Hotel Nooteboom

Ausführlicher Inhalt

Hotel Nooteboom ist kein Film der Worte, sondern der Liebe zwischen Wort und Bild. Anläßlich seines 70. Geburtstages und der deutschen Herausgabe seines Gesamtwerks im Suhrkamp-Verlag wird Cornelius Nooteboom, genannt Cees, Schriftsteller, Poet, Essayist, Augenmensch, katholischer Calvinist und niederländischer Kosmopolit, in einem Porträt vorgestellt, das der Literatur das Wort überläßt und dennoch in Bildern spricht. Das Hotel Nooteboom ist üppig möbliert mit Zeugnissen, Archiven, Begegnungen, Erinnerungen; anstelle trockener Werkanalysen werden Nootebooms Freunde befragt, also Schriftsteller, Philosophen, Künstler, die über ganz Europa verstreut leben und ein Netzwerk des Wissens und Denkens bilden.

Vor allem aber schwelgt die Kamera in Landschaften, Städten ? und Gesichtern. Sie erzählt bildlich Leben und Werk zu Textauszügen aus Büchern wie ?Philipp und die anderen?, ?Allerseelen?, ?Rituale? oder ?Die Reise nach Santiago?. Immer wieder kehrt der Film zu jenem Roman zurück, der stellvertretend für das Gesamtwerk die Biografie mit der Fiktion verknüpft: ?Die folgende Geschichte?. Darin erzählt Nooteboom die letzte Reise seines Protagonisten Hermann mußsert, eines einsamen Reiseschriftstellers, der im Augenblick des Sterbens eine Fahrt durch die Vergangenheit erlebt, die in eine Zukunft jenseits des Todes führen wird.

In Hotel Nooteboom werden Leben und Denken Nootebooms mit dem seiner Romanhelden verwoben: es sind durch eigenes Verschulden oder Schicksalsschläge vereinsamte Einzelgänger, die ? obwohl mitten im Leben stehend ? permanent den Tod vor Augen haben. Der Film besteht aus vier Handlungsfäden, die sich immer wieder kreuzen.

Einmal die Reisen und Begegnungen des heutigen Nooteboom, seine Spaziergänge durch Lissabon, Paris, Berlin und Budapest, dazu die Arbeit am Schreibtisch, die Gespräche mit den Freunden, die jeweils ihr Lieblingsbuch vorstellen. Und schließlich das Archivmaterial: Authentisches, aber auch Fingiertes aus Fernsehsendungen, Ehrungen, Lesungen und historische Ereignisse, die Nooteboom erlebte und in denen seine individuelle Lebensgeschichte verschmilzt mit der Zeitgeschichte der letzten 50 Jahre.

Der Film beginnt in einem Lissaboner Hotelzimmer, einer entscheidenden Zwischenstation im Leben Hermann mußserts, des Anti-Helden aus ?Die folgende Geschichte?, und im Leben seines Erfinders, der von hier aus auf einem Frachter zu seiner ersten transatlantischen Reise aufbrach.

Damals war Nooteboom knapp über zwanzig Jahre jung und bereits berühmt, war ihm doch mit ?Philipp und die anderen? ein Erstling gelungen, der ihm internationalen Ruhm und eine jahrzehntelange Schreibblockade bescherte, in der ihm Reiseberichte und Gedichte, aber kein Roman gelingen sollte.

Deshalb führt die filmische Reise von Hotel Nooteboom nicht nur in die Welt des Bestsellers ?Die folgende Geschichte?, sondern auch in die Vergangenheit des Autors. Seine Schreibstube im Amsterdamer Wohnhaus, Erinnerungen an die Schulzeit, frühe Freundschaften und das Bedürfnis des kontinuierlichen Ortswechsels lassen das Reisen zum Sinnbild des Lebens werden, Rüstzeug des Zeitzeugen und Metapher für ein Weggehen ohne anzukommen.

Nooteboom erlebt 1956 in Budapest den Aufstand gegen die Sowjetmacht, hält sich in Berlin auf, als 1961 die Mauer errichtet wird - und als sie 1989 wieder fällt. Er reist auf den Spuren der Pilger nach Santiago de Compostela, erforscht japanische Klöster und afrikanische Exkolonien. Er lebt in Amsterdam, Berlin, Los Angeles und immer wieder Paris, läßt sich seit 40 Jahren jeden Sommer für ein paar Monate auf der Mittelmeerinsel Menorca zum Schreiben nieder. Die Kamera beobachtet ihn, wie er diese Orte erneut aufsucht und dabei selbst zum Protagonisten einer Geschichte wird - der Geschichte des Films Hotel Nooteboom.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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