Sehnsüchtig

Produktionsnotizen

SEHNSÜCHTIG ist ein in Chicago angesiedelter Psychothriller über einen jungen Investment-Banker (JOSH HARTNETT) und seine besessene Suche nach einer verlorenen Liebe. Während er eine Frau (DIANE KRUGER) zu finden versucht, die zwei Jahre zuvor sang- und klanglos aus seinem Leben verschwunden war, wird er in einer Affäre mit einer geheimnisvollen Unbekannten (ROSE BYRNE) verstrickt, die gleichzeitig ein Verhältnis mit seinem besten Freund (MATTHEW LILLARD) hat.

Soviel zum Thema: "Unkomplizierte Beziehungen".


SEHNSÜCHTIG erzählt eine raffinierte, immer wieder überraschende und dabei ausgesprochen sexy und sinnliche Geschichte. Um das Remake des französischen Films L'APPARTEMENT ("Lügen der Liebe", 1996) von Gilles Mimouni auf den Weg zu bringen, suchten die Produzenten einen Regisseur, der sich einem derart komplexen Drehbuch mit sicherer Hand und dem nötigen Gespür für Stil und Raffinesse annehmen konnte. Diesen Filmemacher fanden sie in Gestalt des Schotten Paul McGuigan.

"Für SEHNSÜCHTIG legten wir einen aufregenden Cast in die Hände eines überaus kreativen und talentierten Regisseurs", kommentiert Produzent Tom Rosenberg.

"Wir haben viele Schlüsselelemente aus dem Original übernommen. Gleichzeitig ist Pauls Vision absolut genuin. Er konnte mit einem völlig neu verfassten Drehbuch arbeiten. Mit seiner ganz eigenen inszenatorischen Energie lud er den Plot mit all seinen Haken und Wendungen zusätzlich auf."

McGuigan sagt, dass er sich bei der Lektüre des Drehbuchs umgehend von dem Projekt angesprochen fühlte. "Ich war völlig fasziniert", berichtet er.

"Ich mußste es sofort noch einmal durchlesen, um zu überprüfen, ob ich wirklich alles verstanden hatte. Eigentlich handelt es sich um eine sehr simple Liebesgeschichte. Nur erzählt wird sie eben auf eine ganz und gar andere Art und Weise als üblich."

Mit McGuigan an der Spitze der Produktion machten sich die Filmemacher daran, einen jungen und talentierten Cast zu versammeln, der den vielschichtigen Charakteren entsprechen sollte. Für die Hauptrolle des von seiner Liebe besessenen Matthew fiel die Wahl auf Josh Hartnett, der seine schauspielerische Bandbreite bereits mehrmals in Filmen wie THE VIRGIN SUICIDES ("The Virgin Suicides", 1999) oder BLACK HAWK DOWN ("Black Hawk Down", 2001) unter Beweis stellen konnte.

"In seinen vergangenen Filmen hat Josh unwiderstehliches Leinwandcharisma bewiesen", meint Produzent Gary Lucchesi. "In SEHNSÜCHTIG kann er nun einen dramatischeren, romantischeren Helden als in seinen bisherigen Arbeiten spielen. Er hat die Herausforderung mit Bravour gemeistert. Man sieht Josh in dieser Rolle förmlich reifer und erwachsener werden. Seine Arbeit wird zunehmend aufregender und spannender."

Ihm gefielen auch die wiederkehrenden Motive und Themen des Films. "Ich mag es, dass Leidenschaft das Hauptthema der Geschichte ist", fährt er fort, "und der feste Glaube daran, dass sich Liebe gegen alle Widerstände durchsetzt. Im Kern des Films steckt damit etwas absolut Liebenswertes. Es ist eine Geschichte über die Vorstellung, dass sich richtige Liebe gegen alle Widerstände durchsetzt."

Hartnett fand das Dilemma, in dem seine Figur steckt, hochinteressant und war gespannt darauf, dieses näher zu erforschen. "Die Geschichte ist sehr ambivalent gehalten, was mir sehr gut gefällt", berichtet er weiter.

"Ich würde sagen, es geht um die Zeit des Lebens, in der man für alles offen ist und dann - peng! - findet man dieses eine Mädchen und verliebt sich in sie. Man glaubt, man ist in einer wunderbaren Beziehung und dann verschwindet sie plötzlich, von einem Tag auf den anderen. Man ist am Boden zerstört.

Meine Figur, Matt, beschließt, sich einfach treiben zu lassen und zu sehen, wohin ihn der Weg führt. Dann sieht er seine große Liebe völlig unvermittelt wieder. Oder besser: Er glaubt, sie gesehen zu haben. Und auf einmal sieht er sich mit unendlich vielen Entscheidungen konfrontiert."

Noch einen weiteren Aspekt des Drehbuchs fand Hartnett sehr spannend: die Methode, in verschiedenen Zeitebenen hin und her zu springen, um die Wahrheit der vermeintlich bekannten Geschichte aufzudecken. "Das macht den Film so großartig", findet Hartnett.

"Die Struktur ist brillant. Die eigentliche Idee ist beinahe simpel: Junge findet Mädchen, Junge verliert Mädchen, Junge glaubt, sie wieder gefunden zu haben und folgt ihr. Aber all das ist völlig ungewöhnlich und interessant erzählt. Wenn man sich die Sache genau ansieht, stellt man fest, dass es ein Film über das Verliebtsein ist - und darüber, was man alles auf sich nimmt, um diese Liebe wieder zu finden."

Hartnett ist voll des Lobes für seine Kollegen. Er hat die Arbeit mit dem Cast genossen und findet, dass sich die unterschiedlichen Stile und Ansätze der Schauspieler wunderbar ergänzen. Auf Diane Kruger angesprochen, sagt er: "Sie ist großartig. Sie ist wunderbar, ein Sweetheart. Sie, Rose Byrne und Matthew Lillard sind allesamt einfach klasse."

Auch von der Zusammenarbeit mit Paul McGuigan war Josh Hartnett sehr angetan: "Paul ist ein wirklich guter Typ", findet er. "Er ist sehr smart, aber er erzählt einem ständig, dass er nichts taugt, weil er aus Schottland kommt.

Das gefällt mir an ihm. Sein visuelles Gespür mag ich ebenfalls. Ganz allgemein kann ich sagen, dass ich Regisseure schätze, die nicht nach Schema F arbeiten. Bei Paul heißt es immer: ,So, was machen wir als nächstes?' Es ist ein durch und durch innovativer Prozess."

McGuigan schätzte die Arbeit mit Hartnett nicht weniger. Kein Wunder also, dass die beiden in Kürze bei dem Projekt LUCKY NUMBER SEVEN erneut am selben Strang ziehen wollen. "Ich war sehr gespannt auf Josh, weil ich seine bisherige Arbeit kannte", verrät Paul McGuigan.

"Wir wissen alle, dass Josh unverschämt gut aussieht. Vor allem aber ist er ein sehr guter Schauspieler, der sein Handwerk ungemein ernst nimmt. Wir unterhielten uns lange über die Dinge, die ihn interessieren. Und er wollte alles über den Film wissen - bis zur Musik, die wir einsetzen wollten. Er fordert einen heraus und stellt stets die richtigen Fragen, anstatt die Fragen zu stellen, von denen Schauspieler glauben, dass sie sie zu stellen haben."

Für Matthew Lillard war SEHNSÜCHTIG nach seinen Erfolgen mit den familienfreundlichen SCOOBY DOO-Filmen und reinen Horrorschockern wie SCREAM ("Scream - Schrei!", 1996) oder THIRTEEN GHOSTS ("13 Geister", 2001) eine willkommene Gelegenheit, sich wieder als ernsthafter Schauspieler zu präsentieren und zu zeigen, was er wirklich kann.

"Nach SCOOBY-DOO fand ich es gut, mal wieder eine andere Seite meiner Schauspielfähigkeiten unter Beweis stellen zu können", betont Lillard. "Meine SCOOBY-Figur Shaggy ist so groß und überdreht, dass die Aussicht auf die Mitwirkung an einem romantischen Thriller ungeheuer verlockend war."

Lillard fand außerdem, dass SEHNSÜCHTIG den Darstellern die Gelegenheit gab, das zu tun, was sie ursprünglich an ihrem Beruf gereizt hat. "Das ist das Tolle an unserer Arbeit", meint er. "Man kann von einem Extrem zum nächsten wechseln. Wir haben die Chance, in verschiedenen Welten zu spielen und unsere Fantasie auf die unterschiedlichste Weise einzusetzen."

Lillard gefiel auch, dass die Figuren des Films jeweils auf ganz spezifische Weise einzigartig sind. "Die Liebesdreiecke, die sich im Verlauf des Films in immer neuen Kombinationen ergeben, sind hochinteressant", erzählt er.

"Es geht um Besessenheit. Es geht um Leidenschaft. Für mich ist ohnehin jede Szene mit einer Frau, die nicht auf einen Lacher hinausläuft, eine große Sache. Normalerweise stehe ich mit Computer generierten Hunden oder Typen mit einem Messer in der Hand vor der Kamera. Luke ist ein ganz normales menschliches Wesen. Das genau finde ich an dieser Rolle spannend."

Lillard findet, dass Luke der moralische Kern des Films ist. "Luke ist der Unschuldige in diesem Film", erklärt er. "Er ist leidenschaftlich, mit Haut und Haaren in Alex verliebt. Gleichzeitig ist er der beste Freund von Matthew. Er steht außerhalb dieser obskuren Ménage à trois. Vor allem halte ich Luke für eine ehrliche Haut - und am Ende für eine beinahe tragische Figur."

Regisseur McGuigan findet, dass Lillard wichtig für die Balance des Films ist. "Matthew Lillard ist so witzig, aber er ist auch ein großartiger Schauspieler", berichtet er.

"Er erfüllt seine Rolle mit dem richtigen Maß an Leichtigkeit und Freundlichkeit. In SEHNSÜCHTIG dreht sich alles um lediglich vier Figuren, also handelt es sich um einen sehr intimen Film. Lillard sorgt dafür, dass das Drama nicht zu schwer wird. Es ist ein richtiger Drahtseilakt, die Balance zu finden und dem Film den richtigen Ton zu geben."

Lillard genoss die Arbeitsweise des Regisseurs. Vor allem schätzte er, dass McGuigan eine sehr kreative Atmosphäre schuf und die Schauspieler stets ermutigte, neue Dinge auszuprobieren. "Was die Arbeit mit McGuigan so wunderbar macht, ist seine Vorliebe für lange Einstellungen", sagt Lillard.

"Man kann seinen Rhythmus finden und einfach über zehn Minuten hinweg spielen. Das ist ein Luxus, der heutzutage nicht mehr allzu vielen Schauspielern gegönnt wird. Paul ist einer der besten Regisseure, mit denen ich jemals gearbeitet habe. Die präzise Art, mit der er seinen Schauspielern Anweisungen gibt, finde ich wunderbar.

Wenn ich arbeite, habe ich immer das Bild im Kopf, dass ein Film wie ein Schiff ist. Dann will man auch, dass man einen Kapitän hat, dem man vertraut, wenn man in einen Sturm steuert. Man mußs ihm folgen wollen, egal was passiert. Paul ist genau einer dieser Regisseure. Ich finde ihn sehr talentiert."

Lillard hat den Eindruck, dass der Film einem Publikum gefällt, das gerne Menschen in Situationen sieht, die man selbst nicht unbedingt erleben möchte. "Die Spannung bezieht der Film aus Joshs Figur. Dieser Matthew ist bereit, alles in seinem Leben aufs Spiel zu setzen", erzählt Lillard.

"Seinen Job, seinen Lebensunterhalt, seine Verlobte - er opfert all das, einzig und allein, weil er für sich die Entscheidung getroffen hat, dass das wichtigste für ihn ist, seine eine wahre Liebe wieder zu finden - das ist ungeheuer mutig. Menschen fühlen sich davon angesprochen. Und ich glaube, dass es insgeheim die Fantasie von eigentlich jedem von uns ist, dass es jemanden in unserem Leben gibt, der genau dies für uns tun würde."

Wie Lillard sagt, opfert Hartnetts Matthew buchstäblich alles für die Möglichkeit, Lisa wieder zu finden, seine wahre Liebe. Welche Schauspielerin könnte eine Frau spielen, die einen Mann dazu bringt, eine solche Sache zu tun? Die Antwort lautet: Das Gesicht, das eine Flotte von 1000 Schiffen dazu bewegt hat, in See zu stechen. Diane Kruger sah man nämlich zuletzt als Helena in Wolfgang Petersens Epos TROY ("Troja", 2004).

Hier wurde sie für die schwierige Aufgabe engagiert, eine Frau zu verkörpern, für die ein Mann sein letztes Hemd geben würde. Die Weitsicht der Macher von SEHNSÜCHTIG ist beachtlich: Obwohl er erst jetzt in die Kinos kommt, wurde ihr Film vor TROY gedreht.

Kruger ist eine ehemalige Ballett-Tänzerin der Royal Academy in London, die nach einer schwerwiegenden Knieverletzung vor ein paar Jahren ihren Beruf aufgeben mußte, sich für eine Karriere als Model entschied, und wenig später als Schauspielerin aktiv wurde.

Auf die Frage, wie sie für SEHNSÜCHTIG besetzt wurde, antwortet Kruger: "Ich hatte nur einen Film gedreht, der von Luc Besson produziert worden war (MICHEL VAILLANT). Tom Rosenberg besuchte Luc in Paris, um sich mit mir über ein anderes gemeinsames Projekt zu unterhalten.

Dabei kam das Gespräch auf SEHNSÜCHTIG und Tom klagte, dass sie für eine gewisse Rolle einfach keine passende Darstellerin finden konnten. Luc sagte: ,Naja, probiert es doch einmal mit Diane Kruger.' Richtiger Ort, richtige Zeit, würde ich sagen."

"Dianes Ehemann, der Schauspieler und Regisseur Guillaume Canet, drehte für Diane ein Bewerbungstape, das uns von einem Casting-Agenten zugeschickt wurde", erzählt Gary Lucchesi. "Sie war einfach unglaublich. Also flogen Tom und ich nach New York, um sie zu treffen. Später flogen wir sie aus Montreal für einen Leinwandtest ein. Danach wussten wir, dass wir unsere Lisa gefunden hatten."

"Diane Kruger ist einfach unglaublich schön und talentiert", berichtet Paul McGuigan. "Sie war perfekt für die Rolle. Sie verkörpert alles, was Josh vermisst und wieder zu finden versucht. Sie hat Anmut, Grazie, eine stille Schönheit. Die Kamera ist förmlich in sie verliebt."

Die Schauspielerin war bereits vertraut mit der Geschichte von SEHNSÜCHTIG, da sie das französische Original seinerzeit im Kino gesehen hatte. Der Stoff zog sie an, da es hier um zutiefst menschliche Gefühle und Schlüsselthemen geht, die jeden bewegen.

"Ich hatte das Original damals gesehen und war schon damals tief berührt von der wunderschönen Liebesgeschichte", sagt Kruger. "Es geht um Zufall, wahre Liebe und Schicksal. Ich finde, dass die Menschen in unserer Zeit von vielen Dingen abgelenkt werden und Ehrgeiz, Karriere und Erfolg als wichtiger erachtet werden als Beziehungen. Ich dachte einfach, dass der Film eine sehr schöne Botschaft hat."

Kruger sieht einen großen Unterschied zwischen ihrer Figur in den frühen Segmenten des Films im Vergleich zu den Szenen, die zwei Jahre nach der Trennung von Lisa und Matthew spielen.

"Am Anfang ist Lisa viel spontaner und voller Leben", erläutert sie. "Sie ist über beide Ohren verliebt. Man kann sehen, wie sehr sie und Matthew einander lieben, dass ihre Beziehung einfach großartig ist. Sie ist unglaublich glücklich.

Zwei Jahre später ist sie viel erwachsener und sehr traurig. Man kann ihre Melancholie förmlich spüren; sie ist melancholisch, weil sie Matthew verloren hat und nicht weiß, warum er sie so behandelt hat, wie er es getan hat."

Kruger ist überzeugt, dass das Publikum auf die Geschichte und das Puzzle im Mittelpunkt anspringen wird. Es wird Spaß daran haben herauszufinden, was tatsächlich vorgefallen ist. "Der Clou liegt in der Struktur des Drehbuchs", sagt sie.

"Erst am Schluss kann man all die losen Fäden verbinden. Das erzeugt viel Spannung. Man kann nicht entscheiden, ob man irgendeine Figur in dieser Geschichte nicht mag, weil man nicht beurteilen kann, warum wer etwas getan hat."

"Der Schritt von wahrer Liebe zu Besessenheit ist nur ein kleiner", überlegt Diane Kruger. "Speziell, wenn man fest davon überzeugt ist, dass der geliebte Mensch genauso fühlt. Dann entfernt man sich voneinander. Und man versteht nicht, warum das so ist. Man kann Liebe nicht erklären. Man weiß nicht, warum man sich zu einem bestimmten Menschen hingezogen fühlt und warum nicht."

Das Hauptdarstellerquartett wird von der australischen Schauspielerin Rose Byrne komplettiert. In ihrer Heimat wird sie längst gefeiert (und in Venedig wurde sie für THE GODDESS OF 1967 als Beste Schauspielerin geehrt). Australische Kritiker haben sie voll des Lobes sogar mit ihrer Landsmännin Cate Blanchett verglichen.

Interessant ist, dass Rose Byrne und ihre SEHNSÜCHTIG-Kollegin Diane Kruger gemeinsam auch in TROY zu sehen sind. Man mußs noch einmal darauf hinweisen, dass sie für SEHNSÜCHTIG bereits vorher besetzt worden waren.

Auf Byrne wurden die Filmemacher für die Rolle der geheimnisvollen Alex aufmerksam, als sich die Entwicklung des Films noch in einem sehr frühen Stadium befand. "Rose wurde uns als aufstrebender Star angeboten, also ließen wir sie sehr früh für SEHNSÜCHTIG vorsprechen", erinnert sich Gary Lucchesi.

"Wir fanden von Anfang an, dass sie das nötige Potenzial hätte, um aus der Rolle etwas ganz Besonderes zu machen. Als Paul McGuigan an Bord kam, war Rose eine der ersten Personen, die wir ihm vorstellten. Und er war begeistert." Byrne fühlte sich von ihrer Figur schon bald magisch angezogen. "Als ich für den Film vorsprach, spürte ich eine starke Verbundenheit mit der Figur und dem Material", erzählt Byrne.

"Aber dann hörte ich nichts mehr, weder von dem Produzenten noch von anderen, die an dem Projekt beteiligt waren, also strich ich die Rolle aus meinem Kopf. Dann wurde Paul engagiert, und ich wurde eingeladen, mich mit ihm zu treffen. Wir kamen blendend miteinander aus. Ein paar Tage später erhielt ich einen Anruf und die Zusage und den Termin des Drehstarts. Ich hielt diesen Anruf für eine Fügung des Schicksals."

Alex ist eine sehr komplexe Figur. Eigentlich kann man keine Einzelheiten über sie verraten, ohne eines der vielen Geheimnisse des Films preiszugeben. "Ich habe noch nie jemanden gespielt, der unentwegt lügt. Das war eine Herausforderung", lacht sie.

"Alles an Alex ist im Grunde eine Lüge. Ich mußste einige Recherchen anstellen, um herauszufinden, wann ich selbst lüge, warum ich lüge und was mit meinem Körper geschieht, wenn ich lüge."

Sie fährt fort: "Außerdem habe ich noch nie eine Figur gespielt, die sich derart in bestimmte Vorstellungen hineinsteigert. Sie versucht andere zu manuipulieren, aber ich glaube, vieles davon geschieht eigentlich unbewusst.

Auf diese Weise konnte ich mich der Figur nähern. Ich fand zu keinem Moment, dass sie rücksichtslos ist. Ich würde eher sagen, dass sie sich von ihrem Herzen leiten lässt und dann Dinge einfach in die Tat umsetzt, ohne vorher groß darüber nachgedacht zu haben."

Auf die Frage, ob sie Ähnlichkeiten mit Alex aufweist, antwortet Rose Byrne: "Ich tendiere dazu, mich mit Ideen und Wunschträumen in meinem Kopf einzuschließen. Darin sind wir uns sehr ähnlich. Und ich hegte großes Mitgefühl für sie, weil ich sie für sehr mutig halte. Ihr Verhalten bereitet anderen Menschen sicherlich auf gewisse Weise Schmerzen. Aber tatsächlich versucht sie nur, sich selbst treu zu sein."

Bei der Vorbereitung auf die Rolle mußste Rose Byrne an ihrem Akzent arbeiten. Sie hatte noch nie eine Figur mit amerikanischem Akzent gespielt. "Zuhause hatte ich Unterricht bei einem Lehrer", sagt sie.

"Als ich in Montreal ankam, begann ich sofort mit einem amerikanischen Akzent zu reden. Ich war in dieser Sache sehr neurotisch und dachte: Ich mußs das von Anfang an durchziehen. Mir fallen Akzente grundsätzlich recht leicht. In Australien sind wir mit amerikanischem Fernsehen aufgewachsen, also ist das ein familiärer Akzent für mich. Die Intonation ist es, die mir schwer fällt. Australier gehen mit der Stimme am Ende eines Satzes hoch, Amerikaner nicht."

Paul McGuigan verweist auf den Akzent als einen der Beweise für Rose Byrnes ungewöhnliches Talent. "Rose war eine regelrechte Offenbarung für mich. Und dem Rest der Welt wird es bald genauso gehen", sagt er.

"Sie sprach während des gesamten Drehs mit amerikanischem Akzent. Vielen war überhaupt nicht klar, dass sie eine Australierin ist. Als sie nach Drehschluss wieder in ihre gewöhnliche Art zu sprechen verfiel, mußsten viele erst einmal schlucken. Sie ist in der Lage, eine völlig andere Figur zu verkörpern, wenn sie spielt. Das ist aufregend."

Byrne glaubt, dass sich das Publikum von der Geschichte von SEHNSÜCHTIG angesprochen fühlen wird - und bestätigt damit die Ansichten ihrer Kollegen. "Man mußs höllisch aufpassen, wenn man der Handlung folgen will", meint sie.

"Aber genau das ist ja so spannend. Die Handlung ist der Star, wenn man so will. Sie führt den Zuschauer einen engen Pfad entlang, und man mußs herausfinden, was da eigentlich genau passiert. Man wird tiefer und tiefer in das Leben dieser Figuren hineingezogen - das ist sehr aufwühlend."

McGuigan stimmt zu: "Wenn man den Film mit Publikum sieht, ist es wunderbar, mit anzusehen, wie es die Handlung genießt und gleichzeitig versucht, dem Plot auf die Spur zu kommen. Die Menschen schauen sich gegenseitig an und rätseln gemeinsam. Man spürt förmlich, wie der Funke überspringt, wenn sie in Richtung Leinwand rufen und mitgehen.

Sie wollen, dass Josh Diane bekommt. Es ist interessant, wenn man ein derartig kollektives Gefühl erlebt. Wir machen aus einer Liebesgeschichte einen Mysterythriller. Wer ein Ticket für SEHNSÜCHTIG löst, bekommt einiges für sein Geld geboten."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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