Große Haie - Kleine Fische

Produktionsnotizen

Wie man sich nasse Füsse holt ?Grosse Haie - Kleine Fische? ist eine Unterwasserkomödie, die der Redensart ?Mit den Fischen schlafen? eine neue Bedeutung verleiht.

?Unser Film ?Grosse Haie - Kleine Fische? wartet mit der gleichen Sensibilität wie ?Shrek? auf und ist genau wie dieser ein wenig respektlos?, erzählt der Ausführende Produzent Jeffrey Katzenberg und meint weiter: ?Der Film ist leicht subversiv und zum großen Teil spielen wir mit den Regeln eines Filmgenres. ?Shrek? war eine Parodie auf Märchen. Mit ?Grosse Haie ? Kleine Fische? nehmen wir die klassischen Gangsterfilme auf den Arm, stellen alles auf den Kopf und sorgen dabei für jede Menge Spaß.?

Regisseurin Vicky Jenson kam mit mehr als nur einem flüchtigen Eindruck von ?Shrek? zu ?Grosse Haie - Kleine Fische?, denn sie war als Regisseurin beim ersten Teil des mit dem Oscar ausgezeichneten Blockbusters ?Shrek? dabei. ?Genauso wie in ?Shrek? gibt es auch in ?Grosse Haie - Kleine Fische? komödiantische und gefühlvolle Momente?, weiß sie zu berichten. ?Ich fand es witzig, eine Mafiakomödie mit dem üblichen Klischees zu machen, die aber komplett unter Wasser spielt.?

Regisseur Rob Letterman, der zusammen mit Michael J. Wilson das Drehbuch zu ?Grosse Haie - Kleine Fische? schrieb, merkt an: ?Es gibt Elemente einer Popkultur-Parodie, aber auch der romantischen Komödie und des Actionfilms. Darüber hinaus bauten wir Momente ein, in denen man mit den Charakteren mitfiebert. Ich glaube, es ist für jeden etwas dabei.?

?Der Film handelt von einem kleinen Fisch, der mit einer großen Lüge Dinge zu erreichen versucht, die er für erstrebenswert hält: Ruhm, Glück und Respekt, aber auch Liebe?, sagt Regisseur Bibo Bergeron.

?Dabei müsste er einfach nur seine Augen aufmachen, um zu erkennen, dass er all das schon längst hat. Das Glück wartet direkt vor seiner Tür, er sieht es nur nicht. Ich glaube, das kann jeder nachempfinden.? Jenson, Bergeron und Letterman bildeten das Führungsteam dieses computeranimierten Projekts, wobei jeder seine eigenen Stärken in die Produktion einbrachte.

Produzent Bill Damaschke erklärt: ?Vicky hat erstaunliche Fähigkeiten im Umgang mit Schauspielern und ließ ihren Humor und ihre Sichtweise in die Story einfließen. Bibo hat sehr viel Erfahrungen mit Animationen. Er hat sogar ein eigenes Animationsstudio. In seinem Bereich lag daher die tägliche Arbeit mit den Beleuchtern, Animatoren und Effekt-Spezialisten. In diesen Bereichen hat er wunderbare Visionen. Rob, der Ko-Autor des Drehbuchs, war zunächst Mitglied des Teams, das die Story ausarbeiten sollte.

Wir stellten schnell fest, dass seine Eindrücke gegenüber dem Film unseren sehr nahe kamen. Wir hatten also das große Glück, drei so leidenschaftliche Mitarbeiter mit unterschiedlichen Spezialisierungen für das Projekt begeistern zu können. Ungeachtet der umfassenden Zusammenarbeit konzentrierte sich jeder auf einen anderen Aspekt des Films.?

Mit der Produktion von ?Grosse Haie - Kleine Fische? hat DreamWorks Animation einen Meilenstein gesetzt, denn es handelt sich um den ersten computeranimierten Film, der mit Hilfe einer Pipeline mit neuester CG-Technologie vollständig auf dem Campus in Glendale, Kalifornien, hergestellt wurde. Es ist der erste hochklassige CG-Film, der von Anfang bis Ende in Südkalifornien entstanden ist.

Bisher war Nordkalifornien die Hochburg für Animationsfilme. ?Wir haben uns daran gemacht, die erste CG-Pipeline des 21. Jahrhunderts von Grund auf neu zu errichten und haben HP mit der Umsetzung beauftragt, weil sie einfach die Besten sind?, sagt Katzenberg und spielt damit auf die laufende Technologie-Partnerschaft zwischen DreamWorks und Hewlett-Packard an.

?Wir hatten enorme technische Hürden zu überwinden und haben die Probleme gemeinsam gemeistert. Es war wirklich eine nicht hoch genug zu würdigende Zusammenarbeit.?

Produzentin Janet Healy merkt an: ?Rückblickend scheint der Aufbau einer komplett neuen CG-Pipeline in Los Angeles und die gleichzeitige Zusammenstellung des Filmteams als ziemlich gewagt. Wir hatten schließlich eine großartige Truppe zusammen, mit Leuten aus allen Fachbereichen.

Darunter waren Mitarbeiter mit Abschlüssen in Philosophie, Informatik oder Kunst, manche hatten sogar in mehreren Fächern Abschlüsse. Wir hatten Physiker, Künstler und Leute, die über die physischen Gesetze des Lichts genau Bescheid wussten. Wir hatten aber auch Experten für Lichtsetzung und Kameraführung. Die größte Befriedigung bei ?Grosse Haie - Kleine Fische? war für uns, aus diesen Leuten im Rahmen der Zusammenarbeit das Beste herauszuholen.?

Die Produzentin Allison Lyon Segan, ein Neuling auf dem Gebiet des Animationsfilms, hat dazu Folgendes beobachtet: ?Animation erfordert eine sich ständig ausweitende Zusammenarbeit. Am Anfang sitzt eine kleine Gruppe von Personen zusammen und wirft mit Ideen für Geschichten nur so um sich. Wenn sich dann alles zu einem Storyboard weiterentwickelt hat, wird die Zusammenarbeit mit den Kameraleuten und Animatoren immer enger. Jeder Schritt führt zu einem weiteren Schritt. Wir waren in der glücklichen Lage, auf Leute zurückgreifen zu können, die das Projekt mit jedem Schritt verbesserten.?

Die Originalstimmen Ohne Frage war die Besetzung von ?Grosse Haie - Kleine Fische? mit großen Namen ein sehr wichtiger Aspekt. ?Wir haben mit Sicherheit eine der außergewöhnlichsten Besetzungen, die jemals für einen Film, sei es ein Animationsfilm oder ein Film mit realen Schauspielern, jemals zusammengestellt wurde?, schwört Jenson.

?Es ist schwer, sich vorzustellen, eine solche Besetzung für einen Film zu finden. Noch schwerer ist jedoch, sich vorzustellen, mit diesen großen Stars auch noch zu arbeiten?, fügt Letterman hinzu. ?Ich gebe zu, dass ich völlig eingeschüchtert war, als ich das erste Mal Robert De Niro und Martin Scorsese traf. Aber sie waren großartig und wohlwollend. Freundlicher hätte man sich die Zusammenarbeit nicht wünschen können.?

Will Smith leiht Oscar, der zentralen Figur der Geschichte, seine Stimme. Dazu Jenson: ?Er ist ein Fisch, der als kleines Würstchen am Ende der Nahrungskette steht. Er ist bei der örtlichen Walwaschanlage beschäftigt und ist dort für den Zungenputz der Wale zuständig. Was augenscheinlich ein ziemlich ekeliger Job sein mußs.? Auch wenn Oscar das Arbeiten in fremden Mündern verabscheut, hält er seinen eigenen Mund selten geschlossen.

Damaschke erklärt, dass die Rolle wegen der Energie und der geistreichen Spontanität von Anfang an auf Smith zugeschnitten war. ?Die Story entwickelte sich im Laufe der Jahre, aber stets hatten wir die Vorstellung, Will Smith für Oscar zu engagieren. Die Rolle wurde auf ihn zugeschnitten, so dass er seinen eigenen Stil in die Geschichte mit einbringen konnte.?

?Auf vielerlei Weise ist Will ein großes Kind?, beobachtete Jenson. ?Er liebt es, herumzuspielen und ist damit der perfekte Oscar. Will ist unendlich erfinderisch, sodass wir während der Aufnahmen durch seine Improvisationen viel Spaß hatten. Wir probierten für jede Szene verschiedene Optionen durch, und Will brachte dabei viel von dem ein, was später typisch für Oscar wurde.?

?Ich liebe den Arbeitsablauf von Animationsfilmen?, begeistert sich Smith. ?Er bietet einem echte Freiheiten, weil man mit seiner Rolle fast alles anstellen kann - besonders bei einer Figur wie dieser. Als ich die Sache anging, ließ ich mich durch nichts einschränken. Es gab keine Regeln für Oscar, und so spielte ich ihn einfach.?

Smith beschreibt Oscar als ?einen kleinen Fisch in einem großen Becken, der sich selbst für groß hält. Realität und Wahrnehmung driften auseinander. Er ist bereit, alles dafür zu tun, um reich und berühmt zu werden, um am höchsten Punkt des Riffs zu wohnen, wo alle bedeutenden Fische leben. Oscar hofft dadurch, dann ebenso bedeutend zu sein. Er ist so damit beschäftigt, nach oben zu schauen, dass ihm die Schönheit in seinem unmittelbaren Umfeld entgeht.?

Diese in seiner direkten Nähe befindliche Schönheit ist ein weiblicher Engelhai mit dem passenden Namen Angie, die zusammen mit Oscar in der Walwaschanlage arbeitet. Oscar sieht Angie als reine Freundin, sie jedoch sehnt sich schon lange nach mehr.

Segan erklärt: ?Angie ist in Oscar hoffnungslos verliebt. Trotz seines verrückten Auftretens hat sie schon immer an ihn geglaubt. Während andere Fische nur mit den Augen rollen, wenn sie Oscar treffen, hält Angie ihn für einen wunderbaren Fisch und wartet auf den Tag, an dem er endlich aufwacht und bemerkt, dass sein Leben großartig ist und all seine Wünsche sofort in Erfüllung gehen könnten.?

Renée Zellweger ist die Stimme von Angie. Dazu Segan: ?In dem Moment, als Renée die Aufnahmen für Angie machte, begann die Figur zu leben. Renée bot uns den Text auf 25 verschiedene Arten an, und wir hätten jede Version verwenden können. Sie hat jedes Mal den Nagel auf den Kopf getroffen und der Figur so viel Mitgefühl und Charme verliehen, dass niemals die Gefahr bestand, dass sie neben Oscar sangund klanglos untergehen würde.?

?Renée hat Angie zu einer Person werden lassen, die sehr entschieden und manchmal etwas rechthaberisch in ihrem Bestreben ist, das Beste aus Oscar herausholen zu wollen. Dennoch ist sie dabei immer sehr liebevoll?, fügt Damaschke hinzu. ?Ich glaube, dass Angie in vielen Belangen das eigentliche Herz des Films ist. Oscar riskiert ihre Zuneigung, als er zum ersten Mal seine große Lüge auftischt.?

Denn Oscar behauptet, einen Hai im Zweikampf fertig gemacht zu haben. Die Wahrheit ist jedoch, dass der Hai Oscar gerade verspeisen wollte, als sich schicksalshaft ein Anker senkte, und zwar genau auf den Kopf des Hais. Oscar nutzt die Chance, den Verdienst am Tod des Hais für sich zu beanspruchen und wird fortan von allen als ?Hai-Killer? bewundert. Mit Ruhm und Reichtum überhäuft und endlich mit einem Wohnsitz auf der Riffoberseite glaubt Oscar, ein angenehmes Leben gefunden zu haben, bis der Zeitpunkt kommt, als er sich seinem neu erworbenen Ruf tatsächlich stellen mußs.

Wann immer ein Hai in der Nähe des Riffs gesichtet wird, entsenden Oscars Nachbarn ihren ?Hai-Killer?, um sich der Sache anzunehmen. Oscar patroulliert daraufhin entlang des Riffs und gibt vor, nach Haien zu jagen. Wobei er eher damit beschäftigt ist, sich selbst zu verstecken. Wie es der Zufall will, finden Oscar und ein Hai namens Lenny gewisse Gemeinsamkeiten.

Letterman sagt: ?Oscars Geheimnis besteht darin, den Ruhm für etwas zu beanspruchen, an dem er gar nicht beteiligt war. Lenny hingegen hat ein eigenes dunkles Geheimnis: Er ist Vegetarier, was für einen Hai zu ernsthaften Komplikationen führen kann. Beide erkennen, dass sie sich gegenseitig helfen können und schließen sich zusammen.

Jack Black, der die Rolle des Lenny spricht, sagt: ?Lenny ist nicht etwa zum Vegetarier geworden, weil er den Geschmack von Fleisch nicht ausstehen kann, sondern weil er ein Philanthrop, oder in diesem Fall besser gesagt ein ?Fischanthrop?, ist. Seiner Meinung nach sollte kein Lebewesen getötet werden. Lenny ist eine sanfte Seele, wodurch er in seinem Umfeld zum Einzelgänger wird. Er passt nicht zu den anderen Haien, weil er nett und höflich ist. Erst am Ende stellt sich heraus, dass er mehr Verstand und Mut hat als die anderen Haie.?

Als bekennender Junkie von Trickfilmen lässt Black durchblicken, dass es bei einem anderen Verlauf seines Lebens durchaus dazu hätte kommen können, dass er bei ?Grosse Haie - Kleine Fische? nicht vor dem Mikrofon gesessen hätte, sondern am Animationstisch.

?Schon seit frühester Jugend haben mich Animationsfilme begeistert. Auf der Highschool war es eine zeitlang mein Berufswunsch, Animator zu werden. Ich wollte schon immer Comics zeichnen und finde es einfach großartig, was heute mit Computeranimation machbar ist. Es ist eine komplett neue Welt.?

Jenson sagt, dass Black der Figur eine Dimension verliehen hat, die weit über das Drehbuch hinausgegangen ist: ?Jacks lebenslustige Art und sein Humor spiegeln sich auch bei Lenny wider. Auch seine süße und an einen Teddybären erinnernde Art übertrug Jack Black auf seine Figur. Lenny ist ein großer, sanfter Hai, der es seinem Vater recht machen will.?

Lennys Vater ist kein gewöhnlicher weißer Hai. Er ist der mächtige Don Lino, der Pate des Riffs, und wer wäre für diese Sprechrolle geeigneter gewesen als Robert De Niro, der damit die Chance erhielt, eine Eigenparodie seiner größten Filmrollen hinzulegen.

?Robert De Niro war ein richtiger Prachtkerl?, freut sich Jenson. ?Es bereitete ihm überhaupt keine Probleme, sein Image auf den Arm zu nehmen und eine klassische Gangsterfigur zu spielen. Ich glaube, er hatte viel Spaß dabei. Für uns war es eine große Ehre, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen.?

De Niro, der zum ersten Mal eine Sprechrolle in einem Animationsfilm übernahm, gibt zu: ?Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich das wirklich tun sollte. Aber ich war neugierig und wollte wissen, worum es in dem Film ging. Ich dachte, es würde zumindest interessant werden, aber es machte dann richtig Spaß. ?Grosse Haie - Kleine Fische? ist eine Parodie auf ein ganz bestimmtes Genre, und ich spiele das Oberhaupt der Unterwasserunterwelt. Don Lino hat da unten praktisch alles unter Kontrolle. Er hat zwei Söhne und mußs feststellen, dass einer von ihnen nicht in das Familienunternehmen einsteigen will.?

Bibo Bergeron erläutert: ?Don Lino will, dass seine Söhne Frankie und Lenny das Geschäft übernehmen, aber bezüglich Lenny macht er sich etwas vor. Er liebt seine beiden Söhne und hat große Pläne mit ihnen. Daher will er nichts von den Dingen hören, die seine Pläne stören könnten.?

Seine Pläne werden allerdings durch mehr als eine kleine Störung getrübt. Denn es ist Frankie, der sozusagen ?verankert? wird. Frankies Part wird in der Originalfassung von Michael Imperioli gesprochen, der anmerkt: ?Frankie ist der grobe, hitzköpfige Sohn, der in die Fußstapfen des Vaters treten will. Lenny, sein jüngerer Bruder, erweist sich nicht wirklich als Raubtier, was für seine Familie ziemlich peinlich ist.

Frankie sorgt sich um seinen Bruder, will ihm aber die nötige Härte beibringen. So versucht er, Lenny dazu zu bringen, mit Leib und Seele Hai zu sein. Um Papa glücklich zu machen, zeigt er seinem Bruder, wo es im Leben eines Hais lang geht.?

?Frankie ist die perfekte Fressmaschine, gleichzeitig aber ein bisschen langsam im Kopf?, meint Letterman. ?Michael Imperioli hat eine großartige Note in seinen Part einfließen lassen. Er lässt Frankie wie einen Schlaumeier wirken, was sehr lustig ist.?

Als Frankie seinem Bruder Lenny zu erklären versucht, wie man einen Fisch ? in diesem Fall Oscar - verspeist, ereilt ihn ein frühzeitiges Ende. Lenny fühlt sich für den Tod seines Bruders verantwortlich und kann deshalb seinem Vater nicht gegenübertreten. So entscheidet er sich frei nach dem Motto ?Wenn du sie nicht fressen kannst, dann werde einer von ihnen? in Richtung Riff abzuhauen. Dort schließt er sich dann mit Oscar zusammen. Gemeinsam schmieden sie einen raffinierten Plan, um sich gegenseitig vom Haken zu befreien.?

Unglücklicherweise findet Angie heraus, dass Oscar einen Hai versteckt hält. Was die Sache noch verschlimmert: Lenny lässt Angies Seifenblase platzen, indem er ihr die Wahrheit über Oscars Heldentaten erzählt. ?Als Lenny von Angie entdeckt wird, merkt sie sofort, dass er ein sanftes Geschöpf ist, so dass beide sofort Freunde werden?, erklärt Jenson.

?Als jedoch Oscar hereinschwimmt, ahnt Angie, dass ihnen der eigentliche Ärger noch bevorsteht. Sie erkennt sofort, dass Oscar nicht mit der Wahrheit herausrücken will und versucht, ihn auf die richtige Bahn zu bringen. Aber er ignoriert all ihre guten Ratschläge, was dazu führt, dass er alles falsch macht.?

Angie sitzt als Engel auf Oscars einen Schulterseite, auf der anderen jedoch sitzt die teuflische Lola. ?Angie ist das Beste, das Oscar jemals passieren konnte. Aber das erkennt er nicht, weil Lola seine Sicht vernebelt. Sie ist unsere Femme Fatale und der farbenprächtigste Fisch im ganzen Riff.

Auf die härteste Tour mußs Oscar erfahren, dass sie auch der gefährlichste Fisch ist?, so Letterman. Lola wird von Angelina Jolie gesprochen, die einräumt: ?Lola kann man mit einem Goldgräber vergleichen. Als sie Oscar noch für einen Niemand hält, schenkte sie ihm keinerlei Aufmerksamkeit. Als er jedoch in ihren Augen zu Ansehen kommt, versucht sie alles, um ihn von seiner wahren Liebe wegzulocken. Lola ist ziemlich oberflächlich.

Ich weiß nicht, ob ich sie hätte spielen wollen, wenn sie kein Fisch gewesen wäre, doch als Fisch liebe ich sie?, lacht Jolie. ?Es war toll, zu beobachten wie sich die Männer benahmen, als Angelina ihren Part aufnahm?, erinnert sich Jenson. ?Jeder von ihnen geriet in ihren Bann. Sie konnten sich Angelinas hypnotischer Ausstrahlung einfach nicht entziehen. Genauso geht es Oscar gegenüber Lola?.

Jolie, die erstmals eine Sprechrolle in einem Animationsfilm übernahm, freute sich auf ihre neue Arbeit und merkt an: ?Ich liebe Animationsfilme und fand den Gedanken, bei einem mitzuwirken, schon immer sehr reizvoll. Besonders jetzt, wo ich einen kleinen Sohn habe. Es hat mich wirklich glücklich gemacht, und ich kann es kaum erwarten, bis er den Film sieht.?

Lola ist nicht die einzige, die in Oscars neuem Ruhm und Reichtum eine Gelegenheit sieht, selbst abzusahnen. Sykes, der Besitzer der Walwaschanlage, bei der Oscar und Angie beschäftigt sind, taucht sofort auf und will sich als Oscars neuer Manager seinen Anteil sichern.

In einem seltenen Auftritt spricht der berühmte Regisseur Martin Scorsese die Stimme der Figur Sykes, eines Pufferfischs mit ziemlich auffälligen Augenbrauen. ?Hey, andere mögen ihn vielleicht kritisieren, aber Sykes sieht Oscars Erfolgsgeschichte als Gelegenheit für sich selbst?, so Scorsese, der die fragwürdigen Motive seiner Figur verteidigt.

?Er will Oscar unter seine Fittiche nehmen, oder in diesem Fall unter seine Flossen, was sich allerdings als schwierig gestaltet. Denn er ist ein Pufferfisch, der sich bei Erregung aufbläht und dessen Stimme dann in einen hohen Tonfall umschwenkt und sich fast überschlägt. Ich habe keine Ahnung, wie die Produzenten darauf gekommen sind, und auch nicht, warum Jeffrey Katzenberg bei dieser Rolle an mich gedacht hat.?

Katzenberg erzählt: ?Ich kenne Martin seit mehr als 25 Jahren und war immer von seiner außergewöhnlichen Art zu sprechen fasziniert. Er spricht sehr, sehr schnell ? er kann praktisch alles in ungefähr zwei Sekunden abhandeln. Sein Verstand bewegt sich blitzartig, und zudem ist er in der Lage, die Dinge ebenso schnell auszusprechen.

Ich ging also eines Tages zu ihm und sagte: ?Marty, es ist dir vielleicht nie aufgefallen, aber du hast eine einzigartige Weise zu sprechen, die zudem noch etwas Komisches an sich hat - im positiven Sinn.? Ich habe ihm dann ein Bild von Sykes, dem Pufferfisch, gezeigt, und Scorsese hat nur noch gelacht.?

?Jeffrey sagte, er wolle sich mit mir treffen. Er kam zu mir und erzählte mir die Story, aber anfangs wusste ich überhaupt nicht, worauf er hinaus wollte?, erinnert sich Scorsese. ?Ich dachte, er wollte vielleicht meinen Rat zu dem Film hören oder so was in der Richtung. Schließlich sagte er: ?Marty, du hast doch jetzt eine kleine Tochter. Warum machst du keinen Film, den auch sie sich ansehen könnte?? Angesichts dieses herzzerreißenden Flehens konnte ich mich dem Projekt nicht entziehen?, sagt er lachend.

?Es war aber auch wirklich eine tolle Erfahrung, und ich glaube, es ist ein großartiger Film für Kinder und für Erwachsene herausgekommen. Am Anfang war mir nicht wirklich klar, wie ein Animationsfilm entsteht. Es ist eine respekteinflößende Arbeit. Es sind nicht nur ein oder zwei Aufnahmen, nein, man mußs immer wieder ran, um den nötigen Feinschliff zu erreichen. Alles zieht sich sehr lange hin ? mindestens ein bis zwei Jahre ? in dieser Zeit hat man jedoch das Gefühl, beobachten zu können, wie dem Film allmählich Leben eingehaucht wird.

Während einer seiner Aufnahmen für die ?Was ist was?-Szene mit Sykes und Don Lino traf Scorsese auf den durch langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft mit ihm eng verbundenen Robert De Niro. Diese Konstellation trug nach Ansicht der Regisseure von ?Grosse Haie - Kleine Fische? erheblich zur Schlagfertigkeit der Figuren bei.

?De Niro und Scorsese zusammenzubringen, war pures Gold wert?, sagt Bergeron. ?Bei den Aufnahmen haben wir sehr viel gelacht?, so Scorsese. ?Wir hatten viel Spaß bei einer kleinen Improvisation, die auf der für uns üblichen Art miteinander zu reden basierte. Es war schön, uns über die kleinen Dinge an unserem Verhalten amüsieren zu können, die uns seit bestimmt 30 Jahren begleiten.?

?Man mußs bedenken, dass die beiden zwar neun Filme zusammen gedreht haben, dieses aber das erste Mal war, bei dem sie als Darsteller zusammengearbeitet haben?, fügt Katzenberg hinzu. ?Wir brachten sie zusammen, und sie kitzelten sich gegenseitig Sachen heraus, die verrückt, witzig und albern waren. Es war einfach großartig.?

Jenson stimmt zu: ?Wir hatten viel Spaß, mitzuerleben, wie sie sich gegenseitig die Bälle zuspielten, und viele ihrer Improvisationen wurden auch in den Film übernommen. Solche Dinge lassen sich nicht in einem Drehbuch manifestieren. Es wäre ein Alptraum geworden, wenn man versucht hätte, das Timing der Dialoge mit Hilfe von Schnitten so natürlich wirken zu lassen, wie wir es im fertigen Film haben.

Der Humor ist im Rhythmus des Moments spürbar, weil beide wirklich zusammen im Raum waren. Dies ist eines der Dinge, die man bei Animationsfilmen nicht sehr häufig erlebt: Den richtigen Augenblick treffen.? Filmemacher erleben so etwas nur selten.

Denn bei Animationsfilmen werden die Schauspieler in der Regel einzeln aufgenommen. Bei ?Grosse Haie - Kleine Fische? hatte man aber nicht nur eins, sondern gleich drei Schauspielerduos für die Aufnahmen gebildet. Neben De Niro und Scorsese, wurden auch Will Smith und Jack Black zusammen aufgenommen.

Damaschke sagt: ?Diese beiden zählen - gemessen am Improvisationstalent - zu den besten Schauspielern überhaupt. Man bringt beide zusammen, sagt dem einem, er sei ein Fisch, und dem anderen, er sei ein Hai, und heraus kommen schier endlose Varianten voller Komik. Will und Jack haben einen bemerkenswerten Instinkt, sie haben uns wunderbares Material geliefert."

Doug E. Doug und Ziggy Marley bildeten in den Rollen von Bernie und Ernie das letzte Paar. Sie sprechen die Rastafari-Quallen, die für Sykes als Handlanger arbeiten, wenn es darum geht, auf jemandem Druck auszuüben. ?Ernie und Bernie sorgen dafür, dass bei Sykes Geschäften alles klar geht?, so Marley. ?Sie reden sehr entspannt und tragen diese Rastalocken?, witzelt Doug. ?Ihr Aussehen wirkt etwas erschreckend, wenn man sie aber erst mal kennt, mag man sie auch.?

?Bernie und Ernie machen Oscar im Film große Schwierigkeiten, aber die Leute mögen derartige Typen?, stellt Damaschke fest. ?Als wir überlegten, mit welchen Schauspielern wir diese Rollen besetzen sollten, dachten wir, dass Ziggy Marley perfekt dafür wäre. Wir wussten nicht, ob er überhaupt Interesse zeigen würde, aber er war von der Idee begeistert und unterschrieb sofort. Zu unserem Glück fanden wir dann auch Doug E. Doug, der im Zusammenspiel mit Ziggy einfach toll war.?

Marley erinnert sich: ?Als ich gefragt wurde, den Part zu übernehmen, wollte ich sichergehen, dass sie eine wirklich authentische jamaikanische Stimme wollten, und nicht den häufig anzutreffenden billigen Abklatsch. Es war alles sehr cool. Ohne Doug hätte ich es jedoch nie geschafft, weil die Schauspielerei eigentlich nicht mein Bereich ist. Ich bin Musiker, dennoch hatten wir echt gute Vibes.?

Doug ergänzt: ?Als sie mir sagten, mit wem ich zusammenspielen würde, war ich sehr aufgeregt, da ich Ziggy für einen großen Künstler halte. Ich habe ihn schon öfters live erlebt, hätte mir aber nie vorgestellt, mit ihm eines Tages zusammenzuarbeiten.

Schließlich bin ich ja nicht in der Musikszene unterwegs.? Letterman sagt: ?Es war entscheidend, die beiden zusammen ufzunehmen. Viele ihrer witzigen und stichelnden Wortgeplänkel entstanden im Aufnahmeraum. Wenn man sie einzeln aufgenommen hätte, wäre dabei nicht diese besondere Stimmung herausgekommen.?

Aber nicht nur Sykes hat Handlanger, auch Don Lino beschäftigt einige Bodyguards: Einen windigen Oktopus namens Luca, der ziemlich gemein zuschlagen kann. Luca wird von Vincent Pastore gesprochen, über den Letterman sagt: ?Er hat eine großartige, markante Stimme, die sich perfekt für Animationsfilme eignet."

Eine weitere markante und auf Anhieb erkennbare Stimme in ?Grosse Haie - Kleine Fische? gehört dem Schauspielerveteranen Peter Falk. Er spielt den Ältesten der Hai-Mafia: Don Feinberg. Die Sichtung von Haien am Riff und ein für Furore sorgender neuer Held rufen Katie Current auf den Plan. Sie ist die Top-Reporterin der neuesten Fisch-Nachrichten und wittert hier ihren nächsten Knüller.

Katie Couric, die Vorzeige-Reporterin aus der NBC-Nachrichtensendung ?The Today Show? hat einen stimmlichen Gastauftritt in einer Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben ist. ?Wir brauchten eine Nachrichtenreporterin auf dem Niveau von Katie Couric: Eine, der man zuhört und vertraut. Wir konnten uns niemand anderen vorstellen, und so wurde Katie Current geboren?, sagt Damaschke.

Wie so oft bei Animationsfilmen werden Story-Schreiber, die eine bestimmte Figur erfinden, von den Filmemachern mit dieser Figur so sehr identifiziert, dass sie dann selbst den Part im Film übernehmen. Das ist auch dem Autor Dave Smith passiert: Er erfand einen Einsiedlerkrebs namens Crazy Joe und wurde so zu seinem Sprecher.

David Soren, der Leiter der Story-Entwicklung, übernahm die Stimme der Krabbe, was einem möglicherweise das Vergnügen am nächsten Krabbencocktail fragwürdig erscheinen lässt.

Auch die deutsche Synchronisation kann sich hören lassen: ?Gute Zeiten ? Schlechte Zeiten?-Star Daniel Fehlow spricht Oscar, den Helden der Geschichte, die aus ?Gute Zeiten ? Schlechte Zeiten? ebenfalls berühmte Schauspielerin und Sängerin Yvonne Catterfeld ließ es sich nicht nehmen, als süße Angie vors Mikrofon zu treten, und die durch Filme wie ?Der Campus?, ?Die Halbstarken? und ?Scheidung mit Hindernissen? beliebte Sandra Speichert lieh der erotischen Lola ihre Stimme.

Zu den weiteren Sprechern gehören der Musiker Faiz Mangat von der Gruppe Bros?sis und Fernsehmoderator Mola Adebisi als die beiden bissigen Rastafari-Quallen sowie Frauke Ludowig in einer Rolle, die zu ihr wie die Faust aufs Auge passt: Sie spricht die Star-Reporterin Katie Current.

Fischige Ansichten Neben dem Casting der Sprecher waren die Filmemacher - einschließlich der Animatoren und Charakter-Designer - einen Großteil der Zeit damit beschäftigt, die verschiedenen Fischarten zu erkunden und herauszufinden, welche von ihnen sich für die spezifischen Figuren in ?Grosse ?Haie - Kleine Fische? eignen würden.

Bergeron sagt: ?Wir haben uns eine Menge Dokumentationen über Haie und unzählige andere Fischarten angesehen und massenhaft Kataloge über Fische durchblättert. Wir wollten sichergehen, dass unsere Figuren auf existierenden Fischen basieren. Das war natürlich gar nicht so einfach, denn es gibt unter Wasser nun mal keine von Fischen errichteten Städte. Wir haben also mit etwas Realem angefangen und das dann unseren Vorstellungen entsprechend zu etwas umgeformt, was im Kontext der Story funktionierte.

Die Filmemacher trugen eine gewaltige Bibliothek mit Bildern von Fischen und Unterwasserwelten zusammen und absolvierten mehrere Ausflüge zum Long Beach Aquarium, um die verschiedenen Arten aus nächster Nähe zu beobachten. Oscar wurde schließlich ein Putzerfisch - ein farbenfroh gestreifter Fisch in Blau, Schwarz und Gelb. Seinem Namen entsprechend reinigt der Putzerfisch sowohl andere Fische als auch seine Umgebung.

So wurde die Walwaschanlage zum perfekten Job für Oscar. Angie ist passenderweise ein Engelfisch. Kevin Ochs, der technische Leiter für die Charaktere, sagt: ?Wir haben nach etwas Anmutigem gesucht, und die große, wogende Flosse, die wir als Angies Haar verwendet haben ist charakteristisch für einen Engelfisch - sehr fließend, sehr elegant.?

Lola hingegen ist zum Großteil ein Rotfeuerfisch mit leichten Elementen vom Drachenfisch, was sie ebenso schön wie tödlich macht. ?Rotfeuerfische sind wunderschön?, erzählt Ochs. ?Aber sie sind auch lebensgefährlich. Sie verfügen über ein starkes Gift in ihren Stacheln und locken ihre Beute an sich heran, um dem Opfer den tödlichen Stoß zu versetzen - all das passt auch sehr gut zu Lola.?

Sykes ist ein Pufferfisch mit Stacheln, die ihn gefährlich wirken lassen. Wenn er jedoch nervös wird, bläht er sich auf und seine Stimme wechselt in eine hohe Tonlage, wodurch seine bedrohliche Fassade dann ziemlich in sich zusammenbricht.

Neben den durch die jeweilige Spezies bestimmten Charaktereigenschaften trägt jede Figur auch nicht zu übersehende Eigenarten des Sprechers in sich. Scorsese erinnerungswürdige ?Augenbrauen?, die auch seiner Figur Sykes verpasst wurden, zählen zu den offensichtlichsten Merkmalen, die auf den Sprecher einer Figur deuten. Der aufmerksame Kinogänger wird aber noch etliche andere Merkmale entdecken.

?Ein guter Teil des Vergnügens, das wir aus dieser Besetzung gezogen haben, bestand darin, ihre Gesichter in die Figuren einzuarbeiten?, bemerkt Jenson. ?Die Animatoren wissen, wie man die Manierismen und Persönlichkeiten der Schauspieler auf die Figur überträgt. Das Phantastische war jedoch, dass unsere Designer dies unterstützt haben. Ich glaube, jeder der Stars war hingerissen, als er seine Figur zum ersten Mal gesehen hat.?

Will Smith hat die Ähnlichkeit sofort erkannt: ?Er ähnelt mir. Sie haben nur die Ohren etwas nach unten versetzt, aber ich glaube, die Leute werden in Oscar immer etwas von Will Smith erkennen. Ich finde das einfach fabelhaft.?

Lolas Lippen ähneln stark denen ihrer Sprecherin. Ihr langes, wehendes Haar wurde aus der Rückenflosse geformt. Ihr Schwanz wurde so angelegt, dass er wie ein langes, verführerisches Kleid aussieht, dessen Glamour durch ein Funkeln noch erhöht wird.

Angelina Jolie hat es nach eigener Aussage gut gefallen: ?Ich weiß nicht, wie sie es gemacht haben, aber sie wollten einen Fisch erschaffen, der sehr sexy ist. Das haben sie wirklich sehr schön hingekriegt. Lolas Aussehen übertraf all meine Erwartungen. Sie ist ein wenig verrucht und in ein rotes Funkeln getaucht.

Ich war wirklich glücklich, dass ich diese Fisch-Lady sein durfte.? Auch in Angie stecken Spuren von Renée Zellweger. ?Ich rechne es den Animatoren hoch an, Renées Ausdruck in die Figur integriert zu haben?, erklärt Jenson. ?Es ist einfach süß, wie ihre Augen sich zusammenziehen, und wie sich ihr Mund beim Reden leicht asymmetrisch verzieht - genau das haben sie mit der Figur eingefangen.?

Bergeron merkt an, dass sogar bei den Haien ihrem Charakter entsprechende Unterschiede erkennbar sind. ?Don Lino wird von Robert De Niro gespielt, daher hat er auch diesen speziellen Leberfleck. Wir haben alle Gesichtausdrücke gesammelt, die wir in De Niros Filmen finden konnten - angefangen bei Komödien bis hin zu Dramen. Wir wollten sicher sein, ihn in der Hai-Figur richtig wiederzugeben.

Wir haben außerdem versucht, aus jedem Ausdruck von Don Lino einen De-Niro-Ausdruck zu machen. Abgesehen davon sind seine Linien schärfer umrissen als bei Lenny, der Figur von Jack Black. Lenny ist ein sanfterer Hai, daher haben wir seine Figur weicher gezeichnet. Seine Zähne sind nicht so scharf wie die der anderen Haie, seine Nase ist runder und seine Wangen voller.?

Jack Black sagt: ?Sie haben mit dieser Figur meinen Kern eingefangen.? Er räumt aber ein, dass ihm eine Sache an Lennys Erscheinung nicht gefällt: ?Ich finde, sie haben mit dem Schmerbauch etwas übertrieben. Ich habe dem Animationsteam die Leviten gelesen, damit sie den Bauch etwas reduzieren.?

Sein Protest traf jedoch auf taube Ohren und Vicky Jenson kontert: ?Wir mochten Lennys Bauch. Man fühlt sich versucht, ihn zu kitzeln.?

Wie üblich wurden die Schauspieler bei ihren Aufnahmen im Synchronstudio gefilmt. Das Material konnten die Animatoren unter der Führung von Ken Stuart Duncan, Lionel Gallat, Fabrice Joubert, Fabio Lignini und William Salazar dann als Inspiration verwenden.

Bill Damaschke bestätigt: ?Bei all unseren Animationsfilmen waren die Referenzaufnahmen der Schauspieler eine große Hilfe. Doch gerade bei diesem Film waren sie noch wichtiger, weil die Animatoren die Schauspieler in den Figuren richtig einfangen wollten. Sie haben praktisch ein Alter Ego des jeweiligen Schauspielers geschaffen. Wieder und wieder haben sie sich die Bänder angesehen und auf das geringste Detail und die kleinste Nuance in den Darbietungen der Schauspieler geachtet, um diese dann genau auf die Figuren zu übertragen.?

Im Falle von Will Smith sagt Duncan: ?Wir haben uns viele von Wills Musikvideos angesehen, um einen Eindruck seiner Bewegungen zu bekommen. Es war toll, uns die Aufnahmen der Schauspieler anzusehen. Es gab nette kleine Momente, sogar zwischen den einzelnen Aufnahmen, die ich in die Animation zu integrieren versucht habe. Nicht nur das, was sie sagen, ist wichtig, sondern auch ihr Verhalten zwischen den Dialogen.?

?Für uns Animatoren war eines der befriedigendsten Dinge an diesem Film, dass wir mit einer derart hochkarätigen Besetzung arbeiten konnten?, fügt Gallat hinzu. ?Nahezu unsere gesamte Arbeit basiert auf den Stimmen und der Darstellung der Schauspieler, nur so konnten wir den Figuren Leben einhauchen. Für uns war es daher enorm wichtig, so großartige Schauspieler zu haben, die wirklich mit Spaß bei der Sache waren. Das war bei ihren Darbietungen ganz deutlich und machte es den Animatoren leicht, bei der Animation der Figuren ebenfalls Spaß zu haben.?

Das gute Ergebnis machte Lust auf weitere Herausforderungen und mit diesen kamen neue Durchbrüche im Bereich der Computeranimation. ?Mit der heutigen Technologie können die Künstler ihre Träume realisieren?, sagt Jeffrey Katzenberg. ?Es ist ein stetig fortschreitender Prozess, bei dem die Leistungsfähigkeit und Flexibilität der Werkzeuge, die wir unseren Animatoren in die Hand geben, mit jedem neuen Film exponentiell wächst. Die von uns realisierten Dinge in ?Grosse Haie - Kleine Fische? sind denen aus ?Shrek 2?, der vor weniger als sechs Monaten in die Kinos kam, bereits um Lichtjahre voraus.?

Einer der wichtigsten Fortschritte war der Einsatz des als ?Squash and Stretch? bezeichneten Verfahrens, ein visueller Effekt, der meistens mit den klassischen Zeichentrickfilmen von Chuck Jones und Tex Avery in Verbindung gebracht wird. In der Begriffswelt des Trickfilms handelt es sich dabei um die Umformung eines Objekts durch Zusammenquetschen oder Auseinanderziehen, um dadurch eine Bewegung oder einen Aufprall darzustellen.

Diese für traditionelle Animation ungeheuer wichtige Technik war auf dem Computer schwer nachzuvollziehen, weil beim Versuch, Objekte zu strecken, diese normalerweise einfach auseinanderreißen.?

Da ?Grosse Haie - Kleine Fische? der erste vollständig auf dem DreamWorks-Gelände in Glendale produzierte CG-Film ist, waren die meisten der Animatoren eher mit traditioneller 2D-Animation vertraut und mußsten den Bleistift nun erstmals durch die Computermaus ersetzen. Die komische Note von ?Grosse Haie - Kleine Fische? und die Tatsache, dass die Figuren so biegsam wie ... nun ja ... Fische waren, stellte die Animatoren vor die Aufgabe, ?Squash and Stretch? auch am Computer möglich zu machen.

Bergeron führt aus: ?Es ist einfach, eine Figur mit einem Bleistiftstrich zu verformen. Am Computer ist es aber die Hölle, weil die Figuren auseinanderreißen. Am Anfang machten wir einen Bleistifttest, um den Technikern zu zeigen, was wir wollten, und ich fragte sie? ob das möglich ist. Sie sagten: ?Es kommt auf einen Versuch an.? Das Ergebnis war weit mehr als nur ein Versuch. Es funktionierte großartig.?

Janet Healy fährt fort: ?Wir bauten ein System, mit dem die Animatoren Gesichter und Körper kontrolliert in jede Richtung biegen und strecken konnten, ohne dass der Zusammenhalt der Figur verloren ging. Mit dieser Fähigkeit ausgestattet, konnten sie schwungvollere, stärker an Posen orientierte Animationen verwirklichen. Sie konnten damit eben die Art der physischen Darstellung realisieren wie sie in ?Grosse Haie - Kleine Fische? gezeigt wird - und das hat auch zur Komik des Films beigetragen.?

Die Verwendung von ?Squash and Stretch? zieht sich durch den gesamten Film, ist aber bei den Tentakelbewegungen der Quallen Ernie und Bernie am deutlichsten zu sehen. Besonders wenn sie jemanden ?berühren? wollen. Rob Letterman sagt: ?Ernie und Bernie sind zwei Witzbolde, die Spaß daran haben, Oscar zu ärgern und zu quälen. Letztendlich waren es aber die Animatoren, die am meisten unten ihnen zu leiden hatten. Die Quallen waren für sie das härteste Stück Arbeit.?

Lignini stimmt zu: ?Ernie und Bernie haben diese Tentakel, ihre Dreadlocks, die sich ständig bewegen. Wir mußsten darauf achten, dass sie sich nicht überschneiden. Bei CG ist alles virtuell, Dinge werden in ihrer Bewegung nicht gestoppt, wenn sie aufeinandertreffen, sie bewegen sich weiter und überkreuzen sich, darauf mußsten wir besonders achten.?

Als eine weitere Herausforderung erwies sich die Animation der menschenähnlichen Fischfiguren, die übergangslos vom Schwimmen wie ein Fisch zum Sitzen oder Stehen wie ein Mensch und wieder zurück wechseln sollten.

Kevin Ochs pflichtet bei: ?Eine der größten Herausforderungen bildete die Animation sitzender oder stehender Charaktere, die sich zunächst wie Menschen verhalten und dann innerhalb von Sekundenbruchteilen wie ein Fisch wegschwimmen. Das war tatsächlich schwieriger als es sich anhört.

Bei einem schwimmenden Fisch liegt die Artikulationsstelle sehr weit oben an seinem Körper, bei einer gehenden Figur sitzt das Bewegungszentrum in der Hüfte oder oberhalb der Beine. Wir mußsten ein Werkzeug für die Animatoren entwickeln, mit dem sie die Figuren von Fisch auf Mensch und wieder zurück auf Fisch umschalten konnten. Es war ein Kraftakt, dies nahtlos hinzukriegen.?

Fische, so menschenähnlich sie auch angelegt werden, leben im Wasser, und das mußsten die Animatoren natürlich auch berücksichtigen. Duncan bemerkt: ?Wir neigten dazu, die Posen gut hinzukriegen und die Figuren aber darin ?hängen zu lassen?, wodurch sie zu bewegungslos wirkten. Sie sollten aber eher ?schweben?. Es war daher eine permanente Herausforderung, dieses Schweben im Wasser glaubwürdig darzustellen.?

Das galt allerdings nicht immer, wie Lignini ergänzt: ?Es handelt sich zwar um eine Unterwasserstadt aber die Fische leben darin wie normale Stadtbewohner.

Die Dinge müssen wirken als hätten sie ein bestimmtes Gewicht, sonst würden viele Szenen nicht funktionieren. Es ging darum, das richtige Verhältnis zwischen dem Schweben und der Vermittlung von Schwerkraft zu finden.?

Stadt in der Tiefe Aus der Entfernung sieht die Stadt, in der die Fische wohnen und arbeiten, wie ein farbenfrohes, natürliches Korallenriff aus. Beim Näherkommen sehen wir jedoch, dass wir uns in einer Stadt unterhalb der Meeresoberfläche befinden, die mit Gebäuden, Plakatwänden und Straßenverkehr überhäuft ist. Bei noch genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass die Stadt aus Korallen, Sand und anderen natürlichen Materialien herausgearbeitet wurde, allerdings haben die Fische in ihrem Einfallsreichtum auch Objekte integriert, die einfach im Meer ?entsorgt? wurden.

Produktionsdesigner Daniel St. Pierre sagt: ?Wir mußsten eine Stadt schaffen, die nicht wie eine versunkene Stadt aussehen sollte, sondern wie eine von Fischen errichtete Stadt.?

Die Filmemacher führten Begriffe wie ?fischifiziert? ein, um die Umsetzung von Elementen der Menschenwelt in die Fischwelt zu bezeichnen. Art Director Samuel Michlap erklärt: ?Die ?Fischifizierung? oder ?fischifiziert? sind von uns geprägte Ausdrücke, die wir etwa so verwendeten: ?Ist das ausreichend fischifiziert?? oder ?Wie sieht die Fischifizierung dieses Gebäudes aus??

Unsere Ausgangspunkte waren immer Gebäude der Menschenwelt und andere Dinge, die wir alle kennen. Dann beschäftigten wir uns mit Ozeanografie und warfen einen Blick auf Unterwasserlandschaften und Korallenriffe. Wir nahmen uns ein Gebäude heraus, das dem Aussehen einer Pflanze oder eines Riffs nahe kam und fusionierten es dann mit den Unterwasserelementen. Das Ergebnis war niemals so verzerrt, dass das Gebäude nicht noch zu erkennen gewesen wäre.

?Wir wollten Symbole aus der Alltagswelt verwenden, diese sollten dann aber ?fischifiziert? werden, um eine eigenständige Unterwasserwelt entstehen zu lassen?, sagt Janet Healy.

Als Haupteinfluss für das Produktionsdesign des Riffs sollte für die meisten Leute New York erkennbar sein, allerdings merkt St. Pierre an: ?Es gibt auch Teile von Las Vegas, Atlantic City und sogar San Francisco, die mit Elementen des Great Barrier Reef und der Karibik kombiniert wurden. Wir haben diese beiden Welten sozusagen zusammengemischt und so unseren Look erstellt.?

?Unsere Fischwelt haben wir ?Southside Reef? genannt. Sie entspricht weitgehend einer durchschnittlichen Stadt?, erzählt Vicky Jenson. ?Es gibt eine Unter- und eine Oberstadt, wobei unsere Unterstadt buchstäblich auf dem Meeresgrund liegt. Dies ist die dunklere Seite der Stadt, es ist eine leicht anrüchige Gegend, wo man ?Garnelenläden? und dergleichen findet. Die Oberstadt liegt näher an der Wasseroberfläche. Dort ist das Wasser kristallklar und hell und dort gibt es die Penthäuser. Jeder träumt davon, dort zu leben, besonders Oscar.?

Art Director Seth Engstrom ergänzt, dass sich passend zur Story zwei konträre Kulissen aufdrängten: ?In diesem Film gibt es zwei wesentliche Erscheinungsbilder, die sich etwas schwer miteinander kombinieren lassen.

Es gibt die Hip-Hop-Gegend, die am Korallenriff sein sollte. Die natürliche Farbe der Korallen ist fantastisch. Sie ist unglaublich gesättigt, und das außerhalb der normalen Farbskalen. Diese Gegend sollte pulsieren und mit vielen Primärfarben vor Lebensfreude nur so sprühen.

Die Welt der Haie hat demgegenüber wesentlich gedämpftere Farben. Hier herrschen dunkles Mahagoni, satte Brauntöne und Grau-, Schwarz- und Weißabstufungen, was perfekt zu den Haien passt?.

Die Haie leben auf einem gesunkenen Ozeanriesen, der als Kombination aus Titanic und Queen Mary angelegt wurde, wobei letztgenannte natürlich nicht gesunken ist, aber sie zählt zu den symbolträchtigsten Schiffen überhaupt.

Die Haie haben die Erste-Klasse-Lounge in ein Nobelrestaurant umgewandelt, in dem es zu einer zentralen Offenbarungsszene zwischen Lenny und Don Lino kommt. Die Walwaschanlage, wo Oscar und Angie arbeiten, wurde einer typischen städtischen Autowaschanlage nachempfunden, wobei einige Unterschiede bestehen. Abgesehen davon, dass hier Fische arbeiten, werden statt Autos Wale gereinigt und das Wachs wird von echten Schildkröten aufgetragen.

Die Walwaschanlage ist kein freistehendes Gebäude, sondern ist in einen Spalt des Riffs eingebettet. ?Um sie nicht zu sehr an die Menschenwelt erinnern zu lassen, haben wir uns eine natürliche Sandbank einfallen lassen, in deren Bereich der Meeresboden angehoben ist. Dort wurden Maschinen installiert, mit denen eine solche Walwaschanlage betrieben werden kann?, so Michlap.

Oscars ultra-hippe Wohnung mit all den klaren Linien scheint zunächst das am wenigsten ?fischfizierte? Set zu sein. Bis man schließlich feststellt, dass die Couch aus Korallen gemacht wurde und die Kissen aus Pflanzen bestehen, welche sich fast unmerklich im Strom bewegen.

Das zentrale Element des Produktionsdesigns bildete der ?fischifizierte? Times Square mit dem Jumbotron, den Werbetafeln und den Verkehrsstaus. Die Filmemacher und das Designteam hatten großen Spaß dabei gehabt, die Plakatwände mit Werbung für ?Coral-Cola?, ?Fish King? bis hin zu ,Old Wavy? und ?Gup? zu entwerfen. Es gibt auch eine Reklametafel mit dem Lieblingsfilm der Haie, dessen Titel keiner ?Fischifizierung? bedurfte: ?Jaws? bzw. ?Der weiße Hai?

Jenson sagt: ?Unser Times Square ist ein perfektes Beispiel dafür, wie wir uns bekannte Dinge ?fischifiziert? haben. Man kann sich vorstellen, wie es während der geschäftigen Mittagszeit mitten auf dem New Yorker Times Square zugeht, mit all den Taxis, dem Lärm und dem Gewimmel.

Auf unserem Times Square schwimmen Fischschwärme, die sich vor Ampeln aus Seetang drängen. Es gibt schwarz-gelbkarierte Fische, die sich gegenseitig anschreien und dabei wie Hupen klingen. Denn in dieser Stadt sind die Fische selbst die Fahrzeuge.

Die computergenerierte Erzeugung von Fischschwärmen ähnelt dem Erstellen von Menschenmengen. Die Animatoren fingen mit vier Grunddesigns für die Fische an und konnten daraus zahllose Fischvariationen ableiten, die sich durch Farbe, Form und Größe unterschieden. Verschiedene Zusammenstellungen von Fischen konnten so je nach Bedarf für eine Sequenz in der Stadt oder in der Umgebung platziert werden. Bei der Rennbahnszene waren beispielsweise über 5.000 Fische beteiligt, deren Bewegungen und Handlungen in über 600 Animationszyklen dargestellt wurden, das reichte vom Jubeln und Aufund-ab-Springen bis hin zum Essen und zum Unterhalten.

In ähnlicher Weise wurden nach Fertigstellung des Stadt-Designs die verschiedenen Elemente des Sets am Computer generiert. Dabei kam die ?Toolbox City? zum Einsatz, wie das Computergrafikteam ihr Werkzeug bezeichnete.

Der leitende CG-Supervisor Kevin P. Rafferty erklärt: ?Wir hatten Module mit verschiedenen Rohbauten und Fenstertypen, Einfahrten, Eingängen und Plakatwänden, aus denen wir wählen konnten, um so die jeweilige Gegend zu erstellen. Mit den Elementen der ?Toolbox City? konnten wir Sandsteinsiedlungen zusammenflicken, wie die, in denen Oscar lebt, oder wir konnten moderner und sauberer wirkende Module für die Oberstadt auswählen.?

Visual Effects Supervisor Doug Cooper merkt an, dass es schwieriger war als es sich anhört, denn die organische Form der Umgebung mußste berücksichtigt werden. ?Man konnte kein Gebäude erstellen, bei dem alle Fenster gleich aussehen, wenn bei diesem Bauwerk die Fenster aus Korallen herausgearbeitet worden waren. Die Korallen würden ja normalerweise weiter wachsen und ihre Form ändern, was am Computer nur schwer zu simulieren war.

Mit dem Computer lassen sich Dinge sehr leicht reproduzieren, z. B. ein Fenster, das kopiert und an anderer Stelle eingefügt wird, hier aber mußsten alle Fenster leicht unterschiedlich sein. Wir mußsten das System ganz schön tunen, um diese Datenfülle und die Komplexität der Szenen verarbeiten zu können.

Cooper spricht Hewlett-Packard seinen besonderen Dank aus: ?Ohne die superschnellen Computer von HP hätten wir die unglaublich komplexen Berechnungen beim Rendern der Filmdetails niemals hinbekommen.?

Die Digitalkünstler setzten bei ?Grosse Haie - Kleine Fische? mehr als 300 HPWorkstations ein. Dank der neuesten Dual-Processor-Systeme mit den schnellsten verfügbaren Speicherriegeln konnten die Animatoren, die Designer, das Effects-Team und die anderen Abteilungen mehr visuelle Details interaktiv auf ihren Desktops darstellen. So konnten die Künstler die Komplexität der Umgebungen in ?Grosse Haie - Kleine Fische? erhöhen, so dass eine dichtere und glaubwürdigere Unterwasserwelt entstand.

Daneben ermöglichte die HP Renderfarm den Filmemachern, sich das Produktionsergebnis ohne große Verzögerung anzusehen. Janet Healy bestätigt: ?Es war unglaublich, bei einem Film von einer derartigen Komplexität stets alle Produktionsschritte nachvollziehen zu können und jeden Morgen die neuen Bilder gezeigt zu bekommen. Es war wirklich erstaunlich.?

Das Designteam arbeitete eng mit den Regisseuren und dem von Gil Zimmerman geleiteten Layoutteam zusammen, um die besten Kamerawinkel für die Darstellung der Szenen herauszufinden. Das Layout beim Animationsfilm ist das Pendant zur Kameraarbeit in einem Film mit Live-Action, und Daniel St. Pierre sagt, dass man bei der Besprechung der Kameraarbeit für ?Grosse Haie - Kleine Fische? die Begriffe aus Realfilmen übernommen hat.

?Wir sagten Dinge wie ?Von hier bis hier müssen wir mit einer Steadicam arbeiten? oder ?Wir brauchen eine Kranaufnahme und dann machen wir eine Dollyfahrt.??

Die Kameraaufstellung wurde zunächst mit Hilfe physischer Modelle ausgearbeitet und dann mit Animatics (Computermodelle von Szenenelementen, einschließlich der Figuren, mit denen die Filmemacher am Computer 3D-Szenen erstellen konnten) auf den Computer übertragen.

Eine der von Zimmerman und seinem Team erdachten Innovationen war die ?Sharkcam?, eine virtuelle Kamera am Kopf eines Hais, durch die der Zuschauer die subjektive Perspektive eines durch die Stadt schwimmenden Hais einnimmt.

Höhenflüge Computeranimation entwickelt sich ständig weiter, es gibt immer Neuland zu betreten. Bei ?Grosse Haie - Kleine Fische? war die Beleuchtung einer der Punkte, bei denen die Filmemacher die Grenzen des bisher Möglichen sprengten, besonders durch den Einsatz von ?Global Illumination?. Durch ?Global Illumination? lässt sich eine natürlichere, atmosphärische Beleuchtung realisieren, wobei die Beziehungen zwischen Lichtquellen, Oberflächen und Objekten berücksichtigt werden.

Doug Cooper erklärt: ?Wir haben bei der ästhetischen Darstellung einen großen Schritte nach vorn tun können. Wir haben auf ?Global Illumination? gesetzt, um eine besonders hohe Lichtqualität zu erreichen, und zwar nicht nur bei ausgewählten Szenen, sondern für den gesamten Film.

Mit den von uns entwickelten Steuerelementen konnten wir das Licht geradezu bildhauerisch formen und damit ein kunstvoll stilisiertes Ergebnis erreichen anstelle eines lediglich realistischen.?

Eine Art der ?Global Illumination? war der ?Bounce Shader?. Einfach gesagt, misst der ?Bounce Shader? aus, wo und wie das Licht auf die Oberflächen gespiegelt wird, egal ob mit oder ohne Animation, so dass das Visual Effects-Team natürliche Lichter und Schatten erstellen konnte.

Bei der Beleuchtung der Unterwasserwelt mußsten weitere Komplikationen berücksichtigt werden: Die sogenannten ?Underwater Caustics?, wogende, unruhige Lichtmuster, die auf Oberflächen geworfen werden, und die subtile, aber unvermeidbare Trübung, die auch bei klarem Wasser vorhanden ist und weiter entfernte Objekte schwer erkennbar macht.

Bevor sich Beleuchtungs- und Effects-Team daran machen konnten, mit der ?Global Illumination? die gewünschte Beleuchtung einzurichten, mußsten sie sich erst mit deren Wirkung im Realfilm auseinandersetzen. Zu diesem Zweck absolvierten die Teams verschiedene Kurse unter Anleitung von Kameraleuten mit Weltrang, in denen sie die Lichtsetzung für Sets in Filmen mit realen Schauspielern lernten.

"Ich finde, man kann die Ergebnisse dieser Art von Schulung an der Lichtsetzung bei ?Grosse Haie - Kleine Fische? erkennen?, meint Cooper.

Ein weiterer Durchbruch im Bereich der Beleuchtung mit der Bezeichnung ?Subsurface Scattering? ist eher bei organischen Objekten einsetzbar. Poröse Haut wird vom Licht durchdrungen, das dann gebrochen wird und wieder austritt.

?Subsurface Scattering? bildet diesen Effekt am Computer nach und verleiht der Haut, oder in diesem Fall den Schuppen der Figuren einen natürlichen Glanz. Um ein fisch-typisches Schillern zu erreichen, waren neben ?Subsurface Scattering? weitere Techniken erforderlich.

Die für Oberflächengestaltung zuständige Abteilung unter der Leitung von Wesley Burian fasste Ebenen aus Licht und Farbe zusammen und erzeugte so eine glänzende, schuppige, vielfarbige Oberfläche von der Healy sagt: ?Sie lässt die Fische wie Juwelen leuchten.? Das Oberflächen- und Effects-Team fügten bei der Figur der Lola neben dem Glanz noch ein Funkeln hinzu, da sie auf jemanden wie Oscar eine hypnotische Wirkung ausüben sollte.

?Davon abgesehen?, ergänzt Burian, ?stellten uns die Quallen vor die größten Probleme. Das Schlimmste war, diese Figuren transparent zu gestalten. Ich habe mir zahllose Quallen als Referenz angesehen, und tatsächlich sieht man sie in ihrem natürlichen Lebensraum kaum. Die Regisseure wollten jedoch, dass Bernie und Ernie gut sichtbar und ansprechend dargestellt werden. Wir mußsten eine besondere Schattierung verwenden, um ihre Köpfe gallertartig und durchsichtig darzustellen.?

Die Darstellung von Wasser und Feuchtigkeit wird häufig als Herausforderung bei Animationsfilmen angesehen, dies trifft natürlich nirgendwo so sehr zu, wie bei einem Film, der ausschließlich unter Wasser spielt.

CG-Supervisor Michael McNeill erklärt: ?Wir einigten uns früh darauf, das Publikum nicht mit der ständigen Darstellung des Unterwassereffekts zu überreizen, sondern wollten eher kleine Hinweise wie Luftblasen und Wellen oder kleine vorbeischwebende Partikel einflechten, die alle subtil darauf deuten, dass die Handlung sich unter Wasser abspielt?.

?Es gibt reichlich Luftblasen?, bestätigt der Leiter des Effects-Teams Michael A. Miller. ?Ich glaube, während 90 Prozent des Films sind Luftblasen in irgendeiner Art oder Form zu sehen.?

Luftblasen waren eine Sache, Schaum eine gänzlich andere. Cooper gibt zu: ?Bei den Überlegungen zu ?Grosse Haie - Kleine Fische? habe ich zuerst gar nicht an die Darstellung von Schaumbildung unter Wasser gedacht. Doch Oscar arbeitet ja in einer Walwaschanlage, und wir mußsten uns deshalb dann sehr intensiv mit dem Thema Schaum beschäftigen.?

Die Filmemacher diskutierten, ob der Schaum sich wie eine Flüssigkeit in einer anderen Flüssigkeit verhalten sollte - also aufsteigen und sich auflösen (wie der Kaffee von Lucas in einer komischen Szene), oder sich aber wie Seifenschaum in der Luft verhalten sollte.

?Wir einigten uns schließlich auf eine Mischung aus beidem?, fährt Cooper fort. ?Wir erstellten einen Effekt, bei dem der gebildete Schaum sich zunächst so wie in der Luft verhält. Er klebt an den Walen und läuft an ihren Seiten herunter. Wenn die Arbeiter ihn jedoch abwaschen, löst er sich in einem milchigen Schleier auf und wird vom Wasser davongetragen. Es ist also eine kleine unlogische Trickserei, die jedoch manchmal notwendig ist, wenn wir die Realität zugunsten stilistischer Faktoren vernachlässigen müssen.?

Eine der realistischen Erfahrungen unter Wasser ist dagegen, dass fast nichts an seinem festen Platz bleibt. Seegras und andere Pflanzen biegen sich ständig in der Strömung, und die Flossen der Fische sind in permanenter Bewegung. Letztendlich bewegt sich alles, was nicht irgendwie festgenagelt ist.

Die Umgebung in ständiger Bewegung zu halten, erwies sich als sowieso schon schwer genug. Doch dann erhielt das Effects-Team noch eine Weisung, die alles zusätzlich verkomplizierte: ?Die Regisseure sagten uns, dass unsere Effekte teilweise synchron zur Musik ablaufen sollten?, wirft Miller ein.

?Die Bilder sollten einen Rhythmus besitzen und die Effekte sollten sich daran anpassen. Die Musik war für uns daher ein bedeutender Faktor.?

Meeresklänge Die Musik von ?Grosse Haie - Kleine Fische? ist eine Kombination aus Songs und Score, und diese untermalende Filmmusik wurde von Hans Zimmer komponiert, den eine langjährige Zusammenarbeit mit Jeffrey Katzenberg verbindet. ?Ich arbeite seit langem mit Hans Zimmer zusammen und habe dabei erstaunliche Erlebnisse gehabt?, sagt Katzenberg. ?Zimmer stieg bei diesem Film ein und wieder einmal war er Gold wert.?

Bill Damaschke erklärt: ?Hans hat Großartiges geleistet. Die ganze Musik ist ein in sich geschlossenes Werk. In unserem Film haben wir verschiedene Stile vereint, das städtische Umfeld und die Riffoberseite, dann die Gangsterkomödie und die Liebesgeschichte. Wir haben große Orchesterpassagen mit vielen verschiedenen Songs kombiniert, und Hans hat es geschafft, all das unter einen Hut zu bringen.?

Die Musik zu ?Grosse Haie - Kleine Fische? ist ganz wesentlich für die Erzählung der Story, und das ist für einen Animationsfilm nichts Ungewöhnliches. Der Soundtrack von ?Grosse Haie - Kleine Fische? ist aber nicht die übliche Animationsfilmmusik. Music Supervisor Darren Higman sagt: ?Ausgehend vom Schauplatz der Geschichte, der ein urbanes Zentrum ähnlich wie New York ist, wollten wir für den Film eine Musik verwenden, die diesen großstädtischen Charakter auch passend transportiert.?

Damaschke stimmt zu: ?Wir wollten eine zu dieser Welt passende Musik verwenden und unser Riff mit einem aktuellen urbanen Sound beschallen, und das ist eben Hip Hop, R&B, Rap und Pop. Es ist die Musik der heutigen Generation und die Musik, die in den Charts gespielt wird.?

?Manche Leute glauben vielleicht, dass Urban Music - auch wenn es sich um die beliebteste Musik unserer Zeit handelt - für den Animationsbereich noch immer unpassend ist. Das Tolle daran ist aber, dass diese Art Musik für einen solchen Film noch nie eingesetzt wurde. Wir konnten beim Soundtrack herumexperimentieren und unserer Kreativität freien Lauf lassen?, fügt Higman hinzu.

Die Filmemacher zogen eine beachtliche Schar von Künstlern an Land, und jeder sollte einen Track für die Musik von ?Grosse Haie - Kleine Fische? beisteuern. Music Supervisor Laura Wasserman sagt: ?Es ist wirklich unglaublich, dass wir dieses Aufgebot an Künstlern für einen Animationsfilm zusammengebracht haben.

Die Musiker selbst sagen, dass sie sehr aufgeregt waren, weil keiner von ihnen jemals zuvor etwas Derartiges gemacht hat. Sie hatten aber alle sehr viel Spaß bei der Arbeit.?

?Wir hatten viele Talente versammelt?, sagt Katzenberg. ?Einige bestehende Songs haben wir für unseren Film neu aufbereitet, und andere wurden extra neu für den Film geschrieben.?

Der erste Song, der für ?Grosse Haie - Kleine Fische? überarbeitet wurde, war der Discoklassiker ?Car Wash?. Higman merkt an: ?Oscar arbeitet in der Walwaschanlage. Wie hätten wir da an diesem Song vorbeikommen können? Ich meine, welcher andere Song hätte derart gut in die Story hineingepasst? Meiner Ansicht nach schreit das Drehbuch geradezu nach diesem Song.?

Wasserman ergänzt, dass ?Car Wash? mehr als nur ein Filmsong ist: ?Es ist auch eine großartige Tanznummer, die wir zu einem frühen Zeitpunkt aufnehmen mußsten, damit die Animatoren sich danach richten konnten. Hier funktioniert es nicht wie beim Schauspielerfilm, wo sich durch Schnitte alles anpassen lässt.

Animation ist da viel komplizierter.? Um die Tanzeinlage erstellen zu können, wurden die Animatoren sozusagen zum Tanzkurs geschickt. Sie mußsten zwar nicht selbst tanzen lernen, aber sie mußsten lernen, wie sie ihre Figuren zum Beat von ?Car Wash? animieren können. Dazu heuerten die Filmemacher als Tanzlehrerin Nadine ?Hi-Hat? Colquhon an, die durch ihre Arbeit als Choreografin für Missy Elliott einen ausgezeichneten Ruf hat.

Supervising Animator Fabrice Joubert sagt: ?Hi-Hat dachte sich die Tanzbewegungen für die Filmfiguren aus und gab uns damit eine großartige Vorlage. Das hat uns enorm dabei geholfen, das Hip-Hop-Feeling in den Bewegungen einzufangen.?

Abgesehen von der Choreografie für die ?Car Wash?-Tanzeinlage zeigte Hi-Hat den Animatoren Tanzschritte für die Partyszene in Oscars neuem Penthouse und half ihnen dabei, ein gewisses Federn in seine Schritte zu integrieren. ?Oscar sprüht ständig vor Energie, selbst wenn er einfach nur geht, führt er schon eine Art Tanz auf?, erklärt Joubert.

Die neue Version von ?Car Wash? wird von Christina Aguilera und Missy Elliott dargeboten. Higman sagt, dass die Version dieser beiden Topstars ?meiner Meinung nach noch besser als das Original ist.?

Ein anderes Duo, nämlich Sean Paul und der am Film beteiligte Ziggy Marley, schloss sich zur Darbietung von ?Three Little Birds? zusammen, einem der größten Hits aus dem Spätwerk des unvergessenen Bob Marley. Vicky Jenson enthüllt: ?Wir waren alle etwas nervös, als wir Ziggy darum baten, diesen Song seines Vaters für den Film neu zu interpretieren. Aber er war von der Idee begeistert.?

Superstar Justin Timberlake singt für den Film zusammen mit Timbaland die Originalkomposition ?Good Foot?. Higman erinnert sich: ?Als wir uns an Justin wandten, war es für uns, als wollten wir versuchen, die Sterne vom Himmel zu holen. Zu unserem Glück zeigte er aber Interesse an dem Projekt, und ich finde seinen Song wirklich toll.?

Der Teenager-Star JoJo ist mit dem Song ?Secret Love? vertreten, in dem Angies Gefühle für Oscar offengelegt werden. Auch Lola hat ein eigenes musikalisches Thema in Form eines Songs. Dieser hat den passenden Titel ?Gold Digger? und wird von den Rap-Stars Ludacris, Bobby V. und Lil? Fate interpretiert.

Zu den weiteren Künstlern, die in ?Grosse Haie - Kleine Fische? zu hören sind, zählen: D12 mit ?Lies & Rumors?, Avant mit ?I Can?t Wait?, India. Arie mit ?Get It Together?? The Pussycat Dolls mit ?We Went As Far As We Felt Like Goin??, Fan_3 mit ?Digits? und Cheryl Lynn mit ?Sweet Kinda Life?.

Wenn ein Song aber als ?das? Thema für ?Grosse Haie - Kleine Fische? gelten kann, dann ist das die neue Version von ?Got to Be Real?, die von Mary J. Blige und Will Smith, dem Star des Films, interpretiert wird. Katzenberg stellt fest: ?Das ist die wahre Hymne des Films, weil sich Oscar auf die Realität besinnen mußs, um seine Träume zu verwirklichen. Wir konnten den Song einsetzen, um Oscars Geschichte und seine Reise zu unterstützen.?

?Häufig kommt es im Leben oder im Film vor, dass Menschen und auch Fische ungewöhnliche Dinge durchmachen müssen, damit sie endlich begreifen, dass alles, wonach sie streben, schon lange in Griffweite vor ihnen liegt?, sagt Damaschke ein wenig nachdenklich.

?Ich glaube, dieses Wunschdenken ist uns allen nicht fremd?, sagt Jenson. ?Ich meine: ?Mein Leben wäre perfekt, wenn ich nur ??. Oscar sieht die Schätze nicht, die sein Leben bereits für ihn bereithält, weil seine Sicht stur auf die Riffoberseite gerichtet ist. Aber schließlich erkennt er, dass er all das, was ihm immer wichtig war, schon längst besitzt.?

Will Smith resümiert: ?Größe wird nicht dadurch bestimmt, was man besitzt, wo man wohnt oder welche Kleidung man trägt. Größe wird dadurch bestimmt, wer man ist, und das lässt sich letzten Endes nicht verhehlen. Vor dem Universum hält keine Lüge stand, und um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Egal wer du bist, du bist immer gut genug.?

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