Constantine

Ausführlicher Inhalt

"Und wenn ich behaupte, dass Gott und der Teufel eine Wette laufen haben? Sie spielen um die Seelen aller Menschen." (John Constantine)

Stellen Sie sich vor, dass auf der Erde eine Art Waffenstillstand herrscht: Die Kräfte des Guten und des Bösen befinden sich im Gleichgewicht, das seit Menschengedenken genau austariert wird. Die Menschen können in diesem Umfeld ihren eigenen Weg wählen, und sobald sie sich entscheiden, bestimmen sie auch ihr Schicksal im Jenseits: Die einen steuern auf den Himmel zu, die anderen auf die Hölle.

Als Teil dieser göttlichen Wette um alle Seelen der Welt ist es Gott und dem Teufel verboten, die Menschen in ihrem freien Willen zu manipulieren. Doch wird ihnen über Vermittler ein gewisses Maß an Einfluss zugestanden. Diese Wesen, die auf der Erde um ihren Geltungsbereich ringen, sind weder richtige Engel noch Dämonen - man beschreibt sie am besten als Halbblut. "Nehmen wir an, du bist dein Leben lang ein sehr guter oder sehr böser Mensch gewesen. Diese Typen verpassen deiner Seele dann eine neue menschliche Hülle und schicken dich wieder auf die Erde, wo du bestimmte Aufgaben erfüllen mußst", erklärt John Constantine. Der Mann war tatsächlich schon einmal in der Hölle - und ist von dort zurückgekehrt.

Diese Halbblut-Wesen leben in normalen menschlichen Körpern und können sich unter den Menschen frei bewegen und ihre Arbeit verrichten. Sie fahren Auto, arbeiten, pflegen die unterschiedlichsten Beziehungen mit ihren menschlichen Gastgebern, ohne dass jemand etwas merkt. "Sie sehen genauso aus wie wir", sagt "Constantine"-Regisseur Francis Lawrence. "Selbst wenn man mit ihnen zusammenlebt, befreundet oder sogar verheiratet ist, bekommt man das nicht mit."

Nur John Constantine kann sie erkennen.

Schon als Kind hatte er die besondere Gabe - er selbst würde sie als Fluch bezeichnen -, diese Wesen zu identifizieren, er weiß, was sie unter ihrer dünnen Oberfläche wirklich verbergen. Er sieht ihr wahres Gesicht, ob Engel oder Dämon. Doch er empfindet diese seine Fähigkeit als schreckliche Bürde, weil niemand ihn verstehen kann. Als Jugendlicher sah er deswegen nur einen Ausweg, um seinen Frieden zu finden: Er beging Selbstmord. Oder versuchte es zumindest ... die Verzweiflungstat brachte ihm allerdings nur einen zweiminütigen Trip in die Abgründe der Hölle ein, einen Albtraum jenseits aller Vorstellungskraft - dann atmete er wieder und kehrte ins Leben zurück.

Seit diesem Tag weiß er, welch höllisches Schicksal ihn im Jenseits erwartet - verzweifelt versucht er ihm zu entkommen. Der übliche Weg der Erlösung bleibt ihm versperrt, und deswegen will er sich seinen Platz im Himmel verdienen, indem er die Halbdämonen auf der Erde bekämpft. Constantine ist heute ein Experte für Dämonologie und Schwarze Kunst, und wenn es ihm nützt, bewährt er sich auch als versierter Gauner. Als Waffen verwendet er heilige Reliquien, seinen Verstand, seine Fäuste - ihm ist jedes Mittel recht, um die zahllosen Horden des Bösen zu zerfetzen und in die Unterwelt zurückzuschicken.

Doch er ist kein gewöhnlicher Held. Er hat kein hehres Ziel, er bekriegt das Böse nur, um sich seinen Platz im Himmel zu erkaufen, der ihm verwehrt ist. Und weil seine Bemühungen keinen Erfolg haben, ist er zum Zyniker geworden.

Constantines seltsames Schicksal, seine Verbitterung fand Keanu Reeves besonders interessant. "Selten habe ich ein derart gutes Drehbuch gelesen", sagt er. "Alles stimmt: der Humor, intelligente und dynamische Ideen, und vor allem gefällt mir, dass alles so zweideutig ist: Geheimnisse und Widersprüche. Constantine ist zwar ein sehr moralischer Mensch, dennoch bleibt sein Ethos etwas undurchsichtig. Er will zwar das Böse bekämpfen, wendet aber nicht gerade saubere Methoden an. So ein Anti-Held ist mir noch nie begegnet."

Der Exorzist wider Willen wird permanent von Halbblut-Wesen beider Lager gequält. Der engelhafte Gabriel (TILDA SWINTON), Gottes Wächter auf Erden, verweigert Constantine ständig die Vergebung, die er so hartnäckig fordert. Gabriel lässt sich von Constantines Privatkrieg nicht beeindrucken, weil er dessen eigennützige Motive kennt. Er ermahnt Constantine immer wieder - und nicht gerade zimperlich -, dass er sich den Himmel nicht erkaufen kann. Und Satans Vertreter Balthazar (GAVIN ROSSDALE) macht sich über Constantines vergebliche Mühen lustig - außerdem erinnert er ihn daran, dass seine Tage auf Erden gezählt sind. Denn der schadenfroh grinsende Balthazar hat erfahren, dass Constantine an Lungenkrebs im Endstadium leidet.

Constantine hat nur wenige Freunde auf seiner Seite. Zu ihnen zählt Chaz (SHIA LaBEOUF), sein treuer Chauffeur, der unbedingt bei ihm in die Lehre gehen möchte. Was er von Constantines Welt mitbekommt, fasziniert ihn - solange er auf sicherer Distanz bleibt. Chaz kompensiert seine mangelnde praktische Erfahrung mit seinem umfassenden Wissen über Religion und paranormale Vorgänge - emsig bereitet er sich auf den Tag vor, an dem Constantine ihn um Hilfe bitten wird.

Substanziellere Hilfe könnte Constantine von seinem früheren Kameraden Midnite (DJIMON HOUNSOU) erwarten, doch er hat die Brücken zu seinem Freund praktisch abgebrochen. Früher war Midnite als Gesundbeter und Zauberer tätig, heute verhält er sich neutral: Sein Nachtclub dient als Refugium für Halbblut-Wesen beider Seiten. Midnite dient niemandem außer seinen eigenen Interessen. Und er warnt Constantine davor, das Gleichgewicht zu stören.

Doch Constantine kämpft weiter. Was bleibt ihm sonst übrig? Er kennt kein anderes Leben mehr.

Sein alter Freund Pater Hennessy (PRUITT TAYLOR VINCE), der auch schon bessere Tage gesehen hat, bittet ihn um Hilfe: Wieder einmal soll Constantine eine Teufelsaustreibung vornehmen. Diesmal ist ein kleines Mädchen vom Bösen besessen. Constantine hat zwar schon zahllose Exorzismen durchgeführt, doch in diesem Fall hat er plötzlich ein seltsames Gefühl: Fassungslos, ja alarmiert stellt Constantine fest, dass der Dämon in diesem Kind nicht von seinem kleinen Körper Besitz ergreifen will, sondern aus ihm hervorbrechen und in die physische Welt eintreten will - ein eklatanter Bruch des seit ewigen Zeiten geltenden Abkommens. So etwas hat es noch nie gegeben.

Doch damit fängt die Serie böser Omen erst an: Auf dem Heimweg durch die finsteren Straßen der Innenstadt von Los Angeles wird Constantine von einem Dämon angegriffen - keinem Halbblut-Wesen, sondern einem ausgewachsenen Dämon, der sich dreist an die Erdoberfläche wagt, als ob er das Recht dazu hätte.

Während Constantine noch über diese unerklärlichen, fürchterlichen Vorfälle nachdenkt, bittet ihn Angela Dodson (RACHEL WEISZ) um Hilfe: Verzweifelt versucht die Polizeidetektivin herauszufinden, warum ihre Zwillingsschwester Isabel Selbstmord begangen hat. Die Schwestern sind in dem Glauben erzogen worden, Selbstmord sei eine Todsünde. Deswegen kann sie nicht glauben, dass ihre Schwester sich umgebracht hat, obwohl es Aufnahmen einer Überwachungskamera des Sanatoriums gibt, in dem Isabel behandelt wurde: Man sieht, wie sie vom Dach springt.

Gerüchteweise hat Angela von Constantine gehört - man bringt ihn mit seltsamen, übernatürlichen Vorfällen in der Stadt in Verbindung. Deswegen überwindet sie ihre Skepsis, weil sie hofft, dass er erklären kann, was wirklich mit Isabel geschehen ist. Doch Constantine zeigt überhaupt kein Interesse. "Er hat genug mit sich selbst zu tun", erklärt Reeves. "Gerade hat er erfahren, dass er Lungenkrebs im Endstadium hat. Er weiß, dass er in der Hölle landen wird, weil er ein Menschenleben vernichtet hat - nämlich sein eigenes. Also sucht er jetzt hektisch nach einem Ausweg."

Weil er vollauf mit sich selbst beschäftigt ist, lehnt Constantine zunächst kategorisch ab, Angela zu helfen ? bis er das höllische Wesen entdeckt, das Angela verfolgt, als sie ihn verlässt. Constantine weiß zwar nicht, wie oder warum, aber irgendwie stellt Angela den Schlüssel zu den bizarren dämonischen Ereignissen dar, die um sie herum geschehen. Eines weiß er ganz sicher: Das Gleichgewicht ist außer Kontrolle geraten. Er mußs sich auf einiges gefasst machen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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