7 Zwerge - Männer allein im Wald

Ausführlicher Inhalt

Es war einmal ...

... ein Rotkäppchen (Mavie Hörbiger). Genau, richtig gelesen: Ein Rotkäppchen - bei den 7 Zwergen?! Aber warum sollte nicht auch ein Rotkäppchen beim Blumenpflücken hin und wieder einmal vom rechten Weg abkommen und im falschen Märchen landen?


Immerhin trifft sie hier nicht auf den großen bösen Wolf, der in dieser Geschichte nichts, aber auch gar nichts verloren hat (was übrigens auch auf Dornröschen, Ali Baba und Robin Hood, den Rächer der Enterbten und Beschützer von Witwen und Waisen, zutrifft).

Stattdessen kommt Rotkäppchen zu einer steinernen, wenig begangenen Brücke, die über einen silbern schillernden Bach ans andere Ufer führt, wo noch schönere Blumen blühen. Hinein in einen dunklen Wald, der nur so aussieht, als sei er verwunschen. Denn die Wirklichkeit ist viel härter: Tatsächlich leben hier - Tusch! - die sieben Zwerge!

Von denen ist zunächst allerdings noch nichts zu sehen. Erst als sich das herzallerliebste Mädchen nach ihrem beschwerlichen Nachtmarsch ein Bad im lockenden Waldsee gönnen will, taucht der erste Zipfel auf: Er gehört zur Mütze von Bubi (Otto Waalkes).

Bubi ist als Findelkind im Wald aufgewachsen und damit der unbedarfteste aller sieben Zwerge. Er hat solch ein anmutiges Wesen - ganz ohne Zipfel und Mütze! - noch nie gesehen. Er kann seine Entdeckerfreude kaum mehr zügeln, als er von einer riesigen Pranke aus seinen Träumen gerissen wird. Der dazugehörige Bär schlägt mit einem Schrei das Rotkäppchen in die Flucht.

Dann schleift er Bubi zurück ins Zwergenhaus. Dort sind die anderen Zwerge wenig erbaut über die Vorfälle und Bubis urplötzlich erwachtes Interesse am anderen Geschlecht, das er zuvor noch nie zu Gesicht bekommen hatte.

Doch Unkenntnis schützt vor Strafe nicht: Nachdem der Bär sich als Zwergenkollege Tschakko (Mirco Nontschew) in Fell- Verkleidung entpuppt hat, wird Bubi erst einmal an einen eigens angefertigten Stuhl gefesselt ... und gnadenlos durchgekitzelt.

Am nächsten Tag wird, bei einer der vollwertigen, aber nicht immer angemessen geschätzten vegetarischen Mahlzeiten, die von Kochzwerg Cookie (Markus Majowski) gesundheitsbewusst angerichtet werden, Kriegsrat gehalten.

Unterstützt vom ungleichen Brüderpaar Cloudy (Boris Aljinovic) und Sunny (Ralf Schmitz) und dem mit der beängstigenden Geschwindigkeit einer Wanderdüne agierenden Speedy (Martin Schneider) schenkt Zwergenchef Brummboss (Heinz Hoenig) dem neugierigen Bubi reinen Wein ein: "Frauen sind nicht nett."

Sie sind, so führt er weiter aus, vielmehr der wahre Grund für ihre Waldeinsamkeit. dass sich die ungewöhnlichste Männer-WG aller Zeiten überhaupt zusammen gefunden hat, das haben nur Frauen zu verantworten: Jedem einzelnen der anderen Zwerge - und ihm, Brummboss besonders - haben sie einst das Herz so irreparabel gebrochen, dass man schleunigst dafür sorgen müsse, den Zwergenwald als frauenfreie Zone zu erhalten.

Finster entschlossen und doch schon wieder recht gut gelaunt ziehen die Zwerge los ... sie können ja nicht wissen, dass sich längst größeres Unheil zusammenbraut.

Im Schloss der eitlen Königin (Nina Hagen) kann nicht einmal die naturbelassene Ganzgemüsemaske, die der königliche Adjutant und Leibfriseur Spliss (Hans Werner Olm) täglich frisch anmacht, den Argwohn der märchenhaft aufgedonnerten Blondine zerstreuen und auch die Witze die ihr Hofnarr (Atze Schröder) auf Kosten aller Schwarzhaarigen macht, verbessern ihre Laune nicht dauerhaft.

Deshalb, man ahnt es, mußs die berühmte Frage wieder einmal gestellt werden: "Wer ist die Schönste im ganzen Land?"

Als der Zauberspiegel (Rüdiger Hofmann) etwas umständlich antwortet, dass die Königin zwar schön, Schneewittchen (Cosma Shiva Hagen) aber eben noch einmal das entscheidende Quentchen schöner sei, ist der Tag gelaufen.

Vor allem für Spliss, der eigentlich den Auftrag hatte, Schneewittchen um die Ecke zu bringen. Das hat er zwar getan, aber eben nur um die Ecke hinter der das beste Waisenhaus des Königreichs gelegen ist.

Zum Glück hat der Zauberspiegel noch ausreichend Zeit, Schneewittchen vor den erwartbar bösen Absichten der Königin zu warnen. In letzter Minute kann das unschuldig mit ihren Gaby-Puppen spielende Mädchen fliehen - in Richtung Steinbrücke und dunkler Wald.

Dort haben Brummboss und die anderen sechs Zwerge längst ihr Möglichstes versucht, ihren Wald wieder frauensicher zu machen. Doch die Steinbrücke ist nicht kaputt zu kriegen.

Tschakko hat den rettenden Einfall: Ein deutlich gekennzeichnetes Verbotsschild für weibliche Wesen sollte abschreckend genug wirken: "Wir müssen leider draußen bleiben". Mit sich selbst zufrieden, ziehen die Zwerge ab.

Sie können ja nicht ahnen, dass gleich nach ihrem Rückzug Schneewittchen dem Frauenkopf auf dem Verbotsschild einen Bart anmalt und so die Brücke damit ganz legitim überquert. Erschöpft findet die Heimatlose das verlassene Zwergenhaus, das ihr Schutz verheißt.

Die Königin ist natürlich nicht untätig geblieben: Sie hat den bärtigen Jäger (Christian Tramitz) mit der Mission betraut, Schneewittchen lebendig zurück ins Schloss zu bringen: "Denn es gibt etwas Schlimmeres als den Tod."

Der Jäger nimmt mit seinem Bluthund Brutus die Verfolgung auf. Auch das neugestaltete Verbotsschild an der Brücke kann ihn nicht aufhalten. Kurzentschlossen rasiert er sich seinen Vollbart ab und kommt glatt in den Wald, wo er auf Bubi stößt, der zufrieden unter einem Baum schlummert und von Rotkäppchen träumt.

Leider kann Bubi dem Jäger bei seiner Fahndung auch nicht weiter helfen. Dafür stimmt er eine fröhliche Weise für Brutus an, die den Bluthund sofort die Flucht ergreifen lässt, was der Jäger offenbar mitreißend findet.

Die Zwerge kehren nach Erledigung ihres frauenfeindlichen Tagwerks in ihre Hütte zurück - und was finden sie zu ihrem Entsetzen vor: Ein Mädchen. Eine Frau. Ein weibliches Unwesen! Mitten in Speedys Bettchen, mitten in ihrem Schlafzimmer, mitten in ihrem Haus.

Der Super-GAU löst sich in Wohlgefallen auf, sobald Schneewittchen ihre Augen aufmacht. Und als sie dann auch noch ihr schwarzes Haar öffnet, ist es geschehen um die erklärten Frauenhasser. Und zwar so was von total, dass selbst der größte Schauspieler Schwierigkeiten hätte, diese Überwältigung mimisch auszudrücken.

Aber wozu haben Zwerge schließlich Zipfel an ihren Mützen? Allein Brummboss verliert den Verstand nicht ganz und erkennt das Problem: Sieben Zwerge und ein Schneewittchen in einem Haus - unmöglich! Doch Schneewittchen löst auch dies Problem: Aus eins mach zwei - und schon hat jede Partei ihre eigene Doppelhaushälfte.

Das Leben könnte nun so schön sein: Mit einem derart bezaubernden Wesen an ihrer Seite blühen alle auf. Sogar der schwermütige Brummboss ertappt sich dabei, wie er der neuen Mitbewohnerin sein Herz ausschütten möchte. Noch kann er ja nicht wissen, dass ihm Schneewittchen tatsächlich viel näher steht, als jedes andere Mädchen.

Doch lange währt das Glück der Zwerge nicht. Nach dem bedauerlichen Versagen des Jägers erklärt die böse Königin die Beseitigung von Schneewittchen zur Chefsache.

Mit einem ausgesucht fiesen Trick, legt sie Schneewittchen buchstäblich herein - und zwar in einen Tupperwarebehälter, in dem das Mädchen bis zu ihrer endgültigen Bestrafung im Rahmen einer Öffentlichen Verunstaltung konserviert werden soll.

Aber sie hat die Rechnung ohne die Zwerge gemacht. Als die endlich begreifen, was geschehen ist, beschließen sie, ihr Schneewittchen nicht kampflos verloren zu geben.

Bubis Einwand: "Aber wir können doch gar nicht kämpfen!" wird durch härtesten Drill entkräftet. Und gemeinsam machen sich alle Sieben auf den Weg zum Schloss, dem märchenhaftesten Abenteuer entgegen, das jemals in einem Film erzählt wurde.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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