Sylvia

Ausführlicher Inhalt

Zu Beginn des Films ist Sylvia bereits ein akademisches Wunderkind, aber sie ist von dem brennenden Ehrgeiz besessen, eine erfolgreiche Dichterin zu werden. Als sie mit einem Fulbright Stipendium nach Cambridge kommt, ist ihr offenes amerikanisches Wesen wie ein bunter Farbtupfer in der verklemmten und engen Atmosphäre, die im Großbritannien der Fünfzigerjahre herrscht.

Ihre Enttäuschung über eine schlechte Kritik für ein Gedicht, das sie bei einer Studentenzeitung veröffentlichen möchte, verfliegt, als sie das Gedicht eines jungen englischen Uniabsolventen namens Ted Hughes liest. Sie beschließt, ihn kennen zu lernen. Auf dem alkoholreichen Gründungsfest eines Literaturmagazins kommen sie sich näher, und ihre Verbindung entwickelt umgehend eine große Intensität. Von dem Moment an, in dem ihre Augen sich zum ersten Mal begegnen, sind ihre Schicksale untrennbar miteinander verflochten.

Sie treffen sich in London, wo Ted mit Gleichgesinnten in bohèmehaften Verhältnissen lebt. Nach einem alkoholreichen ?Poetry Slam', einem Abend, an dem man sich gegenseitig Gedichte rezitiert, schlafen die beiden zum ersten Mal miteinander. Ted bemerkt eine Narbe in Sylvias Gesicht und fragt, woher diese stamme. Sie erzählt ihm die Geschichte ihres Selbstmordversuches. Die Leidenschaft ihrer jungen Beziehung gewinnt durch das gemeinsame Empfinden von Sylvias Leiden noch mehr an Intensität.

Sie heiraten. Sylvia steckt ihre grenzenlose Energie in das Vorhaben, Teds literarischen Ruf zu vergrößern. Sie schreibt seine Werke immer wieder ab und reicht für jede Ablehnung, die sie erhält, zwei neue Manuskripte ein. Ihre Mühen werden belohnt, als sie erfahren, dass Ted den New York Poetry Prize gewonnen hat. Beide sind voller Begeisterung und beschließen, nach Amerika zu gehen, um dort zu leben. Aurelia, Sylvias Mutter, organisiert eine Willkommensparty für Sylvia. In einem ruhigen Augenblick zeigt sie Ted den Ort, an dem man Sylvias halbtoten Körper gefunden hatte. Sie beschwört ihn, auf Sylvia aufzupassen und sie immer gut zu behandeln.

Ted und Sylvia ziehen sich nach Cape Cod an die Atlantikküste zurück, um sich einen Sommer lang ungestört ihrer Schriftstellerei zu widmen. Sylvia träumt von den Gedichten und Romanen, die sie schreiben möchte, aber wenn sie vor ihrer Schreibmaschine sitzt, fühlt sie nur eine große Leere. Ted erklärt ihr, dass sie den Mut haben müsse, noch weiter in die Tiefen ihrer Seele vorzudringen, um die vergrabenen Gedanken und Gefühle aufzuspüren.

Aber die Bedürfnisse des Alltags machen es erforderlich, dass Sylvia ebenfalls eine Stellung als Englischlehrerin am Smith's College annimmt. Hier ist Ted ständig von jungen Studentinnen umringt und wird zum gefeierten Mittelpunkt der literarischen Zirkel der Ostküste. Sylvia wird immer eifersüchtiger, nicht nur auf Teds berufliche Erfolge, sondern vor allem auch auf die Aufmerksamkeit, die andere Frauen ihm entgegenbringen und die er erwidert. Frustration und Erschöpfung bilden eine unheilvolle Allianz und gipfeln in einem schrecklichen und gewaltsamen Streit über eine mutmaßliche Affäre Teds mit einer Studentin des Smith's College.

Um ihren Schwierigkeiten zu entkommen, kehren Ted und Sylvia nach London zurück. Dort kommt ihre Tochter Frieda zur Welt, und Teds Bekanntheitsgrad vergrößert sich durch die Unterstützung einflussreicher literarischer Rezensenten wie Al Alvarez. Sylvia vollendet ihren ersten Gedichtband, The Colossus, aber die Reaktion der Kritiken ist verhalten. Ihre Enttäuschung wird durch Teds wachsenden Erfolg noch verstärkt. Als er von einem Treffen mit einem Radioproduzenten nicht rechtzeitig nach Hause kommt, macht Sylvia ihm eine furchtbare Szene.

Wieder ziehen sie um - diesmal nach Devon. Bei der Vermietung ihrer Londoner Wohnung lernen sie ein Paar kennen, David und Assia Wevill. David ist ebenfalls Dichter und sie beschließen, sich in Devon wieder zu sehen.

Ein zweites Kind wird geboren, Nicholas. Als Assia und David das Paar in ihrem Landhaus in Court Green besuchen, keimt in Sylvia der Verdacht, dass sich zwischen Ted und Assia ein Verhältnis anbahnt. Sie ist sich ihrer Sache so sicher, dass sie Assia und David wegschickt. Kurz darauf kehrt Ted nach London zurück, um seiner Arbeit nachzugehen und beginnt tatsächlich eine Affäre mit Assia. Sylvia fordert eine Aussprache und erfährt die Wahrheit. Ted verlässt die Familie. Außer sich vor Verzweiflung und halb besinnungslos vor Kummer, entwickelt Sylvia eine dichterische Kreativität von erstaunlicher Kraft und Fülle.

In dem Versuch, der Einsamkeit Devons zu entfliehen, und auch, um die Möglichkeit einer Versöhnung mit Ted nicht ganz zu verlieren, kehrt Sylvia nach London zurück und findet in Primrose Hill ein neues Zuhause. Während dieses Winters, der der härteste des gesamten Jahrhunderts werden soll, verschlechtert sich Sylvias seelischer Zustand immer mehr, bis sie erkennen mußs, dass sie nicht mehr in der Lage ist, ihre Kinder zu versorgen.

In einem letzten verzweifelten Versuch trifft sie sich noch einmal mit Ted und schlägt ihm vor, alles Geschehene zu vergessen und einen neuen Anfang zu machen. Aber obwohl ein Teil von ihm eine Rückkehr zu Sylvia möchte, mußs Ted ihr gestehen, dass Assia ein Kind von ihm erwartet. Sylvia wird von endgültiger Verzweiflung ergriffen. Eine tödliche Ruhe überkommt sie.

Sie steckt ihre Kinder ins Bett und deckt sie warm zu; dann öffnet sie die Schlafzimmerfenster. In der Küche dichtet sie die Türspalten mit Handtüchern und Klebeband ab. Sie bereitet sich sorgfältig und methodisch auf ihr Ende vor.

Eine Pflegerin, die in Sylvias Haushalt nach dem Rechten schauen soll, findet die Kinder am nächsten Morgen. Man entdeckt Sylvias toten Körper; sie hat den Gashahn aufgedreht und sich vergiftet. Ted ist am Boden zerstört. Auf ihrem Schreibtisch findet er das abgeschlossene Manuskript ihrer Gedichte (der Gedichtband Ariel wird postum veröffentlicht); es sind ihre Abschiedsworte, ihr Vermächtnis und das Werk, das dafür sorgt, dass ihr Ruf der Nachwelt für immer erhalten bleibt.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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