Collateral

Produktionsnotizen

Collateral spielt in nur einer Nacht in Michael Manns Los Angeles. Aber in dieser einen Nacht werden die Leben zweier Männer für immer verändert. Regisseur und Produzent Michael Mann erklärt: ?Eines der Dinge, die mich an diesem Projekt gereizt haben, war die Komprimierung der Zeit ? alles passiert in einer Nacht.

Die ganze Geschichte findet zwischen 18 Uhr und 4 Uhr morgens in diesem diversen Universum im Pazifikgürtel und der wohl modernsten aller amerikanischen Städte statt, wo Kojoten nachts durch die Straßen streunen, als wäre diese dünne und neue Schicht ?Zivilisation? nur eine vorübergehende Angelegenheit. Das ist die Welt, durch die sich Max und Vincent bewegen sollen, während sich die Story entfaltet. In dieser Nacht verändert sich alles in ihrem Leben. Total. Für immer.

Die Endlichkeit zeigt sich am Horizont und bewegt sich auf sie zu. Es ist die Kollision zweier Leben unter extremen Umständen. Es ist eine Komprimierung von all dem, was sie waren und wer sie sein wollen ? all das kollabiert durch die Ereignisse einer Nacht. Ich mochte die Intensität und die Unmittelbarkeit...? Mann hatte zudem das Gefühl, das Drehbuch würde mit den Konventionen der üblichen Drei-Akt-Struktur aus Anfang, Mitte und Ende brechen.

?Es war fast, als hätte es schon zwei Akte vor dem Beginn unseres Filmes gegeben ? alle möglichen Dinge sind schon passiert und viele Sachen sind herausgekommen ? und nun kommen wir zur großen Auflösung der Story. Der ganze Film ist ein einziger dritter Akt, was ich sehr reizvoll fand.? Nichtsdestotrotz müssen sich Filmbesucher nicht darüber wundern, wie man an diesen Punkt der Story gelangt ist, da sich die Hintergründe der Geschichteoffenbaren, während das Drama seinen Lauf nimmt.

Mann legt es so dar: ?Ein ausländisches Drogenkartell hat herausgefunden, dass einige ihrer Mittelsmänner in Los Angeles angeklagt werden sollen. Sie beginnen mit einer Operation, die diese Anklagen durch den Tod der fünf Hauptzeugen aufhalten sollen. Man mußs wissen, dass dieses Kartell sehr mächtig ist und über unbeschränkte Mittel verfügt, sodass man sich die besten Leute für diesen Job leisten kann... Leute wie Vincent.

Wahrscheinlich wurde diese Operation monatelang ausgearbeitet und alle Vorbereitungen wurden getroffen, sodass es jetzt nur noch eine Frage der Durchführung ist...und in dieser Nacht kommt Vincent in die Stadt, um genau das zu tun. Seinen Job zu machen. Unvorhersehbare Ereignisse zwingen ihn allerdings zur Improvisation und das führt dazu, dass er einen Taxifahrer als Geisel nimmt ? einen Taxifahrer namens Max.? ?Max wird zur Geisel in seinem eigenen Taxi, während Vincent ihn von einem seiner ?Zielorte? zum nächsten fahren lässt?, erzählt Drehbuchautor Stuart Beattie weiter.

?Die Eingeweide dieser Story sind die beiden Charaktere in ihrem handfesten Katz-und-Maus-Spiel.? Es überrascht vielleicht, dass nicht die Idee, den Geist eines Profikillers zu ergründen, Stuart Beatties Drehbuch zu Collateral inspirierte, sondern die alltäglichen Risiken eines ganz normalen Taxifahrers. Der Autor erklärt: ?Die Idee hatte ich durch eine persönliche Erfahrung, als ich irgendwann einmal ein Taxi vom Flughafen nach Hause nahm. Ich kam mit dem Fahrer ins Gespräch, und als wir mein Haus erreichten, schwatzen wir wie alte Freunde.

Da hatte ich plötzlich den Gedanken, dass ich einfach Jeder sein könnte, und der Taxifahrer hätte keinen blassen Schimmer. Ich könnte ein mörderischer Wahnsinniger sein, und er sitzt die ganze Zeit mit seinem Rücken zu mir. Das gefiel mir als eine möglicherweise interessante Ausgangssituation für ein Drama, in dem man zwei Fremde hat, die völlig alleine in einem verschlossenen Raum sitzen, der eine mit dem Rücken zum anderen.

Von dort aus ist es einfach gewachsen.? Michael Mann sagt: ?Was ich brillant an dem Skript fand, war die simple Dialektik dieser zwei sehr verschiedenen Leben, die in dieser Nacht in Los Angeles kollidieren.?

Wer fährt wen?

Mit einem seltenen Ausflug als Schurke spielt Tom Cruise die Hauptrolle des´ Vincent, auch wenn er selbst diesen kaltblütigen Killer nicht nur in schwarz und weiß betrachten will. ?Ich habe Helden und Antihelden gespielt, und ich hielt Vincent einfach für einen großartigen Charakter... sehr dynamisch. Ich wollte den Charakter erforschen und ihn verstehen, insbesondere sein drastisch unsoziales Verhalten?, lacht Cruise.

?Zunächst versuche ich meistens den moralischen Code eines Charakters zu finden, denn egal, ob man mit ihnen übereinstimmt oder nicht, haben die meisten Menschen ihren eigenen moralischen Code. Vincent wurde für einen Job angeheuert und es würde seine Regeln brechen, diesen Job nicht zu erledigen. Er ist ein vollendeter Profi. Aus dieser Wartehabe ich es betrachtet, als ich mich dem Charakter näherte.? ?Ich halte Menschen für sehr komplex und es gibt viele Dinge an ihnen, die faszinierend sein können?, kommentiert Mann.

Der Regisseur könnte dabei genauso seinen Star meinen, wie auch den Charakter, den er spielt. ?Vincent ist ein Charakter, wie Tom ihn noch nie zuvor gespielt hat, und so ist er ein gewisses Risiko eingegangen, als er sich für diese Rolle entschieden hat. Es gibt eine Kraft und Autorität in Tom, die ich in diesem Charakter sehen wollte. Man kann es selbst hinter Vincents eleganter Erscheinung erkennen. Es wird einem schnell klar, dass er ein harter Knochen im schicken Outfit ist.? Auch mit seinem stahlgrauen Haar und dem stoppeligen Dreitagebart repräsentiert Vincents Erscheinung einen gewissen Wandel für Cruise.

?Ich wollte, dass sich der Charakter in seinem Aussehen stark von Tom Cruise unterscheidet. Ich wollte ihm eine raue Fassade geben und so für eine gewisse Anonymität sorgen?, fügt Mann hinzu. ?Genauso auch in der Garderobe, die natürlich extrem wichtig war, weil Vincent den ganzen Film über den gleichen Anzug trägt. Er sieht sehr teuer aus, maßgeschneidert, aber nicht in den Staaten oder Europa gefertigt, sondern als könnte es der beste maßgeschneiderte Anzug sein, den man mit Geld beispielsweise an einem Ort wie Kowloon kaufen kann. Er hat auf jeden Fall ein fremdes Element an sich.?

?Michael ist auf das gesamte ?visuelle Design?, auf den Look des Charakters gekommen ? das Haar, der Bart, der Anzug?, so Cruise. ?Wir haben es zunächst am Computer entworfen und Michaels Auge für Charakterdesign ist bemerkenswert. Ich habe die Arbeit mit ihm geliebt, er war unglaublich genau und sicher. Wir haben uns Zeit dabei gelassen, Vincents Vergangenheit zu entwickeln und diese Hintergrundgeschichten zu finden, die uns als Referenz für den Charakter dienten.?

?Wir haben vor den Dreharbeiten Monate damit verbracht, aus Vincent einen sehr dynamischen und handfesten Charakter zu formen, was nicht explizit im Film erwähnt wird?, verrät Mann. ?Es ist dennoch in allem zu erkennen, was Vincent tut. Es gibt keine Reaktionen, keine Gesten, keinen Satz oder Dialog, in denen man es nicht mit dem Teil von Vincent zu tun bekommt, der in dieser Nacht auf die Jagd geht. Auch wenn anfangs fast nur unmerkliche Kleinigkeiten den Eindruck vermitteln, dass irgendetwas Besonderes in diesem Charakter vorgeht.

Als würden sich kontinentale Platten tief im Inneren dieser Person verschieben und Spannung aufbauen.? ?Was wir immer wieder besprachen, war die Frage, wann man den ersten Riss in Vincents makelloser Hülle erkennt?, sagt Cruise. ?Am Anfang des Filmes sieht er einfach nur perfekt aus... eine silbern schimmernde Raubkatze macht einen Ausflug nach L.A. Aber ich glaube, dass Max auf jeden Fall einen Einfluss auf Vincent hat und so passiert es in dieser Nacht, dass sich in diesem Typen eine Erdspalte aus Menschlichkeit bildet.

?Mann stimmt dem zu: ?Vincent ist ein intelligenter Mann, aber er hat in den letzten sechs oder sieben Jahren sein Geld mit dem Töten anderer Menschen verdient. Und genauso wie das seine Persönlichkeit erodiert hat, hätte er sich für diese Nacht in einem Taxi keine verkehrtere Person aussuchen können als Max.? Jamie Foxx, der die Hauptrolle als Max spielt, stimmt zu, dass es eine graduelle Veränderung in ihrer Beziehung gibt. Nachdem er den ersten Schock überwunden hat, als er erfährt, was Vincent ist und was er vorhat, passiert etwas Seltsames mit ihm.

?Das Unglaubliche an der Beziehung dieser beiden Männer ist, dass Max auf eine verrückte Art und Weise von Vincent inspiriert wird. Es ist als hätte Max innerlich nur auf etwas Anderes in seinem Leben gewartet, undals es passiert, heißt er es schließlich willkommen?, so Foxx. Michael Mann sagt, dass Foxx die ?perfekte Besetzung? für die Rolle des Max war: ?Jamie ist wahrhaft ein Mann für jede Saison, er ist ein phänomenales Talent... einfach ein brillanter Schauspieler.

Der Film ist nicht mal im Entferntesten komisch, doch gibt es trotzdem Szenen zwischen Jamie und Tom, die mitreißend witzig sind. Niemand kann solche Momente besser und mit solcher Präzision tragen als Jamie Foxx. Das hatte obendrein mit der Chemie zwischen Jamie und Tom zu tun, obwohl ihre Charaktere völlig gegensätzlich sind. Max gehört zur Mittelklasse, er ist ein Jedermann mit konventionellen Werten. Er glaubt an staatsbürgerliche Pflichten und hat humanitäre Reflexe. Er hat nie ein Gewaltverbrechen beobachtet und bekommt hier auf einmal einen eiskalten Soziopathen als Fahrgast auf die Rückbank.?

Foxx erklärt: ?Am Anfang des Filmes interessiert es Max nicht im Geringsten, wer der Typ hinten im Auto ist. Er ist nur eine weitere Fuhre. Max ist einfach nur ein Taxifahrer und abgesehen von der Tatsache, dass er ein Träumer ist, habe ich es so gesehen, dass es da nichts Außergewöhnliches oder Aufregendes in seinem Leben gibt. Mit Vincent, der in sein Taxi steigt, wird sich sein Leben für immer verändern, und tatsächlich ist es sogar so, dass sie sich beide gegenseitig brauchen, um zu entscheiden, in welche Richtung ihr Leben weiter verlaufen wird.

Für Max bedeutet es, dass er entweder den Rest seines Lebens im Taxi verbringen wird oder alles daran setzt, aus dieser viertürigen Gefängniszelle auf Rädern zu entkommen. Ich glaube, es ist Schicksal, wenn Menschen anderen Menschen ?passieren? ? nicht immer, aber es scheint als würden bestimmte Energien aus einem Grund zusammengeführt. Es gibt ein paar solcher Dinge, die Max passieren. Als Jadas Charakter ins Taxi steigt und sie ein paar Gedanken austauschen, haben sich ihre Leben verändert. Sie dreht sich um und gibt ihm ihre Visitenkarte.

Annie ist eine sehr attraktive Frau, sehr mächtig... warum würde sie einem Taxifahrer ihre Karte geben? Aber irgendetwas hat sie dazu gebracht, hat sie verändert.? Jada ist Jada Pinkett Smith, die im Film die Staatsanwältin Annie Farrell spielt. Die Schauspielerin bekräftigt: ?Eines der Motive des Filmes, das mich sehr gereizt hat, war, wie sich die Wege von Menschen kreuzen ? die Dynamik, die entsteht, wenn man jemanden begegnet, von dem man nie angenommen hätte, dass er einen so einschneidend beeinflussen könnte.

Das passiert zwischen Annie und Max. Er gibt ihr die Möglichkeit zu zeigen, wer sie wirklich ist, und sie fühlt sich so sicher und wohl in seiner Nähe, dass sie etwas über sich verrät, was sie wahrscheinlich noch nie irgendjemanden erzählt hat. Als sie aus dem Taxi steigt, denkt sie: ?Ich könnte diesem Typen nie mehr begegnen ... vielleicht sollte ich ihm meine Karte geben ... aber er ist ein Taxifahrer.?

Doch sie haben diese unglaubliche Verbindung zueinander aufgebaut und das hat alle Erwartungen durchbrochen, die sie von diesem Typen hatte. Das lehrt einen, dass man offen und bereit sein sollte, weil man niemals weiß, wohin eine zufällige Begegnung führen kann.? Um sich auf die Rolle vorzubereiten, verbrachte Pinkett Smith einige Zeit mit einer Anwältin, innerhalb und außerhalb des Gerichtsaales. ?Ich habe beobachtet, wie sie sich gegenüber anderen Anwälten benimmt und wie sie sich innerhalb des Gerichtsaales bewegt, im Vergleich zu ihrem Verhalten außerhalb.

Ich habe auf ihre Körpersprache geachtet und auf ihre Garderobe ? warum sie Röcke anstelle von Hosen trug, hochhackige Schuhe anstelle von flachen, wie viel Make-up sie auflegte ... All diese Dinge helfen, einen Charakter zu erschaffen, und so war es ein wahrer Segen, mit einem Regisseur wie Michael Mann arbeiten zu können, der diesen Prozess unterstützt und die Arbeit versteht, die dazu gehört. Das spornt mich enorm an, denn wenn du mit Michael Mann arbeitest, dann mußst du dich voll und ganz darauf einlassen. Punkt. Du mußst vorbereitet am Set erscheinen und er hilft dir dabei. Er schickt dich auf eine Reise, die zu deinem Charakter führt.?

Mann entgegnet, dass er die Arbeit, die Pinkett Smith in die Charakterentwicklung steckte, mehr als nur anerkennen konnte und dass sie sich auf der Leinwand auszahlte. ?Die großartige Leistung von Jada in dieser Rolle ist der Beweis dafür, dass sie ihren Charakter richtig hinbekommen hat, und wird von der Story des Filmes selbst auf den Prüfstand gestellt. Wir treffen Annie am Anfang des Filmes und sie mußs einen extrem starken Eindruck bei uns hinterlassen, da wir sie erst sehr viel später wieder treffen und sie trotzdem in unserer Erinnerung bleiben mußs.

Jada hat ein einzigartiges Charisma im echten Leben und ich denke, das vermittelt sich auch in Annie.? Eine weitere Person, mit der Max eine kurze, aber entscheidende Begegnung hat, ist Detective Fanning, ein Undercoveragent von der Drogenfahndung, der Vincents Fährte folgt, nachdem der erste ?Hit? etwas unordentlicher als geplant verläuft. Fanning wird von Mark Ruffalo gespielt, den das Drehbuch sofort angesprochen hat: ?Es war aufregend zu lesen. Es fühlte sich an wie ein sich schnell drehender und wild taumelnder Luftsprung, von dem man nicht weiß, wo er endet. Aber du weißt, dass es auf eine harte Landung hinausläuft.

Die Beschreibung der Handlung war so genau, dass ich mir ganze Sequenzen in meinem Kopf vorstellen konnte, und diese Erfahrung hatte ich noch nie zuvor.? Ruffalo merkt an, dass er sich Fanning zunächst als Typen von der ?Straße? vorgestellt hat, der Charakter aber doch einen anderen Weg nahm: ?Michael wollte ihn etwas aufwerten, weil Fanning der erste ist, der die Wahrheit erkennt und dem Killer auf der Spur ist. Also mußste er sich in gewisser Hinsicht mit Vincent messen können.

Ich sagte zu Michael, dass ich keine Ahnung hätte, womit ich anfangen soll und er antwortete, ?er hätte da genau den Richtigen für mich.? Er gab mir ein Foto eines Detective, denn wir nur ?Q? nannten und sagte, ?Das ist der Typ, mit dem du so viel Zeit wie möglich verbringen sollst, bevor wir diesen Film drehen. Du bist ?Q?.? Mann erklärt: ??Q? ist ein Undercoveragent von der Drogenfahndung.

Ich habe in meinem Leben viele Undercovercops getroffen und wenn ihn mir jemand auf der Straße mit den Worten ?Dieser Typ ist ein Cop? gezeigt hätte, wäre meine Antwort gewesen: ?Unmöglich!? Wenn man ihn sich ansieht, würde man nie darauf kommen, dass er als Detective für die LAPD-Drogenfahndung arbeitet. In vieler Hinsicht habe ich Mark Ruffalos Charakter auf ihn gestützt.?

Abgerundet wird die Collateral- Besetzung mit Peter Berg als Narcotics Detective Richard Weidner, der Zweifel an der Theorie seines Partners Fanning über das Verbrechen hat; Bruce McGill als Pedrosa, einem Federal Agent, der dem Drogenkartell auf der Spur ist, das Vincent angeheuert hat; Barry Shabaka Henley als Daniel, einem Jazzmusiker, der an erster Stelle auf Vincents Liste steht; und Irma P. Hall als Ida, der bettlägerigen, aber immer noch ziemlich resoluten Mutter von Max.

Der Academy Award® nominierte Javier Bardem (?Before Night Falls?) hat einen Cameoauftritt als Felix, einem der Köpfe des Drogenkartells und derjenige, der Vincent unbesehen angeheuert hat.

Entstehung der Charaktere

Das Zusammenbringen von Pinkett Smith mit einer echten Anwältin und von Ruffalo mit einem Undercovercop, um ihnen einen tieferen Einblick in ihre jeweiligen Rollen zu bieten, gehört zu Michael Manns grundsätzlichem Ansatz als Regisseur. ?Ich glaube fest daran, dass ein Schauspieler - und manchmal auch ich als Regisseur - wirklich verstehen sollte, was seine Rolle in seinem Leben hauptsächlich macht. Damit erhält man sehr verschiedene Zugänge in die Tiefe der betreffenden Person.?

In diesem Sinne unterzogen sich auch Tom Cruise und Jamie Foxx einem jeweils sehr individuellen Trainingsprogramm. Cruise trainierte ausgiebig mit Michael ?Mick? Gould, einem ehemaligen Mitglied des British Special Air Service und einer respektierten Autorität in den Gebieten Kampfsport und Waffentraining. In den letzten Jahren hat Gould mit seinen Fähigkeiten eine Karriere als Berater und Ausbilder gemacht, zu dessen Kunden militärische Spezialtruppen, Polizeieinheiten und Filmemacher gehören.

Für seinen ersten Einsatz im Kinogeschäft wurde Gould von Michael Mann für ?Heat? rekrutiert. Und nun hat ihn Mann erneut an Bord geholt, um Tom Cruise, einen der freundlichsten Stars in Hollywood, mit den Anlagen für einen vollkommenen Killer auszustatten. Für die Waffenszenen übte Cruise auf einem Polizeischießstand mit echter Munition, die ihm das Gefühl für das Abfeuern echter Waffen so vermittelte, wie es Platzpatronen niemals schaffen können. Die echte Munition sorgte bei Cruise außerdem für den nötigen Respekt vor der Waffe, selbst als er sie dann beim Drehen mit Platzpatronen abfeuerte.

?Ich habe schon vorher Waffen in Filmen abgefeuert?, so Cruise, ?aber ich hatte nie zuvor so ein Training an der Waffe. Mick ist ein großartiger Lehrer. Er half mir dabei, meinen eigenen Stil zu finden, und brachte mir zusätzlich einen wirklich sicheren Umgang mit der Waffe bei. Ich konnte es mir nicht leisten, Fehler zu machen, denn die ?lebensechten? Platzpatronen, die wir benutzten, können Menschen sehr wohl verletzen. Diese Sicherheit im Umgang mit der Waffe fügte dem Charakter eine weitere Dimension hinzu, die ich sehr mochte.

Es war, als würde ich den Charakter von Grund auf nachbauen und so fühlte ich mich sehr sicher, als wir diese Szenen drehten. Ich mußste nicht darüber nachdenken, seine Fähigkeiten gehören zu Vincent und machen ihn auch als Person aus.? Mann erklärt: ?Mit Tom hatte ich jemanden, der sich für nichts zu schade war, völlig konzentriert arbeitete und in jeder Sekunde alles gab. Man glaubt, dass Tom die Dinge tun kann, die sein Charakter tut, weil Tom all das kann, was sein Charakter im Film zeigt.

All diese Fähigkeiten hat er in der Vorbereitungsphase erlernt.? Während Cruise auf dem Schießstand übte, jagte Jamie Foxx verschiedene Ford Crown Victorias über die Rennstrecke in Willow Springs. ?Um ehrlich zu sein?, gesteht Foxx, ?war mir erstmal nicht wirklich klar, warum ich auf einer Rennstrecke üben sollte, aber Michael wollte, dass ich das richtige Gefühl für das Taxi bekomme, dass es zu meiner zweiten Haut wird und ich nicht spielen mußs, wenn ich es fahre. Er sagte, wenn du spielst, dann ist es ein Taxi, aber wenn es ganz natürlich sein soll, dann achtest du gar nicht mehr auf das Taxi.?

Und als es an die Stunts ging, wollte er, dass ich mich im Auto auch bei hohen Geschwindigkeiten wohl fühle und spüre, wie das Taxi bei verschiedenen Geschwindigkeiten reagiert. Letztendlich hatten wir eine tolle Zeit auf der Rennstrecke. Es war ein Riesenspaß, aber gleichzeitig habe ich eben auch tatsächlich etwas von Max? DNA abbekommen.? ?Es war wichtig?, fügt Mann hinzu. ?Wenn man Jahr für Jahr, fünf Tage die Woche und 12 Stunden am Tag Taxi fährt, dann mußs man ein ziemlich instinktiver Fahrer sein.

Er mußste lernen, wie man das Taxi kontrolliert, ein Gefühl für die Gewichtsverlagerung bekommen und den Effekt auf die Traktion, solche Sachen ... Das sind Grundlagen, die man auf der Rennstrecke lernt, nur haben wir es eben mit einem Crown Vic gemacht.? Ironischerweise war es dann gerade das ?Nichtfahren?, das sich als Herausforderung für Foxx herausstellte. Da sich die meisten Szenen in Inneren des Taxis abspielen, wurden für die Collateral- Dreharbeiten 17 verschiedene Taxis in unterschiedlichen Konfigurationen verwendet.

Bei einigen Taxis wurden bestimmte Teile entfernt, um andere Kamerapositionen zu erlauben, und einige der 17 Autos sollten selbstverständlich nicht gefahren, sondern ?gezogen? werden, während das gefilmt wird, was drinnen passiert. In diesen Szenen fuhr Foxx also nicht wirklich und daran mußste er sich zunächst gewöhnen, wie er sagt: ?Ich lenkte am Steuer hin und her und Michael mußste die Szene unterbrechen und sagte: ?Hör auf so am Lenkrad zu drehen.'

Manchmal war es vor einem dann absolut schwarz ? du konntest nichts sehen ? und ich starrte dann einfach vor mich hin, bis ich sein ?Cut? hörte. ?Du kannst nicht vor dich hin starren, wenn du fährst.? Aber nach ein paar Nächten hatte ich den Dreh raus?, lacht Foxx. Extrem viel Aufmerksamkeit wurde dem Inneren und Äußeren des Taxis geschenkt, dem Hauptschauplatz des ganzen Filmes. Wenn an dem Sprichwort ?Gott steckt im Detail? etwas dran ist, gehört Michael Mann zu den wahrhaft Gläubigen. Die Farbe der Taxilackierung wurde nicht weniger als 50 mal verändert, bevor das Designteam die gewünschte Farbe fand.

Obwohl man die vorherrschende Farbe als dunkles Orange bezeichnen könnte, wollte Mann darin ein subtiles, leicht blaues Schillern, das dem Taxi im nächtlichen Dunst einen etwas anderen Glanz verleiht. ?Das ist L.A. Es ist nicht Chicago, es ist nicht New York, es ist nicht Detroit ... Die Luft hat eine gewisse Feuchtigkeit in der Nacht. So sind die Dinge in L.A. und so war es uns sehr wichtig, die Farbe des Taxis genau richtig hinzubekommen.?

Lichter der Nacht

Collateral wurde ausschließlich nachts in der Stadt gedreht, die Michael wahrscheinlich besser kennt als jeder andere zeitgenössische Regisseur: Los Angeles. Michael Mann war an Orten in dieser Stadt, von denen ich noch nicht einmal etwas gehört hatte,? sagt Foxx. ?Ich wollte ihm sagen, ?Mike, ich stamme aus dem Ghetto? und er antwortete, ?Du bist nicht aus dem Ghetto. Ich kenne das Ghetto. Willst du, dass ich dir das Ghetto zeige?? Und er brachte mich an Orte, an denen ich sogar die Autotüren verriegelt habe und mich gefragt habe: ?Wo sind wir hier bloß?? Genau das ist ja das Frische.

Michael versucht nicht Toronto oder Vancouver so aussehen zu lassen wie L.A., sondern du bist tatsächlich in L.A., mit jemanden, der die Stadt wirklich kennt.? Produktionsdesigner David Wasco stimmt zu: ?Viele Filmemacher glauben, dass Los Angeles ?leergefilmt? ist, aber es gibt so viele Ecken, die noch nie auf Film belichtet wurden. Ein Teil dieses ?Schaulaufens? durch die Stadt bestand in der Vorstellung des breiten Spektrums der einzelnen Gemeinden und Kulturen, der reichen Ecken und der armen Schattenviertel, der Privilegierten und der Verdammten.?

?Für die Menschen, die nicht hier leben, oder selbst für einige Einheimische?, gibt Mann einen Überblick: ?Es ist nicht das Los Angeles der Palmen und Malibustrände, sondern die Stadt Los Angeles ? Commerce, Wilmington, South Central, East L.A., Downtown ... Und morgens um zwei oder drei Uhr hat der Himmel über L.A. eine einzigartige Stimmung. Straßenlichter spiegeln sich in den Wolken und selbst in der Dunkelheit kann man in der Ferne die Umrisse von Palmen vorm Himmel ausmachen ...

Ich mußste einen Weg finden, diese dreidimensionale Nacht zum Leben zu erwecken, in die Nacht von L.A. zu blicken.? Mann war klar, dass normaler 35-Millimeter- Film niemals das Los Angeles bei Nacht einfangen könnte, das er dem Publikum zeigen wollte. So gehört er jetzt zu den ersten Wenigen, die einen großen Kinofilm fast ausschließlich digital gedreht haben, und er ist der erste, der eine modifizierte Thomson Grass Valley Viper FilmStream Kamera verwendete, um die Stunden zwischen Abenddämmerung und Morgengrauen einzufangen, wie man sie nie zuvor gesehen hat.

?Normales Filmmaterial nimmt nicht das auf, was unsere Augen in der Nacht wahrnehmen?, so Mann. ?Deswegen habe ich mich für High Definition Digital Video entschlossen ? um in die Nacht sehen zu können, um alles zu sehen, was das Auge sehen kann, und noch ein bisschen mehr. Man sieht die stimmungsvolle Landschaft aus Hügeln, Bäumen und seltsamen Lichtmustern. Ich wollte das als Welt erschaffen, durch die sich Vincent und Max bewegen.?

Mann arbeitete eng mit dem assoziierten Produzenten Bryan H. Carroll an den Modifikationen der Viper, um sie zum optimalen Medium für die Aufnahmen des Filmes zu machen. Collateral stellte sich im Grunde sogar als Multimediaprojekt heraus. Ungefähr 80 Prozent wurden mit unterschiedlichen Kameratypen digital gedreht, darunter die Viper FilmStream und die Sony CineAlta High Definition-Kamera, und der Rest auf normalen Filmmaterial.

Für Mann war der wichtigste Vorteil der Viper FilmStream die Art, wie sie die spezielle Farbpalette aufnimmt, die die Stadt bei Nacht definiert: ?Die Viper nimmt Farben auf eine ganz andere Art auf, besonders Orange, Gelb und Rot.? ?Nichtsdestotrotz?, so der Regisseur, ?geht es für mich um Emotionen. Es geht darum, welche Gefühle uns die Umgebungen dieser Charaktere vermitteln. Die Atmosphäre um sie herum war also ziemlich entscheidend.

Ich finde Los Angeles bei Nacht sehr emotional und ich wollte eine Geschichte erzählen, die einen Teil dieser Wildheit spürbar macht, die direkt unter der Oberfläche lauert.?

Diese Wildnis zeigt sich Max und Vincent beispielsweise, als drei Kojoten vor dem Taxi die Straße überqueren. Die Szene war ein Einfall von Mann, der selbst einmal eine ähnliche Erfahrung gemacht hat: ?Ich fuhr ziemlich spät in der Nacht nach Hause und hielt an einer Ampel an. Auf einmal liefen drei Kojoten diagonal über die Kreuzung, als würde sie ihnen gehören. Diesen Moment habe ich nie vergessen.

Es war nicht die Anwesenheit wilder Tiere mitten in der Stadt, sondern ihre Gebaren, als würde dieses Gebiet noch immer ihnen gehören und die sogenannte Zivilisationsschicht darüber nur vorübergehend sein.? Cruise sagt über diese Szene, in der Vincent und Max den Kojoten begegnen, dass sie eine ?hypnotische Qualität hat. In diesem Moment sieht man diese beiden Typen in ihren eigenen Welten, und doch sind sie verbunden. Sie machen diese Reise gemeinsam?.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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