Männer wie wir

Produktionsnotizen

Im Trainingscamp "Männer wie wir" wurde in nur acht Wochen im Jahrhundertsommer 2003 in Köln gedreht. "Kein einfaches Vorhaben, wenn man bei diesen Temperaturen auf Asche spielt", grinst Produzent Andreas Schneppe. Natürlich stand bei der Vorbereitung zu den Dreharbeiten der Fußball erst einmal im Vordergrund: "Bevor wir an den emotionalen Feinheiten feilen konnten, mußste der sportliche Standard der Schauspieler angeglichen werden", erklärt Schneppe. "Schließlich sahen die Rollen vor, dass die Beteiligten Interesse an Fußball und auch praktische Erfahrungen mit diesem Sport hatten."

Das hieß für die Darsteller der Fußballer viermal zwei bis drei Tage Trainingslager. Neben Konditionsaufbau, Ballgefühl und Taktik hatten die Trainingslager den angenehmen Effekt, dass aus einer Gruppe von Schauspielern ein Team zusammenwuchs. Etwas, was beim Filmemachen nicht immer gelingt, da sich die Akteure oft erst am Set kennen lernen. Mit dabei war auch Urgestein Rolf Zacher als Trainer Karl, der sich später oft am Drehort aufhielt, selbst wenn er nicht arbeiten mußste.

"So wie Trainer Karl zu einer prägenden Persönlichkeit für die Neu-Fußballer in der Geschichte wird, entwickelte sich Rolf Zacher als erfahrenerer Schauspieler fast zu einer Vaterfigur für die jüngeren Kollegen." Wie stark Zacher sich mit seiner Rolle beschäftigte, war schon beim Casting zu erkennen: Er tauchte in einem ausgebeulten Trainingsanzug auf, der tatsächlich so aussah, als hätte er die letzten dreißig Jahre in Trainer Karls Schrank verträumt.

Angefangen hatte alles im Jahr 2001. Schon die erste Fassung des Drehbuchs "Männer wie wir", die Autor Benedikt Gollhardt (u. a. "Edel & Starck"/TV) vorlegte, begeisterte die Produzenten. Für Kirsten Hager und Andreas Schneppe waren es "der Humor, der Witz und die emotionale Tiefe, die uns sofort berührten.

Dazu produzierte die Kombination von Fußball und Schwulsein, zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen schienen, eine interessante Grundspannung mit einem großen Potenzial." Gemeinsam entwickelten Gollhardt und Hager Moss in den folgenden beiden Jahren den Stoff weiter. Ein ungewöhnlicher Stoff, das war den Produzenten schnell klar, erfordert eine ungewöhnliche Regiewahl.

dass die Wahl auf Sherry Hormann fiel, war nicht ganz so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick - Frau und Fußball - wirkt. Aber vieles bei "Männer wie wir" erschließt sich eben erst auf den zweiten, genaueren Blick! Hormann und Hager Moss können auf eine über zehnjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit zurückblicken. Kirsten Hagers erste Spielfilmproduktion war "Leise Schatten" (1991) von Sherry Hormann. Für Sherry Hormann war "Männer wie wir" natürlich besonders wegen der vielen Fußballszenen eine Herausforderung, denn jeder Mann im Team wusste alles besser.

"Entertainment und Spaß am Leben - gegen alle Vorurteile und Widerstände!" - diese Botschaft las Sherry Hormann aus Gollhardts Drehbuch. Und darauf verspürte auch sie Lust. Genauso wie auf die Fußballszenen, bei deren Inszenierung sie von Anfang an selbst den leisesten Gedanken an die Hilfe eines Second-Unit-Regisseurs verwarf. So bietet "Männer wie wir" neben raffinierten Screwball-Comedy-Elementen, herzerwärmend emotionalen Momenten und großem Lachpotenzial auch sportlich-spannende Fußballsequenzen auf hohem Niveau. Wer das entscheidende Tor in der zweiten Halbzeit sieht, versteht, warum man den Brasilianern auf dem Fußballfeld Magie nachsagt ...

Für die Rolle von Ecki castete die Agentin Nessie Nesslauer über 100 junge Schauspieler, doch keiner verfügte für Sherry Hormann über das spezielle Ecki-Flair, das sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Maximilian Brückner endlich war ihr Ecki, das war der Regisseurin bereits klar, als sie ihn zum ersten Mal traf. Sie schwärmt über den Absolventen der Münchner Otto-Falckenberg-Schule: "Maximilian ist ein Juwel - und er war für die Rolle perfekt. Denn er strahlt etwas sehr Seltenes aus: Pure Unschuld."

Das Schauspielensemble wies eine spannungsreiche Mischung aus versierten Profis und viel versprechenden Newcomern auf: Auf der einen Seite die "alten Hasen" Rolf Zacher, Mariele Millowitsch, Dietmar Bär, Andreas Schmidt, Saskia Vester und Christian Berkel. Berkel, dessen bravourös vielschichtige Darstellung des Lederschwulen und Vaters Rudolf zu den ungewöhnlicheren Aufgaben in seinem Schauspielerleben gehörte, war innerhalb der Fußballdarsteller einer der wenigen, die auf jahrelange Erfahrung vor der Kamera zurückgreifen konnten.

Der Wahlberliner Berkel ist dem Kinogänger vor allem durch seine Rolle als Luftwaffenmajor Steinhoff in "Das Experiment" neben Moritz Bleibtreu präsent. Auf der anderen Seite junge Schauspieler, die eine noch verhältnismäßig kurze Filmografie aufweisen, wie David Rott (als Eckis große Liebe Sven), Lisa Maria Potthoff (als Eckis Schwester Susanne) und Hans Löw (als Susannes Verehrer Klaus).

Zehn Tage nach Drehbeginn brach sich Charly Hübner, der Darsteller von Rudolfs Lebenspartner Horst, den Fuß. Schneppe: "Das war natürlich erst einmal eine Katastrophe! Die Versicherung sagte: "Umbesetzen und alles neu drehen.'" Wir wollten aber Charly Hübner als Horst nicht verlieren. Bis zu diesem Tag war er in fast jeder Szene drin und das Trio Berkel, Hübner, John war großartig! Wir haben dann alles kalkuliert und als herauskam, dass umschreiben und neu schreiben genauso teuer würde wie neu drehen, haben wir uns entschlossen, den gebrochenen Fuß einfach in die Handlung zu integrieren und dann im September noch vier Tage anzuhängen." Der Plan ging auf: Der Dialog, in dem Horst seinen Kumpels (insbesondere Rudolf) erklärt, wie es zu dem Unfall kam, ist eine weitere wunderbare Szene voller Dialogwitz.

"Das Schöne bei der Produktion von "Männer wir wir" war, dass wir aus unvorhergesehenen Ereignissen, wie einem Unfall, das Beste machen konnten. Dabei entstand oft etwas, das noch besser war und mehr in die Geschichte passte als ursprünglich vorgesehen", fasst Drehbuchautor Benedikt Gollhardt seine erste Erfahrung mit einem Kinofilm zusammen.

Nach den angehängten Drehtagen im September mit einer Kerndrehzeit im Juli und August war "Männer wie wir" im Herbst 2003 abgedreht. Die Postproduktion konnte im Februar abgeschlossen werden. Und nach der EM in Portugal und den Olympischen Spielen in Athen darf sich auch der Sportfan ab 7. Oktober 2004 im Kino auf eine beschwingte Komödie mit echten Kerlen, guten Freunden, spießigen Dörflern und ratlosen Eltern, wunderbaren Liebhabern, klugen Frauen, herrlich lustigen Dialogen und rasanten Fußballszenen freuen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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