In the Cut

Produktionsnotizen

Für Frannie, eine New Yorker Schriftstellerin, die mit romantischen Märchen aufgewachsen ist und mit modernen Beziehungen wenig anfangen kann, war Leidenschaft immer eher Männersache. Doch nun entführt sie eine unerwartet fesselnde Affäre mit einem Polizisten auf eine Reise, die an ihren sonst so sorgfältig gesicherten Grenzen rüttelt und sie sogar in tödliche Gefahr bringt.

"Frannies Geschichte kreist nicht nur um ein Verbrechen, sondern vor allem um das Verhalten von Männern und Frauen", so Schauspielerin Meg Ryan, die die toughe, intelligente und zugleich innerlich zutiefst zerrissene Universitätsprofessorin porträtiert. Ryan war begeistert von der Figur, die im starken Gegensatz zu den romantischen und komischen Rollen steht, für die sie bekannt ist: Sie sieht in Frannie einen ungewöhnlich komplexen weiblichen Charakter, eine Frau, dessen vordergründiges Wesen sich als Maske entpuppt und die eine tiefe innere Verletzlichkeit versteckt.

"Frannie ist jemand, der von der Welt enttäuscht und immer verschlossener geworden ist", fährt Ryan fort. "Aber mit Detective Malloy ist sie zum ersten Mal in ihrem Leben von sich selbst überrascht und hat sogar Angst vor dem, was er aus ihr herausholt. In diesem Sinn ist IN THE CUT nicht nur ein Krimi, sondern die Geschichte zweier Menschen, die sich schlichtweg einander ausliefern."

Für die Oscar®-Preisträgerin Jane Campion war die Rolle der Frannie die perfekte Ausgangsbasis für einen psychologischen Thriller, der die unberechenbare Natur des Begehrens erforscht und all deren Seiten bis zu ihrem düsteren und beängstigend erlösenden Charakter: Campion zeigt, wie sich aus Leidenschaft tiefe Liebe entwickelt. Frannie erinnert Campion an Bree Daniels, die hartherzige Prostituierte aus Alan J. Pakulas klassischem amerikanischen Detektivfilm KLUTE (1971), der sich ebenfalls zu einer Lovestory entwickelt - was IN THE CUT jedoch aus einer noch erhöhten Perspektive des 21. Jahrhunderts gelingt.

"Ich habe IN THE CUT als moderne Liebesgeschichte gesehen, die gleichzeitig ein Krimi ist", erklärt sie. "Der Film erforscht die Mythen der Liebe und des sexuellen Begehrens; die Bemühungen, eine Beziehung mit einer anderen Person einzugehen - und das inmitten des pulsierenden Chaos´ einer Großstadt. Frannie hat mit Problemen zu tun, die meiner Meinung nach heute viele Menschen beschäftigen: Problemen mit Sexualität und der Scham, Lust und Angst - Gefühle, die sich einfach nicht planen lassen. Dies sind die Aspekte, die mich an Filmen interessieren."

Campion war bereits von Frannie fasziniert, als sie Susanna Moores Bestseller "Der Aufschneider" las. Der Roman löste wegen seiner schamlosen Betrachtungsweise von Frannies explosiver und rätselhafter sexueller Verbindung zu Detective Malloy starke Kontroversen aus. Campion las ihn als "meisterhaften Thriller, der aus einer nie zuvor gesehenen Perspektive einer Frau deren verstecktes Begehren offen legt, als diese von einem Killer verfolgt wird, der die eigene Triebe nicht kontrollieren kann."

Die Story ist für Campion ein modernes Märchen, eines, in dem eine zugleich starke und doch verunsicherte Frau in eine Welt zwischen Angst und Paranoia hinabsteigt - und in eine Welt echter Sehnsucht und Hingabe gezogen wird. Es kam ihr in den Sinn, dass in der modernen Gesellschaft Romantik brutal abgetötet, aber gleichzeitig mehr Raum geschaffen wurde, um wahre Liebe zu erforschen.

Sie kommentiert: "Zu Beginn der Geschichte weiß Frannie nicht genau, warum sie so lebt, wie sie lebt. Denn ihr Leben fühlt sich tot an, obwohl es eigentlich nicht schlecht ist. Die Sicherheit, die sie sich selbst eingerichtet hat, ist eher eine Belastung. Sie braucht einen neuen Reiz, etwas, was sie da herausholt. Das, was sie in der ,Red Turtle Bar´ beobachtet, ist der Anfang von allem. Ich habe die Story immer als eine Art ,Alice im Wunderland´ gesehen, wo Frannie in den Kaninchenbau steigt, oder eben die Treppen hinunter, und sich selbst in einer anderen Welt wieder findet. Plötzlich wird diese Frau, für die Worte einmal alles waren, an einen Ort gebracht, an dem Worte ihr entweichen oder nicht genug sein können."

Völllig begeistert vom Potential von IN THE CUT, brachte Campion den Roman zu Produzentin Laurie Parker, die ebenso gar nicht anders konnte, als sich umgehend der facettenreichen genre-übergreifenden Story anzunehmen. "Jane und ich waren beide fasziniert von den vielen Herausforderungen des Materials", so Parker. "Wenn es um die Beziehungen zwischen Männern und Frauen geht, ist es fast unmöglich, zum Herzen der Dinge zu gelangen, denn diese geschehen auf so vielen verschiedenen Ebenen: der psychologischen, der biologischen, der eingebildeten, der romantischen. So denke ich, dass es in unserem Fall die vorrangige Aufgabe war, etwas wirklich Ehrliches zwischen zwei Menschen zu finden, auf eine Art und Weise, wie es Lovestorys oder psychologische Thriller sonst nie tun."

Parker ließ sich von der expliziten sexuellen Natur nicht schocken. "Ich sehe das mehr als ?offen' als tatsächlich ?explizit', " sagt sie. "Janes Idee war, das Künstliche zu verdrängen und die Menschen und ihre Leidenschaft zu zeigen, indem diese alles vor der Kamera herauslassen. Es ist, als ob du durch ein Schlüsselloch in Frannies Privatleben spähst, als ob du einer Liebesgeschichte zusiehst, die sich auf die Art und Weise entfaltet, wie sie wirklich in Wohn- und Schlafzimmern geschieht. Das ist ähnlich wie in THE PIANO, wo du durch Risse in Türen und Wänden blickst. Frannie und Malloy beunruhigt die intensive Nähe, die sie da erleben - Frannie sogar bis zu dem Punkt, dass sie sicher ist, an dem sie sich in Lebensgefahr befindet. Und die Intimität des Films wiederum lässt sie diese Gefahr spüren."

Als sich Campion und Parker mit ihren Ideen an die Bestsellerautorin Susanna Moore wandten, war diese zunächst ein wenig überrascht, dann erfreut darüber, mit an dem Drehbuch arbeiten zu können. "Mir war damals gar nicht bewusst, dass ich über Liebe schrieb, als ich an ?Aufschneider' arebeitete", gibt Moore zu. "Aber ich denke, genau das ist es am Ende geworden. Zunächst wollte ich vor allem einen schwarzen Thriller aus einer weiblichen Perspektive schreiben, weil das sehr ungewöhnlich ist und weil ich sehr interessiert daran bin, wie Frauen sich in der Welt behaupten. Als ich schrieb, begann ich daran zu denken: ,Was bedeutet es, jetzt in dieser Stadt als Frau zu leben - als allein stehende Frau?' Ich denke, Jane hat das deutlicher gesehen, sie sah es auch als Story über eine Frau, die lernt zu vertrauen - und nicht zu töten, was sie am meisten liebt."

Meg Ryan über Frannie Als Meg Ryan das fertige Drehbuch von IN THE CUT gelesen hatte, war sie völlig hineingezogen in diesen fesselnden Traum - oder auch Alptraum. "Die ganze Zeit, in der ich das Skript las, hatte ich keine Idee, was als nächstes passieren würde, als wäre ich nie zuvor in dieser Welt gewesen. Und doch war wie in einem Traum alles irgendwie vertraut", schwärmt sie. "Irgendwie, am Ende, fühlte ich, das ich wirklich wusste, wer Frannie war. Für mich ist sie wie die unbewusste innere Welt einer Frau, die an die Oberfläche gelangt. Sie ist ein sehr tiefgründiger Charakter, und die Ereignisse der Geschichte treffen sie in ihrer tiefsten Seele."

Ryan war sehr begeistert davon, wie wenig die Rolle jedem anderen Charakter glich, den sie bis dahin gespielt hatte. Oder sogar auf der Leinwand gesehen hatte. "Sie ist einfach komplett anders", bemerkt die Schauspielerin. "Sie interessiert sich nicht dafür, anderen Menschen zu gefallen, und sie kümmert sich nicht darum, wer sie mag oder was andere Menschen über sie denken. Sie lebt einfach ihr Leben, versucht so authentisch wie möglich zu sein. Sie ist eine sehr introvertierte Person. Normalerweise spiele ich eher extrovertierte Frauen, deshalb ist das hier beinahe so, als würde ich einen Stummfilm drehen. Bei Frannie geht es darum, was hinter der Oberfläche passiert, und das war sehr interessant. Sie ist natürlich auch sehr sexuell gesinnt, und das verstärkt sich immer mehr zu einem körperlichen Erwachen im Laufe der Story. Das wiederum ist ein Stoff, den ich noch nie zuvor auf der Leinwand verkörpert hatte."

Der Schlüssel zu Ryans Darstellung war die Vorstellung, warum Frannie Detective Malloy verfällt, der auf den ersten Blick wenig mit der intellektuellen, selbstbewussten Akademikerin gemeinsam zu haben scheint. "Ich liebe es, dass ihre Beziehung so unerwartet ist", sagt Ryan. "Sie sind beinahe das Gegenteil voneinander. Sie ist extrem gebildet, im Internat aufgewachsen, und sehr literarisch. Er kommt von der Straße und ist von seinem Job zwischen Leben und Tod geprägt. In einem Satz: Er kennt sich mit der Realität aus, sie mit Poesie."

Ryan verbrachte Stunde für Stunde damit, Frannies Inneres und die Fragen, die die Story aufwirft, mit Jane Campion zu diskutieren - was dem Charakter letztlich noch mehr Tiefe verliehen hat. "Jane ist in mein kreatives Selbst wie eine Bombe eingeschlagen", erzählt Ryan. "Meine Vorstellung darüber, was ich beim Filmemachen erwarte und wie ich einen Charakter erforsche, hat sie komplett verändert. Sie ist wirklich an einem umfangreichen und wahrhaftigen Entwicklungs- und Erkenntnisprozess interessiert - und versteht auf einem hohen Level, warum eine Frau sich auf eine bestimmte Weise verhält, warum ihr dieses besondere Ereignis widerfährt oder was sie an einem bestimmten Mann interessiert - und was sie wirklich von der Liebe denkt. Ich glaube, Jane ist interessierter daran, Fragen zu stellen statt definitive Antworten zu erhalten - und das macht sie zu einer so starken Künstlerin."

Campion hat vor allem Ryans Mut beeindruckt, an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen, sexuell wie emotional. "Ich wollte Meg wirklich die Chance geben, ihr komplettes dramatisches Potential bloßzulegen", sagt sie. "Mir schien, dass sie durchaus bereit war, sich an diese unausgefüllte Lücke zu wagen. Und es gibt wirklich so wenig Storys, die Frauen so die Gelegenheit geben, sich selbst zu erforschen, wie Frannie es tut. Meg erwies sich als ausgesprochen furchtlos. Furchtlos ist genau das Wort, das Frannie beschreibt, und es fasst auch zusammen, wie Meg sich der Rolle näherte."

Dennoch hat Ryan dabei nie gänzlich ihren natürlichen Charme aufgegeben. "Eine der wunderbaren Seiten an Meg ist, dass sie abwesend und zugemauert sein kann und zugleich sehr warmherzig und menschlich und emotional", beobachtete Campion. "Frannie lässt erst niemanden an sich heran, dann aber den anderen vollständig an ihren Erfahrungen teilhaben. Es wäre unmöglich gewesen, dieses Gefühl der Intimität und der Veränderungen zu schaffen, ohne Megs Bereitschaft, sich in all das hineinzuversetzen."

"Meg durchlebt eine wirkliche Metamorphose in dieser Rolle", schließt Laurie Parker. "Wir haben lange an Jane Fonda in KLUTE gedacht, als wir über das Casting sprachen, und Meg hat genau diesen ?erwachsenen' Wagemut an sich."

Mark Ruffalo über Malloy Die emotionale Achterbahnfahrt, die Ryans Frannie in der Hitze des Gefechts und der Story durchlebt, mußste, so wusste die Filmemacherin, durch den Schauspieler des Detective Malloy glaubhaft hervorgerufen werden. Jane Campion war sich intuitiv sofort sicher, dass dies Newcomer Mark Ruffalo, der in IN THE CUT ebenfalls in einem völlig neuen und freizügigen Licht erscheint, leisten könnte. "Ich hatte Mark in YOU CAN COUNT ON ME gesehen und dachte, dass er ein wirklich subtiler und interessanter Schauspieler ist - seine Performance hatte etwas sehr Ergreifendes und Persönliches", erklärt sie. "Die Rolle unterschied sich sehr von Malloys, und doch schien es mir, dass er diese Fähigkeit hat, Menschen wirklich Aufmerksamkeit zu entlocken. Also habe ich dies als einen Vertrauensvorschuss genommen."

Es war ein Vertrauensvorschuss, bei dem Ruffalo selbst nicht sicher war, ob er ihn annehmen sollte. "Als ich das Drehbuch las, machte mir Malloy wahnsinnige Angst", gibt er zu. "Ich hatte noch nie so etwas getan und war mir nicht wirklich sicher, ob ich dazu bereit war. Aber Jane hat genau das in mir gesehen. Sie sah diesen Mann, der eine so männliche Ruhe in sich hat, gleichzeitig eine gewisse Traurigkeit und einen starken Sexappeal. Das reizte mich sehr. Ich hatte vorher all diese jungenhaften Charaktere gespielt, und spürte irgendwo in mir diese Sehnsucht, einen weltgewandten Mann darzustellen, ohne zu wissen, was das überhaupt ist. Malloy ist all das."

Ruffalo arbeitete mit Campion intensiv an seiner Rolle, improvisierte Dutzende von verschiedenen Akzenten, Stimmlagen und selbst Körperhaltungen in zahlreichen, improvisierten Szenen, bis sie beide fühlten, dass sie hinter Malloys harte Schale gedrungen waren. Für weitere Vorbereitungen auf die Rolle besuchte Ruffalo ein Revier in New York und unterschiedliche Typen echter New York City Cops.

"Ich lernte dabei, dass sie sehr viel Bourbon trinken", lacht Ruffalo. "Aber im Ernst: Sie haben mich in ihre Welt eingeladen und mir sehr viel Vertrauen und Respekt entgegen gebracht. Ihr Job ist sehr schwierig, und ebenso schwierig ist es, jeden Tag diese Welt zu erleben. Und so habe ich langsam verstanden, warum Malloy so abgestumpft ist von der ganzen Gewalt und Korruption, die er sieht, und zugleich so angetan von Frannies reinem Geist. Wenn er zu ihr sagt ,Lass uns wie die Kinder knutschen!' denke ich, dass das wirklich eine aufregende Vorstellung für ihn ist, weil er niemand so Unschuldiges mehr kennt. So sehr, wie ihre Beziehung von Sex bestimmt ist, ist das, wonach er sich am stärksten sehnt, ein unschuldiger Moment mit Frannie. So hab ich ihn wie einen Ritter in einer Rüstung gesehen, einen, der eine schlafende Schönheit weckt."

Aber es gibt mehr an Malloys Figur als diese märchenhaften und unschuldigen Momente. Sein Charakter ist geprägt von einer sehr freien und vor allem maskulinen Sexualität, die Ruffalo ebenfalls als Herausforderung empfand. "Es gibt für Malloy keinen Vorwand für Sex", beobachtete er. "Es gibt kein großes Herumgetänzel, weil er dafür einfach keine Zeit hat. Er wird von einer Frau angezogen, und er will Sex mit ihr haben, er sagt es einfach. Aber da Menschen das nicht sehr of tun, ist das für Frannie unangenehm und zugleich aufregend."

Er fährt fort: "Malloy ist in sexueller Hinsicht sehr selbstsicher, was auf mich anfangs etwas beängstigend wirkte. Jane sagte immer zu mir: ,Keine Entschuldigungen! Er entschuldigt sich nie!´ Und ich entdeckte schließlich, dass es etwas sehr Befreiendes hat, so jemand zu sein. Es gibt keine Scham, weder hinsichtlich seiner Begehren, noch hinsichtlich dessen, was ihn anturnt. Das war sehr erfrischend für mich, weil der Rest von uns allen ja immer tut, als wäre so etwas neurotisch oder pervers - und Malloy hat mit nichts davon ein Problem."

Neben dieser glühenden Leidenschaft und seinem körperlichen Selbstbewusstsein gibt es da noch etwas an Malloy, was offensichtlich seine Wut entzündet hat. Ruffalo: "Oberflächlich gesehen ist Malloy absolut ruhig. Aber darunter ist dieses kochende, wütende Innenleben, und wir wissen nicht, worauf das wirklich abzielt - und Frannie weiß das ganz sicher auch nicht. Das erweckt in ihr tiefe Angst davor, wer er wirklich sein könnte.

Gemeinsam mußsten Ruffalo und Meg Ryan eine Intimität entwickeln, die in den meisten romantischen Liebesgeschichten nicht anzutreffen ist. "Wir mußsten uns von allen Hemmungen lösen und uns sagen: ,Wenn die Kamera läuft, bin ich völlig verliebt und lebe jeden Moment aus´. Und das hat uns durch die Szenen gebracht", erklärt Ruffalo. "Die Proben waren sehr hart, und Jane forderte viel von uns ab. Es war beängstigend. Aber sie schuf auch eine Atmosphäre, in der man völlig aus sich herausgehen konnte. Je mehr Meg und ich probten, umso mehr zahlte sich die Arbeit aus."

Ryan fügt hinzu: "Es gab eine wirkliche Verbindung zwischen uns, eine von denen, die sich anfühlt, als hätte man sich schon immer gekannt. Und das ist die Grundlage dafür, dass man bis zu solchen Extremen geht. Mark hat mir geholfen, den Mut zu haben, an diese Grenzen vorzustoßen."

Jennifer Jason Leigh über Pauline Eine andere intime Beziehung stellt die zwischen Frannie und ihrer Halbschwester dar. Pauline ist ebenso einsam, flirtet dabei allerdings mit Leidenschaft und geht ständig neue, zum Scheitern verurteilte Affären ein, zum Beispiel mit ihrem verheirateten Psychiater. Pauline wird von Jennifer Jason Leigh gespielt, die zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, mit Jane Campion zu arbeiten. "Ich bin ein großer Jane-Campion-Fan. Ihre Filme waren immer inspirierend für mich", schwärmt sie. "Tatsächlich basiert meine Darstellung der Georgia [in Ulu Grosbard's Film] teilweise auf Janes Film SWEETIE. Es war wirklich unglaublich, endlich die Chance zu haben, mit ihr zu arbeiten. Ich war sehr begeistert von der Rolle der Pauline. Sie hat so etwas Offenes, einen Optimismus, der mich sehr angesprochen hat."

Campion ermutigte Meg Ryan und Jennifer Jason Leigh, sich auf all die Widersprüche dieser Schwesternbeziehung einzulassen, indem sie sowohl die verschiedenen Persönlichkeiten vollständig entwickeln und zugleich ein unzerbrechliches Band zwischen ihnen zum Vorschein bringen. "Jane hat uns dazu gebracht, ungewöhnliche Dinge zu tun. Zum Beispiel schrieben wir auf, welches die größten Ängste unserer Figuren sind, um diese dann miteinander zu vergleichen. Oder sie hat uns Geschenke für den anderen kaufen lassen", erklärt Jason Leigh. "Wir haben sehr viel improvisiert. Der ganze Vorbereitungsprozess war sehr ungewöhnlich, sehr kreativ und hat sehr viel Spaß gemacht."

Und Campion setzt fort: "Als ich die Rolle der Pauline besetzt hatte, dachte ich, was für eine coole und großartige Schwester Jennifer Jason Leigh doch ist! Und ich wollte, dass sie diese Rolle genau so spielt, wie sie selbst ist. Ich liebe es, wie smart und sexy sie ist, und ich fand es wirklich interessant, dass eine Frau zugleich so unsicher und verwirrt über ihre eigene Identität und gleichzeitig so unglaublich smart sein kann. Das sind zwei Seiten, die sich definitiv nicht ausschließen."

Nick Damici und Sharrieff Pugh Für die Rollen von Detective Rodriguez, Malloys Partner, der sich ebenfalls zu Frannie hingezogen fühlt, sowie Cornelius, den Studenten, der seiner attraktiven Lehrerin nachstellt, wählte Campion als Besetzung zwei relative Newcomer - Nick Damici und Sharrieff Pugh. "Für beide waren dies große Rollen", kommentiert Campion, "und ich finde sowohl Sharrieff als auch Nick haben sie auf den Punkt genau getroffen."

Sie setzt fort: "Für Detective Rodriguez suchte ich nach jemandem, der etwas Frisches und Anderes in diese Art von Rolle einbringt." Sie entdeckte genau diese Qualitäten an Damici, der nicht nur Schauspieler, sondern auch Kickbox-Trainer ist und seinen Namen von dem THE PIANO-Star Harvey Keitel übernommen hat. "Nick ist der absolute New Yorker", schwärmt Campion. "Aber er ist auch sehr schwer zu durchschauen. Er hat etwas sehr Geheimnisvolles und genau das ist das Fesselnde an Rodriguez."

Was die Besetzung von Sharrieff Pugh angeht, erklärt Campion, dass sie nach einem starken Kontrast suchte. "Ich mochte Sharrieff, weil er so ein großer Junge ist, im Körper eines Boxers. Er kann sehr beängstigend wirken, aber zur selben Zeit sehr süß, ausdrucksstark und irgendwie unwiderstehlich. Man kann Frannies Interesse an ihm verstehen."

Kevin Bacon über John Graham Kevin Bacon rundete schließlich den Cast ab und fügt seiner Filmographie einen weiteren, komplett anderen Charakter hinzu: Die Rolle des John Graham, Meg Ryans unsicherem Ex-Freund, der ihr auf eine Art und Weise nachstellt, die angesichts der Reihe von Mordfällen in der Umgebung immer beängstigender wird.

"Ich mochte diesen Charakter, weil er mir die Gelegenheit bot, jemanden zu spielen, der im Laufe des Films immer verwirrter wirkt", erklärt Bacon. "Er ist von Beginn an am Boden zerstört und fühlt sich erheblich unter Druck gesetzt, und leider befindet sich Frannie für ihn im Mittelpunkt der Welt, in der all das passiert. Die Rolle ist ein perfektes Beispiel für einen kleinen Part mit sehr viel Tiefgang. Ich will nicht immer die Hauptrolle spielen oder den Helden. Also gab mir John Graham die Gelegenheit, sehr viele Dinge in einem begrenzten Rahmen zu tun. Schließlich bin ich genau deshalb Schauspieler geworden, um diese Art von Herausforderung anzunehmen."

Bacon freute sich außerdem auf die Zusammenarbeit mit Meg Ryan. "Es ist toll, jemanden zu spielen, der von Meg Ryan besessen ist", grinst er. "Und es war vor allem ausgesprochen spannend, sie dabei zu beobachten, wie sie diese Rolle ausfüllt, in einer Art, wie sie noch nie jemand - mich selbst eingeschlossen - gesehen hat. Das war sehr inspirierend." Jane Campion war begeistert von Bacons emotional labiler Darbietung und von seinen kreativen Beiträgen. Insbesondere gefiel ihr Bacons Vorschlag, dass Graham auf der Straße seine Arbeitskleidung trägt.

"Kevin ist so subtil und clever bei allem, was er tut. Dadurch erkennt man in John Graham jemanden, der zugleich sehr Furcht einflößend, als auch einfach auf eine unschuldige Art und Weise neben der Spur und ein bisschen hilfsbedürftig ist. Kevin hatte die Idee, dass John Graham in uns allen ist. Er ist der paranoide und unangenehme Teil von uns, den wir nicht kontrollieren können. Ich denke, wir haben das alle selbst schon einmal erlebt, was Graham widerfährt. Und Kevin hatte die Idee, ihn eben zu diesem irren Typen zu machen, der seinen OP-Kittel wie ein Kostüm trägt. Er hat die Rolle wirklich zum Leben erweckt."

Die Arbeit der Regisseurin Campion überraschte alle Schauspieler mit ihren ausgesprochen intensiven Proben, die mit aufwändigen Übungen und psychologischen Tests alle an ihre Grenzen brachten. Campion fand das absolut notwendig, um die Schauspieler im Inneren zu erreichen. "Die Proben, die Aufmerksamkeit, die ich anbiete und im Gegenzug erwarte, sind wichtig, aber es gibt noch etwas anderes, das den maßgeblichen Aspekt der Arbeit mit Schauspielern ausmacht", erklärt sie. "Für mich ist es vor allem eine Übung in Vertrauen. Alles wäre nichts als eine große Zerstreuung, wenn kein Vertrauen dabei wäre. Besonders bei diesem Film. Irgendwie mußsten wir zu einem Zustand kommen, in dem die Schauspieler sich wohl und sicher fühlten - sicher genug, um an ihre Grenzen zu gehen und sich bis an den Abgrund zu wagen." Der Look des Films Der Look von IN THE CUT folgt der Tradition der unabhängigen, mutigen amerikanischen Filmemacher der siebziger Jahre. Campion fügte der Atmosphäre und dem Visuellen, die die damaligen Dramen und Thriller so unvergesslich und menschlich machten, ihren eigenen, unverkennbar zeitgemäßen Stil hinzu. "Man mußs ganz klar anerkennen, dass die brillanten Filme der Siebziger das Genre des Film Noir neu definiert haben", erklärt Campion. "Und IN THE CUT ist eine neue Neu-Interpretation des Genres."

Als Vorbild diente Alan J. Pakulas KLUTE (1971). "Wir nutzten KLUTE als visuellen Orientierungspunkt für IN THE CUT: KLUTE ist ein großartiger Kultfilm, der ebenfalls Lovestory und Krimi vereint", so Campion. "Er ist außerdem einer meiner Lieblingsfilme, und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, wundere ich mich: Warum machen nicht mehr Leute diese Mischung aus Lovestory, Krimi, Detektivgeschichte und Drama?"

Andere Filme, die Campion im Vorfeld zu IN THE CUT sah, waren TAXI DRIVER (1976, Regie: Martin Scorsese), den Campion für seinen poetischen urbanen Realismus schätzt, und THE FRENCH CONNECTION ("Brennpunkt Brooklyn", 1971, Regie: William Friedkin), der Film, der die Polizeiarbeit zu einem wichtigen Element im Kino machte. Die Filmemacherin recherchierte auch im Bereich des klassischen Film Noir der 40er Jahre - mit seinen Femmes Fatales und düsteren Schatten.

Um den Realismus weiter zu verstärken, führte Campion umfangreiche Gespräche mit Experten: "Ein Teil von Janes Ziel war, den Film wirklich wie einen Realitätsschock wirken zu lassen, so dass wir echte Literaturprofessoren hinzugezogen haben, echte Linguisten, echte Kids mit Street Slang, echte New Yorker Detektive und selbst echte Sex-Spezialisten", erklärt Laurie Parker. "Wir befragten alle x-mal, und als es dann ans Drehen ging, hatten wir eine ganz spezielle Vorstellung, aus der letztlich etwas völlig Einzigartiges und Glaubwürdiges entsprungen ist."

Letztlich war die Stadt New York Campions wichtigste Inspirationsquelle. Sie entschied sich, mitten im Herzen der Stadt zu drehen und keine Ersatzschauplätze zu nutzen. "Die ganze Lower East Side von Manhatten, wo die Story stattfindet, ist zu jeder Zeit so unglaublich voller Leben. Das brachte uns auf die Idee, alles was wir sahen und hörten, Teil unserer Story werden zu lassen", erklärt sie. Also verlegte Campion mit Moore die Geschichte aus dem West Village des Romans in das funkigere East Village. "East Village hat so eine Art handgemachten Charakter", meint sie. "Überall bemüht man sich, ein wenig Natur und Flair mitten in der Großstadt zu kreieren. Ich glaube, das ist genau die Art von Ort, an dem Frannie leben würde."

"Der Ort hat so etwas Tragisches, Verzweifeltes, dem irgendwie Sicherheit fehlt, nicht unähnlich den Schauplätzen des Film Noir", kommentiert Laurie Parker. "Wir hatten damit einen hochinteressanten Hintergrund für einen Noir Thriller, wie man ihn vorher noch nicht gesehen hatte."

Campion arbeitete mit Kameramann Dion Beebe (der zuletzt den Oscar®-prämierten CHICAGO (2002, Regie: Rob Marshall) ins Licht setzte) daran, diesen rohen und puren Realismus mit einer poetisch-einfühlsamen Note zu mischen. Sie ermutigte außerdem Ausstatter David Brisbin, ein überraschendes Lichtschema zu entwickeln und flüchtige Farben und Strukturen zu verwenden, um eine originäre Atmosphäre zu erreichen, die auf ganz radikale Weise dem typischen, schweren Look von Thrillern ähnelt.

"Obwohl die Story von IN THE CUT so viele dunkle Tiefen erforscht, ist es wirklich eine Lovestory voller Leidenschaft und Wärme, und der erste Eindruck des Zuschauers sollte ein sinnlicher sein", so Campion. "Wir wollten, dass er den heißen Sommer spürt, das Gefühl von schwitzenden Körpern auf der Straße, die zueinander finden. Ich denke, man kann durchaus sagen, dass der coole Film Noir aus den Vierzigern und Siebzigern hier sein heißes Pendant findet."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Senator © 1994 - 2010 Dirk Jasper