White Chicks

Produktionsnotizen

Zwei afroamerikanische Männer versuchen, sich als weiße Frauen auszugeben? Klingt absurd. Aber mit Hilfe eines befreundeten FBI-Kollegen, der zufällig ein Genie in Sachen Make-up ist, ist es genau das, was die glücklosen Ermittler Marcus und Kevin Copeland (Marlon und Shawn Wayans) tun, wenn sie als Tiffany und Brittany Wilson undercover in die High Society der Hamptons eintauchen.

Die Idee zu WHITE CHICKS kam von Shawn Wayans, sagt sein Bruder, der Regisseur Keenen Ivory Wayans. "Wir saßen herum und lasen Zeitschriften und in einer stand eine Geschichte über die Prominenz in den Hamptons. Shawn las das Interview und lachte: ?Ich und Marlon sollten Mädchen wie diese spielen.' Ich hielt das für eine brillante Idee. Es ist nun kein Film über jemanden bestimmtes geworden, sondern über diese Welt des Sehens und Gesehenwerdens. Ich wusste, dass es hochgradig komisch würde, wenn wir das machen. Aber ich wollte sichergehen, dass sie überzeugend aussehen. Das war die wirkliche Herausforderung."

Der erste Test, dem Marcus und Kevin im Film gegenüberstehen, ist die Begegnung mit Tiffanys und Brittanys besten Freundinnen - Karen, Lisa und Tori (Busy Philipps, Jennifer Carpenter und Jessica Cauffiel). Das Trio ist sofort skeptisch. In dem Jahr, seit sie Tiffany und Brittany zuletzt gesehen haben, sind die beiden größer und ihre Lippen voller geworden.

Auch beim Empfang des "Hamptons Magazine" stehen Kevin und Marcus auf dem Prüfstand. Während sie sich an das Frausein herantasten, wird schnell klar, dass sich mehr verändert hat als nur Tiffanys und Brittanys Körper - sie haben auch eine neue Einstellung angenommen. Als ihre Rivalinnen Heather und Megan Vandergeld (Jaime King und Brittany Daniel) über sie herziehen, schlagen die beiden (Mann-)Frauen mit den gleichen Waffen zurück, sehr zur Überraschung - und heimlichen Bewunderung - von Karen, Lisa und Tori. Wer hätte gedacht, dass die Wilson-Mädchen so schlagfertig sind?

Beim Empfang bekommen Kevin und Marcus erste Eindrücke von den Strukturen der Gesellschaft in den Hamptons. Hinter der Fassade von Luftküssen und höflicher Etikette liegt ein Netz aus konkurrierenden Unsicherheiten und über die Jahre aufgebauter Missgunst. Heather Vandergeld hasst Brittany Wilson dafür, dass sie mit ihrem Freund Heath (John Reardon) geschlafen hat, der nur mit Heather zusammen ist, um einen Deal mit ihrem reichem Vater abzuschließen. Heather ist dagegen nur mit Heath zusammen, um Karen eins auszuwischen, die in Heath verliebt ist, aber von ihm nur für Sex benutzt wird. Karens Freundin Lisa ist neurotisch und besessen von ihrem Gewicht.

Jamie King, die Heather spielt, beschreibt die Tagesordnung dieser jungen Frauen: "Das Leben dreht sich nur darum, das ?It-Girl' zu sein, die Coolste, die Bestangezogene, diejenige, die in allen Magazinen abgebildet und zu allen Partys eingeladen wird. Sie werden ausschließlich davon angetrieben, was andere über sie denken und das macht ihr Leben schwer erträglich. Das Ergebnis davon ist, dass sie versuchen, immer mehr und mehr und mehr zu kriegen."

Jennifer Carpenter fügt hinzu, dass ihre Rolle, Lisa, "verzweifelt versucht, dazuzugehören. Sie denkt, dass jeden Moment herauskommen könnte, dass sie nicht cool genug, nicht hip genug, nicht glamourös genug ist. In gewisser Weise sind wir also genau wie Kevin und Marcus. Wir tragen alle Verkleidungen und versuchen, als echt durchzugehen."

Während WHITE CHICKS mit der Welt spielt, die dafür als Schauplatz gewählt wurde, ist der Film auch - wie alle Komödien der Wayans - ein fortlaufender Kommentar auf menschliches Fehlverhalten. In diesem Fall wird die High Society der Hamptons zur perfekten Oberfläche für eine Komödie, die auch Themen wie Perfektion und Unsicherheit, Liebe und Besitz untersucht. Es ist diese geschickte Mischung aus Komödie und Sozialkommentar, die einen Wayans-Film von anderen Komödien abhebt.

Rick Alvarez, langjähriger Produktionspartner der Wayans-Brüder, erwähnt, dass sie viel Zeit damit verbringen, ihre Themen zu recherchieren, "Dinge zu sezieren, sich die absurdesten Gags einfallen zu lassen, die zusammengenommen dann diese verrückten, unvorhersehbaren Szenen ergeben. Sie sind bekannt dafür, dass sie sich über Popkultur und die ganze Welt lustig machen, aber sie verpacken das in einer wirklich witzigen Art, so dass man fast vergisst, dass man auch mit wichtigen Themen konfrontiert wird."

Die Reichen waren immer schon ein leichtes Ziel für Spott, aber den Wayans geht es um Chancengleichheit. Gomez und Harper, zwei konkurrierende Kollegen von Kevin und Marcus, werden als Trottel dargestellt, die beleidigende Kommentare über Frauen machen. In typischer Wayans-Art bekommen die beiden Frauenfeinde ihre wohlverdiente Strafe von ihren beiden als attraktive Frauen verkleideten Rivalen Marcus und Kevin.

Sogar die Helden des Films kommen nicht ungeschoren davon. Die Leben der Copeland-Brüder sind vielfach genauso kompliziert wie die der verwöhnten Gesellschaftsdamen, als die sie sich ausgeben. Kevin ist ein Junggeselle, der sich von einem ungezwungenen sexuellen Erlebnis zum nächsten treiben lässt, obwohl er sich nach der glücklichen Ehe sehnt, von der er glaubt, dass sein Bruder sie hat. Doch tatsächlich ist Marcus' Ehe ein ziemliches Schlachtfeld aus unausgesprochener Zuneigung und Bedürfnissen. Seine Frau ruft unaufhörlich auf seinem Handy an, verzweifelt nach Aufmerksamkeit suchend und in der Hoffnung, dass ihre Leidenschaft erwidert wird.

"Marcus ist einfach ein Kerl, der hart arbeitet", sagt Marlon Wayans über seine Rolle. "Er liebt seine Frau, aber er versteht ihre Gedanken nicht. Es gibt eine Kommunikationslücke zwischen den beiden."

Zum Teil liegt das daran, dass Marcus' Frau Gina (Faune Chambers) genauso wenig in der Lage ist, ihre echten Gefühle zu artikulieren, wie ihr Ehemann. Eigenwillig versteckt sie ihre Unsicherheit hinter einer Mauer aus Ansprüchen. "Gina trägt ihr Herz auf der Zunge", erklärt Chambers, "damit ihr niemand reinredet. Sie ist ein bisschen eifersüchtig, aber sie selbst sieht das gar nicht als Eifersucht. Für sie ist das ihr Begehren und die Liebe zu ihrem Ehemann. Sie braucht die Bestätigung, dass er sie genauso sehr liebt wie sie ihn."

Aufgrund einer Reihe komischer Missverständnisse ist Gina überzeugt davon, dass Marcus sie betrügt. Als ihre Kreditkarte abgewiesen wird, weil damit in den Hamptons ein 4.000$-Kleid gekauft wurde, beschließt sie zu handeln. Getrieben von schlechten Ratschlägen und rechtschaffener Empörung ihrer besten Freundin Shaunice (Drew Sidora), brechen die beiden Frauen in den Sommerurlaubsort am Strand auf, um Marcus zu ertappen.

Ob als geplagter Ehemann oder gejagte Erbin - Marcus befindet sich unaufhörlich im Fadenkreuz. Beim Empfang des "Hamptons Magazine" fällt Marcus/Tiffany Darnell Johnson (Terry Crews) ins Auge, einem Star-Athleten mit reichlich sexuellem Appetit. Crews, der sieben Jahre lang in der NFL spielte, erkannte seine Rolle sofort wieder. "Es gibt viele Darnells in der NFL", sagt Crews. "Mit einer Weißen auszugehen, ist für die eine Trophäe, eine andere Art zu zeigen, dass sie es geschafft haben." Als ein Date mit Tiffany bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung versteigert wird, protzt Darnell öffentlich mit seinem Reichtum und seiner Macht und zahlt 50.000 $ für einen Abend mit dem Objekt seiner Begierde.

Darnell verliebt sich in Marcus/Tiffany, so dass Marcus nur noch verzweifelter versucht, die Avancen abzuwehren. Ironischerweise macht Marcus' schonungslose Offenheit gegenüber Darnell Tiffany nur noch attraktiver für ihn. Marlon Wayans beschreibt sein desaströses erstes Date mit Darnell: "Sie pult am Restauranttisch in ihren Zehennägeln. Darnell ist davon völlig unbeeindruckt. Sie isst alles, was sie kriegen kann und er sagt ihr, dass er bei Frauen die gewissen Extrapfunde mag." Schließlich stellt Marcus/Tiffany sogar seine professionellen Fähigkeiten in Frage. Statt beleidigt zu sein, ist er ihr dankbar. Er ist so an Ja-Sager in seiner Umgebung gewöhnt, dass ein bisschen Kritik erfrischend ist.

Wenn er sich an das Drehen der Szene erinnert, in der er die erste Verabredung mit Marcus/Tiffany hat, mußs Crews einfach lachen, weil diese Situation der Nervosität am Set zwischen ihm und Wayans in Frauenkleidern ähnelte. "Das war die erste Szene, die Marlon und ich zusammen hatten", erklärt Crews. "Und das war echter Bammel. Immerhin kommt er die Treppe des Hotels herunter wie das verwandelte Aschenputtel und ist meine Königin. Weil ich vorher noch nicht mit ihm in seinem Make-up gearbeitet hatte, war es wirklich wie ein Blind Date. Es war so witzig, weil das, was die Kamera zeigt, genau das war, was tatsächlich passierte."

Auch Kevin möchte unbedingt wieder ein Mann sein, allerdings aus einem völlig anderen Grund. Er hat sich in die attraktive Reporterin Denise Porter (Rochelle Aytes) verguckt und weiß nicht, wie er ihre Aufmerksamkeit erregen kann, ohne Verdacht zu wecken. Was die Sache noch schlimmer macht: Kevin ist überzeugt davon, dass Denise nur daran interessiert ist, sich mit einem reichen Mann zu treffen - was Kevin als FBI-Agent natürlich nicht ist.

Kevin buhlt um sie, indem er Darnells Haus in den Hamptons in Beschlag nimmt, während der damit beschäftigt ist, Marcus/Tiffany den Hof zu machen - eine Idee, die sich als vergnügliches Desaster herausstellt. "Kevin war noch nie in dem Haus", erzählt Alvarez. "Er ist völlig unvorbereitet auf die wütende Haushälterin, die ihn umbringen möchte, oder den Wachhund, der ihn sich als nächste Mahlzeit ausgesucht hat."

Das Jonglieren mit all diesen Täuschungen erreicht seinen Höhepunkt an einem Abend im angesagtesten Club des Ortes. Die verschiedenen jungen Frauen (echte und weniger echte) stehen sich in der Mitte der Tanzfläche gegenüber. Brittany Daniel, die Megan Vandergeld spielt, beschreibt es als "regelrechte Schlacht. Wir legen eine Show-Tanzeinlage hin und plötzlich sind Marcus/Tiffany und Kevin/Brittany bessere Tänzerinnen als wir - sie können sogar alle Breakdance-Figuren. Wir stehen vor einem Rätsel. Da sind zwei weiße Mädchen mit dem Talent von schwarzen Mädchen. Das macht uns wahnsinnig."

Die Szene im Nachtclub entstand ebenfalls aus den Recherchen der Wayans-Brüder. Keenen Ivory Wayans hat sich mit seinen Brüdern einige typische "White Girl Movies" angeschaut, um Gemeinsamkeiten und Klischees zu finden, so Alvarez. "Es gab viele choreografierte Tanzszenen in diesen Filmen - beim Abschlussball, bei einer Party oder im Nachtclub", sagt er. "Also wollte er eine Szene drehen, in der unsere beiden schwarzen Männer, verkleidet als weiße Frauen, sich in einem Tanzwettstreit mit weißen, von Hip-Hop-Kursen inspirierten Mädchen wiederfinden. Keenen verpflichtete Tina Landon, die eine großartige Choreografin ist. Sie hat viele Musikvideos für Leute wie Britney Spears und Janet Jackson gemacht. Sie hat über Wochen mit den Schauspielern gearbeitet und wir haben eine, wie ich finde, wirklich komische Tanzszene bekommen."

Der Sieg auf der Tanzfläche öffnet Tori und Lisa und vor allem Karen die Augen. Als Heath sie das nächste Mal auffordert, ihm zu Diensten zu stehen, findet sie endlich den Mut, ihm eine Abfuhr zu erteilen. "Karens Entwicklung ist es, zu lernen, dass sie ein wertvoller Mensch ist", sagt Busy Philipps über ihre Rolle. "Ihre Freundinnen Brittany und Tiffany (Marcus und Kevin) helfen ihr zu begreifen, dass sie es nicht verdient hat, so von Heath behandelt zu werden."

Auch Marcus lernt etwas bei seinem kurzen Abstecher in die Weiblichkeit. Da er in die Gedanken und Gefühle seiner Freundinnen eingeweiht wird, fängt er an, seine Frau besser zu verstehen. "Ich werde ein sensiblerer Mann, weil ich zu verstehen beginne, was sie jeden Tag durchmacht, um mich glücklich zu machen", sagt Marlon Wayans. "Ich entwickle einen neu gefundenen Respekt für meine Frau dank meiner Erlebnisse als Frau. Und das hilft meiner Ehe."

In ähnlicher Weise lernt auch Kevin aus seinen Erfahrungen. "Die ganze Zeit gibt er vor, etwas zu sein, was er nicht ist, um Denise zu erobern. Aber er findet heraus, dass sie diese Art Mann gar nicht will, sondern eher den, der er wirklich ist", meint Shawn Wayans. "Indem er selbst eine Frau und von Frauen umgeben ist, beginnt er ihre Emotionen zu verstehen und das eröffnet ihm eine völlig neue Perspektive."

Die Vandergelds auf der anderen Seite reagieren völlig anders auf ihren Gesichtsverlust auf der Tanzfläche. Sie hecken einen Plan aus, damit sie bei der alljährlichen White Party und der Modenschau nicht wieder beschämt werden. Doch der Plan geht schief. Wieder werden sie von den Wilson-Schwestern übertrumpft - dieses Mal von den echten.

Obwohl sie zunächst begeistert sind, sich selbst in einer Kolumne auf Seite sechs der New York Post zu sehen, dämmert es der echten Brittany und der echten Tiffany bald, dass sie gar nicht wirklich in den Hamptons sind und befürchten, dass sie vielleicht geklont wurden. In der Absicht, die Welt zu retten, machen sie sich schnurstracks zur Küste auf gerade als die White Party beginnt. Kaum treffen sie auf dem Laufsteg auf ihre Klone, da schlagen die Kidnapper zu! Die Lichter gehen aus. Im entstehenden Chaos wird die wahre Identität von Kevin und Marcus enthüllt und die Kidnapper werden geschnappt. Die abtrünnigen Agenten werden für ihre Undercoverarbeit belohnt, Kevin bekommt ein echtes Date mit Denise und Gina fasst sich ein Herz und verzeiht ihrem unberechenbaren Ehemann.

Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage?

Über die Produktion "Keenen Ivory Wayans ist meiner Ansicht nach einer der großartigsten Komödienregisseure aller Zeiten", meint Produzent Rick Alvarez enthusiastisch. "Dazu kommen Shawn und Marlon, die fantastische Darsteller sind und seit ?In Living Color' großartige Charakterarbeiten abgeliefert haben. Wenn man diese drei zusammentut, ist das eigentlich ein Selbstläufer. Es war also leicht, dieses Konzept an den Mann zu bringen."

Produzent Lee R. Mayes, dessen Zusammenarbeit mit Keenen bei Lowdown Dirty Shame (Mister Cool, 1994) begann, fügt hinzu, dass die Brüder nicht nur ihren guten Ruf anzubieten hatten, sondern auch eine originelle Idee. "Ich glaube nicht, dass schon mal jemand zwei junge Schwarze genommen hat und sie in zwei junge, attraktive Blondinen verwandelt hat", sagt Mayes.

"Es gab Some Like It Hot (Manche mögen's heiß, 1959), aber die sahen aus wie zwei alte Schachteln. Das gleiche gilt für Mrs. Doubtfire (Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen, 1993). True Identity (True Identity, 1991) war ein früher Film, der auf gelungene Weise einen Schwarzen zu einem Weißen gemacht hat. Eddie Murphy hat das in ?Saturday Night Live' getan, was eine Inspiration für den Film war. Aber wir wollten das Ganze auf ein neues Level heben. Wir wussten, dass es eine außergewöhnliche Leistung wäre, wenn wir das schaffen."

Die Macher des Films waren entschlossen, die Illusion so real wie möglich zu machen, statt sich auf einen herkömmlichen "Drag Look" zu verlassen. Ein entscheidendes Element dafür war die Besetzung. Die Filmemacher suchten zwei junge Frauen, die nicht nur wie Schwestern aussahen, sondern auch in Größe und Gewicht Shawn und Marlon ähnlich genug waren und deren Gesichter zu denen der Wayans passten.

Maitland Ward, die für die Rolle der Brittany Wilson ausgesucht wurde, erinnert sich noch lebhaft an die ausgefallenen Castingsitzungen. "Nachdem ich für die Rolle vorgesprochen hatte, wurde mein Gesicht vermessen", erinnert sie sich, "die Distanz zwischen meinen Augen, meine Nase, meine Lippen und mein Kinn. Danach mußsten sie einen Plastikabdruck von meinem Gesicht machen, um sicherzugehen, dass es zu Shawns Zügen passt. Es war eines der ungewöhnlichsten Castings, bei denen ich je war."

Als ihnen die Schwierigkeit der Verwandlung bewusst wurde, taten sich die Macher mit den Spezial-Make-up-Künstlern Greg Cannom (der einen Oscar® für Mrs. Doubtfire (Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen, 1993) gewann) und Keith VanderLaan zusammen.

Gemeinsam schufen sie ein neues Design und kreierten und testeten unterschiedliche Prothesen, bevor sie sich für die entschieden, die schließlich verwendet wurden. Die Gesichter der Schauspielerinnen wurden in vier Abschnitte unterteilt, so dass diese nach Bedarf modifiziert werden konnten, ohne dass man jedes Mal von vorne beginnen mußste. Nachdem die Formen einmal festgelegt waren, fanden ausführliche Make-up-Tests statt.

Seine erste Herausforderung, so Cannom, bestand darin, die scharfen Gesichtszüge von Shawn und Marlon abzurunden, ohne flache, leblose Gesichter zu erzeugen. Nachdem dieses Problem gelöst war, stand Cannom vor einem anderen Dilemma - all die Verschönerungs- und Make-up-Tricks, die Frauen normalerweise anwenden, haben den gegenteiligen Effekt, wenn Männer sie benutzen. "Das Interessante war", erzählt Cannom, "dass wir kein Make-up verwenden konnten, um sie attraktiver aussehen zu lassen. Sonst hätten sie ausgesehen wie Drag Queens. Obwohl ich ein abdeckendes Make-up verwendete, um sie weicher aussehen zu lassen, mußste für den Rest des Gesichts eine subtilere Herangehensweise her."

Noch schwieriger war es, eine Hautfarbe zu finden, die die dunkle Haut der Männer überdeckt, ohne unnatürlich oder aufgemalt zu wirken. "Wenn man eine helle Farbe auf solche Haut aufträgt, sieht das normalerweise grau aus", erklärt Cannom.

"Um das auszugleichen, mußsten wir etwas Neues erfinden, eine Mischung, die wir auf die Haut sprühten, um dem Grau vorzubeugen. Wir fanden ein Make-up namens Revlon Color Stay. Nachdem wir eine erste Schicht meines Produkts aufgetragen hatten, legten wir Color Stay darüber und konnten so einen wirklich hellen Farbton erzeugen. Schließlich trugen wir noch einige feine Sommersprossen und ganz kleine rötliche Flecken auf, um das Ganze ein wenig aufzubrechen und eine lebensechte Hautfarbe zu erreichen."

"Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als wir die Tests gemacht haben und ich dicht neben Marlon stand", fährt Cannom fort. "Er trug zum ersten Mal die Kontaktlinsen, das Make-up und auch die Perücke. Ich bin fast ausgeflippt, weil wirklich nichts mehr von Marlon zu sehen war. Für eine Sekunde beunruhigte mich das. Diese Reaktion war mir völlig fremd. Daher wusste ich, dass es ziemlich gut war."

Dann tauchten die Wayans in vollem Make-up bei den Geldgebern des Films von Revolution Studios auf. "Das war ein einmaliger Moment", erinnert sich Mayes. "Shawn und Marlon waren zum Schreien komisch. Sie versetzten sich so schnell in ihre Rollen, dass wir vergaßen, wozu dieser Test überhaupt stattfand. Sie hatten sich sofort in zwei junge Frauen verwandelt. Es war irre!"

Alvarez stimmt ebenfalls zu, dass die Tests erfolgreicher waren als irgendjemand erwartet hatte. "Es war unglaublich", lacht er. "Sie tanzten wie weiße Mädchen und sprachen wie weiße Mädchen. Sie wurden vor unseren Augen buchstäblich zu weißen Mädchen. Es war brillant."

Die Hauptdreharbeiten für WHITE CHICKS begannen vergangenen Herbst in Vancouver, Kanada. "Es war wirklich zu spät in der Saison, um das Projekt noch in den Hamptons durchzuführen", erklärt Mayes. "Wir dachten an Palm Beach, aber da sitzt das alte Geld. Die Hamptons sind zwar auch altes Geld, aber dabei sehr hip."

Weil Vancouver von Bergen umgeben ist - und die Hamptons bekanntermaßen flach sind - "gab es während der Produktion den Running Gag über die ?Berge von Long Island' ", lacht Kameramann Steven Bernstein. "Am Ende haben wir die Berge wegretuschiert und das Ganze in eine Küstenlandschaft von Long Island eingebettet."

Nach ein paar Veränderungen an den Fassaden gab die nah gelegene Stadt Chiliwack einen passenden Ersatz für eine Stadt in den Hamptons ab. "Wir haben 36 Geschäftsfronten mit Markisen ausgestattet und Gebäude gestrichen", erinnert sich Mayes. "Die Einwohner der Stadt waren begeistert. Normalerweise verlangen sie, dass man alles wieder in den Originalzustand versetzt, aber dieses Mal wollten sie, dass wir alles so lassen."

Den Filmemachern gelang auch ein kleiner Coup, indem sie eine Nutzungserlaubnis des Regierungsgebäudes in der Provinzhauptstadt Victoria, das normalerweise öffentlichen Zwecken verschlossen bleibt, erlangten. Das prächtige Gebäude diente als das Royal Hamptons Hotel. Auch in diesem Fall wurden die Fassade, die Gärten und das Pflaster verändert, und auch hier wurden die Designer gebeten, am Schluss alle Renovierungen zu belassen. "Sie wollten alles behalten, was wir geschaffen hatten", berichtet Mayes. "Weil allerdings alle Veränderungen nur als Provisorium angelegt waren, baten sie um unsere Pläne, um später alles wieder so gestalten zu können."

Als größte Herausforderung erwies sich jedoch die Strandszene. Vancouver hat wunderschöne Strände, doch im Winter können die Außentemperaturen, auch wenn es nicht schneit, ganz schön frisch sein, wie Jessica Cauffield, die die Tori spielt, feststellen mußste. "Mir war noch nie im Leben so kalt", erinnert sie sich. "Ich dachte immer nur: ?Ich werde dafür bezahlt. Ich werde dafür bezahlt.' Also wenn ich eine Lungenentzündung bekomme, kann ich mir wenigstens die Medikamente leisten."

Der Regisseur verließ sich auf die üblichen Tricks, damit seine Darsteller glücklich und gesund blieben - von Heizkissen bis zu Decken und heißem Kaffee. Aber das war noch nicht genug und so schlug Kameramann Bernstein einen Deal vor. "Ich stimmte zu, am Ende des Tages in meiner Badehose über den Strand zu rennen, wenn alle zu jammern aufhören würden", lacht Bernstein.

"Ich hoffte sehr, dass das alle wieder vergessen würden, aber je kälter ihnen wurde, desto besser erinnerten sie sich daran. Und natürlich erinnerte sie auch Keenen daran. Er zwang mich, nur mit meiner grünen Badehose bekleidet, mitten während des Drehs über den Strand zu rennen, sehr zur allgemeinen Freude."

Spaß war die vorherrschende Stimmung, für die der Regisseur am Set sorgte, sagt Alvarez. "Keenen glaubt sehr daran, dass die Atmosphäre beim Drehen der Komik helfen kann. Daher fördert er eine entspannte, familiäre Stimmung. Man unterhält sich andauernd, macht Witze und spielt Streiche. Was hinter der Kamera passiert, unterstützt, fördert und widerspiegelt das, was vor der Kamera passiert."

"Die Schauspieler wurden dazu angehalten, zu improvisieren und selbst die Leiter des Creative Departments wurden angewiesen, dass die Komik des Films der alles entscheidende Faktor ist", fährt Alvarez fort. "Sie durften alles machen, was sie wollten, solange es zum Humor beitrug."

Die Bereitschaft der Darsteller, ihrem Regisseur zu vertrauen, machte sie zu besseren Komödienschauspielern, sagt Jennifer Carpenter alias Lisa. "Mir wurde klar, dass es nicht meine Aufgabe war, darüber nachzudenken, wie es aussieht. Keenen versteht wirklich etwas von Comedy und ich habe ihm völlig vertraut. Ich wusste, dass ich gut aussehen würde, wenn er bekommt, was er will. Er hat das Beste aus mir, aus allen, rausgeholt."

Diese Hingabe an die Muse der Komödie galt auch für die beiden engsten Mitarbeiter des Regisseurs, Shawn und Marlon Wayans. Sie ließen es jeden Tag fünf oder sechs Stunden über sich ergehen, dass Prothesen angebracht und Make-up aufgelegt wurde. Beide nahmen 15 Kilo ab, um graziler und geschmeidiger zu wirken. "Ich glaube, die Schauspielerinnen waren irgendwie genervt von uns", lacht Shawn. "Sie haben tatsächlich vergessen, dass wir eigentlich schwarze Männer waren. Wir waren an einigen dieser Gespräche beteiligt, die uns sehr unangenehm waren. Zu viele Informationen!"

VanderLaan lobt Shawn und Marlon für ihre Geduld im Make-up-Stuhl. "Wir anderen arbeiteten schon seit Stunden flott und konzentriert und sie konnten sich nicht bewegen", erzählt er. "Sie saßen einfach da, ließen alles über sich ergehen und mußsten dann den Rest des Tages ihre Rolle spielen. Wenn wir fertig waren, mußsten wir alles ganz langsam wieder abmachen, um ihre Haut nicht zu ruinieren. Es war ein zermürbender Prozess. Wir erwarteten eigentlich, dass sie irgendwann die Nerven verlieren, aber das passierte nie. Ihre Geduld war erstaunlich."

Als Team waren die drei Wayans Brüder am Set eine eindrucksvolle, treibende Kraft, sagt Brittany Daniel. "Crew und Besetzung waren beeindruckt von ihrer Energie und ihrer inneren Großzügigkeit. Die Stärke ihrer Beziehung machte uns alle offen dafür, kreativ frei zu arbeiten. Sie ermutigten uns, immer mit neuen Ideen zu kommen. Das Ego spielte bei keinem eine Rolle."

"Keenen ist ein wirklich bemerkenswerter Kerl", sagt Alvarez. "Er kann eine Idee in ihrer groben Urform nehmen und sie zu etwas Witzigem und Klugem verfeinern. Marlon und ich sind schon seit Jahren Produktionspartner und jedes Mal entsteht dabei etwas völlig anderes. Er ist immer 100 % engagiert und würde alles machen, solange es witzig ist. Und Shawn ist unglaublich talentiert und intelligent. Niemand geht so sehr in einer Rolle auf und erfüllt sie so sehr mit Leben wie er. Und in diesem Film setzt er noch mal einen drauf."

Szenenfoto
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