Die Brautjungfer

Ausführlicher Inhalt

Philippe (Benoit Magimel) hat es nicht gerade leicht. Der 25jährige Angestellte einer Baufirma wohnt noch bei seiner Mutter Christine und den beiden jüngeren Schwestern. Die ältere Sophie (Solène Bouton) steht kurz vor der Hochzeit mit dem netten freiwilligen Feuerwehrmann Jacky (Eric Seigne), die jüngere Patricia (Anna Mihalcea) zieht nachts um die Häuser, leiht sich beim Bruder gerne Geld und hat wenig mit Familie im Sinn.

Christine (Aurore Clément) möchte ihrem neuen Freund Gérard (Bernard Le Coq) die steinerne Flora-Statue aus dem Garten schenken. Den Mädchen ist es egal, auch wenn das Relikt noch vom Vater stammt, der Frau und Kinder im Stich ließ. Philippe stimmt nach einigem Zögern zu. Die vier fahren zu dem Verehrer ihrer Mutter, der aber wohl jemand anders erwartet. Jedenfalls schließt er schnell die Tür zum Esszimmer, wo für zwei gedeckt ist und die Kerzen schimmern. Gemeinsam diniert man beim Italiener. Der etwa 50-jährige will sein Haus wegen Scheidung verkaufen und geschäftlich nach Italien fahren, verspricht Christine aber, sich bald wieder zu melden. Die scheint den ominösen Mann zu mögen.

Philippe, Patricia und Sophie halten ihn dagegen für einen Filou. So flattert nach einiger Zeit nur eine Postkarte aus Italien ins Haus, sonst hört und sieht Christine nichts mehr von dem Herrn. Bei einem Kundenbesuch entdeckt Philippe im Vorgarten des Nebenhauses auf einem Sockel Flora. Der neue Nachbar heißt Gérard. Philippe fährt zum italienischen Restaurant und fragt einen Kellner, ob er Näheres über Gérard weiß. Der kann ihm allerdings auch nicht weiterhelfen und bleibt starr auf der Treppe stehen, während Philippe im Auto sitzt, seinen Chef und seine Mutter anruft, beiden etwas vorlügt. Kurz entschlossen holt er Flora vom Sockel und versteckt sie in seinem Schrank. Die Statue übt einen seltsamen Reiz auf ihn aus, immer wieder streichelt er ihr Gesicht, stellt sie bei der Arbeit neben seinen Laptop.

Die Vorbereitung zur Hochzeit der Schwester laufen derweil auf Hochtouren. Endlich ist es soweit. Braut und Bräutigam lächeln in die Kamera, der Pfarrer gibt dem jungen Paar den Segen, die Mutter ist gerührt. Philippe erscheint schick im blauen Anzug mit Rosette und tauscht verstohlene Blicke mit Brautjungfer Senta (Laura Smet), eine geheimnisvolle Cousine des Bräutigams, die angeblich ständig ihre Namen wechselt. Das Brautpaar sucht im strömenden Regen nach einem opulenten Festmahl das Weite und auch Philippe bricht auf, nicht ohne Senta zu fragen, ob er sie irgendwohin bringen könne. Sie schlägt das Angebot aus, taucht aber kurze Zeit später völlig durchnässt bei ihm auf, wirft das Brautjungfern-Kleid achtlos in die Ecke, duscht sich und kommt im Morgenrock der Mama wieder aus dem Bad heraus.

Bevor der überraschte Philippe etwas sagen kann, küsst sie ihn leidenschaftlich und lässt das Kleidungsstück lasziv fallen. Sie bittet ihn immer wieder, ihren Namen zu sagen und behauptet, er sei ihr Schicksal und der Mann, auf den sie schon immer gewartet habe. Um gemeinsam die Nacht zu verbringen, fahren sie zu ihr. Unterwegs erzählt sie von ihrer Arbeit als Schauspielerin in Film und Theater. Bei der Ankunft ärgert sie sich über den Clochard, der im Gebüsch nächtigt. Das Haus wirkt leicht heruntergekommen und unheimlich - in einem riesigen Raum sind die Möbel mit weißen Tüchern abgedeckt, im ersten Stock tanzt ein Paar Tango, eine wackelige Treppe führt in Sentas Reich, das Souterrain.

Ein Zimmer, dessen Fenster nur vages Licht einlassen, eine Art Höhle, in der sich die 23-jährige gerne verkriecht. Sie lieben sich leidenschaftlich, scheinen für einander geschaffen. Am nächsten Morgen findet Philippe einen Zettel, Senta kündigt ihre Rückkehr nach einem Casting aus Paris für den Abend an. Er fühlt sich auf Wolke Sieben und glaubt, Ähnlichkeiten zwischen der steinernen Flora und Senta zu entdecken. Mit der Statue im Arm schläft er in seinem Bett ein. Abends ruft er Senta an, aber die hebt nicht ab. Der Tag vergeht mit Arbeit, erneut versucht Philippe, Senta zu erreichen, fährt zu ihr und fällt fast über den Clochard, der ihm eröffnet, "Dornröschen" sei schon seit dem gestrigen Abend wieder zu Hause. Philippe wartet im Auto. Irgendwann klopft Senta an die Scheibe, umarmt ihn, gemeinsam fahren sie ans Meer.

Unterwegs erzählt sie von ihrer Kindheit, der Mutter, die bei ihrer Geburt gestorben ist, den Eskapaden in Marokko und New York, ihrer Rolle als Komparsin in einem Woody-Allen-Film. Amüsiert lauscht Philippe, der nicht alles für bare Münze nimmt, aber in seiner Verliebtheit alles akzeptiert. Wer liebt, vertraut dem anderen. Die meiste Zeit verbringen die beiden im Bett. Immer mehr gerät der Angestellte in den Bann seiner Geliebten, immer wieder warnt Senta ihren Liebhaber, sie zu verlassen. Sie fürchtet die Enttäuschung. Als sie zum Frühstück Nescafé macht, stöbert Philippe in ihren wenigen Büchern herum und wundert sich, dass nicht ein einziges von Theater oder Film handelt. Darüber erbost sie sich. Er soll gehen, wenn er sie für eine Lügnerin hält.

Sie will keine "kleine Eroberung" sein, sondern die Frau seines Lebens. Philippe beteuert seine unerschütterliche Liebe und Senta schlägt vor, sich gegenseitig die Gefühle zu beweisen. Dazu gehört für sie, einen Baum zu pflanzen, ein Gedicht zu schreiben, mit einem gleichgeschlechtlichen Partner Sex zu haben und jemanden zu töten. Nicht der Tod zähle, sondern einzig die Geste. Etwas nervös hört sich Philippe diese Geschichte an und will Senta wieder auf den Boden der Tatsachen holen, die wirft ihn aber wutentbrannt raus. Frustriert landet er bei seiner Mutter und mußs sich anhören, er solle sich mehr um seine kleine Schwester kümmern, die nachts durch die Gegend zieht, auch schon mal Geld vom Küchentisch mitgehen und sich nichts mehr sagen lässt, dass sein Chef ihn sucht und sie eigentlich nicht mehr weiß, wo ihr der Kopf steht.

Sophie und Jacky sind von der Hochzeitsreise zurück. Die junge Ehefrau zeigt sich verärgert, dass Senta das Brautjungfernkleid so schmutzig in der Wohnung hat liegen lassen und Jacky erklärt dazu, Senta sei immer schon etwas merkwürdig gewesen. Philippe lässt sich nicht beirren, und versucht immer wieder Senta telefonisch zu erreichen, sie meldet sich aber einfach nicht. Bei der Suche trifft er vor ihrer Wohnung nur ihre Stiefmutter Rita (Isolde Barth), die gerade von einem Tango-Wettbewerb zurückkommt. Frustriert sitzt Philippe zu Hause herum, als es plötzlich klingelt und Senta auftaucht. Sie will das Brautjungfernkleid reinigen lassen und als Andenken behalten. Kaum sind die beiden allein, fallen sie wieder übereinander her. Bevor er wieder zur Arbeit geht, verspricht sie ihm noch einmal, niemand anders sehen zu wollen als ihn.

In der Zeitung entdeckt Philippe das Bild vom Clochard und einen Bericht über dessen Ermordung. Abends kehrt er mit Wein und Delikatessen in die von Kerzen in ein Lichtermeer verwandelte Liebeshöhle zurück. Mehr aus Spaß "beichtet" Philippe "seinen Mord" am Clochard. Sie ist wie elektrisiert, will Details wissen und verspricht ihm, einen ähnlichen Liebesbeweis zu liefern, schwärmt von der Magie und der Mystik zwischen ihnen. Als Philippe nach der wilden Liebesnacht erwacht, sitzt Senta angezogen neben ihm und berichtet begeistert vom Mord an Gérard, den sie begangen hat: "Ich habe ihn für dich getötet", vor wenigen Stunden im Morgengrauen überrascht beim Joggen. Nach dem ersten Schock ist Philippe erleichtert. Denn Senta erzählt auch von einem Hund, der Gérard begleitete. Und da dieser Hunde hasst, geht Philippe von einem kleinen Lügenmärchen aus.

Trotz neuer Liebe erledigt Philippe seinen Job zur Zufriedenheit seines Chefs, der ihm vorschlägt, im nächsten Jahr bei ihm als Partner einzusteigen. Noch etwas irritiert über Sentas "Geständnis", fährt er zu Gérards Haus und trifft zu seiner Freude zufällig den putzmunteren Herzensbrecher, der ihm einen Gruß an die Mutter mitgibt und sonst allerdings kein weiteres Interesse bekundet. Mit Blumen in der Hand besucht er Senta und macht ihr einen Heiratsantrag. Sie ist glücklich an diesem "schönsten Tag in ihrem Leben" und überreicht ihm den Haustürschlüssel. Gemeinsam steigen sie in den zweiten Stock, wo sie sich einrichten wollen.

Zwar gefällt Philippe die Größe der Räumlichkeiten, die aber einen äußerst unangenehmen Geruch ausströmen. Bevor sie weitere Planungen machen können, klingelt das Handy. Philippe mußs zur Polizeistation, seine kleine Schwester ist wegen Diebstahls verhaftet worden. Erst einmal beruhigt er dort seine Mutter und Sophie, bevor ihn der Chef des Kommissars zum Gespräch bittet. Monsieur spricht jedoch nicht von Patricia, sondern von einem äußerst merkwürdigen Mord im Wald. Ein bei Gérard zu Besuch wohnender Cousin wurde mit einer venezianischen Glasscherbe beim Jogging erstochen. Die Polizei fand den jaulenden Hund und die Leiche.

Philippe scheint - da er sich vor Gérards Haus aufgehalten hat - als Schuldiger oder Mittäter verdächtig. Wie betäubt verlässt er das Kommissariat. Um sich klare Gedanken zu verschaffen, läuft er durch den Park und ruft Senta an. Sie ist erstaunt über sein Entsetzen und hält es auch nicht für weiter schlimm, einen völlig Unbeteiligten umgebracht zu haben. Es war doch der nötige Liebesbeweis! Völlig mit den Nerven fertig, schlägt ihr Philippe vor, sich für einige Zeit zu trennen. Er will sich verstärkt um seine Familie kümmern. Sie versteht ihn nicht, beharrt auf ihrer einmaligen Liebe und fordert ihn auf, sofort zu ihr zukommen.

Sowieso schon durcheinander, steht er plötzlich auch noch vor dem tot geglaubten Clochard, drückt ihm Geld in die Hand und warnt ihn, sich nicht noch einmal Sentas Haus zu nähern. Dann fällt er die Entscheidung, seine Geliebte noch einmal zu sehen. Senta erwartet ihn schon ungeduldig, als wenn nichts gewesen wäre. Sie hat noch eine weitere Überraschung für ihn ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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