Das Geheimnis der Frösche

Produktionsnotizen

Zusammenhalten Im Mittelpunkt des Films steht eine Familie. Ferdinand, der schon etwas ältere ehemalige Seefahrer, der mit seinem Aussehen, seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und seiner allen entgegengebrachten Güte die perfekten Eigenschaften einer Vaterfigur besitzt.

Juliette, seine jüngere afrikanische Frau, ist mit ihrer Großzügigkeit, ihrer entspannten, immer optimistischen Lebenseinstellung und ihrem Sinn für Humor die Frau an Ferdinands Seite. Mit ihrer Liebe zueinander meistern die beiden alle Lebenslagen und lassen sich auch dann nicht aus der Bahn werfen, als ihnen das Wasser bis zum Hals steht.

Tom haben sie adoptiert, weil sein Vater ein Freund von Ferdinand war, ein Bordkamerad. Seitdem hat Ferdinand nie wieder auf einem Schiff angeheuert, zumindest keinem echten.

Ferner nehmen sie Lili wie ihr eigenes Kind auf, weil sie ihren Eltern das Versprechen gegeben haben, während deren Abwesenheit gut auf ihre Tochter aufzupassen. Großzügig und freundlich wie sie sind, empfangen Ferdinand und Juliette das neue Familienmitglied mit offenen Armen.

Auch wenn die Patchwork-Familie so gar nicht den gewohnten Stereotypen entspricht, sind die Rollen klassisch verteilt. Die Mutter kocht für die Familie, sorgt für Ordnung und achtet auf die Wahrung der Traditionen - auch ihrer eigenen afrikanischen. Der Vater ernährt und beschützt die Familie, vermittelt Sicherheit.

Auf dem Boot ist er der Kapitän, er bestimmt die Regeln, sagt was erlaubt ist und was nicht. Großzügig gibt Ferdinand sein Wissen an Tom und Lili weiter, immer darauf bedacht, dass sie ihre Grenzen kennen lernen und ihren eigenen Weg finden, das Leben zu meistern.

Erwachsen werden ist nicht leicht Als Ferdinand und Juliette der Meuterei zum Opfer fallen und von Bord geworfen werden, müssen sich Tom und Lili der größten Herausforderung stellen, die ihr noch junges Leben bisher für sie bereit hält.

dass sie die Situation meistern, haben sie der richtigen Erziehung durch Juliette und Ferdinand zu verdanken. Durch deren Liebe und Unterstützung besitzen sie das notwendige Selbstvertrauen und die Kraft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Gegen alle Widrigkeiten schaffen es Tom und Lili mit Hilfe einiger Tiere, sich aus den Fängen ihrer Verfolger zu befreien. Indem sie ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, werden sie wieder Herren der Lage und tragen maßgeblich dazu bei, dass die Bewohner der schwimmenden Scheune die Tage der Flut heil überstehen. Ihre gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse schweißen sie zusammen und lassen sie ihre Zuneigung zueinander erkennen.

Die Regeln des Zusammenlebens Weil es die Umstände erfordern, leben in der Scheune des schwimmenden Bauernhofs die verschiedensten Tierarten - darunter eine Kuh, Schweine, Schafe, Katzen, Elefanten, Löwen, Giraffen, ein Fuchs und viele andere.

Aber wie soll ein Zusammen- und Überleben auf so kleinem Raum funktionieren, wenn es schon unter normalen Umständen kaum zu schaffen ist?

Aufgrund seiner natürlichen Autorität wird Ferdinand von allen auf Anhieb als Kapitän akzeptiert. Er ist es auch, der schnell eine Lösung für das Überleben der Gruppe parat hat: 28 Tonnen Kartoffeln!

dass er damit gleichzeitig die Regeln des Zusammenlebens festlegt, wird schnell deutlich: Das Gesetz der Natur mußs sich dem Gesetz des Kapitäns unterordnen, so lange die Flut andauert.

Ein Überleben aller Bordinsassen kann nur dann gewährleistet werden, wenn sowohl Pflanzenfresser als auch Fleischfresser sich an Ferdinands Regeln halten - auch wenn es von allen Zugeständnisse und Opfer fordert, vom einen mehr, vom anderen weniger.

Opfer für höhere Ideale zu bringen ist schon in guten Zeiten nicht leicht. Aber wie schwer mußs es erst für einen hungrigen Fuchs oder Löwen sein - mit Nichts als der Aussicht auf 28 Tonnen Kartoffeln auf unbestimmte Zeit sein Dasein fristen zu müssen, wenn man gleichzeitig von saftig aussehenden potentiellen Mahlzeiten umgeben ist? Der Fressinstinkt lässt sich kaum noch ignorieren.

Als die Löcher in den Mägen einiger Fleischfresser immer größer werden und der Platzmangel an Bord immer drückender, ist es für die Schildkröte ein Leichtes, einen Keil in die unter Zwang entstandene Gemeinschaft zu treiben und eine Meuterei gegen Kapitän Ferdinand anzuführen.

Als neuer Kapitän führt sie das Recht des Stärkeren ein, das sofort zu Übergriffen gegen die von Natur aus schwächeren Vegetarier unter den Tieren, aber auch gegen Ferdinand und seine Familie führt.

Erst als sich die wahren Absichten der Schildkröte offenbaren - Rache an den Menschen zu nehmen - und Ferdinand nach überstandenen Krokodilangriff erneut das Steuer übernimmt, halten Friede und Eintracht erneut Einzug an Bord.

Auch wenn Rufe nach Rache gegenüber der Schildkröte laut werden, bleibt Ferdinand seinen friedlichen Prinzipien treu und beugt sich nicht der ,vox populi', sondern fordert Verständnis und Toleranz.

Der Mensch und seine Umwelt Regisseur Jacques-Rémy Girerd äußert sich in "Das Geheimnis der Frösche" nicht explizit über die Gründe der Sintflut. Dem Zuschauer wird zunächst nur am Rande vermittelt, dass das Wetter etwas verrückt spielt.

Im Radio wird eine außergewöhnlich große Hitzewelle angekündigt, die Meteorologen berichten vom Rückgang des Grundwasserspiegels und den daraus resultierenden Problemen für die Bauern, sie rechnen mit einer Klimaveränderung.

Eine Vermutung, die auch am Ende des Films bestätigt wird, als man erfährt, dass Lilis Eltern von der Sintflut überhaupt nichts mitbekommen haben und stattdessen über 2.000 Kilometer durch ausgetrocknete Steppe nach Hause fahren mußsten.

Auch wenn der Mensch nicht direkt für diese Klimaveränderungen verantwortlich gemacht wird, wird doch sein gedankenloser Umgang mit der Umwelt angeprangert. So wirft die Schildkröte den Menschen die übermäßige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen vor, die irgendwann auch zum eigenen Verschwinden führen werde.

Und genau darum geht es auf Ferdinands Arche: um den Erhalt der Artenvielfalt. Der Verlust der Hühner, die von den Fleischfressern gefressen wurden, ist deshalb ein großes Drama. Wie Ferdinand immer wieder betont und anhand der Nahrungskette, erklärt ist jede Tierart, ob Fleisch- oder Pflanzenfresser, als Teil des Ganzen äußerst wichtig.

Seit den Ursprüngen des Kosmos bis zu dieser neuen Sintflut hat sich die Erde immer an die neuen Gegebenheiten angepasst. Ferdinand sieht deshalb die Lage angesichts der Sintflut mit seinem gewohnten Optimismus: "Noch ist das Ende nicht gekommen. Irgendwann geht das Wasser schon wieder zurück, und dann beginnt das Leben wieder von neuem."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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