The Door in the Floor

Produktionsnotizen

Vom Buch zum Drehbuch Die Verfilmung des Bestsellers "Witwe für ein Jahr" von John Irving wurde durch die bemerkenswerte Zusammenarbeit des gefeierten Romanautors mit unabhängigen Filmemachern und dem Engagement der profilierten Schauspieler möglich.

Drehbuchautor und Regisseur Tod Williams, der seit langem schon John Irvings Romane direkt nach ihrem Erscheinen kauft und sie sofort verschlingt, las die ersten 183 Seiten hintereinander weg (der Film basiert auf dem ersten Teil des Romans) und sah dabei einen Film vor seinem inneren Auge ablaufen.

"Ich konnte kaum glauben, was für einen guten Stoff ich da vor mir hatte", sagt der Regisseur. "Ich empfand eine persönliche Beziehung zu den drei Figuren des Romans", erinnert sich Williams.

"Sie sind so selbstlos und so egoistisch zugleich. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich wie Eddie war. Jetzt bin ich eher wie Ted. Ich mußste diesen Film machen, um den Ted in mir auszutreiben", lächelt der Regisseur. Williams bat die Produzentin Anne Carey, das Buch zu lesen. Auch sie sah den ersten Teil des Romans sofort als Film vor Augen. Ihr Produktions-Partner Ted Hope wurde als nächster überzeugt. Er machte sich sofort daran, Irving über seinen Agenten zu kontaktieren.

Hope war dem Starautor schon einmal begegnet. Irving war Wrestling-Trainer in Hopes Highschool. "Er trainierte uns zwei Wochen, dann hatte er mit einem Buch Erfolg. Drei Monate später sahen wir sein Bild auf dem Cover der Zeitschrift ?Time'." Das Buch hieß "Das Hotel New Hampshire".

Ein glücklicher Zufall sorgte im September 1999 für eine Begegnung zwischen den Produzenten und dem Romancier. Hope und Carey präsentierten auf dem Toronto International Film Festival ihre Produktion, den Ang Lee Film RIDE WITH THE DEVIL.

John Irving war auch da - mit GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG, für den er nach seinem eigenen Roman das Drehbuch geschrieben hatte. Für diese Arbeit wurde er mit einem Oscar geehrt. Tobey Maguire war der Star der beiden Filme. Er stellte den ersten professionellen Kontakt zwischen Autor und Produzenten her.

John Irving wollte Tod Williams' Filmdebüt THE ADVENTURES OF SEBASTIAN COLE sehen, den ein Rezensent "irvingesk" genannt hatte. Der Film überzeugte ihn offenbar, denn er lud Produzenten und Regisseur kurz darauf in sein Haus in Vermont ein. Die Filmemacher und der Autor verbrachten ein Wochenende mit anregenden Diskussionen über das Drehbuch.

"John gefiel unsere Idee, nur einen Teil des Romans zu verfilmen", erinnert sich Ted Hope. Und Irving fand auch in dem Drehbuch von Williams den Ton seines Romans wieder. Wenn jemand "Witwe für ein Jahr" verfilmen würde, dann sollten es Williams und seine Produzenten sein. "Seine Rückendeckung hat uns geholfen unseren Film durchzufechten", sagt Hope.

Dem Romanautor wurde nicht nur das Recht eingeräumt, seine Ideen einzubringen, es wurde auch vereinbart, dass er Drehbuch, Besetzung und Titel des Films zustimmen mußste. "dass ich John bei all meinen Entscheidungen um Rat bitten konnte, war ein unglaublicher Luxus", sagt Williams.

Hope erzählt: "John bestand auf Tod als Regisseur dieses Films. Er wollte auf jeden Fall diese bekannte Situation vermeiden, in der ein Drehbuchautor ein Buch geschrieben hat, das jeder liebt, dann aber als Regisseur ersetzt wird, weil er nicht bekannt genug ist."

Irving, von dem bereits vier Romane verfilmt worden sind, kennt sich im Filmgeschäft bestens aus. "Sein Vertrauen in mich, so mysteriös das auch ist, hat mir geholfen den Film zu machen", erklärt Williams, der sich während der gesamten vierjährigen Vorbereitungszeit immer wieder mit dem Autor besprach.

"Ich sah eigentlich keine Möglichkeit aus ?Witwe für ein Jahr' einen Film zu machen", sagt Irving, "weil das Gefühl der vergehenden Zeit im Buch so wichtig war wie die Charaktere. Ich hatte deshalb schon einige Verfilmungswünsche abgewiesen. Tods Idee, nur den ersten Teil des Romans zu verfilmen, war ein sehr viel ehrlicherer Zugang zum Geist des Buches.

Ich mochte das sofort. Das ist so viel besser als eine Verstümmlung oder die extreme Kompression, bei denen die vitalen Teile verloren gegangen wären."

Irving lacht und erklärt: "Wenn man aus dem ersten Drittel einen guten Film macht, dann wollen die Leute das Buch lesen, um herauszufinden, was danach passiert. THE DOOR IN THE FLOOR macht die Zuschauer neugierig darauf, was sonst noch im Leben dieser Figuren geschieht."

THE DOOR IN THE FLOOR habe seinen eigenen Rhythmus, erklärt Williams: "Der Film will, dass die Zuschauer hinhören, ja sogar aus den Bildern und Dialogen lesen. Das Geschichtenerzählen ist ein Leitmotiv in THE DOOR IN THE FLOOR. Alle Personen erzählen Geschichten. Ihre charakteristischen Eigenarten erkennen wir darin, wie sie ihre Geschichten erzählen."

John Irving erzählt: "Marion hat sich nicht von dem Schock erholt, den der Tod ihrer beiden Söhne ausgelöst hat, sie hat sich nicht einmal so weit erholt, dass sie fähig wäre ihr lebendes Kind zu lieben. Ihre Zerbrechlichkeit hat etwas Trauriges. Was in der Geschichte geschieht, passiert, weil Ted es geschafft hat, über den Tod seiner Kinder hinwegzukommen.

Obwohl er so ist, wie er ist, wirkt er sympathisch. Er und Marion bewegen sich auseinander, sexuell ebenso wie in ihrer Fähigkeit zu trauern. Für Eddie ist diese Geschichte eine lehrreiche Erfahrung. Schon in seinem ersten Treatment merkte ich, dass Tod all das verstand.

Er veränderte die Chronologie der Erzählung ein wenig und begrenzte sie auf einen Sommer. Und er fügte einige Dinge hinzu, die ganz von ihm kamen. Ich war ebenso von den Szenen beeindruckt, die er erfunden hatte, wie von der Genauigkeit, mit der er meine Szenen wiedergab."

Irving las jeden neuen Entwurf des Drehbuchs und gab Williams dann seine Anmerkungen. "Ich schreibe lieber einen Roman als ein Drehbuch", erzählt Irving. "Aber Romanschreiben ist einsam: Vier oder fünf Jahre ist man nicht nur der einzige Schreiber, sondern wahrscheinlich auch der einzige Leser des Romans. Deshalb ist die Zusammenarbeit, die ein Film erfordert, ein Vergnügen."

Kim Basinger ist Marion Cole Als nächstes mußsten die geeigneten Darsteller gesucht werden. "Schauspieler interessieren sich vor allem für das Drehbuch", sagt Carey. "Es gab viele Interessenten für die Rolle der Marion Cole." Kim Basinger war eine davon. "Als ich Kim traf", sagt Williams, "wusste ich, dass ich Marion gefunden hatte."

Für ihn war die Oscar-Gewinnerin eine "Offenbarung". "Ich brauchte eine Schauspielerin, die vermitteln konnte, dass Marion das Beste tat, was sie in ihrer Verfassung tun konnte, auch wenn man nicht verstand, warum sie es tat."

Hope ergänzt: "Bei Marion sollte man fühlen, dass ihre Seele die Verpflichtungen ihrer körperlichen Existenz hinter sich gelassen hat. Sie hat Angst zu lieben, weil sie befürchtet, einen möglichen neuen Verlust nicht mehr ertragen zu können."

Marion sei ein Rätsel, meint Irving: "Sie hat sich ganz in sich zurückgezogen, aber sie lebt doch in diesem einen Sommer mit dem Jungen noch einmal auf." Der Autor war von Kim Basingers Darstellung sehr beeindruckt, und besonders davon, wie sie mit ihrer Stimme arbeitete. "Ich hatte noch nie eine Stimme so voller Leid und Kummer gehört."

Entscheidend für Williams war, dass man Marion und ihre Handlungen akzeptieren kann, ohne sie zu verurteilen. "Marion war stark, weil sie nichts zu verlieren hatte", sagt er. "Kim Basinger kann dieses Paradoxon dem Zuschauer vermitteln. Sie zeichnet eine bewundernswerte Eigenschaft aus, die Marion auch hat: Beide tun sie, was sie für richtig halten, ohne Entschuldigungen oder Erklärungen."

Hope ergänzt: "Kims Darstellung ist sehr mutig, weil sie sich traut, was wenige wagen: Sie bemüht sich nicht, gemocht zu werden."

Jeff Bridges ist Ted Cole Für Ted Cole brauchte man einen Schauspieler, der charmant und spitzbübisch sein kann. Tod Williams wollte, dass man den Jungen im Mann sehen kann.

"Man mußs auch glauben, dass er ein erfolgreicher Kinderbuchautor ist und zugleich ein gescheiterter Romancier. Er ist für Frauen unwiderstehlich. Ein guter Vater ist er auch. Man mußs glauben können, dass die beiden einmal eine enge Beziehung verband: Deshalb wollten wir von Anfang an Jeff Bridges."

Vor 17 Jahren hatten Kim Basinger und Jeff Bridges schon einmal zusammen gearbeitet. In Robert Bentons Komödie NADINE (1987).

"Ich bin ein großer Fan von Irving. Ich mag die Art, wie er mit den tragischen und komischen Aspekten des Lebens jongliert", sagt Bridges. "Bei THE DOOR IN THE FLOOR geht es meines Erachtens darum, wie Leute mit der Tragödie ihres Lebens umgehen. Jeder tut das auf seine Art. In dieser Familie hat der Tod der Kinder seine Spuren hinterlassen.

Die Eltern schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Marion nimmt es Ted übel, dass er die Tragödie verdaut hat und sich darüber erhoben hat. Ted ärgert sich über Marion, weil sie fähig ist, dieses Drama tiefer zu empfinden und sich dabei als besserer Mensch zu fühlen."

"Zu den Dingen, die mich an der Person des Ted Cole interessiert haben, gehörte die Tatsache, dass er Künstler und Illustrator war", fährt Bridges fort. "Dadurch ergab sich die Gelegenheit, diese Seite meiner eigenen Persönlichkeit einzusetzen. Ich hatte schon für FEARLESS (1993) ein paar Zeichnungen gemacht, die Peter Weir im Film verwendet hat."

Produktionsdesignerin Thérèse DePrez, die mit Jeff Bridges schon an ARLINGTON ROAD (1999) gearbeitet hatte, bewundert dessen Fähigkeit, sich in einen Charakter hineinzubegeben: "Wir besorgten Jeff sogar Tinte vom Tintenfisch, weil er eine authentische Umgebung haben wollte.

Und deshalb wollte er auch die Darstellungen in Ted Coles Kinderbuch selbst zeichnen. Tod war einverstanden. Von da an mußste Jeff Hausaufgaben machen. Das Kinderbuch wurde fantastisch: Alle Zeichnungen darin sind von ihm." Jeff Bridges sieht den Titel des Filmes, der aus einer Kindergeschichte von Ted stammt, als "eine sehr kurze Zusammenfassung der Geschichte. Ich denke, dass wir alle eine ?Tür im Boden' haben. Diese schrecklichen und furchtbaren Dinge, auf die wir nicht selber zugehen möchten, sind da, unter dem Boden.

Wir wollen alle, dass diese Tür geschlossen bleibt, aber irgendwann im Leben wird man aufgefordert die Tür zu öffnen und hinunter zu steigen." Weiterhin fügt er an: "John Irving Fans werden nicht enttäuscht sein. Sie werden definitiv auf eine Reise gehen, aber ich werde ihnen nicht sagen, wohin diese Reise führt."

Jon Foster ist Eddie O´Hare Eddie, der Schüler, den Ted als Assistent für einen Sommer engagiert, ist die andere wichtige Figur in dieser ungewöhnlichen Familiengeschichte. Der Schauspieler Ben Foster, der mit Hope und Carey an dem HBO TV-Film "The Laramie Project" gearbeitet hatte, war einer von vielen, denen das Drehbuch zu THE DOOR IN THE FLOOR gefallen hat. Gerne hätte er Eddie gespielt, leider war er zu alt für die Rolle. Er schlug den Produzenten vor sich seinen jüngeren Bruder anzusehen.

"Wir wollten für Eddie einen Schauspieler, den man nicht auf den ersten Blick wiedererkennt", sagt Hope. "Eine Neuentdeckung wollte Tod haben", ergänzt Carey. Jon Foster war diese Entdeckung. "Jon wirkt wie ein guter Mensch mit einer positiven Einstellung", erklärt Carey. "Er ist nicht zynisch, nicht arrogant oder ironisch. Er nimmt die Welt, wie sie ist."

"Wie Jon Eddies Stimmungswandel vom heiter ahnungslosen zum ?angry young man' vollzieht, ist umwerfend", schwärmt Tod William. "Jon ist unser Zugang zu den Geschehnissen. Wir verstehen nur das, was er versteht."

"Im Verlauf dieses Sommers macht er Erfahrungen, die weit über seinen Horizont hinausgehen", sagt Jon Foster über Eddie. "Er landet Knall auf Fall mitten in einer zerrütteten Ehe und seine Geschichte nimmt Wendungen, die man nicht erwartet. Die Story ist witzig, traurig und sexy."

Der Schauspieler und Amateurboxer nahm fast 10 Kg ab, um wie Eddie auszusehen. "Jon hat etwas", schwärmt Hope, "was erfahrene Schauspieler erst nach Jahren erreichen: Er kann in einem Moment ganz und gar präsent sein." "Jon war einfach wunderbar", lobt Kim Basinger.

"Ich kann mir keinen sensibleren, hübscheren und respektvolleren Filmpartner vorstellen. An die Arbeit mit ihm werde ich mich immer gerne erinnern."

Elle Fanning ist Ruth Cole In John Irvings Romanvorlage nimmt die Figur der Ruth Cole eine tragende Rolle ein. Der Autor merkt hierzu an: "Dieses kleine Mädchen bleibt immer ungetrübt und fröhlich während all diese verschiedenen Dinge passieren. Das hinterlässt ein ungelöstes psychologisches Rätsel für das Publikum. ?Was wird aus ihr werden?' Um genau diese Frage zu beantworten, brauche ich noch zwei Drittel des Romans..."

In THE DOOR IN THE FLOOR wird Ruth von der fünfjährigen Elle Fanning gespielt, die die Geschichte durch die Augen ihrer Filmmutter sieht: "Ihre Söhne sind gestorben, aber sie hat noch mich. Doch sie will mich nicht allzu sehr lieben, weil sie Angst hat etwas könnte mir passieren."

Kim Basinger schwärmt: "Elle ist wunderbar begabt. Sie verkörpert die schönsten Eigenarten eines Kindes. Als die Zeit für den Abschied gekommen war, wurde mir das Herz sehr schwer. Ich vermisse sie immer noch." Auch Jeff Bridges hatte seine Freude an der Zusammenarbeit mit der Fünfjährigen.

"Die Arbeit mit kleinen Mädchen kann zu einem richtigen Schauspielunterricht werden. Schließlich besteht ein Teil der Schauspielerei darin, so zu tun, als wäre man noch ein Kind. Natürlich sind Kinder dem viel näher. Es macht Spaß, diese Energie anzuzapfen."

Regisseur Tod Williams erinnert sich noch gut an ihre überzeugende Darbietung ihres Schauspieltalents: "Als Elle Fanning das erste Mal weinen sollte, war sie in einem Zimmer mit Jeff und wir anderen standen alle auf dem Flur. Ich rief ?Action!' und sie legte los. Es war erschreckend. Rückblickend war es echt lustig zu sehen, wie panisch Jeff aussah. Er hat ihr ihr Schauspiel absolut abgenommen.

Sie war so echt, wie sie ihn anschrie, heulte und ihn schlug. Wir alle glaubten, dass sie sehr, sehr aufgebracht war. Als ich dann ?Cut!' rief, lachte sie und rannte aus dem Zimmer, um zurück zu irgendeinem Spiel zu gehen, was sie immer zwischen den Aufnahmen spielte."

Weitere Rollen Casting-Chefin Ann Goulder vervollständigte das Ensemble mit weiteren Nebenrollen: Mimi Rogers als Evelyn Vaughn, die verletzbare und dennoch beständige Nachbarin der Coles, Louis Arcella als Evelyn Vaughns besorgter Gärtner Eduardo und schließlich Bijou Phillips als Ruths Babysitterin Alice.

Louis Arcella ist über seine Mitwirkung bei THE DOOR IN THE FLOOR überglücklich: "Ich habe amerikanische Schauspieler schon immer bewundert. Als ich klein war, habe ich mir immer gesagt, dass ich eines Tages mit ihnen in einem richtigen Film arbeiten werde.

Ich kam in dieses Land, um zu schauspielern. Ich hatte ein paar kleinere Auftritte hier und da und in Werbefilmen. Aber ich habe mich immer darauf gefreut, irgendwann in einem Spielfilm mitzuwirken. Es ist eine Ehre für mich."

Auch Bijou Phillips war begeistert davon, ein Teil dieses Projektes zu sein: "Ich konnte das Drehbuch nicht aus der Hand legen; ich habe es in einer Stunde durchgelesen. Ich spiele sonst immer Charaktere, die ein bisschen übergeschnappt sind, also war diese Rolle eine große Veränderung für mich. Sie hat mich als Schauspielerin selbstbewusster gemacht."

Am Set Am 31. März 2003 begannen die zunächst sieben Wochen dauernden Aufnahmen für THE DOOR IN THE FLOOR in Manhattan und im Harrison Restaurant in TriBeCa. Danach drehte die Produktion an verschiedenen Locations auf Long Island zu drehen und filmte weitere drei Wochen in den Hamptons.

Zu den Drehorten in den Hamptons gehörte das Sands Point Preserve, Sagg Main Beach in Sagaponack, Gin Lane in Southhampton und ein Landsitz in dem Dorf Muttontown, in dem die Innenaufnahmen des Coleschen Hauses gedreht wurden. Der Bungalow, in dem Evelyn Vaughn wohnt, wurde von Norman Jaffe, einem bekannten Architekten, entworfen. Diese kühne, offene Wohnmaschine aus Glas und Stein bildete den Gegenentwurf zu dem traditionellen Landhausstil des Cole-Sitzes.

Während der Dreharbeiten kam John Irving nur auf einen kurzen Besuch. Jeff Bridges berichtet: "Er war sehr offen. Ich fragte ihn ein paar mal nach seiner Meinung. Tod hat uns darin ermutigt. Er meinte, ´Zapft die Quelle an´." Als Irving mit seiner Familie am Set vorbei schaute, wurden einige von Kim Basingers Szenen gedreht.

"Ich war so nervös", erinnert sich die Schauspielerin, "ich konnte kaum atmen. Ich wusste, sie würden mich bei der Arbeit beobachten, deshalb hatte ich Angst, dass mir kein Wort über die Lippen kommen würde."

Während ihre Begegnungen mit Irving sich voneinander unterschieden, haben Basinger und Bridges mit ihrem Regisseur die gleiche Erfahrung gemacht. Basinger sagt: "Er ist unglaublich klug und er besitzt einen freien Geist. Mit ihm arbeiten zu können, war ein seltenes Geschenk."

Bridges fügt hinzu: "Ich hatte immer Glück mit jungen Regisseuren, und das war mit Tod wieder so. Er gehört zu den Regisseuren, mit denen ich am liebsten gearbeitet habe."

Kamera Für das Spannungsfeld der äußeren Privilegien und inneren Konflikte fand Kameramann Terry Stacey die Bilder. Als er das Drehbuch las, erzählt Stacey, wusste er sofort, dass er den Film in Cinemascope drehen wollte. "Denn alles, was diese Leute tun oder lassen, bezieht sich unterschwellig auf die jeweils anderen. Das breite Format bietet die Möglichkeit, große Räume zwischen die Personen zu legen. Dadurch sind sie im gleichen Bild und wirken doch irgendwie voneinander losgelöst."

Williams fährt fort: "Diese Leute verfügen über alle Zutaten, die ein glückliches Leben möglich machen. Deshalb wollten wir dem düsteren Inhalt der Geschichte üppige, schöne Bilder und Klänge gegenüberstellen. Auch der Ort der Handlung legt diese Entscheidung nah: Das Licht in den Hamptons ist einzigartig.

Die Kontrastarmut der Bilder würde diese Weichheit von Licht und Luft fühlbar machen. Das Cinemascope Format lädt die Zuschauer ein, aktiv zu sein, denn sie können selbst entscheiden, welchem Teil sie ihre Aufmerksamkeit widmen wollen. Die Kamera ist ruhig, sie komponiert mehr als dass sie führt.

Heute ist dieser klassische, visuelle Stil nicht mehr üblich." Stacey und Williams umgeben die emotional verschlossene Marion mit Licht. Anders wurde der extrovertierte Ted fotografiert: "Manchmal ließen wir eine Gesichtshälfte im Schatten versinken", sagt Stacey.

Produktionsdesign "Wir haben uns bemüht", sagt Williams, "die Palette der benutzten Farben einzuschränken und auf die gedämpften Töne der Hamptons zu reduzieren: Sand, Himmel, Wasser, Seegras, das Grün der Kiefer und das Grau der ausgewaschenen Zedernschindeln. Nur gelegentlich wird diese Farbgebung von Gegenständen oder Kleidungstücken in hellen Primärfarben unterbrochen."

Schon als Produktionsdesignerin Thérèse DePrez Roman und Drehbuch las, gefiel ihr die Art, wie die Umgebung der Coles beschrieben war: "Der Ort ist so etwas wie eine Person in diesem Film. Das machte mir den Zugang zu Marions und Teds Charakteren leichter. Ich sehe Ted als jemand, der die Pose liebt.

Tod und ich haben kleine Details zusammengestellt, die diese Haltung reflektieren. Die Arbeitsmittel in Teds Atelier beispielsweise werfen die Frage auf: Benutzt er sie jemals? Hin und wieder weisen die Gegenstände, wie im Fall der Bang & Olufsen Stereoanlange, ganz offen auf den Reichtum."

Produktionsdesignerin Thérèse DePrez bemerkt zum klassischen Schindeldach-Stil der Häuser in den Hamptons: "Es gab etwa neun Häuser, die wir für das Haus der Coles in Betracht zogen, von innen und von außen." Die Außenaufnahmen des Cole Hauses wurden in Bridgehampton gedreht, auf einem wunderschönen Gelände mit Blick auf den Sagaponack Lake und, genau dahinter, der Atlantische Ozean.

Das Haus wurde in den 1890ern gebaut und ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts im Besitz ein und derselben Familie und verkörpert die Architektur der Einfamilienhäuser in den Hamptons. "Es gab dort zwei Nebengebäude", erklärt DePrez. "Die Außenansicht wurde als Squashraum/Scheune und als Arbeitsraum genutzt, und wir waren immer davon ausgegangen, dass dies nur an zwei verschiedenen Orten zu finden sei, also war das einfach ideal. Man kann immer die Strukturen der jeweils anderen Gebäude sehen."

Das Gebäude, das als Arbeitsraum genutzt wurde, hatte ursprünglich Schiebetüren aus Glas und Thérèse DePrez ersetzte diese durch faltbare Scheunentüren, die sie extra dafür entwarf, um den Innen- und Außenbereich zu betonen. Die Fenster der Scheune wurden abgedeckt, damit die Innenaufnahmen der Squash/Scheunenszenen woanders gefilmt werden konnten (in Armonk, einer Stadt in Westchester County).

Produzentin Anne Carey fand im Muttontown Anwesen die idealen Bedingungen für die Innenaufnahmen von den Schlafzimmern mit angrenzenden Fluren: "Der große Flur, in dem wir die Familienfotos der Söhne der Coles aufhängen konnten, war unverzichtbar für uns." Die meisten der Drehorte waren reale Gebäude, die dekoriert und ausgestattet anstatt geschaffen werden mußsten. Ein paar Mal wurden die Drehorte auch doppelt oder dreifach genutzt.

Der Sands Point Preserve gab auch den Torbogen der Exeter Schule ab; dann wurden einige Räume der Häuser auf dem Gelände umfunktioniert für die Szene von Teds Fernsehinterview sowie zu einem Vorlesungsraum. Ein Buchladen in dem kleinen Ort Sea Cliff diente für Außenaufnahmen, während die erste Etage des Ladens zu dem gemieteten Apartment der Coles (und/oder Eddie), wo sie abwechselnd übernachteten, umgestaltet wurde.

Die Kostüme Um die Garderobe der Darsteller möglichst authentisch zu gestalten, unternahm Kostümdesigner Eric Daman ethnologische Studien: Zusammen mit Williams wälzte er Bücher über die Bewohner der Hamptons und Long Islands. Man zog auch die Ferienfotos von den Sommeraufenthalten der Williams-Familie in den Hamptons zu Rate, um die Garderobe der Personen richtig zu entwerfen.

"Wir wollten diese besonderen Schnitte, Stoffe und Farben, die einen leicht altmodischen Eindruck vermitteln. Die mußsten wir extra anfertigen lassen. Das war lästig, aber es hat sich gelohnt: Sie sehen wunderbar aus", sagt Daman, der selbst den Badeanzug für Kim Basinger entworfen hat.

"Außer dem blau-weißen Kaftan, den Ted Cole trägt, und den typischen Teenager-Klamotten sieht alles ziemlich gediegen aus", meint Daman. Besonders Marion sei so angezogen, dass sie sich nicht vom Hintergrund abhebt.

Szenenfoto
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