Alles auf Zucker!

Ausführlicher Inhalt

?Spielen ist meine Leidenschaft! Das ganze Leben ist ein Match?, so lautet die Maxime des Berliners Jaeckie Zucker (Henry Hübchen). Eigentlich wurde er 1947 als Jakob Zuckermann geboren, doch mit dem jüdischen ?Club? hat er seit 1961 nichts mehr am Hut. Damals rettete sich seine Mutter mit dem Erstgeborenen Samuel vor dem Mauerbau nach Frankfurt am Main und Jaeckie blieb allein zurück. Seitdem herrscht Funkstille in der zerstrittenen Familie. Der gewitzte Jaeckie mauserte sich zum Sportreporter und wurde in der DDR ein Star. Doch seit der Wende hält sich der Lebemann nur mühsam mit Billard und Glücksspiel über Wasser, auch in seiner Ehe mit Marlene steht nicht alles zum Besten.

?Ich stehe bis zum Hals in Scheiße, aber der Ausblick ist gut?, tröstet sich Jaeckie. Seine Stimme kommt aus dem Off ? Jaeckie liegt traumatisiert im Koma und bedauert sich. Fand doch die schönste Woche seines Lebens ein viel zu jähes Ende, im Moment seines höchsten Triumphes. Wie es dazu kam? Selbstironisch kommentiert, passieren Jackies letzte Tage Revue.

Alles beginnt mit einem Tiefpunkt: Jaeckie Zucker schlurft derangiert nach einer im Streit eskalierten Billardpartie durchs winterliche Berlin nach Hause. Marlene (Hannelore Elsner) bereitet dem Streuner einen eisigen Empfang. Sie hat genug von Zuckers Mätzchen und will die Scheidung. Sofort, ohne gelbe Karte.

Erschlagen packt Zucker seine Koffer. Kurz darauf kommen neue Hiobsbotschaften: Sohn Thomas (Steffen Groth), Filialleiter einer Bank, naht mit Gerichtsvollzieher und Polizei. Zucker hat den letzten Zahlungstermin für die fälligen 44.500 Euro verpasst, nun soll er in Schuldhaft. Mit allen Überredungskünsten schindet Jaeckie eine letzte Gnadenfrist heraus, dann zieht er mit seinen Koffern von dannen. Kaum entschwunden, überbringt ein Telegrammbote die Nachricht vom Tod Jackies Mutter. Doch wo steckt Zucker? In einem Etablissement für liebebedürftige Männer, dem ostalgischen ?Club der Mitte?.

Bevor Jaeckie dort allerdings eintrifft, will er sich für das 5. European Pool Turnier anmelden. 100.000 Euro Siegprämie würden seine Probleme auf einen Schlag lösen. Allein ihm fehlt das Startgeld von 5.000 Euro. Woher nehmen? Schweren Herzens sucht Jaeckie sogar seine Tochter Jana (Anja Franke) auf, mit der er seit zwei Jahren nicht gesprochen hat. Die ehemalige Leichtathletin arbeitet inzwischen als Physiotherapeutin und hat eine Tochter, die zehnjährige Sarah (Antonia Adamik). Jana kennt die Tricks ihres Vaters nur zu gut. Als er ziemlich ungeschickt nach Geld fragt, das er ihr mal als ?Darlehen? gegeben hat, wirft sie ihn wütend aus ihrer Praxis.

Angekommen im ?Club der Mitte?, mußs Jaeckie der Geschäftsführerin und langjährigen Freundin Linda (Renate Krößner) die unangenehmen Neuigkeiten beichten. Er hat sich als Buchhalter ihres Ladens verkalkuliert, bald werden Linda und ihre Frauen auf der Straße stehen. Doch noch lässt Zucker nicht alle Hoffnung fahren und setzt auf das Pool-Turnier. ?Das ist meine Zeit. Reife und Können. Ick hab im letzten Jahr keen Spiel verloren, was ick nich verlieren wollte? ? Zucker strotzt vor Selbstbewusstsein. Bleibt nur noch die Kleinigkeit des Startgeldes ...

In diesem Moment schneit Marlene herein. Sie ist bereit, ihm zu vergeben und reicht Zucker das Telegramm: Seine Mutter will auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee beerdigt werden, für morgen früh kündigt Bruder Samuel (Udo Samel) seine Ankunft an. Nur widerstrebend lässt sich Zucker von Marlene zu Rabbi Ginsberg (Rolf Hoppe) zerren, ein enger Freund der Mutter, der das Begräbnis am nächsten Tag regeln wird.

Bleibt noch eine ?Kleinigkeit?: das Herrichten des Zucker-Domizils zu einem koscheren Hort des Familienglücks. Denn dort soll die Schiva gehalten werden, eine siebentägige Totenmesse. Mit der richtigen Broschüre über jüdisches Leben bewaffnet, erbeuten Marlene und Jaeckie alles nötige - vom siebenarmigen Leuchter über koschere Nahrungsmittel bis zur Messusa (kleine Thoraröllchen) für die Türrahmen. Samuel kann kommen. Dann aber drängt es Zucker ins Spielcasino. Einige atemraubende Stunden später hat er endlich sein Startgeld für das Pool-Turnier zusammen.

Am nächsten Morgen warten die Zuckers am Flughafen. ?Wie sieht Samuel denn aus??, fragt Marlene. ?Was weiß ich? Wahrscheinlich wie Osama bin Laden?, nölt Jaeckie. Samuel kommt mit Verspätung, bringt dafür aber seine Familie mit: die wohlbeleibte Golda (Golda Tencer), Tochter Lilly (Elena Uhlig) und den streng gläubigen Joshua (Sebastian Blomberg). Zucker fällt aus allen Wolken. Die ganze Mischpoke soll nun bei ihm wohnen? Weder Samuels noch Jackies Sträuben hilft, die Frauen übernehmen subtil das Zepter. Auf der Fahrt zum Friedhof gerät der Konvoi in einen Stau. Sie kommen zu spät, die Beerdingung wird auf den nächsten Tag verschoben ? nahezu zeitgleich mit Jackies Turnier.

Marlenes Mühen zum Trotz ist Zuckers Zuhause so koscher wie ein Schweinekotelett, doch daran will sich keiner stören. Rabbi Ginsberg liest den letzten Willen der Mutter vor: Geerbt wird nur, wenn sich die Brüder während der Schiva unter Beisein der ganzen Familie aussprechen und versöhnen. Außer Krankheit oder Tod gebe es dafür keinen Hinderungsgrund. Würden die Regeln nicht befolgt, fällt das vermutlich beträchtliche Vermögen der Jüdischen Gemeinde zu. Samuel und Jaeckie werden kurz allein gelassen ? schon fallen die ersten Vorwürfe. Doch die Sturköpfe brauchen Geld und sind willens, die Woche zu überstehen.

Anderntags plagen Samuel und Jaeckie Kopfschmerzen. Sie wollen Jana abholen, derweil die Frauen alles für die Schiva vorbereiten. Samuel moniert den Männerverschleiß seiner Tochter, Zucker hingegen meint triumphierend, Jana habe schon länger einen Freund. Während die beiden in der Küche auf sie warten, behelfen sie sich mit einer Aspirin. Als Jana endlich zu ihnen kommt, hat sie ihren ?Freund? dabei: ihre Kollegin Irene (Inga Busch). Zucker ist sprachlos.

Schon fallen die ersten spitzen Worte, denn Jana und Zucker haben einige offene Rechnungen zu begleichen: Allen voran eine Liebesgeschichte, die zum großen Ärger Zuckers vor zehn Jahren Janas Sportkarriere beendete. Viel Zeit zum Argumentieren bleibt jedoch nicht ? Jaeckie und Samuel fühlen sich plötzlich sonderbar: Statt Aspirin haben sie Ecstasy geschluckt. Mit Janas Hilfe verfrachtet Zucker Samuel in den ?Club der Mitte?, dort soll sich eine Palästinenserin um den Euphorisierten kümmern. Dann gesteht Zucker seiner Tochter gerührt seine Liebe und fährt hochgestimmt ins Internationale Congress Centrum (ICC), wo Bürgermeister Wowereit das Turnier eröffnet. Mit beispielloser Geschwindigkeit spielt sich Zucker durch die erste Runde. Jana hat ihn heimlich verfolgt und fiebert stolz mit.

Beim Begräbnis ist endlich auch Jana zugegen ? zur offensichtlichen Irritation Joshuas. Einige lange Reden später bricht Zucker über dem Grab zusammen. Hat er einen Herzanfall? Jana will ihn in die Klinik fahren, steuert dann jedoch zum ICC. ?100.000 Mäuse. Dafür kann man schon mal einen Anfall simulieren. Auch wenn?s am Grab der eigenen Mutter ist, stimmt´s?? meint sie trocken. Neues Spiel, neues Glück. Wieder räumt Zucker alles ab.

Am nächsten Morgen fühlt sich Jaeckie zu schwach für die Schabbatfeier in der Synagoge. Doch kaum allein, eilt er ins ICC. Sein stärkster Konkurrent ist ein hünenhafter Ukrainer, beide kommen ins Finale. Der Termindruck wird stärker, die Zeit knapp.

Zucker mußs wie der Teufel improvisieren, denn Marlene wird immer misstrauischer. Für die nächste Runde braucht er Lindas Hilfe: als Notärztin eist sie ihn mit Blaulicht von zu Hause los. Leider durchkreuzt Marlene den genialen Plan und fährt mit in die Klinik. Wieder kann sich Zucker davonschleichen, aber schafft er es noch rechtzeitig zu seinem Match?

Marlene weiß nun, dass Zucker sie und die ganze Familie belügt. Enttäuscht und wütend offenbart sie seinen Schwindel vor versammelter Mannschaft. Zucker, inzwischen wegen Verspätung vom Billardtunier disqualifiziert, sieht keinen Grund mehr für weitere Ausflüchte. Verzweifelt erzählt er von seinem Schuldenberg und den Versuchen, sich und die Frauen aus dem ?Club der Mitte? zu retten. Und siehe da ? jeder versteht ihn. Ermutigt rückt er nun mit seiner letzten Chance heraus: der Ukrainer habe ihn zu einem privaten Match herausgefordert. Mit 20.000 Euro steht sein Einsatz gegen die 80.000 Euro des Ukrainers ...

Der prinzipienstarre Joshua hat nun genug und will den Betrug dem Rabbi melden. Wieder lacht Zucker das Glück: Jana kann Joshua zurückhalten und wirft ihren Cousin mit einem seit zehn Jahren gehüteten Geheimnis aus der Bahn. Und dann? Es kommt zum Match, alle sind dabei und Zucker hat das spannendste Spiel seines Lebens. Nach dem letzten Stoß jedoch fällt sein Vorhang: Herzinfarkt - diesmal echt. Leben und Tod kennen kein Pardon. Neues Spiel, neues Glück ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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