House Of Flying Daggers

Produktionsnotizen

Regisseur Zhang Yimou, international bekannt für seine wunderschönen, einfühlsamen Porträts über China, sieht sich nicht als Experte in der Inszenierung von Actionfilmen, sondern eher als begeisterter Schüler des Genres. Nach dem Oscar®-nominierten Welterfolg HERO ("Hero", 2003), seinem ersten Ausflug in das von Schwertkämpfen und Ritterlichkeit geprägte Genre der Wuxia-Filme, konnte Zhang Yimou nicht mehr lassen vom Actionfilm. "Dieses Mal jedoch bin ich mutiger und vertrauter mit dem Genre", erklärt Chinas berühmtester Regisseur. "Man kann durchaus sagen, dass dieser Film eine Hommage an das Genre der Wuxia-Filme darstellt."

Zhang Yimous Annäherung an den Wuxia-Film ist eine Verbeugung vor King Hu, einem der größten Meister dieses Genres. Hus Werk, zu dem auch der beim Filmfestival von Cannes mit dem Großen Preis der Technik ausgezeichnete Klassiker EIN HAUCH VON ZEN ("A Touch of Zen", 1969) gehört, hat seit vielen Jahren Maßstäbe gesetzt für die Themen und Konventionen des Wuxia-Genres. Dazu zählen das Gefecht im Bambuswald, der fahrende Ritter, die Schwertduelle und die Kämpfe für ein politisches oder patriotisches Ziel. Dies alles bildet das Vermächtnis Hus, das Zhang Yimou studiert und für seinen eigenen Ansatz umgearbeitet hat.

HOUSE OF FLYING DAGGERS mag aufregendes Actionkino sein, aber der Film zeigt auch die außerordentliche visuelle Schönheit und das prägnante Geschichtenerzählen, die als Qualitäten zum Markenzeichen des Regisseurs geworden sind. "Ein gewöhnlicher Martial-Arts-Film interessiert mich nicht", gibt Zhang Yimou zu. "Ich will von Leidenschaft, interessanten Charakteren erzählen ... meinen eigenen Stil für den Wuxia-Film finden. In unserer Geschichte geht es um Leidenschaft und Liebe ... das ist vielleicht ein Wuxia-Film, aber gleichzeitig auch eine bewegende und romantische Liebesgeschichte."

Obwohl er zu Asiens bekanntesten Stars zählt, war Takeshi Kaneshiro etwas eingeschüchtert von seinem bereits dreimal für einen Oscar® nominierten Regisseur. "Ich machte mir Sorgen, dass ich vielleicht etwas Falsches sagen oder weitere Fehler machen würde", erzählt der Schauspieler, der japanische und taiwanische Wurzeln hat. "Aber Zhang Yimou ermutigte und bestärkte mich immer wieder. Er erklärte genau, was er wollte, und wenn man ihm dabei zuhörte, glaubte man, eine Geschichte vorgetragen zu bekommen. Ich war hingerissen davon und wusste schließlich ganz exakt, was ich zu tun hatte."

Für Hongkong-Superstar Andy Lau war es gleichermaßen Überraschung und Vergnügen, dass Zhang Yimou die Story als treibende Kraft seines Films betrachtete. "Als ich die Rolle annahm, dachte ich, dass es viele Kampfszenen geben würde. Dann aber erkannte ich, dass es Zhang Yimou bei meiner Figur um ein detailliertes Charakterporträt mit allen Wesenszügen ging ... Zhang Yimou richtet die Kamera auf dich und verharrt auf dieser Position. Und wenn man dann gut ist, ist man eben gut. Wenn aber nicht, nun ja, dann ..." Für den Regisseur allerdings gab es nie Zweifel, ob denn nun Andy Lau gut war. "Er ist ein großartiger Schauspieler", schwärmt Zhang Yimou. "Er kann auf Kommando Tränen zeigen und das fünfmal hintereinander. Das ist gewiss nicht einfach, und er verbessert sich fortwährend."

Zhang Ziyi, die seit ihrem Debüt in HEIMWEG ("The Road Home", 1999) mehrfach mit Zhang Yimou zusammengearbeitet hat, zeigt sich immer wieder beeindruckt von der Neugier und der poetischen Erzählkunst des Regisseurs. In HOUSE OF FLYING DAGGERS verkörpert die junge Schauspielerin eine blinde Tänzerin, hinter der sich mehr verbirgt, als es zunächst den Anschein hat. Um sich auf die Herausforderung dieser Rolle vorzubereiten, lebte Zhang Ziyi zwei Monate bei einem blinden Mädchen. "Als dieses Mädchen 12 Jahre alt war, verlor sie durch einen Gehirntumor ihr Augenlicht ...", erklärt Zhang Ziyi. "Anfangs hatte ich keine Ahnung, wie vollkommen anders ein Blinder die Welt erlebt." Die Rolle erlaubte Zhang Ziyi auch, ihr Talent als Tänzerin, das sie seit ihrem 11. Lebensjahr mit eisernem Training weiterentwickelt hatte, unter Beweis zu stellen.


Statement des Regisseurs "HOUSE OF FLYING DAGGERS erzählt eine Geschichte von Leidenschaft und Liebe. Er mag ein Martial-Arts-Film sein, gleichzeitig findet sich darin aber auch eine zeitlose, romantische Liebesgeschichte. Beschrieben wird eine emotionale Reise der Liebe und der Leidenschaft. Man wird sehen, wie drei Menschen der Liebe wegen leiden und den Schmerz spüren, den sie deshalb ertragen müssen. Die Liebe zerreißt uns, aber dennoch sind wir bereit, alles dafür zu opfern.

Wenn eine Frau zwischen zwei Männern hin- und hergerissen wird, wird das in einer Tragödie enden. Das ist uns klar. Die Beziehungsdynamik zwischen diesen drei so grundverschiedenen Menschen, die sich in ihrem biographischen Hintergrund so unterscheiden, ist faszinierend. Das Einzige, was sie gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass niemand ist, was er vorzugeben scheint. Jeder täuscht jeden. In China sagt man, dass Liebe, Hass, Leidenschaft und Rache die unbeständigsten, sprunghaftesten Emotionen sind - und diese Gefühle sind es, die unsere drei Hauptfiguren umschließen.

Der Bambuswald ist als Schauplatz untrennbar mit Martial-Arts-Filmen verbunden. Ang Lee beispielsweise drehte für TIGER & DRAGON ("Crouching Tiger, Hidden Dragon", 2000) Szenen in einem Bambuswald. Tatsächlich hat in den letzten 50 Jahren eigentlich jeder Actionszenen in diesem Ambiente inszeniert. Fast scheint es so, als müsse man in einem Bambuswald kämpfen, um als echter Krieger zu gelten. Deshalb mußste natürlich auch ich diese Tradition aufrechterhalten, wenn ich einen Actionfilm drehen wollte. Aber ich bestand darauf, der vertrauten Szenerie des Bambuswalds einen persönlichen Touch zu geben. Jede Szene legte ich etwas anders an. In meinem Bambuswald finden die Kämpfe gleichzeitig am Boden wie auch in den Baumwipfeln statt. Das flüchtende Liebespaar verteidigt sich am Boden, während die Feinde von oben aus attackieren.

Der Schnee (in der Ukraine) kam dieses Jahr schon sehr früh - im Oktober. Als wir gerade eine Sequenz zur Hälfte abgedreht hatten, begann es heftig zu schneien. Das beunruhigte mich sehr, denn hätte es weiter so geschneit, wären alle Blätter an den Bäumen verschwunden, und das wiederum hätte große Probleme mit der Kontinuität innerhalb der Szenen mit sich gebracht. Ich mußste also eine Entscheidung treffen und nach einigem Überlegen entschied ich mich, im Schnee zu drehen. Weil wir aber mit der Sequenz bereits begonnen hatten, mußsten wir Veränderungen vornehmen - am Drehbuch, am Tempo und an vielem mehr. Wenn ich mir jetzt diese Sequenz anschaue, bin ich außerordentlich glücklich. Der Schnee schuf die perfekte Stimmung für diese Sequenz. Das ist einfach Schicksal - jemand ganz oben entschied sich dafür, mir zu helfen.

Für den Peony Pavillon haben wir ein sehr aufwändiges, kunstvolles Set errichtet, um Meis und Leos Echo-Spiel richtig präsentieren zu können. Wenn man aber den fertigen Film sieht, wird man erkennen, dass die Kämpfe, die ganze Action und die visuellen Effekte hinter der emotionalen Reise, hinter dem Schicksal der drei Hauptfiguren zurücktreten. Letztendlich geht es im Kino um Menschen - unabhängig von Genre oder Stil.

Für mich ist das kein gewöhnlicher Martial-Arts-Film. Es ist eine Liebesgeschichte, eingebettet in einen Actionfilm. Jin und Mei verbringen nur drei Tage miteinander, aber in dieser Zeit lieben sie mit großer Leidenschaft und schließlich auch mit tragischem Ausgang. Ihre Liebe kann man nicht erklären. Wäre das möglich, dann wäre es nicht Liebe. Vielleicht brauchen wir alle nur drei Sekunden, um wahre Liebe zu finden. Wenn man 30 Jahre zusammen verbringt, bedeutet das nicht zwangsläufig ein tieferes Verbundenheitsgefühl.

Viele Regisseure haben ähnliche Geschichten erzählt. Mir aber ging es darum zu zeigen, wie sich Menschen verlieben und welche Opfer sie dafür zu bringen bereit sind. Letzten Endes bedeutet Liebe für mich ein Triumph der menschlichen Seele."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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