Exorzist: Der Anfang

Produktionsnotizen

"The Exorcist" (Der Exorzist) ist einer der grausigsten Filme aller Zeiten - seit seiner Uraufführung hat er zahllose Albträume ausgelöst. Der von William Peter Blatty geschriebene und von William Friedkin inszenierte Film berichtet anschaulich vom makabren Schicksal der zwölfjährigen Regan, die von einem Dämon besessen ist.

Nur ein entschiedener Exorzismus kann sie aus den Klauen des Dämons befreien, und dieses Ritual führt Pater Lankester Merrin durch - fast kommen beide dabei um.

"Exorcist: The Beginning" (Exorzist: Der Anfang) berichtet über das, was Pater Merrin 25 Jahre zuvor erlebt hat: jene schrecklichen Ereignisse, durch die er erstmals vom Glauben an Gott abfiel und die ihm schließlich den Weg zum Exorzismus wiesen.

Regisseur Renny Harlin ist für seinen dynamischen Inszenierungsstil bekannt, der Action-Hits wie "Die Hard 2" (Stirb langsam 2), "Cliffhanger" (Cliffhanger - Nur die Starken überleben) und "The Deep Blue Sea" (Deep Blue Sea) geprägt hat.

Nun fügt er der "Exorzist"-Legende ein neues Kapitel hinzu. "Das Horrorgenre hat mich immer schon begeistert", sagt Harlin. "Bekannt wurde ich mit meinen Action-Filmen, aber mit Horror habe ich einst angefangen - ich habe dieses Genre immer gemocht und bewundert.

Natürlich ist der Original-,Exorzist' einer der berühmtesten Horrorfilme überhaupt, er gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Als sich die Gelegenheit bot, konnte ich natürlich nicht nein sagen."

Gleich zu Beginn der Dreharbeiten in Rom wurde der Regisseur von einem Auto angefahren und schwer verletzt. "Ich zog mir einen komplizierten Beinbruch zu", berichtet er.

"Während des gesamten Drehs humpelte ich also im Gips auf Krücken herum - eine erhebliche Belastung, die mich sehr frustriert hat. Aber wahrscheinlich profitierte der Film davon, denn durch meine mangelnde Mobilität plante ich sehr genau, was ich machen wollte.

Ich habe mir für das Prequel etliche der Fragen vorgenommen, die im Original nicht geklärt werden. Es gab dort mehrere Erzählstränge, über die man nichts Näheres erfährt. Zum Beispiel wird erwähnt, dass Merrin vor Jahren in Afrika einen Exorzismus durchgeführt hat.

Ich wollte meinen Film so gestalten, dass man ihn sich als ersten der Filme anschauen kann, und wenn man dann anschließend ,Der Exorzist' sieht, wirkt er wie die natürliche Fortsetzung. Ich wollte mich intensiv in den Verstand und die Herzen der Zuschauer versetzen und ihnen ein Erlebnis vermitteln, dass ihnen Angst macht, sie überrascht, aber auch befriedigt."

Am Anfang des Films erleben wir einen gebrochenen, verzweifelten Pater Merrin, der in seiner Heimat Holland im Zweiten Weltkrieg Unerträgliches erlebt hat. Vergeblich versucht er dem Grauen seiner Vergangenheit auf Reisen in aller Herren Länder zu entfliehen.

"Wir entschlossen uns, die Geschichte des jungen Pater Merrin zu erzählen", sagt Harlin. "Wir wollten erfahren, wie er dem Dämon erstmals begegnete. Im Zentrum der Story steht Merrins Bemühen, zum Glauben zurückzufinden.

Wir erfahren, dass ihm etwas absolut Grauenhaftes widerfahren ist - deswegen hat er seinen Priesterrock an den Nagel gehängt. Er glaubt jetzt an gar nichts mehr, auch nicht an sich selbst."

Stellan Skarsgård spielt den desillusionierten Priester, und Harlin hatte den Eindruck, die Rolle sei dem Schauspieler wie auf den Leib geschrieben. "Im Original von 1973 spielte Max von Sydow den Pater Merrin", sagt der Regisseur.

"Daraus ergibt sich für mich eine ganz natürliche Verbindung. Sie sehen sich ähnlich, beide stammen aus Schweden und sind fantastische Schauspieler, die es nicht nur in ihrer Heimat, sondern international zu Ruhm gebracht haben. Stellan stellt seine Rolle absolut realistisch dar."

Skarsgård fühlte sich durch die berühmte Darstellung seines Vorgängers durchaus nicht eingeschüchtert oder eingeschränkt. "Ich zeige meine eigene Version der Figur", sagt er über seinen Ansatz.

"In ,Der Exorzist' spielte Max den Pater Merrin als alten Mann, der nicht mehr lange zu leben hat. Wir erfahren nicht genau, wie er als junger Mann war. Ich bin also völlig frei, die Rolle ganz persönlich anzugehen."

Als Merrin durch Kairo streift, erteilt ihm ein Fremder einen ungewöhnlichen Auftrag. Die britische Regierung finanziert archäologische Ausgrabungen in einer unzugänglichen Region in Kenia, wo die Forscher eine erstaunliche Entdeckung gemacht haben - eine vollständig erhaltene byzantinische Kirche, die offenbar gleich nach Fertigstellung vergraben wurde.

Merrins geheimnisvoller Auftraggeber verlangt nun, dass Merrin auf der Grabungsstätte heimlich ein religiöses Artefakt sucht, eine kleine Skulptur, die der Fremde an den britischen Wissenschaftlern vorbei schleusen und seiner eigenen Sammlung einverleiben will. Merrins Neugier ist geweckt - er nimmt den Auftrag an.

"Sie finden eine Kirche, wo es keine Kirche geben sollte", erklärt Skarsgård. "Denn sie wurde im fünften Jahrhundert gebaut - und damals gab es noch keine Christen in dieser Region. Als die Grabungen beginnen, geschehen unheimliche Dinge, und daraufhin wollen die Turkana-Dorfbewohner, die man als Arbeiter engagiert hat, die Grabungsstätte nicht mehr betreten."

Gar nicht erfreut ist Merrin, als er Gesellschaft bekommt: Der junge, enthusiastische Pater Francis ist gerade in Afrika eingetroffen, um die Missionsarbeit zu übernehmen. "Pater Francis hat im Vatikan studiert", sagt James D'Arcy, der den überzeugten Priester darstellt.

"Als die Kirche entdeckt wird, bekommt er neue Anweisungen aus dem Vatikan: Er soll sicherstellen, dass die Ausgrabungen im religiösen Sinn respektvoll und angemessen durchgeführt werden. Und als er erfährt, dass Pater Merrin zum Grabungsteam stößt, nimmt er an, dass sie beide das Gleiche wollen."

Doch als die Priester sich kennen lernen, mußs Francis feststellen, dass er seine Aufgabe ganz allein bewältigen mußs. "Pater Merrin macht eine äußerst schwierige Lebensphase durch", sagt D'Arcy.

"Er hat sich von Gott abgewandt. Und im Lauf der Handlung versucht Francis Merrin immer wieder zum Glauben zurückzuführen, denn die Vorfälle werden immer seltsamer und bedrohlicher. Francis mußs ihm helfen, er mußs ihn überzeugen, dass seine Abkehr von Gott falsch war."

"Zwischen Pater Merrin und Pater Francis entwickelt sich eine interessante Spannung", stellt Harlin fest. "Beide arbeiten sie am Ende der Welt an einer Ausgrabung, aber bald wird klar, dass Pater Francis vielleicht sehr viel mehr weiß, als er zugibt.

Vielleicht gibt es etliche Geheimnisse, die Pater Merrin erst lüften mußs. Glücklicherweise konnten wir James für diese Rolle gewinnen, denn er ist ein sehr überzeugender junger Schauspieler, der in der Rolle des jungen, idealistischen Missionars eine wunderbare Leistung zeigt. Wir spüren nämlich, dass in seinem Kopf vielleicht noch etwas ganz anderes vor sich geht."

Bald darauf merkt Merrin, dass sein Verdacht in dieser bedrohlichen Situation von jemandem geteilt wird: Dr. Sarah Novack ist in diese entlegene Region gekommen, um den Einwohnern zu helfen.

Aber sie mußs zunächst das Vertrauen der Turkana-Stämme gewinnen, denn die Dorfbewohner misstrauen allen Fremden, und ihre Ablehnung verstärkt sich, seit ihr Land von finsteren Mächten heimgesucht wird.

Die Rolle der Sarah übernimmt Izabella Scorupco, die unter anderem in "Reign of Fire" (Die Herrschaft des Feuers), "Vertical Limit" (Vertical Limit) und "GoldenEye" (James Bond 007 - GoldenEye) zu sehen war.

"Sarah entscheidet sich für dieses kleine Dorf in Afrika, weil die Menschen dort ihre Hilfe brauchen", sagt die Schauspielerin. "In ihrem eigenen Leben hat sie schon eine Menge durchgemacht. Jetzt möchte sie Gutes tun, sie will die Ungerechtigkeit der Welt ausgleichen. Mit ihrem starken Charakter lässt sie sich nicht so leicht unterkriegen."

Scorupco erinnert sich noch sehr genau daran, als sie den Original-Film zum ersten Mal sah. ",Der Exorzist' ist auf jeden Fall der gruseligste Film, den ich je im Leben gesehen habe", sagt sie.

"Ich war zwölf und konnte wochenlang nicht schlafen. In dem Alter schaut man sich solche Filme zusammen mit Freunden immer wieder an. Wir fieberten dem entgegen, was hinter der nächsten Ecke lauern könnte."

"Ich habe lange und intensiv nach einer Schauspielerin gesucht, die dieser Rolle gerecht wird", sagt Harlin. "Izabella verkörpert diese professionelle, starke Frau perfekt: Sie behauptet sich unter den extrem widrigen Umständen und erfüllt auch ihre Aufgabe.

Außerdem war diese Dreherfahrung besonders angenehm, weil so viele der Mitwirkenden aus Skandinavien stammen: Stellan und Izabella kommen aus Schweden, ich aus Finnland, wir sprechen also dieselbe Sprache, lachen über dieselben Witze. Und wir können uns unterhalten, ohne dass der Produzent uns versteht!" grinst er.

Als Scorupco sich entschloss, die Rolle anzunehmen, ließ sie sich vor allem von der Persönlichkeit ihres Leinwandpartners und auch ihres Regisseurs beeinflussen. "Was hat mich dazu gebracht, mit meinem vier Monate alten Baby nach Rom zu fliegen? Die Chance, mit Stellan Skarsgård zu arbeiten", erinnert sie sich.

"Ich bin Schwedin, und er ist einer unserer größten, angesehensten Schauspieler. Ich erlebe es als Geschenk, in diesem Team arbeiten zu dürfen, von seiner Gegenwart, von seiner Energie zu profitieren. Außerdem ist Renny Harlin natürlich ein äußerst begabter Regisseur, eine große Inspiration.

Er nimmt seine Arbeit wirklich ernst, auch wenn er ein sehr verspielter Typ ist. Er experimentiert gern, und er lässt uns ohne Druck alles und jedes ausprobieren, was wir zur jeweiligen Szene beitragen können."

"Renny sorgt für gute Stimmung am Set - alle Beteiligten kommen morgens gern zur Arbeit", stimmt D'Arcy ihr zu. "Er hat Autorität, und er sorgt für eine Atmosphäre, die den Spieltrieb in uns fördert. Er schreit nicht ständig ,Cut', sondern wir dürfen immer weitermachen, uns wieder neu konzentrieren und die Szene aus einer neuen Perspektive angehen.

Und er setzt die Kamera ungeheuer kompetent ein. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand die Kamera so locker neu positioniert, ohne ständig zu grübeln: ,Wie schneide ich das später zusammen?' Er beherrscht sein Metier vollkommen. Es ist wunderbar, mit ihm zu arbeiten."

Pater Merrin und Sarah sorgen sich um Josephs Sicherheit: Der kleine Afrikaner freundet sich mit dem Ex-Priester an, doch niemand hat die Macht, die grausigen Ereignisse aufzuhalten, die um sie herum geschehen.

Als die Finsternis über das Dorf hereinbricht, werden Joseph und seine Familie direkt vom Bösen heimgesucht. Der junge Schauspieler Remy Sweeney bewies sehr schnell, dass er der schwierigen Rolle gewachsen war.

"Die Besetzung des Joseph erwies sich als sehr schwierig", sagt Harlin. "Denn er ist erst acht Jahre alt. Ich habe etwa 200 junge Schauspieler getestet.

Und als Remy hereinkam, merkte ich sofort, dass ich meinen Joseph gefunden hatte. Er ist ein Energiebündel, das uns alle verzaubert. Ich spürte sofort, dass er genau die Fantasie mitbringt, die er für die Rolle braucht."

"Remy ist ein Naturtalent - er kann's ganz einfach", bestätigt Scorupco. "Wenn man ihn auf der Leinwand erlebt, merkt man sofort, dass aus ihm mal etwas wird!"

Zu Beginn der Produktion war Sweeney sieben Jahre alt. (Während der Dreharbeiten feierte er seinen achten Geburtstag.) "Ich war sehr nervös, weil dies mein erster Film ist", sagt der in Großbritannien geborene Sweeney. "Die Dreharbeiten waren sehr aufregend, vor allem, wenn ich auf dem Monitor anschauen durfte, was ich gerade gemacht hatte."

Als die Turkana-Stämme überzeugt sind, dass der um sich greifende Wahnsinn die Schuld der Fremden ist, drohen die Spannungen zu eskalieren. Britische Soldaten sollen Unruhen verhindern, verschlimmern aber nur das Chaos und provozieren Tumulte.

Merrin mußs hilflos mit ansehen, wie sich seine Kriegserinnerungen wiederholen: Auch diesmal sind Unschuldige die Opfer boshafter Grausamkeit.

"In dieser Geschichte tritt das Böse in seiner reinsten Form in Erscheinung", überlegt Skarsgård. "Es taucht in Gestalt des Teufels auf. Das ist eine jener Geschichten, in denen das Böse geläutert wird, und auch das Gute wird in gewisser Weise geläutert.

Also ähnlich wie im richtigen Leben, in dem es auch keine eindeutig Guten und Bösen gibt. Merrins Kampf um den Glauben ist ein Teil der Geschichte, und sein Kampf gegen das Böse ein anderer."

Bald ist der Priester überzeugt, dass der Ursprung der eskalierenden Gräuel nicht in der eigentlichen Kirche zu suchen ist, sondern in der Kammer darunter, wo das archaische Böse schon eine Ewigkeit auf seine Befreiung wartet.

Doch bevor er sich überhaupt eine Chance zu dessen Überwindung ausrechnen kann, mußs er zunächst zu seiner Religiosität zurückfinden, die er für immer verloren glaubte. "Wir erzählen keine Fantasy-Geschichte", sagt Harlin.

"Es geht um ganz grundsätzliche Dinge, um Gott und den Teufel. Ohne den einen gibt es auch den anderen nicht. Wer gläubig ist, mußs an beide zugleich glauben."

Aufmarsch auf dem Schlachtfeld "Exorzist: Der Anfang" entstand ausschließlich in den weltberühmten Cinecittà-Studios in Rom: Sie doubelten die unterschiedlichsten Schauplätze des Films: Afrika, Kairo und Holland. "Es ist gar nicht so einfach, die schwarzafrikanische Atmosphäre zu schaffen, wenn man gleich um die Ecke eine Pizza holen kann", sagt Harlin.

"Wir bauten also einige riesige Sets und setzten die unterschiedlichsten Techniken ein, um die perfekte Illusion zu erschaffen: dass wir uns nämlich im tiefsten Afrika befinden und nicht auf einem Studiogelände.

In einigen Szenen berichten wir von der Vorgeschichte der Figuren - zum Beispiel im Holland des Zweiten Weltkriegs. Entsprechend bauten wir Häuser und Straßen, in denen es zu dramatischen Ereignissen kommt."

Harlin beauftragte Produktionsdesigner Stefano Ortolani, die monumentalen Sets des Films zu konstruieren. "In allen Szenen verlange ich große Liebe zum Detail", sagt Harlin.

"Ich will, dass die Hintergründe unbedingt authentisch wirken, sie sollen so aussehen, als ob die Menschen in diesen Häusern und Hütten schon lange leben. Und das Publikum soll spüren, dass in der uralten Kirche einfach alles passieren kann."

Ortolani und sein Team bereiteten sich intensiv auf den Bau der reich ausgeschmückten byzantinischen Film-Kirche und der unheimlichen Kammer darunter vor. Die Kuppel der Kirche besteht aus einer Stahlkonstruktion, für die Elektriker und die Beleuchter baute man spezielle Gerüste.

Die Kirchenwände sind mit detailreichen Mosaiken verziert, auf denen die Legenden vom himmlischen Krieg illustriert werden: Luzifers Vertreibung spielt in der Geschichte eine wesentliche Rolle. "Wir haben uns sehr eingehend mit der Mosaik-Technik auseinandergesetzt", sagt Ortolani.

"Die Herstellung von Mosaiken ist äußerst kompliziert und zeitaufwändig. Also machten wir einen Abguss von einem originalen römischen Mosaik-Fußboden aus der Villa Adriana in Tivoli bei Rom, auf dem keine Bilder zu sehen sind.

Dann flogen wir einen hervorragenden Künstler aus England ein, der auf diese Kopie unsere Illustrationen malte - die abgebildeten Szenen berufen sich auf die christliche Tradition und Geschichten über den Satanismus."

Auf dem Außengelände von Cinecittà entstand eine gewaltige Schlucht aus Glasfaser. Mithilfe von später eingefügten Computerbildern konnte man in diesen Sets die unterschiedlichsten Szenen drehen. Die Fläche der Schlucht betrug 80 mal 60 Meter und war bis zu zehn Meter hoch.

Während der Dreharbeiten passte man die Höhe des Talbodens den Gegebenheiten der jeweiligen Szene an, und bei der Endfertigung kamen im Computer generierte Bilder hinzu, die dann den gewünschten Eindruck vermittelten.

Harlin schätzt sich glücklich, mit dem berühmten italienischen Kameramann Vittorio Storaro arbeiten zu dürfen: Storaro war viermal für den Oscar nominiert - dreimal hat er ihn gewonnen, und zwar für "Apocalypse Now" (Apocalypse Now), "Reds" (Reds) und "The Last Emperor" (Der letzte Kaiser).

Wie üblich erwies sich Storaro auch hier als stilsicherer Meister seines Metiers. "Ohne Vittorio wäre dieser Film weder gruselig noch von so betörender Schönheit", lobt Harlin seinen Kameramann.

"Mir ging es vor allem darum, eine äußerst finstere Atmosphäre zu schaffen, in der die Schatten und dunklen Winkel dominieren - in diesen Ecken kann sich der Zuschauer dann die schauerlichsten Dinge vorstellen, die er aber eben nicht zu sehen bekommt. Für mich ist diese düstere Stimmung der Schlüssel zum Film."

Kein Zweiter versteht es so wie Storaro, Atmosphäre und Handlung mit Hilfe der Beleuchtung zu gestalten. Seine Umsetzung von "Exorzist: Der Anfang" schafft aufrüttelnde, unvergessliche Bilder. "Renny überlegte, wie man Merrins ersten Auftritt in der Geschichte möglichst emotional gestalten könnte", berichtet Storaro.

"Ich dachte darüber nach, wie ich seinen inneren Konflikt mithilfe des Lichts illustrieren kann. Es geht um das Verhältnis von Realität und dem, was jenseits der Realität liegt, nämlich Spiritualität.

In einem Moment fühlt sich jemand völlig kraft- und willenlos, und dann spürt er plötzlich eine menschliche Regung, ein Gefühl, das ihm Auftrieb für einen neuen Anfang gibt. In uns allen gibt es jene düsteren Gefilde, auf die man ein Licht werfen sollte."

Die Fratze des Bösen Als "Der Exorzist" 1973 in die Kinos kam, erlebte das weltweite Publikum schockierende Spezialeffekte, wie es sie noch nie auf der Leinwand zu sehen gab. Im Jahr 2004 sind spektakuläre Effekte natürlich an der Tagesordnung - die Filmzuschauer sind daran gewöhnt, das Unglaubliche zu glauben.

Doch die Filmemacher wollten die Zuschauer in "Exorzist: Der Anfang" nicht einfach mit knalligen, selbstzweckhaften Effekten zudröhnen - stattdessen nahmen sie sich vor, die Effekte einzusetzen, um die Stimmung des Originals nachzuempfinden.

"Ich will einen Film machen, der als logische Vorstufe zu ,Der Exorzist' überzeugt", sagt Harlin. "Wir verzichten also auf die elaborierten Spezialeffekte und Tricks, wie sie heute üblich sind.

Stattdessen machen wir einen ursprünglichen Horrorfilm, der von Spannung und Psychoterror getragen wird, wir verwenden eher altmodische Effekte und verzichten auf jene Tricks, die offensichtlich aus dem Computer stammen."

"Natürlich gehört ,Der Exorzist' zum Pflichtprogramm und Anschauungsunterricht des Effekte-Teams", berichtet Gary Tunnicliffe, der bei "Exorzist: Der Anfang" für die Masken zuständig ist.

Seine Make-up-Effekte sind in zahlreichen Gruselklassikern zu sehen gewesen, zum Beispiel in den Filmserien "Hellraiser" (Hellraiser) und "Halloween" (Halloween) sowie in Tim Burtons "Sleepy Hollow" (Sleepy Hollow - Köpfe werden rollen).

"Das Original erweist sich als alterslos, weil es uns nicht nur durch die konkreten Bilder packt, sondern auch auf der Verstandesebene. Manche Horrorfilme sind wie ein Schlag in die Magengrube, andere wie ein Schlag vor den Kopf. ,Der Exorzist' funktioniert wie ein Doppelschlag."

Tunnicliffes Team entwarf nicht nur die Maskeneffekte, sondern auch die vielen detailreichen Requisiten des Films: Puppen, religiöse Kleinode. Und sie mußsten einem Rudel bedrohlicher mechanischer Bestien Leben einhauchen. Dazu waren umfangreiche Vorarbeiten nötig: Entwürfe, Herstellung der Einzelteile, Gussformen und Bemalung.

Die wohl entscheidende Frage in der Maskenabteilung betraf das physische Aussehen der bedauernswerten Wesen, die im Film vom Dämon besessen sind. "Renny war der festen Überzeugung, dass der Dämon uns an Linda Blair erinnern soll", berichtet Tunnicliffe.

"Es ist ja derselbe Dämon, der in die Menschen fährt. Wir wissen zwar nicht, wie dieses Wesen eigentlich aussieht, aber sobald es von einem Menschen Besitz ergreift, müssen wir die Maske so gestalten, dass sie uns irgendwie bekannt vorkommt."

Bei seinen Vorbereitungen spracht Tunnicliffe mit dem Maskenbildner des Original-"Exorzist", Dick Smith. "Von Dick erfuhr ich, dass sich die Dämonenfratze in ,Der Exorzist' aus Linda Blairs rundem, pausbäckigen Gesicht ergab. Das ist das entscheidende Merkmal der Dämonenmaske.

Dieser Dämon hat keine riesigen Hörner. Er ist auch nicht der Dämon aus ,Buffy the Vampire Slayer' (Buffy - Im Bann der Dämonen). Entsprechend veränderten wir die Wangenknochen des Schauspielers, verpassten ihm ein sehr asymmetrisches Gesicht, indem wir das Kinn an einer Stelle vergrößerten, und fügten Risswunden hinzu.

Mir gefällt die Vorstellung, dass ein Dämon sich selbst Schmerzen zufügt und die Haut zerfetzt, um die menschliche Hülle zu vernichten, in die er gefahren ist. Wir verwenden Kontaktlinsen, die die Augen extrem hervortreten lassen, und mithilfe schwarzer Farbe erscheinen die Zähne grau. Das sieht echt ekelhaft aus."

Obwohl zwischen beiden Filmen über 30 Jahre liegen, verwendete Dick Smith für den Original-Film dieselbe Grundausstattung und dasselbe Verfahren wie das Maskenteam in "Exorzist: Der Anfang".

"Wir benutzen die traditionellen, bewährten Latex-Schaum-Masken", verrät Tunnicliffe. "Das entspricht genau dem Make-up, das Dick gestaltet und verwendet hat. Allerdings benutze ich eine etwas andere Farbe, und die Kontaktlinsen sind heute sehr viel bequemer als damals.

Doch generell handelt es sich um die Technik der 70er-Jahre, die in vielen Fällen auf Dick Smiths eigene Entwicklung zurückgeht. Wenn unsere Masken gut aussehen, dann verdanken wir das eigentlich ihm."

Interessanterweise blieb der außergewöhnlichste Effekt, den Dick Smith für "Der Exorzist" schuf, praktisch unbeachtet: Der Pater Merrin des Films ist über 70 Jahre alt, Max von Sydow war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten aber erst 44. Jeden Tag mußste von Sydow im Schminkraum drei bis vier Stunden ausharren, bis Smith ihn in einen 70-Jährigen verwandelt hatte.

Entsprechend dauerte es auch heute ungefähr vier Stunden, um einen Besessenen mit all den Maskenteilen und Körperfarben zu schminken, die für den gewünschten Effekt nötig sind. Alle Teile wurden direkt auf die Haut geklebt. Dabei kam eine Flüssigkeit namens Pros-Aid zum Einsatz, ein sehr starker Leim auf Wasserbasis.

Wenn der jeweilige Schauspieler geschminkt war, mußste er den gesamten Drehtag in dieser Maske verbringen, und abends war eine weitere Stunde nötig, um ihn wieder abzuschminken. Maskenteile sind sehr empfindlich, weil sie weich und geschmeidig sein müssen, denn der Schauspieler soll in der Maske weiterhin natürlich agieren und grimassieren können.

Beim Abschminken werden die Maskenteile völlig unbrauchbar - für jeden Drehtag wird also ein kompletter neuer Satz von Maskenteilen vorbereitet.

Belohnt wurde Tunnicliffe durch die Reaktionen, die seine Besessenen-Masken hervorriefen. "Die Leute meiden die Akteure in diesen Masken wie die Pest, denn sie sehen reichlich eklig aus.

Und wenn schon jene Leute aus dem Bauch heraus reagieren, die den Schauspielern direkt gegenübertreten, dann werden wohl die Zuschauer ähnliches empfinden, wenn sie die Leinwandbilder sehen."

Eines der kniffligsten Probleme packten Tunnicliffe und sein Team an, als sie jene wilden Hyänen gestalteten, die im Film eine wichtige Rolle spielen. Von der praktischen Arbeit her und auch aus Sicherheitsgründen war der Einsatz echter Hyänen bei den Dreharbeiten nur begrenzt möglich.

"Auf unsere Hyänen bin ich sehr stolz", sagt Tunnicliffe. "Natürlich ist es sehr schwierig, echte Hyänen auf Menschen zu hetzen, ohne dass etwas passiert. Ja, die eigentliche Schwierigkeit besteht schon darin, die Hyänen überhaupt zu etwas zu motivieren. Sie liegen nur da und schlafen."

Bei der Gestaltung dieser schwierigen Sequenzen arbeitete das Maskenteam mit den Computerexperten zusammen. In den Totalen sind echte Hyänen zu sehen, für Nahaufnahmen standen Hyänenpuppen zur Verfügung. Eine hatte weiche Zähne, sie konnte gefahrlos in einen Arm beißen.

Eine andere hatte kräftige Zähne, mit der sie Fleisch aufreißen konnte. Und eine voll mechanisierte Hyäne konnte den Kopf drehen und knurren. Alle wurden mit Schläuchen ausgestattet, durch die man Blut aus ihren Mäulern pumpen konnte. Die fertigen Bestien sahen fast zu echt aus, wie Tunnicliffe beim Dreh erleben mußste.

"In ein paar Nahaufnahmen führte ich die mechanische Hyäne wie eine Handpuppe und schlug ihre Zähne in einen unserer künstlichen Gummiarme. Da hörte ich das Script-Girl nebenan schreien: ,O mein Gott!', als ich ein großes Stück abbiss und das Blut nur so spritzte. Es bringt Spaß, wenn man sogar das Team überzeugen kann."

Das Ergebnis dieser Knochenarbeit lässt dem Zuschauer wirklich die Haare zu Berge stehen. "Ich halte mich so weit wie möglich an reale Vorbilder", sagt Tunnicliffe. "Manchmal übertreiben es die Maskenbildner bei ihren Effekten - dann macht das Publikum nicht mehr mit.

Manchmal reicht es schon, wenn jemand sich den Zeh verstaucht, weil wir alle das Gefühl kennen, aber es ist sehr viel schwieriger, sich vorzustellen, wie sich jemand in ein fliegendes Monster verwandelt. Wenn man bei den Effekten nah an der Realität bleibt, wirken sie viel beeindruckender."

"Das Publikum liebt schaurige Szenen auf der Leinwand", sagt Harlin. "Denn es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, im Kinosessel zu sitzen, alle möglichen Gruselgeschichten zu erleben, um dann am Ende, wenn das Licht angeht, das Kino zu verlassen und sich klarzumachen, dass man ein behütetes und gutes Leben führt.

Solch ein Erlebnis garantiert auch unser Film. Wenn Sie wirklich einen Film sehen wollen, bei dem sie sich an Ihrem Nachbarn festkrallen, das Popcorn durch die Gegend fliegt und sie hoffentlich auch ein paarmal die Augen schließen müsssen, dann ist ,Exorzist: Der Anfang' genau der richtige Film für Sie."

Szenenfoto
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