Im Feuer

Produktionsnotizen

Mitten ins Feuer: Die ENTSTEHUNG einer anderen Art von Feuerwehrmann-Film Durch die Tragödie von 9/11 und ihre Opfer wurde Amerika die Bedeutung der Taten jener ehrenhaften und heroischen Feuerwehrleute, die in jeder einzelnen Gemeinde regelmäßig ihr Leben aufs Spiel setzen, mit brutaler Deutlichkeit bewusst. Dennoch ist nur den wenigsten bekannt, wie der Alltag dieser Feuerwehrmänner im Grunde aussieht. Feuerwachen sind private Orte, deren Inneres ein Außenseiter nur in den allerseltensten Fällen zu Gesicht bekommt. Auch weiß man nicht viel über das Privatleben, das Feuerwehrmänner führen, ihre Kinder, Frauen, Familien und Freunde, die ihnen den Rücken stärken, damit sie ihre Arbeit in einer der gefährlichsten, anstrengendsten und wichtigsten Professionen der Welt tun können?

Das war der Grund, warum sich Produzent Casey Silver des Themas in einer Form annehmen wollte, die man im Kino zuvor noch nie gesehen hat. Silver stellte sich einen Film vor, der sachlich und offenherzig die starken Traditionen, den enormen Druck, die engen Freundschaftsbande, das angeborene Pflichtbewusstsein, das Bedürfnis nach Familie und die Fähigkeit, mit menschlichen Tragödien und Verlusten umzugehen, zeigen sollte - alles Dinge, mit denen sich Feuerwehrmänner in der Ausübung ihres Berufs beinahe täglich konfrontiert sehen.

"Ich wollte einen Film über Feuerwehrmänner machen, der unsentimental und ehrlich ist und genau deswegen ihre Würde und Ehrenhaftigkeit ganz genau darstellt", erklärt Silver. "Ich stellte mir einen Film vor, in dem es im Kern um die Charaktere und menschliche Emotionen geht, der gleichzeitig aber auch die Spannung und das Spektakel der Feuerbekämpfung nicht ausspart."

Er fährt fort: "Mit diesen Ideen im Kopf schlug ich das Projekt Drehbuchautor Lewis Colick vor. Ich erzählte ihm, dass ich das Leben von Feuerwehrmännern aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten wollte. Die Geschichte sollte nicht wie üblich in einen Thriller oder Actionfilm eingebettet werden. Ich wollte einen wahrhaftigen, ungeschminkten Blick auf diese Welt werfen. Ich bat ihn, sich der Realität der Feuerwehrmänner so weit wie möglich anzunähern und besonderes Augenmerk auf ihr Familienleben zu legen - ich wollte keine Ehefrauen sehen, deren Funktion im Film darauf reduziert ist, ihren Männern Abschiedsküsse auf die Wange zu drücken. Nein, sie sollten eine zentrale Rolle in ihrem Leben, bei ihren Ambitionen und Motivationen spielen. Dahinter steckte die Idee, ein Gefühl dafür zu vermitteln, wer und wie diese beiden Familien sind, aus denen Feuerwehrmänner ihre Kraft schöpfen: hier die Brüder an ihrer Seite im Job, auf der anderen Seite ihre Ehefrauen und Kinder zu Hause."

Colick, zu dessen bisherigen Arbeiten das Bürgerrechtsdrama GHOSTS OF MISSISSIPPI ("Das Attentat", 1996) und der Cop-Thriller UNLAWFUL ENTRY ("Fatale Begierde", 1992) gehören, begann mit einer weitreichenden Recherche und studierte den Alltag von städtischen Feuerwehrmännern sowie deren Ehefrauen. Dafür interviewte er Dutzende von ihnen und sprach mit ihnen über jeden denkbaren Aspekt ihres Lebens - von ihren wildesten Geschichten zu ihren geheimsten Ängsten. Er wurde förmlich überwältigt von der Emotionalität des Erzählten - und war sich schnell bewusst, dass die größte Herausforderung darin bestehen würde, wie man das Gelernte am besten in die Geschichte eines einzelnen Mannes verpacken könnte.

Schließlich ließ sich Colick eine unkonventionelle Erzählstruktur einfallen, die es ihm erlaubte, all die verschiedenen und unterschiedlichen Themen anzusprechen, die er für spannend und interessant hielt. Wie bei einem Fleckerlteppich verwob er eine Vielzahl von Geschichten mit dem Versuch der Feuerwehr, einen Kollegen - den engagierten und glücklich verheirateten Feuerwehr-Veteranen Jack Morrison - aus einem Flammenmeer in einem vom Einsturz bedrohten Hochhaus zu retten. "Jack steht stellvertretend für einen ganz bestimmten Typ von Feuerwehrmann, den ich bei meinen Recherchen kennenlernen durfte. Er ist ein gutherziger Familienmensch, der seine Freunde liebt, seine Ehefrau liebt, aber wenn die Alarmglocke klingelt, ist er ohne Zögern bereit, alles zu riskieren, um jemanden zu retten, den er nicht einmal kennt", berichtet Colick.

Der Drehbuchautor fährt fort: "Die Figur des Jack gab mir die Gelegenheit zu zeigen, wie das Leben eines Feuerwehrmannes wirklich aussieht. Viel Zeit wird damit verbracht, einfach nur auf ein Feuer zu warten. In dieser Zeit werden Spiele gespielt, Streiche ausgeheckt oder Sprüche gerissen. Doch diese Wartezeit wird immer wieder unterbrochen von dramatischen Ereignissen, die das Leben anderer Menschen verändern und einen für immer prägen können. Jack auf sein Leben zurückblicken zu lassen, gab uns die Gelegenheit, viele dieser großartigen Geschichten zu erzählen, die ich über Brände, die das ganze Leben verändern können, und wundersame Rettungsaktionen gehört hatte. Außerdem erhielten wir auf diese Weise die Gelegenheit, einen Blick zurück zu werfen und zu erfahren, warum Jack überhaupt Feuerwehrmann werden wollte, was ihm der Beruf bedeutet und vor allem, wie es ihm gelungen ist, das unfassbare Risiko eines brandgefährlichen Jobs mit seinem Familienleben in Einklang zu bringen."

Während er schrieb, traf sich Colick weiterhin mit Feuerwehrmännern. Je besser er sie kennen lernte, desto beeindruckter war er. "Ich glaube ganz ehrlich daran, dass viele dieser Jungs so geboren oder auf eine gewisse Weise erzogen werden, dass sie von diesem unbeirrbaren Drang erfüllt sind, Gutes zu tun. Das aus erster Hand zu erleben, ist unglaublich inspirierend. Gleichzeitig sind sie aber auch Ehemänner, Väter und Kumpel, wie jeder andere auch. Ganz bestimmt sind sie keine düsteren Typen, die ernst und schwermütig herumsitzen. Sie haben gern ihren Spaß. Und sie machen natürlich auch Fehler und haben ganz typische Probleme", erzählt Colick. "Sie feiern gerne Partys und verbringen ihre Zeit mit ihren Familien. Ich wollte diese von Spaß geprägte Lebenseinstellung rüberbringen, aber auch die Schwierigkeiten, die aus dem Umgang mit dem Druck ihres Jobs entstehen. Und natürlich wollte ich eines zeigen: Wenn die Glocke schrillt, dann verändert sich mit einem Schlag alles: Dann werden diese ganz normalen Jungs mit einem Mal zu Lebensrettern."

Das Augenmerk auf das bittersüße Familienleben der Feuerwehrmänner zu legen, hatte für Colick Priorität: Während die Gemeinschaft der Feuerwache für viele der Männer zu einer Art "zweiten Familie" werden, wollte der Autor auch dem Heldentum der Frauen und Kinder Tribut zollen, die mit ansehen, wie ihre Männer und Väter jeden Morgen ihr Zuhause verlassen, und nie ganz sicher sein können, ob sie abends auch zurückkehren werden.

"Für mich war Linda eine sehr wichtige Figur, weil sie so etwas wie die ultimative Ehefrau eines Feuerwehrmannes darstellt", sagt Colick. "Als sie sich beinahe auf den ersten Blick in Jack verliebt, ist sie völlig unvorbereitet darauf, wie ihr Leben mit ihm aussehen wird. Sie weiß nicht, dass sie in ständiger Angst wird leben müssen, dass sie schlaflose Nächte und schreckliche Albträume durchleiden wird. Nie wird sie sicher sein können, dass das rote Auto nicht doch vor ihrem Haus anhält, um ihr die denkbar schlechteste Nachricht zu überbringen. Die Wahrheit ist, dass eine Frau wie Linda niemals von Jack verlangen würde, nicht in brennende Häuser zu rennen. Ich finde es unglaublich stark, dass Linda genau weiß, dass die Feuerbekämpfung Jacks Lebensinhalt ist. In ihrem Herzen respektiert und bewundert sie das so sehr, dass ihr das schließlich mehr bedeutet als das Risiko, ihn zu verlieren. Das ist eine schöne Sache, aber es ist gar nicht so einfach, damit zu leben."

Colicks fertig gestelltes Drehbuch landete auf dem Nachttisch von Regisseur Jay Russell, der gerade das Familienabenteuer TUCK EVERLASTING (2002) beendet und davor den Erfolg MY DOG SKIP ("Mein Hund Skip", 2000) gedreht hatte. Als Filmemacher mit Wurzeln im Dokumentarfilm und Erfahrungen mit einer großen Bandbreite dramatischer Stoffe suchte Russell nach einem Projekt, wie er es zuvor noch nie gesehen hatte. Als er sich das Drehbuch von IM FEUER spät abends vor dem Schlafengehen vornahm, erwartete er, dass er es schnell wieder aus der Hand legen würde. Doch dann war es ihm unmöglich, mit dem Lesen aufzuhören, und er blieb die halbe Nacht wach, um die Lektüre zu beenden und über das Leben von Feuerwehrmännern nachzudenken. "Ich war zutiefst bewegt", gesteht der Filmemacher. "Mich berührte nicht nur das Thema, sondern vor allem das Leben der Figuren, die man immer besser kennen lernt und die einem am Ende der Geschichte etwas bedeuten."

Sofort war Russell entschlossen, diesen Film zu drehen - und zwar in einem betont emotionalen und intimen Stil, wie er für Filme über Feuerwehrmänner eigentlich nicht typisch ist. "Ich wollte diese Figuren unbedingt zum Leben erwecken", erinnert er sich. "Und ich wollte das Publikum mitnehmen in authentische Brände, die man im Kino noch nie zuvor zu sehen bekommen hat. Ich wollte nicht nur das Bild eines Feuers einfangen, sondern auch die Intensität, die Angst und die unglaublichen Dinge, die die Menschen anstellen, um dem Brand Herr zu werden und unschuldige Leben zu retten."

Besonders gefiel Russell die Struktur des Films, die sich um Jacks fortschreitende Karriere und den Respekt für den gewählten Beruf rankt. "Mir ging es darum, dass der Zuschauer im gleichen Maße nach und nach dazulernt, wie es auch bei Jack der Fall war. Hoffentlich nimmt man dadurch nicht nur an den Aufregungen und dem Heldentum in seinem Leben teil, sondern erlebt auch den Herzschmerz und manches persönliche Dilemma ganz unmittelbar", erzählt er. "Ich glaube, wir sind alle fasziniert von Menschen, die mit dem Wissen leben, dass jeder einzelne Tag ihr letzter sein könnte. Das ist eine Frage, der wir uns alle stellen müssen. Und Feuerwehrmänner sind eine wichtige Inspiration, denn sie leben unentwegt mit diesem Wissen."

Der Inbegriff eines jungen Feuerwehrmanns: Die Besetzung von Joaquin Phoenix als Jack Morrison Damit die intime Betrachtung des Innenlebens und der familiären Bande der Feuerwehrmänner letztendlich gelang, KAM es auf die richtige schauspielerische Besetzung der Figur des Jack Morrison an: Der stille, junge Feuerwehrmann, der sein Leben Revue passieren lässt, während eben dieses von einem außer Kontrolle geratenen Brand bedroht wird. Man wollte keinen typischen "Actionhelden" für den Part. Stattdessen wählten die Filmemacher einen Schauspieler aus, den man eher für seine emotionale Vielseitigkeit und Intensität kennt, und beschlossen, ihm eine regelrechte "Feuertaufe" angedeihen zu lassen, indem man ihn tatsächlich zu einem Feuerwehrmann ausbildete.

Für Regisseur Jay Russell war der Oscar®-nominierte und vor allem für seine oft unkonventionellen und unvorhersehbaren Darstellungen bekannte Joaquin Phoenix eine spannende Wahl. "Ich habe Joaquin schon immer bewundert", sagt Russell. "Irgendwie gelingt es ihm immer, hinter seinen Rollen förmlich zu verschwinden. Ich wusste einfach, dass es im Fall von Jack Morrison nicht anders sein würde. Er verkörperte die Rolle von innen nach außen, vereinnahmte zuerst die Seele der Figur und eignete sich erst dann die äußeren Merkmale an. Er zeigt mehr Einsatz als jeder andere Schauspieler, den ich kenne. Er verbrachte Monat um Monat, um sich auf diesen Film vorzubereiten - nicht um aussehen zu können wie ein Feuerwehrmann, sondern um ein richtiger Feuerwehrmann zu werden. Man kann die Auswirkungen seiner Anstrengungen förmlich in seinem Gesicht und seiner Darstellung ablesen."

Anfangs fühlte sich Phoenix allein von der Thematik von IM FEUER angesprochen und von der ungewöhnlichen Gelegenheit, die menschliche Fähigkeit zu Mut, Edelmut und Opferbereitschaft zu erforschen, die in krassem Gegensatz steht zum Alltag mit seinen ganz gewöhnlichen Herausforderungen, die Feuerwehrmänner ebenso zu meistern haben. "Wir haben alle schon einmal von dem ganz speziellen Band gehört, das Feuerwehrmänner miteinander verbindet. Aber bis ich das Drehbuch von IM FEUER gelesen hatte, war mir nicht wirklich klar, wie sehr sich dieses Band über ihren bloßen Job hinaus erstreckt", merkt Phoenix an. "Ich wusste nicht, wie sehr sich ihr Arbeitsleben mit ihrem Familienleben verbindet. Und genau das gefiel mir an dem Drehbuch. Für mich dreht es sich in ganz großem Maße um Familie. Es geht darum, wie Jack seine Rolle in zwei ganz unterschiedlichen Familien findet, die ihm beide leidenschaftlich am Herzen liegen - zum einen die Familie der Feuerwehrmänner, zum anderen seine richtige Familie zu Hause - auch wenn beide oft im Konflikt miteinander stehen."

Er erzählt weiter: "Ich war beeindruckt, dass dem Film das Thema Familie so wichtig war. Ich finde, dass die Familien von Feuerwehrmännern mindestens so heldenhaft sind wie die Männer, die jeden Tag in ihrem Leben Brände bekämpfen. Sie machen förmlich all das durch, was auch die Feuerwehrmänner durchmachen - sie erleben sowohl die Triumphe als auch die Tragödien. IM FEUER zeigt uns, dass man schon sehr außergewöhnlich und sehr stark sein mußs, um die tägliche Arbeit dieser Jungs durchzuziehen. Es ist ironisch, dass Jack Morrison seine Familie unbedingt braucht, um weiterhin den Mut als Feuerwehrmann aufzubringen. Gleichzeitig birgt seine Arbeit als Feuerwehrmann das Risiko, dass seine Familie ihren Vater verliert."

Phoenix war fasziniert von dem emotionalen Dilemma seiner Figur. Schnell wurde ihm klar, dass er nur dann körperlich in die Rolle eines Feuerwehrmannes schlüpfen könnte, wenn er das Leben eines Feuerwehrmannes rund um die Uhr führen würde. Mit der ihm typischen Intensität nahm er sich dieser Rolle an: Er schrieb sich für unglaubliche sechs Monate als Schüler bei der Baltimore Fire Academy ein. "Ich wollte persönlich so viel wie möglich erleben, was auch echte Feuerwehrmänner durchmachen müssen", erinnert sich Phoenix. "Und das bedeutet nicht nur die Bekämpfung von Bränden, sondern auch die Lektüre der entsprechenden Bücher, das Ablegen der Prüfungen und das Erlernen des Umgangs mit der Öffentlichkeit - all die kleinen Einzelheiten, aus denen sich die Existenz eines Feuerwehrmannes zusammensetzt. Danach schloss ich mich einer richtigen Feuerwache in Baltimore an und verbrachte einen Monat mit einer Einheit, die ein Feuerwehrauto fährt und an tatsächlichen Brandeinsätzen und Rettungsaktionen teilnimmt. Im Großen und Ganzen war das eine unfassbare Angelegenheit."

Dennoch war zunächst nicht ganz klar, ob Phoenix all die nötigen Voraussetzungen für die Rolle mitbringen würde. "Es war interessant, dass Joaquin bei unserem ersten Treffen noch eine derart ausgeprägte Höhenangst hatte, dass wir ihm eine kleine Leiter hinstellen mußsten, damit er sich überhaupt auf die Rutschstange in der Feuerwache traute", berichtet Casey Silver. "Er war schweißgebadet. Ein paar Monate später bereitete es ihm keine Probleme mehr, sich furchtlos, nur an einem Seil hängend, über die Brüstung eines 15 Stockwerke hohen Hauses zu schwingen. Er war zu diesem Zeitpunkt so versiert, dass er fast alle Stunts selbst durchführen konnte. Da gibt es keine Tricks oder doppelte Böden."

Tatsächlich war das Training von Phoenix so erfolgreich, dass die Baltimore Fire Academy, die für ihre Härte berüchtigt ist, ihm mitteilte, er könne jederzeit zurückkehren und einen Job beim Baltimore Fire Department annehmen, wenn er wolle.

In dieser Zeit versuchte Phoenix herauszufinden, was Feuerwehrmänner dazu bringt, als der "letzte Mann" da draußen die eigene Sicherheit bereitwillig aufs Spiel zu setzen, damit andere gerettet werden. Bis zu einem gewissen Grad blieb die Antwort ein Geheimnis. Aber den Männern selbst, die ihr Leben täglich aufs Spiel setzen, geht es da nicht anders. "Ich glaube nicht, dass sie wirklich wissen, warum sie all das auf sich nehmen", überlegt Phoenix. "Ich habe gelernt, dass man, wenn man in ein brennendes Gebäude rennt, vom ganzen Körper gesagt bekommt, man solle da nicht reingehen. Es ist verraucht, es ist dunkel, es ist absolut verwirrend. Aber da gibt es wohl einen Instinkt, der einen sämtliche Warnsignale ignorieren lässt. In der Feuerwache gab es ein Poster, auf dem stand: ,Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass es mehr gibt als Angst'. Ich glaube, das trifft den Nagel auf den Kopf. Jungs wie Jack erkennen, dass es egal ist, wie viel Angst man hat, wie schwierig es wohl werden wird - es besteht immer die Möglichkeit, dass da drinnen noch jemand eingeschlossen ist, der vor dem Feuer noch mehr Angst hat als sie. Und das beflügelt ihre Aktionen."

Phoenix wollte nicht nur das instinktive Mitgefühl und den Mut eines Feuerwehrmannes verkörpern, sondern auch dessen innere Dämonen zum Vorschein bringen: die ethischen Dilemmata, Schuldgefühle, weil man nicht genug Zeit mit der Familie verbringt, Angst, weil man die Kinder womöglich mit der Realität des Todes konfrontiert und sie ohne Vater aufwachsen lässt. Für Phoenix ist dies das Hauptproblem, mit dem er sich arrangieren mußs, um die Person werden zu können, die er immer schon werden wollte. "In meinen Augen ist Jack ein Idealist, der davon angetrieben wird, Gutes zu tun", sagt Joaquin Phoenix. "Aber als er Linda kennen lernt und mit ihr eine Familie gründet und dabei immer deutlicher vor Augen geführt bekommt, dass er sterben oder schwer verletzt werden könnte, erkennt er, dass er in einem Zwiespalt steckt. Durch die Ausübung seines Berufs gefährdet er seine Familie. Das ist eine wichtige Erkenntnis, die ihn für immer verändert. Man sieht, wie er erwachsener und komplexer wird, jemand, der viele verschiedene Dinge in seinem Herzen ausbalancieren mußs."

Für Jay Russell war Poenix' glühende Entschlossenheit steter Quell für Inspiration. "Die Arbeit mit Joaquin war wegen seines unermüdlichen Einsatzes eine große Freude für mich. Wir führten wunderbare positive und kreative Gespräche darüber, wie man die Rolle so gut wie nur eben möglich spielen könnte. Er war immer bemüht, all den Unfug beiseite zu lassen und seine Figur so real wie möglich zu machen. Das war ein Ziel, das wir gemeinsam verfolgt haben."

Casey Silver fasst zusammen: "Ich glaube, Joaquin entwickelte so viel Leidenschaft für das Material, weil er es als persönliche Verantwortung empfand, diese Figur richtig hinzubekommen. Joaquin weiß einfach nicht, wie man etwas falsch macht. Er erfüllt den Jack Morrison mit einer Authentizität und einer emotionalen Wahrhaftigkeit, die dem Humor, der Bedeutung und dem Ergreifenden der Geschichte ein Zentrum geben. Vielleicht war unsere Entscheidung für ihn mutig. Aber rein künstlerisch war er die richtige Wahl."

Ein Anführer und ein Freund: Die Besetzung von John Travolta als Mike Kennedy Als Jack Morrison in IM FEUER von den Flammen in einem brennenden Gebäude eingeschlossen wird, vertraut er vor allem auf seinen besten Freund: der Mann, der ihn als Mentor seit seinen Anfängen bei der Feuerwehr unterstützt hat, Chief Mike Kennedy. Für die Darstellung des Kommandanten der Feuerwache, der für seine unerschütterlichen Führungsqualitäten ebenso bekannt ist wie für manch kindische Streiche, wählten die Filmemacher John Travolta aus, der einmal mehr eine überraschende Leistung abliefert.

Produzent Casey Silver konnte sich, nachdem er von Autor Lewis Colick über diese Rolle in Kenntnis gesetzt wurde, eigentlich nur John Travolta für den Part vorstellen. Denn er wollte einen Schauspieler gewinnen, der zum einen eine imposante Leinwandpräsenz hat, und andererseits durch die Menschlichkeit seiner Darstellung besticht. "Ich fand immer, dass Johns ethnische Herkunft und seine Erdverbundenheit sowie all die anderen Qualitäten, die ihn in den frühen Tagen seiner Karriere zu einem Star werden ließen, absolut zu der Rolle passten", erklärt Silver. "Er erfüllt den Part Kennedys mit Wärme, Würde und Charisma. Damit gewinnt er den Respekt Jacks. Diese Attribute machen ihn zu einem Vorbild und guten Freund. Wir waren gesegnet mit Johns Großzügigkeit, mit der er sich einer einfachen Ensemblerolle widmete."

Jay Russell fügt hinzu: "Wir waren unglaublich aufgeregt, dass John ein Teil unseres Films sein wollte. Aber die Herausforderung bestand darin, damit fertig zu werden, dass er ein großer Filmstar ist. Ich sagte ihm gleich zu Beginn, dass er sich mit den anderen Jungs einer Ausbildung unterziehen müsste, dass sie hart sein würde und dass er nicht mit einer Sonderbehandlung rechnen dürfte. Es stellte sich heraus, dass er genau das von uns hören wollte. Schließlich war die Besetzung Travoltas eine goldrichtige Entscheidung, denn Kennedy ist wirklich die große Nummer in der Feuerwache, der Typ, den alle bewundern. Und diese Dynamik entwickelte sich ganz natürlich zwischen den jungen Darstellern und Travolta."

Travolta verspürte einen ähnlichen Anreiz wie Joaquin Phoenix: "Ich sah den Film als eine persönliche Gelegenheit, mich vor allen Feuerwehrmännern zu verbeugen. Sie waren immer schon wichtig für uns alle - und heute gilt das in ganz besonderem Maße."

Er fährt fort: "Für mich geht es in dem Film darum, die menschliche Seite und nicht den Mythos der Feuerwehrleute einzufangen. Die Geschichte offenbart, dass sie ganz normale Typen sind, wie jeder Einzelne von uns. Einen großen Unterschied gibt es jedoch: Jeden Tag setzen sie ihr Leben für uns aufs Spiel."

Travolta gefiel besonders die brüderliche Verbundenheit, die sich zwischen seiner Figur und Joaquin Phoenix entwickelt. Die Beziehung ist ähnlich intensiv wie in einer biologischen Familie, was man unter Männern in modernen Filmen nur äußerst selten findet.

"Ich denke, dass Kennedy als Anführer einen sehr interessanten menschlichen Fehler begeht, indem er Jack so nah an sich heran lässt", merkt Travolta an. "Meine Figur sollte eigentlich der taffeste Typ der Einheit sein, der all die schweren Entscheidungen treffen mußs. Aber dann lässt er Jack emotional so nah an sich heran, dass er wie ein Familienmitglied wird. Und das bringt alles durcheinander. Da entwickelt sich eine komplizierte Beziehung zwischen den beiden. Einerseits weiß Kennedy, dass Jack ein ausgezeichneter Feuerwehrmann ist, andererseits macht er sich Sorgen um ihn, als gehöre er zu seiner Familie. Zum Teil geschieht das, vermute ich, weil Kennedy selbst keine Familie hat. Er war einmal verheiratet, aber die Ehe scheiterte wegen seiner Hingabe für einen mehr als gefährlichen Beruf. Jacks Familie wird auf gewisse Weise Kennedys Ersatz für die Familie, von der er immer geträumt hat, die er aber niemals hatte."

Aber die von Travolta gespielte Figur hat auch eine leichtere, spielerischere Seite: einen prickelnden Sinn für Humor, der ziemlich häufig zum Vorschein kommt und immer wieder die Moral der ganzen Truppe hebt. Feuerwehrleute sind bekannt für ihre sorgfältig geplanten Streiche - sie sind eine Art Tradition in amerikanischen Feuerwachen. Für Travolta steigerten sie den Spaß einer Rolle, die eine große Bandbreite an Emotionen abdeckt.

Travolta verbrachte viel Zeit, den Feuerberater des Films - Mark Yant, ein erfahrener Feuerwehrmann aus Baltimore - kennen zu lernen und ließ sich von ihm beibringen, wie man sich als Anführer einer Einheit verhält, wenn die Feuerwache von einer Tragödie heimgesucht wird. Yant berichtet: "An John Travolta beeindruckte mich, dass er an jedem denkbaren Aspekt der Feuerbekämpfung interessiert war und mir wahnsinnig viele Fragen stellte, von ,Wie hält man den Wasserschlauch richtig?' bis ,Wie würden Sie Ihren Männern das beibringen?'. In seiner Gegenwart kann man sich ganz entspannt fühlen. Ich erzählte ihm einfach Geschichten, die ich gehört oder selber erlebt hatte, und überließ ihm dann die Auswahl, die er für seine Darstellung verwenden würde."

"Was ich bei meiner Darstellung Kennedys unbedingt rüberbringen wollte, ist, dass er derjenige ist, der am Ende des Tages das Sagen hat", sagt Travolta. "Er weiß, dass die Dinge, die er sagt, ernst genommen werden. Er trägt die Verantwortung für das Leben seiner Leute. Es ist ein einsamer Job, der einem alles abverlangt - auch wenn es natürlich auch wunderbare Momente gibt, die einen für die Mühen belohnen."

Die Arbeit mit Joaquin Phoenix erwies sich für Travolta als regelrechte Offenbarung. "Als Schauspieler ist er ein Original. Und Originalität sieht man heutzutage auf der Leinwand nicht mehr oft", gibt Travolta zu Protokoll. "Joaquin strahlt Stärke, Kraft und Verletzlichkeit gleichzeitig aus. Es macht Spaß, ihm bei der Arbeit zuzusehen, weil man nie weiß, ob er einem Nerven aus Stahl zeigt oder das Herz brechen wird."

Die Suche eines Feuerwehrmanns nach dem Herzen einer Frau: Die Besetzung von Jacinda Barrett als Linda Morrison Im Kern von IM FEUER findet sich auch eine Liebesgeschichte. Sie wird einfach erzählt, ohne Sentimentalität. Sie handelt von einem Mann und seiner Ehefrau, die lernen müssen, den anderen innerhalb ihrer starken Partnerschaft ein eigenes Leben führen zu lassen. Von dem Moment an, an dem Jack die bildschöne junge Linda in einem Supermarkt kennen lernt, ist es um ihn geschehen. Bald darauf heiraten sie. Sein Familienleben steht fortan in krassem Gegensatz zu seinem Leben in der Feuerwache. Zum einen ist es seine wichtigste Quelle der Inspiration und Motivation, zum anderen aber auch seine größte Sorge, wenn er auf gefährlichen Missionen in brennende Häuser rennt.

Als Figur dient Linda dazu, einen Einblick in den Alltag eines Feuerwehrmanns zu geben - in dem es ebenso oft um Familie geht wie um Rauch, Flammen und Äxte. Für die Darstellung des Prototyps einer Feuerwehrmann-Ehefrau suchten die Filmemacher nach jemandem, der natürlich, gewinnend, bodenständig und unbedingt glaubwürdig sein sollte, wenn sie mit ihrer Angst, Einsamkeit und bei den Versuchen, Jack trotz seines gefährlichen Berufs zu lieben, mit den eigenen Grenzen konfrontiert wird. Die erhoffte Kombination fanden sie in der gefragten australischen Schauspielerin Jacinda Barrett, die man zuletzt in THE HUMAN STAIN ("Der menschliche Makel", 2003) an der Seite von Anthony Hopkins und Nicole Kidman sehen konnte.

"Linda ist eine besonders wichtige Figur des Films, weil sie uns die andere Seite im Leben von Jack Morrison vor Augen führt. Sie ist eine jener Heldinnen, die als Mütter oder Ehefrauen bei allem Schmerz, allen Kämpfen und Konflikten immer ihr Bestes tun - für ihre Männer da zu sein", sagt Casey Silver. "Als Jacinda Barrett beim Vorsprechtermin erschien, sahen wir eine junge Frau, die sich selbst jederzeit treu geblieben ist. Wir waren völlig von den Socken."

Vielleicht konnte sich Barrett auch deshalb so perfekt mit ihrer Rolle identifizieren, weil sie selbst die Tochter eines Feuerwehrmanns ist und daher aus eigenen Erfahrungen wusste, wie es sich anfühlt, wenn man wie auf heißen Kohlen sitzt und darauf wartet, dass ein geliebter Mensch wohlbehalten von der Arbeit nach Hause kommt. Barretts Vater diente der Australia Airport Crash and Rescue in Brisbane und ging unlängst nach 33 Jahren in Rente. Barrett kann sich noch gut daran erinnern, wie gern sie sich bei ihrem Vater und seinen Kollegen aufhielt, weil sie so humor-, liebe- und respektvoll miteinander umgingen. Obwohl sie sich nicht erinnern kann, jemals um das Leben ihres Vaters Angst gehabt zu haben, fiel es ihr nicht schwer, sich in Lindas Lage zu versetzen und die widersprüchlichen Gefühle über Jacks Leidenschaft und Verwundbarkeit zu verstehen.

"Als ich das Drehbuch las, fühlte ich mich direkt angesprochen", überlegt Barrett. "Linda kam mir so echt vor, weil ich weiß, dass die meisten Frauen, die Feuerwehrmänner heiraten, sehr stolz auf ihre Männer sind. Das Meiste an ihrem Leben gefällt ihnen, auch wenn es nicht immer ganz einfach ist."

Tatsächlich erleben nicht selten die Ehefrauen von Feuerwehrmännern, wie ihre Männer abends dreckverschmiert, erschöpft und mit angesengten Uniformen nach Hause kommen und so betroffen von diesem Anblick und ihren Erfahrungen sind, dass sie kaum darüber sprechen können - eine große Herausforderung für jeden Ehepartner. Wie der Feuerwehrmann und IM FEUER-Berater Mark Yant sagte: "Die Balance zwischen der Arbeit als Feuerwehrmann und dem Leben als Familienmensch ist, wie ich aus persönlicher Erfahrung sagen kann, notorisch schwierig. Es mußs schon eine ganz besondere Frau sein, die sich auf ein Leben mit einem Feuerwehrmann einlässt. Was mir an diesem Film unter anderem so gut gefällt, ist die realistische Darstellung der Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau. Ich glaube, der Zuschauer bekommt durchaus ein Gefühl für beide Seiten dieses Leben."

Barrett sieht Linda als eine Frau, die mit der Zeit lernt, mit ihren Ängsten zu leben, weil sie sich selbst und ihre Liebe zu Jack immer besser versteht. "Anfangs findet Linda es einfach nur spannend, womit Jack sein Geld verdient. Aber im Lauf der Jahre ändert sich ihre Einstellung: Weil sie so manche Tragödie und viel Trauer miterleben mußs, wird sie zunehmend sorgenvoller", erzählt Jacinda Barrett. "Aber was ich an Linda liebe, ist die Tatsache, dass sie einen Weg findet, damit umzugehen. Sie reißt sich zusammen und erkennt, dass der Kampf gegen das Feuer die Erfüllung von Jacks Träumen ist. Und das bedeutet ihr soviel, dass sie selbst bereit ist, Opfer in Kauf zu nehmen. Die Ironie liegt darin, dass Jack sich mehr als Linda darum sorgt, welchen Preis seine Familie womöglich bezahlen mußs. Jack mußs gewissermaßen erst entdecken, wie stolz seine Familie auf ihn ist und dass sie es gutheißt, wenn er seinen Beruf weiter ausübt. Fehler in der Kommunikation, Liebe, Schmerz, Anerkennung - Linda und Jack kämpfen sich gemeinsam durch all das hindurch."

Joaquin Phoenix sagt über Jacinda Barrett: "Sie ist eine Entdeckung. Ich wusste nichts über sie, und auf einmal war sie da mit ihrem Witz und ihrer Stärke. Ich glaube, sie machte unsere gemeinsamen Szenen damit viel besser. Es war sehr aufregend, sie als Schauspielerin im gleichen Maße zu entdecken, wie Jack Linda entdeckt. Es fiel mir sehr leicht, mich von ihrer Klugheit und ihrer Großzügigkeit überraschen zu lassen."

Jay Russell glaubt, dass es Jacinda Barrett gelingt, jenen Teil des Lebens von Feuerwehrmännern in den Fokus zu rücken, den die Öffentlichkeit gemeinhin nicht zu Gesicht bekommt. "Ich würde sagen, dass Jacindas Rolle die schwierigste im ganzen Film ist", erklärt Russell. "Der Konflikt ihrer Figur findet ausschließlich in ihrem Inneren statt. Sie mußs keine Brände bekämpfen, aber sie mußs ihre eigenen Schlachten mit sich ausmachen. Es ist sehr selten, dass es einer jungen Schauspielerin gelingt, derart unter die Oberfläche der Gefühle einzudringen und dabei zu zeigen, was in ihrem Inneren vorgeht. Schon beim ersten Vorsprechtermin war klar, dass Jacinda einen ganz anderen Ansatz für ihre Figur hat. Das ist sehr persönlich, weil sie ihre eigenen Lebenserfahrungen in die Rolle einfließen lassen konnte, und obendrein ist sie ungeheuer talentiert. Für uns war es sehr aufregend mitzuerleben, wie sie diesen schwierigen Part annahm und für den Zuschauer zu einem regelrechten Anker machte, damit man die Familienseite von Jacks Leben besser verstehen kann."

Am Set mußste sich Barrett außerdem gegen die oft boshafte Kameraderie des fast ausschließlich männlichen Ensembles behaupten. "Sie ist ziemlich robust", sagt Russell. "Sie war die einzige Frau in einer Gruppe ausgelassener Jungs, die unentwegt Streiche spielten. Es ist ein Beweis für Jacindas Charakterstärke, dass sie sich geradewegs in die Höhle des Löwen wagte und einen Platz inmitten der Gruppe für sich beanspruchte."

Brüder am Arbeitsplatz: Die Besetzung von Morris Chestnut und Jay Hernandez Die Kameraderie und Loyalität unter Feuerwehrleuten bei der Arbeit ist legendär. Sie überwindet alle Barrieren von Alter, Rasse und Hintergrund und spielt auch in IM FEUER eine entscheidende Rolle. Das sieht und spürt man, wenn Jack Morrison Freundschaft mit einer Gruppe von Männern schließt, die beim Schrillen der Alarmglocke sofort die Verantwortung für das Leben jedes Einzelnen von ihnen übernehmen. Trotz der Ernsthaftigkeit ihres Berufs geht es bei der Freundschaft zwischen diesen Männern alles andere als nur bierernst zu. Feuerwehrmänner sind überschwänglich, schelmisch und so abgebrüht, wie man es sich nur vorstellen kann. Im Verlauf seiner Karriere freundet sich Jack Morrison mit einer Reihe von Kollegen an, darunter der erfahrene Tommy Drake, der Jack bei seinem Aufstieg in der Feuereinheit stets zur Seite steht, und der Neuling Keith Perez, um den sich seinerseits Jack kümmert.

Tommy wird von Morris Chestnut gespielt, der seit seinem Filmdebüt in BOYZ N THE HOOD ("Boyz N the Hood - Jungs im Viertel", 1991) in einer Vielzahl unterschiedlichster Rollen zu sehen war. Auf den Part eines Feuerwehrmanns freute er sich ganz besonders, weil ihm die Gelegenheit zusagte, sich mit einer authentischen Art modernen Heldentums auseinanderzusetzen. "Ich bin stolz, jemanden wie Tommy überhaupt spielen zu dürfen", erzählt Chestnut. "Er gefällt mir aber auch als Typ sehr gut. Anfangs freundet er sich mit Jack an, weil er der Einzige ist, der sich auf die Seite eines Neulings stellt. Er kann verstehen, was Jack durchmacht, und wird im Lauf der Zeit so etwas wie ein großer Bruder für ihn."

Zur Vorbereitung auf den Film verbrachte Chestnut einige Zeit in verschiedenen Feuerwachen und erlebte dabei hautnah mit, wie eng der Zusammenhalt in derart explosiven Gemeinschaften werden kann. "Wenn man weiß, dass man mit jemandem in die Schlacht ziehen mußs und der Typ neben dir derjenige ist, von dem dein Leben abhängt und umgekehrt, dann schweißt dies die Menschen in jedem Fall zusammen", überlegt Chestnut. "Ein stärkeres Band kann einen mit niemandem verbinden - außer mit der Mutter, der Ehefrau und den Kindern. Ich hatte keine Ahnung, wie intensiv das ist, bis ich es mit eigenen Augen sehen durfte."

Tommy wird für Jack auch zur leibhaftigen Mahnung, wie zerbrechlich die Existenz eines Feuerwehrmannes ist, als dieser bei einem Einsatz in einem Kraftwerk von einem heißen Dampfstrahl verbrüht wird. "Dies markiert einen bedeutenden Moment im Leben beider Männer", meint Chestnut. "Jack hilft Tommy, den Lebensmut nicht zu verlieren, immer weiterzumachen. Er zeigt Tommy, dass er immer noch eine Familie hat, für die es sich zu leben lohnt, und dass er den Überlebenskampf wegen seiner Kinder niemals aufgeben darf. Jack verhilft Tommy zu der Überzeugung er könne immer noch ihr Held sein."

Die Figur des Tommy an der Seite von Joaquin Phoenix spielen zu können, war für Chestnut eine starke Erfahrung. "Diese Augen!", sagt er. "Man kann einem Schauspieler nicht beibringen, solche Augen zu haben. Das ist ein Gottesgeschenk."

Für Jay Hernandez, der als Neuling Keith Perez zu sehen ist, lässt sich der Film mit zwei Schlagworten zusammenfassen: "Verständnis, Einblick." Er fährt fort: "Viele Menschen und auch die Medien sind gegenwärtig sehr interessiert an Feuerwehrmännern und den Opfern, die sie zu bringen bereit sind. Aber dieser Film gibt uns wirklich einen Einblick in die wahren Abläufe. Er nimmt uns mit hinter die Kulissen der Nachrichtenclips und zeigt die Welt der Feuerwehrmänner, wie sie ist. Wir nehmen sie nur bei Tragödien wahr, aber sie geben jeden Tag ihr Bestes und schuften bis zum Umfallen. Ich finde, es ist an der Zeit, dass man ihre Geschichten endlich erzählt."

Hernandez machte es besonders viel Spaß, einen Anfänger zu spielen, der sein Handwerk gerade erst erlernt. "Es ist einfach unglaublich, einen Großbrand zum ersten Mal zu erleben", gesteht Hernandez. "Mein erstes Mal war bei meiner Vorbereitung für den Film. Und ich finde, dass einem der Film einen ziemlich guten Eindruck vermittelt, wie man von den Flammen überwältigt und schockiert wird und wie man mit Angst und Adrenalin vollgepumpt wird. In IM FEUER sieht man aber auch, wie Feuerwehrmänner lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren und den anderen in der Einheit absolut zu vertrauen, dass sie das Richtige machen."

Auf ins Feuer-Camp: Die Ausbildung der Darsteller Bei der Bekämpfung von Bränden geht es nicht nur um Mut. Handwerkliche Fähigkeiten und Instinkt spielen eine ebenso große Rolle. Diese werden in einer brutalen Ausbildungsroutine herausgekitzelt, die berühmt ist für ihre extreme Schwierigkeit und ihr Ziel, todsicher die Spreu vom Weizen zu trennen. Um die Darsteller von IM FEUER vor der Kamera zu einer schlagkräftigen Truppe authentisch wirkender Feuerwehrmänner zusammen zu schweißen, verlangte Regisseur Jay Russell von seinen Schauspielern, dass sie selbst einen Großteil dieser Ausbildung absolvierten. Es ging um mehr als nur das Überprüfen der Einsatzbereitschaft der Darsteller. Tatsächlich war das Training als grundlegende Einführung in ihre Figuren und in die Gedankenwelt junger Feuerwehrmänner eine unerlässliche Maßnahme. Selbst Jay Russell nahm am "Fire Camp" teil, um die ideale Einführung in die Themen des Films nicht zu verpassen.

"Wenn ich schon von meinen Schauspielern verlangte, sich jeden Tag eine 50 Kilogramm schwere Ausrüstung umzuschnallen, sich in Flammen zu stürzen, von Rauch blenden zu lassen und 500 Grad Hitze unmittelbar vor ihren Gesichtern zu ertragen, dann war es nur fair, dass ich selbst diese Tortur ebenfalls mitmachte", erzählt Russell. "Also machte ich mit. Und ehrlich gesagt: Es war Furcht einflößend."

Zu den vielen an den Nerven zehrenden Drills im Fire Camp gehörte etwas, das fast alle im Team am fürchterlichsten fanden: das Labyrinth. Das Labyrinth wurde erdacht, um eine Situation zu simulieren, in der ein Feuerwehrmann in einem Gebäude eingeschlossen wird. Dabei wird verlangt, dass sich eine einzelne Person durch einen pechschwarzen, mit Rauch und Trümmern gefüllten Raum in die rettende Freiheit kämpft; oft kriechend, kauernd und stolpernd, ohne auch nur im Geringsten etwas zu sehen. Vielen wurden erst durch das Labyrinth die Augen geöffnet, wie hart ein Feuerwehrmann mental und körperlich sein mußs, um in seinem Job überleben zu können.

"Im Labyrinth kann man die Hand vor Augen nicht erkennen", erinnert sich Russell. "Man beginnt beinahe zu halluzinieren, weil man sich den Raum vor seinem geistigen Auge zusammensetzen mußs und dabei hofft, dass man irgendwie wieder rausfindet. Das ist außerordentlich schwierig und beängstigend. Aber es war auch eine großartige Erfahrung, weil sie mir half, visuelle Wege zu finden, wie man die Verwirrung und das Chaos umsetzt, die ein Feuerwehrmann verspürt, wenn er in diesem Inferno aus Rauch und Hitze verloren geht."

John Travolta war nicht minder beeindruckt vom Labyrinth. "Das Fire Camp erwies sich als völlig neuer Erfahrungskosmos" beschreibt er. "Am Wenigsten schmeckte mir dabei das Labyrinth. Das ist ungeheuer klaustrophobisch. Ich kann nicht behaupten, dass ich das noch einmal durchmachen wollte. Dennoch fand ich die Erfahrung außerordentlich, in gewisser Weise verändert sich der Blick auf das eigene Leben radikal - man durchlebt Momente, in denen man ganz auf seine Instinkte reduziert wird."

Eine weitere Übung für die Darsteller, bei der das Adrenalin regelrecht durch den Körper gepumpt wurde, war das Abseilen an einem dünnen Kletterseil von einem mehrstöckigen Gebäude. Morris Chestnut war tatsächlich begeistert von der Aktion. "Ich hatte dabei nie wirklich Angst, weil mir die Aktion so unglaublich viel Spaß bereitete", lacht er. "Es ist wirklich unglaublich, zu was Menschen in der Lage sind, wenn sie dazu herausgefordert werden."

Für Jay Hernandez war der beeindruckendste Moment die Erfahrung, wie sich ein 500 Grad heißes Feuer aus nächster Nähe anfühlt: "Absolut unglaublich, sich direkt neben einem echten Feuer aufzuhalten. Wir haben das alle ja schon einmal in den Nachrichten gesehen, aber da ganz nah heran zu gehen, so nah, dass die Sichtscheiben unserer Helme zu schmelzen begannen, das ist eine völlig andere Geschichte." John Travolta fügt hinzu: "Was mir vor dem Fire Camp auch nicht bewusst war, ist die enorme Menge an Rauch, die von einem Brand erzeugt wird. Die Dichte des Rauchs kann man sich unmöglich vorstellen, bis man sie erlebt hat. Man kann dann auf keinen Fall weiter als vielleicht fünf Zentimeter sehen. Vielleicht kann man gerade noch die eigenen Füße erkennen, aber das ist es dann auch schon. Und Feuerwehrmänner müssen sich mit 50 Kilogramm Ausrüstung auf dem Rücken durch ein solches Inferno kämpfen. Das allein reicht aus, dass man laufend das Gleichgewicht verliert."

Die Feuerwehrmänner aus Baltimore, die als Berater angestellt worden waren, sahen mit persönlicher Genugtuung zu, wie die Schauspieler, die man unter allen anderen Umständen als topfit bezeichnen würde, mit Erschöpfung, Frustration, Verletzungen und Angst zu kämpfen hatten. "Manchmal war das komisch, zum Teil aber auch schmeichelhaft für uns, mit anzusehen, wie diese kräftigen Burschen damit haderten, was für uns ganz normaler Alltag ist", meint Yant. "Aber während dieser Erfahrung lernten sie durchaus auch zu schätzen, was wir tun. Uns wiederum beeindruckte, dass diese Jungs soviel durchmachten, um uns darstellen zu können."

Jedes Filmcrewmitglied stimmt zu, dass Joaquin Phoenix sich von allen Schauspielern von IM FEUER am Meisten in die Vorbereitung reinhängte. Er erwarb tatsächlich das Diplom der Baltimore Fire Academy, nachdem er sich im Winter eingeschrieben hatte. Er diente im Anschluss tatsächlich einen Monat lang bei einer Truck-Einheit im Westen von Baltimore und arbeitete die ihm zugewiesenen Schichten, wobei er bei richtigen Feuer- und Rettungseinsätzen mitmachte.

Mark Yant sagt stolz: "Zu diesem Zeitpunkt konnte man Joaquin nicht mehr von einem ganz normalen Feuerwehrmann auf der Straße unterscheiden. Der Junge hat's einfach drauf. Er ließ sich total auf diese Arbeit ein. Ich bin mir sicher: Wenn er wirklich als Feuerwehrmann arbeiten wollte, dann könnte er das ohne Weiteres."

"Mir war es einfach nur wichtig, jeden einzelnen Aspekt der Geschichte richtig hinzubekommen", erklärt Phoenix. "Ich wollte mich bei realen Situationen einfach wohl fühlen. Aber als ich die realen Situationen kennen gelernt hatte, hatte ich die Befürchtung, dass es der Produktion womöglich nicht gelingen könnte, für die Leinwand einen wirklich realistischen Brand hinzubekommen. Feuer ist eine natürliche, unvorhersehbare Sache - wie real konnten die Effekte da sein? Für mich war es sehr erfreulich, wie großartig die Effekte vom Team bei IM FEUER umgesetzt wurden. Die von ihnen geschaffenen Brände fühlten sich echt an und erlaubten uns allen, etwas sehr Reales aus unseren Darstellungen herauszuholen."

Eine Stadt aus Feuer und Wasser: Dreharbeiten in Baltimore IM FEUER spielt in der historischen Innenstadt Baltimores, einem von Amerikas wichtigsten städtischen Zentren, das dennoch selten in Filmen gezeigt wird. Für die Filmemacher waren der einzigartige Arbeiterklasse-Charakter der Stadt, ihre charmanten städtischen Wohnviertel und der spürbare Stolz der Menschen der perfekte Drehort für eine Story über Feuerwehrmänner und ihre familiären Beziehungen. Die Tatsache, dass Baltimore zurzeit eine urbane Renaissance erfährt, die die Schönheit der Stadt noch hervorhebt, macht den Ort für Filmemacher noch attraktiver.

So berichtet Jay Russell: "Der Schlüssel war der richtige Drehort - und Baltimore ist genau richtig, denn es ist eine Stadt mit einem starken Charakter. Sie ist sehr facettenreich - mit extrem reichen und extrem armen Vierteln, Wolkenkratzern und Arbeiterklasse-Wohnvierteln. Für mich ist Baltimore, als würden sich alle anderen amerikanischen Großstädte darin wieder finden. Zudem hat Baltimore einen Hafen, und mir gefiel die Vorstellung von einer Stadt aus Wasser und Feuer. So sind Wasser und Feuer starke Metaphern in diesem Film. Letztlich war einer der Gründe, warum ich in Baltimore drehen wollte, dass es eine Stadt ist, die kämpfen mußs. Es ist eine Stadt, die jetzt wieder aufstrebt, nachdem sie jahrelang wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte. Es gibt dort viele verlassene Gebäude, die wir für die Feuersequenzen nutzen konnten, und gleichzeitig gibt es einen starken Willen unter den Einwohnern der Stadt."

Casey Silver fügt hinzu: "Baltimore war ein wundervoller Drehort, weil er noch nicht so abgenutzt ist und vor der Kamera frisch wirkt. Außerdem waren alle unglaublich kooperativ, von der Stadtverwaltung über die Feuerwehrmänner bis zu den Leuten am Drehort. Das war der Schlüssel dazu, dass die Arbeit für alle zu einer wunderbaren Erfahrung wurde."

Baltimore ist außerdem eine Stadt mit einer landesweit bekannten Feuerwache. Gegründet im Jahr 1859, startete das Baltimore City Fire Department mit einem Dampfmotor, einem Pferdeanhänger und einem Truck. 1904 zerstörte das "Große Feuer" von Baltimore beinahe die ganze Stadt, wurde aber von lokalen Feuerwehrmannschaften erfolgreich bekämpft. Heute überwacht Chief William J. Goodwin, Jr. eine Abteilung von 1700 Männern und Frauen - sie haben ihr Leben dem Schutz von über 675.000 Einwohnern gewidmet - und die 39 Feuerwachen der Stadt mit über einhundert Fahrzeugen, die von Feuerwehrmännern und Notärzten genutzt werden. Die Zielsetzung seiner Wache lässt sich vermutlich am Treffendsten in dem Motto zusammenfassen, dem sich schließlich auch das Produktionsteam von IM FEUER verschrieb: "Stolz darauf, Menschen zu schützen".

Sobald die Wahl auf Baltimore gefallen war, wandten sich die Filmemacher gleich an die örtliche Feuerwache, um so viel Wissen wie möglich zu sammeln und die bestmögliche Unterstützung zu bekommen. Marty Ewing, ausführender Produzent, bemerkt: "Brandbekämpfung an der Ostküste geht ganz anders vonstatten als die Arbeit anderswo, also mußsten wir den "Baltimoreschen Weg" der Brandbekämpfung lernen. Es war sehr wichtig, dass wir die Unterstützung der Stadt bekamen, um ihre Ausrüstung nutzen zu können - alles, von den Geräten in den Fahrzeugen bis zu den Äxten, Anzügen und Schläuchen, die in Baltimore zum Einsatz kommen. Außerdem konnten wir echte Feuerwehrmänner aus Baltimore als Statisten einsetzen. Sie kamen ans Set in ihren eigenen Kostümen: schmutzigen Hüten, Mänteln, schweren Gürteln, Werkzeug, etc.. Sie brachten Authentizität in den Film. Außerdem fanden wir eine echte Feuerwache und restaurierten sie so weit, dass wir sie für unser Set nutzen konnten. Man kann sehen, dass uns Baltimore mit unglaublich gutem Mobiliar und Geräten versorgt hat."

Um sowohl Baltimores charmante Viertel als auch die gefährlicheren Industriegebiete zum Leben zu erwecken, arbeitete Jay Russell eng mit Szenenbildner Tony Burrough (der für seine Arbeit an RICHARD III ("Richard III", 1995) für einen Oscar® nominiert wurde) zusammen, der sowohl die Häuser der Männer als auch die "Brand"-Locations kreierte. Was die Häuser der Figuren angeht, so lag Burroughs Herausforderung darin, seine sorgfältig designten Sets entsprechend der Veränderungen im Laufe eines Jahrzehnts leicht zu modifizieren. "Wir wollten dem Film ein Gefühl für die Zeit geben, die vergangen ist, während Jack erwachsen und Familienvater wurde", sagt Burrough. "Die Idee war, Details in den Häusern und in der Feuerwache zu verrücken, um die Veränderungen zu betonen, während andere Elemente an ihrem Ort blieben. Der Film konzentriert sich natürlich auf die menschlichen Beziehungen und die Natur des Feuers, also tendierte ich in diesem Bereich zu einer sehr ausgeglichenen Farbpalette."

Burrough verbrachte Wochen der Vorbereitung damit, die Häuser echter Angestellter des Baltimore Fire Department zu besuchen, um ein Gespür für deren familienorientiertes Aussehen zu bekommen. "Wie in unserem Film kommen die meisten dieser Jungs aus traditionellen Arbeiterklasse-Familien, die seit Generationen Feuerwehrmänner sind. Ihre Wohnviertel und Inneneinrichtungen spiegeln dies wider", erklärt er. "Wir wollten vor allem ein wenig von diesem einzigartigen Charakter der Stadt einfangen und so eine Welt schaffen, in der diese Männer leben."

Im Gegensatz zu der häuslichen Umgebung der Feuerwehrmänner mußste Burrough auch die komplexeren Sets schaffen, die u.a. ein brennendes Gebäude in den verschiedenen Phasen seiner Zerstörung nachempfinden sollten. Er arbeitete eng mit Jay Russell an einem zentralen Set des Films - dem gewaltigen Getreidespeicher, in dem Jack Morrison gefangen ist - und er entwickelte ein einzigartiges Design für das "anfällige Mobiliar", dass immer wieder eingesetzt werden konnte.

"Dieses Gebäude verlangte von Tony ein sehr cleveres Design, das es ermöglichte, dass das Gebäude um die Schauspieler herum zusammenbrach, und wir trotzdem fünf Stunden später das Set wieder errichten und weiterdrehen konnten", so Russell.

Eines der beliebtesten Sets bei Darstellern und Crew wurde die stillgelegte und aus der Zeit der Jahrhundertwende stammende Gorsuch-Feuerwache, die Burrough für den Film mit allem notwendigen Feuerwache-Interieur wieder herrichtete. "Es wurde ein echtes Zuhause für uns alle", berichtet Russell. "Ich meine, wenn die Schauspieler die Stangen herunterrutschten, taten sie das an Stangen, die Feuerwehrmänner vor einhundert Jahren benutzt hatten. Das gab uns genau diese Art von Realitätsgefühl, das wir brauchten, um die Dinge zum Leben zu erwecken."

Während der Dreharbeiten gab Jay Russell seinen Handwerkern ein Wort mit auf den Weg: Authentizität. Diese war auch entscheidend bei den Kostümen, die unter der Leitung von Kostümdesignerin Renee Kalfus entstanden. Gewöhnliche Arbeitskleidung von Männern wurde mit detailgenauen Nachbildungen von Feuerwehruniformen gemixt. Die Kostümdesignerin Liz Shelton erklärt: "Wir begannen unsere Recherchen bei den Kleidungsstücken der Feuerwehrmänner in Baltimore City, trafen uns mit vielen jungen Feuerwehrmännern und mit deren Vorgesetzten. Wir beobachteten sie in ihrem Privatleben und in ihren Uniformen, und dann begannen wir, die Kostüme zusammenzustellen."

Das Team der Kostümabteilung erstellte außerdem echte, variabel einsetzbare Feuerwehr-Kleidung - lange Mäntel, Hosen und Helme, wie sie die meisten Feuerwehrmänner tragen - die sie bei der Arbeit in den verschiedenen Brandszenen und nach den jeweiligen Bedürfnissen der Schauspieler einsetzten. Bei ihrer Recherche lernten die Designer etwas sehr Wichtiges: "Wir erkannten: Je älter und dreckiger eine Uniform aussieht, umso größer ist der Respekt, der einem Feuerwehrmann zuteil wird", so Shelton. "Je schmuddeliger, umso besser, wenn es um die Brandbekämpfung geht. Deshalb wird Jacks Outfit mit den Jahren immer abgenutzter, was den Eindruck vermittelt, er habe unglaubliche Dinge erlebt."

Brandlegung: Wie in "Im Feuer" echte Flammen lodern Als er die Arbeit an IM FEUER begann, wusste Jay Russell, dass er zwei Aspekte der Realität eines Feuerwehrmannes einfangen wollte, von denen er glaubte, sie seien auf diese Weise noch nie in einem Film zu sehen gewesen: Zunächst ging es ihm um die emotionalen Konflikte und die Familienbande, in die die Feuerwehrmänner eingebunden sind, selbst wenn sie ihr Leben riskieren. Zum anderen beschäftigte ihn die einmalige, verstörende und unberechenbare Natur des Feuers selbst, das - wie viele Feuerwehrmänner bereits erklärt haben - einen ganz eigenen Willen hat.

Früh trafen die Filmemacher die Entscheidung, mit aller Vorsicht reale, so genannte "kontrollierte Brände" in echten Gebäuden zu setzen - anstelle sich vorrangig auf Computer oder eine Studioumgebung zu verlassen. Natürlich konnten sie aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen nicht einfach echte Häuser bis auf die Mauern abfackeln, aber sie gingen so weit wie möglich, ohne die Sicherheit für Besetzung, Crew und Gemeinden zu gefährden.

"Wir haben letztlich die größten Brände geschaffen, die je in einem Film zu sehen waren", bemerkt Russell. "Wir waren absolut sicher, dass digitale Feuer einfach nicht echt genug aussehen und dass kontrollierte Feuer in einem Studio uns nicht diese authentische Atmosphäre vermitteln würden, die ein echter Brand bietet. Also passiert 99 Prozent von dem, was man in IM FEUER sieht, wirklich. Wenn Sie Joaquin Phoenix sehen, wie er sich durch die Flammen in einer Wohnung kämpft, ist das wirklich Joaquin, der in einer Wohnung von Flammen eingeschlossen wird. Es ist ein charakterorientierter Film, aber ich hatte das Gefühl, dass das Publikum sich den Figuren und dem, was sie erleben, näher fühlen würde, je realistischer die Brandszenen wären."

Er fügt hinzu: "Ich wollte ganz bestimmt keinen weiteren künstlichen Hollywood-Film über Feuerbekämpfung drehen. Ich hatte ein Gefühl der Verantwortung gegenüber diesen mutigen Menschen, die wir zeigen. Der einzige Weg, es richtig zu machen, war der, es so realistisch wie möglich aussehen zu lassen."

Mit dem Endziel des Realismus vor Augen standen die Filmemacher natürlich vor der Frage, wie sie dies mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen erreichen sollten. Wie ein zarter roter Faden zieht sich der Umgang mit den Risiken durch viele Teile des Films. "Logistisch gesehen, war dieser Film ein Albtraum", gibt Russell zu. "Ich glaube ehrlich, dass es einen Grund dafür gibt, warum nicht viele Filme über Feuerwehrmänner gedreht werden, und der wichtigste Grund ist, dass es so gefährlich ist. Das ist fast wie Dreharbeiten unter Wasser, weil man einen Film mit Sauerstoffmasken im Gesicht dreht!"

Casey Silver ergänzt: "Ich glaube, dass die Filmemacher und Schauspieler außergewöhnlichen Mut bewiesen haben mit der Art und Weise, wie sie an die Brandszenen herangegangen sind. Selten gab es so große Herausforderungen an einem Set. Es war heiß. Es war rauchig. Es war beängstigend. Und wenn es auf der Leinwand schwierig aussieht, dann deshalb, weil es schwierig war - selbst mit all den Sicherheitsvorkehrungen, auf die sich echte Feuerwehrmänner in ihrem Alltag nicht verlassen können."

Wenn sie gefragt werden, bestätigen viele Feuerwehrmänner, dass die eine Sache, die sie immer in Hollywoodfilmen über Brandbekämpfung vermisst haben, der dicke, schwarze, die Lungen erstickende Qualm war - der Albtraum jedes Feuerwehrmanns. Um den Mitarbeitern hinter der Kamera eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie dieser Rauch aussieht und sich anfühlt, genau wie die weiteren unbeschreiblichen Merkmale des Feuers, die man zeigen wollte, besuchten die Crewmitglieder einschließlich Kameramann James L. Carter ein Fire Camp. Nach dieser intensiven, unvergesslichen Erfahrung war Carter entschlossen, in erster Linie das Gefühl der Isolierung und des Verlusts der Orientierung und der menschlichen Sinne, die uns am Leben erhalten, vor der Kamera einzufangen.

Wegen der potentiellen Gefahr, die mit den Aufnahmen der sieben Brände des Films verbunden war, wurde jede der Szenen auf die Sekunde genau geplant und mit Storyboards festgehalten - doch selbst das war keine Garantie dafür, dass nichts schief gehen könnte. Mark Yant, Feuerberater des Films, erklärt: "Die Sache mit dem Feuer ist die: Egal wie sehr man glaubt, alles unter Kontrolle zu haben - die Wahrheit ist, dass ich noch nie ein kontrolliertes Feuer gesehen habe. Man weiß einfach nie, was geschehen wird. Man kann Feuer nicht trauen - und man sollte es auch nie."

Einmal wurde Joaquin Phoenix von einem brennenden Stück Holz getroffen und sein Feuerwehranzug ging in Flammen auf. Dank seines Trainings und der Sicherheitsvorkehrungen der Produktion konnte das Feuer rasch gelöscht werden, und der Schauspieler wurde nicht verletzt. Doch der Vorfall rief allen ins Bewusstsein, wie unvorhersehbar Feuer sein kann, selbst in einem fiktionalen Film.

Yant assistierte den Filmemachern bei der Inszenierung der Brandszenen, die beinahe dokumentarisch und mit erhöhtem Realismus aufgenommen wurden. "Jay beschwor mich ständig, die technischen Aspekte des Films so echt wie möglich zu halten. Was mich inspirierte, war die Überzeugung, dass dieser Film den Menschen zeigen wird, wie das Leben von Feuerwehrmännern wirklich aussieht. Davon haben viele Leute keine Ahnung, glaube ich. Feuer ist nur ein Aspekt in ihrem Leben, aber es ist ein wichtiger Teil, und wir wollten genau diesen richtig machen."

Der zentrale Brand, um den der Film kreist, findet in einem Getreidespeicher statt. Speicherbrände sind besonders chaotisch, weil der Staub des erhitzten Getreides wie Dynamit reagiert und Explosionen verursacht, die die stärksten Gebäude zum Einsturz bringen können. In diesem Fall geht Jack Morrison allen voran und rettet ein Brandopfer aus der Lebensgefahr, indem er es an einem Seil aus einem Fenster herunterlässt. Wenige Augenblicke später findet unmittelbar neben Jack eine Explosion statt und er fällt drei Stockwerke tief in das unerreichbare Niemandsland des Gebäudes, gefangen inmitten von beißendem und kriechendem Qualm.

Bei den Aufnahmen der aufwändigen Sequenzen in dem Getreidespeicher trug die gesamte Crew CBAs - festschließende Atemgeräte - so dass niemand mit Atemproblemen zu kämpfen hatte.

Spezialeffekte-Supervisor Larry Fioritto und Visual-Effects-Supervisor Peter Denon arbeiteten Hand in Hand mit den Beratern der Feuerwehr, um die plötzlichen Explosionen und den dichten, Schwindel erregenden Rauch zu kreieren, der das Feuer so gefährlich macht. Auf Mark Yant wirkte die Arbeit der Spezialeffekteabteilung, als würde er Zauberern zusehen. "Es ist so erstaunlich für einen Feuerwehrmann, einen riesigen explosiven Feuerball zu sehen, der durch einen Raum fegt. Man ist absolut sicher, dass Menschen verletzt werden und alles zerstört wird. Aber stattdessen passiert gar nichts", erzählt er. "Diese Jungs wussten genau, wie alles zu präparieren war, so dass es sehr beeindruckend wirkte, aber wir alle dabei sicher waren."

Obwohl es sicherlich die Dreharbeiten mit den größten Herausforderungen in der Karriere von Jay Russell waren, war er stets sicher, dass die langen, schwierigen Tage des Drehs der riskanten Brandszenen dabei halfen, den Zusammenhalt von Besetzung und Crew zu stärken - die Nähe und Hingabe spiegelt sich auf der Leinwand in allen Performances und inszenatorischen Aspekten wider. "Es konnte noch so stressig am Set sein und die Dinge konnten schief gehen, aber wir hielten auf eine wunderbare Art und Weise genau deshalb zusammen", so Russell.

Dieser Effekt hält noch immer an. So erklärt der Regisseur: "Das Erstaunliche ist: Wenn ich jetzt, nachdem der Film fertig gestellt ist, ein Feuer sehe, irgendwo auf der Straße, dann erkenne ich, wer was dabei tut und welche Aufgabe die Feuerwehrmänner haben. Und ich weiß - in welcher Gefahr auch immer sie sich dabei befinden - sie werden ihre Jobs mit Stolz und Hingabe erledigen, in der Hoffnung, zu ihren Familien zurückkehren zu können. Ich denke, keiner von uns, der an diesem Film gearbeitet hat, wird es je wieder als selbstverständlich hinnehmen, wenn irgendwo ein Feuerwehrfahrzeug an ihm vorbeifährt."

Lass dein Licht erstrahlen: Eine finale Ode an die Helden der Feuerwehr Als Jay Russell das Ende seines Films erreicht hatte, wusste er, dass er einen musikalischen Kontrapunkt zum Höhepunkt von IM FEUER setzen wollte - eine Szene, die sowohl schockierend als auch emotional nachhaltig sein würde, indem sie zeigt, welchen Preis ein Feuerwehrmann mit seiner Verpflichtung an die Menschen seiner Stadt womöglich zu zahlen hat. Weil er keinen existierenden Popsong finden konnte, der alle Schattierungen dieses Moments ausdrücken würde, wandte sich Russell an einen Musiker, den er und seine Produzenten schon immer bewundert hatten: Robbie Robertson, ehemaliger Leader von The Band, der als einer der bedeutendsten Songschreiber der Rock'n'Roll-Generation gilt. "Er hat eine gefühlvolle, menschliche Herangehensweise an die Musik, von der wir wussten, dass sie genau das erfüllen würde, was wir mit dem Film erreichen wollten", sagt Russell.

Obwohl Robertsons Songs schon in zahllosen Kinofilmen zu hören waren, war dies das erste Mal, dass er gebeten wurde, einen Song speziell für eine einzige ausdrucksstarke Szene zu schreiben. "Ich war sofort an dieser Herausforderung interessiert", erzählt Robertson. "Dann traf ich Jay Russell, der aus Little Rock kommt, wo ich ebenfalls eine Weile gelebt hatte, als ich noch mit Ronnie Hawkins and The Hawks unterwegs war - und ich dachte: Das mußs Schicksal sein."

Dennoch wartete Robertson mit seiner Zusage, bis er den Film gesehen hatte, um sich seine Meinung zu bilden. "Ich hatte Angst, dass der Film nicht das sein würde, was ich mir erhofft hatte", gibt er zu. "Aber stattdessen war ich unglaublich bewegt. Er nahm mich mit in diesen sehr privaten Club der Feuerwehrmänner und erlaubte mir einen Blick in eine Welt, die ich zuvor nicht kannte. Ich fand es auch außergewöhnlich, dass jemand endlich so einen realen, ehrlichen Film über den Alltag von Feuerwehrmännern gemacht hatte, ohne einen übertriebenen Heroismus`. Deshalb ist er so bewegend."

Er fährt fort: "Das Größte war für mich, dass ich spürte, was das für ein wunderschöner Tribut an die Menschen ist, die wir in der Regel so schnell vergessen. Ich dachte, meine Güte, das Projekt hat wirklich einen Wert."

Nachdem er den Film gesehen hatte, begann Robertson mit der Komposition seines Songs. Weil er ihn nicht in seinem Studio ansehen konnte, arbeitete er ganz aus seiner Erinnerung heraus, kreierte einen Rhythmus und eine Struktur für seinen Song, die später auf fast unheimliche Weise perfekt in die Szene passten. Während er den Song schrieb, hatte er ein abstraktes, aber klares Konzept dessen vor Augen, was er erschaffen wollte: "Ich wollte die richtigen Vibes treffen", erklärt er. "Ich wollte etwas, das stark, aber nicht zu vordergründig wäre und das Finale des Films auf eine bedeutsame Weise untermalen würde. Ich wollte nicht, dass jeder sofort mit der Nase darauf gestoßen werden würde. Ich dachte an so etwas Innovatives wie Musik von der Straße, auch an einen subtilen Gospelklang - ein gefühlvoller, fast spiritueller Klang, der - wie ich hoffe - den tiefen Respekt vor den Menschen ausdrückt."

Später setzte Robertson seine Arbeit an dem Song fort und verwandelte ihn in ein Adagio, das während des Abspanns läuft. "Ich habe so etwas noch nie zuvor gemacht, also war es eine interessante Arbeit", sagt er. Er arbeitete mit Arrangeur David Campbell (dem Vater von Rockstar Beck) zusammen und schuf ein Orchesterstück aus den vielfältigen Themen seines Rocksongs. "Die Idee war, etwas zu kreieren, das so berührt, dass es die Erinnerungen an die letzte Szene zurückbringen würde", erklärt er. "Die Arbeit mit David Campbell war wundervoll, weil wir wirklich auf einer Wellenlänge lagen. Ich erzählte ihm, dass ich einen einfachen Ausdruck für das hatte, was der Song sein sollte - eine Hymne des Herzens - und er wusste genau, was ich meinte.

Am Ende war Robertson begeistert von der Erfahrung seiner Arbeit für IM FEUER. "Ich habe viel gelernt", sagt er. "Und es ist etwas, was ich wirklich tun wollte - denn es geht um die Jungs, die jeden Tag ihr Leben für uns riskieren."

Szenenfoto
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