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Allende - Der letzte Tag des Salvador Allende

Produktionsnotizen

Director's Statement Was Allende so gegenwärtig hält, ist die Konstellation eines tragischen Helden des 20. Jahrhunderts. Eine Camus-Figur, ein Sisyphos, einer, der weiß, dass er nicht ans Ziel gelangen wird und dennoch und aus freien Stücken seine Aufgabe und sein Geschick wählt. Und der gerade darin, dass er es mit Freude und ohne Zweifel tut, ein ungeheures Maß an Freiheit dokumentiert.

Das ist das Große an Allende: dass er so lange schon weiß, dass der chilenische Weg wahrscheinlich nicht durchkommen wird, und ihn dennoch mit aller Konsequenz geht. dass er spätestens am Morgen des 11. September 1973 weiß, dass er sterben wird.

dass diese Konsequenz nicht ins Märtyrertum mündet, sondern in den letzten Beweis der Freiheit, für die Allende politisch einstand. dass also seine berühmte letzte Rede nicht improvisiert, sondern lange schon gedacht ist. dass er den Freitod wählt, gerade um nicht zu resignieren. dass in diesem Paradox die ganze Freiheit des Individuums aufgehoben ist. - Michael Trabitzsch

Chile im September 1973. Kurze Chronik eines angekündigten Putsches Die Situation der Regierung der Unidad Popular ist verfahren. Die wirtschaftliche Lage ist katastrophal, die innenpolitische bis zum Zerreißen gespannt: Unzählige Anschläge rechter Organisationen, militante Gegendemonstrationen der Linken.

Salvador Allende weiß, dass der Staatsstreich bevorsteht. Er weiß es seit Wochen. In Verhandlungen mit der Democracia Cristiana (DC) hat er versucht, wenigstens deren moderaten Flügel zu einer großen Koalition zu bewegen.

Dafür war er bereit, gegen den Willen der einzelnen Parteiführer der Unidad Popular wesentliche Maßnahmen der Regierung zurückzunehmen: letztlich eine bedingte Kapitulation, um wenigstens einen Teil der eingeleiteten sozialen Reformen zu erhalten.

Die Verhandlungen mit den Christdemokraten scheitern: Sie wollen noch mehr Zugeständnisse von Allende und nehmen dafür den immer deutlicher sich abzeichnenden Staatsstreich in Kauf.

"In dieser Geschichte weiß jeder, dass es zu einem Mord kommen wird. Keiner will ihn. Und doch tragen alle dazu bei, dass er geschieht. Es ist wie in einer griechischen Tragödie, in der das Schicksal die Menschen beherrscht." - Osvaldo Puccio

Allende versucht, eine letzte Trumpfkarte auszuspielen: Ein kurzfristig angesetztes Plebiszit soll ihn als legitimen Präsidenten bestätigen, damit seine Parteifreunde zum Einlenken bringen und die DC doch noch für die große Koalition gewinnen.

Das Plebiszit soll am 10. September stattfinden. Allende lässt sich von den Militärs überreden, die Abstimmung um zwei Tage zu verschieben.

Am Abend des 8. September trifft sich Allende mit dem loyalen General Prats, der kurz zuvor auf Druck der Heeresleitung als Oberkommandierender der chilenischen Streitkräfte zurückgetreten war.

Allende fragt, welche Regimenter bei einem Staatsstreich loyal bleiben würden. Prats antwortet: "Keines." Seine eigene Loyalität bezahlt Prats später mit dem Leben: Er wird im September 1975 in Buenos Aires ermordet.

"Wir sprachen alle darüber, dass vielleicht ein Putsch kommen würde. Aber es hieß immer: vielleicht kommt er, vielleicht nicht. Es hätte am 29. Juni geschehen können, als die Panzer zum ersten Mal anrückten.

Aber damals wurden sie schnell zurückgedrängt, und die anderen Militäreinheiten blieben loyal. Von da an haben wir uns an diese Hoffnung geklammert: Vielleicht passiert es, vielleicht aber auch nicht." - Isabel Allende

Am Abend des 10. September werden massive Truppenverschiebungen gemeldet. In den frühen Morgenstunden wird Allende über die Erhebung der Marine in Valparaíso informiert.

Er begibt sich in die Moneda, wo ihn kurz darauf die ultimative Aufforderung der Militärs zur Aufgabe erreicht. Gegen 9.30 Uhr beginnt der Beschuss der Moneda, die Vorstädte, wo das Militär die militante Basis der Regierung vermutet, werden bombardiert.

Nachdem Allende ein weiteres Ultimatum hat verstreichen lassen, wird auch die Moneda aus der Luft angegriffen. Allende befiehlt seinen Getreuen, sich zu ergeben. Er selbst nimmt sein Gewehr und erschießt sich.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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