Die kalte See

Produktionsnotizen

Nach dem Erfolg von "101 Reykjavik", einer schwarzhumorigen Beziehungskomödie, entschied sich Kormákur, beim nächsten Film ein ernsthafteres Thema zu wählen. Jemand schlug vor, einen Film über das Quotensystem in der isländischen Fischerei zu machen, womit er sich in eine der polarisierendsten Debatten Islands einmischen würde.

Zuerst lachte er über diese Idee, doch dann erinnerte er sich an ein Bühnenstück von Olafur Haukur Símonarson, das die politische Essenz als Hintergrund eines Familiendramas benützte. Kormákur las das Skript und entschied sich am nächsten Tag, einen Film zu den Themen Fisch und Familie zu machen.

Drehort Kormákur entschied sich bei der Ortswahl für seinen Film für Neskaupstadur, ein 1412 Seelendorf in der Mitte von Nichts, umgeben von Bergen, Schnee und Eis, in dem einst der Großvater des Autors von »Die kalte See« wohnte.

Hier wurde in den letzten zehn Jahren kein neues Haus mehr gebaut. Es gibt ganze zwei Bars, eine Tankstelle, eine Minimarkt, ein Hotel, ein öffentliches Telefon, ein Videoladen und natürlich eine Fischfabrik. Vor einem Jahr wurden Lawinenzäune gebaut, um das Dorf vor den immensen Schneemassen zu schützen.

Dem Regisseur war es wichtig, die tristen und brutalen Verhältnisse dieses Fischerdorfes zu zeigen, weil dadurch die eigenwilligen bis schrägen Charaktere des Films klar verständlich werden, sowie der Wunsch von Thordurs Kindern, nie mehr hier leben und arbeiten zu müssen. Wenn sich jedoch die Wolken einmal auflösen, erstrahlt Neskaupstadur in seiner weißen Winterpracht und wird zur perfekten Arktis-Postkarte ? ein Kontrast, der dem Regisseur besonders gefällt.

Dreharbeiten Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Neskaupstadur waren die Dreharbeiten ein spektakuläres Ereignis. Endlich war mal was los, und sie hoffen nun, dass ihr Dorf durch den Film berühmt werden wird. Das Filmteam war beliebt, weil es für Abwechslung sorgte und viel konsumierte. Die Dorfbewohner werden nach Aussage des Dorfpolizisten die Filmcrew bestimmt vermissen.

Das Filmteam genoß die Gastfreundschaft sehr, gerade weil die Dreharbeiten an einem derart abgelegenen Ort sehr schwierig waren. Hélène de Fougerolles zum Beispiel langweilte sich zu Tode. Da die meisten der Szenen, in der sie vorkommt, am Anfang gedreht wurden, blieb ihr nichts anderes übrig, als die übrige Zeit des Wartens mit Lesen zu verbringen.

Innerhalb von zwei Monaten las sie sechs Bücher. Sie litt unter dem ewigen Dunkel, da sich die Sonne in den Wintermonaten nie zeigt. ?Es gibt hier so viel nichts zu tun?.

Hilmir Snaer Gudnason, der Hauptdarsteller von "101 Reykjavik, klagt, dass der Nebel das Meer und die Berge in eine einzige, graue Masse verwandelt. ?Es fühlt sich wie das Ende der Welt an.? ...

Das Wetter Das Wetter war dann auch der ärgste Feind der Dreharbeiten. Drehtage mußsten immer wieder verschoben werden, so dass das Team mehrmals nach Reykjavik und zurück pendeln mußte. Der Höhepunkt des Filmes, der Brand in der Fabrik, wurde bei den Dreharbeiten zu einem Desaster.

Nachdem die Szenen abgedreht waren, verstärkte sich der Wind so sehr, dass sich das Feuer verbreitete, und das ganze Gebäude, das als Museum vorgesehen war, abbrannte. Die Feuerwehr arbeitete eine Nacht lang durch.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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