Bergkristall

Ausführlicher Inhalt

Eigentlich ein schöner Tag, um in den ersehnten Winterurlaub zu starten. Auch wenn sich die Eltern (Katja Riemann/Herbert Knaup) im Auto streiten, die Kinder Lisa und Marc (Paula Riemann/Frederick Lau) freuen sich auf Wintersport und Spaß im Bergdorf Gschaid.

Kurz nach der Ankunft ein dunkles Grollen und lautes Dröhnen - eine Lawine rollt mit gewaltigem Getöse zu Tal. Die Bergkette, vor wenigen Minuten noch eine pittoreske Kulisse, wird zur drohenden Wand. Der Strom fällt aus, plötzlich ist es tiefschwarze Nacht, es herrscht Totenstille.

Die Familie flüchtet zu Onkel Ernst (Max Tidof) ins gemütliche Pfarrhaus, kuschelt sich ängstlich aneinander. Im Schein von Kerzen und Petroleumlampe entdecken die Kinder einen geheimnisvoll leuchtenden Bergkristall, der ihre Neugier weckt. Der Pfarrer erzählt ihnen von der mystischen Geschichte des Steins, die sich vor über hundert Jahren zutrug.

Eine bewegende Legende über Liebe, Feindschaft und Hass und den Triumph des Gefühls. Und ganz langsam werden die modernen Städter in eine fremde Welt hineingezogen, in der die Menschen den Naturgewalten trotzen, im Schatten der Berge arbeiten und ihr Leben nach dem Wandel der Jahreszeiten ausrichten. Es war einmal ...

Tiefe Feindschaft herrscht zwischen den Bewohnern von Gschaid und Millsdorf, selbst die Jungen sind sich spinnefeind. In Gschaid gelten Sebastian (Daniel Morgenroth) und Andreas (Christian Nickel) als die besten Kumpel, sie schauen gemeinsam den Mädels hinterher, genießen ihre Jugend und stoßen auf ihre Männerfreundschaft an.

Doch die hält nicht lange. Der Schuster Sebastian verliebt sich in die Färberstochter Susanne (Dana Vavrova) aus dem reichen Millsdorf. Deren Vater (Jürgen Schornagel) jagt ihn zwar mit dem Gewehr vom Grund, aber irgendwann gibt er nach und seiner Tochter den Segen, fordert den Schwiegersohn auf, tüchtig und fähig zu sein, die Familie selbst zu ernähren.

Das junge Paar bricht erwartungsvoll auf nach Gschaid und stößt auf eine Mauer von Abwehr und Feindseligkeit: "Eingebildet ist die Zugereiste" so das harsche Vorurteil. Selbst Andreas empfängt seinen Freund kalt, der Lehrer verweigert der jungen Frau die Hand, einzig der Pfarrer zeigt etwas Freundlichkeit.

Die Jahre ziehen vorbei, auch mit zwei Kindern, dem 13jährigen Konrad (François Göske) und der 11jährigen Sanna (Josefina Vilsmaier), bleibt sie eine Fremde in Gschaid.

Die Aggression gegen die junge Frau weitet sich auf die Kinder aus, so soll Sanna auf Geheiß des Bürgermeistersohnes nachsprechen, sie sei eine Millsdorferin und genau so eingebildet wie ihre Mutter. Und Prügel gibts auch.

Außer sich vor Zorn stellt Sebastian seinen alten Freund zur Rede, doch der stellt sich taub und seine Frau (Carmen Gratl) prophezeit dem Schuster und seinem Anhang gar das Armenhaus.

Am Abend nach der Auseinandersetzung geht Sebastian mit Susanne ins Wirtshaus, worauf die Gäste, darunter Bürgermeister Andreas und Schafhirt Philip (Thomas Wlaschiha), das Lokal unter Protest verlassen wollen.

Sebastian beschuldigt den Flickschuster Tobias (Daniel Marlin), ihm die Kunden abspenstig zu machen. "Schick die aus Millsdorf weg, dann bringen wir Dir auch wieder unsere Schuhe" heißt es.

Bei den Eheleuten gibt ein Wort das andere, Susanne will sich nicht mehr demütigen lassen, Sebastian versteigt sich zu der Bemerkung, er hätte sie vielleicht nicht heiraten sollen. Tief verletzt fasst die Frau den Entschluss, für einige Zeit zu ihren Eltern nach Millsdorf zurückzukehren, bis die Wogen sich geglättet haben.

"Brauchen ist nicht lieben" antwortet sie ihrem Mann, der sie halten will. Konrad, der das Schuster-Handwerk lernt, will bei seinem Vater bleiben und Sanna beim Bruder. Susanne erklärt ihnen, dass sie fortgeht, damit die Leute wieder Schuhe zum Vater bringen.

Mutter und Kinder umarmen sich zum Abschied innig und mit Tränen in den Augen. In der Folge nehmen Konrad und Sanna an jedem Wochenende den langen Weg zur Mutter nach Millsdorf in Kauf, drei Stunden hin, drei zurück.

Als der Vater ihnen das Märchen vom Bergkristall erzählt, der Liebende wieder zusammenbringt, wünschen sie sich nichts sehnlicher als den Bergkristall für ihre Eltern, um wieder eine Familie zu sein. Aber: der Bergkristall gehört dem Berg, wer ihn nimmt, mußs sein Herz im Tausch geben.

Es wird Frühling, es wird Sommer, das Geschäft in der Schusterei floriert wieder, die Kinder wandern Sonntags nach Millsdorf, gelten immer noch als Fremde in Gschaid. Konrad macht einem Millsdorfer Mädchen schöne Augen, und die hübsche Maria (Teresa Vilsmaier) scheint seinem Werben nicht abgeneigt.

Der Großvater schlägt seinem Enkel vor, in der Färberei zu arbeiten und sie später mal zu übernehmen, doch Konrad hält es mit dem Spruch "Schuster bleib` bei deinem Leisten". Der Vater, dem er einen Brief der Mutter überbringt, verbietet ihm weitere Kontakte zu Maria, er möchte nicht, dass seinem Sohn ein ähnliches Schicksal blüht wie ihm.

Der frühe Wintereinbruch verhindert weitere Millsdorf-Besuche, die Kinder freuen sich weniger auf Weihnachten als auf das Frühjahr, um die Mutter wiederzusehen. Da fegt der Föhn von einem Tag auf den anderen den Schnee fort, es flirrt eine seltsam laue Luft im Tal, man könnte meinen, es riecht nach einem Unglück.

Die Kinder begeistern sich an einem neuen Märchen des Vaters von einem Zigeunermädchen, das sich im Nebel verläuft und auf den Berggeist trifft. Gespannt lauschen sie, wie er der tönernen Occarina verführerische Klänge entlockt.

Konrad plant heimlich einen Besuch in Millsdorf, da der Vater ihn nicht gehen lassen will. Doch Sebastian versteht die große Sehnsucht der beiden nach ihrer Mutter nur allzu gut.

Als Konrad ihm verspricht, gut auf seine Schwester aufzupassen und bei schlechtem Wetter bei der Mutter zu übernachten, dürfen die beiden am Heiligabend aufbrechen. Sie marschieren fröhlich los und kommen wohlbehalten in Millsdorf an. Es weihnachtet sehr.

Der Großvater schmückt den Tannenbaum, das Christkind hat Geschenke gebracht, Lebkuchenduft zieht in die Nase. Sanna freut sich über eine Zigeunerpuppe, die Mutter über ein von Sanna gefertigtes Bild und die ersten von Konrad selbst hergestellten Schuhe, am meisten jedoch über einen goldenen Ohrring von Sebastian, bei dessen Anblick sich ihr das Herz zusammenkrampft.

Bevor es dunkelt, machen sich die Kinder auf den Rückweg, bepackt mit Kuchen, Dauerwurst und einem starken Kaffee-Aufguss für den Vater. Zügig, aber nicht zu schnell sollen sie gehen, rät ihnen der Großvater. Noch rasch steckt Konrad der strahlenden Maria ein geschnitztes Herz zu und wünscht ihr Frohe Weihnachten, bevor deren Mutter sie ins Haus wegzieht.

Berge wie mit Pulverschnee gepudert, blauer Himmel, glitzernde Eiskristalle - eine Winteridylle. Sanna möchte unbedingt den Bergkristall suchen. Plötzlich schlägt das Wetter um, es beginnt zu schneien, sie verirren sich im dicken Nebel, Konrad verletzt sich beim Sturz in eine Spalte und in der Ferne ertönt das Heulen eines Wolfes.

In der undurchdringlichen Finsternis entgehen die Kinder nur knapp einer Lawine, rutschen in eine Tropfsteinhöhle aus Eis, die Höhle der Berggeister wie Sanna fest glaubt. Sie bewegen sich, um warm zu bleiben, teilen das letzte Stück Brot und trinken den starken Kaffee, Konrad packt sein Weihnachtsgeschenk aus, eine dicke Jacke.

Durch eine Öffnung sehen sie die funkelnden Sterne am Firmament, Sternschnuppen, die vorbeiziehen. Sanna wünscht sich etwas, verrät den Wunsch aber nicht, weil er sonst nicht in Erfüllung geht.

Im geheimnisvoll funkelnden Reich der Kristalle hofft sie auf ein glückliches Ende für alle. Warum müssen Menschen sich hassen, fragt das Mädchen, während klirrend Eisstückchen hernieder fallen und sich eine friedliche Stille ausbreitet.

Die Geschwister finden einen Ausgang und während sie erneut im Kreis durch den Schnee stapfen, hört Konrad Glockenläuten aus der Ferne. Erschöpft sinken die Geschwister an einem Felsen nieder, einen glänzenden Bergkristall in Händen.

Sebastian hat indes erfahren, dass die Kinder trotz schlechter Witterung nicht bei der Mutter geblieben sind. Er mobilisiert Hilfe in Gschaid; Susanne jagt ihrerseits von Millsdorf mit dem Pferdewagen los.

Die urplötzliche Angst und Sorge um die Kinder lässt die Dörfler ihren Hass vergessen. Sie schließen sich zusammen, um gemeinsam mit den Eltern nach Konrad und Sanna zu suchen und deren Leben zu retten.

Schweigsam steigen die Suchmannschaften in der Heiligen Nacht die Bergkuppe hoch - die Gschaider auf der einen, die Millsdorfer auf der anderen Seite ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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