Der Manchurian Kandidat

Produktionsnotizen

Diese im wahrsten Sinne des Wortes hypnotisierende Geschichte über Gedankenkontrolle und Missbrauch politischer Macht basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Richard Condon.

Unter der Regie des Oscar-preisgekrönten Regisseurs Jonathan Demme fand sich eine hochkarätige Besetzung zusammen, darunter die zweimaligen Oscargewinner Denzel Washington und Meryl Streep sowie Liev Schreiber und eine Reihe außerordentlicher Nebendarsteller.

Nachdem er das Drehbuch gelesen hatte, sagte Washington ? der auf der Wunschliste der Filmemacher für die Besetzung des Major Ben Marco ganz oben stand ? sofort zu, die Rolle zu übernehmen, die Frank Sinatra in der Filmversion von 1962 unter der Regie von John Frankenheimer gespielt hatte.

?Wenn man eine Figur verkörpert, die schon einmal von einem anderen Schauspieler interpretiert wurde, stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, sich diese Interpretation anzusehen oder nicht. Ich entschied mich, das Original nicht anzusehen, damit meine Vorstellungen von Marco ganz meine eigenen sein würden?, sagt Washington.

?Dies ist eine sehr interessante, komplizierte Story, und meine Figur ist sehr komplex. Das, woran sich Marco in Bezug auf den Hinterhalt erinnert, deckt sich nicht mit dem, was er in seinen Träumen sieht und für wahr hält.

Er befindet sich also in einem großen Konflikt. Man hat ihm beigebracht, was er zu sagen hat, aber das ist nicht das, was er eigentlich fühlt.?

Als ein anderer Soldat an Marco herantritt, und von ähnlichen Alpträumen erzählt, sieht er noch keinen Anlass, seinem Verdacht nachzugehen, bis Shaw unerwarteterweise für die Vizepräsidentschaft kandidiert.

In Marcos Weg stellt sich die Senatorin Eleanor Shaw, Raymond Shaws ehrgeizige Mutter, die ihren Sohn im Weißen Haus sehen will und bereit ist, jeden Preis zu zahlen, um ihn an die Macht zu bringen.

Die dominante Senatorin, gespielt von der zweifachen Oscarpreisträgerin Meryl Streep, ist bereit, alles und jeden zu zerstören, der sie am Erreichen ihrer Ziele zu hindern versucht.

?Ich liebe es, wie Ellie Shaw im Skript beschrieben ist ? ?alterslos mit sanften Kurven, die rasiermesserscharfe Klauen und ein Rückgrat aus Titan verbergen??, sagt Streep, die bereits dreizehnmal für den Oscar nominiert war. ?Wie hätte ich es nicht genießen können, eine derart reizvolle Figur zu spielen??

Für die Rolle des Raymond Shaw, Ellies geliebtem Sohn und dem titelgebenden ?Manchurian Kandidat?, wählten die Filmemacher Liev Schreiber, einen sehr respektierten Schauspieler, der bereits in einer ganzen Reihe unterschiedlicher Filme mitgewirkt hat.

Darunter in Schlüsselrollen in ?Kopfgeld?, ?Der Anschlag? und ?Kate & Leopold? ? und auch für zahlreiche Theaterstücke auf der Bühne stand, so zum Beispiel in den Titelrollen von Kritikerfolgen wie ?Henry ? und ?Hamlet?, oder auch in Neil LaButes ?The Mercy Seat? und Harold Pinters ?Betrayal?.

?Raymond ist ein Held wider Willen, dessen Ruhm ? zu seinem eigenen Missfallen ? seine eigene politische Karriere und den Ehrgeiz seiner Mutter antreibt, bemerkt Schreiber.

?Aber obwohl er sich selbst in einer Machtposition befindet, ist Raymond wirklich machtlos gegen seine Mutter, eine Frau, die ihn sogar soweit kontrolliert, dass sie ihm manchmal sagt, was er anziehen soll.?

Schreiber glaubt, dass Streep Raymonds Mutter nicht nur zu einer interessanten, vielschichtigen Figur macht, sondern auch zu jemandem, mit dem sich das Publikum Der Manchurian Kandidat identifizieren kann.

?Was Meryl in die Rolle der Ellie Shaw einbringt ist eine verborgene Sanftheit, die mit ihrer Tiefe und Fähigkeit zu lieben die Leute überraschen wird.?

Regisseur Jonathan Demme, der für seine brillante Inszenierung von ?Das Schweigen der Lämmer? einen Oscar erhielt, war begeistert, mit Stars vom Kaliber Washington, Streep und Schreiber arbeiten zu können. Auch denkt er, dass die genaue Umsetzung der Vorlage ?Der Manchurian Kandidat? ebenso spannend wie zeitgemäß ist.

?Da die Amerikaner sich dieses Jahr auf die Präsidentschaftswahlen konzentrieren?, sagt Demme, ?könnte ich mir keinen besseren Zeitpunkt denken, etwas über die dunkleren Seiten des politischen Prozesses und die Kräfte, die diese Prozesse unterwandern, zu erzählen.?

Dem stimmt auch Produzentin Tina Sinatra zu, und denkt damit ähnlich wie ihr legendärer Vater, der verstorbene Frank Sinatra, der die Rechte an der Erstverfilmung besaß.

?1991 fragte ich meinen Vater, was er davon hielte, eine zeitgenössische Fassung von ?Der Manchurian Kandidat? umzusetzen, und er sagte, das könne funktionieren und werde heutzutage ein größeres Publikum ansprechen?, erinnert sich Sinatra, die später die vollen Rechte an dem Stoff erwarb.

?Was mir am wichtigsten scheint, ist es, die menschlichen Geschichten zu bewahren, die so entscheidend für einen Film wie diesen sind. Die Menschlichkeit des Themas ist zeitlos, und die Kampfhandlungen in den Golfkrieg zu verlegen macht Sinn, besonders wenn man bedenkt, wie politisch bedeutsam diese Region heute ist.?

Zusätzlich zu den Herausforderungen, die die passende Modernisierung des Originalfilms und Drehbuches darstellte, war für Demme die erneute Zusammenarbeit mit Washington ein besonderer Reiz, der schon bei dem preisgekrönten Drama ?Philadelphia? für ihn vor der Kamera gestanden hatte.

?Denzel ist meiner Meinung nach einer der größten Schauspieler unserer Zeit?, sagt der Regisseur. ?Es ist nicht einfach, jemanden darzustellen, dessen Zurechnungsfähigkeit in Frage steht ? besonders, wenn diese Person sich sogar selbst in Frage stellt ? und Denzel bringt das absolut perfekt rüber.

Die tiefen, vielschichtigen Ebenen, die er der Figur des Marco verleiht, bereichern den ganzen Film.? Demme erläutert außerdem, dass man aus Senatorin Eleanor Shaw eine komplexere Figur gemacht hat.

Im Buch ist sie die kühl kalkulierende Ehefrau des Vizepräsidentschaftskandidaten, in der neuen Verfilmung ist sie eine selbständige und einflussreiche Politikerin, ebenso wie eine manipulative Mutter, die ihren Sohn zum Vizepräsidentenamt treibt, und letztlich zum höchsten Amt im Staate.

?Ellie Shaw ist eine Frau, die ihren Sohn anbetet und an ihn glaubt?, sagt Streep. ?Sie ist außerdem eine Frau, die durch ihren Sohn die politische Position erreichen will, von der sie glaubt, man habe sie ihr verweigert. Während also Ellie ihren Sohn auf diese Machtposition vorbereitet, erfüllt sie damit auch ihr eigenes Schicksal.?

Dem fügt Demme begeistert zu: ?Meryls Interpretation der Ellie brachte mir jede Menge Ideen und Arbeitsfreude?, erinnert sich der Regisseur. ?Und ich frage mich immer noch: Hatte ich wirklich die Gelegenheit, mit Meryl Streep zu arbeiten? Die Chance, mit ihr zusammenzuarbeiten, ist der Traum eines jeden Regisseurs.?

Demme war auch absolut angetan von Schreibers fantastischer darstellerischer Leistung, besonders in Szenen mit starken Schauspielern wie Washington und 14 Streep. ?Man könnte nicht behaupten, dass Liev sich neben diesen etablierten Meistern zumindest nicht blamiert?, sagt Demme.

?Nein, er steht auf einer Stufe mit ihnen. Und seine Arbeit an diesem Projekt brachte das beste all jener zum Vorschein, mit denen er arbeitete.?

Die Rolle des Senators Jordan, dem gescheiterten Kandidaten für die Vizepräsidentschaft und langjährigem Widersacher von Ellie, spielt Oscarpreisträger Jon Voight. Er beschreibt seine Figur als einen der hart arbeitenden, ?guten Jungs? im Kongress ? und einer der wenigen, die ein Ohr für Marco haben.

?Dies ist eine komplizierte, sehr vielschichtige Geschichte, mit tiefgehenden, gut geschriebenen und oftmals gefährlichen Charakteren?, bemerkt Voight.

?Für einen so multidimensionalen Film braucht man einen hervorragenden Geschichtenerzähler wie Jonathan Demme, um das volle Potenzial des Stoffes auszuschöpfen. Deshalb ist es so fesselnd geworden.?

Eine weitere Dimension des Films waren die starken Nebenrollen, die das Drehbuch anbot, eine Gelegenheit, die Jonathan Demme sehr gefiel. ?Ich liebe es, mit vielen Darstellern zu arbeiten?, so der Regisseur.

?In diesem Film gab es viele außergewöhnliche Parts, die von außergewöhnlichen Talenten zum Leben erweckt wurden. Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie jede dieser Nebenrollen auf der Leinwand glänzt, dank der großartigen Schauspieler, die dahinter stehen.?

Eine Schlüsselfigur, die die Handlung vorantreibt, ist Rosie, eine geheimnisvolle junge Frau, die Marco auf einer Zugfahrt kennen lernt. Kimberly Elise, die mit Demme bereits in ?Menschenkind? an der Seite von Oprah Winfrey gearbeitet hat, war hocherfreut, die begehrte Rolle der FBI-Agentin zu bekommen, die sich mit dem problembeladenen Marco einlässt.

?Rosie hat ein Herz aus Gold, und sie ist eine der wenigen Leute, die bereit sind, nachzuforschen über das, was im Innern dieses Mannes vorgeht?, sagt Elise, die schon in ?John Q ? Verzweifelte Wut? mit Washington vor der Kamera stand.

Es ist besonders spannend, Denzel als Ben Marco zu sehen, weil er oft Figuren spielt, die die Kontrolle haben, und in diesem Fall verkörpert er jemanden mit einer Menge Schwächen ? einen starken Mann, aber einen, der sich in einem Netz verfangen hat, in dem er sich nicht auskennt.?

In der wichtigen Rolle des Al Melvin, einem psychisch gestörten Veteranen, der Ben Marco wegen seiner eigenen Träume über den Horror in Kuwait anspricht, ist Jeffrey Wright zu sehen, der für seine Darstellung mehrerer Rollen in der TVMiniserie ?Angels In America? mit einem Golden Globe und einem Tony Award ausgezeichnet wurde.

Laut Demme ist es Melvins Auftauchen, das Marco dazu zwingt, sich neue Gedanken über das zu machen, was den Männern ? und ihm selbst ? unter seinem Kommando am Golf passiert ist. Die Figur des Melvin in dieser Story ist sehr vital und außerordentlich wichtig?, sagt Demme. ?Ich hätte mit der Besetzung nicht glücklicher sein können. Jeffrey brachte die ganze ihm eigene Brillanz in die Rolle ein.?

Abgerundet wird die Starbesetzung durch den Schweizer Bruno Ganz in der Rolle des Richard Delp, einem freischaffenden Wissenschaftler, der Marco bei der Wiedererlangung seiner Erinnerungen hilft; sowie durch Dean Stockwell, Jude Cicolella und John Bedford Lloyd als Direktoren der Manchurian Global Corporation, einem Hauptsponsor von Raymonds Kampagne.

Des Weiteren durch Miguel Ferrer in der Rolle von Marcos Vorgesetztem, Colonel Garret; dem Schauspieler und Regisseur Simon Der Manchurian Kandidat McBurney als Noyle, einem auf Gehirnforschung spezialisierten Arzt; und nicht zuletzt dem Sänger und Songwriter Robyn Hitchcock, der in der Rolle des britischen Reiseführers Laurent Tokar sein Spielfilmdebüt gibt.

Und schließlich sieht man als politische Schwergewichte den legendären Produzenten Roger Corman, der einige von Demmes frühen Filmen produzierte, und den berühmten Schriftsteller Walter Mosley, dessen Roman ?Teufel in blau? mit Washington und unter der Produktion von Jonathan Demme für die Leinwand umgesetzt wurde.

Glaubt man dem Star von ?Der Manchurian Kandidat?, Denzel Washington, dann ist die Tatsache, dass der Film ein so großes Aufgebot an Schauspielgrößen aufbietet, ein Beweis der einhelligen, ehrlichen Bewunderung für Regisseur Jonathan Demme.

?Er bringt solch positive Energie ein, dass die Schauspieler das Gefühl haben, sie können alles ausprobieren von dem sie glauben, es funktioniert?, bemerkt Washington.

?Ich habe von ihm eine Menge gelernt, als Mensch, als Schauspieler und als Filmemacher.?

Über den Hintergrund - Kontrolle der Authentizität Im Mittelpunkt von ?Der Manchurian Kandidat? stehen die Konzepte von Erinnerungsmanipulation und Gedankenkontrolle, beides Bereiche, die Regisseur Jonathan Demme so authentisch wie möglich darstellen wollte.

Aus diesem Grund wendete er sich an den Experten Dr. Jay Lombard, den Direktor des Brain Behaviour Center in Nyack, New York. Lombard, ein Verhaltensneurologe, bewunderte Demmes Streben nach Genauigkeit, besonders im Bezug auf Szenen, die sich mit wissenschaftlicher oder medizinischer Technologie beschäftigen.

?Bei der Forschung im Bereich des Gehirns und der Gedankenkontrolle hat es entscheidende Fortschritte gegeben?, erläutert Lombard, der durch seine Arbeit mit Autismus und anderen Gehirnerkrankungen die Aufmerksamkeit Demmes auf sich zog. ?Meine Aufgabe war es, den Originalfilm anzusehen, der Gehirnwäsche als Mittel der Manipulation von Marco und seinen Männern benutzte, und dies der heutigen, weit fortgeschrittenen Technologie anzupassen.?

Demme dazu: ?Es war ungeheuer wichtig für die Atmosphäre des Filmes, dass die wissenschaftlichen Aspekte nicht nur auf den neuesten technologischen Erkenntnissen basierten, sondern auch auf die unheimlichen Entwicklungen hinzuweisen, zu denen diese Erkenntnisse in der Zukunft eventuell führen können.?

Ko-Drehbuchautor Pyne fügt hinzu: ?Unabhängig davon, ob das, was wir uns vorgestellt haben, so jemals möglich sein wird oder nicht, war es mir wichtig, in der Überarbeitung von Condons Stoff die Gehirnwäsche von Shaw und Marco realistisch darzustellen. Man mußs glauben, dass das passiert, und man mußs vor den Konsequenzen Angst haben.?

Laut Lombard gibt es im Gehirn ein Schmerz/Lust-Zentrum, vom dem Neurologen und Wissenschaftler glauben, dass es einen erheblichen Teil unseres Verhaltens steuert.

Tatsächlich haben Forscher Elektroden in das Gehirn von Ratten ? von ihnen "Roborats? genannt ? eingesetzt, und damit deren Handlungen in einer Art und Weise beeinflussen können, die der Manipulation des von Liev Schreiber gespielten Raymond Shaw nicht unähnlich ist.

?Was diesen Film so erschreckend macht, ist, dass er ausdrückt, wie verletzlich unser Gehirn gegenüber externer Manipulation ist, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn?, sagt Lombard.

?Unsere Erinnerungen sind so angreifbar und formbar, dass man sich darüber im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf zerbrechen kann. Wir alle hatten schon einmal Momente, in denen wir uns fragen, ob das, woran wir uns erinnern, real ist, und falls nicht, was ist dann wirklich passiert?

Im Grunde öffnet dieser Film eine Kiste der Pandora, in der sich das sehr furchteinflößende, durchaus in der Realität verwurzelte Gespenst von Gehirnmanipulationen versteckt. Er vermittelt uns, dass all die Wissenschaft über das Verhalten des Gehirns irgendwo da draußen ist, und wenn man sie für unmoralische Zwecke anwendet, kann alles mögliche passieren.?

Über die Produktion Neben den zahlreichen großen Künstlern vor der Kamera, gelang es Jonathan Demme auch, für die Arbeit hinter der Kamera ein hochtalentiertes Team zu versammeln.

Einmal mehr arbeitete er mit wichtigen Mitgliedern seines Kreativteams: Kameramann Tak Fujimoto, ASC, Produktionsdesignerin Kristi Zea, die Oscar-nominierte Cutterin Carol Littleton, A.C.E., und Komponist und Oscar-Preisträgerin Rachel Portman, zu deren Filmmusik für ?Der Manchurian Kandidat? auch Wyclef Jean Teile besteuerte.

Demme begann mit der Produktion an der PS 32, einer Grundschule in Yonkers, New York, mit einer Schlüsselszene, die dem Zuschauer Major Ben Marco (Denzel Washington) und den inneren Konflikt, der ihm bevorsteht, vorstellt.

In der Sequenz erzählt Marco, ein ehemaliger Befehlshaber im Golfkrieg und nun für die PR-Abteilung der Armee tätig, einer Gruppe von Pfadfindern über einen Hinterhalt, in den seine Einheit in Kuwait geriet, und über den Heldenmut seines Sergeants, Raymond Shaw (Liev Schreiber).

Für die wichtigen Kampfszenen, die Marco in seiner Erzählung an der Schule beschreibt, führten Demme und sein Team ausführliche Recherchen über den Golfkrieg, und hatten jederzeit Helfer und militärische Berater zur Hand, um sicherzustellen, dass jedes Detail stimmte.

Da Dreharbeiten in Kuwait selbst nicht in Frage kamen, schufen sich die Filmemacher in der Sandmine Sahara Sand ihre eigene Wüste. In nur zwei Wochen bewegte das Filmteam Tonnen von Sand, um damit die zwei Straßen zu bauen, auf denen Marco und seine Männer unter feindliches Feuer geraten.

?Das Drehen dieser Kampfszenen war wie die Arbeit in einer riesigen Sandkiste?, erinnert sich Produktionsdesignerin Kristi Zea, die auch Marcos Apartment in Washington, D.C., entwarf und dazu sagt: ?Die Außenseite seines Wohngebäudes gestaltete ich wie die typischen dem Tudorstil nachempfundenen Häuser, die ich in der Gegend von D.C. fand, aber die Innenausstattung hatte eine Menge mit dem zu tun, was Denzel Washington beisteuerte.?

Ein kleiner dunkler Raum, gefüllt mit Büchern und Zeitungen, das war die Idee des Schauspielers, erinnert sich Zea, die sich Marco ursprünglich als peinlich genau und ordentlich vorgestellt hatte, in Einklang mit seinem militärischen Hintergrund. Washington war jedoch der Ansicht, dass sich die Figur durch ihre Zwangsvorstellungen eher eine Hamstermentalität zulegen würde.

?Vielleicht ist das einzige, das Marco tun kann, um sich selbst zusammenzuhalten, das Anziehen seiner Uniform am Morgen?, sagt Washington.

?Aber seine Wohnung bot die Gelegenheit, ein Bild zu vermitteln, das ein starker Gegensatz dazu war ? voller Zeichen, dass es sich hier um einen Mann handelt, der am Rande eines inneren Zusammenbruchs steht. Ich glaube, er wäre sehr unordentlich, und könnte nichts wegwerfen, weil er davon besessen ist, seine eigene Historie zu rekonstruieren.?

Zea stürzte sich auch in die politische Arena in Washington, D.C., wo Liev Schreibers Figur, der Kongressabgeordnete Raymond Shaw, und seine Mutter, die Senatorin Eleanor Prentiss Shaw, gespielt von Meryl Streep, zuhause sind.

Vor allem suchte sie nach eindrucksvollen Visualierungen für die bedeutende nationale Kampagne des Robert Arthur/Raymond Shaw Kandidatenteams.

?Ich wollte eine Atmosphäre schaffen, wie sie auf Postern der amerikanischen Arbeitsbeschaffungsbehörde Works Progress 18 Administration während der Depressionsära der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts transportiert wurde?, sagt Zea.

?Um das zu erreichen, dachten sich unsere graphischen Designer einige wirklich tolle Sachen aus, darunter den schaurigen Arthur/Shaw Wahlslogan ?Secure Tomorrow? (?Morgen sichern?) der visuell in der Art wie die ?Uncle Sam Wants You?-Poster umgesetzt wurde ? ein Zeigefinger kommt aus einer Art rot-weiß-blauen Sternexplosion.?

Im Zuge ihrer Recherchen besuchten die Filmemacher auch den US Senat, wo sie die Büros der Senatorin Barbara Boxer besuchten, damit man die Arbeitsbüros von Eleanor Prentiss Shaw (Streep) und ihrem politischen Rivalen, Senator Thomas Jordan (Jon Voight) authentisch ausstatten konnte.

In diesem Sinne wählte man auch die historische Yonkers City Hall als Drehort aus, ein imposantes Beaux Art Gebäude aus dem Jahr 1911, das die altertümliche Eleganz und ernste Atmosphäre des Senats wiedergibt.

In diesem Zusammenhang besuchte die Produktion außerdem Häuser am Potomac, die einigen der bekanntesten Politiker der USA gehören, um ein entsprechend großes Herrenhaus für Eleanor Prentiss Shaw zu finden. Das auf Long Island, New York, gelegene Old Westbury Manor entsprach genau ihren Ansprüchen.

Der 1906 gebaute Landsitz von John S. Phipps, Sohn eines der Firmeninhaber von Carnegie Steel, kam dem, was sich die Filmemacher vorgestellt hatten, so nahe (sowohl innen als auch außen), dass die einzigen Änderungen für die Dreharbeiten der Austausch von Vorhangstoffe und das Hinzufügen einiger persönlicher Gegenstände der fiktiven Prentiss-Shaw Politikerdynastie war.

New York, wohin Marco der Wahlkampagne von Raymond folgt, bot dem Filmteam eine Vielzahl an Locations in der ganzen Stadt, darunter das Compass Restaurant auf der Upper West Side, das Plaza Hotel, die New York Library for Science, Business and Industry, das Javits Center, der Times Square, die Penn Station, der Ballsaal des Regent Wall Street Hotels und der Central Park.

Ein wichtiger Drehort war das Enid A. Haupt Conservatory in New Yorker Botanischen Garten in der Bronx, dem größten viktorianischen Glashaus in den Staaten.

Das 1902 gebaute Gebäude diente als Drehort für Shaws Wahlspendenparty für die Washingtoner Elite, auf der Marco versucht, Raymond zu kontaktieren.

Im Zuge der Kostümentwürfe für diese äußerst gut angezogene Gesellschaft, beschreibt der Oscarpreisträger und Kostümdesigner Albert Wolksy die High Society in Washington, D.C. als ?eine Welt voller Anzüge, Anzüge, Anzüge?.

Entsprechend kleidete er Liev Schreibers Raymond, der als junger Mann einer prominenten politischen Familie angehört, in hochwertige, maßgeschneiderte Anzüge, ähnlich dem tadellosen Look von Jon Voights Senator Jordan, ebenfalls einem politischen Insider.

Wolsky, der bereits sechsmal mit Meryl Streep zusammengearbeitet hat, achtete darauf, ihrer Figur Ellie Shaw mehr Glanz und Stil zu geben als einer durchschnittlichen weiblichen Politikerin.

?Wir wollten vermeiden, ihr so eine steife Haarsprayfrisur zu verpassen, wie ihn Frauen in der Politik oft haben, weil sie ständig vor den Kameras stehen und nicht wollen, dass sich ihre Haare bewegen?, erklärt Wolsky.

?Da ja Ellie Shaw aus einer fast aristokratischen Familie stammt, wollten wir ihr ein Aussehen geben, das reflektiert; sie ist jemand, der daran gewöhnt ist, Geld zu haben. Daher trägt sie Kleider von höchster Qualität und edlen Schmuck aus der prestigeträchtigen Red Leighton Kollektion.?

DER MANCHURIAN KANDIDAT Um die Kostüme für die militärischen Rollen und Sequenzen zu entwerfen, recherchierte Wolsky über Uniformen von US-Soldaten im Golfkrieg und ließ Replikas aus authentischen Militärquellen anfertigen.

Eine weitere Herausforderung für den Kostümdesigner war Ben Marcos nicht-militärische Kleidung, und die Veränderungen, die Marcos Look im Laufe des Filmes durchmacht. Vor dem Start der Dreharbeiten besprach sich Wolsky, der mit Washington bereits bei ?Die Akte? gearbeitet hatte, mit dem Schauspieler.

?Er ist ein wirklich brillanter Darsteller, und weil er so gut ist in seinem Beruf, möchte er seine Meinung darüber einbringen, wie die Figur aussehen soll?, sagt Wolsky.

?Wir redeten viel miteinander und entschieden dann, dass Marco, sofern er nicht Uniform trägt, ein optisches Wiedererkennungszeichen haben sollte, und kamen so auf einen khakifarbenen Regenmantel, der noch ganz entfernt an einen Militärlook erinnert.?

Eine Sequenz im Film, die komplett der Phantasie der Filmemacher überlassen blieb, ist die Traumlandschaft, die Marco immer wieder in seinen Alpträumen sieht ? eine unheimliche Reihe von Visionen, die aus den verdrehten, gewalttätigen Erinnerungen resultieren, die die Figur an Kuwait hat.

Für Produktionsdesignerin Kristi Zea waren diese Traumsequenzen ihre spannendste Herausforderung ? und ihre interessanteste Aufgabe bei diesem Projekt. ?Plötzlich befindet man sich in einer völlig anderen Welt, einer Welt der Gedanken, wo es keine Gesetze gibt und keine Realität?, sagt Zea.

?Deshalb kann man seine Entwürfe so verrückt oder seltsam gestalten wie man möchte.? In enger Zusammenarbeit mit Kameramann Tak Fujimoto tauchte Zea ein in die surrealistische Kunst und die Dada-Bewegung als Inspiration für den Stil der schaurigen Traumlandschaften, die sich auch in den verrückten Zeichnungen der von Jeffrey Wright gespielten Figur, Al Melvin, widerspiegeln.

Die hierfür von Jimmy Joe Roche, einem Mitglied der künstlerischen Abteilung und Filmstudenten, von Hand gezeichneten Kunstwerke werden von Marco entdeckt, als dieser seinen verwirrten und vermissten Kameraden aufsucht, und dabei in dessen heruntergekommenem Apartment alptraumhafte Bilder von Blut und Tod findet ? die Soldaten zeigen, mit denen Melvin gedient hat, darunter Marco und Shaw.

?Diese Bilder hatten ihren Anfang damit, dass ich mir Kritzeleien ansah, die man auf Papieren in den Straßen von New York City findet, sowie Zeichnungen von einigen meiner künstlerischen Vorbilder?, sagt Roche.

?Ich habe versucht, sie so aussehen zu lassen, als seien sie die Kreation eines Verrückten ? ich wollte keine Kunst erschaffen, sondern eher Straßenkarten, die Melvins Abstieg in den Irrsinn dokumentieren.? ?Jonathan Demme wollte, dass die Paranoia in Melvins Zeichnungen Marcos Paranoia widerspiegelt?, erinnert sich Fujimoto.

?Er wollte dem Publikum eine visuelle Verbindung zwischen Melvins Zimmer und Marcos Gedankenwelt geben. In diesem Sinne ist die Kameraarbeit fast dokumentarisch, wobei die Kamera hin- und herfährt, und versucht, etwas im Zentrum des Bildes zu finden, das nicht da ist.?

Fujimotos innovative Kameraarbeit verstärkt die Intensität der unheimlichen Spannung, und Ko-Drehbuchautor Daniel Pyne glaubt, dass die Zuschauer darauf auf vielen verschiedenen Ebenen reagieren werden.

?Ich glaube, der Kinozuschauer verlässt den Saal und hat sich auf Marcos emotionale Erfahrungen eingelassen und darin verloren?, sagt Pyne. ?Gleichzeitig, aufgrund der mitreißenden Leistungen der Schauspieler, denke ich, dass die Zuschauer nach dem Film aber auch mit allen möglichen eigenen Ideen im Kopf nach Hause gehen.?

Produzentin Tina Sinatra, Tochter des verstorbenen Frank Sinatra, der in der Verfilmung von 1962 die Rolle des Marco spielte, merkt an, dass trotz der unheimlichen Thematik der Geschichte ihr wahrer Kern menschliche Emotionen sind.

?Es dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die aufgrund einer ähnlichen Erfahrung, die sie sich nicht erklären können, in ernsthafter Gefahr ist?, sagt Sinatra.

?Und Marco ist derjenige, der versucht, es aufzudecken... oder bei dem Versuch ums Leben kommt.? Dem stimmt Denzel Washington voll und ganz zu.

?Der Film erzählt letztlich eine sehr menschliche Geschichte über den Sieg des Seele und des Geistes?, so der Schauspieler. ?Kurz gesagt, die Story drückt aus, dass das Herz stärker ist als alles andere.?

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Dirk Jasper FilmLexikon

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