Die Zwillinge

Produktionsnotizen

DIE ZWILLINGE ist der erfolgreichste Niederländische Film 2003 und war in der Kategorie ?Bester fremdsprachiger Film? für den Oscar nominiert. Der Film wurde bereits in zahlreiche Territorien verkauft. Den Zuschlag für die Nordamerikanischen Rechte erhielt Miramax.

Die Adaption der Romanvorlage Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Tessa de Loo hatte ein klares Ziel. Niemand legte Wert darauf, einen weiteren Historienfilm über die NS-Zeit zu drehen. Produzentin Hanneke Niens und Regisseur Ben Sombogaart konzentrierten sich auf die Persönlichkeit und die Beziehung der Zwillinge. Die sensible und tragische Liebesgeschichte der beiden Schwestern ist zeitlos. ?DIE ZWILLINGE ist eine universelle Geschichte über kulturelle und politische Missverständnisse.

Das Leben der Zwillinge entwickelt sich sehr unterschiedlich. Die soziale und kulturelle Herkunft hat einen großen Einfluss auf ihre Entscheidungen. Es geht im Film nicht um ein Schwarz-Weiß-Denken, sondern um eine intensive und vielschichtige menschliche Beziehung?, erklärt die Produzentin ihre Begeisterung vom Stoff.

Wie äußere Umstände ein Leben prägen können, ist auch für den Regisseur von zentraler Bedeutung. Ben Sombogaart beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Kinderfilmen und Persönlichkeitsentwicklung. ?Unbewusst hat mich wohl die Frage, wie Menschen ihre Identität finden, schon immer angezogen. Während Annas Kindheitsprobleme offensichtlich sind, spielt sich bei Lotte sehr viel im Inneren ab.

Sie verdrängt ihre Herkunft bis ins hohe Alter. Es ist sehr schwierig aufzuwachsen, ohne seine Wurzeln zu kennen. Beide müssen ihre wahre Identität erst finden.? Ben Sombogaart setzt seinen Fokus filmisch um, indem er sehr nah an die Charaktere herangeht.

Drehorte & Finanzierung DIE ZWILLINGE wurde von Februar bis Mai 2002 an 52 Tagen in den Niederlanden und Luxemburg gedreht. Der holländische Teil wurde an 12 Tagen in Amsterdam, Den Haag und an der Küste realisiert.

Ursprünglich waren Drehorte in Deutschland und Polen angedacht, doch die Finanzierung mit örtlichen Partnern scheiterte. Produzentin Hanneke Niens lies sich nicht entmutigen. ?Es war wie verhext, keine deutsche Produktion wollte mit einsteigen. Wir haben 1995 angefangen und brauchten fast acht Jahre, um die Finanzierung des Films von vier Millionen Euro zu sichern. Verglichen damit waren die Dreharbeiten ein Kinderspiel.?

Der deutsche Teil des Films mußste in Luxemburg gedreht werden. ?Das Land ist sehr reich, die Straßen sind neu und alles ist sauber. Es dauerte lange, bis wir die alte Farm und andere Drehorte gefunden hatten, denen man das vergangene Jahrhundert abnimmt?, erklärt Regisseur Ben Sombogaart.

Um die Villa der Gräfin Falkenau authentisch in Szene setzen zu können, mußste an drei weit verstreuten Orten gedreht werden. Für die Außenaufnahmen fand man eine alte Schule auf dem Land, die Innenaufnahmen wurden in der Stadt Luxemburg und Annas Bedienstetenzimmer in einem alten Geschäft gedreht.

Das Casting & die deutschen Schauspieler Ein Hauptaugenmerk des Regisseurs lag auf dem stimmigen Cast. Die deutschen Rollen sollten auch von deutschen Schauspielern gespielt werden. ?Es geht um Menschen, nicht um Comicfiguren. Daher wollte ich jedes Klischée vermeiden. Das Letzte wäre ein blonder, großer und muskulöser Deutscher für die Rolle des Martin gewesen. Ich bin froh, dass Roman Kni?ka diese Rolle spielt.?

Besonders aufwendig war das Casting der Zwillinge. ?Es war ein Puzzlespiel! Wir mußsten sechs Schauspielerinnen finden, die auf drei Altersstufen zusammenpassen. Das war völlig neu?, erklärt Hanneke Niens. Nach Thekla Reuten und Ellen Vogel wurde die Rolle der Anna besetzt.

?Wir brauchten jemand, der Stärke verkörpert und dem man einen enormen Überlebenswillen abnimmt. Nadja Uhl war für uns die ideale Besetzung. Aber ich mußs sagen, dass wir von allen deutschen Schauspielerinnen, die wir gecastet haben, begeistert waren. Wir hatten das Glück, aus vielen sehr guten Bewerberinnen, die für uns Beste auswählen zu können?, schwärmt die Produzentin.

Kameramann Piotr Kukla war von der Arbeit mit den deutschen Schauspielern begeistert: ?Ich schätze es sehr, wenn die Schauspieler sich mit Lichttechnik auskennen. Die deutschen Schauspieler waren auch in diesem Punkt fantastisch. Besonders Nadja Uhl hatte gute Ideen für das Licht, unter anderem in der Szene, als sie im Film zum ersten Mal auf Martin trifft.?

Gudrun Okras und Ellen Vogel spielen die 80Jährigen Zwillinge. Sie wussten nur zu gut, wie sie ihren Konflikt ausspielen. Beide haben die NS-Zeit selbst erlebt.

Besonders Ben Sombogaart war von ihnen beeindruckt: ?Es war sehr inspirierend mit Gudrun und Ellen zu arbeiten. Wir alle haben von ihren Erfahrungen profitiert. Es war besonders schön, auch ihren humoristischen Umgang mit manchen Situationen mitzuerleben. Ich mußste Lachen, wie die beiden alten Damen sich durch den Wald gejagt haben.?

Die Dreharbeiten & die Filmästhetik ?Es war der komplizierteste Film, den ich je gemacht habe!? gesteht Kameramann Piotr Kukla. Er und Regisseur Ben Sombogaart trafen sich zwei Monate lang, um die visuelle Gestaltung des umfangreichen Scripts zu besprechen. Sie entwickelten für jeden der drei Zeitabschnitte eine eigene Ästhetik.

Bis auf die Credit-Sequenz am Anfang gab es keine Nachbearbeitung am Computer. Die Sequenz der kleinen Zwillinge erinnert an den Schwarz-Weiß Film. Der Mittelteil hat etwas mehr Farbe und wird von Braun- und Rottönen dominiert. Die Sequenz der gealterten Zwillinge steht für eine klare Realität und blieb unbearbeitet.

Für die beiden ersten Lebensabschnitte der Zwillinge experimentierten sie mit Kostümen in unterschiedlichen Farbnuancen, Lichteinstellungen und Filmmaterial. Doch letztendlich setzten sie eine riskante Technik ein.

Die Bleichbadüberbrückung (Bleach Bypass) ermöglicht eine Farbentsättigung und Kontrastierung während des Filmentwicklungsprozesses. Nicht belichtete Silberbromide bleiben im Negativ enthalten. Der Eingriff kann das Filmmaterial zerstören.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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