Die Ex-Freundinnen meines Freundes

Produktionsnotizen

Die Produzenten Jason Shuman und William Sherak, Partner bei Blue Star Pictures, wurden einander von gemeinsamen Freunden am College vorgestellt. Kurz darauf drehten sie zusammen den Kurzfilm "Spoof! An Insider's Guide to Short Film Success". Nachdem sie jeweils Erfahrungen als ausführende Produzenten gesammelt hatten, taten sich Sherak und Shuman offiziell zusammen, um ihre eigenen Filme zu produzieren.

Sie begannen mit den Independentfilmen Comic Book Villains (2002) und Four Dogs Playing Poker (2000). Seit Herbst 2000 firmieren sie mit Blue Star Pictures unter dem Banner von Revolution Studios und produzierten hier den Horrorthriller Darkness Falls (Die Legende von Darkness Falls, 2003), der in der Startwoche auf Anhieb auf Platz 1 der Boxofficecharts landete.

Die Ex-Freundinnen meines Freundes passt perfekt zu den kreativen Zielen der jungen Produzenten - eine Story mit facettenreichen Charakteren, die eine ganze Bandbreite von Genres abdeckt. "Es gab ein interessantes Angebot an Rollen und eine interessante Story zu erzählen", erklärt Sherak. "Das war für uns das eigentlich Reizvolle an dem Stoff."

Erstmals hörten sie von dem Projekt vor etwa zweieinhalb Jahren, als ihnen ein befreundeter Manager, der unter anderem die Drehbuchautorin Melissa Carter vertritt, das Drehbuch anbot: "Wir lasen es und dachten sofort, dass es absolut universell wäre und den Rahmen für einen tollen Film liefern könnte", so Sherak.

Eine weitere Drehbuchautorin, Elisa Bell, wurde hinzugeholt, um am Skript zu arbeiten. Blue Star schickte eine frühe Fassung an Produzentin Elaine Goldsmith-Thomas (Mona Lisa Smile (Mona Lisas Lächeln, 2003), Maid in Manhattan (Manhattan Love Story, 2003), Partnerin bei Revolution Studios, die das New Yorker Büro des Unternehmens leitet

Goldsmith-Thomas wurde zur treibenden Kraft des Projekts. Shuman: "Elaine brachte den Film dahin, wo er heute ist."

"Ich habe einen Hang zu Filmen mit fehlerhaften Helden. Und was Melissa Carter so schön in ihrem Skript unterstrichen hat, ist die Story einer wahrhaftigen Figur, die man wirklich liebt, die jedoch dazu gezwungen wird, die falsche Richtung einzuschlagen", erklärt Goldsmith-Thomas.

"Ich wusste, dass die Story noch bewegender werden würde, wenn wir sie mit echten Menschen bevölkern könnten, die sowohl heroisch, als auch voller Makel sind. Das Publikum ist daran gewöhnt, die unschuldige Heldin im Kampf gegen den schuldigen Bösewicht zu unterstützen.

In diesem Film ist jede Figur, egal ob durch eigenes Handeln oder Nicht-Handeln, ein klein wenig schuldig. Wir holten Elisa Bell dazu, in der Hoffnung, die Story noch vielschichtiger gestalten zu können, und hörten mit der Arbeit am Skript im Laufe des gesamten Entwicklungsprozesses nicht auf."

Goldsmith-Thomas spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Drehbuchs: "Das, was Elaine so auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, die Merkmale wahrhaftiger Charaktere ins Drehbuch zu übertragen", erklärt Sherak. "Wenn man die Filme sieht, die sie produziert hat, sieht man stets echte Menschen, die ihr Leben leben. Man erhält einen Einblick in den Alltag der Figuren. Und sie gestaltet diesen so überzeugend, dass man gerne zusieht."

Shuman stimmt zu: "Das war von Anfang an unser Ziel", sagt er. "Die Story sollte wahrhaftig sein. Nichts an Stacys Reise sollte einen glauben lassen: ?Das kann nicht sein.' Es sollte alles von einer Warte aus erzählt werden, mit der sich die Menschen identifizieren könnten."

Der ausführende Produzent Herbert W. Gains fügt hinzu: "Es handelt sich um ein sehr intelligentes Drehbuch, das reich an Dialogen ist und das nicht automatisch realistisch rüberkommt", sagt er. "Was die Drehorte angeht, die Schauspieler und die Dialoge, sollte alles jedoch unmissverständlich ein Gefühl von Wahrhaftigkeit vermitteln."

Das Projekt nahm noch mehr Gestalt an, als Schauspielerin Brittany Murphy hinzukam. Der Star aus Filmen wie Uptown Girl (Uptown Girls - Eine Zicke kommt selten allein, 2003), 8 Mile (8 Mile, 2003) und Riding in Cars with Boys (Unterwegs mit Jungs, 2001) war die erste und einzige Wahl für die Rolle der Stacy.

"Deb (Produzentin Deborah Schindler) und ich gingen in meinem Haus eine Liste potenzieller Schauspieler durch und zufällig war meine Nichte dabei. Als wir Brittany Murphy erwähnten, hellte sich ihr Gesicht auf", erinnert sich Goldsmith-Thomas. "Wir beide, Deb und ich, sind selber große Bewunderer von Murphys Arbeit und Vielseitigkeit. Sie ist in Komödie und Drama zu Hause und sie hat diese sehr echte Glaubwürdigkeit, die eine Hauptdarstellerin perfekt macht."

Die Schauspielerin, die eine frühe Fassung des Skripts gelesen hatte, gibt das Lob an Goldsmith-Thomas zurück. "Drei Tage nach unserem ersten Gespräch schickte mir Elaine ein überarbeitetes Drehbuch", erinnert sich Murphy. "Und als ich den neuen Entwurf las, stellte ich fest, dass sie genau meinen Rhythmus und meine Redeweise bei unserem ersten Treffen studiert hatte."

Murphy verliebte sich in die Art und Weise, mit der Goldsmith-Thomas an die Story heranging. "Ich liebte das Konzept des Films", schwärmt sie. "Ich war überwältigt und beeindruckt, nicht nur von dessen thematischer Relevanz, sondern auch von der Frische, dem Witz und der Wahrhaftigkeit dieser zeitgemäßen romantischen Komödie."

"Als Story sehe ich dies als Ensemblestück über eine Gruppe von Leuten, die alle ihre eigenen kleinen Geheimnisse verbergen, während sie bei ihrer Arbeit für die ?Kippie Kann Show' die Leben anderer Menschen entlarven", fügt Murphy hinzu. "Das fand ich aufregend."

Brittany Murphy war angetan von Goldsmith-Thomas' Großzügigkeit. "Elaine bewies sehr viel Respekt vor mir, indem sie mich Teil des gesamten Prozesses werden ließ", sagt sie. "Und sie respektierte meine Einfälle."

Während sich das Drehbuch weiter entwickelte, wechselte der Fokus auf die Suche nach einem Regisseur. Der in England geborene Nick Hurran hatte den britischen Film Plots with a View (Grabgeflüster, 2003) mit Brenda Blethyn inszeniert, sowie eine Reihe britischer Fernsehshows.

"Wir suchten lange nach einem Regisseur mit einem einzigartigen, frischen Tonfall", erklärt Shuman, "und wir merkten, dass es eine Menge erstaunlicher Künstler gibt. Dann bekamen wir einen Anruf von Nicks Agenten. Wir kannten und liebten seine Arbeit."

"Deb, Rachel (die ausführende Produzentin Rachel Horovitz) und ich sahen uns ein Tape von Hurrans Plots With A View an", erinnert sich Goldsmith-Thomas.

"Was uns am meisten beeindruckte, war, dass es darin ein Leben außerhalb des Bildausschnitts gab. Man glaubt wirklich, dass das alles nicht einfach gerade passierte, sondern dass die Kamera es zufällig einfing. Ich erinnere mich daran, dass ich aufschrie: ?Oh mein Gott, können wir ihn bekommen?!' Wir hatten Glück, Nick kam von ganz alleine."

Für Hurran lag der Reiz des Stoffes hauptsächlich in der universellen Idee des "bestechenden Verrats", so der Regisseur. "Die Figuren müssen alle etwas in sich selbst erkennen, das sie bislang nicht wahrhaben wollten. Dies und den wundervollen Humor des Skripts las ich mit echter Freude."

Er stellte schnell fest, dass die Geschichte sowohl moderne als auch klassische Elemente vereint. "Die Story wird auf eine ganz zeitgemäße Art und Weise erzählt", so Hurran.

Tatsächlich geht es um eine sehr moderne Form technischer Geräte, den Palm, der Stacy in ihre komplexe, prekäre Lage bringt. "Stacy wird sozusagen von ihren Arbeitskollegen darauf gebracht, diese Technik in Dereks Fall auszunutzen", so Hurran. "Der Palm ist die moderne Alternative zum kleinen schwarzen Buch oder Tagebuch. Es ist gefährlich, ihn herumliegen zu lassen, wenn man etwas zu verbergen hat - wie Derek schnell feststellt."

Trotz seines modernen Themas fühlt sich der Film wie eine klassische Komödie an. "Obwohl er so modern ist, vermittelt er dieses romantische Gefühl von Hollywoods Goldenem Zeitalter und ich wollte, dass das Publikum zuschaut und denkt: ?Das sieht genauso aus wie ein Doris Day/Rock Hudson-Film.'"

Nick Hurran und sein Team begannen mit dem Casting der weiteren Schlüsselfiguren des Films, wozu Dutzende von Sprechrollen und eine Reihe ganz unterschiedlicher Charaktere gehörten. Am Ende war der Film mit einer Mischung aus Newcomern, bekannten Oscar®-Gewinnern und erfahrenen Bühnendarstellern bevölkert.

Obwohl Murphy Stacy in verschiedenen Dingen ähnelt, gibt sie zu: "So etwas wie meine Rolle im Film habe ich im Leben noch nie getan. Schnüffeln gehört nicht gerade zu den Tricks, die ich gewöhnlich aus dem Ärmel schüttele. Es würde sich nicht richtig anfühlen. Außerdem bin ich einfach in technischen Dingen nicht geschickt genug, um das Ganze überhaupt zu bewerkstelligen", lacht sie.

Für die Rolle von Barb, der brillanten Strippenzieherin im Kontrollraum der "Kippie Kann Show", suchten die Filmemacher nach der idealen Kontrastfigur für Stacy und fanden diese in einer der besten Schauspielerinnen unserer Zeit. Die bereits viermal für den Academy Award® nominierte und Oscar®-Gewinnerin für The Piano (Das Piano, 1993), Holly Hunter, übernahm die Rolle der Frau, die einst an der Wall Street arbeitete, dann Busfahrerin war und nun fürs Fernsehen jobbt.

"Das Drehbuch ist deshalb so interessant, weil die Charaktere nach und nach sich selbst entlarven. Und sie entwickeln sich im Laufe des Films weiter", erklärt sie. "In Hollywood-Skripts sind die Charaktere meistens viel zu eindimensional gezeichnet. Spätestens auf Seite 60 weiß man ganz genau, wer sie sind. Danach verändert sich kaum noch etwas. Aber in diesem Film enthüllen alle permanent eine neue Seite von sich - bis zum allerletzten Moment."

Holly Hunter beschreibt Barbs doppelzüngige Natur weniger als ein Zusammentreffen von Gut und Böse, sondern mehr von "Schöpferin und Zerstörerin. Sie hat beides in sich. In gewisser Weise ist Barb einfach neugierig und will helfen. Und auf der anderen Seite wird sie von düsteren Absichten geleitet."

Stacy hätte die meiste Zeit keine Ahnung von Barbs Intrigen, fügt Murphy hinzu. "Sie sieht in ihr eine Kameradin. Aber die ganze Zeit zieht Barb die Fäden und zwar auf ganz brillante Art und Weise."

Barb sei gleichzeitig sehr anpassungsfähig, sagt Hunter: "Dies ist einer der Gründe, warum ich Barb spielen wollte. Sie liebt es, Dinge herauszufinden, und das beweist sie ziemlich häufig in diesem Film."

Und letztlich gibt Barb den Anstoß zu Stacys Selbsterkenntnis. "Stacy wollte lieber glauben, als verstehen", setzt Hunter fort. "Das war einer der Gründe, warum mir das Skript so gut gefiel - glaubt man oder weiß man etwas? Es macht weniger Mühe, an das zu glauben, was man tut, als es wirklich zu verstehen. Barb zwingt Stacy diese Fragestellung regelrecht auf. Sie zwingt sie, an die Menschen zu glauben, die zu ihrem Leben gehören sollen."

Es war wichtig, dass im Ensemble der Figuren um Barb und Stacy im Kontrollraum der "Kippie Kann Show" die richtige Chemie herrschte. "Es gibt darin eine Art Kakophonie von Persönlichkeiten", so Hunter. "Die meisten von uns sind Bühnenschauspieler, also konnten wir ziemlich wagemutige Entscheidungen treffen. Es war eine fantastische Arbeitserfahrung. Alle waren geradezu spektakulär."

Kevin Sussman, zu dessen Credits Sweet Home Alabama (Sweet Home Alabama - Liebe auf Umwegen, 2002) und Changing Lanes (Spurwechsel, 2002) gehören, spielt den "Senior Associate Producer-slash-Producer" Ira, der permanent um Kippie Kanns Aufmerksamkeit heischt. "Ira hofft auf eine Beförderung zum Produzenten", so Sussman. "Deshalb dreht sich bei ihm alles um Kippie."

Für Sussman geht es im Film von Anfang bis Ende um Betrug. "Genau darum geht es im Film - Vertrauen und Betrug. Und zwar auf verschiedenen Ebenen. Es passiert in Stacys persönlichen Beziehungen und es passiert in ihren Arbeitsbeziehungen."

Stephen Tobolowsky, ein erfahrener Charakterdarsteller, der sein Talent bereits in Komödien wie Win a Date with Tad Hamilton (Total verknallt in Tad Hamilton, 2004) und Freaky Friday (Freaky Friday, 2003) unter Beweis gestellt hatte, spielt Carl Todd, den ausführenden Produzenten der "Kippie Kann Show".

Wie Hunter fühlte Tobolowsky sofort einen Bezug zum Drehbuch. "Das Skript unterscheidet sich von den meisten Drehbüchern, die ich zu lesen bekomme", kommentiert er. "Es ist ein Meisterwerk aus Verwirrung und Chaos. Worum es wirklich geht ist dies - um mit Sir Walter Scott zu sprechen: ?Oh, welch verworrenes Netz wir weben, wenn wir nach Trug und Täuschung streben!'"

Tobolowskys Rolle sind Schwindeleien auch nicht unbedingt fremd. "Carl will jeden vernichten, der seine Position und Macht übernehmen könnte", sagt der Schauspieler. "Er will alles tun, um seine Position zu behaupten. Dazu gehört, dass er Supermodels interviewt, die Kippie ersetzen könnten und einfach mal auf Kippies Make-up und ihre Perücke zoomt, um sie lächerlich zu machen."

Carl hält genauso Ausschau nach den Intrigen der anderen Producer - "all diese kleinen Skorpione und Piranhas, die mich piesacken", lacht Tobolowsky. "Solange Carl ihnen ihre Ideen stehlen kann, ist alles in Ordnung. Carl ist ein Meister im Lästern und ist immer vorn mit dabei, wenn man jemandem in den Hintern kriechen - oder treten kann. Genauso funktionieren solche Leute."

Das dritte Mitglied des "Kippie Kann"-Producer-Teams ist Larry, gespielt von Jason Antoon Minority Report (Minority Report, 2002), Two Weeks Notice (Ein Chef zum Verlieben, 2002)]. "Larry beklaut Ira, bohrt in der Nase, kratzt sich am Sack, furzt, kreischt und ist in Meetings noch lauter und widerlicher - und vor allem sitzt er Ira ständig im Nacken", erklärt Antoon mit ungenierter Unverblümtheit.

Phil Walsh, Regisseur der "Kippie Kann Show", wird von Cress Williams gespielt. "Phil hat das Sagen in der Bude", so Williams. "Und ich glaube, dass er in den Augen des Publikums ein Durchschnittstyp ist. Er ist der durchschnittliche Amerikaner, der Zeuge dieser verrückten Situation wird."

Die einst erfolgreiche Daytime-Talkshow-Moderatorin Kippie Kann, deren Quoten seit kurzem schwer auf Talfahrt gehen, wird von Kathy Bates gespielt, die dreimal für den Oscar® nominiert und für Misery (Misery, 1990) mit dem Preis als "Beste Schauspielerin" ausgezeichnet wurde.

"Kathy Bates spielt Kippie Kann mit einer Art manischer Verzweiflung. Es war mir eine Ehre, diesen Charakter zu entwickeln. Wir sind hier mit großartigen Schauspielern gesegnet, die ein erstaunliches Ensemble gebildet haben", erklärt Deborah Schindler.

"Kathy verleiht dem Projekt noch eine weitere Ebene an Raffinesse. Kippies Rolle ist wie ein großartiges Möbelstück, das ein wenig abgenutzt ist. Sie trägt ihre Verzweiflung zur Schau", fügt Goldsmith-Thomas hinzu. "Alle sind jünger, knackiger, cleverer - und bei ihren Bemühungen, sich über Wasser zu halten, kennt Kippie keine moralischen Grenzen, um Stacy das anzutun, was am Ende geschieht."

Die Besetzung der Figuren aus Stacys Privatleben waren ebenso ausschlaggebend für das Gelingen des Films. Ron Livingston ("Sex and the City", The Cooler (The Cooler, 2003), Office Space (Alles Routine, 1999)) ergänzte das Schauspielerensemble als Derek, Stacys Freund und Spielervermittler bei den NHL's New Jersey Devils. Die Besetzung seiner Rolle war eine der schwierigsten Aufgaben der Besetzer.

"Dereks Rolle war so schwierig zu besetzen, weil seine Wirkung ziemlich stark davon abhängig ist, was der Schauspieler daraus macht" so Murphy. "Er mußste liebenswert, stark und - was ebenso wichtig war - jemand sein, dem man glauben konnte."

Als Livingston vorsprach, "traf er den Nagel auf den Kopf", so Murphy. "Es war, als wäre er aus dem Himmel gefallen."

Ron Livingston betrachtet die Story als "Komödie über Liebe und Geheimnisse. Wie viel will man wirklich über die Vergangenheit seines Freundes wissen?"

Dereks frühere Freundinnen stellten die letzte Herausforderung dar. "Wir suchten nach ganz verschiedenen Typen bei diesen Freundinnen", erklärt Gains. "Wir wollten ganz gegensätzliche Images, verschiedene Persönlichkeiten und Mädchen, deren Lebensweise ganz unterschiedlich war. Auf diese Weise würde stets jemand dabei sein, mit dem sich das Publikum identifizieren könnte."

Julianne Nicholson, die man unlängst in Seeing Other People (2004) und The Visitors (2004) sehen konnte, übernahm die Rolle der Joyce, der jungen Köchin, die insgeheim hofft, dass Derek eines Tages zu ihr zurückkehren würde. "Ich fand sie wirklich interessant", so Nicholson.

"Sie ist smart und motiviert, aber auch ganz umgänglich. Sie ist ein Mädchentyp, der aber ebenso gerne mit Jungs abhängt. Sie ist nicht diese typische Klischee-Ex-Freundin. Sie ist eine vollkommen entwickelte junge Frau."

Als Nicholson erstmals den Titel des Drehbuchs hörte, war sie noch unsicher. Doch dann las sie das Skript und wurde angenehm überrascht.

"Als ich zuerst davon hörte, dass es Die Ex-Freundinnen meines Freundes heißen würde, dachte ich, es ginge um Frauen, die gehässig, falsch und verlogen wären. Natürlich gibt es hier auch diese Sorte, aber auf eine erfrischende Art und Weise. Ich mochte besonders das Ende, weil es wirklich nicht offensichtlich oder zu erwarten war."

"Wir waren am Set von Mona Lisa Smile als wir das Tape mit Julianne Nicholsons Vorsprechen sahen und es verschlug uns glatt die Sprache", erinnert sich Goldsmith-Thomas. "Sie hatte eine solche Aufrichtigkeit in ihre Performance gelegt, dass sie ohne Zweifel Joyce war."

Joyce weiß nicht, dass Stacy Nachforschungen über sie anstellt, "aber tatsächlich will Joyce auch überhaupt nicht wissen, mit wem sich ihr Ex-Freund trifft", fügt Goldsmith-Thomas hinzu. "Sie fragt nicht und auf diese Weise hat sie nicht das Gefühl, dass sie an einem Betrug beteiligt ist oder diesen begehen würde. Letztlich ist hier wirklich niemand unschuldig."

Josie Maran, eines der Gesichter von Maybelline Kosmetik, die kürzlich in Van Helsing (Van Helsing, 2004) zu sehen war und im kommenden Film The Aviator (2004) agiert, spielt das bulimische Model Lulu Fritz.

"Es hat so viel Spaß gemacht, diese Model-Stereotypen für meine Rolle zu übertreiben", sagt Maran. "Lulu ist keine Französin, aber ich habe sie gespielt, als wäre sie davon besessen, französisch, fancy und international zu sein."

Harvardabsolventin und aufstrebender Film- und Fernsehstar Rashida Jones spielt die brillante Gynäkologin Rachel Keyes, die eine der himmelschreiendsten Szenen des Films liefern darf. Jones glaubt, dass viele Frauen Nachforschungen über die Vergangenheit ihrer Freunde anstellen.

"Obwohl sie wissen, dass es falsch ist, obwohl sie wissen, dass sie vielleicht etwas aufdecken werden, was sie gar wissen wollen, gibt es diese riesige Neugierde und Versuchung. Deshalb fühlte sich die Story so realistisch an."

Die herausragende Besetzung wird von Sharon Lawrence in der Rolle von Stacys Mutter abgerundet. Caitlin Murphy, Brittany Murphys tatsächliche Cousine, spielt die Rolle der achtjährigen Stacy.

Natürlich wären alle Beschreibungen der Besetzung nicht komplett ohne die Erwähnung von Bob, dem Hund. Bob hatte die Filmemacher schon bei seinem ersten "Vorbellen" auf seiner Seite.

"Er hat so eine Veranlagung dazu", lacht der Trainer des Mastiffs, Larry Madrid, der bei der Wahl seiner Tiere nach einer "einnehmenden Persönlichkeit, einem gewissen Funkeln in den Augen und einer Haltung sucht, die sagt ?Ich bin ein Star.' " Als Madrid Bob in England fand, "war er einfach unwiderstehlich."

"Unsere gesamte Besetzung ist etwas ganz Besonderes", schlussfolgert Sherak. "Aber erst, als alle zusammen vor der Kamera standen, bemerkten wir, wie erstaunlich gut die verschiedenen Talente zusammenpassten und sich ergänzten."

Das Funktionieren des Ensembles war Voraussetzung für die Wendung, die Stacys Geschichte nimmt. "Dies ist letztlich ein Film darüber, wie Stacy sich selbst entdeckt, ihre Wirklichkeit. Sie versucht, eine Ordnung in ihrem Leben zu finden, ein Leben ohne Chaos. Aber sie lernt, dass man die Dinge laufen lassen, die Würfel werfen und sehen mußs, was passiert", so Hurran. "Und es ist ihr Zusammenspiel mit den anderen Figuren, die sie zu dieser Schlussfolgerung kommen lässt."

Brittany Murphy bestätigt dieses Gefühl. "Stacy lernt am Ende, nicht mehr gegen ihr Leben anzukämpfen, und dass man nicht alles kontrollieren kann. Man kann sich seiner Sache bewusst sein und daran wachsen, aber man kann nicht die ganze Welt kontrollieren."

Für Murphy war der Film ebenso eine lehrreiche Erfahrung wie ihre Rolle. "Diese ganze Erfahrung war ein Privileg für mich", setzt sie fort. "Von Anfang an Teil der Produktion zu sein und von Elaine die Spielregeln der Filmproduktion zu lernen - das war ein echtes Geschenk."

Über die Produktion Obwohl die Geschichte in New York und New Jersey spielt, wurde Die Ex-Freundinnen meines Freundes hauptsächlich in der Nähe von Los Angeles gefilmt. Für Szenenbildner Bob Ziembicki war es insgesamt eine der größten Herausforderungen, das sehr heiße, trockene, sommerliche Pasadena in das üppig begrünte New Jersey und den New Yorker Frühling zu verwandeln. Doch die Filmemacher konnten diese Hürde mit ihrer kreativen Wahl einiger Drehorte überwinden.

Den Vorgaben von Regisseur Hurran folgend, vermied Ziembicki bei der Stilgebung des Films die Farbe Blau. "Er hatte das Gefühl, dass der Grundton des Films dadurch sehr warm werden würde, ganz besonders in den Szenen, die in der Nacht spielen."

Die chaotische Natur einiger Schlüsselszenen des Films stellten eine weitere Herausforderung dar. "Es geschahen so viele Dinge gleichzeitig", sagt Murphy. "Dabei waren manchmal ein halbes Dutzend Szenen in einer einzigen, wenn wir die ?Kippie Kann'-Zuschauerreaktionen, den Anheizer und das Bühnengeschehen drehten.

Und als Krönung des Ganzen filmten wir noch den darüber liegenden Kontrollraum und die Figuren, die zu den Leuten unten sprechen und zum Kameramann. Im Hintergrund rannten Emus und Orang-Utans durch den Gang, während Holly und ich eine Szene spielten. Ich habe noch nie an einem Film mitgewirkt, in dem so viele Dinge gleichzeitig passierten."

Es ist auch anzuzweifeln, dass Murphy jemals zuvor eine Szene hatte, in der sie eine gynäkologische Untersuchung über sich ergehen lassen mußste. "Es ist in gewisser Weise faszinierend, wie realistisch die Szene geworden ist", so Hurran. "In der Story entdeckt Stacy, dass eine der Ex-Freundinnen ihres Freundes, Rachel, Gynäkologin ist und vereinbart einen Untersuchungstermin, um sie kennen zu lernen."

"Brittany und ich haben uns sehr schnell gut verstanden", erklärt Rashida Jones, die die Rachel spielt. "Die Szenen hatten so viel Aktion und es mußste so viel getan werden, dass unser Zusammenspiel dadurch viel leichter wurde. Aber es hat auch wirklich Spaß gemacht."

Jedes Mal, wenn Jones unter Murphys Morgenmantel auftauchte, mußste Murphy losprusten. "Aber sie hat es am Ende doch noch geschafft", so Jones.

Eine weitere, unvergessliche Szene war die ausgedehnte "Kippie Kann Show"-Konferenz, in der Vorschläge für neue Themen gesammelt werden. Die Schauspieler ließen sich dazu hinreißen, ihre eigenen hanebüchenen Vorschläge für die Sendung vorzubringen.

"In jeder Aufnahme warfen wir unsere Ideen für die Show in den Raum und hinterher machten wir mit Vorschlägen wie ?Zwerge, die aus dem Ku-Klux-Klan geworfen wurden' weiter", lacht Kevin Sussman.

Jason Antoon hatte einige der originellsten Vorschläge. "Ich dachte mir absurde Dinge aus wie ?80-jährige Jungfrauen' ", erzählt er. "Das war natürlich alles sehr lustig. Weil wir einfach eine Idee ganz automatisch weitergesponnen haben, nachdem wir es ein paar Mal gemacht hatten."

Der Höhepunkt am Ende des Films, in dem fast alle Figuren auf der Bühne der "Kippie Kann Do-Show" zusammenkommen, nahm im Drehbuch fast 15 Seiten ein. "Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass sie so lang ist, als ich sie gelesen hatte", gibt Hurran zu.

"Es passiert so viel in dieser Szene. Es las sich für mich wie einer der Gipfel, die wir erklimmen mußsten. Es stellte sich heraus, dass die Szene auf allen technischen Gebieten höchst anspruchsvoll werden würde. Aber am Ende war es ein großer Spaß."

"Der größte Teil des dritten Akt des Films wird von der sich immer weiter steigernden ?Kippie Kann Do-Show' ausgefüllt, also war es notwendig, dass wir diese richtig festnagelten", so Goldsmith-Thomas. "Nick lieferte eine erstaunliche Arbeit ab, in dem er Dutzende von Kameras auf dem Set dirigierte und dabei tatsächlich eine Fernsehshow innerhalb eines Films inszenierte."

In dieser Szene erweist sich die Moderatorin der Show, die von Kathy Bates gespielt wird, als eine "gefallene Oprah", deren ehemals populäre New Yorker Sendung jetzt von einem Sender aus New Jersey ausgestrahlt wird. Stolz auf ihre erfolgreichen Bemühungen, das Level der Show endgültig in den Abgrund getrieben zu haben, kommen ihr ihre Producer mit so miesen Vorschlägen wie "lesbische Cheerleader-Zwerge" und "Makeover für Schlampen".

Die Produktion kreierte eine perfekt funktionierende Fernsehshow innerhalb eines Films. Die Filmkameras filmten die Fernsehkameras, die das Geschehen auf der Bühne und das Live-Publikum filmten. "Die Fernsehshow ist wie eine weitere Figur des Films. Sie bildete ihre eigene kleine Wirklichkeit ab", so Holly Hunter.

Video Supervisor Dean Striepeke war der "Wizard of Oz", der die Fernsehshow überwachte. "Alles am Set funktionierte letztlich genauso wie bei einem Fernsehsender", sagt Striepeke. "Es war nur ein kleinerer Rahmen und wir hatten nicht so viele Monitore. Wir hatten nicht ganz genau die erstklassige, professionelle Ausrüstung, wie sie Fernsehsender haben. Aber letztlich haben wir genauso gearbeitet."

Fünf Fernsehkameras wurden am Set eingesetzt sowie mehrere Monitore. Hurrans Konzepte für Kippies Set waren von seiner frühen Karriere im britischen Live-Fernsehen inspiriert. "Diese Grundlage", so Ziembicki, "haben wir ?amerikanisiert' und wir fügten noch Elemente hinzu, die das Gefühl vermittelten, dass sowohl Kippie als auch ihr einfacher Sender aus New Jersey schon mal bessere Tage gesehen hatten.

Wir spielten mit der Idee, dass alles hinter den Kulissen des TV-Sets veraltet war, auseinander fiel und/oder nicht funktionierte - was der Tatsache entspricht, dass Kippie und ihre Show nicht mehr in den besten Jahren sind."

"Offensichtlich", setzt er fort, "hat es ziemlichen Spaß gemacht, eine komplette Fernsehshow mit all ihren Elementen hinter den Kulissen zu kreieren."

"Das ?Kippie Kann Do'-Set war wirkliche eine interessante Herausforderung", berichtet Hurran. "Wir mußsten Kippies Welt absolut realistisch wirken lassen. Kippie ist eine Frau, die nicht gerade in Topform ist. Also wollte ich, dass das Studio ein Gefühl der leichten Erschöpfung vermittelt. Von den Fernsehkameras über die Gänge bis zum Kontrollraum sollte alles alt aussehen, als ob es kurz davor wäre, auseinander zu fallen."

So wie die Musik in Stacys Leben wichtig ist, so ist sie es auch für den Film. "Überall im Film war Musik. Jeder hat gesungen", so Murphy. "Das war fantastisch, weil dadurch am Set immer und zu jeder Zeit Musik war."

Was nicht überrascht, da die beliebte Grammy-Preisträgerin und Musikerin Carly Simon eines der Hauptthemen der Story war.

"Ursprünglich gab es keinen ?musikalischen Helden' im Drehbuch", berichtet Goldsmith-Thomas, "aber als wir alle begannen, darüber zu reden, stellten wir fest, dass einige der wegweisenden Songs, die Generationsgrenzen überschritten haben, von Carly Simon stammen.

Da liegt so etwas in ihrer Musik - die Ehrlichkeit, die Leidenschaft, die Komplexität und die Worte - was wie ein Schatzkästchen wunderschöne Emotionen, wunderschöne Geschichten über Leidenschaft, Reue, Liebe, Bedauern und Leid hütet." Besonders hingerissen waren Goldsmith-Thomas und ihre Filmemacher-Kollegen von Simons Song "No Secrets".

"Wir lauschten ihren Worten, und ich dachte: ?Carly Simon hat 1972 einen Song geschrieben, der direkt aus dem Herzen eines Films spricht, den wir 2004 drehen.' Er sagt: ?Was machst du mit den Informationen, wenn du sie einmal hast?' Die Leute behaupten, dass Information Macht ist, aber dann mußs man sich danach richten und immer mit dem Wissen leben, wenn man es einmal hat", erklärt Goldsmith-Thomas. "Mit ?No Secrets' sagt Carly, dass sie sich wünschte, nicht so viel zu wissen. Der Song war eine Hymne, unsere Hymne."

"Als Carly und ich das erste Mal miteinander telefonierten, mußsten wir beide im Laufe des Gesprächs weinen", erinnert sich Murphy. "Wir sind Seelenverwandte. Am ersten Tag, an dem wir uns persönlich begegneten, kam sie in meinen Wohnwagen und wir tanzten zusammen. Wir machten Musik an und tanzten. Ich habe sie schrecklich gern."

Hurran fügt hinzu: "Carly Simon ist eine Ikone für uns alle, genau wie für die Protagonisten der Story. Sie ist die Leitfigur unserer Geschichte. Unsere Charaktere wenden sich an sie, wenn sie Zweifel haben. Carly Simon tatsächlich dabei zu haben, war schrecklich aufregend."

Über die Themen des Films nachdenkend, erklärt Simon: "Ich glaube, es ist ideal, mit jemandem zusammen zu sein, dem man wirklich fast alles erzählen kann. Wenn es da ein dunkles, tiefes, verstecktes Geheimnis gibt, kann man es dieser einen Person hoffentlich anvertrauen. Wenn man das nicht kann, ist es vielleicht eine Form von Betrug, weil man sich nicht wirklich bindet, man erlaubt der anderen Person nicht, wirklich intim mit dir zu sein, ein Teil von dir zu werden."

Wenn Carly Simon die Leitfigur für die Figuren im Film war, dann war Hurran das Leuchtfeuer am Set. "Es ist so großartig mit einem Regisseur am Set zu sein, der seinen Job wirklich liebt", schwärmt Hunter. "Nick genießt die Arbeit mit Schauspielern vollkommen und lässt sich nie von ihnen einschüchtern. Er ist immer entspannt genug, um zuzuhören und beschäftigt sich in wirklich kreativen Gesprächen mit einem einzelnen Moment."

"Nick ist großartig. Er hat die Fähigkeit, ruhig zu bleiben und seine optimistische Haltung in jeder Situation zu bewahren", sagt Livingston. "Und er hat einen britischen Akzent, was meiner Meinung nach für einen Regisseur Pflicht sein sollte. Sie klingen damit, als wüssten sie, was sie tun."

Die Filmemacher hoffen, dass Die Ex-Freundinnen meines Freundes den Zuschauern aus der Seele sprechen wird, wenn sie Stacy und ihren doppelzüngigen Kollegen folgen. "Letztlich handelt dieser Film von einer jungen Frau, die von Zweifeln zerfressen ist", so Schindler. "Und sie entdeckt - erst wenn sie das ganze Chaos durchlebt hat - dass sie die Kraft hat, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen."

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