Die Bourne Verschwörung

Produktionsnotizen

Vor zwei Jahren kehrte Bourne der tödlichen Geheimagenten-Welt, die ihn erschuf, den Rücken ? und schwor Rache, sollte ihn jemals wieder jemand zu kontaktieren versuchen. Jetzt gab es diesen Kontaktversuch ? und Bourne hat vor, seinen Schwur wahr zu machen. Sie hätten ihn in Frieden lassen sollen.

In DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG taucht Bourne erneut in die Schattenwelt seines Lebens als todbringender Experte ein. Noch immer wird er von schmerzlichen Bruchstücken der Erinnerung an sein vergangenes Leben geplagt. DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG setzt die Geschichte des ehemaligen Killers fort und greift den roten Faden wieder auf, um den unbeantworteten Fragen aus dem internationalen Kinoerfolg ?Die Bourne Identität? nachzugehen.

Erneut in ihren unvergesslichen Rollen aus ?Die Bourne Identität? sehen wir natürlich Matt Damon als Jason Bourne, Franka Potente als Marie, Brian Cox als Abbott, Julia Stiles als Nicky und Gabriel Mann als Danny Zorn. Hinzugekommen sind nun Tom Gallop (?A.I. ? Artificial Intelligence?) als Tom Cronin, Karl Urban (?Der Herr der Ringe?-Trilogie) als Killer-Rivale Kirill sowie die dreifach zum Oscar nominierte Joan Allen (?Rufmord ? Jenseits der Moral?, ?Nixon?) als Agentin Pamela Landy.

Der spannende Einsatz von internationalen Drehorten und der kraftvolle Stil des Avantgarde-Regisseurs Paul Greengrass (Autor und Regisseur des preisgekrönten ?Bloody Sunday?) führen den aggressiven Stil und die frische, ungewöhnliche Perspektive weiter, die mit ?Die Bourne Identität? eingeführt wurden. Drehbuchautor ist Tony Gilroy (?Die Bourne Identität"), basierend auf dem gleichnamigen Roman von Robert Ludlum.

Produziert wurde DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG vom mehrfach zum Oscar nominierten Produzenten Frank Marshall (?Seabiscuit ? Mit dem Willen zum Erfolg?), von Patrick Crowley (?Die Bourne Identität?) und Paul Sandberg (?Ich habe nur meine Frau zerlegt"). Ausführende Produzenten sind Doug Liman (?Swingers?), Jeffrey M. Weiner und Henry Morrisson.

Zu den hochkarätigen Talenten hinter der Kamera gehören Kameramann Oliver Wood (?Die Bourne Identität?), Produktionsdesigner Dominic Watkins (?Bad Boys II?), die Cutter Christopher Rouse (?Paycheck ? Die Abrechnung?) und Richard Pearson (?The Rundown?), Kostümdesignerin Dinah Collin (?Bloody Sunday?) und Komponist John Powell (?The Italian Job ? Jagd auf Millionen?).

Über die Produktion Mit dem überragenden weltweiten Erfolg von ?Die Bourne Identität? im Jahre 2002 haben die Macher der Kino-Welt nicht nur die Figur des Profi-Killers Jason Bourne (aus Robert Ludlums Roman-Bestsellern) geschenkt, sondern auch etwas, wonach sich alle Kinobesucher im Sommer sehnen: ein Blockbuster mit Stil und Substanz. Indem Bourne statt wie in den Romanen beschrieben nicht in der Zeit des Kalten Krieges agiert, sondern in das Europa nach dem Fall der Mauer versetzt wurde, konnte ein faszinierender Anti-Held neu erschaffen und ins neue Millennium transportiert werden.

?Wir haben einen intellektuellen Spionage-Film gemacht, einen paranoiden Thriller, aber auf ganz unkonventionelle Art und Weise?, erinnert sich Produzent Frank Marshall. ?Matt die Hauptrolle zu geben hieß, ihn gegen seinen Typ zu besetzen ? und das stellte sich als die perfekte Entscheidung heraus. In diesem Film wurde ein unkonventioneller Action-Held geboren; und er erwies sich als dermaßen faszinierend, dass wir seine Geschichte fortsetzen wollten.?

Matt Damon erinnert sich: ?Ich war nicht der erste Schauspieler, an den für ein Projekt wie ?Die Bourne Identität? gedacht wurde. Denn ich mußste zunächst die Schwierigkeit überwinden, dass ich so jung wirke, also nicht unbedingt wie ein kaltblütiger, versierter Killer. Doch indem ich gegen die Erwartungen anspielte, hatte ich das Gefühl, dies sei eine echte Chance, um etwas ganz anderes zu erschaffen als in den üblichen Action-Movies. Wir haben sehr hart daran gearbeitet, um mich in möglichst viele Action-Situationen und Stunts einzubinden, damit meine Darstellung absolut glaubwürdig wirkt.?

Robert Ludlums Roman ?The Bourne Supremacy?, der zweite in seiner erfolgreichen Serie von Spionage-Thrillern mit dem Protagonisten Jason Bourne, erschien im Jahre 1986. Er hielt sich 25 Wochen auf der Bestseller-Liste der The New York Times und war acht Wochen lang die Nummer eins.

Die erfahrenen Produzenten Marshall und Patrick Crowley waren vor allem von der innovativen Erzählform und der unkonventionellen Herangehensweise begeistert, die den ersten Film zu einem weltweiten Erfolg an den Kinokassen hatten werden lassen. Die Hochspannung und die von den Figuren vorangetriebene Story in ?Die Bourne Identität? wurden durch eine Vielzahl von Elementen erzielt, Elemente, die es zu reaktivieren galt, um so dem altehrwürdigen Spionage-Thriller neues Leben einzuhauchen.

Robert Ludlums klassische Vorlage - ein Profi-Killer leidet an Amnesie und kommt seiner Vergangenheit nur allmählich auf die Spur ? sollte auch beim zweiten Mal einen ganz neuen, originellen Dreh bekommen. Deshalb arbeiteten Marshall und Crowley auch wieder mit Drehbuchautor Tony Gilroy zusammen, einem der Ko-Autoren von ?Die Bourne Identität?, um mit ihm zusammen eine Story zu kreieren, für die es sich lohnt, Jason Bournes zuvor begonnene Reise fortzuführen.

Frank Marshall meint: ?Wir wollten nicht einfach eine Fortsetzung drehen. Was in dem ersten Film so gut funktioniert hatte, war die Tatsache, dass so viele Dinge ganz unerwartet waren ? dass die Rollen entgegen allen Erwartungen mit scheinbar nicht typgerechten Schauspielern besetzt wurden, dass man darin über die herkömmlichen Verfolgungsjagden und Action-Filme hinausgeht. Wenn das Ziel also lautet, für einen solchen Film eine Fortsetzung zu drehen, dann hat man bereits gegen sich selbst verloren, denn genau das wird ja erwartet.?

Produzent Patrick Crowley sagt: ?Was uns alle bei den frühen Vorführungen von ?Die Bourne Identität? so beeindruckt hat, war die Reaktion der Zuschauer. Die Leute sagten: ?Wahnsinn, wir fanden es toll, dass ihr uns zum Nachdenken gebracht habt, dass ihr uns nicht gesagt habt, was dahinter steckt.? Und das ist es, was man wieder liefern mußs ? nur mußs es diesmal noch besser sein.?

Matt Damon fügt hinzu: ?Wir haben an der Idee festgehalten, dass die Action die Figuren immer weiterentwickelt, dass sie aus der Geschichte heraus emporwachsen. Wir wollten wirklich eine Story aufbauen, in der die Action in die Figuren und ihre Situationen eingebunden ist ? so kann man daran glauben, dass es um gewöhnliche Menschen geht, die in ungewöhnliche Umstände geraten. Das sprengt so ziemlich die herkömmliche Action-Formel, und ist für mich einer der faszinierenden Aspekte an der Fortsetzung von Bournes Geschichte.?

Marshall stimmt zu: ?Die Action wird von den Figuren angetrieben, und die Motivationen der Figuren entstammen aus realistischen Vorfällen ? es geht nicht nur um Actionszenen als Selbstzweck.?

Nachdem Jason und Marie schließlich in einem sonnigen Dorf an der griechischen Küste in Sicherheit waren, mußsten die Filmemacher einen Weg finden, um die Story wieder in Gang zu bringen. ?Einfach gesagt brauchten wir einen Einstieg, um Jason Bourne wieder ins Spiel zu bringen?, erzählt Produzent Frank Marshall, ?aber der übliche Rachefeldzug hat uns nicht interessiert. Obwohl dieses Element schon eine Rolle spielt, haben wir nach etwas anderem gesucht.?

Den roten Faden aufgreifen Von Beginn an stellten die Bourne-Geschichten die Filmemacher vor etliche Herausforderungen. Ludlums ungeheuer beliebte Romane wurden vor dem Hintergrund des Kalten Krieges verfasst, unter dem Damoklesschwert der Bedrohung durch den internationalen Terroristen Carlos.

Doch Henry Morrisson, Ludlums langjähriger Freund und Literaturagent, erzählt: ?Der Kalte Krieg war per se für ihn nicht wichtig. Das war einfach etwas, das die Menschen betraf, es ging darum, wie Großkonzerne und Regierungen damit begannen, die Menschen zu manipulieren und ihre Freiheit einzuschränken. Das war das eigentliche Thema seiner Bücher.?

Der Erfolg des ersten Films war der Beweis für die Zeitlosigkeit von Ludlums geheimnisvollen Protagonisten und für die Fähigkeit der Filmemacher, eine neue Art von Helden in einem unkonventionellen Action-Film zu präsentieren. Die Filmemacher hatten bewiesen, dass sie Bourne mit Erfolg aus der Zeit des Kalten Krieges in das 21. Jahrhundert versetzen konnten, wo die Schwarz-Weiß-Malerei zwischen Schurke und Held nicht länger existiert.

Genau wie im ersten Film entlehnten sie einen Ansatz der Story aus Ludlums Roman, um so ein Sprungbrett für Jason Bournes Rückkehr zu schaffen. ?Im zweiten Buch gibt es einen Zwischenfall mit Marie: Sie wird gekidnappt und als Geisel festgehalten, um Bourne zur Rückkehr zu zwingen?, erläutert Frank Marshall den Kern der zweiten Geschichte. ?Und Bourne drohte schon im ersten Film damit, sie alle zur Strecke zu bringen, sollten sie jemals wieder in seine Nähe kommen.?

Ausgehend von wenig mehr als diesen zwei Eckpunkten nahm sich Drehbuchautor Gilroy der Herausforderung an. ?Wir wollten keinen zweiten Film drehen, wenn wir nicht fähig gewesen wären, etwas wirklich cooles auf die Beine zu stellen?, erklärt Gilroy. Schauspieler Matt Damon sagt dazu: ?Als ?Die Bourne Identität? in die Kinos kam, habe ich gesagt, es gäbe kaum eine Möglichkeit, einen zweiten Bourne-Film zu drehen ? denn niemand aus dem Team des ersten Teils würde einen zweiten machen, wenn der nicht mindestens genauso gut oder noch besser als der erste wäre.?

?Es war uns bewusst, dass wir etwas ganz Radikales wagen mußsten?, meint Marshall zur Notwendigkeit, die Schraube noch weiter anzuziehen. ?Da kam Tony mit dieser großartigen Idee, dass Jason Bourne wie auf die Reise eines Samurai hinauszieht ? auf eine kathartische Reise der Sühne und Wiedergutmachung.?

Produzent Paul L. Sandberg fügt hinzu: ?Es stimmt, dass Tony von der Romanvorlage abgewichen ist. Wir haben die Hauptfigur, seine Ausgangposition, das Gefühl der Originalgeschichte beibehalten ? aber den Ablauf ? also Bournes Reise - mußsten wir verändern, denn seit der Veröffentlichung des Buches hat sich die Welt doch stark verändert.?

Wollten die Filmemacher also einen weiteren Film mit Bourne als Protagonisten realisieren, dann mußsten auch alle davon überzeugt sein, dass es sich lohnen würde. Gilroy erinnert sich: ?Ich habe Matt einen langen Brief geschrieben, und erklärt, warum wir die üblichen Dinge, die man in einem solchen Film erwarten würde, eben nicht tun können. Es kann kein Rachefeldzug werden, weil Jason Bourne ein Mörder ist ? Jason Bourne hat Menschen getötet, und er hat zu Beginn des Films eben keine weiße Weste.

Es klebt viel Blut an seinen Händen, also war ein Rachefeldzug einfach nicht das Richtige. Bourne ist auch noch nicht genesen, er hat nur gesagt: ?Mann, ich weiß, wer ich bin, ich weiß, was ich getan habe, und das will ich nicht mehr tun.? Aber genügt das denn auch? Das war also unser Ausgangspunkt für DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG.? Matt Damon meint, Gilroys Einfälle für den zweiten Film seien ganz natürlich aus dem ersten Teil heraus entwickelt: ?Man sieht ihn dabei, wie er die Reise fortsetzt, die er im ersten Film begonnen hat, als er aus dem Meer gerettet wurde. Es war logisch, dass er sich in diese Richtung weiterentwickeln mußste, während er versucht, sich wieder in die Menschheit einzugliedern.?

Nachdem der Entwurf für eine mitreißende Geschichte gelungen und das Drehbuch in Arbeit war, wussten alle Beteiligten, dass der ausschlaggebende Punkt für die Realisierung dieses Films die Suche nach dem geeigneten Regisseur sein würde.

Frank Marshall erzählt: ?Tony sagte, ich solle mir einen Film mit dem Titel ?Bloody Sunday? anschauen. Er meinte, er habe diese Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit, die einem das Gefühl geben, mitten drin im Geschehen zu sein. Wir haben uns diesen Film besorgt und fanden ihn fantastisch.?

Der britische Regisseur Paul Greengrass erschuf mit ?Bloody Sunday? die Filmversion des 30. Januar 1972 in Derry, Nordirland, als eine friedliche Demonstration in ein blutiges Massaker mündete. Dieser Film wurde weltweit mit zahllosen Preisen ausgezeichnet, darunter der Goldene Bär in Berlin und der Publikumspreis auf dem Sundance Film Festival.

Greengrass verfügte über einen visuellen Stil und eine scharfkantige Unmittelbarkeit, die für DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG genau das Richtige waren.

Crowley, der über Erfahrung im Dokumentarfilmbereich verfügt, war von Greengrass? Film beeindruckt: ?Er hat mich richtig umgehauen. Er wusste, wie man Szenen erschafft, die so wirken, als wären sie spontan entstanden und realistisch. Sein Gefühl für die Kamera als teilnehmender Beobachter war maßgeschneidert für die Fortsetzung von Bournes Geschichte ? sein visueller Stil passt zum Anti-Helden, zu den düsteren, sehr realistischen Drehorten, zu der Abwesenheit des gewöhnlichen Hollywood-Schemas in DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG.?

Greengrass erinnert sich: ?Mir hat schon ?Die Bourne Identität? sehr gefallen. Dieser Film wirkte frisch und vereinte diesen Independent-Touch mit der Intelligenz des Hollywood-Mainstream.? Produzent Sandberg merkt an: ?Paul Greengrass hat die Bereitschaft, die Dinge auf ganz unkonventionelle Weise anzugehen ? und das ist der Schlüssel zur Bourne-Serie.

Er kommt, wenn man so will, als europäischer Außenseiter ? und das beeinflusst alles, was er tut, von der Ausleuchtung der Szenen bis hin zur Motivation der Schauspieler. Und er hat intensiv mit allen Filmemachern zusammengearbeitet, mit Tony seine Vision ausführlich diskutiert und dabei geholfen, immer wieder umzuformulieren, um das zu erschaffen, was ihm als Regisseur, aber gleichzeitig Matt als Schauspieler für seine Figur wichtig war.?

Für den Regisseur, der seine Karriere im Journalismus als Reporter, preisgekrönter Dokumentarfilmregisseur und Spielfilmregisseur begann, war die Vorstellung, nun etwas völlig Neues zu machen, faszinierend: ?Ich war auf der Suche nach einer Portion Abenteuer in meinem Leben, hatte das Gefühl, dass ich bereits einige Filme in allzu ähnlicher Machart gedreht hatte. Ab und zu mußs man einfach etwas ganz anderes machen, um herauszufinden, wie es sich anfühlt ? völlig neue Schauspieler, völlig neue Fachleute. Das tut einem gut, und man kann daraus lernen.?

Greengrass flog nach Prag, um Schauspieler Matt Damon zu treffen, der sich dort gerade zu Dreharbeiten aufhielt. Der Regisseur meint: ?Das Geniale an dieser Serie ist, dass Matt Damon die Rolle von Jason Bourne spielt. Es ist eine ganz frische Figur, und genau das bringt Matt in diese Rolle ein ? denn jeder kennt Matt eigentlich eher als den typischen guten Jungen. Er strahlt Gutartigkeit aus. Wenn man also eine Rolle erschafft, deren Grundzüge die eines sehr düsteren Charakters sind, ein Auftragskiller, und sie dann mit Matt Damon besetzt, dann entsteht daraus eine absolut faszinierende Figur.?

?Intuitiv? ist der Begriff, den Greengrass verwendet, um seine Herangehensweise an den Film zu beschreiben. Danach suchte er in jedem Aspekt des Filmemachens, besonders beim Einsatz der Kamera. Er erläutert: ?Eines der Dinge, die diesen Film so frisch wirken lassen, ist die Kamera-Arbeit, die eher locker ist, manchmal mit Handkamera gedreht, und eben nicht in der geradlinigen, konventionellen Erzählweise. Meiner Meinung nach mußs die Geschichte so wirken, als entwickle sie sich gegen den Lauf der Zeit, innerhalb eines kurzen Zeitrahmens.

Und man sollte das Gefühl bekommen, dass Bourne uns durch diesen Film führt.? Der Regisseur fährt fort: ?Es ist der Unterschied zwischen der wissenden und der unwissenden Kamera. Eine wissende Kamera zeigt die Geschichte, denn sie weiß, wo sich die Action abspielen wird. In DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG ist es aber angebracht, dass die Kamera die Geschichte dadurch erzählt, dass sie auf die Dinge reagiert, die sich vor ihr abspielen.

Beides sind natürlich nur Kunstgriffe, denn in Wahrheit taucht man ja nicht einfach auf und reagiert, man mußs die Situation erst beurteilen ? aber im Ergebnis bewirkt diese Kameraführung ein kraftvolles, intuitives Gefühl der Unmittelbarkeit.?

Dazu Matt Damon: ?Paul Greengrass versteht die Figur des Jason Bourne wirklich: es geht um einen Kerl ? der allerdings ein Profikiller ist ?, der sich in so verwirrenden Umständen wiederfindet, die ihn dazu zwingen, einen ganz bestimmten Weg einzuschlagen. Für mich war ?Bloody Sunday? einer der besten Filme der letzten Jahre. Paul besitzt die bewundernswerte Fähigkeit, diesen klassischen Ein-Mann-gegen-die-ganze-Welt-Konflikt in einem visuell herausragenden Stil einzufangen.?

Spion gegen Spion Jason Bourne hat versucht, einer Welt den Rücken zu kehren, die sich weigert neutral zu bleiben. Die Mächte in diesem Spiel haben ihn nun wieder zurückgezwungen, und er sieht sich erneut mit einem Kader aus bekannten, aber auch fremden Gesichtern konfrontiert ? und fast alle sind sie ihm nicht willkommen.

Franka Potente kehrt als Marie zurück, die Quelle des Wohlwollens und des Lichts, weiterhin ein Schlüssel dazu, dass Bourne seine Vergangenheit akzeptieren und überwinden kann. Die Schauspielerin meint: ?Zwei Jahre sind vergangen, seit Jason und Marie in diesem griechischen Küstenort landeten. Obwohl klar ist, dass Jason nicht völlig genesen konnte, steht er dennoch unbeirrt zu dieser Beziehung und zum besänftigenden Einfluss von Marie. Von beiden Seiten war das eine bewusste Entscheidung. Die bruchstückhaften Erinnerungen an die Vergangenheit verfolgen ihn aber noch immer, und verursachen kleine Störungen in ihrem Alltag, aber sie haben sich dafür entschieden, zusammen zu bleiben? bis Jasons Albträume wahr werden, und sie gezwungen sind, erneut zu fliehen.?

Greengrass stellt fest: ?Marie verkörpert die Hoffnung, dass er in seinem Leben eine neue Seite aufschlagen kann, und Franka überträgt sowohl eine Kraft als auch ein Gefühl der Sühne in Jasons sehr düstere Welt.? Eine der Schlüsselfiguren aus Jasons düsterer Welt ist Abbott, vom Regisseur als ?bürokratischer Kontrolleur dunkler Geheimnisse? beschrieben und gespielt von Charakterdarsteller Brian Cox.

Greengrass meint dazu: ?Brian verfügt über eine Palette mit allen Nuancen, die man sich für einen glaubwürdigen Gegner nur wünschen kann: Er kann sowohl zweideutig als auch bedrohlich sein, er kann listig und gerissen, aber auch nett und freundlich wirken; er kann pathetisch und furchterregend und sinister sein. Es gibt ein ganzes Spektrum zwischen den Extremen von Schwarz und Weiß, das Brian brillant zur Geltung bringt.?

Schauspieler Cox erläutert: ?Abbott ist in dieser neuen Welt nach dem Kalten Krieg eindeutig so etwas wie ein Dinosaurier, ein Mann der alten Schule. Jetzt geht es in diesem Spiel eher um den politischen Gebrauch oder Missbrauch der Geheimdienste, und nicht so sehr um den Geheimdienst als unabhängige Organisation, die niemandem Rechenschaft ablegen mußs.

Die Organisation, die Bourne ausgebildet hat, nämlich Treadstone, ist zerschlagen worden. Auf eine bestimmte Weise ist Abbott der Herrscher eines zerfallenden Reiches, und die Wahrheit lautet, dass er davon nicht gerade begeistert ist.?

Bourne ist nicht der Einzige, der in diese sich stetig wandelnde Welt der internationalen politischen Intrigen zurückkehrt. Nicky, die Agentin, deren Arbeit bei Treadstone womöglich als einziges menschliches Antlitz in diesem eiskalten Geschäft bezeichnet werden kann, wird von Abbott einberufen - um als Vermittlerin zwischen Bourne und der CIA zu agieren, und unwillentlich als Sympathisantin von Jason -, denn sie war die letzte, die Bourne lebendig gesehen hat. In dieser Rolle sehen wir hier wieder Julia Stiles.

Produzent Marshall sagt: ?Es war wirklich interessant zu sehen, wie die Schauspieler in der Zwischenzeit gereift sind. Bei den Dreharbeiten zum ersten Teil war Julia noch auf dem College, und sie hat sich nun wirklich weiterentwickelt. Das spiegelt sich auch in der Rolle als Nicky wider, die innerhalb der Organisation Karriere gemacht hat, und bringt viele neue Aspekte mit sich. Julia erweist sich in diesem Abschnitt unserer Geschichte als echter Gewinn.?

Schauspielerin Julia Stiles meint zu ihrer Rolle: ?Auf vielerlei Weise war Nicky im ersten Teil der Geschichte wohl überfordert. Jetzt aber, da sie wieder einberufen wird, stellt sie fest, dass die Informationen, über die sie verfügt, sie neben Abbott und die führenden Köpfe der Organisation auf einen eher gleichberechtigten Rang stellen. Und sie versteht, wie negativ sich Treadstone auf die menschliche Seite der Agenten auswirkte. Sie sieht Bourne als Opfer dieser Operation, und ist zerrissen zwischen der Ausführung der Befehle ihrer Bosse, denen sie nicht vertraut, und dem Wunsch, Jason zu helfen, der ihr praktisch das Leben gerettet hat. Es ist eine interessante Ausgangsposition, und verstärkt eher noch die Frage danach, wer in diesem Spiel eigentlich die Guten und wer die Bösen sind.?

Eindeutig keiner der Guten ist die neue Figur des Kirill, ein rivalisierender Profi-Killer, dessen Loyalität im Dunkeln bleibt, teilweise aufgrund der Tatsache, dass er nicht gerade ein sehr redseliger Mann ist. Karl Urban spielt nach seiner heroischen Rolle als Rohan-Krieger Eomer in ?Der Herr der Ringe?-Trilogie hier nun diesen gedungenen Mörder.

Regisseur Greengrass sagt: ?Karl hat Großartiges geleistet und eine abgerundete Darstellung für eine Rolle gefunden, die nicht viel Text hat. Als Schauspieler ist er unglaublich präzise, sowohl in seinen Entscheidungen als auch in seinem körperlichen Ausdruck. Die Rolle des Kirill beinhaltete viele Herausforderungen bei Auto-Stunts, und Karl war unglaublich akkurat.

Er hat die Momente der Figur genutzt und alles in sie investiert, sodass jeder einzige Moment bedeutsam wird.? Schauspieler Urban meint: ?Kirill sagt nicht wirklich viel, wenn er aber auftritt, dann spricht das Bände. Ich meine, normalerweise dreht man Filme, in denen alles von Dialogen im Übermaß zugeschüttet wird ? also war es wunderbar, hier zur Arbeit zu kommen, und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf die Quintessenz. Diese Figur ist ein Rückgriff auf einige Film-Noir-Charaktere, zum Beispiel der Auftragskiller aus den klassischen französischen Filmen, die ich wirklich liebe.?

Ein weiteres bekanntes Gesicht aus Bournes verworrener Vergangenheit ist Agent Danny Zorn, verkörpert von Gabriel Mann. Der Schauspieler genoss die Zwiespältigkeiten in der mit Agenten und Abwehragenten gespickten Story, und sagt: ?Für mich sind die interessantesten Drehbücher und Rollen diejenigen, die gleichzeitig zwei dynamische Linien beinhalten. Wenn die Figur, die man spielt, genau das ist, was sie zu sein scheint, ist das längst nicht so aufregend, als wenn dahinter noch etwas ganz anderes steckt.

Ganz egal, ob man das als Schauspieler selbst vermittelt, oder ob es durch die Struktur des Films vermittelt wird ? diese Dualität erhöht die Chancen für einen interessanten Konflikt. Und da es hier um internationale Geheimdienste geht, gibt es für solche Dualitäten einen großen Spielraum: Doppelagenten, die mit Doppelagenten arbeiten, die versuchen, den Maulwurf zu enttarnen ? also gibt es entlang des Weges alles Mögliche zu entdecken.?

Produzent Marshall fügt hinzu: ?Danny Zorn wird unwissentlich in eine Situation hineinmanövriert, in der sein Wissen gegen ihn selbst eingesetzt wird. Gabriel war bereits im ersten Teil hervorragend, und auch hier hat er genau die richtige Haltung gefunden.?

Eine weitere, neue Figur mit einer ganz eigenen Haltung ist Pamela Landy, eine smarte, kultivierte Agentin auf ihrer eigenen Mission, die eine ?Null Toleranz?-Politik gegenüber dunklen Machenschaften oder Dualitäten durchsetzen will ? ehrenwerte Eigenschaften in einer so trügerischen Welt. Schauspielerin Joan Allen erhielt bereits drei Oscar-Nominierungen und nahm souverän die große Herausforderung an, diese starke Frau an der Macht innerhalb der Macho-Welt der Geheimdienste zu verkörpern.

Regisseur Greengrass meint dazu: ?Mit dem Tod von Conklin (gespielt von Chris Cooper) gab es eine Lücke, die mit einer neuen Figur ausgefüllt werden mußste. Pamela ist eine direkte, intelligente Frau, und in ihrem Job hochprofessionell. Sie hat Klasse, ist smart, hat Erfolg ? und all diese Qualitäten verkörpert Joan Allen. Ihre Schauspielkunst ist so fantastisch subtil, so intellektuell, und das funktioniert für diese Rolle besonders gut. Sie vermittelt dieses Gefühl von Selbstbeherrschung, und dass es unter dieser souveränen Oberfläche aber richtig brodelt ? und das ist faszinierend zu beobachten.?

Joan Allen erzählt: ?Meine Figur mußs grundsätzlich ein riesiges Puzzle zusammensetzen. Dabei versucht sie, auf ihre Intuition bezüglich Bourne zu vertrauen, während sie die Informationen von Abbott abwägen mußs, zu dem sie in einer antagonistischen Beziehung steht ? zwischen ihnen spielt sich eindeutig ein Machtkampf ab. Diese ganze Unsicherheit wird durch Pauls Regiearbeit sichtbar, durch seinen zeitgenössischen, kantigen visuellen Stil. Aufgrund seiner Erfahrung mit Dokumentarfilmen hat er wohl Erkenntnisse über die Funktionsweise der CIA, und durch seinen Stil wird das auch ersichtlich.

Uns Schauspieler in diese Welt hineinzuversetzen gibt uns die Möglichkeit, diese Figuren auszuarbeiten und sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten auszuloten.?

Greengrass? schattenreiche Landschaften sind von einer beeindruckenden Riege internationaler Schauspieler bevölkert, darunter Marton Csokas als Jarda, Karel Roden als Gretkov, Tomas Arana als Martin Marshall, Tom Gallop als Tom Cronin, Tim Griffin als Nevins, Michelle Monaghan als Kim, Ethan Sandler als Kurt und John Bedford Lloyd als Teddy.

Frank Marshall dazu: ?Wir wollten die Balance finden zwischen dem Alten und dem Neuen, und das spiegelt sich nicht nur an unseren Drehorten, sondern auch in den Schauspielern wider ? manche sind wieder dabei, andere sind neu hinzugekommen. Genau wie im ersten Teil arbeiten wir auch hier ganz bewusst gegen die Erwartungen und versuchen, etwas Unerwartetes zu erschaffen. Wir besetzen also nicht nur scheinbar entgegen herkömmlicher Schemata, sondern begeben uns auch an Orte außerhalb aller Schemata.?

Bournes Welt erschaffen Noch während der Ausarbeitung des Drehbuchs und Verfeinerung der Rollen gab es bereits ein Element, das auf der Tagesordnung immer Priorität hatte: die Auswahl und Vorbereitung der Drehorte, ein Markenzeichen der Geschichte von Jason Bourne. Bislang hatten ihn seine Abenteuer nach Paris, Zürich und Italien geführt ? doch auch an diesen Orten hatten es sich die Filmemacher stets zur Aufgabe gemacht, die weniger glanzvollen oder ?touristischen? Seiten einiger der berühmtesten Städte der Welt zu zeigen. Sie versuchten, die typischen Ansichten und Klischees zu vermeiden und waren fest entschlossen, auch an den neuen Drehorten für DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG den gleichen düsteren und packenden Realismus zur Geltung zu bringen.

Drehbuchautor Tony Gilroy, der lange in Europa gelebt hat, erklärt: ?Man möchte sich an diese Orte begeben und sie so behandeln, als wären sie unsere normale Umgebung. Es ist eben nicht so, dass wir sagen, wir sind in Indien, hier ist also das Taj Mahal ? vielmehr spielt sich alles in den Straßen ab, nichts soll befremdlich oder exotisch wirken.?

Produzent Frank Marshall weist noch darauf hin, dass es auch die Möglichkeit gab, den Schauplätzen des Kalten Krieges aus Ludlums Romanen eine kleine Hommage zu zollen: ?Wir konnten den Film an einem Ort ansiedeln, der im wahrsten Sinne des Wortes der Mittelpunkt des Kalten Krieges war. Es ist die Spionage-Stadt schlechthin, das Zentrum Europas, und heute eine unglaublich vitale, aufregende, andersartige und visuell starke Stadt.?

Berlin ist der Schauplatz für weite Teile von DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG, diente aber auch als Drehort für die in Moskau spielenden Szenen. Crowley erläutert: ?Berlin war während des Kalten Krieges so etwas wie unsere Grenze, die Front, der Außenposten; auf der anderen Seite war Moskau, von wo die Gefahren ausgingen. Beides sind also Städte, die bereits alle Qualitäten eines aufregenden, gefährlichen und unvorhersehbaren Ortes in sich tragen.?

Berlin und Moskau boten dem zweiten Teil außerdem eine ganz neue visuelle Palette. ?Der erste Teil wurde in Paris gedreht, in einer eher geschlossenen Umgebung?, erzählt Regisseur Greengrass.

?Es gibt meiner Meinung nach in diesem Film eine interessante Reise aus dem heißen und farbenfrohen Indien in den recht monochromen Moskauer Winter hinein. Diese ist eine einsamere und wohl auch gefährlichere Mission für Bourne ? es ist eigentlich eine Reise ins Innere der Figur selbst. Er durchquert Europa, während er sich mit den Taten seiner Vergangenheit auseinandersetzt, und tut Buße. Berlin ist eine windige Stadt, voller offener Räume. Dann geht es Richtung Osten, nach Moskau, und Bourne scheint in eine noch stärkere Isolation hineinzugeraten.?

Crowley bestärkt die Vorstellung der äußeren Reise, die eine Reise ins eigene Ich widerspiegelt, und meint: ?So wie Tony es sich vorgestellt hatte, haben wir beschlossen, dass die Entwicklung der Figur durch die Veränderung der Drehorte eine Entsprechung finden sollte ? aus einer üppigen, tropischen Umwelt allmählich über zu kühlen, stählernen, blauen Farben bis hin zu Grautönen? aus einer bunten Welt hin zu fast reinem Schwarz-Weiß.?

Seit dem Fall der Mauer im Jahre 1989 und der darauffolgenden Wiedervereinigung hat sich Berlin erneut als vibrierende europäische Metropole etabliert. Mit ihrer Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, aus Ost und West erwies sich die Stadt als idealer Drehort für DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG.

Produktionszentrale waren die historischen Babelsberg-Studios, in denen ?Metropolis? von Fritz Lang und ?Der Blaue Engel? von Josef von Sternberg gedreht wurden. Gedreht wurde in ganz Berlin und Umgebung, wobei Teile des ehemaligen Ost-Berlins als perfekter Ersatz für Moskauer Straßenzüge dienten.

Die Filmemacher nutzen das Aufeinandertreffen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, das in Berlin Mitte zu finden ist: an der Friedrichsstrasse drehten sie Bournes gewagte Flucht über eine der Spree-Brücken, auf dem Alexanderplatz Nickys Gefangennahme. Weiter im Osten von Berlin, im Stadtteil Friedrichshain, ließen es die Filmemacher auf der Karl Marx Allee schneien. Auf der weltberühmten Einkaufs- und Flaniermeile des Kurfürstendamms wurden die Szenen im Hotel Brecker gedreht.

Jardas Glashaus in München steht in Wahrheit am Wannsee, und Teile der abschließenden Verfolgungsjagd fanden in Potsdam statt. Außerdem wurde am Ostbahnhof gedreht, der für eine Szene als Moskau fungierte, sowie auf zwei der vier Berliner Flughäfen: in Tegel das Treffen zwischen Kirill und Gretkov, in Tempelhof die CIA-Mitarbeiter beim Abflug und bei der Ankunft. Die Szenen, in denen Bourne sich in Neapel zum ersten Mal wieder bewusst in der Öffentlichkeit zeigt, wurden in der Messe Berlin gedreht, ein berühmt-berüchtigtes Beispiel der Nazi-Architektur, das im Film als Zollamt von Neapel dient; die Außenaufnahmen des Hafens wurden von einem kleinen Stab an einem Wochenende in Neapel gedreht.

Die Hauptdreharbeiten in Moskau fanden in mehreren großen Straßen statt, wo auch zusätzliche Szenen der Autoverfolgungsjagd inszeniert wurden, sowie in Plattenbauten der Vororte ? alles, um getreu dem Vorsatz der Filmemacher die bekannten touristischen Zentren der jeweiligen Städte zu meiden.

Greengrass erzählt: ?In Berlin zu drehen war fabelhaft. Es ist so zeitgenössisch, so unkompliziert, unprätentiös, ungezwungen und frisch.?

Gedreht wurde in umgekehrter Reihenfolge zu den Ereignissen in der Geschichte, also zogen die Filmemacher von Moskau nach Berlin, und für die Eröffnungsszenen dann nach Goa, Indien. Marshall sagt: ?Schon in den frühen 70ern wollte ich dort hinreisen; man hatte es in den späten 60ern und Anfang der 70er einfach auf seinem Radar. Tony hat recherchiert und herausgefunden, dass viele Europäer noch immer dort hinreisen. Diese zwei Wochen Dreharbeiten in Indien haben uns fast sechs Monate Vorbereitungen gekostet ? aber das war es wert.?

Goa liegt an der Südwestküste Indiens; die langen Sandstrände und wogenden Palmenwälder ziehen noch immer eine eklektische Gruppe von Reisenden, junge Leute, Althippies, Menschen auf der Suche nach spiritueller Erfahrung und andere Touristen an.

Die Filmemacher schlugen ihr erstes Hauptquartier am Sinquerim Beach im Norden Goas auf; sie drehten einige Tage lang in und um die Hauptstadt Panjim und fuhren in Bournes Jeep durch die schmalen Gassen, während er von Kirill (und der Kamera) verfolgt wurde.

Ganz in der Nähe des Strandhotels verblüfften die Filmemacher die Anwohner, indem sie den Jeep von Bourne und Marie über eine schmale Brücke in den darunter liegenden schlammigen Fluss stürzen ließen. Für den Abschluss der dortigen Dreharbeiten zogen die Filmemacher in den Süden, nach Canacona, und von dort an den berühmten Palolem Beach, um Bournes und Maries Versteck an der Küste zu drehen sowie die Szenen in dem Cafe, wo Bourne Marie abholt, um zu fliehen.

Weitere Teile der Autoverfolgungsjagd wurden auf den scheinbar endlosen roten Sandstraßen im Inneren Goas gedreht. ?Unter den Orten dieser Welt, an denen man sich verstecken kann, schien dies ein Platz zu sein, wo man unerkannt bleiben könnte?, sagt Crowley.

?Wir hatten u.a. auch China in Betracht gezogen, aber einer der coolen Aspekte an Goa ist die große Zahl junger Touristen - und somit ist es der perfekte Ort für Jason und Marie: Sie fallen dort überhaupt nicht auf.?

Natürlich gibt es bei Dreharbeiten in Indien auch einige Herausforderungen. Weit entfernt von Bombay - dem als Bollywood bekannten Herzen der indischen Filmindustrie -, ist Goa eine verschlafene Gegend mit Strohhütten auf Bambusstelzen und roten Sandstrassen. Am Drehort fanden sich täglich außergewöhnliche Beobachter ein ? darunter Ochsen, wilde Hunde und Schweine -, die sich teilweise zu einer Herausforderung auswuchsen, die weit über die üblichen Schwierigkeiten an abgelegenen Drehorten hinausgingen.

Second-Unit-Regisseur und Stunt-Veteran Dan Bradley berichtet: ?Das war das erste Mal in meiner Laufbahn, dass eine ganze Ochsenherde am Drehort einfiel. Wir mußsten den Dreh unterbrechen und abwarten, bis die Tiere über eine ziemlich lange Brücke gelaufen waren. Hinter ihnen ging ein Kerl mit einem Stock her? scheinbar kann er sie antreiben, aber zum Stehen bringen kann er sie nicht wirklich. Als sie also an der Polizei vorbeizogen, dachten wir uns nur: Ochsen kann man nun mal nicht aufhalten.?

Ein wilder Ritt Die Filmemacher scheuten auch hier nicht davor zurück, atemberaubende Actionszenen einzubauen, die schon ?Die Bourne Identität? zu einem wilden Ritt gemacht hatten. Second-Unit-Regisseur und Stunt-Koordinator Dan Bradley kam an Bord, um unter anderem die interkontinentale Verfolgungsjagd auf Leben und Tod zwischen Kirill und Bourne zu leiten.

Matt Damon erzählt: ?Dan Bradley, unser Second Unit-Regisseur, leitet auch das unglaubliche Stunt-Team, das für die großartigen Action-Szenen verantwortlich ist.? Der Schauspieler weist darauf hin, dass einer der Höhepunkte der Verfolgungsjagd sein Sprung von der Brücke an der Friedrichsstraße sei, und fügt hinzu: ?Ich habe Spaß gemacht und gesagt, wenn man jung ist, wird einem ja von der Mutter immer vorgehalten: ?Wenn irgendwer zu dir sagen würde, du sollst von der Brücke springen, würdest du es tun?? Und dann hat man geantwortet: ?Nein?. Aber Dan ist wirklich der einzige Mensch, für den ich von einer Brücke springen würde ? und ich habe es getan.?

Um die Schauspieler auf die Anforderungen der Action-Szenen vorzubereiten, organisierte Bradley ein Trainingszentrum außerhalb von Berlin, wo sie ihre Action-Star-Fähigkeiten, darunter die rasanten Autofahrten, proben konnten.

Ganz im Einklang mit der Zielsetzung der Filmemacher, in allem ? von der Kameraarbeit bis hin zu den Drehorten ? größtmögliche Realitätsnähe zu erzielen, mußsten auch die Action-Sequenzen sich ganz organisch aus den außergewöhnlichen Situationen heraus entwickeln, in denen sich die Figuren befinden.

?Dans Arbeit sieht nicht nach Stunt aus, sondern wirkt sehr realistisch?, meint Frank Marshall, und weist besonders auf Bradleys Crash-Sequenz im Film ?Adaptation? hin. ?Man schaut sich seine Sachen an und sagt, ?Wahnsinn, genau so würde es sich anfühlen, wenn ein Laster wirklich von der Seite in dein Auto knallen würde.??

Neben Bradleys detailorientierter Leitung war einer der Schlüssel zum Realismus von DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG der Einsatz des ?Go Mobile?: Eine von Go Stunts, Inc. hergestellte fahrbare Kameraplattform mit hoher Geschwindigkeit, tiefliegendem Gravitationsschwerpunkt und auswechselbarem Chassis.

Das Go Mobile-Modul kann an Autos, 24 Laster, Flugzeuge und sogar Pferdekutschen angepasst werden; Höhe, Länge und Breite sind stufenlos verstellbar und können dem sich bewegenden Fahrzeug angeglichen werden ? das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber der alten Methode bei Dreharbeiten von Verfolgungsjagden, in der die geringen Geschwindigkeiten und der Blickwinkel des Kamerawagens dem temporeichen Schnitt der Szene große Schwierigkeiten bereiteten.

Das Go Mobile verfügt über einen eigenen Antrieb und wird von einem Stunt-Piloten im beweglichen Cockpit gesteuert, was unzählige verschiedene Kameraeinstellungen um das Fahrzeug herum und auf den ?Fahrer? (Schauspieler) möglich macht. Das gedrehte Material fängt so die sehr realistischen Kräfte ein, die bei einer rasanten Fahrt in hohem Tempo, mit schnellen Wenden und abrupten Stopps auf die Schauspieler einwirken ? das Fahrzeug scheint in atemloser, halsbrecherischer Weise gefahren zu werden, steht aber in Wahrheit die ganze Zeit unter der Kontrolle des Stunt-Piloten.

?Es ist eine unglaubliche Erfahrung?, erklärt Marshall. Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass Matt Damon zugibt, er habe ?die ersten beiden Takes in den Sand gesetzt zu haben, denn ich hatte dabei so viel Spaß, dass ich die ganze Zeit lachen und grinsen mußste.?

Der Schauspieler fügt hinzu: ?Wenn ich sage, dass ich in diesem Film manche Stunts selbst absolviert habe ? wie z.B. einige der Unterwasser-Szenen ? dann sind das eigentlich keine wirklichen Stunts. Denn Dan und das Team haben alles bis ins kleinste Detail geplant, deshalb ist es auch ungeheuer sicher. Ich trage so viele Sicherungsseile, dass es eher wie eine Achterbahnfahrt ist.?

Bradley hält schnell dagegen und meint: ?Matt war bei den Dreharbeiten wirklich fantastisch. Es gab Szenen unter Wasser, Sprünge und rasante Fahrten. Den ersten Tag haben wir buchstäblich damit verbracht, ihm zu sagen: ?Du sollst lernen wie es sich anfühlt, wenn das Auto beginnt abzurutschen und sich das Gewicht verlagert?.

Genau das hat er in den ersten paar Stunden getan, und am Ende des Tages fuhr er schon wie ein Stuntman, drehte scharfe Kurven und wendete das Fahrzeug um 360 Grad. Die Unterwasser-Sequenzen und die Stürze waren für alle eine Herausforderung, und er war mehr als bereit dazu, die Szenen in den Kasten zu bekommen ? das ist ein schlagender Beweis für seine Professionalität und seinen Mut als Schauspieler und als Mensch.?

Zusätzlich zu dem monatelangen Fitness- und Kampftraining wurden Damon, Urban und weitere Schauspieler in Schusswaffengebrauch unterwiesen, um ihren Rollen als ausgebildete Profikiller und Agenten gerecht zu werden. Bourne widerstrebt es, wieder der Welt von Treadstone und den Auftragsmördern anzugehören ? größtenteils dank seines neuen Lebens an der Seite von Marie ?, doch das scheint sich zu ändern, als er von Kirill verfolgt wird.

Damon erzählt: ?Wenn er eine Waffe in die Hand nimmt, was für ihn so etwas wie der letzte Ausweg ist, dann mußs die Waffe wie eine Verlängerung seines Arms wirken, als hätte er das in seinem Leben bereits unzählige Male getan. Ich habe in Los Angeles mit einem S.W.A.T.-Experten trainiert und Runde um Runde auf einer Schießanlage geübt.?

Das Training wurde in Berlin fortgesetzt, und Karl Urban fügt hinzu: ?Ich mußste verschiedene Schusswaffen beherrschen, darunter Handfeuerwaffen wie die .38er Special und eine Beretta 9 mm, außerdem ein .308 Gewehr. Mein Waffenexperte hatte mich so gut trainiert, dass diese Waffen zum Bestandteil meines Charakters wurden. Obwohl das ganz und gar nicht nach mir klingt, ging es so weit, dass ich sogar die Schießübungen genossen habe.?

Produzent Crowley fasst das Motto der Filmemacher in Bezug auf die Action zusammen: ?Wir, Dan und sein Team haben alles Erdenkliche getan, um abgedroschene Klischees zu vermeiden, wenn es um die Darstellung von Action im Film geht.?

?Der größte Unterschied zum ersten Film besteht darin, dass Jason Bourne im ersten Teil vor etwas flüchtete?, sagt Frank Marshall. ?In DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG hat er nun ein Ziel. Er flieht nicht nur vor etwas, sondern will einen Zweck erfüllen und sein Ziel erreichen.?

Abschließend sagt Regisseur Greengrass: ?In der Fortsetzung von Bournes Geschichte erkennt er verschiedene Dinge über sich selbst ? er weiß, dass er ein Auftragsmörder ist, der schlimme Dinge getan hat. Jetzt geht es darum, wie er mit dieser Information und den Folgen seiner Taten umgeht.

In der Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit eröffnen sich ihm grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Rache? oder Buße. Er beginnt seine Reise eigentlich aus einem Rachegefühl heraus, stellt jedoch sehr bald fest, dass er nur überleben kann, wenn er seine Schuld sühnt ? es ist eine kraftvolle Entscheidung und eine faszinierende Aufgabe.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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