Bad Santa

Produktionsnotizen

Weihnachten wird nie wieder sein, was es war nach dieser verdreht cleveren und respektlos fröhlichen Geschichte eines Weihnachtsmannes, der so verdorben und schlecht ist, dass man unweigerlich über ihn lachen mußs.

In Terry Zwigoffs Bad Santa erlebt man Billy Bob Thornton als den unehrlichsten, schlimmsten und schlicht und einfach zum Brüllen komischsten Weihnachtsmann, den man jemals auf der Leinwand erleben durfte.

Inspiriert durch eine Reihe von Filmklassikern, ist Bad Santa eine Weihnachtskomödie, wie es sie zuvor noch nicht gab: sie greift zurück auf die gnadenlosen Pointen und sympathischen Außenseiter von The Bad News Bears (Die Bären sind los, 1976), auf die urkomischen Unverschämtheiten von "South Park" und ist angereichert mit einem Hauch bedächtiger Feiertagsstimmung à la Dickens' "Eine Weihnachtsgeschichte" - in einer Art, wie sie dem Schöpfer allerdings beträchtliche Kopfschmerzen bereiten würde.

Unmittelbar nach den beiden Filmen Crumb (1994) und Ghost World (Ghost World, 2000), die ihm unter hippen Filmbegeisterten eine Kultfangemeinde und das Lob der Kritik einbrachten, legt Regisseur Terry Zwigoff hiermit seine bislang zugänglichste und publikumsträchtigste Komödie vor, und zeigt uns während dieser wilden Reise die verrücktere und witzigere Seite von Weihnachten, ohne dabei in irgendeiner Weise Kompromisse einzugehen.

Mit gnadenlosen Gags und urkomischen Pointen nimmt BAD SANTA klassische Feiertagstraditionen wie den wuchernden Kommerz, neunmalkluge Konsumtempel-Pilger und das gütig-heilige Image des Weihnachtsmannes aufs Korn.

Billy Bob Thornton spielt Willie T. Stokes, einen heruntergekommenen, am laufenden Band Obszönitäten von sich gebenden Kaufhaus-Santa, der nichts anders kann, als letzten Endes eher bösartig als nett zu sein.

Tatsächlich ist Willie in seinem schlecht sitzenden Aufzug nämlich ein Safeknacker, der einmal im Jahr einen großen Coup landet - nämlich an Heiligabend. Während die Kunden aus dem Einkaufszentrum nach Hause strömen, knacken Santa und sein raffinierter Weihnachtskobold - Willies kleinwüchsiger Partner Marcus (TONY COX) - den Kaufhaussafe und machen sich mit ihrer Feiertagsbeute aus dem Staub.

Doch dann in Phoenix, Arizona, wird alles anders. Dort müssen Santa und sein Kobold feststellen, dass zwischen ihnen und ihrem alljährlichen Raubzug eine Reihe von Hindernissen stehen - in Gestalt eines nervtötenden Ladenmanagers (JOHN RITTER), eines verschlagenen Kaufhausdetektivs (BERNIE MAC), eines überaus reizenden Santa-Fans (LAUREN GRAHAM) und nicht zuletzt eines unschuldigen achtjährigen Außenseiters (BRETT KELLY), den man einfach nicht mehr los wird, nachdem er beschlossen hat, dass es sich bei Willie trotz seiner unfreundlichen Art, seiner unflätigen Sprüche und seines durch und durch kriminellen Verhaltens um den wahren Santa handeln mußs.

Billy Bob Thornton fasst das aberwitzige Geschehen so zusammen: "Dies ist eine Geschichte, in der die Sensibilität von ,South Park' auf den Geist von ,Ist das Leben nicht schön?' trifft. Die typische Vorstellung, wie eine Weihnachtskomödie auszusehen hat, wird dabei völlig auf den Kopf gestellt."

Wenn Santa vom rechten Weg abkommt Oftmals wurden Santa Claus oder die vielfältigen Variationen des grantigen alten Geizhalses Ebenezer Scrooge aus Dickens "Weihnachtsgeschichte" im Kino als heruntergekommene Außenseiter dargestellt.

Aber noch nie hat die Welt einen Weihnachtsmann wie Willie T. Stokes zu sehen bekommen, der gleich von Anfang an auf dermaßen komische Weise am absoluten Tiefpunkt zu erleben ist. Er säuft, flucht wie ein Seemann und verbreitet eher Weihnachtssarkasmus als Feiertagsstimmung und er ist durch und durch politisch unkorrekt.

Doch damit nicht genug: Er ist nur deshalb im Santa-Geschäft tätig, um seinen kriminellen Machenschaften nachgehen zu können.

Aber wie man in BAD SANTA feststellen kann, ist selbst ein Willie T. Stokes noch zu retten und nicht gefeit dagegen, ein Stück weit Feiertagserlösung zu erlangen - auch wenn seine Vorstellung von der Weihnachtsgeschichte wahrscheinlich dafür sorgen würde, dass Dickens im Grab regelrecht Pirouetten drehen würde.

Die Geschichte von Willies wilder Weihnachtswandlung beruht auf einer Idee der ausführenden Produzenten Ethan und Joel Coen. Sie fassten sie folgendermaßen zusammen: "Ein böser Santa verändert sich urplötzlich."

Für den Helden ihrer Geschichte hatten die Coens dabei eine Figur im Hinterkopf, wie sie in den 30er Jahren vom Charakterschauspieler Wallace Beery gespielt wurde - ein immer schlecht gelaunter, komischer Schuft, der sich als ungeschliffener Diamant entpuppt.

Eine weitere wichtige Inspiration war Michael Ritchies Komödienklassiker The Bad News Bears (Die Bären sind los!, 1976) - vor allem Walter Matthaus unvergessliche Darstellung des Baseball-Coachs Buttermaker - einem Mann, der überhaupt nichts dabei findet, sich Martinis von kleinen Kindern zubereiten zu lassen, während er das bunt zusammengewürfelte Team von Verlierern zum Sieg führt.

Produzentin Sarah Aubrey sagt: "The Bad News Bears ist einer der Lieblingsfilme der ausführenden Produzenten Joel und Ethan Coen. Als wir Willies Geschichte entwickelten, waren wir durch den schrägen Umgangston zwischen Walter Matthau und seinen Außenseiter-Kids inspiriert: immer bissig, niemals sentimental, aber trotzdem von einer Art, die man beinahe rührend nennen könnte."

Nachdem man das Konzept fertig gestellt war, wurden die Produzenten Aubrey und Cameron damit bei dem Autorenteam Glenn Ficarra und John Requa vorstellig. Die lieferten ein bestechend smartes Skript ab.

Selbst Aubrey und Cameron waren ein wenig überrascht angesichts des furchtlosen, unverblümten Komödienstils - im positiven Sinne. "Wir begannen mit der Idee eines betrunkenen, verlotterten, kriminellen Santa Claus, der sich durch die Liebe eines Kindes verändert und davon ausgehend entwickelte sich alles Folgende", erklärt Cameron.

"Vom ersten Entwurf an war das Drehbuch unglaublich mutig. Es stellte alles in Frage, was man bislang in einer Weihnachtskomödie für akzeptabel gehalten hätte und gleichzeitig war es zum auf die Schenkel klopfen komisch."

Kurz darauf wurde Regisseur Terry Zwigoff auf das Projekt aufmerksam. Er hatte gerade erst Kritiker und Publikum mit seiner kantigen Komödie Ghost World (Ghost World, 2000) sowie seiner schrägen Ode an die Welt der Underground-Comix, Crumb (1994), überzeugt. Seine Vorschläge erwiesen sich als weitere wertvolle Inspirationen für das kreative Team.

"Ich las das Drehbuch während eines Flugs und mußste so sehr lachen, dass es mir fast ein bisschen peinlich war", erinnert sich Zwigoff. "Mir gefiel außerdem die Herausforderung, eine durch und durch unsympathische Figur sympathisch wirken zu lassen.

Weihnachtsfilme setzen normalerweise auf billige Rührseligkeit, aber mit dieser Geschichte sah ich die Möglichkeit, etwas anderes, etwas Wahrhaftigeres zu machen. Das war es, was mir an dem Drehbuch so gut gefiel - es ist kantiger und ist echter und dadurch letztlich auch bewegender."

Zwigoff hatte bereits in Ghost World bewiesen, dass er ein Händchen dafür hat, dem Publikum entfremdete Außenseiter Kraft seiner erzählerischen Magie nahe zu bringen. BAD SANTA würde sein bislang größtes Projekt sein.

Und er nahm sich des Stoffes mit großem Mut für dessen Komik und mit einer künstlerischen Sensibilität an, die die Produzenten beeindruckte. "Ghost World hat uns sehr beeindruckt", berichtet Cameron.

"Wir erkannten, dass Terry über die seltene Fähigkeit verfügt, wirklich komisch zu sein und dies aber ganz trocken zum Ausdruck zu bringen, aber gleichzeitig zu offenbaren, dass seine Figuren hinter ihrem schockierend merkwürdigen Verhalten ein großes Herz verbergen.

Wir waren überzeugt, dass er beides perfekt einfangen würde: den Humor sowie die eigentliche Story, die Herzensgüte und Emotionalität des Films."

Aubrey fährt fort: "Was Terry in BAD SANTA einbringt, ist sein Verständnis für eine verständliche und doch wunderbar finstere Komödie. Ganz langsam baut er es auf, dass einem die Figuren ans Herz wachsen, auch wenn sie eigentlich ausgesprochen unangenehm sind.

Er kommt nicht ab von dem einmal eingeschlagenen Weg, verliert nie den pechschwarzen Humor der Geschichte aus den Augen und nimmt dabei sein Publikum mit Willie und Marcus auf eine aberwitzige Reise mit."

Doch selbst mit Zwigoff als Regisseur war der Ansatz dieser Weihnachtsgeschichte für die meisten Studios zu riskant. Die Produzenten suchten nach irgend jemandem, der bereit war, mit diesem Projekt ein Risiko einzugehen. "Dann erhielt ich einen Anruf von Bob Weinstein", erinnert sich Zwigoff.

"Er hatte Ghost World gesehen und war begeistert und sagte mir, dass er unbedingt einen Terry-Zwigoff-Film machen wolle. Er fragte, ob ich irgendwelche Ideen oder Drehbücher hätte. Ich schickte ihm noch in derselben Nacht BAD SANTA zu. Am nächsten Tag meldete er sich um elf Uhr morgens und teilte mir mit, dass Dimension Films es übernehmen würde."

Bob Weinstein sagt: "Ich sah die Geschichte von BAD SANTA sehr wohl in der Tradition der respektlosen Komödien, für die Zwigoff bekannt ist, stets seiner bösartig pfiffigen Weltsicht verpflichtet.

Gleichzeitig steht der hinreißend komischen rauen Schale des Films ein großes Herz gegenüber. Durch diese Kombination wurde der Stoff noch origineller und ansprechender. Ich war von dem Drehbuch und der Aussicht, mit Terry arbeiten zu können, begeistert.

Es kommt selten vor, dass ich bei einem Dimension-Film als Produzent fungiere, aber ich wollte den gesamten Prozess Seite an Seite mit den Produzenten John Cameron und Sarah Aubrey erleben."

Willie T. Stokes: Santa auf Sauftour Mit seinem Schandmaul, seinem Vorstrafenregister, seinem schlechten Benehmen, garniert mit ein paar unerquicklichen Angewohnheiten ist Willie T. Stokes die Weihnachtsmann-Albtraumvision eines jeden Kaufhauses. Trotzdem ist er jedoch auch jemand, der nichts dagegen hätte, wenn er einmal in seinem Leben geliebt werden würde.

Um die beiden Seiten von Stokes - seine unfassliche Komik und seine Vorliebe für unflätige Sprüche, ebenso wie sein Hang zur Tragik - einzufangen, entschieden sich die Filmemacher für die vielseitigen Talente von Oscar®-Gewinner Billy Bob Thornton.

"Ich kenne Billy Bob seit vielen Jahren. Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war er der Einzige, den ich auf meiner Wunschliste für die Darstellung des Willie T. Stokes hatte. Ich machte mich sofort daran, ihn für die Rolle zu gewinnen. Er fand das Drehbuch genauso gut wie ich", erinnert sich Weinstein.

"Die Rolle ist ziemlich heikel", meint John Cameron. "An der Oberfläche mußs er widerlich und abstoßend sein. Gleichzeitig mußs man dahinter aber den einen entscheidenden Funken Menschlichkeit erkennen können. Billy Bob Thornton brachte die widersprüchlichen Wesenszüge perfekt auf den Punkt."

Terry Zwigoff fügt hinzu: "Billy ist sehr witzig, aber er ist außerdem blitzschnell und sehr smart. Ich glaube, diese Rolle verlangt nach diesen Qualitäten, wenn ein Schauspieler sie überzeugend spielen will.

Es gibt so manche Situation, in der ein Schauspieler, der den Willie darstellt, improvisieren mußs - speziell, wenn ein Kind im Kaufhaus auf seinem Schoß sitzt und seine Weihnachtswünsche äußert. Bei den Kindern handelt es sich ja nicht um ausgebildete Schauspieler.

Billy war einfach furchtlos. Er hatte nie Angst davor, unsympathisch rüberzukommen. Er stürzte sich Hals über Kopf in den Part. Schließlich habe ich viele seiner Improvisationen in den Film übernommen."

Thornton sieht Willie als den ultimativen Kinoschurken - aber er ist mehr als das. "Gleich von Anfang an hat man das Gefühl, dass es sich bei Willie um einen ziemlich fiesen Typen handelt", erklärt Thornton.

"Aber tatsächlich ist es so, dass er einfach nur eine verlorene Seele ist. Er hatte eine miese Kindheit und findet mittlerweile, dass Weihnachten gleichbedeutend ist mit ein paar ziemlich lausigen Wochen voller Verdrossenheit.

Er ist ein Verlierer. Aber durch die Abfolge von Ereignissen kommt man zu dem Schluss, dass er zumindest ein eher liebenswerter Verlierer ist."

Thornton gefiel auch das ewige Hin und Her seiner explosiven Beziehung zu seinem Kobold-Partner Marcus, der von Tony Cox gespielt wird. "Ich finde es richtig gut, dass es eine solch ,Seltsames Paar'-Beziehung ist", sagt Thornton.

"Man kann nicht sagen, dass wir uns übermäßig mögen würden. Aber wir brauchen einander definitiv, weil Willie derjenige ist, der die Safes knacken kann, und Marcus derjenige ist, der es beherrscht, die Alarmanlagen auszuschalten.

Wir können unsere Verbrechen nicht verüben, wenn wir nicht gemeinsame Sache machen. Mich erinnert das an die Routine, die Dean Martin und Jerry Lewis drauf hatten: zwei Jungs, die nicht miteinander aber auch nicht ohne einander auskommen können."

Die Rolle gab Thornton einmal mehr die Gelegenheit, Erwartungshaltungen entgegenzuwirken - eine Gewohnheit, die sich wie ein roter Faden durch seine Karriere zieht. "Ich wiederhole mich nicht in meinen Rollen", merkt er an.

"Es bereitet mir große Genugtuung, mich in jedem neuen Film wieder in jemand völlig anderen zu verwandeln. Bei Willie bestand die Herausforderung darin, ihn trotzdem als gefühlvolles Wesen zu zeigen, egal wie schlimm die Dinge sind, die er anstellt."

Terry Zwigoff durfte auch eine andere wichtige Wesensart des schauspielerischen Prozesses von Billy Bob Thornton miterleben: "Billy erzählte mir, dass ein wichtiger Schlüssel zu seinem Schauspiel seine Frisur ist. Sobald die Frisur stimmt, weiß er genau, wie er den Charakter darzustellen hat."

Obwohl Thornton nach Ungewöhnlichem strebt, hätte nicht einmal er ahnen können, dass er eines Tages einen Santa spielen würde, schon gar nicht, da seine Statur eher an eine Bohnenstange denn an den fülligen Herrn vom Nordpol erinnert, mit dem man den Weihnachtsmann gemeinhin assoziiert.

Letzten Endes betrachtete Thornton seine äußerliche Diskrepanz als weiteres Zeichen dafür, dass Willie eine denkbar jämmerliche Erscheinung ist, wenn es darum geht, Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Doch nicht einmal Thornton konnte sich der merkwürdigen und geheimnisvollen Magie entziehen, die mit dem Anlegen eines Weihnachtsmann-Kostüms einhergeht.

"Es gefiel mir zunehmend, im Santa-Aufzug herumzulaufen", gesteht er. "Ich glaube nicht, dass sich weder Willie oder ich selbst mich jemals als Santa sehen konnten, aber man kann sich nicht dagegen wehren, es trotzdem zu versuchen, in diese Rolle hineinzuwachsen.

Marcus: Santas kleiner krimineller Helfer Der Kopf hinter Willie Stokes' Weihnachtsmann-Coup ist niemand anderes als der seit langem unter ihm leidende Kobold Marcus - der Kleinwüchsige, aber auch absolut unaufhaltbare Raubzug-Planer. Marcus wird von Tony Cox gespielt, für den die Rolle eine hundertprozentige Abkehr von seiner eigentlichen Persönlichkeit darstellt.

"Tony ist so ziemlich der netteste Typ der Welt. Und hier spielt er den verlogensten, durchtriebensten Kerl, den man sich vorstellen kann. Ich kann mir vorstellen, dass es für ihn die größte Herausforderung war, unentwegt gegen die eigene Gutmütigkeit anzuspielen", erklärt John Cameron.

"Doch letztendlich entwickelte er hinreißende Wortgefechte mit Billy Bob Thornton. Die ganze Beziehung erinnert an Pat und Patachon."

Bösartig oder nicht, für Cox war Marcus eine Rolle, auf die er lange gewartet hatte: "Für einen Menschen mit meiner Statur liegen die guten Rollen nicht gerade auf der Straße. In einem großartigen Part an der Seite von Billy Bob Thornton zu spielen, das passiert nicht alle Tage.

So eine Rolle wurde mir in den 20 Jahren, in denen ich als Schauspieler arbeite, noch nicht angeboten." Cox wurde in einem knallharten Besetzungsprozess aus mehr als 100 Kandidaten ausgewählt.

"Tony war der mit Abstand witzigste Typ, den wir sahen - und er ist obendrein ein wirklich großartiger Schauspieler", bestätigt Zwigoff.

Nachdem er die Rolle ergattert hatte, arbeitete Cox eng mit Thornton zusammen, um für die verrückte antagonistische Beziehung der beiden Männer die Grundlage zu bilden. "Marcus soll Willie unentwegt mit seinem Genörgel auf den Keks gehen", erzählt Cox.

"Bisweilen mußste Billy mich antreiben, noch gemeiner zu ihm zu sein. Dann riss er Witze auf meine Kosten, um mich dazu zu bringen, hinterhältige Rachepläne zu schmieden und es ihm heimzuzahlen. Er ist ein großartiger Schauspieler. Ich konnte viel von ihm lernen."

Thornton berichtet: "Ich bin während meiner Laufbahn als Schauspieler oft fertig gemacht worden. Also sagte ich zu Tony: ,Das ist schon in Ordnung, glaub mir, das hab' ich alles schon mal durchgemacht, also gib's mir', aber das fiel ihm richtig schwer. Ich mußs aber auch sagen: Er brachte mich unentwegt zum Lachen. Er ist ein wirklich witziger Kerl."

Cox verließ sich während des gesamten Drehs auf seine berühmte Schlagfertigkeit: "In allen Rollen improvisiere ich sehr viel. Für diese Rolle machte ich mir so meine Gedanken über Marcus und dachte: ,Klar, er ist ein mieser Typ, aber er ist deshalb so bösartig, weil er ständig das Gefühl hat, er müsste Willie die Hölle heiß machen.

Er betrachtet es als einen Teil seiner Aufgabe, Willie anzuschreien, um den Job erledigt zu bekommen. Aber genau genommen braucht er Willie. Er wünschte, es wäre anders. Aber er braucht ihn wirklich."

Das Kind: Ein Achtjähriger mit Weihnachtsmann-Neurose Die nächste Figur, die entdeckt, dass sie ohne Willie nicht sein kann, ist das Kind - auch bekannt als Thurman Merman, ein dicklicher, verwaister, von anderen Kindern gehänselter Achtjähriger, der auf eine enge Beziehung mit dem echten Weihnachtsmann setzt. Gespielt wird das Kind von Leinwandneuling Brett Kelly.

Er überzeugte Terry Zwigoff auf den ersten Blick. "Als ich sein Porträtfoto sah, rollte ich mich vor Lachen auf dem Boden", erinnert sich der Regisseur. "Ich sagte: ,Wenn dieser Junge auch noch gehen und reden kann, dann ist er engagiert'."

Dennoch hätte Kelly die Rolle beinahe nicht antreten können: Er bekam Windpocken. Die Filmemacher waren nach seinem ersten Vorsprechen völlig begeistert; Als sie ihn dann telefonisch kontaktierten, erfuhren sie, dass er sich die höchst ansteckende Kinderkrankheit eingefangen hatte.

Um die Verbreitung der Windpocken beim Casting und bei der Crew zu vermeiden, durfte Kelly das Set nicht mehr betreten. Zum zweiten Vorsprechtermin wurde er nur eingeladen, nachdem seine Mutter durch ein Attest vom Kinderarzt versichern ließ, dass ihr Sohn ohne Gefahr wieder in die Öffentlichkeit gehen könne.

"Brett war so etwas wie unser Geheimtipp unter den zur Auswahl stehenden Kandidaten", erzählt Sarah Aubrey. "Als er wieder gesund war, überraschte er uns mit seiner Natürlichkeit und wie gut es zwischen ihm und Billy funktionierte."

John Cameron fügt hinzu: "Brett ist der perfekte unschuldige Engel inmitten all der kriminellen Aktivitäten und unentwegten Unflätigkeiten. Ich finde, er stellt die Essenz dessen dar, was es bedeutet, ein Kind zu sein: Er ist süß und niedlich - sogar als er damit Willie schier in den Wahnsinn treibt."

Kelly mag zwar nur ein Kind sein, aber er hatte keinerlei Probleme damit, das zugegeben recht erwachsene Konzept des Films zu verstehen. "Dieser Santa ist ganz schön mies", berichtet er.

"Die meisten Weihnachtsmänner verschenken Dinge an andere Menschen. Und dieser Santa nimmt anderen Menschen am liebsten ihre Dinge weg!"

Thurman beschreibt seine Rolle folgendermaßen: "Er ist ein schüchterner Junge, der keine Freunde hat. Als er schließlich Willie kennen lernt, ist er überzeugt, dass er der echte Santa ist. Thurman ist es egal, wenn Santa schlimme Dinge tut, weil er ihn trotzdem gern hat. Weil er eben Santa ist."

Die, die den Weihnachtsmann lieben und die, die den Weihnachtsmann jagen: Der Rest der Besetzung BAD SANTA ist der letzte Film, in dem der große Komödiant John Ritter vor seinem Tod im September 2003 vor der Kamera stand.

Er spielt den Manager des Einkaufszentrums, einen pragmatischen Mann, der die Vermutung hat, dass mit dem diesjährigen Kaufhaus-Santa und seinem Kobold womöglich nicht alles ganz in Ordnung sein könnte.

Billy Bob Thornton sagt über Ritter: "John war einer meiner ältesten und besten Freunde. Es war sehr gut, in diesem Film wieder mit ihm vor der Kamera zu stehen."

Terry Zwigoff meint: "John Ritter war wirklich einer der coolsten Menschen, den ich jemals kennen gelernt habe. Ein wirklich sehr großzügiger und offenherziger Mensch. Der erste Tag am Set war ein Tag, an dem alles schief ging.

Er kam zu mir und sagte: ,Kann ich irgendwie helfen?' Er war einfach immer für andere da. Und er war unglaublich komisch. Er stahl einfach jedem die Show in den Szenen, in denen er zu sehen ist.

Ich finde, er ist einfach großartig im Film. In einer seiner Szenen mit Bernie Mac mußste ich so laut über ihn lachen, dass ich weggehen mußste. Ich kontrollierte die Szene dann aus der Entfernung über einen Monitor."

Zur Besetzung von BAD SANTA stieß überdies der beliebte Komödiant und Fernsehstar Bernie Mac. Er spielt Gin, dein Kaufhausdetektiv, der Santa und seinem Kobold auf den Fersen ist, während sie ohne Rücksicht auf Verluste sämtliche gängigen Verhaltenskodices, moralische Regeln und schließlich auch noch das Gesetz brechen.

"Das Drehbuch von BAD SANTA war so finster, witzig und ungewöhnlich, dass ich unbedingt mit dabei sein mußste", erklärt Mac.

"Ich sah die Rolle als Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren, mich in einem neuen Feld zu bewegen. Ich bin mir sicher, dass die Menschen, die mich aus dem Fernsehen kennen, ganz schön überrascht sein werden. Ich mag Gin. Wirklich. Er ist ein völlig abgebrühter Typ, der glaubt, er könne jedes Verbrechen aufklären - obwohl er nur in einem Einkaufszentrum arbeitet.

Man könnte sagen, dass er in seiner Fantasie stets auf größere Beute aus ist. Aber als er dann auf diesen 55 Kilo leichten und dünnen Santa und seinen zwergenhaften Kobold trifft, die Kaufhaus nach Kaufhaus ausräumen wollen, begeht Gin den folgenschweren Fehler, ein Stück vom Kuchen abhaben zu wollen."

Bei der Vorbereitung auf die Rolle hatte Mac einen entscheidenden Vorteil: Er hat in seiner Familie eine Reihe von Polizisten und Detektiven, die er für seine Rolle studieren und parodieren konnte.

"Mein Bruder und mein Cousin sind Detektive. Ein weiterer Bruder ist beim FBI. Und zwei weitere Cousins und ein enger Freund sind bei der Polizei", erklärt er.

"Als ich aufwuchs, versuchte ich immer, irgendwelche Verbrechen aufzuklären. Diese Erinnerungen halfen mir, Gin zu formen. Hinter der besten Komodie steckt immer Authentisches aus der Realität."

Und schließlich ist da noch Sue, die von Lauren Graham gespielt wird, eine erwachsene Frau, die Santa Claus liebt - die Santa Claus wirklich liebt. "Sue hat etwas, was man eine Weihnachtsmann-Fixierung nennen könnte", lacht die Schauspielerin.

"Und dann lernt sie Willie Stokes kennen, der aussieht, als könnte er einen guten Freund gebrauchen. Ich glaube, dass Sue denkt, Willie könnte der Einfluss einer Frau in seinem Leben nicht schaden. Und dass es dabei nicht bleibt, versteht sich von selbst."

Für Lauren Graham, den Rest der Besetzung und der Crew bestand der größte Spaß an BAD SANTA darin, zuzusehen, wie Billy Bob Thornton sich tagtäglich aufs Neue in dieses Wrack-im-roten-Anzug, das sich Willie T. Stokes nennt, verwandelte.

"Billy verkörpert eine dieser seltenen Filmcharaktere, die ausschließlich von ihren niedersten Instinkten angetrieben werden", meint Graham.

"Er ist ein Mann, der gerne trinkt, der gerne Spaß hat, der gerne eine schnelle Mark macht. Und doch gibt es da etwas ganz Grundsätzliches und Wahres an ihm, das jeder von uns nachvollziehen kann.

Der Trick besteht darin, dass Billy ihn auf eine Weise zum Leben erweckt, die unfassbar komisch, gleichzeitig aber auch auf eine Art bitter ist. BAD SANTA ist sicherlich keine der üblichen schönen Familienweihnachtskomödien, sondern der Film setzt sich mit dieser Zeit des Jahres durchaus smart und auf originelle Weise auseinander."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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