Ein Leben lang kurze Hosen tragen

Produktionsnotizen

Als Grundlage für den Film ?Ein Leben lang kurze Hosen tragen? diente das Buch ?Jürgen Bartsch: Opfer und Täter ? Das Selbstbildnis eines Kindermörders in Briefen? des amerikanischen Journalisten Paul Moor, erschienen 1991 im Rowohlt Verlag. Im Juni 1966 berichteten alle deutschen Zeitungen auf Seite eins über die Verhaftung eines 19-jährigen Metzgergesellen namens Jürgen Bartsch, der zwischen 1962 und 1966 auf unvorstellbar grausame Weise vier Schuljungen missbraucht und zu Tode gequält hatte.

Diese Sex-and-Crime-Sensation alarmierte den amerikanischen Journalisten Paul Moor, der damals seit 15 Jahren in Deutschland lebte und als Korrespondent über Berlin und den Ostblock berichtete. «Schon am ersten Tag wusste ich, da stimmte etwas nicht. Je mehr ich las, desto unfassbarer erschien mir der Fall psychologisch.» Paul Moor nimmt Ende 1967 als Berichterstatter an dem Wuppertaler Bartsch-Prozeß teil. Er will ein Buch schreiben über diesen Jahrhundert-Fall. Aber das Gericht lehnt Moors Bitte um ein Interview mit Jürgen Bartsch ab.

Doch aufgeben will der psychoanalytisch versierte Amerikaner nicht. Nach einem Weihnachtstelegramm vom 24.12.1967 kommt der Kontakt zustande, von nun an schreibt Paul Moor Brief um Brief an den verfemten Mörder in der Haftanstalt. Und Jürgen Bartsch fasst Vertrauen, er antwortet, er schreibt sich alles von der Seele, was ihn zum Opfer und zum Täter gemacht hat - den letzten Brief am 21.4.1976, eine Woche vor seinem Tod.

In über acht Jahren haben sich bei Paul Moor Hunderte von Jürgen-Bartsch-Briefen angesammelt ? das erschütternde Selbstbildnis eines vierfachen Kindermörders, wie es die Literatur bisher nicht kannte. Für die wissenschaftliche Forschungsarbeit hat Paul Moor (?) das gesamte Corpus aller schriftlichen Zeugnisse von Jürgen Bartsch buchstabengetreu eingespeichert und chronologisch geordnet. Kopien dieser Disketten sind sexualwissenschaftlichen Instituten in Deutschland und Amerika zur Verfügung gestellt worden.

Aus dieser Veröffentlichung ? den Briefen Bartschs und den ergänzenden Schilderungen Paul Moors ? sowie eigener Recherche wurden die Szenen des Films entwickelt, Tathergänge und Abläufe rekonstruiert und dramatisiert, Dialoge geformt und in die eigene Dramaturgie integriert. Der Großteil des Erzählten ist also authentisch, ein geringer Teil zwar fiktiv, hat sich aber so oder ähnlich zugetragen. Einige Figuren haben ihren Ursprung in mehreren authentischen Personen. Sämtliche Namen, bis auf die von Jürgen und der Familie Bartsch, wurden geändert.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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