei von außen nach innen auf ihn zu zu bewegen,
ohne dabei das Unbegreifliche erklären zu wollen. Momente der
Emotion zu schaffen, die sogar in Mitleid für den Täter
Bartsch münden können, ohne am Ende seine Taten aber
entschuldigen oder gar rechtfertigen zu wollen.
|
|