7 Zwerge - Männer allein im Wald

Produktionsnotizen

Die drei Grundgesetze des Zwergseins:

1. Zum Zwerg mußs man geboren sein.

2. Auch Zwerge haben klein angefangen.

3. Doch auf die Größe kommt es gar nicht an.


Zwergendämmerung: Am Anfang war die Zipfelnütze ... Am Anfang war natürlich nicht, wie oben behauptet wird, die Zipfelmütze, sondern eine Idee. Eine Idee, die - nachdem sie erst einmal da war - einen nicht mehr loslassen wollte. Der eine war Otto Waalkes.

Doch da die Vorstellung, nicht nur einen, sondern mindestens sieben komische Hauptdarsteller unter eine Zipfelmütze bringen zu müssen, auf andere Produzenten eher abschreckend wirkte, gingen mehr als sieben Jahre ins Land, ehe diese Idee standesgemäß umgesetzt werden konnte: als zwergenreichster Film der Nachkriegsgeschichte, produziert von Otto Waalkes, Bernd Eilert und Douglas Welbat.

"Wir glauben, die Geschichte der 7 Zwerge zu kennen, aber wir kennen sie natürlich nicht", bestätigt Bernd Eilert - Kodrehbuchautor sämtlicher Otto-Filme - die Absicht, die Wahrheit hinter der märchenhaften Version Gebrüder Grimm schonungslos der aufzudecken.

"Im Märchen werden die Zwerge ja auf wenigen Zeilen stiefmütterlich abgehandelt. Da geht es immer um die böse Königin und das schöne Schneewittchen. Die Damen kommen auch bei uns vor, aber wir erleben sie hauptsächlich aus der Zwergenperspektive. Und was diese Männer allein im Wald getrieben haben, bevor Schneewittchen dazu kommt, während des Zusammenlebens mit Schneewittchen und in der Zeit danach, davon erzählt dieser Film."

"Zwerge sind in Wahrheit gar nicht so klein, wie das irrtümlich geglaubt wird", behauptet Regisseur und Comedy-Spezialist Sven Unterwaldt, der etwa ein halbes Jahr nach der Genese des Projekts zum Kern des Kreativteams stieß, um fortan gemeinsam mit Otto und Bernd Eilert an allen weiteren Fassungen des Drehbuchs zu feilen, wobei er zum ausgewiesenen Zwergen-Experten heranwuchs.

"Das ist ein altes Vorurteil, das wir mit diesem Film ein für allemal widerlegen. Zwerge sind äußerlich erwachsene Männer, nur innerlich sind sie klein geblieben, eben Kinder. Wir zeigen sieben Exemplare dieser Spezies in unserem Film, die beschlossen haben, dass es nichts besseres gibt als ein Pfadfinderleben, das man zurückgezogen, fernab der Zivilisation in einem einsamen Haus im Wald führt - vor allem ohne Frauen. Jeder hat seine Gründe, doch keiner dieser Gründe rechtfertigt das gemeinsame Vorurteil: dass letztlich nur Männer allein richtig gut miteinander auskommen können."

Was Joanne K. Rowling für die Welt der Zauberkünstler und Isaac Asimov für die Welt der Roboter ist oder J.R.R. Tolkien für die Welt der Hobbits, ist Sven Unterwaldt auf dem Gebiet des Zipfelmützentums.

Ein Spezialgelehrter, der sich seiner pädagogischen Mission stets bewusst ist: "Im Film lernen wir erstens: Zwerg sein ist eine Lebenseinstellung. Zweitens: Nicht jeder kann Zwerg sein. Drittens: Zum Zwerg mußs man geboren sein."

Und lachend fügt er hinzu: "Diese sieben Zwerge haben sich entschlossen, ohne Frauen leben zu wollen - weil das möglich ist. Natürlich handelt es sich dabei um einen Trugschluss, denn in unserem Film gibt es ja auch noch ein Schneewittchen.

Wie im Originalmärchen flieht Schneewittchen vor der bösen Stiefmutter in den Wald und stellt dort die Männer-WG gehörig auf den Kopf. Wenn eine Frau auftaucht, drehen alle durch, und es ist natürlich alles ganz anders, als man sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben hat."

Bernd Eilert erklärt sich die urplötzliche Umwertung aller Werte im nicht mehr ganz einsamen Wald so: "Die Zwerge glauben, wie eigentlich alle Männer, an die große Männerlüge, dass Mann ohne Frauen glücklicher sei. Früher hat Mann dafür Kriege geführt.

Heute sprechen wir von Aussteigern, die diese Lüge überleben lassen. Sie hat allerdings nur genau so lange Bestand, wie keine Frau in den Männerbund eindringt. Wenn es dann doch passiert, und die Frau auch noch reizend ist, mußs Mann sich seine Lebenslüge eingestehen.

Und die Zwerge sind eben auch nur Männer und machen, was alle Männer machen würden: Sie folgen ihrem Beschützertrieb, das heißt, sie laufen dieser Frau nach, und bringen sie bei dem Versuch, zu beweisen, dass sie als Männer doch nützlicher sind, als man glaubt, in Schwierigkeiten Und gerade Zwerge haben so ihre Schwierigkeiten, wenn es dann gilt, vernünftig und zielgerichtet zu handeln, um ihre Fehler wieder gutzumachen.

Aber ich kann verraten: Die Sache geht trotzdem nicht ganz schlecht aus."

Ich, Zwerg: Starauftrieb im dunklen Wald Den großen Unterschied zum konventionellen Märchenfilm macht jedoch nicht einfach der schiere Zwergenreichtum - in 7 Zwerge gibt es sogar noch einen achten Aspiranten - sondern in dem guten Vorsatz, jede einzelne Rolle mit einem hochkarätigen Komik- oder Schauspiel-Ass zu besetzen und die Rolle dann auf ihn zuzuschneiden.

Das Ergebnis ist eine Art All-Star-Zipfelmützen-Revue, bei der man wahlweise aus dem Staunen oder Lachen oder beidem nicht mehr herauskommen sollte. "Die Grundidee war die, dass Otto einen Film nicht mehr ganz allein tragen, sondern im Rahmen eines Ensembles auftreten wollte", berichtet Douglas Welbat.

"Von Anfang war es Teil des Konzepts, dass sämtliche Rollen mit Topnamen besetzt werden, einer Art Hochleistungsschau der deutschen Comedyszene." Das erwies sich in verschiedensten Stadien der Produktion als Crux des Unternehmens, angefangen mit dem Verfassen des Drehbuchs, als Otto und Bernd Eilert sowie später Sven Unterwaldt noch gar nicht genau wissen konnten, wer ihr Konzept am Ende umsetzen würde."

So bestätigt Bernd Eilert: "Zunächst haben wir die Rollen verteilt, weil wir ja nun einmal auf sieben Zwerge festgelegt waren. Dann erst haben wir geschaut, wer jeden einzelnen Zwerge spielen könnte. Mit denen, die dazu bereit waren, haben wir uns unterhalten, wie sie sich ihre Rolle vorstellten.

Dabei mußsten wir genau darauf achten, dass sich die einzelnen Charaktere nicht überschneiden. Am Ende ist dann ein großer männlicher Charakter herausgekommen, dessen einzelne Seiten von den sieben Zwergen repräsentiert werden. Ich denke übrigens, dass sich nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder in einem oder mehreren Zwergen mühelos wiedererkennen können.

Darüber hinaus haben wir ja auch noch die böse Königin und Schneewittchen zur Identifikation anzubieten, zumal wir mit Nina Hagen und ihrer Tochter Cosma Shiva Hagen die Idealbesetzungen gefunden haben. Von Atze Schröder als Hofnarr, Hans Werner Olm als Leibfriseur, Christian Tramitz als Wilder Jäger oder Norbert Heisterkamp als Achter Zwerg gar nicht zu reden."

Und Sven Unterwaldt gibt mit ernstem Blick zu Protokoll: "Ich hatte eigentlich vor, einen Film zu machen, in dem ich ein paar Newcomern eine Chance gebe, von denen man noch nie etwas gehört hat."

Ääääääh, wie bitte? "Quatsch", lacht er augenzwinkernd und fährt fort: "Ich bin froh, dass wir diese unglaubliche Besetzung versammeln konnten. Es war von vornherein Teil des Konzepts: In anderen Filmen gibt es einen Hauptdarsteller, der viele verschiedene Charaktereigenschaften auf sich vereint. Wir haben all die unterschiedlichen Wesenszüge einfach auf sieben Figuren verteilt."

Deshalb könne man auch kaum von einem klassischen Otto-Film sprechen: "Es ist ein Ensemblefilm, in dem sieben Personen eigentlich einen Charakter spielen und jede Person eine Charaktereigenschaft besitzt. Daher war es wichtig, dass alle Sieben entsprechend besetzt sind, so dass jeweils ein einzelner Charakterzug betont wird.

Und genauso wichtig war es für die Umsetzung, sieben hochkarätige Comedians zu finden, die sich gegenseitig ergänzen und einander das Wasser reichen können. Die Figuren sind letztlich tatsächlich so besetzt, wie wir sie beim Schreiben im Kopf hatten.

Wir hatten von der Besetzung bestimmte Wunschvorstellungen und waren dann doch sehr froh, dass wir fast uns alle erfüllen konnten. Meistens war es auch echt nicht so schwer, unsere Kandidaten davon zu überzeugen, bei dem Film mitzumachen... Von daher haben die Dreharbeiten auch sehr viel Spaß gemacht.

Als Regisseur hatte ich da gar nicht mehr so viel zu tun, weil die einzelnen Darsteller bereits sehr genau auf die Rollen passten. Dazu kommen noch ein paar Cameo- und Überraschungsauftritte. Ich glaube, das ist noch einmal ein Extravergnügen, wenn man auf der Leinwand das eine oder andere Gesicht unerwartet wiedererkennt."

"Es gibt eine strenge Hierarchie unter den Zwergen", verrät Bernd Eilert die letzten noch bestehenden Geheimnisse der Kommune Z. "Da wäre zunächst der Ur-Zwerg, der Initiator der Wohngemeinschaft: Brummboss, dargestellt von Heinz Hoenig, der dann und wann schon einmal ein Machtwort spricht.

Nicht immer das richtige, aber immerhin mit soviel Macht, dass es auf die Zwerge eine mäßigende Wirkung hat. Er kann sie ganz gut in Zaum halten, wenn der eine oder andere einmal das Bedürfnis nach einem Alleingang verspürt.

Dann gibt es wie in jeder WG einen, der für die Ernährung zuständig ist: Cookie, der Kochzwerg, gespielt von Markus Majowski. Der hat so ein bisschen die Mutterrolle. Er sorgt sich ständig, vor allem darum, dass einer zu weit weg laufen und nicht rechtzeitig zum Essen zurück sein könnte. Und dann gibt es fünf sehr unterschiedliche Kinder, wenn man den Gedanken in dieser familiären Terminologie weiterführen will.

Da haben wir den stets gut gelaunten Sunny, dargestellt von Ralf Schmitz, womit er vor allem dem stets schlecht gelaunten Cloudy, alias Boris Aljinovic, auf die Nerven geht, den stets etwas zu spät schaltenden Speedy, interpretiert von Martin Schneider, den immer zu Kampf und Chaos aufgelegten Tschakko, gespielt von Mirco Nontschew, und schließlich den kleinsten Zwerg, der am wenigsten vom Leben außerhalb der WG mitbekommen hat, nämlich gar nichts: Bubi, die Unschuld vom Walde. Das ist natürlich Otto. Bubi hat tatsächlich sein ganzes Leben im Wald verbracht. Wie er da gelandet ist, wird natürlich erklärt."

Die Schauspieler wurden auf unterschiedlichste Weise rekrutiert und von den Produzenten gnadenlos fremdbestimmt - so sehen das zumindest die Schauspieler. Mirco Nontschew erinnert sich beispielsweise: "Ich durfte mir die Rolle nicht aussuchen. Mir wurde der Kampfzwerg aufgedrängt, was mir aber sehr recht war, weil ich ja auch in meinem privaten Leben gerne kämpfe. Im Film kämpfe ich und fuchtele herum und motiviere die anderen, das verschleppte Schneewittchen zu befreien. Ich versuche, im militärischen Bereich etwas Disziplin reinzubringen."

Mavie Hörbiger, die sich als Rotkäppchen eben mal so ins falsche Märchen verirrt, wurde ebenfalls hart bedrängt: "Ich war auf dem Deutschen Filmpreis, da stürmte Otto auf mich zu. Er war ganz aufgeregt und sprach ganz schnell und erzählte mir, dass sie ein Drehbuch für eine Märchenparodie hätten, in dem es eine kleine Rolle für mich gäbe, sich aber nicht getraut hatten, es mir zu schicken.

Er wollte unbedingt, dass ich das Rotkäppchen spiele. Weil er aber so schnell und durcheinander sprach, verstand ich erst einmal überhaupt nicht, was er wollte. Zuhause habe ich dann das Drehbuch gelesen, und Otto rief eigentlich täglich an und bettelte mich an, dass ich schließlich weich wurde. Da steckt soviel Herzblut drin, dass man einfach nicht Nein sagen konnte."

"Nein" kann man vor allem dann nicht mehr sagen, wenn man die Interpretation von Martin Schneider alias Zwerg Speedy hört (auf Hessisch und sehr, sehr langsam): "Die Rolle passt zu mir, weil ich von Natur aus ein rasanter Typ bin. Ich bin einer der sieben Zwerge.

Also gibt es noch sechs andere Zwerge, die haben alle andere Namen und einen anderen Charakter. Nicht alle sind so groß wie ich. Schneewittchen spielt auch mit. Und ich verrate ein Geheimnis: Rotkäppchen spielt auch mit. Das Märchen kommt ja eigentlich aus Frankreich, wo es "Le petit chaperon rouge" heißt. Das hört sich nach "Moulin Rouge" und sehr erotisch an.

Und Erotik spielt auch bei uns eine große Rolle. Schneewittchen spielt ja eben auch mit: Cosma Shiva Hagen - das ist sehr aufregend, wenn man mit ihr zusammen arbeitet. Es ist nicht ganz so wie im Original, das stimmt."

dass es sich bei den Zwergen um enttäuschte Romantiker handelt, kann er bestätigen: "Wir sind alle enttäuschte Romantiker. Wir haben alle unsere Erfahrungen mit Frauen gemacht und sind auf die Fresse gefallen. Als Männer allein im Wald kommen wir ganz gut zurecht, bis das Schneewittchen auftaucht. Da kommt der Romantiker ins uns wieder zum Vorschein. Und wir erleben Abenteuer."

Abenteuer Zwergenfilm: Verwunschene Pfade zur ersten Klappe Stichwort Abenteuer: Mehr als abenteuerlich war die Reise bis zu dem Moment, an dem man die Schauspieler überhaupt erstmals versammeln konnte. Aber wer einen Film nach einem Stoff der Brüder Grimm drehen will, der glaubt auch an Wunder. Die waren nämlich vonnöten, um das Projekt überhaupt realisieren zu können.

Angesichts des unkonventionellen Themas ist es nicht verwunderlich, dass man auch hier ungewöhnliche Wege ging. Das begann mit der Entscheidung von Otto Waalkes und Bernd Eilert, den Film selbst zu produzieren, und setzte sich mit der Wahl des ausführenden Produzenten fort, der ihnen dabei helfen sollte. Denn Douglas Welbat hatte vor 7 Zwerge noch keinen einzigen Spielfilm produziert.

"Richtig, einen Film dieser Größenordnung hatte ich noch nicht gestemmt", bestätigt er. "Aber als Produzent - von Theaterstücken bis Fernsehen - bin ich seit meinem 18. Lebensjahr tätig. Mein ganzes Leben ist damit durchsetzt, dass ich Dinge organisiert habe, zumeist mit wenig Geld und denkbar großem Effekt.

Von daher ist 7 Zwerge zwar Neuland für mich, weil ich noch nie in dieser Dimension gearbeitet habe. Aber ich habe im Lauf der Jahre ausreichend Dinge organisiert, die mich ideal auf diese Aufgabe vorbereitet haben. Nicht zuletzt, weil ich mich 1997 mit einem Freund entschlossen hatte, eine Produktionsfirma in Leben zu rufen, und nach Amerika gegangen bin.

Wir waren zugegebenermaßen glücklos mit unseren redlichen Versuchen, eine internationale Produktion gebacken zu bekommen. Das waren schmerzhafte Erfahrungen, aber ich habe dabei mehr gelernt, als wenn alles glatt gelaufen wäre.

Wer 30 Finanzierungen und Businesspläne auf die Beine gestellt hat, Diskussionen mit 30 verschiedenen Banken geführt hat, mit 30 Sales-Agenten und Weltvertrieben verhandelt hat, dem kann keiner mehr was vormachen. Es war eine ernüchternde und perfekte Schule, sodass ich nach meiner Rückkehr nach Europa sicher war, dass es nur noch bergauf gehen könnte."

Der Weg bergauf - und zwar buchstäblich bergauf, denn das bedeutet ja auch: beschwerlich und mühsam - begann im Sommer 2002. Welbat erzählt: "Otto suchte nach einem Produzenten, der zweierlei Qualitäten mitbringen sollte. Er mußste ein derartiges Projekt stemmen können.

Und er sollte ihn soweit unterstützen, dass er den Rücken frei hatte, um seine Kreativität zu entfalten. Man darf nicht vergessen: Als mich Otto im Juli 2002 fragte, ob ich ihm als Produzent bei 7 Zwerge zur Hand gehen wollte, gab es effektiv nichts außer dem Willen, mit dem Dreh im Sommer 2003 zu beginnen.

Es gab kein Geld, es gab keine Besetzung, es gab kein Drehbuch, obwohl Otto und Bernd Eilert mit der Idee für den Film schon seit einigen Jahren schwanger gingen. Was es gab, war die Idee und eine klare Ansage: Wir wollen das machen - kannst Du das?

Mir war klar, dass man bei diesen Voraussetzungen unmöglich verlieren konnte und sagte zu. Das war meine Chance, von der Kreis- in die Bundesliga aufzusteigen - ein arrivierter Produzent hätte ein solches Projekt - zu Recht - nicht mit der Kneifzange angefasst."

Welbat hatte weniger Berührungsängste, zumal der Film voll und ganz seinem Credo als Produzent entsprach: "Ich will deutsche Filme machen, die man international verkaufen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass es Geschichten gibt, die nur wir richtig erzählen können, aber die gleichzeitig so universell sind, dass sie überall Spaß machen.

Genau das habe ich in 7 Zwerge gesehen. Da sind sieben Hauptfiguren mit einem großen Herzen, die nicht lange nachdenken, sondern die Dinge in die Hand nehmen. Wenn sie traurig sind, weinen sie. Wenn sie glücklich sind, lachen sie. Wenn sie Spaß haben, haben sie Spaß. Wenn sie kämpfen wollen, kämpfen sie. Sie sehen das Leben nicht kompliziert.

Und das prallt hier auf die Kompliziertheit der Welt, die Eitelkeit der bösen Königin. Das Konfliktpotenzial ist geradezu klassisch. Mir war klar, dass das mit den beteiligten Personen ein Film sein wird, der Spaß macht. Und das über die deutschen Grenzen hinaus."

Bis dahin war jedoch eine gehörige Strecke zurückzulegen, die keinen Deut weniger gefährlich und trügerisch war wie die Abenteuer der 7 Zwerge selbst.

Aber Produzent Welbat wusste, was zu tun war: "Ich habe einen Zeitplan aufgestellt, wann Treatment und Drehbuch vorzuliegen hatten, wie teuer der Film werden dürfte, wie man den Film finanzieren könnte. Und dann habe ich das in die Tat umgesetzt."

Was so kurz und knapp dahingesagt ist, war natürlich harte, Nerven aufreibende Arbeit, die der Produzent augenzwinkernd umschreibt: "Wenn der Film geplatzt wäre, könnte ich wahrscheinlich mit dem Buch über die Produktion des Films Geld verdienen."

"Ohne die nachhaltige Unterstützung der Filmstiftung NRW, von FFA und FFF Bayern hätte der Film niemals entstehen können, auch wenn wir im Falle der FFA noch einmal nachfassen mußsten. Zunächst einmal habe ich mit Universal einen Distributionspartner gefunden.

Universal und Telepool haben für die Basisfinanzierung gesorgt. Weil sich der Film im Verlauf der Zeit als teurer als erwartet erwies, mußsten noch einmal weitere Mosaiksteine hinzugefügt werden. So kam der VIP Medienfond als Koproduktionspartner mit an Bord. Es heißt, die letzte Million sei immer die schwerste. Nach 7 Zwerge kann ich sagen: Das stimmt."

Und doch geschah das Wunder: Der Film nahm Gestalt an. "Zweifel darf man bei einem solchen Projekt nicht haben", sagt Welbat bestimmt. "Wir haben uns im Juli 2002 zu dem Projekt entschlossen und nicht ganz ein Jahr später mit dem Dreh angefangen.

Wenn man da nicht einhundertprozentig an das Unterfangen glaubt, kann man einpacken. Dann hat man keine Chance. Es gab einen Knackpunkt, zu Weihnachten 2002, als ich die Unterschriften für die ersten größeren Summen zur Produktion in der Tasche hatte.

Da wusste ich, es wird einen ersten und es wird einen letzten Drehtag geben. Mir war auch klar, dass es eng werden würde, dass es hart werden würde, dass man neue Wege beschreiten und dass man improvisieren und spontan sein müsste. Aber ich wusste: Diesen Film, den werden wir machen."

Zwergendompteur: Wer bringt den Zipfelmützen Manieren bei? Ein weiterer entscheidender Schritt auf dem Weg zur Realisierung von 7 Zwerge war die Verpflichtung von Sven Unterwaldt als Regisseur. Ein Glücksgriff. "Er hat sich aus mehreren Gründen regelrecht aufgedrängt", meint Produzent Douglas Welbat.

"Sven hat in den letzten 20 Jahren mit sämtlichen Comedians im Cast schon gearbeitet. Comedians sind sehr eigene Charaktere. Alle arbeiten unterschiedlich. Die Arbeit mit Comedians ist also noch einmal etwas ganz anderes als die Arbeit mit Schauspielern - die Methoden sind völlig unterschiedlich.

In Deutschland gibt es einfach nicht so viele Regisseure, die auf derart viel Erfahrung im Umgang mit Comedians zurückblicken können."

Tatsächlich hatte Welbat den Filmemacher schon länger genau beobachtet: "Ich verfolge Svens Karriere seit Anfang der 80er Jahre. Sein Debüt, "Wie die Karnickel", fand ich ausgesprochen beachtlich, speziell wenn man die Entstehungsgeschichte dieses Films kannte.

Neben Sven wären also von vornherein höchstens zwei oder drei andere überhaupt für die Aufgabe in Frage gekommen. Aber keiner wäre besser gewesen. Ich bin froh, dass die erste Wahl nicht nur die beste war, sondern auch Zeit und Lust hatte."

"Es gibt die Generation Golf. Ich gehöre zur Generation Otto", erklärt der Regisseur. "Ich bin mit ihm aufgewachsen. Und da ist es eine besondere Freude, mit ihm arbeiten zu können, zumal an einem derart unterhaltsamen und witzigen Projekt. Wir haben dasselbe Verständnis von Komödie und Humor."

Mit Unterwaldt an Bord nahm das Projekt nicht nur Fahrt auf, sondern auch Form an, als man gemeinsam in Florida das Drehbuch noch einmal überarbeitete und in eine verfilmbare Fassung brachte. "Erfreulich war, als Regisseur Sven Unterwaldt dazu kam, der mit geschultem Blick sagen konnte, was umsetzbar wäre und was nicht. Es hat sich alles ganz gut ergänzt."

Douglas Welbat bestätigt diese Sicht: "Es war eine enge Zusammenarbeit, wobei sich feststellen ließ, wie der Regisseur das Projekt mehr und mehr zu dem seinen machte. Das ist wichtig und richtig so, zumal sich Sven als kongenialer Otto-Versteher erwies und dessen Einfälle perfekt in einen filmischen Kontext setzte."

Zwergenauftrieb: Märchenhafte Zeiten im All-Wetter-Wald Kopfzerbrechen bereitete den Filmemachern indes ein ganz anderes Problem: Nicht Absagen, sondern die begeisterten Zusagen der angefragten Schauspieler erwiesen sich als Crux. Denn es war eine Sysyphus-Arbeit, sie zur selben Zeit zum selben Drehort zu kriegen.

"Es war nicht schwierig, sie vom Mitmachen zu überzeugen", sagt Produzent Welbat. " Da hat es schon sehr geholfen, dass Otto der Star war. Er ist der All-Time-Star unter den deutschen Comedians. Es gibt keinen Menschen, der ihm je ernsthaft böse sein kann, weil er so authentisch ist. Schwierig war die Koordination, unseren Drehplan mit ihrem Terminplan zusammen zu bringen."

Die Lösung war die Verlegung des kompletten Drehs in ein Studio, was zwar die Kosten hochtrieb, aber auch gewährleistete, dass man tatsächlich immer zum geplanten Termin drehen konnte. Sven Unterwaldt erklärt: "Wir haben zwei riesige Studios in Köln-Ossendorf angemietet.

In einem Studio wurden der Wald, die Brücke, der Wasserfall, also alles, was zur Zwergenwelt gehört, aufgebaut, in dem anderen das Schloss der bösen Königin. Der Dreh im Studio hatte mehrere Gründe. Zum einen reizte uns der Studiolook, weil wir eine Märchenwelt schaffen wollten, wie es sie in der Realität nicht geben kann, die etwas Magisches hat.

Ich bin ein Fan der alten russischen und tschechischen Märchenfilme und wollte diese Stimmung in unseren Film übernehmen. Es war aber auch und vor allem eine logistische Frage.

Aufgrund der Besetzung und der knapp bemessenen Drehzeit unserer Darsteller hatten wir keinen allzu großen Spielraum. Da bot sich ein Dreh im Studio einfach an, weil man da in keiner Weise vom Wetter abhängig ist."

Produzent Welbat unterstützt die Aussage seines Regisseurs nachdrücklich - ihn als Chef der Finanzen hätten etwaige Drehverzögerungen am schwersten getroffen: "Nur so war es möglich, den Film überhaupt zu realisieren. Angesichts der ohnehin beinahe unvereinbaren Terminpläne unserer Stars wäre es ein Desaster geworden, wenn wir in einem echten Wald gedreht hätten, wo wir den Gewalten der Natur ausgesetzt gewesen wären.

Wenn nur ein Termin durcheinander gekommen wäre, hätten wir den Laden dicht machen können. Ich mußste sieben Hauptdarsteller 28 Tage beieinander haben. Das konnte ich nur durch einen Studiodreh gewährleisten."

Unterwaldt erinnert sich mit Schaudern: "Wir haben ein bisschen geschwitzt, um den Drehplan hinzubekommen. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass das einfach war. Aber wenn man dann eine solche Besetzung vorweisen kann, nimmt man diese Mühen letztlich gern in Kauf."

Er weist aber auch auf gewisse Probleme hin, die er aufgrund des Studiodrehs zu bewältigen hatte: "Natürlich hat das zur Folge, dass man etwas ideenreicher arbeiten mußs. Im Grunde ist es ja so, dass man effektiv immer die gleiche Stelle abfilmt. Also mußs man sich etwas einfallen lassen, damit alles immer frisch und unbenutzt aussah."

Sein Fazit ist dennoch positiv: "Die Studioproduktion hat allen gut gefallen, weil man sich auf das Spiel konzentrieren konnte. Man mußs dabei nicht auf Wolken warten, man hat immer das richtige Anschlusslicht.

Ich mußs mich an dieser Stelle auch noch einmal sehr bei meinem Kameramann Jo Heim bedanken, weil er mit seinem Lichtzauber stark zum märchenhaften Charakter des Films beigetragen hat. Ihm ist es wunderbar gelungen, gerade die Zwerge immer in einem schön anzusehenden Lichtkegel zu fotografieren."

Überhaupt stellte sich das befürchtete Durcheinander, wenn man sieben Comedians und ein paar Gäste am Set hat, nicht ein. "Keiner wird mir das glauben: Der Dreh war eine Riesengaudi", sagt Unterwaldt. Und das meint er ernst. "Jeder hat im Vorfeld gedacht - und da beziehe ich mich selbst mit ein - dass das totale Chaos zu erwarten wäre, wenn so viele Comedians aufeinander treffen.

Man erwartet, dass es Grabenkämpfe gibt oder Wettstreitereien, wer denn nun der Komischste sei. Das gab es bei uns aber überhaupt nicht. Alle hatten verstanden, dass keiner dem anderen etwas wegnehmen würde, sondern im Gegenteil: Es konnte alles nur dann gut funktionieren, wenn man gut zusammen spielen würde. Ich spreche nicht von ungefähr von einem Ensemblefilm.

Die Darsteller haben das nicht nur wunderbar verinnerlicht, sondern auch umgesetzt. Es war viel einfacher, als ich es im Vorweg gedacht hatte. Ich hatte Angst, ich müsste den Einpeitscher geben, bei so viel geballter Comedy-Power. Aber es war einfach nur harmonisch, ein wunderbarer Dreh."

Auch von Schauspielerseite findet man Bestätigung für Unterwaldts Sicht, wie Mirco Nontschew erklärt: "Anfangs dachte ich, das sei so etwas wie ein Heim für schwer erziehbare Kinder, aber dann hat es sich ganz kuschelig entwickelt.

Wir waren am Schluss sehr traurig, Abschied zu nehmen. Wir sind eine richtige Gemeinde geworden, in einem kleinen Dorf in einem kleinen Wald in einem kleinen Studio irgendwo in Köln. War schon verrückt."

Obwohl man einschränkend sagen mußs, dass manche Darsteller von dieser geballten Comedian-Power etwas überrollt wurden. Mavie Hörbiger: "Es war irre anstrengend. Diese sieben Zwerge haben einen förmlich in den Wahnsinn getrieben. Einer redete schneller als der andere. Und man saß dazwischen und wusste gar nicht recht, wie einem geschieht. Aber es war natürlich auch irre lustig."

Eine ganz feine Balance war nötig, um die Szenen funktionieren zu lassen. Sven Unterwaldt sagt: "Mein ureigenstes Interesse war es, die Leute nicht zu verbiegen. Das ist klar. Das Bühnen-Alter-Ego der einzelnen Comedians wollte ich natürlich fördern. Da sollten keine neuen Charaktere erfunden werden. Die Darsteller sollten das im Film umsetzen, was man von ihnen kennt und was man an ihnen mag - aber all dies im Rahmen einer neuen Rolle.

Den ersten Schritt dahin machten wir bereits im Drehbuch. Aber dann ist es natürlich auch so, dass man als Zuschauer und Fan der Bühnenfiguren, zu denen ich mich selbst auch zähle, sehr genau weiß, wie man seine Stars gerne sehen möchte. Daher konnte ich sie auch absolut in ihrem Sinne inszenieren."

Humor ist, wenn man die Zipfelmütze trotzdem aufsetzt Obwohl Otto Waalkes betont, dass es sich eben nicht um einen Otto-Film, sondern einen Zwergen-Film handelt und er sich bewusst und gezielt in die Gruppe der Comedians eingliederte, war er doch Dreh- und Angelpunkt der Unternehmung.

"Otto ist für den Film immens wichtig", erklärt der Regisseur. "Er hat schon allein deswegen eine Sonderstellung, weil er Autor und Produzent des Films ist - und Vater des Projekts. Die Grundidee hatte er mit seinem Autor Bernd Eilert schon vor längerer Zeit. Da ist klar, dass er auch Motor des Ganzen ist.

Mich hat beeindruckt, dass er sich als Darsteller trotzdem harmonisch in das Ensemble eingefügt hat. Als Produzent wäre es ihm ein Leichtes gewesen, sich eine exponierte Rolle vor der Kamera zu verschaffen. Ihm war klar, dass der Witz des Films eben genau darin besteht, dass alle mehr oder weniger gleichberechtigt sind.

Die Komik entsteht sehr häufig dadurch, dass alle als Gruppe, als Masse agieren und reagieren. Die Gruppenchoreographie ist der Schlüssel zum Gelingen des Films. Und da hat Otto einen absolut fabelhaften Riecher."

Dennoch gab er sich mit der Figur des unschuldigen und unbedarften Zipfelmützen-Juniors Bubi zufrieden. Natürlich entsprach sie ganz seinem Wesen, wie Koautor Bernd Eilert betont: "Die Elemente, die man an Otto kennt und die eher der kindlichen Natur von uns allen entsprechen, sind in Bubi sehr konzentriert zu finden.

Die erwachseneren Elemente, die in der Figur Otto ja durchaus auch vorhanden sind, werden dagegen eher auf die anderen Zwerge verteilt, womit Otto ein wenig entlastet wurde und sich auf das konzentrieren konnte, was er auch gut kann, nämlich unschuldig und naiv sein."

Entsprechend begeistert und geehrt waren die anderen Comedians, die neben ihm in 7 Zwerge auftreten durften. Martin Schneider berichtet (auf Hessisch und sehr, sehr langsam): "Otto spielt auch mit. Für mich ist das ganz besonders schön. Er war immer schon ein Idol. Und auf einmal stehe ich neben ihm und bin ein Zwerg wie er. Das hätte ich nie gedacht."

Das Zipfelchen auf der Mütze: Die Musik von Joja Wendt Ein unkonventionelles Projekt wie 7 Zwerge mit seiner unkonventionellen Story, unkonventionellen Entstehungsgeschichte, unkonventionellen Besetzung und seinem unkonventionellen Produzenten gibt sich sicherlich nicht damit zufrieden, einfach einen beliebigen Filmkomponisten zu engagieren. Wie wäre es denn auch auf diesem Gebiet mit einer vielleicht etwas unkonventionellen Wahl?

Kein Problem. Der international gefeierte Pianist und Multitalent Joja Wendt erhielt die Chance, sich erstmals in seiner erstaunlichen Karriere auch als Filmkomponist zu verdingen und seinen ersten Score zu schreiben. "Ich war von André Rieu zu einem Fernsehspecial des ZDF eingeladen worden, der mit mir den Hummelflug spielen wollte", erinnert er sich.

"Bei diesem Event lernte ich Otto kennen. Später saßen wir zusammen und nach ein paar Getränken fragte er mich gerade heraus, ob ich Lust hätte, die Musik für 7 Zwerge zu machen. Ich antwortete ihm: Habe ich zwar noch nie gemacht, aber ich mache Dir mal zwei Layouts. Das habe ich umgesetzt - und alle Beteiligten waren davon so begeistert, dass ich die komplette Musik komponiert habe."

Zunächst sah es für ihn nach einer Aufgabe aus, die zwar eine echte Herausforderung sein würde, der er sich aber unbedingt mühelos gewachsen fühlte: "Das Genre war natürlich vorgegeben. Dazu passte meine musikalische Ausrichtung und Vorbildung - zu all den schönen orchestralen Märchenthemen. In diese Richtung habe ich komponiert."

Dann warteten die ersten Überraschungen. "Ich war mir tatsächlich gar nicht bewusst, wie viel Arbeit da auf mich zukommen würde. Ich bin von 45 Minuten Musik ausgegangen, was grundsätzlich ziemlich viel ist für einen 90-minütigen Film.

Am Ende waren es 65 Minuten Musik. Das hängt mit einer interessanten Entwicklung zusammen. Früher hat man mit Musik Spannung erzeugt. Heute wird Spannung angekündigt, wenn die Musik aussetzt und es still bleibt."

Dabei konnte er auf die Unterstützung aller Beteiligten bauen. "Otto ist ungeheuer musikalisch und hat sich entsprechend stark eingebracht. Gerade in der Anfangsphase haben wir uns ausgetauscht. Wir wohnen nicht weit voneinander entfernt und haben gemeinsam Ideen entwickelt.

Oft hat er mir Einfälle auch einfach am Telefon vorgesungen. Das war ganz wichtig. Er gehörte ja zu den Leuten, die eine klare Vision von dem Film hatten. Entsprechend war ich auf sein Input angewiesen. Allerdings hat er sich in der Schlussphase zurückgezogen. Da hat er ganz stark auf Sven Unterwaldt gesetzt. Er hat uns einfach vertraut und war dann auch vom Ergebnis sehr angetan."

Unterwaldt erwies sich als Fels in der Brandung, auch wenn Wendt zwischendrin zu verzweifeln drohte: "Was mir sehr geholfen hat, war Sven, der eine sehr klare Vorstellung davon hat, was er haben will. Er konnte mir die entsprechenden Beispiele vorlegen, was eine unglaubliche Entlastung dargestellt hat. Sehr stolz bin ich darauf, dass ich mit meiner Musik ein paar Facetten in den Film bringen konnte, die vorher gar nicht so klar gewesen waren."

Die Aufgabenstellung war klar, aber deshalb nicht weniger kompliziert. "Verschiedene Baustellen waren wichtig", erklärt Joja Wendt. "Es mußste Musik komponiert werden, zu der gedreht wurde. Das ist eigentlich die einfachere Aufgabe, denn diese Arbeit ist ziemlich frei. Schwieriger wird es, wenn man später auf Bild komponieren mußs.

Das ist eine fast mathematische, sehr exakte Aufgabe. Aber vielleicht habe ich es mir insgesamt auch schwerer gemacht als nötig, weil mir die Erfahrung auf diesem Gebiet bislang gefehlt hat."

Er fährt fort: "Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass der Film inhaltlich in zwei Welten - dem Wald und dem Schloss - spielt, die sich entsprechend in der Musik spiegeln müssen. Man mußs also zwei gegensätzliche Atmosphären erzeugen, die sich dann später wieder treffen.

Die Schloss-Szenen halte ich also eher in der dunklen Tonart, C-Moll, bewusst plakativ komponiert, während die Zwergenwelt unbeschwerter und leichter ist, mit tänzelnden Flöten usw. Jeder Zwerg erhielt auch seine eigene Orchestrierung und sein eigenes Instrument. Ich habe mir durchaus erst Gedanken über die Konzeption gemacht und dann mit dem Komponieren begonnen."

Rückschläge waren dabei nicht ausgeschlossen: "Viel Musik habe ich für den Papierkorb komponiert, weil die Szene später komplett herausgeschnitten wurde. Das war bitter. Aber zum Glück habe ich auf fertig geschnittene Szenen komponiert, sodass es mir erspart blieb, die Musik später noch einmal etwaigen umgeschnittenen Szenen neu anpassen zu müssen.

Aber oft wurde kurzfristig die Entscheidung gefällt, musikfreie Stellen noch mit Musik aufzufüllen. Es war ein Fass ohne Boden, denn manchmal flog alles dann doch wieder raus. Mit ein bisschen Abstand stellt man nämlich fest, dass zuviel Musik genau die entgegengesetzte Wirkung als die gewünschte hat. Hin und wieder mußs auch mal Ruhe herrschen."

Letztlich konnte sich Wendt aber auch glücklich schätzen, dass er in seiner kreativen Arbeit nur wenig von äußeren Zwängen eingeschränkt wurde.

"Ich hatte das große Glück, dass man im Vorfeld das nötige Budget für die Musikaufnahmen eingeplant hatte. So konnte ich tatsächlich mit einem Orchester arbeiten - und wenn nötig, noch einmal einen Extratag dranhängen. Das zahlt sich aus. Man spürt es, dass es orchestrale Musik, also bewegte Luft, ist.

In Hollywood mag es Leute geben wie Hans Zimmer, die mit Computern und Samples ebenfalls eine ganz tolle Atmosphäre zaubern. Ich ziehe echte Instrumente vor. Man hört es und spürt es."

Gute Zwerge, Schlechte Zwerge - Ein Fazit "Die Komik, die in 7 Zwerge zu finden ist, würde ich als eine zart getönte und nicht auf knallige Muster setzende Komik definieren, die vielleicht dazu führt, dass man mit einem guten Gefühl aus dem Film herausgeht", erklärt Bernd Eilert auf die Frage, was er sich von dem Film erhofft.

"Es ist vielleicht nicht nur ein Feelgood-Film, sondern sogar ein Feel-Better-Film. Man fühlt sich danach hoffentlich besser, weil man entdeckt, dass es neben der Realität auch noch ganz hübsche Abwege gibt."

Was natürlich an den Verlockungen der Märchenwelt liegt, der die Autoren gar nicht widerstehen wollten: "Die Märchenwelt ist eine, die viele nicht immer ganz deutliche Erinnerungen in uns wachruft. Deshalb haben wir uns erlaubt, auch Figuren aus anderen Märchen überraschend in unserer Geschichte auftreten zu lassen.

Eigentlich nicht ganz so überraschend, weil Märchen ja immer wieder im Wald spielen. Natürlich gibt es auch realistischeren Momente: Dinge des alltäglichen Zusammenlebens, über die das Märchen in seiner schlanken Erzählweise einfach hinweg geht, womit sie uns gerade auch für modernere und aktuellere Elemente Raum bieten, ohne dass eine Geschichte ihren märchenhaften Grundcharakter gleich verlieren mußs."

Ähnlich sieht es Mavie Hörbiger: "So ernst ist der Film nicht, dass man sich eng an die Gebrüder Grimm hätte halten müssen. Es werden Märchen und Zitate wild durcheinander gewürfelt. Und jeder wird seine Lieblingsmärchenfiguren entdecken können. Das ist ja das Schöne daran."

Und auch Sven Unterwaldt kann das unterstützen: "Einerseits ist es ein Familienfilm, ohne allerdings zu seicht zu sein. Ich wollte unbedingt, dass sich auch Kinder den Film ansehen können. Andererseits haben wir für das erwachsene Publikum aber auch coole Comedians und ein paar böse Späße, was zusammen den Film absolut zeitgemäß macht.

Abschließend sagt Bernd Eilert, salomonisch und gerecht: "Der Film ist nicht dazu gemacht, dass man etwas daraus lernt - außer, dass es neben der Realität eine schöne Märchenwelt gibt.

Wir haben jedenfalls daraus gelernt, dass es viel Spaß macht, mit Gleichgesinnten einen Film zu machen, in dem jeder seine Stärken ausspielen kann und so zum Zuge kommt, dass er sich auch selbst dann gerne wiedersieht."

Doch das allerletzte Wort hat ein Zwerg, Martin Schneider (auf Hessisch und sehr, sehr langsam): "Warum man sich den Film ansehen soll? Wegen uns. Es spielen lauter tolle Leute mit. Wir hatten einen super Regisseur, der das Ballett voll im Griff hatte. Und es sieht wunderschön aus. Es ist etwas für Kinder und Erwachsene. Ich hoffe, ich habe da jetzt niemanden vergessen."

Und das allerallerletzte Wort gehört einem Produzenten, Douglas Welbat: "Es war eine harmonische Zusammenarbeit, die sich zwar erst einmal finden mußste, sich aber gefunden hat. Und darüber sind wir so glücklich, dass wir bereits über weitere gemeinsame Projekte nachdenken."

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Dirk Jasper FilmLexikon

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