Fascination

Produktionsnotizen

Was faszinierte Klaus Menzel an Fascination? Als ein Drehbuch namens "Heart of Stone" auf dem Schreibtisch von Klaus Menzel landete, war der erste Impuls des deutschen Produzenten, dieses Skript abzulehnen.

"Nachdem ich "Poison" gemacht hatte, schien jeder der Meinung zu sein, dass ich für den Rest meines Lebens nichts lieber tun würde, als konventionelle Thriller fürs Fernsehen zu produzieren", erzählt er. "In Wirklichkeit lag mir nichts ferner als das."


Menzel legte das Drehbuch beiseite und widmete sich anderen Projekten; aber irgendwie ging ihm die Geschichte um zwei junge Menschen, die ihre Eltern plötzlich des Mordes verdächtigen, nicht aus dem Kopf. "Ich habe schließlich den Telefonhörer in die Hand genommen und das Drehbuch wegen dieser Prämisse gekauft".

Sechs Monate nach dem Kauf hatte Menzel seine eigene Version des Drehbuchs entwickelt und damit den Grundstein für "Fascination" gelegt: eine Geschichte, angesiedelt in einer aus zwielichtigen Charakteren bestehende Welt, mit einer ungewöhnliche Femme Fatale, die für den Protagonisten in gleichem Maße Erlösung als auch Untergang sein kann. Und seiner Angst, sie zu lieben. Menzel erschuf ein faszinierendes Geflecht aus Beziehungen, in dem Liebe und Misstrauen eine interessante, gefährliche Eigendynamik entwickeln.

Nun mußsten die Finanziers für diesen ungewöhnlichen Anti-Thriller - der das eigene Genre untergraben sollte und inzwischen mehr eine gefährliche Liebesgeschichte war - gefunden werden. Menzels Erfahrung im Bereich der Filmfinanzierung ermöglichte es ihm, dies in dem vergleichsweise kurzen Zeitraum von weiteren sechs Monaten auch zu bewerkstelligen: er fand in Puerto Rico einen idealen Drehort, der durchaus als Double für die mondänen Küstenorte von Florida funktionieren konnte; außerdem gelang es ihm, Partner zu finden, deren "Okay" nicht von der Zusage eines Bruce Willis oder einer Julia Roberts abhängig war. Kurzum: er konnte - innerhalb eines knapp kalkulierten Budgetrahmens - "seinen" Film machen und die Darsteller unabhängig von ihrem "Marktwert" besetzen.

Die Besetzung Menzel begann, sich auf eigene Faust auf die Suche nach Schauspielern zu machen - und wurde auf Adam Garcia hingewiesen. "Ein Freund von mir hatte ein paar Songtexte für den Film geschrieben und mich Klaus empfohlen", erzählt Garcia. "Ich traf mich mit ihm und war beeindruckt von seiner Herangehensweise. Klaus sieht den Film in einem lyrischen Kontext und nicht, wie so viele Regisseure, als Aneinanderreihung von Sex und Actionszenen."

Jacqueline Bisset hat ihre eigene Geschichte über Klaus Menzel: "Klaus spielt mit einer guten Freundin von mir Tennis, die ein Treffen zwischen uns arrangiert hat. Ich mochte ihn: er hat unglaublich viel Energie und noch mehr Enthusiasmus."

Als nächstes kam der wohl wichtigste Part für "Fascination" - die Rolle von Kelly, einer ganz anderen Femme Fatale, als wir sie bislang gewohnt sind: "Kellys Rolle verlangt ein außerordentliches Maß an Ambivalenz", erklärt Klaus Menzel. "In den Augen von Scott ist sie sowohl seine große Liebe, als auch eine potentielle Mörderin, die es auf sein Vermögen abgesehen hat.

Hollywood besetzt solche Rollen inzwischen gern mit Frauen, die sich auf Ausklappseiten von Hochglanzmagazinen nicht schlecht machen würden. Natürlich sollte Kelly schön sein - ihre zwei hervorstechenden Eigenschaften sind aber, dass sie hochintelligent und hochneurotisch ist."

Diese hohen Ansprüche führten ihn zu Alice Evans, die sich erst nicht so sicher war, ob sie die Rolle wirklich annehmen sollte: "Ich mochte das Drehbuch, war mir aber nicht so sicher, ob ich eine Femme Fatale auch spielen kann - ich habe so etwas schließlich noch nie gemacht", erklärt die britische Schauspielerin. "Aber dann habe ich Klaus getroffen - und die Art, wie er über den Film redete, hat mich überzeugt."

Auf Stuart Wilson kam Menzel durch eine Empfehlung seines Assistenten, der den britischen Shakespeare-Veteranen hauptsächlich durch Hollywood-Filme wie "Lethal Weapon III", "The Mask of Zorro" und "Enemy of the State". Dazu Klaus Menzel: "Stuart Wilson kann selbst den abscheulichsten Bösewicht mit unwiderstehlichem Charme spielen - und das allein war für mich ausschlaggebend. Außerdem ist er ein Profi, wie er im Buche steht - ich hatte großes Glück, mit ihm arbeiten zu dürfen."

Die Drehorte "Fascination" sollte - in den Worten seines Regisseurs - "ein Film Noir unter praller Sonne" werden; statt am eigentlichen Ort der Handlung in Florida zu drehen, zog das ganze Team ein paar hundert Kilometer weiter nach Puerto Rico.

"Ich habe Puerto Rico in erster Linie als Drehort im Auge gehabt, weil der Staat Filmemachern sehr großzügige Steuervorteile bietet", erklärt Menzel. "Aber schon im Flugzeug im Anflug auf die Insel, kam ein weiterer Aspekt hinzu: im Gegensatz zu den wenigen Küstengegenden in Florida, die noch nicht völlig verbaut sind, kann man hier äußerst problemlos drehen. Außerdem sind die Hintergründe hier noch unverbraucht - man hat sie noch nicht in jeder zweiten Episode von 'Miami Vice' gesehen."

Das Wetter war ein weiterer Pluspunkt: "Jeder fühlt sich bei Sonnenschein ein bisschen glücklicher", sagt Alice Evans. "Außerdem verstehen die Leute in Puerto Rico sehr viel vom Filmemachen. Wenn es mal Probleme gab, haben wir einfach alle mit angepackt und mitgeholfen."

Jacqueline Bisset stimmt zu: "Es war ein sehr interessanter Dreh. Eine wunderschöne Umgebung - wenn ich konnte, genoss ich die wundervolle Altstadt von San Juan, das Meer und den kühlen Wind." Die Hitze machte ihr allerdings schon zu schaffen: "Leider hat die hohe Luftfeuchtigkeit meine Frisur beeinträchtigt - ich hatte plötzlich diese wilden Locken, und sollte eine sehr elegante Witwe spielen."

Stuart Wilson, der schon oft in den Tropen gedreht hat, hatte ein paar Tricks auf Lager, die er auch an seine Schauspielkollegen weitergab: "Ich sehe am Anfang zu, dass mich die Make-up Leute so schminken, als sei ich schon Wochen vorher hier gewesen. So kann ich mich später auch ruhig in die Sonne legen und wirklich braun werden, während alle anderen Schauspieler sechs Wochen lang im Hotelzimmer bleiben müssen."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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