Wenn Träume fliegen lernen

Produktionsnotizen

Über das Suchen und Finden von Nimmerland Regisseur Marc Forster war auf der Suche nach einem "magischen" Filmstoff, als der Oscar-nominierte Produzent Richard Gladstein ihm David Magees Drehbuch WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN zu lesen gab. Forster fühlte sich sofort von der Geschichte um die Hintergründe und Emotionen bei der Schöpfung von "Peter Pan" angezogen, einer Erzählung, die Millionen Menschen auf der ganzen Welt bewegt hat.

Inspiriert von J. M. Barries wirklicher Freundschaft mit der Llewelyn-Davies-Familie, ist WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN geprägt von denselben Themen, die Barries Stück "Peter Pan" eine solche Durchschlagskraft verleihen: den Wundern der Imagination, der nostalgischen Erinnerung an kindliche Unschuld und der Sehnsucht, an etwas zu glauben, das über das Alltagsleben hinausreicht.

"Ich habe den Film als Geschichte über die Macht der Kreativität gesehen, die Menschen in eine andere Welt zu versetzen vermag, und das tiefe menschliche Verlangen nach Illusionen, Träumen und Überzeugungen, die uns selbst im Angesicht von Tragödien Kraft verleihen - die dir ermöglichen, dich in etwas zu verwandeln, das größer ist als du selbst, auch wenn keiner an dich glaubt."

Für Richard Gladstein bietet WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN "die einmalige Gelegenheit, einen Film zu schaffen, der ein intimes emotionales und sehr persönliches Drama mit unglaublichen Ausbrüchen von Imagination und Erfindungsgeist verbindet." Er fügt hinzu: "Es ist eine Geschichte für das Kind und den Erwachsenen in jedem von uns."

Dazu Magee: "Mein Drehbuch ist kein faktisches Nacherzählen dessen, was James Barrie erlebte, als er ,Peter Pan' schrieb. Ich wollte eine Geschichte darüber erzählen, was es bedeutet, erwachsen zu werden und Verantwortung für die zu übernehmen, die uns nahe stehen. Ich hoffe, dass die Menschen den Film als Tribut an Barries kreatives Genie sehen und ihn mit dem Gefühl verlassen, dass wir als menschliche Wesen groß werden können, ohne alle Aspekte von kindlicher Unschuld und Wundern zu verlieren."

Mit dem Schreiben wurde die Geschichte immer emotionaler und persönlicher, erkennt Magee im Nachhinein. "Kurz vor der Geburt meines ersten Kindes begann ich mit der Arbeit an diesem Material, und das Leben meines Vaters näherte sich, nach einem langen Kampf mit einer Krebserkrankung, seinem Ende. Ich dachte also intensiv darüber nach, was es heißt, erwachsen zu werden, und mir wurde bewusst, dass die Zeit wirklich hinter jedem von uns herjagt", erklärt er. "Für mich ist es die Geschichte eines Mannes, der anfängt, sich mit diesen Themen seines eigenen Lebens auseinander zu setzen."

Magee fährt fort: "Als Schriftsteller fand ich es auch interessant, zu erkunden, wie das eigene Leben die Kunst inspiriert und umgekehrt auf unser Dasein wirkt. Man sagt, dass kreative Menschen länger an ihrer Kindheit festhalten als der Rest von uns, aber es gibt in jedem Leben Momente, die schwer auf uns lasten, die wir durch Geschichtenerzählen und Kunst erkunden müssen. Barries Brillanz in ?Peter Pan' liegt darin, dass er beides zeigt, sowohl die Freude an der Kindheit als auch die bittersüße Erfahrung, sie hinter uns zu lassen. Aus dieser sehr realen und universellen Erfahrung macht er etwas Wunderbares und Spezielles."

Aufgrund des Vorschlags von Michelle Sy, zu dieser Zeit Miramax-Manager, schickte Nellie Bellflower eine Zusammenfassung des Drehbuchs an Produzent Richard Gladstein. Zu diesem Zeitpunkt kontaktierte Sy Gladstein, und das Projekt ging zu Miramax. Das Drehbuch wurde entwickelt, die Suche nach dem richtigen Regisseur begann. Diese Suche nahm eine schicksalhafte Wendung, als Gladstein ein frühes Screening von Marc Forsters Oscar-Erfolg "Monster's Ball" sah, eine erschütternde Liebesgeschichte zwischen einem Gefängniswärter und der Witwe eines Kriminellen, voller Zärtlichkeit und purer Emotion. Gladstein: "Die Tiefe der Charaktere und die Subtilität der Darstellung überzeugten mich, dass Marc etwas Einzigartiges in unser Projekt einbringen würde."

Während der Phase der Drehbuchentwicklung und des Castings ließen sich die Filmemacher von Barries eigenen Worten leiten: "Barrie gab seinen Schauspielern entscheidende Regiehinweise, etwa: ?Alle Figuren, ob Erwachsene oder Babys, müssen sich mit einer kindlichen Einstellung schmücken.' Dieses Prinzip hat uns geführt", sagt Gladstein, "und wir haben es als eine Art Prolog in mehrere Drehbuchausgaben aufgenommen, so dass alle Schauspieler und das Team die Intention verstanden."

Im Mittelpunkt von WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN steht der Oscar-nominierte, Golden-Globe-gekürte Johnny Depp, der sich wie kein anderer Schauspieler der Gegenwart seinen kindlichen Geist lebendig zu halten scheint. Marc Forster über Depp: "Johnny ist perfekt als Mann, der nie erwachsen werden will. Man sieht, er trägt dieses sehr zugängliche Kind in sich, in den Filmrollen, die er wählt. Er verleiht dieser Rolle etwas ganz Besonderes, unterspielt sie in einer Weise, die dem Mann Ehre erweist, der, wie wir beide glauben, Barrie sein wollte." Depp engagierte einen Sprach-Coach, um sich für die Rolle einen schottischen Dialekt anzueignen, den er mit dem ruhigen Auftreten eines Mannes einsetzt, der in gewisser Weise immer ein Rätsel bleiben wird.

"Johnny bringt ein natürliches Gefühl für das Geheimnisvolle in seine Figur ein und löst damit die Neugier der Zuschauer auf das aus, was in Barries Kopf vorgeht", merkt Richard Gladstein an.

Depp gefiel besonders, wie die Geschichte von WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN geprägt ist vom Unterton der unausgesprochenen Liebe zwischen seiner Figur und der von Kate Winslet - eine Liebe, die nie zu einer typischen Romanze wird. "Der Film scheint nie in die Richtung zu gehen, die man eigentlich erwartet", sagt er. "Es wird nie eine sentimentale Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, denen bestimmt ist, zusammen zu sein oder so etwas Ähnliches. Stattdessen ist es eine sehr viel kompliziertere, bewegende Beziehung zwischen zwei Menschen, die einander auf einer Ebene brauchen, die jenseits von Erklärungen und Worten liegt."

Vor allem aber wurde Depp von der Magie der "Peter Pan"-Geschichte selbst in den Bann seiner Rolle gezogen. "Es ist wirklich ein Geniestreich", sagt er. "Ein Meisterwerk der Imagination und das Resultat einer bemerkenswerten Inspiration. Eines dieser seltenen perfekten Dinge in der Welt, das uns immer begleitet, und dies war eine wunderbare Gelegenheit, zu erkunden, wo eine so kraftvolle Geschichte ihren Ursprung hat."

Für Kate Winslet brachte die Arbeit mit Johnny Depp die Quintessenz der Erzählung auf den Punkt, dass jeder in die Spontaneität und das Abenteuer, wieder Kind zu sein, eintauchen kann. "Johnny konnte so gut Kind sein auf dem Set, es war für mich, wie mit fünf Kindern zu arbeiten! Er brachte mich und die Jungen ständig zum Lachen mit seiner Cleverness, es war genau das, was wir brauchten, um den Geist der Geschichte zu erwecken."

Winslet, die dreimal für den Oscar nominiert war, ist die "Peter Pan"-Welt nicht fremd. Als sie 15 war, spielte sie die Wendy in der Bühnenfassung und fühlte sich immer angezogen vom fantastischen Universum von Nimmerland. Als sie das Drehbuch las, zog Sylvia du Maurier, die feurige Bohème-Mutter einer Bande liebenswerter Jungen in einer Zeit großer Förmlichkeiten, sie in ihren Bann.

"Sylvia ist eine sehr interessante Person", merkt sie an, "denn sie ist eine moderne Mutter in einer Zeit, als sich die Sichtweise auf die Kinder gerade anfing zu ändern. Die meisten Menschen fanden, Kinder sollte man sehen, aber nicht hören, und Kinder wurden normalerweise im Haushalt von den Erwachsenen getrennt. Sylvia geht das anders an, und reflektiert damit eine Veränderung in der Art der Kindererziehung. Sie ist sehr engagiert in der Erziehung ihrer Söhne und ermuntert sie, frei zu denken. Ich liebe ihren Nonkonformismus."

Winslet fährt fort: "Aber Sylvia ist auch eine erst vor kurzem verwitwete Frau, also ist eine Menge verborgene Trauer und Wut in ihr, und ich glaube, das ist ein Teil der Anziehung, die sie auf James M. Barrie ausübt. Er ist der ?Larger than life'-Typ, der sich von allen Männern, die sie in ihren sozialen Kreisen trifft, total unterscheidet. Sie fühlt sich wirklich magisch von ihm angezogen, nicht weil er sie verführt, sondern weil er sie mitnimmt in seine fantastischen Welten. Ich glaube, in der Essenz ist das eine Liebesgeschichte, aber es geht um die Liebe zwischen Barrie und einer ganzen Familie."

Auch wenn es keine ausführliche Literatur über Sylvia du Mauriers Leben gibt, sind einige ihrer Briefe und Aufzeichnungen erhalten. Bewegt fand Winslet heraus, dass ein Aspekt ihrer Geschichte, der als wahr überliefert ist, ihre Entscheidung ist, ihre Krebserkrankung nicht behandeln zu lassen. Sylvia wollte ihre Kinder beschützen, indem sie ihre labile Gesundheit vor ihnen verbarg und so verhinderte, dass die Söhne sie, bedingt durch die möglicherweise langwierige und schmerzvolle Behandlung, leiden sehen würden. "Das ist für mich ein ungeheurer Akt von Mut", sagt Winslet. "Sie wollte, dass das Leben so normal wie möglich weitergeht und sich ruhig daraus verabschieden. Ein unglaubliches Opfer, das sie für ihre Kinder bringt."

Für Marc Forster war Winslet eine Revolution in der Rolle. "Sie ist selbst Mutter und hat daher diese wunderbare Fähigkeit, die Kinder zu umarmen und gleichzeitig sehr bodenständig zu bleiben. Für mich war wichtig, dass sie dieses Muttersein physisch verkörpert, vor allem, weil man so den unermesslichen Verlust nachvollziehen kann, der die Kinder trifft."

Einen weiteren unverwechselbaren Part in Barries "Peter Pan" hat Charles Frohman inne, der wohlhabende amerikanische Impresario, der Barrie während eines Großteils seiner Karriere zur Seite stand. Er bringt ein völlig unkonventionelles Fantasiestück auf die Bühne, von dem er fürchtet, dass es ein Misserfolg wird.

Der wirkliche Charles Frohman, bekannt als der "Napoleon des Dramas", war berühmt für seine Fähigkeit, neue Talente zu entdecken und zu fördern, und wird nicht nur mit Barrie, sondern auch mit Oscar Wilde und W. Somerset Maugham in Verbindung gebracht. Er gilt auch als Förderer von Broadway-Stars wie John Drew, Ethel Barrymore, E. H. Sothern, Julia Marlowe, Maude Adams und Henry Miller. (Tragischerweise starb Frohman auf der Höhe seiner Karriere, als der Ozeandampfer Lusitania von einem deutschen U-Boot versenkt wurde. Als seine letzten Worte ist ein Motto aus "Peter Pan" überliefert: "Warum den Tod fürchten? Er ist das großartigste Abenteuer im Leben.")

Einer der Gründe, warum Oscar-Preisträger Dustin Hoffman den Frohman-Part übernahm, war die Möglichkeit der Zusammenarbeit sowohl mit Forster als auch mit Depp. "Ich habe ?Monster's Ball' gesehen und wollte seitdem mit Marc Forster zusammenarbeiten. Und ich wusste, dass Johnny Depp James Barrie spielen würde, und ich halte ihn für einen unserer begabtesten jungen Schauspieler. Er hat eine Eigenschaft, die ich zutiefst bewundere - er versucht alles in seiner Macht Stehende, kein Star zu sein. Er macht etwas aus den Rollen, die er auswählt, und vermeidet es, ein Idol zu sein, obwohl er so gut aussieht."

Hoffman fühlte sich auch angezogen von Frohmans Hingabe an den Traum eines Künstlers, so riskant er auch erscheint. "Was mich an Frohman interessiert hat, ist, dass er sich eher zögernd und zurückhaltend verhält in Bezug auf die Produktion von ?Peter Pan', einem Stück mit Feen, Piraten und Krokodilen, von dem er sich nicht vorstellen kann, dass das kultivierte Londoner Theaterpublikum es akzeptieren wird. Aber Frohman war ein Ausnahme-Produzent mit der Fähigkeit, ein Genie zu erkennen, und er verstand, dass, per Definition, ein Genie den Drang hat, etwas zu tun, was noch keiner gewagt hat, sich zu exponieren. Er ließ Barrie das Risiko eingehen, und das hat sich für die ganze Welt ausgezahlt."

Eine der forderndsten Rollen des Films ist die von Barries einsamer Ehefrau Mary, gespielt von Radha Mitchell, die mit Forster bereits bei "Everything Put Together" zusammenarbeitete. Mitchell hatte großes Mitgefühl für Mary als eine in einer schwierigen Ehe gefangenen Frau. "Mary scheint vielleicht kalt, aber sie ist nur von Ängsten erfüllt, weil sie einen Mann liebt, mit dem sie keine Verbindung aufnehmen kann, wie sehr sie sich auch bemüht", sagt Mitchell. "Ich wollte ihre Perspektive herausarbeiten und wirklich zeigen, wie frustriert sie ist von diesem Strom, der zwischen ihr und ihrem Mann fließt. Ich wusste bereits, dass Marc als Regisseur sich nie mit Stereotypen zufrieden gibt. Er will realistische, naturalistische Darstellungen, und dafür war Mary eine großartige Herausforderung."

Und dann gibt es noch vier Jungen, mit denen Barrie seine Alltagsrealität hinter sich lässt und einen Ort aufsucht, wo Märchen und Legenden zum Leben erwachen. Von Anfang an war den Filmmachern bewusst, dass die Besetzung der Llewelyn-Davies-Söhne der Schlüssel war. Nach intensiven Auditions wurde die Suche auf einige Dutzend junge Schauspieler eingeengt. Statt individuellem Vorsprechen ließen die Filmemacher Gruppen von Jungen zusammen auftreten, um diese bestimmte, unberechenbare Chemie zu finden, eine Mischung aus Rivalität und Nähe, die zwischen echten Geschwistern herrscht.

"Es war ganz wichtig, dass die Jungen miteinander umgingen wie in einer richtigen Familie, denn ich wollte sehr natürliche Darstellungen von ihnen", merkt Forster an. "Die jungen Schauspieler, die wir ausgewählt haben, sind alle außergewöhnlich und begabt. Jeder brachte eine seltene Tiefe und Sensibilität mit - und auch einen Sinn für Humor, was das Erzählen dieser Geschichte so viel einfacher macht." Kate Winslet fügt hinzu: "Die Jungen kamen mir oft eher als junge Männer vor denn als Kinder, weil sie so intelligent, professionell und warmherzig waren - selbst Luke Spill mit seinen sechs Jahren bringt die Sache auf den Punkt."

Johnny Depp versuchte, den Sinn für Unfug hinter ihrer professionellen Fassade hervorzulocken: "Man sollte meinen, diese kleinen Jungen würden die Wände raufklettern auf dem Filmset, aber sie waren unglaublich konzentriert auf ihre Arbeit. Manchmal mußsten wir sie regelrecht auflockern", erzählt er. "Für die Dinnerparty-Szenen haben Marc und ich vorher geplant, dass ich meine Furz-Maschine für bestimmte Stellen einsetzen durfte. Wir versteckten sie unter dem Tisch und warteten bis zu den Nahaufnahmen der Jungen. So habe ich sie drangekriegt, es funktionierte hervorragend."

Produzent Richard Gladstein war vor allem von Freddie Highmore beeindruckt, der Peter spielt, den ernsthaften Namensgeber der unendlich verspielten Figur, die er inspirieren sollte.

"Peter ist das wichtigste Kind in dem Film und ich finde, Freddie ist Magie pur", sagt Gladstein. "Er war der erste Schauspieler, der für Marc und mich vorsprach, und er hat die Figur festgelegt. Wir haben uns noch einige andere angeschaut, aber am Ende des Tages wussten wir, dass wir unseren Peter gefunden hatten. Er hat die Rolle wie ein Erwachsener angelegt, auf geheimnisvolle, reiche und emotionale Art."

Highmore hatte einen tiefen Zugang zu der Geschichte und der Rolle, die er darin spielt. Er erklärt: "Peter denkt immer an seinen Vater und findet es nicht richtig, dass Barrie in ihr Leben eintritt. Aber dann eröffnet Barrie ihm völlig neue Welten, indem er ihn zum Beispiel zum Schreiben ermutigt. Peter ist nicht wirklich wie ?Peter Pan', weil er bereit ist, erwachsen zu werden. Ich glaube, Barrie ist das Kind, das nie groß wurde, denn immer ist er es, der die Spiele mit Piraten und Cowboys anzettelt. Egal was er sagt, Barrie ist der wirkliche Peter."

Alle Jungen, auch Joe Prospero als Jack und Nick Roud, der George spielt, hatten ihren Spaß mit den endlosen Verkleidungen, die die Rollen erfordern. Prospero fasst zusammen: "Dieser Film hat wirklich Spaß gemacht. Jeden Tag waren wir Cowboys oder Piraten, wurden durchnässt und umgehauen und hatten eine tolle Zeit!"

Für noch mehr Spaß am Set sorgten die beiden britischen Spitzenkomödianten Paul Whitehouse ("The Fast Show") und Mackenzie Crook (dem amerikanischen Publikum am besten bekannt als Gareth in "The Office") als Barries Bühnenschauspieler. Richard Gladstein merkt an: "Paul Whitehouse und Mackenzie Crook sind wunderbar erfahrene Komödien-darsteller, die, zusammen mit Johnny und Dustin, eine leichte, imaginative, sichere andere Welt innerhalb der Wände des Theaters erschaffen, wo sie in der Lage sind, herrlich frei, verspielt und kreativ zu sein."

Einen Auftritt als Ehrengast hat Laura Duguid, in Wirklichkeit J. M. Barries Patenkind und Tochter von Nico, dem jüngsten der echten Llewelyn-Davies-Jungen. Sie spielt die kleine, aber vitale Rolle der Theaterzuschauerin, die bei der Premierenparty die Vermutung äußert, der kleine Peter Llewelyn Davies müsse Peter Pan sein. Dann zeigt Peter auf Barrie und sagt: "Aber ich bin nicht Peter Pan, er ist es." Duguid war erst neun Jahre alt, als Barrie starb. Trotzdem hat sie unvergessene Erinnerungen an gemeinsame Zeiten, als sie noch ein Kind war.

Realität trifft Imagination: der Look von "Wenn Träume fliegen lernen" Das einzigartige Design von WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN verbindet zwei unterschiedliche Welten: die prüde Realität Londons zur Jahrhundertwende mit dem imaginären Reich unerhörter Träume und grenzenloser Möglichkeiten. Durch jedes Element des Produktionsdesigns, die Kostüme, die Fotografie und das Licht spielen sich die beiden Welten gegeneinander aus, spielen manchmal Tauziehen um einen bestimmten Look jenseits des Alltäglichen, aber nie ganz außer Reichweite.

Produktionsdesignerin Gemma Jackson erläutert das Konzept: "Es galt, viele verschiedene Dinge in der Mischung der Geschichte zu beachten, aber wir waren immer darauf aus, ein starkes magisches Element die vergleichsweise spannende Realität überlagern zu lassen. Marc machte klar, dass er keinen pflichtbewussten Epochenfilm wollte, der sich in historischen Details verliert. Also haben wir viel mehr versucht, als nur das Jahr 1904 zu rekonstruieren, und es uns zur Mission gemacht, die Quintessenz einer Welt zu erfassen, in der die Imagination aus der Realität heraus explodiert."

Kostümbildnerin Alexandra Byrne, für einen Oscar nominiert, war fasziniert von der Aufgabe, etwas zu schaffen, was weit über ihre vorherigen Projekte hinausging. "Es ist selten, dass ein Kostümbildner Realität und Fantasie mischen darf - man macht üblicherweise entweder das eine oder das andere -, das war sehr spannend", sagt sie. "Für viele der alltäglichen Outfits begann ich mit Ausflügen ins Museum, um mir Gegenstände und Gemälde von damals anzuschauen und das richtige Gespür für die Materialien zu bekommen. Für Nimmerland auf der anderen Seite mußste etwas kreiert werden, das direkt einem Kindertraum entspringt. Es ist reine Fantasie, aber mit einem Touch von edwardianischem Einfluss."

Byrne bezog sich sowohl auf die eher zugeknöpfte englische Mode der Zeit - für Kate Winslet und Radha Mitchell bis zu den unbequemen Jahrhundertwende-Korsetts - als auch auf den freieren Kleidungsstil einer progressiven Familie wie die Llewelyn Davies mit losen Hängern, lustigen Baskenmützen und Knickerbockern für die Jungen. Für die Spielszenen ließ Byrne die Realität hinter sich mit fantastischen Feenflügeln, den Kniehosen der Piraten und indianischem Kopfschmuck.

Auch Kameramann Roberto Schaefer verfolgte das Konzept, die reale Welt mit einer Welt zu verweben, die nach vernünftigen Maßstäben unverfilmbar ist: der Welt der inneren Vorstellungskraft. Schaefer: "Marc Forster gab mir eine Menge Freiheit, um zu erkunden, wie man es darstellt, im Innern der Imagination eines Menschen zu sein, mit meinen eigenen visuellen Mitteln. Das habe ich sehr geschätzt."

Schaefer arbeitete eng mit Kevin Tod Haug, dem Visual Effects Designer, zusammen. "Ausgangspunkt war die Idee, zu zeigen, wie das Leben aussieht durch die Augen eines einfallsreichen Schriftstellers, der nicht so ganz im Hier und Jetzt lebt, sondern irgendwo im Reich seiner Fantasie", erklärt Haug. "Wir wollten die Anklänge von etwas Fantastischem oder irgendwie Seltsamem, das Barrie umgibt. In den Szenen mit Fantasieelementen haben wir Animation, CGI und Filmaufnahmen der realen Schauspieler kombiniert, um eine traumhafte Atmosphäre zu schaffen. Meine besondere Spezialität sind ungewöhnliche Kamerabewegungen und Aufnahmen, die durch und durch wie Live-Action aussehen, in Wirklichkeit aber eine Mischung aus CGI und vielfältigen Kamerabewegungen sind. Das war der Schlüssel für die Kreation der richtigen Effekte."

WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN wurde in England gedreht, oft an authentischen Schauplätzen wie den legendären Kensington Gardens in London, dem historischen Saville Club und dem Brompton Friedhof aus dem 19. Jahrhundert. Die Theater-Szenen im Duke of York's Theatre wurden im historischen Richmond Theatre in Surrey gefilmt, einer hinreißenden Jahrhundertwende-Bühne aus dem Jahr 1899, die in den 1990ern in ihrer alten Pracht wiedererrichtet wurde. Die spannendste Aufgabe aber bestand darin, einen Ort zu schaffen, der niemals existierte, den aber viele gesehen zu haben glauben. Neverland, die verzaubert Insel mit idyllischen Wäldern und Seen, wurde in den Shepperton Studios errichtet.

Richard Gladstein erklärt den Schaffensprozess: "Zuallererst findet Neverland in Barries Kopf statt. Wir haben versucht, einen Ort erstehen zu lassen, wo jeder Zugang findet zu seiner eigenen Kreativität und Imagination." Er fährt fort: "Wir wollten es wild und wunderschön, eine Fantasie-Welt, die jeder der beteiligten Figuren sehen kann - und hoffentlich auch jeder im Publikum. Es ist ein Ort, der werden kann, was immer du willst, entweder Barries Version von Neverland oder Sylvias oder die von Peter Davies - oder deine eigene."

Bei der Schaffung dieser packenden Welt wurde das gesamte Produktions-Team von Marc Forster ermuntert, in jeder Hinsicht zu experimentieren - kein Risiko galt als zu abwegig. "Es gab nie konkrete Anweisungen - es lag an uns, Ideen zu kreieren, eine tolle Aufgabe," erklärt Gemma Jackson. "Die Designs, die ich entworfen habe, haben ihren Ursprung in meiner eigenen Fantasie und Erinnerungen aus der Kindheit, und dem Gefühl, ein Stück von einer unendlichen Welt zu greifen, die weitergeht und weitergeht ..."

Kostümbildnerin Alexandra Byrne griff auch auf Mythen und Märchen zurück, aber ohne den Bezug zur Wirklichkeit aus dem Auge zu verlieren. Die Designs für die Feen zum Beispiel sind spleenig, voller Mystizismen, aber sie basieren auch auf einem ungewöhnlichen Abendkleid der Epoche, das ich zufällig entdeckte," erklärt Byrne. "So haben wir es immer gehalten: Von der Epoche ausgehend gearbeitet, und das ausgeweitet in ein imaginatives Universum."

Roberto Schaefer ließ sich von dem sprunghaften englischen Wetter in seinem Licht-Design inspirieren. "Ich wollte Neverland ein traumhaftes Gefühl verleihen, und dazu hat mir das Wetter einige interessante Ideen geliefert. Wann immer wir Außenaufnahmen gedreht haben, hatten wir mit dem ständigen Wechsel zu kämpfen. Mal war es wolkig, dann wieder sonnig, wolkig und so weiter. Als wir eines Tages darauf warteten, dass sich der Himmel aufklärt, fiel mir auf, dass der Himmel so etwas wie außer-weltlichen Charme hat, mit diesen rollenden Wolkenbergen, die sich aufhellen und verdunkeln. Einen Eindruck davon wollte ich auf die Leinwand bringen in den Neverland-Sequenzen. Sie sollten diesen Touch von natürlicher Magie haben."

"Peter Pan": das Stück Seit Jahren zieht J. M. Barries weltberühmtes Stück "Peter Pan, Or the Boy Who Wouldn't Grow Up" Kinder und Erwachsene gleichermaßen in seinen Bann. Im Dezember 2004 feiert die legendäre Erzählung über die abenteuerliche Reise der Darling-Kinder Wendy, John und Michael in ein fernes Land, wo Feen leben, jeder fliegen kann und Magie und Unfug jeder Art im Überfluss existieren - ein Eden, wo die Zeit selbst außer Kraft gesetzt ist -, ihren 100. Geburtstag! Es ist überliefert, dass bei der Premiere von "Peter Pan" das überwiegend erwachsene Publikum so heftig klatschte, um seinen Glauben an Feen unter Beweis zu stellen, dass die Schauspielerin, die Peter spielte, in Tränen ausbrach.

Von Anfang an lässt Barrie das Publikum wissen, dass es ein bisschen fantastisch zugehen wird: er stellt eine Familie vor, die, obwohl sie ein im edwardianischen London typisches Leben führt, einen Hund als Kindermädchen hat, der die Betten mit den Zähnen macht. Bald bekommen die Kinder ungewöhnlichen Besuch in ihrem Bloomsbury-Apartment: von einem Jungen namens Peter Pan, der seinen verlorenen Schatten sucht und von sich behauptet, dass er nie erwachsen wird. Peter kann fliegen wie seine Freundin, die Fee Tinker Bell, und bringt diese aufregende Fähigkeit auch den drei Darling-Kindern bei. Sie lernen, an das Unmögliche zu glauben, und brechen mit Peter auf in sein Inselparadies Nimmerland.

In Nimmerland treffen die Darlings die Verlorenen Jungen, Peters Bande von Kinderkriegern, die, zusammen mit einem Indianerstamm, gegen den gnadenlosen Piraten Captain Hook kämpfen. Nachdem Wendy für die Verlorenen Jungen die Mutterrolle übernommen hat, wird sie mit ihrer neuen Familie von Hook gekidnappt. In einer der berühmtesten Szenen des Stücks rettet Peters Tapferkeit Wendy davor, mit verbundenen Augen über eine Schiffsplanke ins Wasser getrieben zu werden. Hook wird von seiner Nemesis, einem tickenden Krokodil, das einmal eine Uhr verschluckte, gefressen - das Gute siegt einmal mehr über das Böse.

Währenddessen warten im Kinderzimmer zu Hause die Eltern bei weit geöffnetem Fenster verzweifelt auf ihre Kinder. Peter versucht, die Kinder zurückzuhalten, aber es gelingt ihnen schließlich, nach Hause zu gelangen. Dort sind sie, wie Peter es ihnen warnend prophezeit hat, dem Erwachsenwerden und dem Alter ausgeliefert. Doch die Wunder und die Magie, die sie erlebt haben, begleiten sie ein Leben lang.

Von der Eröffnungsvorstellung an, im Duke of York's Theatre am 27. Dezember 1904, war "Peter Pan" sofort ein kulturelles Phänomen und erhielt Beifall für seine innovative, nie da gewesene Bühnenpräsentation, die das Publikum einbezog. Die Zuschauer verstanden sofort, dass es in der Geschichte um mehr geht als ein bloßes Kinderabenteuer. Seit seiner Broadway-Premiere am 20. Oktober 1954, mit Mary Martin in der Titelrolle, und bis zum heutigen Tag sind die Themen für Erwachsene wie Kinder gleichermaßen relevant. Die Kombination von unwiderstehlichem Geschichtenerzählen und zeitloser Relevanz machten "Peter Pan" zu einem Klassiker der Literatur, gelesen in Kinderzimmern ebenso wie an Universitäten, und das seit hundert Jahren - und wohl auch in Zukunft.

Die Geschichte vom Flug der Darling-Kinder nach Nimmerland stellt kindliche Unschuld gegen Piratenübel, aber auch Fantasie gegen Realität, Freiheit gegen Mittelklasse-Korrektheit und grenzenloses Abenteuer gegen die Sicherheit von Heim und Familie. Bis zum heutigen Tag diskutieren Kritiker und Literaturexperten über Barries Intentionen - und ob er, im Endeffekt, das Nichterwachsenwerden als Triumph oder bittersüße Tragödie in der modernen Welt erlebte.

Für Marc Forster ist der inspirierendste Part von "Peter Pan" der, der WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN hervorgebracht hat. In seinen Worten: "dass eine große Geschichte das Publikum so weit trägt, wie seine Vorstellungskraft reicht."

Das Erbe von "Peter Pan" Nachdem J. M. Barrie "Peter Pan" geschrieben hatte, entwickelte das Stück ein Eigenleben. Es wurde nicht nur ein populäres Bühnenstück und eine beliebte Novelle (veröffentlicht unter dem Titel "Peter and Wendy", 1911), sondern auch ein Teil der öffentlichen Vorstellungswelt. Weitergereicht von Generation zu Generation, hat sich die Geschichte selbst ins Bewusstsein von Kindern und Erwachsenen in Europa, Amerika und darüber hinaus verwoben.

Die Hinterlassenschaften von "Peter Pan":

  • die Entstehung von Kinderliteratur als anerkanntes kommerzielles Genre. Auch wenn es bereits eine lange Tradition von Kinderliteratur gab, angefangen mit den Adaptionen von "Robinson Crusoe" und "The Arabian Knights", markiert Barries Erzählung eine literarische Revolution, die zeigte, dass der Markt für kindliche Leser ebenso bedeutend ist wie der für ihre Eltern;
  • das Wort "Nimmerland", das später ins American-Heritage-Wörterbuch aufgenommen wurde, definiert als "ein imaginärer und wundervoller Ort, ein Land der Fantasie";
  • der Name Wendy, erfunden von J. M. Barrie, entstanden nach dem Namen der Tochter eines Mitarbeiters, Margaret Henley, die kein "R" aussprechen konnte und Barrie "my fwendy" nannte. Margaret starb im Alter von sechs Jahren, aber sie lebt fort in der Figur der Wendy, die viele Eltern dazu inspirierte, ihren Töchtern diesen Namen zu geben;
  • ein langlebiger Modestil - der "Peter Pan"-Kragen als Bezeichnung für den großen, runden Kragen, den viele Jungen dieser Epoche trugen;
  • Tausende von Theateraufführungen, ein Broadway-Musical, zahlreiche Filme und Fernsehaufzeichnungen, ein Zeichentrickklassiker, ein beliebtes Disney-Themenpark-Fahrgeschäft sowie eine "Peter Pan"-Statue in Kensington Gardens und vieles mehr;
  • eine Tradition von andersgeschlechtlichem Casting der "Peter Pan"-Rolle. Die erste Schauspielerin, die Peter Pan spielte, war die 37-jährige Nina Boucicault, die Schwester des ersten Regisseurs des Stücks. Ihre Besetzung legte den Trend fest. 1982 wurde zum ersten Mal ein Mann in England in der Rolle des Peter Pan besetzt. Die Rolle ist nach wie vor bei Schauspielern beiderlei Geschlechts begehrt;
  • Millionen von Dollar für das Great Ormand Street Children's Hospital in England. Das Copyright für "Peter Pan" übertrug Barrie dem Hospital, das die erheblichen Einnahmen im Laufe der Jahre nutzte, um unzähligen Kindern zu helfen.
Die Zeit J. M. Barries: eine kurze Einführung 1904, bei seiner ersten Aufführung auf einer Londoner Bühne, raubte "Peter Pan" dem Publikum den Atem. Zum einen, weil bis dahin noch niemand etwas Vergleichbares gesehen hatte - eine spannende, hemmungslose Feier der schwerterrasselnden Fantasien und unbegrenzten Hoffnungen der Kindheit. Es war der Höhepunkt des edwardianischen Englands, das so genannte goldene Zeitalter der Eleganz und Förmlichkeit, doch J. M. Barries Erzählung fängt die Stimmung des noch jungen Jahrhunderts an der Schwelle zu radikalen Veränderungen ein. Barries "Peter Pan" wurde zum Symbol einer tief greifenden Veränderung in Hinsicht darauf, wie die Gesellschaft die Kindheit betrachtete. Das viktorianische Konzept von Kindern als Ikonen moralischer Reinheit griff nicht mehr. An seine Stelle trat die Betrachtung von Kindern als spaßliebende, unsinnmachende Helden und Heldinnen ihrer eigenen Abenteuer. Barrie hoffte, diese Sicht der Kindheit in den Augen der Welt verankern.

Doch das weiter fortschreitende 20. Jahrhundert wurde zu einem Ort, wo Kinder oft gezwungen waren, viel zu schnell aufzuwachsen, oder sogar nie eine echte Kindheit erlebten. Gegen diesen heftigen Rückfall rührt "Peter Pan" ebenfalls die Trommel, als ernste Warnung an eine Gesellschaft, die Hals über Kopf ins Erwachsensein eilt, als willkommene Erinnerung an die Notwendigkeit, niemals die kindliche Fähigkeit zum Träumen zu verlieren, sich die Vorstellungskraft zu erhalten, egal wie komplex und gewalttätig das neue Zeitalter auch sein mag.

J. M. Barrie sehnte sich immer nach einer Welt, in der Verspieltheit und Versponnenheit über Seriosität und Reichtum triumphieren würden. In den Erinnerungen an seine Mutter, Margaret Ogilvy, schrieb er: "Nichts, was passiert, nachdem wir zwölf sind, ist wirklich von Bedeutung." Diese Sicht resultiert vielleicht aus seiner eigenen chaotischen und verkürzten Kindheit, die seine Faszination für die Frage, warum und wie Menschen erwachsen werden, erklärt.

Als Sohn eines Webers 1860 in Schottland geboren, war Barrie ein Leben lang geprägt vom Tod seines begabten großen Bruders David bei einem Eislaufunfall. Barrie war erst sechs Jahre alt, David 13. Um seine gramgebeugte Mutter zu trösten, versuchte Barrie, den Platz seines Bruders einzunehmen. Er ahmte seine Körperhaltung nach, versuchte, wie David zu pfeifen, und trug, was am unheimlichsten war, seine Kleidung. Bemerkenswerterweise hörte der kleine Barrie, als er das Alter erreichte, in dem sein Bruder starb, auf zu wachsen.

Sein ganzes Leben lang schien Barrie in diesem Zwischenreich zwischen Kindheit und Erwachsensein gefangen. Selbst seine Erscheinung war zart und jungenhaft, mit einer wispernden, jugendlichen Stimme. Dennoch galt Barrie, bis er "Peter Pan" schrieb, als meisterlicher Autor für Erwachsene, berühmt für seine bissige Satire und die scharfen Beobachtungen einer klassengesteuerten Gesellschaft. Als Teil eines gefeierten Autorenzirkels, dem auch Rudyard Kipling, Thomas Hardy, H. G. Wells und Robert Louis Stevenson angehörten, war dieser kindhafte Mann einer der führenden Intellektuellen seiner Zeit. Er war auch der erfolgreichste und wohlhabendste Theaterautor seiner Generation, der über 40 Stücke veröffentlichte - viele davon feierten große Erfolge an Londons Bühnen - sowie sechs Romane, sieben nichtfiktionale Werke und zahlreiche Sammelbände.

Es gibt wenig Zweifel daran, dass sich Barrie in der Gesellschaft von Kindern wohler gefühlt hat als in der von Erwachsenen. In unserer postfreudianischen Welt ist Barries Interesse an den Kindern anderer Leute manchmal fehlinterpretiert worden. Michael Emrys, Präsident der J.-M.-Barrie-Gesellschaft, merkt an: "Historiker und Biografen stimmen darin überein, dass nie etwas Unkorrektes vorgefallen ist." Andrew Birkin, der bedeutendste Barrie-Biograf ("J. M. Barrie and The Lost Boys") glaubt, dass Barries Beziehung zu den Llewelyn-Davies-Söhnen von Barries Wunsch geprägt war, den Jungen eine wirkliche Vater-Figur zu sein und die Liebe von Sylvia zu gewinnen.

Die überzeugendste Zurückweisung dieser Spekulationen über Barrie kommt vom jüngsten der Llewelyn-Davies-Jungen, Nico Davies, der lange bei Barrie lebte und ihn als seinen Vater betrachtete. Wie Andrew Birkin in seiner Biografie schreibt, äußerte sich Nico unmissverständlich zu dem Thema: "Hätte es auch nur den leisesten Ansatz solcher Tendenzen gegeben, hätte ich es gemerkt. Er war ein Unschuldiger - deshalb konnte er auch ?Peter Pan' schreiben."

J. M. Barrie starb im Juni 1937 mit 77 Jahren, aber "Peter Pan" ist nie alt geworden. Als Inspirationsquelle zahlreicher Filme, Fernsehserien und eines Broadway-Musicals - von den unzähligen jungen, frischen Adaptionsansätzen abgesehen - wird sich die Beliebtheit der Geschichte auch im 21. Jahrhundert fortsetzen.

Die Llewelyn-Davies-Familie J. M. Barrie traf die Llewelyn-Davies-Kinder zum ersten Mal in Londons Kensington Gardens mit ihrem Kindermädchen Nancy Hodgson bei seinem täglichen Spaziergang mit seinem Bernhardiner Porthos. Damals waren erst George (5), Jack (4) und Peter (1) auf der Welt, Michael und Nico wurden später geboren.

Barrie hatte zwar viele Freunde im Park, aber diese Jungen wurden seine liebsten Spielkameraden - und umgekehrt. Um sie permanent zum Lachen zu bringen und in Erstaunen zu versetzen, führte Barrie magische Tricks auf, wackelte mit Ohren und Augenbrauen und steckte Porthos in Verkleidungen. Er begann auch, ausführliche Fantasiegeschichten zu erfinden, mit magischen Inseln, Indianern, Piraten und Feen, die die Jungen bezauberten und Barrie selbst inspirierten, etwas zu schreiben, das anders war als alles, was er bisher geschrieben hatte.

Erst nachdem er sich mit den Kindern angefreundet hatte, machte Barrie die Bekanntschaft ihrer Mutter bei einer Silvesterparty. Er fühlte sich sofort zu ihr hingezogen. Sylvia du Maurier, Tochter des angesehenen Künstlers und Schriftstellers George du Maurier und der aristokratischen Erbin Emma du Maurier (im Film gespielt von Julie Christie), galt als erstaunlich liebenswert und charmant. Ihre große Familie zählte zu den renommiertesten der Stadt. Kurz nach dem Zusammentreffen bei einer Dinnerparty schrieb Barrie über Sylvia: "Sie ist die schönste Kreatur, die ich je gesehen habe."

Zu dieser Zeit war Sylvia mit dem Anwalt Arthur Llewelyn Davies verheiratet. In einem kühnen Verstoß gegen die Sitten öffnete Sylvia Barrie die Türen ihres Heims. Er wurde ein regelmäßiger Besucher und verbrachte, ohne Rücksicht auf den äußeren Anschein, teilweise die Ferien mit der Familie. Barrie war so in das Leben der Jungen involviert, dass er auch ihre privaten Schulgebühren bezahlte. Wenn sie in seinem Landhaus in Black Lake zusammenkamen, trugen er und die Kinder lange Piratenspiele aus, die Barrie später als die Höhepunkte seines Lebens bezeichnete.

Zu Beginn ihrer Freundschaft erzählte Barrie den Jungen Geschichten über Peter Pan, einen Lausbuben, ein geheimnisvolles ewiges Kind, das sich zusammensetzte aus den Dingen, die Barrie am meisten an den Llewelyn-Davies-Jungen beeindruckten: ihre spontane Freude, ihr unendlicher Spieltrieb und die Freiheit, immer Unfug im Kopf zu haben.

In der Zwischenzeit fing Barries Frau Mary, die sich von seiner offensichtlichen, aber undenkbaren Liebe zu den Kindern einer anderen Frau verraten fühlte, eine Affäre mit dem befreundeten Schriftsteller Gilbert Cannan an. Sie ließ sich 1909 scheiden, um Cannan zu heiraten.

Während dieser ganzen Zeit kümmerte sich auch das ernste, aber hingebungsvolle Kindermädchen Nancy um die Jungen. Nancy inspirierte Barrie zur Figur der Nana, dem Hausmädchen in Hundegestalt, das die Darling-Familie in "Peter Pan" betreut. Auch wenn das Stück bereits 1904, zur Freude der Llewelyn-Davies-Jungen, uraufgeführt wurde, setzte Barrie seine Arbeit daran fort. Er überarbeitete die Geschichte und erweiterte sie in den nächsten Jahren, während eine Reihe von Tragödien die Llewelyn-Davies-Familie heimsuchte.

Zunächst starb 1907 der Vater der Jungen, nach einem Kampf mit seinem Krebsleiden, der die ganze Familie erschütterte. Auch wenn Arthur zunächst misstrauisch auf Barrie reagiert hatte, wurden die beiden Männer am Ende enge Freunde. Barrie kam jeden Tag an Arthurs Bett und kümmerte sich um Sylvia und die Jungen. Er trug außerdem viel zur finanziellen Unterstützung der Familie bei.

Es gibt Hinweise darauf, dass Barrie beabsichtigte, Sylvia nach Arthurs Tod zu heiraten. Beispielsweise ging er so weit, einen Verlobungsring zu kaufen. Aber dann wurde auch sie vom Krebs befallen, hielt ihr Leiden jedoch vor den Kindern verborgen, um ihnen weiteren Kummer zu ersparen.

Sylvia starb 1910, sechs Jahre nach der Premiere von "Peter Pan". Barrie soll zu dieser Zeit an der Romanfassung "Peter and Wendy" - in der Wendy eine herzzerreißende Entscheidung zwischen weltlicher Zeit und Zeitlosigkeit treffen mußs - neben Sylvias Bett gearbeitet haben, als sie starb. Für Barrie gab es nichts Schmerzhafteres, als seine Ersatzfamilie zerfallen zu sehen.

Nach Sylvias Tod wurde J. M. Barrie der inoffizielle Vormund der fünf Llewelyn-Davies-Jungen, die damals zwischen sieben und 17 waren. Doch auch wenn er gut für sie sorgte, großzügig war und sie mit Aufmerksamkeit überhäufte, waren ihre Leben als Erwachsene von Tragik durchzogen. George kam in den Wirren des Ersten Weltkriegs um, Michael, der Schriftsteller werden wollte, ertrank mit 20 während des Studiums in Oxford und Peter beging im Alter von 63 Jahren Selbstmord, viele Jahre nach Barries Tod. Keines der Kinder ist heute noch am Leben.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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