Verrückte Weihnachten

Produktionsnotizen

Stille Nacht, heilige Nacht ... Joe Roth, seines Zeichens Regisseur und Chef der Filmproduktionsfirma Revolution Studios, entdeckt John Grishams Roman "Skipping Christmas" ("Das Fest"), bevor dieser überhaupt veröffentlicht wurde.

"John Grishams Agent rief mich vor drei Jahren an, weil er wusste, dass ich ein großer Fan von Johns Büchern bin", erinnert sich Joe Roth. "Und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, das Buch als Druckfahne zu lesen. Und dann sagte er mir noch: ?Ich kann mir vorstellen, dass du es gern inszenieren möchtest.'

Es stellte sich heraus, dass er Recht hatte. Schon als ich es las, dachte ich darüber nach, was für einen großartigen Weihnachtsfilm diese Geschichte geben könnte: Sie hatte Humor, sie hatte wunderbare Figuren und sie war auch noch sehr rührend."

"Skipping Christmas" erzählt die Geschichte der Familie Krank, die in der Karibik mal eine Auszeit vom Feiertagsstress nehmen will, nachdem sie zahllose Male klassisch und aufwändig Weihnachten gefeiert hat.

Mit dem Buch schlug John Grisham eine neue Richtung ein, nachdem er sich als Autor etlicher Justiz-Thriller wie "The Firm", "The Pelican Brief", "The Client", "A Time To Kill", "The Rainmaker", "The Chamber" und "The Runaway Jury" - die übrigens allesamt verfilmt wurden - etabliert hatte.

Obwohl "Skipping Christmas" mit einem völlig anderen Ton und Stil als Grishams frühere Romane aufwartet, fand Joe Roth auch in diesem Roman die viel gepriesene Stärke des Autors als Geschichtenerzähler vor.

Eine Hürde verhinderte jedoch, dass Joe Roth den Stoff kaufte und John Grishams Roman umgehend verfilmte: Er hatte gerade seine neue Firma Revolution Studios gegründet und "bei einem so jungen Unternehmen mußs man verdammt viel arbeiten, um es in Schwung zu bringen", erinnert er sich.

Drei Jahre später hatte sich Revolution Studios in Hollywood hervorragend etabliert - durch zwei Dutzend erfolgreiche Filme, darunter Hits wie Anger Management (Die Wutprobe, 2003), XXX (XXX - Triple X, 2002), Black Hawk Down (Black Hawk Down, 2001), Daddy Day Care (Der Kindergarten Daddy, 2003) und den von Joe Roth selbst inszenierten America's Sweethearts (America's Sweethearts, 2001).

Eines Tages bekam Joe Roth einen Anruf von dem Drehbuch-Autor, Regisseur und Produzenten Chris Columbus, mit dem er - in seiner Funktion als Chef der Film Division von 20th Century Fox - bereits an etlichen Projekten zusammengearbeitet hatte, unter anderem an Home Alone (Kevin - Allein zu Haus, 1990) und an Mrs. Doubtfire (Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen, 1993).

"Chris fragte mich, ob ich Grishams neues Buch kenne, und ich sagte: Ob ich es kenne? Ich liebe es. Ich wünschte, ich hätte es gekauft."

Joe Roth erfuhr, dass Chris Columbus die Rechte erstanden und schon ein Drehbuch geschrieben hatte. "Natürlich habe ich mir gedacht, dass er selbst Regie führen wollte", sagt Joe Roth mit wehmütiger Stimme. "Aber er sagte mir: Nein ... du solltest den Film inszenieren.

Dummerweise war ich gerade damit beschäftigt, mich auf die Inszenierung eines anderen Projektes vorzubereiten. Aber als ich das Skript von Chris las, wusste ich, dass ich wenigstens versuchen mußste, es zu inszenieren.

Ich gab mir selbst ein Versprechen: Wenn ich die richtigen Darsteller für die Hauptrollen bekäme, würde ich auch Regie führen. Ganz oben auf meiner Liste für die Kranks standen Tim Allen und Jamie Lee Curtis. Ich schickte ihnen das Drehbuch und sie sagten sofort zu. Es war Schicksal."

Joe Roth hat selbstverständlich auch eine Vergangenheit mit Tim Allen und Jamie Lee Curtis: Als er Chef der Walt Disney Studios war, spielte Tim Allen in The Santa Clause (Santa Clause - Eine schöne Bescherung, 1994) und sprach die Hauptrolle des Buzz Lightyear in den Animationsfilmen Toy Story (Toy Story, 1995) und Toy Story 2 (Toy Story 2, 1999). Und Jamie Lee Curtis kennt der Regisseur, seit sie im Alter von 19 Jahren zum Star wurde.

"Joe und ?Skipping Christmas' passen perfekt zueinander", sagt der Produzent Michael Barnathan, Chris Columbus' Partner bei 1492 Pictures.

"Es ist bemerkenswert, wie schnell alles zusammenkam. Joe las das Drehbuch an einem Sonntag, kaufte es am Montag, entschied am Dienstag, dass er Regie führen wollte und hatte am Freitag Tim und Jamie Lee besetzt. Am darauf folgenden Montag begann die Vorproduktion."

Tim Allen mußste nicht lange überlegen, ob er dem Projekt zusagen sollte. "Schauen Sie sich doch mal die Darsteller an, die daran beteiligt sind: Joe, Chris, John Grisham, Jamie Lee Curtis ...", sagt er.

"Außerdem ist es eine tolle Geschichte, die sich Weihnachten mal mit einem ganz neuen Zugang nähert. Meine Santa-Clause-Filme drehten sich um die Mythologie von Weihnachten. Jetzt haben wir es mit einem viel realistischerem Blick auf die Weihnachtszeit zu tun - und darüber hinaus mit einer wunderbaren Charakterstudie."

All diese Dinge reizten auch Jamie Lee Curtis an dem Projekt. Aber ausschlaggebend war die Begeisterung von Joe Roth. "Die Art und Weise, wie er über den Film redete, war so aufregend", erinnert sie sich. "Und er hatte eine so klare Vision von dem Material. Ich wusste sofort, dass ich mit dabei sein mußste."

Nachdem Tim Allen und Jamie Lee Curtis zugesagt hatten, suchte sich Joe Roth ein ebenso kraftvolles Ensemble von Comedy-Veteranen zusammen, darunter Dan Aykroyd, Cheech Marin, Caroline Rhea und Tom Poston und noch weitere bemerkenswerte Charakterdarsteller wie M. Emmet Walsh, Jake Busey, Felicity Huffman, Elizabeth Franz und Austin Pendleton. Die Newcomer Julie Gonzalo, René Lavan und Erik Per Sullivan vervollständigten das Ensemble.

Der Verrückte Weihnachten lautete nun VERRÜCKTE WEIHNACHTEN (Chritmas with the Kranks), und die Dreharbeiten waren für Dan Aykroyd wie ein Nachhausekommen, nachdem er sich in den letzten Jahren verstärkt auf seine "House of Blues"-Clubs und seine Karriere als Musiker konzentriert hatte.

Tim Allen hatte ihm vor etlichen Jahren geholfen, bei ABC die Rolle in einer Sitcom zu bekommen und mit Jamie Lee Curtis hatte er schon in Filmen wie My Girl (My Girl - Meine erste Liebe, 1991), My Girl 2 (My Girl 2 - Meine große Liebe, 1994) und Trading Places (Die Glücksritter, 1983) gespielt.

"Wenn man erstklassige Schauspieler wie die beiden und dann auch noch jemanden wie Joe auf dem Regiestuhl hat, dann weißt du: Der Spaßfaktor ist ziemlich hoch", grinst Dan Aykroyd.

Seine Co-Stars Cheech Marin und Jake Busey, die die beiden liebenswert doofen Polizisten Salino und Treen darstellen, kennen sich ebenfalls aus früheren Tagen: "Ich kenne Jake, seit er ungefähr vier Jahre alt war", sagt Cheech Marin.

"Ich war ein guter Freund seines Vaters Gary, und ich habe Jake in Malibu aufwachsen sehen, wo wir beide lebten. Er hat sich zu einem wunderbaren jungen Mann entwickelt, der sehr professionell und talentiert ist."

Trotz seines Alters ist auch Erik Per Sullivan schon ein erfahrener Komödiant - seit einigen Jahren gehört er in der Rolle des scheinbar naiven, aber überraschend pfiffigen Dewey zur Stammbesetzung der erfolgreichen TV-Serie "Malcolm in the Middle".

"Ich mag es, komische Dinge zu tun und die Rolle von Spike passt prima zu mir", sagt er. "Ebenso wie er stehe ich darauf, mit Walkie-Talkies rumzulaufen und Spion zu spielen."

O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie schön sind deine Blätter ... VERRÜCKTE WEIHNACHTEN spielt in Riverside, einem Vorort von Chicago, über einen Zeitraum von vier Wochen zwischen Thanksgiving bis zum Heiligabend. Der größte Teil der Handlung findet in der Hemlock Street statt, in der die Familie Krank lebt.

Der Produktionsdesigner Garreth Stover suchte im Großraum Chicago nach den passenden Drehorten und reiste sogar bis nach Minnesota, um eine Location mit den passenden Wetterbedingungen und dem entsprechenden Vorort-Ambiente zu finden.

Den extremen Wetterschwankungen in dieser Region zum Trotz brauchte das Filmteam für die Außendreharbeiten (die zum großen Teil auch noch nachts stattfinden sollten) einen kompletten Straßenzug, den sie über einen Zeitraum von zwei Monaten besetzen konnten.

"Wir kamen schnell zu dem Schluss, dass es - vom praktischen Standpunkt aus gesehen - besser wäre, die perfekte Hemlock Street selbst zu schaffen, statt die perfekte Hemlock Street zu suchen", sagt der Ausführende Produzent Charles Newirth.

"Die Hemlock Street in Chris Columbus' Skript ist geografisch sehr speziell", erklärt Garreth Stover. "Besonders in der Art, in der die Nachbarn - die Kranks, die Scheels, die Frohmeyers, die Trogdons und die Beckers - miteinander verbunden sind.

Die Straße brauchte eine eigene Persönlichkeit ... durch Häuser, die sehr ähnlich gestaltet sind, aber alle sehr unterschiedliche Charaktere haben. Sie sollten ihre Bewohner reflektieren - die sind nämlich sehr spezielle Typen.

Das haben wir nirgendwo vorgefunden, obwohl wir Dutzende von Vorstadtvierteln im ganzen Mittleren Westen durchkämmt haben. Also haben wir am Ende beschlossen, die Straße selbst zu bauen."

Garreth Stover hatte nur 15 Wochen, bevor die Produktion beginnen sollte, und seine erste Aufgabe war es, einen Ort zu finden, an dem er praktisch über Nacht eine ganze Straße konstruieren konnte.

Diesen Ort fand er in dem gewaltigen, aber komplett brachliegenden Parkplatz der ehemaligen Boeing-Flugzeugfabrik in Downey, Kalifornien, rund 15 Meilen vom Stadtzentrum Los Angeles entfernt.

Das Gelände verwandelte sich gerade in The Downey Studios - einer der großen Hangars war bereits zu einer modernen Studio-Halle umgebaut worden, in der schon eine große Hollywood-Produktion gefilmt worden war.

Der Parkplatz grenzte an einige Gebäude, die zuerst niedergerissen werden mußsten, bevor die Konstruktion der Hemlock Street beginnen konnte. Garreth Stover verbrachte die nächsten drei Wochen, zusammen mit David Elliott, dem Construction Coordinator des Films, damit, die Häuser zu entwerfen, die an der Straße stehen sollten.

"Wir hatten genau zwölf Wochen zwischen unserem ersten Hammerschlag und dem ersten Drehtag", erinnert sich Charles Newirth.

"Es war eine monumentale Aufgabe für die Hundertschaften an Zimmerleuten, Stukkateuren und Malern, die die 16 Häuser in Originalgröße bauen mußsten. Es schien unmöglich. Aber in Hollywood findet man solche Handwerker, die diese Aufgabe übernehmen können. In der realen Welt wäre so etwas unmöglich."

Die Hemlock Street wurde zum größten Außen-Set, das jemals für einen Film gebaut wurde - von einem Ende zum anderen über 200 Meter lang, sorgfältig konstruiert bis ins kleinste Detail. Schauspieler, Crew und die Besucher des Sets waren immer wieder erstaunt und überrascht von dem Drehort.

"Wir haben am Ende 16 Häuser gebaut", bemerkt Stover. "Wir bauten, wie ich sie nenne, die glorreichen Fünf - die Häuser der Kranks, Frohmeyers, Scheels, Beckers und Trogdons. Die hatten jeweils ein komplett eingerichtetes Erdgeschoss, das man von außen einsehen konnte. Den ersten Stock des Krank-Hauses haben wir im Studio nachgebaut."

Jedes dieser Häuser strahlt eine eigene Persönlichkeit aus, um die Charaktere zu reflektieren, die es bewohnen. Die Gestaltung der Bürgersteige und Auffahrten spiegelten die Abnutzung über die Jahre wider, als Merkmal einer funktionierenden Nachbarschaft.

Erde wurde lastwagenweise herangeschafft, Rasen gepflanzt, ausgewachsene Bäume wurden in gewaltigen Kisten auf Sattelschleppern an das Set transportiert. Um sie an den Gehwegen und in den Vorgärten einzupflanzen wurden Kräne eingesetzt.

Die Hemlock Street vermittelte bald schon das Gefühl einer realen Straße. Die Schauspieler und die Mitglieder der Filmcrew verließen morgens ihr eigenes Zuhause und ihre eigenen Nachbarn, um in ihrem Film-Zuhause den größten Teil des Tage und manchmal auch der Nächte wegen der ausgedehnten Nachtdrehs zu verbringen.

"Hemlock Street ist die Hollywood-Verklärung einer normalen Vorstadt-Siedlung", sagt Tim Allen. "Die Häuser sind echt, es gibt Gärten und Vorgärten. Es ist umwerfend, welche Mühen in dieser Arbeit stecken und wie realistisch das Ergebnis geworden ist.

Es war gut, dass wir nicht in einem echten Viertel drehen mußsten - die Anwohner hätten uns gehasst, wenn wir so viele Tage und Nächte vor ihrer Haustür gearbeitet und auch noch künstlichen Schnee benutzt hätten."

Da die Geschichte in der herannahenden Weihnachtszeit spielt, begannen Garreth Stover und sein Team, die Häuser für die Feiertage zu dekorieren (mit Ausnahme des Krank-Hauses natürlich).

Alle bekannten - und manchmal beabsichtigt übertrieben eingesetzten - Dekorationsstücke für ein typisch amerikanisches Weihnachtsfest wurden entlang der Hemlock Street angebracht: Auf dem Rasen standen unter anderem Weihnachtsmänner und ihre Schlitten und beleuchtete Rentiere mit beweglichen Köpfen.

Das super-patriotische Haus von Vic Frohmeyer (Dan Aykroyd) wurde mit einer Amerika-Flagge ausgestattet, die aus roten, weißen und blauen Glühbirnen bestand. Und natürlich stand auf jedem Dach eine drei Meter hohe Statue von "Frosty, dem Schneemann". "Es war, als würden wir jeden Abend im Wunderland verbringen", bringt es Jamie Lee Curtis auf den Punkt.

Im gleichen Maße wie Garreth Stover war auch der Kameramann Don Burgess dafür verantwortlich, die Illusion der Weihnachtszeit und das Gefühl eines tristen Winters in Chicago zu erzeugen.

Er meisterte seine Aufgabe so perfekt, dass es so gut wie unmöglich ist, die Aufnahmen aus der Hemlock Street in Südkalifornien von dem Second-Unit-Material zu unterscheiden, dass im Großraum Chicago aufgenommen wurde.

Die Bauten waren so realistisch, dass sich Charles Newirth in seine Kindheit zurückversetzt fühlte - mit gutem Grund: Garreth Stover hatte ein lebensgroßes Modell des Hauses konstruiert, in dem der Ausführende Produzent aufgewachsen war.

"Das Haus auf dem Cover von John Grishams Buch sah jenem Gebäude in einem Vorort von New York unglaublich ähnlich, in dem meine Familie 40 Jahre lang lebte", erklärt Charles Newirth. "Als Garreth mit dem Design der Straße begann, schickte ich ihm die Kopie eines Fotos meines damaligen Zuhauses.

Ich sagte ihm aber nicht, dass ich dort aufgewachsen bin. Er sah sich das Foto an und meinte: ?Dieses Haus ist perfekt.' Erst nachdem er ein Miniatur-Modell gebastelt hatte, sagte ich ihm die Wahrheit. Das scheint sich ausgezahlt zu haben, denn danach hat er es erst recht bauen wollen."

Anders als andere Hollywood-Sets überdauerte die Hemlock Street die Dreharbeiten. "Das Set bleibt bestehen, damit es für andere Filme, TV-Serien oder Werbespots genutzt werden kann", sagt der Produzent Michael Barnathan.

Vom Himmel hoch, da komm ich her ... Während Garreth Stover und seine Crew mit dem Aufbau des Sets beschäftigt waren, kümmerte sich die Kostümdesignerin Susie DeSanto um die Garderobe der Schauspieler.

Susie DeSanto arbeitete eng mit Garreth Stover - mit dem sie bereits in der Hit-Komödie 13 Going on 30 (30 über Nacht, 2004) von Revolution Studios Erfahrungen gesammelt hatte - zusammen, um ihre Farbpaletten und Designs aufeinander abzustimmen.

"Man möchte ja nicht, dass eine Zimmerwand die gleiche Farbe wie das Kleid einer Darstellerin hat, sonst sieht man nur deren Kopf im Zimmer herumfliegen", grinst Garreth Stover.

Susie DeSanto hatte präzise Vorstellungen, was sie im Film erreichen wollte. "Ich suchte nach einem Projekt, das sehr strukturell und ein bisschen nostalgisch sein sollte", bemerkt sie.

"Ich sah VERRÜCKTE WEIHNACHTEN als Weihnachtskarte, eine wunderschöne Erinnerung daran, wie wir uns die Weihnachtszeit vorstellen. Also wählte ich keine modernen, farbenfrohen Stoffe und Muster aus, sondern eher Wolle, Karomuster und Mustermix.

Joe Roth wusste genau, was er wollte, aber innerhalb seiner Vorgaben hatte ich völlig freie Hand in dem, wie ich mich ausdrücken wollte."

In Susie DeSantos Augen akzentuieren die Kostüme die Figuren anstatt sie offen zu definieren. "Tim Allens Figur des Luther ist ein ziemlich konservativer Kerl. Er trägt immer ein T-Shirt in derselben Farbe, und sein Arbeitsanzug hat auch immer dieselbe Farbe - fast wie eine Uniform.

Das sagt uns auf subtile Weise, dass Luther ein Gewohnheitstier ist, und dass seine Idee, Weihnachten ausfallen zu lassen und statt dessen auf eine Reise in die Karibik zu gehen, das komplette Gegenteil dessen ist, was er jemals getan hat."

Nora Krank beschreibt Susie DeSanto so: "Sie hat Geschmack und ist ein bisschen volkstümlich. Sie ist eine Amerikanerin aus dem Mittelstand in ihren mittleren Jahren. Bei unserem ersten Treffen war Jamie Lee Curtis perfekt vorbereitet.

Sie wollte wie eine typische Frau aus dem Mittleren Westen aussehen, die in einem Vorort von Chicago lebt und von Weihnachten ebenso besessen ist wie jeder andere um sie herum.

Nora kleidet sich speziell für die Feiertage und als ich mit den Menschen in Marshall Field's in Chicago sprach, stellte sich heraus, dass dort der Weihnachtspullover schwer angesagt ist. Und der steht Jamie hervorragend."

So wie bei den beiden Titelhelden unterstrich Susie DeSanto auch bei den anderen Hauptfiguren deren Charakter durch ihre Kostüme. Dan Aykroyds Figur ist für sie eine Art "Kommandant der Nachbarschaft, also wollte ich für ihn eine Garderobe mit einem kleinen militärischen Flair.

Weil er aber auch ein College-Professor ist, nahmen wir nur den Schnitt der Uniform-Jacke eines Generals und gaben ihm durch den Mix aus zeitgenössischem Tweed und Cord ein professorales Aussehen."

Süßer die Glocken nie klingen ... Ein bestimmtes musikalisches Motiv zieht sich als Comedy-Element durch VERRÜCKTE WEIHNACHTEN: Ein aufdringlicher Weihnachtschor scheint das Haus von Luther und Nora zu belagern.

Neben einer Reihe traditioneller Melodien, die in dem Film verwendet werden, schrieb der Musiker und Schauspieler Steven Van Zandt (Little Steven aus Bruce Springsteens E-Street Band und Silvio aus der TV-Serie "The Sopranos") auch einen neuen Song für den Film: "Navidad".

Die Einzigartigkeit von Steven Van Zandts Komposition besteht darin, dass sie auf Spanisch ist und einen leichten, aber unüberhörbaren peruanischen Sound verwendet.

"Joe Roth und Chris Columbus fragten mich, ob ich nicht einen peruanischen Weihnachtssong schreiben konnte. Das war schon ein wenig eine Herausforderung, aber bedeutete auch eine Menge Spaß", erklärt Steven Van Zandt. "Es war schon schwierig genug, das Lied in einer Sprache zu schreiben, die ich nicht spreche."

Steven Van Zandt arbeitete sich in die peruanische Musik ein und benutzte die typische Flöte aus den Anden, ein Akkordeon, Gitarren und Tamburine, um diesen besonderen Sound zu erreichen. Und weil Peru ein sehr katholisch geprägtes Land ist, entschied er sich, traditionelle Gebete als Teil des Songtextes zu benutzen.

Steven Van Zandt arbeitete mit spanischsprechenden Freunden zusammen, die seinen englischen Text übersetzen sollten. Dieser Prozess nahm allerdings mehr Zeit in Anspruch, als er erwartet hatte. "Englisch tendiert dazu, eine spezielle Phrase für alles zu haben, was wir sagen", erläutert er.

"Im Spanischen ist das nicht der Fall. Ich kann zehn Freunde fragen, wie die spanische Übersetzung einer bestimmten englischen Phrase lautet - und ich bekomme zehn verschiedene Übersetzungen. Ich brauchte nur ein paar Tage, um den Song zu schreiben - aber über zwei Wochen, um ihn übersetzen zu lassen."

Im Film wird "Navidad" von den Schauspielern gesungen und gespielt - René Lavan und Austin Pendelton singen im Duett, Dan Aykroyd spielt Akkordeon, Cheech Marin und Jake Busey Gitarre und Tom Poston Tamburin.

",Navidad' ist ein einfaches Lied, in dem es darum geht, dass wir eine Menge haben, um es zu befeiern", sagt Steven Van Zandt. "Aber gleichzeitig sollten wir uns immer daran erinnern, dass es Menschen auf der Welt gibt, die nicht so viel Glück haben."

Es ist ein Ros' entsprungen ... "Tim wird in diesem Film ziemlich oft gequält", lacht Produzent Michael Barnathan. "Aber um ganz ehrlich zu sein: Ich glaube, es hat ihm gefallen.

Wir haben etliche Male gewaltige Wassermengen über ihm ausgekippt, er fällt vom Dach und hängt 15 Meter über dem Boden kopfüber an einer Leine ... Im Verlauf des Films wird er immer wieder gedemütigt. Aber er ist der richtige Kerl für diesen Job."

Auch Jamie Lee Curtis mußste ihren Teil an körperlicher Komödiantenarbeit in VERRÜCKTE WEIHNACHTEN absolvieren - sie rast im Supermarkt mit einem außer Kontrolle geratenen Einkaufswagen in einen Keksstand oder wird beinahe von einem Lastwagen überfahren, als sie versucht, eine widerspenstige Dose Weihnachtsschinken wieder einzufangen.

Ernie Orsatti, der Stuntkoordinator des Films, erläutert: "Tim und Jamie sind das, was wir Spieler nennen. Sie machen alles mit. Es gibt nicht viele Schauspieler, die das tun würden, was Tim hier gemacht hat.

Es ist im Rahmen eines präzisen Stunts ganz schön schwer, körperlich anstrengende Aufgaben zu übernehmen und die dann auch noch komödiantisch aussehen zu lassen. Und Jamie Lee ist eigentlich ein Stuntgirl, die nur zufällig eine so brillante Schauspielerin geworden ist. Ich hatte bei diesem Film wirklich Glück mit den beiden."

"Tim war definitiv kein Spielverderber, ganz besonders wenn es an die Stunts mit dem Wasser ging", lobt Joe Roth. "Es war eiskalt, wir haben die meiste Zeit die ganze Nacht hindurch gedreht, und er verbrachte drei dieser Nächte - von Sonnnenuntergang bis zum Morgengrauen - im klatschnassen Zustand."

"Ich habe einfach gemacht, was man mir gesagt hat. Wie ein Soldat", bekennt Tim Allen. "Wenn der Film dadurch besser wurde, hab ich's gemacht. Ernie und die anderen, mit denen ich gearbeitet habe, waren absolut professionell. Sie haben alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen."

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit ... Die festliche Stimmung von VERRÜCKTE WEIHNACHTEN war allerdings nicht nur auf die Szenen für die Leinwand beschränkt. Die gute Laune und die Ausgelassenheit breitete sich auch in den Momenten aus, in denen die Kameras nicht lief.

Zwischen den Aufnahmen waren Tim Allens anarchistische Comedy-Einlagen, Jamie Lee Curtis' Enthusiasmus und Dan Aykroyds trockener Witz symptomatisch für die lockere, humorvolle Atmosphäre, von der sich buchstäblich jedes Mitglied der Besetzung und der Crew anstecken ließ.

"Ich habe niemals auch nur annähernd eine solche Erfahrung gemacht wie mit Tim Allen zwischen den Takes", lacht Joe Roth. "Er ist ein so komischer Kerl. Die ganze Crew hat sich zwischen den Aufnahmen gekrümmt vor Lachen."

"Es gibt eine Handvoll Leute, die schon als lustige Menschen geboren werden", sagt Dan Aykroyd, "und Tim ist definitiv einer von ihnen. Er ist einer dieser Typen, die dich dazu bringen, schallend laut zu lachen.

Er findet in allem etwas Humorvolles und das hat ihn bei der ganzen Crew so beliebt gemacht. Besonders an den langen Drehtagen und -nächten."

Die Atmosphäre am Set zog sich durch die Themen von John Grishams Romanvorlage und die Adaption von Chris Columbus: "Es geht im Grunde um Weihnachten als vereinende Zeit des Jahres", gibt Joe Roth zu Protokoll. "In meinen Augen ist es eine Geschichte über Freunde, Familie und die Gemeinschaftlichkeit."

Apropos vereinend: Laut Jamie Lee Curtis wäre die kongeniale Atmosphäre der Produktion ohne die Präsenz des Mannes, der den Laden am Laufen hielt, nicht möglich gewesen - des Regisseurs.

"Wir waren von wunderbaren Menschen umgeben und hatten ein fantastisches Drehbuch als Vorlage", sagt Jamie Lee Curtis. "Joe war jemand, den alle am Set liebten ... er ist ein so unglaublich netter Kerl, er ist so froh und dankbar, am Set zu sein - und so enthusiastisch bei der Arbeit."

"Joe und ich sind beide Linkshänder, und wir haben am gleichen Tag Geburtstag", bemerkt Tim Allen. "Also sind wir Seelenverwandte." Und Dan Aykroyd ergänzt: "Joe ist einer dieser Männer, die wissen, was Schauspieler brauchen. Er ist kein hysterischer Regisseur.

Er leitet ein Studio, also hat er eine Menge Erfahrung. Er bewahrt die Ruhe und hat alles im Griff. Das erklärt, warum er in der Branche einen so guten Ruf hat und die Menschen ihn so gern mögen. Das trifft jedenfalls auf mich zu."

"Joe Roth ist ein echter Regisseur", pflichtet ihm auch Austin Pendleton bei, der selbst ein respektierter Theaterregisseur ist. "Damit meine ich, dass er immer weiß, worum es in einer Szene geht.

Das ist das Merkmal eines guten Regisseurs beim Film, denn oftmals haben sie keine Ahnung davon. Joe weiß das, und er kann es seinen Schauspielern vermitteln, also ist jeder auf dem gleichen Stand."

"Joe ist wahrscheinlich der zielstrebigste und entscheidungsfreudigste Regisseur, mit dem ich je gearbeitet habe", lobt auch Charles Newirth. "Er hat einen großartigen Sinn für Humor, er hat klare Vorstellungen davon, wie er an die Story herangehen will.

Gleichzeitig ist er offen für Vorschläge und neuen Input, und das ist das Zeichen eines selbstbewussten Regisseurs. Die Schauspieler fühlen sich in einer solchen Atmosphäre sehr wohl, denn das treibt sie kreativ an."

Obwohl die Weihnachtstage eine Zeit der Freude und der Leichtheit sind, spielen auch tiefere Themen des menschlichen Miteinanders eine zentrale Rolle - und diese Themen kommen in VERRÜCKTE WEIHNACHTEN ebenso zur Geltung: "Es geht in dem Film um Selbstlosigkeit, darum, dass man sich um die Menschen um sich herum mehr sorgt als um sich selbst", sagt Michael Barnathan.

"Wir leben in einer Welt, in der es nur um eines geht: ich, ich, ich. Weihnachten ist die Zeit des Jahres, in der wir das beiseite lassen und über unsere Gemeinsamkeiten und die Familie nachdenken."

"Dieser Film hat eine klare Botschaft", schließt Charles Newirth. "Weihnachten dreht sich nicht nur um Geschenke und den Weihnachtsbaum. Es geht um die Familie, die Gemeinsamkeiten und um diese kleinen, speziellen Momente im Leben, an die wir uns noch lange danach erinnern können."

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Columbia © 1994 - 2010 Dirk Jasper